Bikes statt Brummis – Donwsizing ganz anders

In vielen deutschen Städten ist der motorisierte Lieferverkehr zum Dauerproblem geworden. Eine Lösung bietet das Comeback des Lastenrads. Auf der IAA Nutzfahrzeuge zeigen sich eine Reihe innovativer Cargoräder, die das urbane Transportwesen in naher Zukunft revolutionieren wollen.

Angesichts verstopfter Innenstädte, Klimakrise und Dieselfahrverboten suchen Logistikunternehmen gerade im Hinblick auf die „letzte Meile“ nach Alternativen. Mit großen Transportern kleine Pakete von Haustür zu Haustür fahren – das ist nicht smart. Doch Miniroboter oder Drohnen bleiben vorerst noch Zukunftsmusik. Eine wesentlich konkretere Alternative sind die Cargobikes, die nicht nur bei Großstädtern als Autoersatz Karriere machen, sondern auch Transportunternehmen zu neuem Denken motivieren. UPS, DHL und viele mehr testen derzeit die Leistungsfähigkeit von Lastenrädern, die nach Meinung von Experten im richtigen Setting jeweils einen Van ersetzen können. Als besonders erfolgversprechend gilt dabei der Aufbau von Mikro-Verteilerzentren, von denen aus Lastenräder mit vorkonfektionierten Wechselcontainern ausschwärmen und so laut- wie emissionsfrei Kunden der näheren Umgebung beliefern.

Lastenräder sind keineswegs neu. In der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg waren sie in vielen Großstädten sogar gängiges Transportmittel, das allerdings vom Automobil verdrängt wurde. Neben einem Mentalitätswandel hat ein entscheidender technischer Fortschritt seine Renaissance befeuert: Dank moderner E-Bike-Technik sind Lastenräder und ihre Fahrer deutlich leistungsfähiger als konventionell getriebene Pendants. Es gibt mittlerweile über 100 Kilogramm schwere Cargobikes, die auf mehr als 200 Kilogramm Last ausgelegt sind. Ohne Motor geht da nichts mehr.

Die E-Bike-Revolution haben auch Automobilzulieferer für sich entdeckt. Neben Brose und Continental steht vor allem Bosch für den enormen Boom, den die Pedelec-Technik seit Jahren durchlebt. Auf der IAA stellt der Branchenriese einige Anwendungsbeispiele im Segment der Lastenräder vor. Vor allem der starke CX-Antrieb erlaubt es, schwere Bikes souverän voranzutreiben. Und dank Dual-Batterie-System sind auch längere Einsatzzeiten möglich.

Bei der DLR will man das Cargobike mit Brennstoffzelle zur Serienreife bringen

Auch beim Nutzfahrzeug-Ableger des VW-Konzerns ist man auf das Thema aufmerksam geworden. In einer Weltpremiere zeigen die Hannoveraner auf der IAA mit dem Cargo E-Bike ein in einigen Punkten innovatives und zudem elegant designtes Lastenrad, das VW bereits 2019 in Serie bauen will. Es handelt sich um ein Dreirad, bei dem sich die tiefe Ladefläche zwischen den beiden Räder der Vorderachse befindet. Der Clou: Eine bislang einmalige Kinematik soll dafür sorgen, dass das Transportgut auch bei Kurvenfahrten waagerecht und damit stabil in seiner Position verharrt. Angetrieben wird das für eine Zuladung von 210 Kilogramm ausgelegte VW-Bike von einem 48-Volt-Mittelmotor von Continental, der seine Kraft per Zahnriemen ans Hinterrad überträgt. Die Energie liefert eine Lithium-Ionen-Batterie.

Als spannende Alternative zur batterieelektrischen Variante stellt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein Transportrad mit Brennstoffzelle vor. Im Zentrum steht das vom Bremer Unternehmen Rytle entwickelte Lastenrad Movr, dessen Motoren nicht von Batterien sondern von einer Brennstoffzelle mit Energie versorgt werden. Diese bietet mehrere Vorteile: Für zusätzliche Reichweite beansprucht der Wasserstoff-Tank weniger Bauraum als Batterien. Außerdem bleibt die Energiequelle auch bei Kälte und Hitze leistungsfähig. Schließlich sind, bezogen auf die CO2-Gesamtbilanz, Brennstoffzellen klimafreundlicher als Batterien, da letztere unter vergleichsweise hohem Energieeinsatz produziert werden.

Dr. Thomas Sedran, Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen Nutzfahrzeuge, auf dem neuen Cargo e-Bike

Zusammen mit privaten und öffentlichen Partnern plant die DLR, Ende 2019 oder Anfang 2020 in fünf europäischen Städten, unter anderem Groningen, Aberdeen und Stuttgart, Versuchsflotten von jeweils 10 Wasserstoff-Cargobikes einzusetzen. Auf Grundlage der praktischen Erfahrungen will die DLR ein komplettes Logistiksystem zur Marktreife entwickeln, das neben dem Lastenrad mit Brennstoffzelle auch das Verteilerzentrum und die Wasserstofftankstelle umfasst.

Mario Hommen/SP-X

Smart-Studie Forease – Radikal-Roadster reloaded

Forease heißt eine neue Studie von Smart, die aufs Dach verzichtet und mit einem temporeichen Sonderstyling verzückt. Auch wenn diese Idee bei Smart nicht ganz neu ist, beeindruckt sie auch dieses Mal mit ihrem Will-haben-Faktor

Radikal offen und mit besonderer Lifestyle-Aura hat Smart seinen Fortwo in der Vergangenheit schon mehrfach in Szene gesetzt. Man denke nur an den ab 2002 in Kleinserie gebauten Crossblade oder die 2011 präsentierte Studie Forspeed. Ganz in dieser Tradition stellt der Mercedes-Ableger auf dem Pariser Autosalon (4. bis 14. Oktober) das Showcar Forease vor, das mit knackiger Speedster-Optik und einigen schicken Details Lust auf urbane Mobilität weckt.

Die Proportionen der Studie entsprechen weitgehend denen des Serien-Fortwos. Allerdings fällt die Frontscheibe des dachlosen Zweisitzers flacher aus. Auffällig ist die Lackierung in Metallicweiß, von der sich die grau lackierte Tridion-Zelle als auch neongrüne Akzente in Front, Heck und den großen Rädern abheben. Dank der Hutzen hinter den Kopfstützen, einer üppig dimensionierten Heckspoilerkante oder dem Diffusoreinsatz in der hinteren Schürze versprüht der Forease bereits im Stand einen Hauch Dynamik. Ausdrucksstarke LED-Leuchten vorne und hinten sowie die unauffälliger als beim Serienpendant ins Design integrierten Türöffner runden das schicke Styling ab.

Viel Weiß und neongrüne Akzente prägen auch den Innenraum, der als Besonderheiten ein oben abgeschnittenes Lenkrad sowie zwei kleine runde Farbdisplays anstelle der zentralen Lüftungsdüsen mittig im mit weißen Leder ausstaffierten Armaturenbrett bietet. Atmungsaktive Sitzbezüge, Wabenmuster in den Türinnenverkleidungen oder ein speziell designter Schaltknauf sind weitere Feinheiten des Wohlfühl-Interieurs. Viele Worte über den Antrieb verliert Smart übrigens nicht. Dieser sei, ganz im Sinne der künftigen Ausrichtung der Marke, schlicht elektrisch.

Mario Hommen/SP-X

BMW i3: Großer Akku für den kleinen Stromer

Die Reichweite des BMW i3 wächst mit seinem Alter. Nun gibt es erneut einen ordentlichen Aufschlag.

BMW erhöht die Reichweite des Elektro-Kleinwagens i3 erneut. Ab November ersetzt bei dem Viersitzer ein Akku mit 42,2 kWh die bisher genutzte Version mit 33 kWh. Der um rund 30 Prozent vergrößerte Stromvorrat soll, gemessen nach dem neuen WLTP-Standard, für bis zu 310 Kilometer Fahrt ausreichen. Bisher waren es maximal 255 Kilometer. Als realistische Alltagsreichweite gibt BMW 260 Kilometer an, sowohl für die 125 kW/170 PS starke Standardausführung als auch für das Sportmodell i3s mit 135 kW/184 PS. Gestartet war das zu großen Teilen aus Karbon gebaute E-Mobil 2013 mit einer Akku-Kapazität von 22,6 kWh. Der Preis bleibt trotz der erhöhten Reichweite der gleiche, startet weiterhin bei knapp 38.000 Euro.

 

 

 

Holger Holzer/SP-X

BMW X5 – G05 – Der SUV, der alles kann

Ein SUV mit Komfort und Dynamik. Diese Kombination gelang BMW schon vor fast 20 Jahren. Der X5 fährt seitdem weltweit auf Platz eins in seinem Segment. Das dürfte mit der neuen, nun 4. Generation so weitergehen.
Man kann eigentlich vor den Entwicklern des X5 nur den Hut ziehen, egal, ob es sich dabei um die erste, zweit…

Erste Fahrt: Mercedes-AMG GT 63s 4matic+ 4-Türer Coupé

Früher waren die Dinge mal ganz einfach. Porsche baute Sportwagen, Mercedes-Benz baute Limousinen und Luxus-Limousinen. Aber irgendwann brach das klassische Weltbild zusammen. Wer daran Schuld trägt? Keine Ahnung, aber das Ergebnis ist eindeutig. Bei Porsche verkaufen sich heute die SUV besser als die klassischen Sportwagen, zumindest tragen diese weniger zum Gesamt-Ergebnis bei. Und bei Mercedes-Benz? Da hat man AMG z…

Eine schrecklich schnelle Familie -Mercedes-AMG GT 63s Viertürer

Erste Kurve, Turn 1, oben auf dem höchsten Punkt der Rennstrecke - hartes Anbremsen den Berg hinauf, zusammen stauchen aus Tempo 220 - die Michelin Pilot Sport 4S krallen sich in den Asphalt, die Luftfeder tut ihr bestes, den Wagen nicht völlig in den Asphalt verschwinden zu lassen - Umsetzen am Lenkrad, erst einmal blind, die Strecke fällt atemberaubend ab…

Skoda Fabia – Aufgefrischt und gleich erwischt

Das Gesetz hat in Prag ein Auge auf den aufgefrischten Skoda Fabia geworfen.

 

Eine weniger auffällige Farbe als dieses Rallye-Grün-Metallic, dann wäre die Prager Polizeistreife dem Skoda Fabia wohl nicht so schnell auf die Schliche gekommen. Zugegeben, das Posen des Tschechen-Combi mitten auf dem Wenzelsplatz war reichlich ungeniert. Jetzt kann er nur noch versuchen, seinen Heimvorteil ausspielen. Auch in der aktuellen aufgefrischten dritten Generation läuft der Fabia nämlich im nahe gelegenen Skoda – Werk in Mlada Boleslav vom Band. Außerdem wimmelt die tschechische Hauptstadt nicht nur von Fabias, auch die anderen Modelle der tschechischen Volkswagentochter sind reichlich vertreten. Während Skoda in Deutschland einen Marktanteil von       knapp sechs Prozent hält, tragen in der Tschechischen Republik mehr als ein Drittel der einheimischen Autos den Pfeil im Kühlergrill. Man hält ihm in seiner Heimat also immer noch die Treue. 1905 fertigte Skoda das erste Automobil und gehört damit zu den ältesten Unternehmen dieser Branche. 

 

Neu beim Fabia sind die in kristallinem Design gestalteten serienmäßigen LED-Tagfahrlichter. (Foto : Hersteller)

Der Skoda Fabia Combi ist in seinem Segment ein Unikat

Die vier Augen des Gesetzes, verborgen hinter coolen Sonnenbrillen, mustern jetzt den Fabia. Es scheint, als wolle sich der Skoda -besser Schhcodda, wie man hierzulande sagt –  gerade noch kleiner machen, als er schon ist. Nur ganz wenige Kleinwagen außer ihm bleiben noch unter dem Gardemaß von vier Metern, die Masse überragt das eher reichlich. Der klassische Fabia misst einen Zentimeter weniger, der Combi kommt dann aber auf 4,27 Meter. Er ist in seinem Segment einer der Letzten, nachdem der Seat Ibiza ST nicht mehr angeboten wird. Für 600 Euro Aufpreis bietet er mit bis zu 1395 Liter ganze 70 Liter mehr Volumen als der Fünftürer. Mehr als die Hälfte der Fabiafahrer entscheidet sich trotzdem für den Combi, hier passt immerhin schon mal ein Kinderwagen mit hinter die Heckklappe. 

Der Verbrauch auf den Testfahrten in und um Prag herum lag bei etwas über sechs Litern. (Bild : Hersteller)

Den Schwerpunkt der Veränderungen legte Skoda auf die Ausstattung

Der neue Kühlergrill und veränderte Scheinwerfer, die jetzt gerade nach unter verlaufen, fallen auf und stehen für sportlichen Touch. Anders als seine Konzernbrüder Seat Ibiza und VW Polo fährt der Skoda weiter auf der alten Plattform dieser Baureihen. Als Ausgleich bekommt der kleine Tscheche jetzt serienmäßiges LED-Tagfahrlicht, erstmals sind für dieses Modell auch LED-Heckleuchten erhältlich. Den Schwerpunkt der Überarbeitung legte Skoda eindeutig auf die Ausstattung. Den Innenraum zieren ein neues Kombiinstrument, schicke Dekorleisten und zweifarbige Sitz-Oberflächen. In der Basis gibt es jetzt immer ein Radio mit USB-Schnittstelle, außerdem warnt der Fabia gegen Aufpreis vor Fahrzeugen im Toten Winkel oder vor Querverkehr beim Ausparken und schaltet das Fernlicht automatisch ab.

 

Die Sitze sind bequem und bieten einen guten Seitenhalt. (Foto : Hersteller)

Skoda nimmt beim Fabia den Diesel aus dem Programm 

Ab dem Infotainmentsystem in der Ausstattungslinie „Swing“ baut Skoda jetzt ein 6,5 Zoll Display ein, „Swing Plus“ und „Amudsen“ kommen optional mit den Smartphone Standards Android Auto, Apple Carplay sowie Mirror Link. Eine Internetverbindung und WLan sind ist auf Wunsch auch dabei. Alle Motoren erfüllen jetzt auch die Abgasnorm Euro 6d-Temp. Die Basis – der für Ende 2018 angekündigte 60 PS Benziner – und der 75 PS Benziner sollen das ohne technische Änderungen schaffen. Den beiden Benzin Direkteinspritzern hat Skoda einen Ottopartikelfilter verpasst. Auf einen Diesel verzichtet Skoda beim Fabia, ohnehin entschieden sich zuletzt nur zehn Prozent der Käufer für einen Selbstzünder. Kein schlimmer Verlust, zumal die Turbobenziner längst an die Verbräuche von Selbstzündern heranreichen. Damit gestaltet sich sein Motorenangebot jetzt übersichtlich. Bei allen Aggregaten handelt es sich um einen Ein-Liter-Dreizylinder, wahlweise mit 75 PS, 95 PS oder 110 PS zu haben. Der Direkteinspritzer mit 95 PS unter der Haube legt jetzt etwas knurrig los, was kaum den verbindlichen Polizisten und dem von ihnen dann doch verhängten Bußgeld zuzuschreiben ist. Dessen bescheidenene Höhe orientiert sich  offensichtlich doch noch am Preis des kleinen Tschechen, der ab 13.400 Euro zu haben ist.

An Assistenten sind jetzt zusätzlich einer für den Toten Winkel, ein Annäherungswarner für den Querverkehr beim Ausparken und eine Fernlicht-Automatik an Bord. (Foto: Hersteller)

 

Text : Solveig Grewe

Fotos: Solveig Grewe, Hersteller

Der neue Audi A6 Avant (C8) im Autohub-Test

In Neckarsulm läuft der neue Audi A6 Avant vom Band, wir haben uns die Zeit genommen und das neue Fahrzeug mit seinem eigenen Vorgänger, aber auch mit den beiden härtesten Marktbegleitern / Wettbewerbern verglichen. Bei Audi sagt man, dass man schöne Kombis Avant nennt, aber schließlich gibt es ja auch noch Touring oder T-Modelle, oder? Ihr nennt es Vergleich? Wi…

Mazda MX-5 – Für Dracula ist nichts zu holen

Auf der Transfogaraschen Hochstraße in Rumänien ist der MX-5 in seinem Element.

Mit dem MX-5 schreibt Mazda eine gleichermaßen erfolgreiche Geschichte wie Bram Stoker sie schrieb mit seinem „Dracula“, dem wohl berühmtesten Vampir der Literaturgeschichte. Über eine Million des japanischen Roadsters wurden weltweit schon verkauft. Das Update der vierten Generation – dem leichtesten MX-5 seit seinem Debüt im Jahr 1989 – bleibt optisch dem preisgekrönten Designstil treu. Mit erstarkten Motoren, die die Abgasnorm Euro 6d-Temp ohne Einsatz eines Partikelfilters erfüllen, lässt es sich agil und kontrolliert durch die Kurven zirkeln. Den Beweis lieferte der attraktive Dauerbrenner auf einer Fahrt über eine der schönsten Straßen der Welt: Der Transfagarasan, die auf 151 Kilometern Transsilvanien mit der Walachei verbindet. Autohub war dabei.  

Knoblauch soll bekanntlich vor Vampiren schützen. Doch wohin nur mit den zumindest für menschliche Nasen aromatisch duftenden Zehen. In dem Mazda MX-5 RT, der uns durch Graf Draculas Heimat hinauf auf den 2014 Meter hohen Pass in den rumänischen Karpaten bringen soll, ist kein Platz für derlei nicht gerade alltägliche Accessoires. Auch die aufgefrischte 4. Generation des japanischen Roadsters bietet für Fahrer und Beifahrer weiterhin bewusst spartanische Ablagemöglichkeiten. Angesehen davon, dass der Knoblauch in einem verschlossenen Handschuhfach ohnehin seine Wirkung verfehlen würde, verzichtet Mazda ebenso wie auf Ablagen in den Türen immer noch auf dieses Detail. In den beiden Getränkehaltern finden hier und heute nicht etwas Blutkonserven, sondern die obligatorischen Wasserflaschen für den Durst unterwegs Platz und hinter der Klappe auf der Mittelkonsole schreien der Fahrzeugschlüssel, ein Lippenstift und ein Smartphone „besetzt“.

Um die Kurve geht es bei exzellenter Fahrdynamik richtig gut.

Mehr Sportwagen denn je mit bis zu 184 PS

Aber wer braucht schon Knoblauch, wenn man sich einem Vampirangriff auf ganz andere Weise entziehen kann. Wie zuvor wird der MX-5 ausschließlich mit zwei Benzinmotoren angeboten, doch die Japaner haben bei beiden das Blut mit ein paar PS zusätzlich aufgefrischt. Unter der Haube des Zweiliter Benziners arbeiten jetzt 184 PS und damit 24 PS mehr als vorher, bei dem kleinen Benziner sind es 132 anstelle vorher 131 PS. Beide Aggregate schaffen auch ohne Partikelfilter die Abgasnorm Euro 6d-temp. Mit dem großen Benziner, der sich jetzt auf Knopfdruck vernehmlich räuspert, erledigt der Roadster den Sprint von 0 auf 100 km/h in 6,5 Sekunden. Bei so viel Dampf und einer Höchstgeschwindigkeit von 219 km/h hat jeder Vampir das Nachsehen.

Der MX-5 geht mit stärkeren und saubereren Motoren sowie mit zusätzlichen Assistenzsystemen an Bord in das neue Modelljahr.

Das angenehm kleine sportliche Lenkrad lässt sich jetzt auch in der Tiefe verstellen

Über den kleinen Kippschalter in der Mittelkonsole entfaltet sich die elegante Dachkonstruktion des Turmalinblau metallic farbenen Mazda MX-5 RF. Die Abkürzung RF steht für Retractable Fastback, was so viel bedeutet wie einziehbares Fließheck. Binnen 13 Sekunden mutiert das Coupé zu einer eine Art Targa. In dem engen Cockpit sitzen zumindest Menschen normaler Größe auf passgenauen und straffen Sportsitzen ordentlich, dem Fahrer kommt jetzt neuerdings ein nicht nur in der Neigung, sondern auch in der Tiefe verstellbares kleines Lenkrad entgegen. Zudem unterstützen ihn neue Assistenten wie eine Ausparkhilfe, ein Spurwechselassistent, dynamisches Kurvenlicht und ein City-Notbremsassistent. Smartphones lassen sich jetzt über Apple Car Play oder Android Auto ins Auto einbinden.

Das Topmodell Mazda MX-5 RF startet immer mit schwarzem beheizbaren Leder, 17 Zöllern in schwarz, Klimaautomatik, Spurhalteassistenten, MZD-Connect und Voll-LED-Scheinwerfern.

 

Zum neuen Modelljahr gibt es den 2,0 Liter Benzindirekteinspritzer mit jetzt 184 PS und den 1,5 Liter mit 132 PS.

 

Wie gemacht fürs Autofahren : Haarnadelkurven wechseln sich ab mit weitläufigen Kurven, steile Anstiege mit Gefällen und unzählige Tunnel und Viadukte.

 

Für Fahrzeuge mit MZD Connect steht jetzt eine Smartphone-Intergration per Apple CarPlay und Android Auto zur Verfügung. (Foto : Mazda)

Das Fahrwerk bügelt selbst tiefere Schlaglöcher ohne unangenehme Stöße weg

Der 7-Zoll Bildschirm auf der Mittelkonsole gibt jetzt gestochen scharf den Straßenverlauf der 150 Meter langen Gebirgsstraße Transfagarasan wieder, die Transsilvanien mit der Wallachei verbindet. Willig packt der große Benziner in der langen Geraden zu, im Team mit der knackigen Sechsgangschaltung und ihren kurzen Wegen und der feinfühligen Lenkung zirkelt der Roadster mühelos durch die Kurven. Zugegeben, in manchen verdammt engen Haarnadelkurven, die ihrem Namen alle Ehre machen, wirft er schon mal das Heck herum. Aber das ESP spricht zuverlässig und nicht zu früh ein Machtwort. Über den zum Teil angestrengten Zustand der Straße durch Tunnel, Felsendurchbrüche, über Brücken und Viadukte geben Lenkrad und Popometer Rückmeldung, aber das Fahrwerk bügelt selbst tiefere Schlaglöcher glatt, ohne unangenehme Stöße zu verteilen.

Gebaut wurde die Transfagarasan von 1970 bis 1974 auf Anordnung des Diktators Ceausescu – sie sollte dem Militär eine schnelle Überquerung des Gebirges ermöglichen.

 

Der schicke Roadster wurde zum Tagesgespräch in den Dörfern links und rechts der Transfagarasan.

 

Bei den Preisen hat sich nicht viel verändert. Ab dem 14. September steht der aufgefrischte Mazda in Deutschland bei den Händlern. Das Basismodell mit Stoffdach, Handschaltung und 132 PS ist nach wie vor zum Preis ab 22 990 Euro zu haben. Die 184 PS starke Hard-Top-Version, für die es, und nur für sie, jetzt auch eine Sechsstufen-Automatik gibt, kostet ab 34 490 Euro.

Text und Fotos : Solveig Grewe

Weltpremiere Mercedes-EQC – Ja, so kompliziert ist es!

Abseits der Headlines vom „Tesla-Jäger„, dem „ersten BEV-SUV aus Stuttgart“ und vielem anderen Blödsinn, lohnt sich ein Blick auf den neuen Mercedes-EQ EQC, denn er ist, mit viel Tamtam enthüllt, doch nur eine Blendgranate.

Wie verunsichert man in Stuttgart ist, zeigt nicht nur die Namenswahl des vermeintlichen Heilsbringers. Am 4. September will der Daimler-Konzern mit seiner neu geschaffenen Elektro-Marke „Mercedes-EQ“ den Kick-Off in eine nicht weniger als „revolutionäre“ neue E-Mobilität eingeleitet haben. Doch liebe Mercedes-PR, nach dem Fiasko um die Abgas-Manipulationen bei hunderttausenden Motoren ist die Premiere des eiligst auf die Räder gestellten EQC dennoch nur eine Blendgranate.

Weltpremiere des neuen Mercedes-Benz EQC in Stockholm: Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars, präsentiert den neuen Mercedes-Benz EQC 400 4MATIC.

Tesla agiert, der Rest reagiert

Dieter Zetsche dürfte der charismatischste Auto-Boss der aktuellen Neuzeit sein, kein anderer hat in dieser Branche so viel Erfolg zu verantworten, wie der in Turnschuhen auftretende Konzern-Boss. Charismatisch, wie gewohnt, auch seine Ankündigungen zum neuen Mercedes-EQ EQC (ernsthaft! Edit: „nur EQC“) – und dennoch, dieses Mal war zu bemerken, es ist das Charisma, das überzeugender wirkt als die Fakten, die man nun endlich geschaffen haben will. Dabei ist das Fiasko, auf das man reagiert, Haus gemacht. Noch bevor die ganze Tiefe und Härte des Abgas-Skandals aufgedeckt wurde und Zetsche ausdrücklich davon sprach, kein Teil des Volkswagen-Dieselskandals zu sein, hatte man sich vom E-Auto Pionier Tesla getrennt. Nicht ohne, ganz der charismatische Profi zu sein, einige Komplimente nach Kalifornien zu schicken.

Der neue Mercedes-Benz ECQ

Der Erfinder des Automobils agiert halbherzig und langsam

Laut und mit viel Getöse verkündet Mercedes-Benz von einer Zeitenwende. Der Schalter wird „nun“ umgelegt, und mit dem EQC wird „nun endlich“ das elektrische Zeitalter der E-Mobilität eingeläutet. Und in der Tat, was da in Stockholm, in einer ehemaligen Automobil-Fabrik, vor mehr als 500 geladenen Presse-Vertretern enthüllt wurde, mag auf den ersten Blick gefallen und beeindrucken. Weltpremiere des ersten BEV-SUV aus Stuttgart. Gebaut auf den gleichen Bändern, auf denen der Organ-Spender Mercedes-Benz GLC gefertigt wird.

Ein SUV des gehobenen Premium-Segmentes. Keine ausufernden Design-Experimente, nur viel Kosmetik nach aktueller Art des Hauses. Ein Zentralstern im bündig abschließenden Kühlergrill, große verschlossene Flächen, eine neue Leuchten-Signatur, die Handschrift der Automobil-Designer der langweiligen Neuzeit. Und natürlich lässt sich Mercedes-Benz, wenn man schon nicht als erstes einen „Serien-Tesla-Fighter“ präsentiert – schließlich war nicht nur die Premium-Tochter der Dieselskandal-Verantwortlichen Volkswagen schneller, sondern auch eine Tochter des indischen TATA-Konzerns – bei den technischen Daten und Details nicht lumpen!

408 PS – 765 Nm – 80 kWh Batterie – 450 km Reichweite

Und 180 km/h schnell. Man kann die Besitzer eines GLC 250d förmlich verächtlich schnaufen hören. 180 km/h sind im „Land der Autobahn“ ein Armutszeugnis. Es kommt einem rasierten Dieter Zetsche gleich. Stellen Sie sich den charismatischen Daimler-Boss ohne seinen Oberlippenbart vor.

Der EQC wird die aktuelle Technik des Konzerns zusammenfassen und eine Benchmark im Bereich User-Experience darstellen, dafür alleine werden MBUX und das Layout im Cockpit sorgen, ansonsten sind nicht nur die „bis zu 110 kW Ladefähigkeit (CCS)“ ein Armutszeugnis, sondern auch die mangelnden Onboard-Schnelllader nach Vorbild anderer Hersteller. Ernsthaft, geht es nach dem Erfinder des Automobils, sollen zuhause 7,4 kW/h ausreichen.

Der GLC ED, pardon, der EQC ist – rein technologisch –  eine Bastelbude, für die man andere Hersteller verhöhnen würde. Die Tatsache,  dass die gesamte E-Technik des Fahrzeuges auf dem gleichen Montageband eingebaut wird, auf dem auch konventionelle GLC-Verbrenner montiert werden, spricht nicht für Erfindergeist bei der Fertigung, sondern für einen Schnellschuss der Modellpolitik.

Mercedes-EQ – vom mangelnden Mut

Bereits BMW hatte vor mehr als 5 Jahren den Fehler begangen, die eigenen Innovationen in einem anderen Garten zu verstecken. Wenn der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, dann ist das „Parken“ von Innovationsgeist und unternehmerischen Mutes unter einem „Sub-Brand“ so etwas wie das eilig neu eingezäunte Kleingärtner-Reich vor der Apfel-Ernte. Dass sich Mercedes-Benz keinen Gefallen mit der Schaffenskraft ganzer „new-speak innovater“ tut, mag bereits beim „Magic Vision Control“ negativ aufgefallen sein. Aber irgendwo muss das zuvor in der Entwicklung eingesparte Budget hingehen. So geht es in das Marketing. Und heraus kommt ein Mercedes-EQ EQC.

Manchmal möchte man einfach nur den eigenen Kopf mit Anlauf auf die Tischplatte knallen.

Die vertane Chance – Zusammengefasst

Smart ED, Mercedes-Benz B-Klasse ED und auch Mercedes-AMG SLS ED. Mercedes-Benz war bereits elektrisch. Oft genug. Und der nun vorgestellte GLC ED – sorry EQC – ist eine unverständliche Augenwischerei und ein unerfreuliches Zeichen für eine mangelnde Courage beim Erfinder des Automobils. Natürlich arbeitet man auch in Stuttgart an einer „Plattform-Technik“ für die Elektromobilität, aber auch diese wird nicht mehr in 2019 in Großserie gehen.

Der Mercedes-Benz unter den Elektrofahrzeugen?

Es werden viele Worte bemüht, um vom eigentlichen Kern des Problems abzulenken. Der Mercedes- EQ EQC mag innovativ erscheinen. Das gestern in Stockholm präsentierte Fahrzeug verkörpert, gestaltet als „benutzte Seife“, den aktuellen Stand der Verwirrung und Unsicherheit in der Automobil-Industrie. Innovationsgeist wird in neu gegründete Marken ausgegliedert und technische Innovationen basieren auf kostenpolitischen Kompromisslösungen. Ob das reicht?

Edit / Nachtrag: Mercedes-Benz hat sich gemeldet und etwas richtig gestellt. Es ist nicht Mercedes-EQ EQC, sondern einfach nur Mercedes-Benz EQC. Denn EQ ist eine Technologie- und Produktmarke und keine Sub-Marke! Mea culpa. Mein Fehler. Desweiteren liegt es Mercedes am Herzen, darauf hinzuweisen, dass 85% des EQC neu sind, verglichen mit dem GLC und es sich eben nicht um einen GLC ED handelt.

 

Wem dieser Text zur Weltpremiere des Mercedes-EQC zu kritisch ist, der kann sich unter nachfolgenden Links  klassische Weltpremiere-Artikel durchlesen:

Mobilität im Doppelpack – Mit Auto und E-Bike auf Tour in Hamburg

Die "neue Mobilität", die den innerstädtischen Verkehr entspannen und die Luftqualität wieder auf ein verträgliches Niveau bringen soll, setzt auf intelligente Vernetzung und "Umsteigen". Zum Beispiel vom Auto aufs Fahrrad oder Pedelec. Vielerorts ist man in der Stadt auf zwei Rädern - gleich ob mit oder ohne Batterieunterstützung - schneller unterwegs als mit dem so heiß geliebten SUV. Pendel…