Der neue Audi A4 – Die Ingolstädter-Insolvenzlösung

Da präsentiert Audi eine neue Mittelklasse, die neue Mittelklasse der Ingolstädter und keiner merkt es. Auf den ersten Blick, ein Audi. Ein A4, oder? Ach halt, ein neuer Knick im Scheinwerfer. Und ein – wie nannte man das? Genau, ein Kühlergrill im XXL-Format, jetzt mit oben abgeknickten Ecken. Audi hat dafür einen Namen. Unwichtig. Weil der Kühlergrill unwichtig ist. Wenn Leuchten-Design und Kühlergrillformen die Pressemeldung füllen, dann muss man sich Gedanken machen.

Die Ingolstädter-Bankrott-Erklärung: Oder, der neue Audi A4

Des Firmenwagenfahrers-Liebling, er kommt zur IAA 2015 endlich neu. Ein Jahr Verspätung kolportiert man, dem obersten Entwickler muss es zuletzt so vorgekommen sein, als würden die Ingolstädter-Mannen hinter seinem Rücken in der Nase bohren. Also wurde „Nachsitzen“ befohlen und der Marktstart verschoben. Jetzt konnte man nicht mehr länger werden. Die Stuttgarter C-Klasse und der Dreier aus München grasen das Feld der Flottenkunden ohne Rücksicht ab, selbst der neue Passat trumpft mächtig auf. Also – Vorhang auf für das Flaggschiff des Ingolstädter-Fuhrparks, die Milchkuh der Audi-Mannen.

Wenn Fortschritt ohne einen selbst stattfindet

Vorsprung durch Technik war einst der Claim. Stillstand durch Mut- und Ideenlosigkeit scheint die neue Parole in Ingolstadt zu sein. Der „neue“ A4 (B9) glänzt mit: Nichts. Obwohl – liest man die Pressemappen, dann scheint die größte Innovationsfreude in Ingolstadt nun nicht mehr bei den Ingenieuren zu sitzen, sondern in der PR-Abteilung. Nun – das kann man so machen, aber dann ist das Ergebnis eben Mist!

Wer erinnert sich an die erste TDI-Generation? An quattro, an Procon-Ten, an Fünfzylinder, Alu-Space-Frame, an den Geist des genialen Technikers? Bei Audi vermeintlich niemand mehr.

Laserlicht? Hybrid? Plug-In oder Elektro? Neue Sportmotoren? Aktives Fahrwerk, Luftfederung? Allradlenkung? Teil-Autonomie beim Fahren? Irgendwas? Gibt es irgendwas beim neuen Audi A4, was der Mitbewerber nicht bereits vor einem Jahr in den Markt gebracht hat? Nein –

– und damit endet der ehemals so wichtige Marken-Claim: Vorsprung durch Technik. Hier – jetzt – heute, beim Audi B9 ist der Anspruch, ein Technologieführer zu sein, ein Unternehmen mit Innovationskraft, verspielt. Aus. Das Spiel ist aus.

 

Der neue Audi A4 ist konservierte Langeweile, optisch. Und konservierter Stillstand auf technischer Ebene. Eine Bankrott-Erklärung der Designer und Techniker.

Schade.

 

 

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

20 Comments

  1. Es gibt aber noch ein großes Problem: Die Grenzen zwischen den Konzernmarken VW und Audi verwischen immer mehr. Seit VW offen als "premium" positioniert wird, seit der Passat als der bessere Audi A4 ins Rennen geht, fragt man sich zunehmend, welche Rolle Audi, speziell im B-Segment, noch zugedacht ist. Böse gesagt: Der A4 scheint aktuell irgendwie etwas überflüssig zu sein. Vielleicht sprudelt das Geld für die Weiterentwicklung des A4 gerade nicht mehr so wie früher, weil andere Fahrzeuge im selben Segment gewinnträchtiger sind? Die Markenpolitik innerhalb des VW-Konzerns ist da gerade etwas undurchsichtig und wirkt auf Außenstehende etwas planlos…

  2. Mark Pohlmann Man muss die Innovationen aber auch annehmen. Der A4 besitzt nichts, was nicht bekannt wäre. Keine neuen Triebwerke, keine Feature-Technologien. Es ist der kürzeste Schritt den man bei Audi bislang von einem Modell zum Nachfolger gegangen ist.

  3. Bjoern Habegger du hast es doch selbst irgendwo geschrieben: Die Innovation findet bei den Zulieferern statt, und die beliefern alle. Ich kann hier ehrlicherweise keinen gravierenden Rückstand ggü. den anderen Herstellern sehen. Ist doch eh alles Einheitsbrei: eine Plattform, 1000 Varianten vom immerselben.

  4. Hallo Max und Bjoern,

    nun, BMW hat zumindest in jüngster Vergangenheit massiv aufgetrumpft, u.a. durch die geschickte Lancierung und Vermarktung von „Efficient Dynamics“, und nicht zuletzt mir BMW i.
    Das ist genau der Spirit, der Audi in den 80ern anhaftete, als sie mit quattro, Procon-Ten und dem zwar nicht ersten, aber massenmarkttauglichen Serien-PKW-TDI auf den Markt kamen.
    Jetzt wäre eigentlich Mercedes mal dran mit sich profillieren, achso nein, die beschäftigen sich ja in letzter Zeit mit ihrem immer wirrer werdenden Design.
    Also, ich denke: TT, Q7 und A4 waren jetzt mal eher nix für Audi und es kommt wieder was „richtig neues“ nach. Ich wünsche es ihnen.
    Sagt der BMW-Fahrer, aber neutraler Auto-Fan.

  5. Das sich Audi nicht entwickelt, spürt man dort derzeit an den Absatzzahlen des China-Marktes. Audi wird hart getroffen von einem Rückgang – da mag ein dt. Fan mehr, schön sein, aber die Chinesen zählen leider mehr. Und wenn ein Unternehmen erfolgreich sein will, ist der Markt in Fernost leider die Benchmark. Muss man nicht gut finden – aber de facto ist der Entwicklungssprung der Ingolstädter schlicht zu klein. Und das bezieht sich nicht nur auf das Design!

  6. muss mal eine kleine Lanze für Audi brechen. Für meinen Geschmack entwickeln sich fast alle Hersteller (Premium oder nicht, ganz egal) in die falsche, sprich zu chinesische, Designrichtung: fleischig, barock, schwerfällig, Habitusbeladen durch zuviel Zierrat und verqollene Linien. Da ist mir eine auf Perfektion bedachte, behutsame Weiterentwicklung des Audi A4 100x lieber. Finde, dass VW, Audi und Skoda als Gruppe mittlerweile ein deutlich bessers Design bietet als BMW und Mercedes. Geschmackssache, sicher. Aber für mich wird der Aud dadurch eine echte Option.

  7. Mir gefällt der A4 ganz gut. Aber wie schon richtig beschrieben: Es gibt nichts neues und das was neu ist ist nicht bahnbrechend. Nur weil mir (subjektiv) das Design gefällt ist es trotzdem richtig das sich hier wenig tut. Selbst die Schwestermarke VW hat hier mit dem neuen Passat wesentlich mehr zu bieten. Sei es designtechnisch (zumindest von vorn) und auch gerade was Innovationen zum Vorgänger (und Wettbewerb) betrifft. Plug-In Hybrid, digitales Cockpit, LED Scheinwerfer alles in der Klasse außerhalb des „Premiums“ eine solide bzw. sehr gute Leistung.

    Der A4 bietet indes, wie hier beschrieben wurde, sicher gute, aber doch nur standart Kost. In dem Fall ist Stagnation eben nicht nur Stagnation sondern Rückschritt… und das gerade vor dem Hintergrund, dass Audi sich dazu bekannt hat das man mehr Innovationen bringen will (und vor allem: Muß !).

    Ein gutes Auto aber gleichzeitig ein Armutszeugniss für die Marke die mal „Vorsprung durch Technik“ gelebt hat.

  8. Ich find den Artikel schon ein bisschen überzogen. Nichts gegen deine Meinung, so siehst du das, aber es ist nicht so wie du es darstellst.
    „konservierter Stillstand auf ganzer Ebene“: Ist so leider falsch, da z.B. das Pilot Cockpit zum Einsatz kommt. Du sprichst auch den Punkt Laserlicht an. Meiner Meinung hat das im Serien A4 nichts zu suchen, und die Matrix LED sind Standart, wenn ich das richtig gelesen hab. Ich könnt das jetzt den gazen Tag so weiter führen, aber ich wär mit „Stillstand auf ganzer Ebene“ ein bisschen vorsichtig.
    „Konservierte Langeweile, Optisch“: Reine Geschmackssache und hat meiner Meinung nichts in einem objektiven Artikel zu suchen.
    In Sachen Elektroautos gibt es nur einen Hersteller, der das kann und das ist Tesla. i3 ist optisch nicht nur langweilig, sondern eine Lachnummer und der i8 kein Elektro … der A3 e-tron ist auch keine Glanzleistung, aber ein bezahlbarer Hybrid den ich allen anderen vorziehen würde.

    Ich muss hier Max aber zustimmen. Du hast darauf geantwortet, dass dir als Premium Hersteller immer was neues einfällt (Zitat: Und wenn ich ein Premium-Hersteller wäre, ja – dann würde mir IMMER etwas neues einfallen.) Totaler Schwachsinn. Da sitzen auch nur Menschen mit Ideen (oder auch nicht) und dann muss man beachten, dass nicht jede Idee profitiabel/umsetzbar ist. Bsp.: Du sitzt jetzt als Designer im Kreis und schmeißt gute, innovative, nachhaltige Ideen in den Topf, was hilft dir das, wenn von oben ein „Nein“ kommt?

    Ich wär mit sowas ganz vorsichtig. Und mann muss zugeben, so WIE du schreibst, kommt es wirklich als Hater Artikel rüber, aber davon geh ich jetzt nicht aus.

    1. Auf diesen Kommentar gehe ich gerne ein.

      Design:
      Bei Audi hat man zur L.A. Autoshow davon gesprochen das M. Lichte nun eine neue Designsprache einführen würde – davon sind wir weit entfernt. Wenn der Prologue (Konzept) die neue Sprache besitzt, nun dann passiert eben auch bei kommenden Modellen nichts. Der A4 wurde nicht einmal dezent weiter entwickelt, er sieht einfach nur gleich aus. Das mag dem ein oder anderen Gefallen, bedeutet aber eben „Stillstand“.

      Technik:
      Das TFT-Cockpit ist eine TT-Geschichte und es war klar, dass diese Technik ausgerollt wird. Also, keine Neuerung. Keine Innovation. Schlicht „Facelift-Business“. Damit: Stillstand.
      Matrix-LED, bei Audi ein alter Hut. Damit Stillstand.
      Laserlicht hat nix verloren im A4 – oder bringt es erst gar nichts? Eine gute Frage – aber es wäre eine Innovation in der Großserie gewesen. Auch hier: Stillstand.

      Elektroautos kann jeder Hersteller, wenn er nur will. Das Hüh- und Hott bei der E-Tron Geschichte (R8-Basis) zeigt die Kopflosigkeit in Ingolstadt gut. Und nun, mit dem A4 bleibt man bei der Strategie der Mutlosigkeit. Wenn ein Hersteller will, kann er. Stattdessen: Altertümliche Verbrenner-Technik, der Motor mit dem variablen Hub steckt wohl auch noch weit von der Serie entfernt in einer dunklen Kammer. Ein Plug-In Hybrid hätte sofort zum Start angekündigt werden müssen. 60 km E-Reichweite und schon wäre man wenigstens hier in die Technologieführerschaft gegangen. Stattdessen? Stillstand.

      Wenn Designer und Techniker von der Konzernführung eingebremst werden und das Produkt – und hier reden wir von einem verschobenen Produktlaunch von einem guten Jahr – selbst mit dieser Verspätung ohne Innovationen auf den Markt gebracht wird, dann muss man von Stillstand sprechen. Gerade als Fan der Marke Audi. Gerade dem Marken-Fan sollte es eine Herzensangelegenheit sein, die Marke zu challengen, mehr zu fordern, Fortschritt zu fordern, Innovationen zu fordern. Das war mal der Marken-Claim.

      Und da ist es eben kein „Hater-Artikel“, sondern die manifestierte Begründung auf Rückkehr dieser Markenwerte. Und ja, der Fisch stinkt immer vom Kopf her … mit Sicherheit können die Audi-Mannen mehr als sie gerade gezeigt haben. Umso wichtiger das man dies auch ein mal deutlich festhält! Nicht das dieser Stillstand anhält.

  9. Was bist du nur für ein Audi-Hater…
    schon mal zu bmw geschaut?
    Siehts da anders aus?

    Unterlass doch in Zukunft deine Audi hass Parolen hier, schreib neutral oder designe und entwickle selbst Fahrzeuge, fällt dir dann immer was neues ein?

    Gruß

    1. Lieber Max Meier (?ernsthaft Max Meier?)

      ich bin ein echter Audi-Fan.
      Nur was man in IN derzeit zustande bekommt, treibt einem das Pipi in die Augen.

      Und wenn ich ein Premium-Hersteller wäre,
      ja – dann würde mir IMMER etwas neues einfallen.

      Beringte Grüße,
      Bjoern

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