Erster Test: Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio

„Wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.“ Zum Beispiel in Form von zwei grellen LED-Lichtspangen, die zum Spielen einladen.

Es ist nicht bekannt, wie viele Autokäufer (und Autokäuferinnen, natürlich!) schlaflose Nächte verbracht haben, seit sie ihr das erste Mal erlegen sind. Die Rede ist von Alfa Romeos Giulia Quadrifoglio. Eine blechgewordene Definition von Sinnlichkeit, die unter ihrer betörenden Hülle die Kraft eines Bodybuilders trägt.

Wie gerne würde man sie täglich mit dem Hintern wackeln lassen, der Kraft von 510 PS an den Hinterrädern sei Dank. Wie gerne würde man auf eine ach so praktische große Heckklappe verzichten. Einfach mal dem Herzen folgen, allen Einwänden der Ehepartnerin (oder des Ehepartners, natürlich!) und des Nachwuches zum Trotz.

Aber nein, ging irgendwie nicht. Bis jetzt! Denn Alfa Romeo hat natürlich ein weiteres Ass im Ärmel. So wie der stets viertürigen Giulia das technisch weitgehend baugleiche SUV-Pendant Stelvio folgte, bekommt die Dame mit dem Kleeblatt an den Wangen jetzt ihren männlichen Aufpasser zur Seite gestellt.

Foto: Thomas Starck / Alfa Romeo

Und mit dem gehen wir auf Tour: erste Fahrt im neuen Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio.

Auch Alfas Mittelklasse-SUV, das sich größentechnisch irgendwo zwischen BMW X3 und X5 einsortiert, stampft jetzt mit dem doppelt aufgeladenen 2,9 Liter großen V6-Motor und einer maximalen Leistung von 510 PS zum Händler.

Auch der Stelvio Quadrifoglio demonstriert seine Kraft bereits im Stand: Reich beschürzt, mit Kiemen in der Motorhaube und den vier massigen Endrohren am Heck, wirkt das 4,69 Meter lange Mehrzweckfahrzeug bullig, dabei aber (gottseidank, mag mancher denken) weniger autoerotisch als das Giulia-Pendant.

Mehrzweck? Mittel zum Zweck?

Mehrzweckfahrzeug? Das wollen hier herausfinden, beginnend mit dem Zweck der alltäglichen Mobilität. Das kann der Stelvio Quadrifoglio natürlich. Die Sportsitze schrauben Dich ins Auto, ohne dabei zu nerven.

Mit dem sündig roten Startknopf links im Lenkrad erwacht das Biest zum Leben. Scheinbar. Denn vom V6-Motor, in dessen Entwicklung die Expertise von Ferrari eingeflossen ist, dürfte es durchaus dumpfer grollen. Oder liegt es am abgestumpften Fahrerohr?

Im innerstädtischen Verkehr gibt sich das Leistungsmonster lammfromm, schwimmt entspannt mit und – auch das ist eine Kunst, sowohl von Auto und Fahrer – verleitet nicht zum überflüssigen Zwischenspurt zur nächsten roten Ampel.

Foto: Bernd Conrad

Die Alfa Romeo DNA

Auf der Landstraße bleibt Zeit, die Fahrmodi der DNA genannten Fahrdynamikregelung durchzuprobieren. Wie so oft bleibt man für den Straßenverkehr im Normal-Modus hängen. Die Taste in der Mitte des Drehreglers dient zur Verstellung der elektronisch geregelten Stoßdämpfer. Es gibt zwei Kennlinien: Soft und hart. Schnell wählt man die weichere Abstimmung, denn auch die ist noch sehr mitteilsam, was jedwede Bodenbeschaffenheit angeht, lässt aber Zahnfüllungen und Augäpfel da, wo sie hingehören.

Freie Sicht, ein paar langsam fahrende LKW. So ein Überholvorgang ist mit dem Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio schneller vorbei, als das Wort „Lastkraftwagen“ zu lesen ist. Trotzdem bleibt der Maschine genug Zeit, erstmal für Verwunderung zu sorgen. Denn beim schweren Tritt auf das Gaspedal schnalzt die Fuhre nicht so schnell nach vorne, wie man es vielleicht erwartet. Trotz der doppelten Aufladung bleibt eine Gedenksekunde, bevor der Alfa Dir in den Rücken tritt.

Foto: Bernd Conrad

Perfekter Abschlag

Mit der zielgenauen Lenkung wirkt das dann aber wie ein perfekter Abschlag beim Golfen. Erst muss ausgeholt werden, aber dann hörst Du schon am Geräusch des Schlägerkopfes am Ball, dass dieser Schlag perfekt sitzt. Und Bämm – weg ist der Ball, weit weg.

Da wir mit dem Alfa Romeo Stelvio auf spanischen Straßen mit ihren Tempolimits und einem wachsamen Auge der Ordnungshüter unterwegs sind, zudem natürlich weder uns noch andere Verkehrsteilnehmer nervös machen wollen, kommt die unscheinbare Einfahrt an der Bergstraße wie gerufen.

Sie führt zum knapp 5,5 Kilometer langen Rundkurs des Circuito Ascari. Dem Umland entsprechend, legt sich das Asphaltband der Strecke mit je 13 Links- und 13 Rechtskurven in Senken und über Anstiege auf das Land. Ein anspruchsvolles Terrain, zumal leichter Nieselregen einsetzt.

Jetzt muss Giulia eifersüchtig werden! Denn im Gegensatz zur brachialen Fahrdynamik der Power-Limousine verzahnt sich der Stelvio mit seinem Allradantrieb mit dem Asphalt. Das System verteilt die Leistung permanent zwischen den beiden Achsen und zu maximal 50 Prozent nach vorne, belässt es aber meist bei einer leichten Hecklastigkeit des Antriebs.

Foto: Thomas Starck / Alfa Romeo

Der Hintern muss zucken

Die Folge: Auch der Stelvio Quadrifoglio kann den Hintern zucken lassen. Aber dann, wenn die Giulia sich entweder von gekonnter Hand in die Schranken weisen lässt oder mit ausbrechendem Heck die Beherrschung verliert, flippert der Stelvio wieder in die Spur, zu Not hilft ein gekonnt platzierter Tritt auf das Gaspedal.

Die Achtgangautomatik bleibt dabei jederzeit Herr über bis zu 600 Newtonmeter Drehmoment, die großen Echtmetall-Schaltwippen am Lenkrad vorerst ungenutzt.

Der bauartbedingt höhere Schwerpunkt des Stelvio im Vergleich zur Giulia spielt für die Wahrnehmung auf der Rennstrecke keine Rolle, jeder Gedanke an mehr Wankneigung wird auch im SUV von einer Überdosis Endorphine zugeschüttet. Und natürlich vom liebevoll austarierten Fahrwerk, das hier endlich mit der sportlicheren Dämpferabstimmung zeigen darf, was es eigentlich von Dir will.

Foto: Bernd Conrad

QV steht für … 

In den Quadrifoglio-Modellen von Stelvio und Giulia hat die DNA-Regelung einen vierten Fahrmodus namens Race. Der bleibt aber auch im Allradmodell wegen des feuchten Asphalts ausgeschaltet. Auch so gelingt in einer zu ungestümen Beschleunigungsorgie raus aus der Petit Eau Rouge der Abflug. Heckgetänzel und der Gasstoß zur Abwehr des Drifts gelingen noch, aber dann geht durch den Geschwindigkeitsüberschuss halt doch die Strecke aus. Ein paar Meter Grasland und Kiesbett pflügen die Pirelli P-Zero in Windeseile um. Aber stets fährt der Stelvio Quadrifoglio genau da hin, wohin er soll.

Zurück auf der Strecke, klopft er sich kurz ein paar Erdklumpen und Steinchen aus Reifenprofil und Radkästen und weiter geht die Hatz. Einen größeren Vertrauensbeweis kann das süchtig machende Auto dem Fahrer nicht abverlangen.

Foto: Bernd Conrad

307 km/h

So könnten die schlaflosen Nächte selbst nach der ersten Highspeed-Offroad-Erfahrung schnell ein Ende haben. Denn der Stelvio Quadrifoglio bietet die gleiche Dynamik wie die Giulia, stürmt in 3,8 Sekunden auf Tempo 100 und maximal mit 283 km/h nach vorne. 307 Stundenkilometer Topspeed sind es beim Stufenheckmodell, das durch nur zwei Walzen für die Kraftübertragung aber 0,1 Sekunden mehr für den Landstraßensprint benötigt.

13.800 Euro Aufpreis des 89.000 Euro teuren Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio im Vergleich zur gleich motorisierten Giulia mit Automatikgetriebe sind auch für Allrad, mehr Platz und die große Heckklappe viel Geld. Der Familienfrieden wird es dem wahren Kenner aber wert sein.

Wer also von der Giulia Quadrifoglio geträumt hat, sie sich mental und finanziell leisten konnte, aber nicht durfte – für den kann jetzt das gemeinsame Leben mit dem Stelvio beginnen.

Technische Daten: Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio

Hubraum

2891 ccm

Leistung

375 kW / 510 PS bei 6.500 U/min

Maximales Drehmoment

600 Nm bei 2.500 U/min

Beschleunigung 0-100 km/h

3,8 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit

283 km/h

Norm-Verbrauch kombiniert nach NEFZ

9,0 Liter/100 km (Räusper…)

Grundpreis

89.000 Euro

Text: Bernd Conrad

Titelbild: Thomas Starck / Alfa Romeo

Stolz und Vorurteil: Erster Test des VW Golf Variant 1.5 TSI

Stolz und Vorurteil

Erste Fahrt im VW Golf Variant 1.5 TSI Evo. Aus zwei Blickwinkeln.

Erster Teil: Das Vorurteil

Golf Variant? Echt jetzt? Spießiger und spaßbefreiter habt Ihr es gerade nicht bei mein-auto-blog? Bjoern hat doch erst vor ein paar Tagen hier mit einem posiert, da zumindest als schneller R. Und jetzt der Allerweltskombi. Gute Nacht, ich leg mich hin.

Zweiter Teil: Der Stolz

Ein herrlich befreiendes Gefühl. Wenn man tun und lassen kann, worauf man Lust hat. Nicht unbedingt finanziell, aber befreit vom Geltungsdrang. Zudem hat die richtige Portion Sport (nicht zu viel, nicht zu wenig) dafür gesorgt, dass der Rücken noch nicht zwickt. Sollen also ruhig die Nachbarn in der Reihenhaussiedlung Tiguan fahren. Hohes Sitzen, entweder weil man muss (der Rücken!) oder mag (das Image). Oder Passat. Weil man halt Größe zeigt, auch wenn die Kinder schon aus dem Haus sind. Dass dabei ein halber Meter unnützer Platz im Fond ständig leer um Kurven gewuchtet wird: Egal!

„Sag doch einfach, wir fahren Golf!“ – dieser stilbildende Satz eines früheren VW-Werbespots passt wunderbar in die Jetztzeit. Der Golf hat seine Auffrischung bekommen. VW „demokratisiert“ man wieder, diesmal „innovative Technologien“. Was aber auch bedeutet, dass man sich nicht mehr nach oben orientieren muss.

Haken wir kurz die neuen Stoßfänger an Front und Heck ab, drücken bei den modellabhängigen Pseudo-Endrohrblenden beide Augen zu und notieren LED-Leuchten an beiden Enden des 4.567 Millimeter langen Variant: Hinten ab Werk, vorne gegen Aufpreise ab 1.085 Euro, je nach Version. Der getestete Highline hat sie serienmäßig, weitere 930 Euro kostet die adaptive Steuerung.

Jetzt aber rein: So richtig neu wird der Golf mit seinem Update erst, wenn man fleißig Kreuzchen auf dem Bestellzettel macht. Ach so, ´tschuldigung , es muss natürlich Eingabemaske heißen. Der Golf wird ja jetzt digital.

Das Active-Info-Display zieht in ihn ein: 510 Euro für großes Kino hinter dem Lenkrad. Dann nämlich, wenn man die unzähligen Anzeigemodi links liegen lässt und sich die Navigationskarte zwischen Tacho und Drehzahlmesser legt. Schneller Überblick, ohne dass das Auge zu lange von der Fahrbahn blickt. Rechts daneben die ganze Sache nochmal in groß.

Im neuen „Discover Pro“-Navigationsmodul. 9,2 Bildschirmdiagonale und einer State-of-The-Art-Auflösung des Displays. Neu sind ein konfigurierbarer Home-Bildschirm und eine Gestensteuerung. Die funktioniert nur in einigen Menus (z.B. bei der Auswahl eines Radiosenders oder eines Musikalbum-Covers), das aber nur manchmal. Also ist sie verzichtbar. Verzichtet haben die Wolfsburger aber leider auf den Drehregler für die Lautstärke. Das ist unnötig kompliziert. Also auch etwas Neues: Das erste Mal gilt bei einem VW: Die Funktion folgt der Form.

Unter der Haube des Testwagens findet sich ein neuer Motor wieder: Der 1.5 TSI mit 110 kW/150 PS löst in einigen Wochen den gleich starken 1.4 TSI ab. Und empfiehlt sich als erste Wahl für den Golf Variant-Kunden. Genügend Kraft in allen Lebenslagen, ein ruhiges Laufgeräusch und ein akzeptabler Verbrauch von knapp über sieben Litern auf 100 Kilometern laut Bordcomputer machen ihn zur Empfehlung. Wenn es etwas mehr sein darf.

Dass der neue TSI bei hohen Drehzahlen seine Stimme deutlich erhebt, dürfte die Zielgruppe nicht stören. Ist man dem Dynamikwahn doch längst entwachsen. Und ruht in sich. Da freut man sich lieber über die feinen neuen Technikbausteine im Innenraum, bei denen sogar der Schwiegersohn staunt. Dass der dunkelblaue Variant auf dem Supermarkt-Parkplatz nebenan mit seinem „Gebäudereinigung Potzblitz“ Aufkleber nicht weniger aufregend aussieht als der eigene? Mehr Genugtuung als Hindernis.

Technische Daten, Volkswagen Golf 1.5 TSI

Hubraum 1.498 ccm
Zylinder 4 in Reihe
kW / PS 110 / 150 bei 5.000 – 6.000 U/min
Max. Drehmoment 250 Nm bei 1.500 – 3.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 8,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 218 km/h
NEFZ-Verbrauch kombiniert 5,1-5,2 Liter / 100 km
Bordcomputer-Verbrauch 7,2 Liter / 100 km
Grundpreis Noch nicht bekannt

 

 

 

 

Text und Fotos: Bernd Conrad

Test: Renault Espace TCe 200 EDC

Der Testwagen funkelt violett-schwarz in der Sonne. Auf  großen 19-Zoll-Felgen spannt sich eine gekonnt gezeichnete Karosserie. Ohne verspielte Sicken, mit der richtigen Portion Chrom und einem senkrechten Heck, das trotz allem Nutzwert architektonisches Können zeigt.

Schick sieht er aus, der Renault Espace. Und rettet ganz nebenbei die Idee des großen Renault in die Jetztzeit. Während der 12-jährigen Bauzeit des Vorgängers stand es oftmals schlecht um eine Neuentwicklung. Schuld waren nicht nur einige erfolglose Anläufe der Franzosen in der oberen Mittelklasse, sondern auch die Tatsache, dass der Markt für große Vans faktisch eingebrochen ist. Also erfand sich der Renault Espace ein Stück weit neu. Dabei bedient er sich am Konzept der Mercedes R-Klasse – deren Erfolglosigkeit ließ eigentlich keine Nachahmer vermuten.

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Das Heck ist senkrecht wie aktuell kaum ein anderes. Aber dennoch schön gestaltet. Foto: Bernd Conrad

So und nicht anders musste der Espace aber werden, um überleben zu dürfen. Ein großer Reisewagen, dessen höhere Sitzposition hinter der kilometerweit entfernten Windschutzscheibe wunderbar entspannend wirkt.

Der Blick schweift durch den Innenraum. Wie das Exterieur: Schick. Zum braunen Nappaleder der noblen Ausstattungsvariante Initiale Paris leistet sich Renault den Luxus farblich passender, ebenfalls brauner, Kunststoffverkleidungen. Zusammen mit dem grau-schwarzen Dekor der Mittelkonsole ist das alles ziemlich sehenswert.

Man sollte nur die Finger bei sich behalten. Ähnlich der Überraschung, wenn die angesprochene Schönheit auf den Flirtspruch nur mit einem dumpfen „Hä?“ antwortet, erschrickt man im Espace. So hart, wie das Plastik überall ist, sieht es echt nicht aus.

Es sind Gegensätze dieser Art, die sich durch den erlebten Alltag mit dem Auto ziehen. Der 1,6 Liter große und 200 PS starke Benzinmotor (daneben gibt es noch einen gleich großen Diesel mit 160 PS für den Espace Initiale Paris) überrascht im Stand sowie bei moderatem Tempo mit einer unerwarteten Laufruhe. Wenn man es entspannt angehen lässt, zieht er mit seinem maximalen Drehmoment von 260 Nm auch ausreichend voran. Verlangt der rechte Fuß des Fahrers aber nach gesteigerter Dynamik, sollte an besser aussteigen und schieben. Hier merkt man, dass der Downsizing-Benziner an den 1,7 Tonnen Auto Schwerarbeit verrichten muss.

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Nur eine von vielen Fehlermeldungen, die den Espace zur Beruhigung von Fahrer und Auto in die Werkstatt zwangen. Foto: Bernd Conrad

Auf der bundesdeutschen Autobahn wird der Vortrieb dann in höheren Geschwindigkeitsregionen auch zäh wie Kaugummi. Zudem nehmen die Windgeräusche ab Tempo 130 deutlich zu. Als ob das nicht genug wäre, beginnt der Espace bei höherem Tempo, unruhig zu werden. Die diffuse Lenkung vermittelt zu wenig Fahrbahnkontakt und die Dämpfer schmeißen den Espace ungelenk über Fugen, Querrillen und ausgebesserte Blow-Ups.  Weit oben auf dem Fahrersitz bekommt man nicht mehr genügend Rückmeldung, alles fühlt sich seltsam entkoppelt an. Es scheint, als ob sich das Auto mit allen ihm zu Verfügung stehenden Mitteln dagegen wehrt, dass man den endlosen Anlauf bis zur Höchstgeschwindigkeit von 211 km/h wagt. Also ruhig mit den wilden Pferden, damit man den immensen Durst von 12,5 Liter Super auf 100 km im Testzeitraum auch noch halbwegs zügeln kann.

Ein Reisewagen also, der nicht die Hatz nach der frühen Ankunft in den Vordergrund stellt, sondern mit seinem eingebauten Tempolimit (sowie einem werksseitig installierten Radarwarner mit Angabe der Distanz zum Blitzer!) den Weg zum Ziel machen möchte.

Dafür braucht es einen ausreichenden Aufenthalt an Bord. Der ist gegeben. Neben dem Espace-Fahrersitz verblasst jeder teure Wohnzimmersessel. Bequem gebettet liegen die Oberschenkel auf der ausziehbaren Sitzflächenverlängerung auf. Die Massagefunktion knetet derweil in verschiedenen Stufen von entspannend bis kräftigend den Rücken durch. Leider unterstützen die massierenden Luftpolster ihre Arbeit mit lauten Knarzgeräuschen. Wieder so ein Gegensatz. Man beginnt, sich entspannt mit dem Auto zu arrangieren, und dann stören diese Geräusche.

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Armaturentafel aus „Architektur Heute“. Sieht schick aus und ist gut verarbeitet. Leider stört das viele Hartplastik. Foto: Bernd Conrad

Derweil liegt die Hand bequem auf dem Designer-Wählhebel des Doppelkupplungsgetriebes und Du erkennst, dass man so optimal auf dem großen Hochkant-Touchscreen herumdrücken kann. Zielsicher kann man also durch Menu des gar nicht sehr komplizierten R-Link-Systems flippern. Bis – Achtung, Gegensatz! – man genervt ist, weil jeder dritte Druck vom Display gepflegt ignoriert wird.

Also Finger weg und Musik hören. Nachdem sich das iphone zumindest per USB irgendwie mit dem Auto koppeln ließ, die Bluetooth-Verbindung hat im gesamten Testzeitraum das Telefon nicht als Mediaplayer akzeptiert. Lautstärke rauf und, Sie erraten es, werter Leser: Willkommen im Gegensatz. Die im Espace Initiale Paris serienmäßige BOSE-Soundanlage klingt kurz gesagt enttäuschend. Die Basse drücken nicht genug, es entsteht kein Raumklang und man kann trotz Surroundsystem keine Stilprofile oder sonstige Parameter für individuellen Musikgenuss auswählen.

So bleibt die Eigensinnigkeit des Autos an sich der Anker, mit dem ich meine Meinung zum Renault Espace in diesen Zeilen festmachen möchte.

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Viel Platz im Fond mit verstellbaren Einzelsitzen und drei Isofix-Paaren für Kindersitze. Foto: Bernd Conrad

Renault gebührt Respekt für die Entscheidung, aus dem überholten Van-Konzept etwas Neues zu kreieren. Dass man nicht voreilig einen SUV aus dem Espace gezimmert hat, sondern sich der Tradition extravaganter französischer Autos bewusst geblieben ist. Genau so ein Auto hatten die Franzosen schon einmal im Programm. Auch beim Schreiben dieser Zeilen musste ich oft an den legitmen Vorfahren denken und bei fast jedem Tippversuch des Modellnamens „Espace“ stand da fast ein „Vel Satis“. Es bleibt aber die Hoffnung, dass Renaults aktueller Vertreter in der oberen Mittelklasse erfolgreicher sein wird.

Der Importeur verspricht 5 Jahre Garantie für den Espace (und andere neue Renault-Modelle), wovon die ersten drei Jahre als Werksgarantie laufen und zwei weitere im Rahmen einer Anschlussgarantie laufen. Balsam für Skeptiker. Denn der Testwagen, mit frischen 9.000 Kilometern auf dem Zähler, zickte schon fleißig herum.

Ein Einzelfall gewiss, früher nannte man das mal Montagsauto. Mit gelöschtem Fehlerspeicher macht der entspannende Espace aber auch an den sechs anderen Wochentagen Freude. Aber keinen Spaß. Der muss ja auch nicht immer sein.

MAB Renault Espace 1
Crossover statt Van. Der Renault Espace denkt sein Konzept weiter. Gut gelungen. Foto: Bernd Conrad

Fazit:

Was dem Renault Espace vor allem als nobler Initial Paris für 44.900 Euro Listenpreis (Testwagenpreis 47.690 Euro) also fehlt, ist nicht unbedingt Image. Sondern vor allem der Mut des Käufers, einmal mehr zu wagen. Für mehr Wagen.

 

Technische Daten Renault Espace Initale Paris TCe 200 EDC

Hubraum 1.618 ccm
Leistung 147 kW / 200 PS bei 6.000 U/min
Maximales Drehmoment 260 Nm bei 2.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 8,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 211 km/h
Norm-Verbrauch kombiniert 6,2 Liter / 100 km
Realer Verbrauch im Testzeitraum 12,5 Liter / 100 km
Testwagenpreis 47.690 Euro

 

 

 

Test: Skoda Superb Combi 2.0 TSI

Sie finden es prima, wenn die Ehefrau mit stark angewinkelten Beinen und senkrechter Rückenlehne neben Ihnen klemmt, weil die Reboard-Babyschale samt Standfuß hinten rechts montiert ist? Und dass die Hälfte des Urlaubsgepäcks zu Hause bleiben musste, weil Kinderwagen und Windeln den Kofferraum blockieren?

Dann bitte gleich weiterklicken, am besten nach Mittelklasse-Premium-Kombis suchen. Klar kann man mit einem funkelnagelneuen BMW 3er Touring, einem Audi A4 Avant oder einer Mercedes C-Klasse Eindruck beim Nachbarn schinden. Weil so ein Ford Mondeo oder ein VW Passat einfach zu sehr nach Außendienst aussehen. Da muss man viel erklären. Sich rechtfertigen.

Fahrbericht Skoda Superb Combi

Der Kombinationskraftwagen

Vorhang auf für den Skoda Superb Combi. Auch hier muss man viel erklären. Meistens aber das Auto an sich, dabei lässt sich mit den staunenden Gartenzaun-Bekanntschaften gleich ausprobieren, ob sich im riesigen Innenraum im großen Skoda ein Echo produzieren lässt.

Während der Passat trotz stetiger Aufwertung das Vertreterimage einfach nicht los wird, hatte das der Skoda Superb Combi nie. Schon die letzte Generation (und der erste Combi, wie immer bei Skoda mit C geschrieben) sorgte für Aufsehen, ein staksiges Fahrwerk und der schmale Innenraum rochen aber doch noch zu sehr nach Kompaktklasse-Basis.

Sprengt die Fesseln der Mittelklasse

So halte ich es nicht für übertrieben, bei der aktuellen Generation des Skoda Superb die abgedroschene Vokabel des Quantensprungs zu verwenden. Weich geschäumte Kunststoffe, selbst auf Höhe des Fahrerknies, eine passgenaue Verarbeitung und das verschwenderische Platzangebot in alle Richtungen lassen den Superb die Fesseln der Mittelklasse sprengen.

Skoda Superb Baum

Behagliche Zufriedenheit

Als Testwagen schmeichelt ein Superb Style unseren Sinnen, zugegebenermaßen mit fast allen Kreuzchen in der Optionsliste. Die Passagiere nehmen, typisch Superb vorne etwas zu hoch, auf bequemen Leder-/Alcantara-Sitzen Platz. Das beige Interieur unterstreicht die Weite des Innenraums nochmals, wird aber früher oder später in Sachen Farbenlehre von frischen Jeans oder nicht ganz sauberen Kinderhänden überstimmt werden. Aber keine Sorge, den Innenraum gibt es beim Modell Style auch in schwarz – was zudem besser mit den meisten Außenfarben harmoniert. Auch die Konfiguration des Testwagens mit der Kombination aus beigem Interieur und grauem Lack ist nicht ganz geglückt.

Andere Bausteine dagegen sorgen für eine behagliche Zufriedenheit. Pflichtprogramm beim Superb-Kauf sollte das hervorragende adaptive Fahrwerk DCC sein. Der Aufpreis beträgt 910 Euro (Serie bei der L&K-Version).

Über die „Mode“-Taste an der Mittelkonsole können über vier verschiedene Stufen (Normal,  Comfort, Sport und Eco) die Fahrwerksabstimmung, das Lenkgefühl und die Reaktionsschnelle von Motor und Getriebe eingestellt werden. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, sich alle Bausteine individuell zusammenzustellen.

In der Comfort-Stellung bügelt der große Skoda die Straße vor dem Auto in Windeseile glatt, sanft wiegt man über Unebenheiten, ohne dass das Auto aber träge schaukelt. Die Bewährungsprobe mit einer leicht seekrank werdenden Beifahrerin hat der Comfort-Modus jedenfalls bestanden.

Skoda Superb Cockpit

Richtig interessant für längere Strecken ist das Eco-Programm. Der Motor wird hier nur unmerklich an die kurze Leine genommen,  sobald man vom Gas geht, trennt die Elektronik ihn jedoch vom DSG, so dass man mit möglichst geringen Reibungsverlusten „segelt“.

Die gleiche 200 Kilometer-Autobahnstrecke im Eco- und im Comfort-Modus gefahren, brachte zwar nur eine marginale Verbrauchsverbesserung um 0,2 Liter (laut Bordcomputer), aber das berühmte Kleinvieh macht auch Mist.

Ohne Motor ist kein Auto mobil, wenden wir uns also einmal dem Antrieb des Autos zu. Für die Testfahrt stand der Superb Combi als 2.0 TSI mit 220 PS bereit.

EA888 steckt unter der Haube mit dem geflügelten Pfeil. Das ist der VW-Konzernmotor mit 2,0 Litern Hubraum, der in einer fast unüberschaubaren Zahl von Leistungsstufen in verschiedene Modelle eingebaut wird: Im VW Golf GTI und R beispielsweise, ebenso im Seat Leon Cupra. Der Skoda Octavia hat als RS den Dreimalachter über der Vorderachse. Und so auch der Superb.

Skoda Superb Front

Auffallend unauffallend

Mit 220 PS und Frontantrieb markiert er die zweithöchste Leistungsstufe des großen Skoda, darüber gibt es noch eine 280 PS starke Allradversion. Der weniger stark aufgeladene Zweiliter-Skoda treibt nur die Vorderachse an.

Und das kann er sehr gut. Vom Start an fällt das Aggregat damit auf, dass es nicht auffällt. Der laufruhige Motor spielt, unterstützt von ausreichend Dämmmaterial im Vorderwagen, gekonnt Verstecken. Der Superb ist ein Reiseauto. Auch mit dem Benzinmotor. Oder gerade damit?

Der lange Radstand kommt bei zügiger Autobahnfahrt zusätzlich zum DCC zum Tragen, der Skoda liegt satt und sicher auf der Straße. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern ist auch der Geradeauslauf top. Mit dem intuitiv bedienbaren Lenkstockhebel ist die Geschwindigkeitsregelanlage samt adaptivem Abstandsassistenten eingestellt und einem mehrstündigen Trip stets nichts im Wege.

Skoda Superb Spiegel mit Totwinkelwarner

Der wachsame Wagen assistiert artig beim Halten der Fahrspur. Mit sanften Gegenlenkimpulsen bringt das System Dich wieder zurück auf Kurs, wenn man aus vermuteter Unachtsamkeit über die seitlichen Begrenzungen fährt. Sobald man dabei den Blinker betätigt, hält sich der Spurhalteassistent zurück. Dennoch wirkt bei aktivierter Unterstützung das Lenkgefühl leider – auch auf Landstraßen – oftmals eckig und unwirklich. Das verleitet zu schnell zur Deaktivierung über den Bordcomputer. Schade und der Sicherheit nicht dienlich.

Um die kümmert sich der Skoda Superb ansonsten zeit- und klassengerecht. Die Sensoren des ansonsten verzichtbaren Parklenkassistenten warnen sogar vor Querverkehr beim Ausparken. Die ebenfalls optionale Rückfahrkamera wartet im neuen Modelljahr sogar mit einer eigenen Waschdüse auf.

Skoda Superb Profil

Bevor ich mich nun in Kleinigkeiten verliere, wollen wir doch versuchen, den Skoda Superb nochmal in seiner Gesamtheit zu beurteilen. Und das fällt gar nicht so leicht. Denn trotz seines zackigen und kantigen Designs eckt er nirgendwo an. Er kann alles, was ein großer Kombi können muss. Andersherum: Was beim Packen für den Urlaub nicht in den 660-Liter Kofferraum passt, ist sicherlich eh zu viel dabei. Wer im mehr als opulenten Fond zu wenig Platz findet, soll bitte vor dem Einsteigen die Stelzen ausziehen.

Im Gegensatz zum noch recht pragmatisch angehauchten Vorgänger vermittelt der aktuelle Superb eine Wertigkeit und eine Ausstattungsgüte, die ihn von den genannten Mittelklasse-Kombis abhebt und durchaus eine smartere Alternative zu den teuren Kombiversionen von Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse darstellt. Weil er günstige Mittelklasse-Preise mit einer Vielzahl von Oberklassetalenten in Einklang bringt, stellt er einen Kombinationskraftwagen im besten Sinne des Wortes dar.

Epilog:

Wer moniert, dass der Skoda Superb nur mit Vierzylindermotoren und maximal zwei Liter Hubraum angeboten wird, der denkt zurecht verklärt an starke Reihensechszylinder und andere Sahnestücke. Dabei sollte man sich aber einmal auf den Firmenwagenparkplätzen und Rastanlagen unserer Republik umsehen: A6 2.0 TDI Ultra, BMW 520d, E220d – alles brave Vierzylinder. Und Diesel. War da was? Ja! Wer wissen will, wie die für die Mehrheit der kilometerfressenden Kunden interessantere Superb Diesel-Version fährt, kann hier den Fahrbericht des 2.0 TDI mit 190 PS und Allradantrieb nachlesen.

 

Technische Daten Skoda Superb Combi 2.0 TSI

Hubraum 1984 ccm
Leistung 162 kW / 220 PS bei 4.500 – 6.200 U/min
Maximales Drehmoment 350 Nm bei 1.500 – 4.400 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 7,1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 243 km/h
Norm-Verbrauch kombiniert 6,3 Liter / 100 km
Realer Verbrauch im Testzeitraum 9,6 Liter / 100 km
Testwagenpreis 49.520 Euro

 

Text und Foto: Alle Fotos: Bernd Conrad

Erste Fahrt: Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio

Fast ein Jahr ist es her. Giulia stieg vom Himmel. Berührte mit ihren vier Gummis den Boden und zeigte ihre Engelsflügel. Vorne ein Splitter, hinten eine Abrisskante. Anzusehen und anzufassen von einer ausgesuchten Gruppe automobiler Propheten. Die Gläubigen durften erst im September staunen. Die Messehalle 6 in Frankfurt wurde zu ihrer Kathedrale, in der sie Schlange standen. Um zu stauen, einen Blick auf vier oberarmdicke Endrohre zu werfen und kurz Platz nehmen zu dürfen.

Ein Jahr mentale und vor allem mediale Vorbereitung, bevor es nun so weit war. Der Engel fliegt das erste Mal. Und wir dürfen nicht nur zusehen, sondern sogar selbst das Geschehen bestimmen. Der heilige Ort: Das Testgelände des FCA-Konzerns (Fiat Chrysler Automobiles) in Norditalien. Mitsamt einem amtlichen Rundkurs. Und einer Horde Giulias. Quadrifoglios!

Die Schaltzentrale. Der rote Knopf links dient auch der Ausschüttung von Testosteron (Foto: Bernd Conrad).
Die Schaltzentrale. Der rote Knopf links dient auch der Ausschüttung von Testosteron (Foto: Bernd Conrad).

Fassen wir es noch einmal zusammen, könnte ja sein, dass es irgendjemand nicht bekommen hat: Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio heißt das neue Spitzenmodell der auferstehenden italienischen Marke. Obwohl, eigentlich ist es das Spitzenmodell der gesamten italienischen Automobilwirtschaft. Denn dieses Auto zeigt der Welt: Sie können es noch! Nicht nur Sportwagen bei Ferrari und Lamborghini bauen, nicht nur sportliche Luxusautos bei Maserati. Sondern eine Maschine zum Leben erwecken, bei der jeder zum Autofan werden muss.

Das sportliche Herz schlägt in Form eines 2,9 Liter großen V6-Triebwerks. Zwei Turbolader sorgen für ordentlichen Dampf. 375 kW / 510 PS und ein maximales Drehmoment von 600 Nm. Nackte Zahlen. 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h (nochmal: dreikommaneun!) und 307 km/h Höchstgeschwindigkeit (dreihundertsieben!) sorgen schon für erste Gemütsregungen. Doch alles nichts gegen den ersten Lebendkontakt. Wenn der Sechszylinder angeworfen wird und Du sofort weißt: Dieser Sound ist Dein neues Gebet. Gasstoß. Ein Donnerhall. Kein spätpubertäres Plärren wie es der aktuelle BMW M3/M4 vormacht. Sondern der Schrei von High-Tech. Lasst mich von der Leine!

Der Fahrer wird von den perfekt passenden Sparco Sportschalensitzen (Aufpreis: 3.490 Euro) aufgesogen, die rechte Hand flippt den Hebel des manuellen Sechsganggetriebes nach links vorne, während der linke Fuß dem Gegendruck des Kupplungspedals nachgibt.

Langsam kann die Giulia Quadrifoglio auch. In der Boxengasse (Foto: Bernd Conrad).
Langsam kann die Giulia Quadrifoglio auch. In der Boxengasse (Foto: Bernd Conrad).

Rund fünf Millionen Haare hat ein Mensch auf seinem Körper. Jetzt stellt sich jedes einzelne auf. Du sitzt tatsächlich im Quadrifoglio und bestimmst Dein Schicksal selbst. Ausfahrt aus der Boxengasse, Vollgas auf die Strecke. Das Auto schnalzt mit einer Wucht nach vorne, dass Du kurz überlegst, ob gerade Anbauteile von der Karosserie fliegen. Aber keine Zeit zum Nachdenken, die erste Schikane rast auf mich zu. Besser gesagt: Die Giulia auf die Schikane. Mit knapp über 180 Sachen. Brutaler Tritt aufs Bremspedal und BÄM – das Gehirn knallt von innen gegen die Stirn. Die Karbon-Keramik Bremsanlage von Brembo (gepflegter Aufpreis: 7.300 Euro) schafft es, dem unfassbaren Vortrieb in Nullkommanix ein Ende zu setzen. In nur 32 Metern soll die Giulia Quadrifoglio von 100 auf Stillstand zu bringen sein.

So tief fallen wir nicht, mit um-die-50 und einem Lenkradlupfer nach links, dann einem nach rechts, lasse ich die Schikane wieder sie selbst sein und weiter geht es. Im Kurvengeschlängel der folgenden paar Kilometer überrascht, wie leicht beherrschbar der starke Alfa trotz der mechanischen Urgewalt ist. Vom ersten Moment an hast Du das beruhigende Gefühl, stets volle Kontrolle über die Giulia zu haben. Sie gleitet Dir nicht aus der Hand. Eine perfekte Gewichtsverteilung von je 50% auf Vorder- und Hinterachse sorgen ebenso für Zucht und Ordnung wie eine mechanische Sperre an der Hinterachse. Elektronisch geregelt verteilt sie die Leistung zwischen den Hinterrädern. Mit einem Yuppie-Kram wie Allradantrieb lässt sich eine Giulia Quadrifoglio nämlich nicht das Leistungsgewicht versauen. 285 Millimeter breite 19-Zoll-Walzen an der Hinterachse sorgen dafür, dass der Asphalt die Gebote des Bi-Turbos erhört. Den letzten Rest regelt die Elektronik.

Dazu gehört auch das ESP. Mit dem „Race“ Modus, der die von den irdischen Giulias bekannte DNA-Regelung bereichert, schickt man das in den Urlaub. Dann ist es ein leichtes, das hinterradgetriebene Viech quer zu treiben. Wenn man es kann. Ob man sich traut oder nicht, diese Frage beantwortet das Auto: Giulia scheint mir Dir zu sprechen, sie bereitet Dich in Echtzeit auf das vor, was sie mit Dir machen will – und mit sich machen lässt. Selten hat ein derart starkes Auto von Beginn so viel Vertrauen erweckt.

Umsteigen in die Automatikversion. Während die Giulia Quadrifoglio in den meisten Märkten, so auch in Deutschland, vorerst nur mit Schaltgetriebe verfügbar ist, kann man z.B. in England schon die Achtstufen-Automatik ordern.

Liebe Leser, bevor jetzt jemand wegen dem Wandler „Blasphemie“ zu rufen beginnt, lasst Euch bekehren. Der Automatik gelingt das Unfassbare: Nochmalige Fahrspaßsteigerung.

Hellwach sortiert sie die Übersetzungen und hat den passenden Gang schon parat, während der Mensch noch den Gedanken an das Schalten formt. Außerdem sind die steten Zwischengastöne beim Herunterschalten Musik.

Der Prophet zeigt sich: 2,9 Liter V6 Bi-Turbo mit 510 PS (Foto: Bernd Conrad).
Der Prophet zeigt sich: 2,9 Liter V6 Bi-Turbo mit 510 PS (Foto: Bernd Conrad).

Zum Abschluss begnüge ich mich mit dem Beifahrersitz und lasse einen Alfa Romeo – Werksfahrer an Steuer. Während er mir zeigt, dass mein „schnell“ durch sein „richtig schnell“ aber so was von egalisiert wird, bestätigt er meinen Hang zur Giulia Quadrifoglio Automatik. „Für das Driften um den Kurs“, sagt er, „nehme ich den Handschalter, um richtig schnell zu sein, die Automatik“.

Fazit:

Ja, die Giulia Quadrifoglio wird in den Gazetten ihre Vergleichsteste verlieren. Gegen M3, C63 und RS4. Weil dann der mangelnde Raum im Fond moniert wird, das nicht ultimative Infotainment und weitere Alltagsproblemchen.

Die Herzen der Kunden wird das Auto aber im Sturm aus den Endrohren erobern: Als perfekter Alltags-Sportwagen. „Ferrari wird nie ein Auto mit vier Türen bauen“ ertönte es oft genug aus Maranello. Jetzt wissen wir, warum: Es heißt Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio.

 

Technische Daten Alfa Romeo Quadrifoglio

Hubraum 2891 ccm
Leistung 375 kW / 510 PS bei 6.500 U/min
Maximales Drehmoment 600 Nm bei 2.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h  3,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 307 km/h
Norm-Verbrauch kombiniert 8,5 L. / 100 km (NEFZ halt..)
Grundpreis 71.800 Euro (mit Sechsgang-Handschaltung)

 

 

 

Erste Fahrt: Alfa Giulia 2.2 Diesel: Tanze Tango mit mir!

Das Leben wird nicht unbedingt einfacher. Zumindest für den typischen Mittelklassekunden. Oftmals im mittleren Management und firmenwagenberechtigt. Sein Arbeitgeber schreibt gottseidank keine Marke explizit vor, manche Autos schließt aber entweder der Chef (Jaguar XE – zwar relativ günstig, aber wie kommt das denn an, beim Kunden im Jaguar vorzufahren?) oder man selbst (VW Passat, zwar nett gemacht, aber wie kommt das denn an, beim Nachbarn im Passat vorzufahren?) aus.

Bleibt das Trio aus BMW 3er, Audi A4 und Mercedes C-Klasse. „Einmal wie alle“ eben. Damit man sich zwar profilieren kann, aber nur nicht auffällt? Das muss nicht länger sein, dafür steigt die Qual der Wahl, der Entscheidungsprozess wird komplizierter: Eine vierte Alternative kommt ins Spiel.

Aufbruch in die Moderne: Die Giulia hat Überholprestige - wie die ganze Marke (Foto: Bernd Conrad).
Aufbruch in die Moderne: Die Giulia hat Überholprestige – wie die ganze Marke (Foto: Bernd Conrad).

Vorbild BMW 3er

Denn Alfa Romeo ist wieder da! Schon öfter gelesen in letzter Zeit? Bestimmt. Wir schließen uns dem nicht an, weil es gut klingt, sondern weil der Aufschlag mit dem ersten neuen Auto seit Jahren sitzt. Strecken muss sich vor allem der BMW 3er, der ganz klar als Benchmark bei der Giulia-Entwicklung gegolten hat.

Erst einmal durchatmen. Nur nichts überstützen. Ich nähere mich der neuen italienischen Limousine ganz neutral und abgeklärt. Für die erste Ausfahrt fällt die Wahl auf eine Konfiguration, die der oben genannte Beispielkunde durchaus in Betracht ziehen dürfte:

Die Alfa Romeo Giulia mit dem 132 kW / 180 PS starken 2.2 Liter-Dieselmotor (es gibt noch eine 150 PS-Variante und speziell für die Märkte Frankreich und Deutschland auch einen Einstiegsdiesel mit 136 PS).

Dieses Aggregat ist an die zweite Ausstattungs-Ebene namens  Super gekoppelt, die beim 150 PS-Diesel 1.800 Euro Aufpreis kostet. Sie bringt von Haus aus eine Stoff-/Leder-Kombination im Innenraum, 17-Zoll Leichtmetallfelgen, Parksensoren hinten, Chromschmuck und mehr mit, lohnt sich also auch beim schwächeren Modell auf jeden Fall.

Der Testwagen im gedeckten Dunkelblau mit beiger Leder-Innenausstattung wirkt gediegen, für einen Alfa Romeo vielleicht gar ein bisschen zu piefig. 293 Wörter Herumgerede, liebe Leser, Ihr wollt ja wissen, wie sich die Giulia anfühlt!

Willkommen zu Hause: Angenehmenes Alfa-Cockpit. Nur die Sitze sind nicht ideal (Foto: Bernd Conrad).
Willkommen zu Hause: Angenehmenes Alfa-Cockpit. Nur die Sitze sind nicht ideal (Foto: Bernd Conrad).

Los geht’s. Der Daumen der linken Hand wandert intuitiv auf den Startknopf am Lenkrad und es stellt sich sofort die Frage „warum ist der nicht bei jedem Auto hier“? Der Vierzylinder rappelt sich auf und dieselt los. Durchaus wahrnehmbar und kernig, aber in einer nicht unangenehmen Frequenz. Klingt in etwa so wie der BMW 320d, den ich in diesem Bericht noch häufiger zum Vergleich heranziehen werde. Was aber auch heißt: Ein Audi A4 TDI macht das leiser.

Während der Wählhebel der optionalen ZF-Achtgangautomatik (soll ich nochmal BMW sagen?) auf P steht, erkunde ich mit Augen und Fingern den Innenraum. Von der ersten Sekunde an fühlst Du Dich als Fahrer voll und ganz vom Auto aufgenommen, wie hineingegossen. Passt perfekt. Das Lenkrad liegt angenehm in der Hand, vor allem der Materialmix aus dem Lederkranz mit dem rutschhemmenden Synthetik-Gewebe in den Daumenmulden ist eine Pracht. Warum aber das Alfa Romeo-Emblem im Pralltopf den Fahrer monochrom und nicht in seiner vollen Farbenpracht anstarrt, bleibt das Geheimnis der Marketingstrategen.

Die Rundinstrumente liegen in tiefen Höhlen und sind perfekt ablesbar. Was auch für das dazwischen platzierte 7-Zoll-Display gelten könnte, wenn es denn richtig genutzt würde. Die Navigationsanzeigen sind gut dargestellt, wer aber z.B. die Fahrdaten des Bordcomputers aufruft, wundert sich über scheinbar willkürlich verteilte, viel zu kleine Ziffern auf der großen schwarzen Fläche.

Die gibt es auch über der Mittelkonsole. Sobald man das Infotainment anschaltet, erscheint hier der wunderbar eingepasste Monitor für Navigation, Audio und Fahrzeugeinstellungen. In einer Zeit der plump herumlungernden Displays auf so mancher Armaturentafel eine schöne Abwechslung.

Das geht hübscher: 08/15-Wählhebel und schnöder Kunststoff in der Mittelkonsole (Foto: Bernd Conrad).
Das geht hübscher: 08/15-Wählhebel und schnöder Kunststoff in der Mittelkonsole (Foto: Bernd Conrad).

Durchaus erwähnenswert: Die Giulia hat keinen Touchscreen. Auch das kann es noch geben, und es funktioniert. Mit 20 Knöpfen, vier Drehreglern (davon einer mit zusätzlicher Druckfunktion, so viel Zeit muss sein) und zwei Walzen, die über das Cockpit nebst Multifunktionslenkrad verteilt sind, lässt sich der Alfa prima bedienen. Auch bei der Bedienung gilt also: Vorbild Münchner Mittelklasse.

Das gilt auch für die Haptik der verbauten Kunststoffe und den Qualitätseindruck. Den welligen Teppich im Beifahrerfußraum und ein paar unsauber eingepasste Teile der Türverkleidung schiebe ich gutgläubig auf den Vorserienstatus des Testwagens.

Jetzt aber: Wählhebel auf „D“. Über enge Landstraßen geht es auf die Autostrada. Der Selbstzünder schiebt ordentlich an, ohne Bäume auszureißen. Das soll er aber auch gar nicht, entspanntes Kilometerspulen ist seine Aufgabe. Die Automatik hält stets die passende Fahrstufe parat und erfreut mit durchaus knackigen Gangwechseln, die manchmal an die Charakteristik einer Doppelkupplung erinnern. Selbst auf einer längeren Serpentinenstrecke, für die Giulia und ich die aalglatte italienische Autobahn verlassen, drängt es die Finger nicht zu den serienmäßigen Schaltwippen am Lenkrad.

Unaufgeregtes, schickes Design: Die Giulia im Profil (Foto: Bernd Conrad).
Unaufgeregtes, schickes Design: Die Giulia im Profil (Foto: Bernd Conrad).

Eher schon zum DNA-Drehregler auf der Mittelkonsole. Hier lässt sich die Charakteristik des Antriebs (Motor und Getriebe) und der Lenkung einstellen. „A“ steht für den effizienten Modus, in dem Giulia reichlich unausgeschlafen wirkt. In „N“ ist alles schlicht normal und hier in den Bergen wähle ich „D“ für „Dynamic“. Der Motor hängt wacher am Gas, die Lenkung wird schwergängiger und direkter. Damit zirkelst Du das Auto millimetergenau über den Asphalt.

Es ist, also ob Giulia Dich ohne eine einzige Übungsstunde auf den Tanzboden zerrt und mit Dir einen astreinen Tango hinknallt. Erstaunlich, wie schnell Fahrer und Auto eins werden, wie sich eine dieselgetriebene Mittelklasselimousine plötzlich anfühlen kann wie ein sportlicher Kompaktwagen. Der Hinterradantrieb spielt beim flotten Bergauf- und Bergabstieg natürlich auch seine Rolle, ohne dass die Antriebsachse vorlaut mitmischen will. ESP-Einsatz? Fehlanzeige.

Noch gibt es für den Alfa kein verstellbares Fahrwerk. Auch wenn diese Option nachgeschoben wird, kann man sich das Geld dafür getrost sparen. Mit den 18-Zoll-Felgen des Testwagens legt Giulia einen erstaunlichen Komfort an den Tag, selbst auf rissigen Straßen zweiten und dritten Grades. Diese Auslegung erkauft sich das Auto aber keineswegs mit starker Seitenneigung in Kurven oder dem Hang zum Wanken, Giulia legt hier einen perfekten Spagat hin. Tango eben. Es ist vor allem die Kombination des scheinbaren Gegensatzes aus komfortablem Fahrwerk und sportlich-direkter Lenkung, die beeindruckt.

Was leider nicht für die Sitze gilt. Während der obere Rücken einigermaßen Seitenhalt erfährt, rutscht des Fahrers Allerwertester hilflos auf der zu kleinen Sitzfläche herum. Das glatte Leder hilft hier fleißig mit, womit meine Empfehlung für die serienmäßigen Stoff-/Leder-Bezüge deutlich ausgesprochen werden muss. Auch bei der Bestuhlung also Vorbild BMW 3er, hier aber die Mietwagen-Version mit den unbrauchbaren Seriensitzen. Schade, dass Alfa keine optionalen Sportsitze mit einstellbarer Oberschenkelauflage und stärker ausgeformten Sitzwangen anbietet.

Ein Job für die Modellpflege also. Dann kann auch gleich nochmal der triste Kunststoff in der Mittelkonsole und der kratzempfindliche Dreh-Drück-Steller für die Infotainment-Bedienung mit angepackt werden.

Wenn der Blick schon nach rechts unten fällt, stört auch der spröde Automatik-Bedienhebel. Auch der soll aussehen wie bei BMW (liefert den ZF nur so?), hätte aber ein schickes Alfa Romeo-Design verdient.

6,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer hat sich die 180 PS-Giulia auf der Probefahrt genehmigt. Angesichts der fixen Bergpassagen ein passabler Wert.

Trotz der Farbähnlichkeit mit dem Haus: Die Giulia muss sich nicht verstecken. (Foto: Bernd Conrad)
Trotz der Farbähnlichkeit mit dem Haus: Die Giulia muss sich nicht verstecken. (Foto: Bernd Conrad)

Handschaltung als Alternative zur Automatik?

Weniger wird das auch nicht unbedingt mit der handgeschalteten Version, die ich für den direkten Vergleich im Anschluss ausprobieren konnte (das grau-beige Auto auf den Bildern). Das Sechsganggetriebe hat angenehm kurze Wege, ist aber nicht das zackig-knackige Sportrührgerät, das vielleicht erwartet. Wie beim Mitbewerber aus München ist der Rückwärtsgang über einen Widerstand nach links neben dem ersten Gang zu erreichen. Am Druckpunkt kann aber gerne noch einmal gearbeitet werden, es passiert durchaus, dass man aus Versehen in Richtung Heck anfährt anstatt nach vorne.

Der manuellen Schaltbox traut Alfa Romeo zudem weniger Drehmoment als der Wandlerautomatik zu. Während dort maximal 450 Nm Drehmoment anstehen, gipfelt dieser Wert selbstgeschaltet bei 380 Nm. Die aber auch ausreichend Kraft bedeuten.

Was auch auffällt: Mit dem dritten Pedal (für die Kupplung) wird es zumindest in meinen Schuhgröße-Dimensionen (48) reichlich eng im Fußraum, allzu oft verhakt sich das Kupplungsfuß mit der Stütze links daneben.

2.250 Euro sind ein stolzer Aufpreis für die Achtgangautomatik – die dennoch eine sinnvolle Investition ist, sie passt einfach hervorragend zur ausgewogenen Giulia und nutzt mit den zwei zusätzlichen Fahrstufen das Drehmomentpotenzial des Diesels besser aus.

Sprechen wir also über das liebe Geld. Günstig ist der neue Alfa Romeo nicht, und das mit Absicht. Der Anspruch der Italiener war es nicht, eine Budgetalternative zu den etablierten Premium-Limousinen auf den Markt zu werfen. Man möchte sich auf Augenhöhe sehen. 39.650 Euro  kostet die Giulia Super mit 180 PS Diesel und Automatik. Auf den ersten Blick nur 50 Euro unter dem BMW 320d. Um fair zu bleiben, packen wir beim Bayern die Parksensoren, Klimaautomatik und Stoff-/Ledersitze mit rein. Macht 41.530 Euro und somit 1.700 Euro Preisvorteil für die Italienerin.

Zwei Endrohre am Heck kennzeichnen den Diesel (Foto: Bernd Conrad).
Zwei Endrohre am Heck kennzeichnen den Diesel (Foto: Bernd Conrad).

Das Fazit

Kann das Comeback von Alfa Romeo gelingen? Die Chancen standen nie besser als mit Giulia. Sie ist ein wirklich gutes Auto geworden, wenn man die lange Durststrecke nebst Fehlschlägen von Alfa Romeo der vergangenen Jahr betrachtet, sogar ein unerwartet gutes. So ist die Prognose von 4.000 Giulia-Verkäufen im ersten vollen Verkaufsjahr 2017 auf dem deutschen Markt auf den ersten Blick zu niedrig gegriffen. Der Flaschenhals dürfte aber das Händlernetz sein, das auf nur noch 80 Betriebe geschrumpft ist.

Auch wenn die BMW-Vertretung vielleicht ums Eck liegt, eines sei Mittelklasse-Interessenten geraten: Vor der Unterschrift eines Kauf- oder Leasingvetrages lohnt sich auf jeden Fall die Fahrt zum Alfa Romeo-Verkäufer. Denn mit der zusätzlichen Auswahl wird das Leben eben nicht einfacher, bei einer solchen Alternative aber durchaus schöner.

 

Technische Daten Alfa Romeo Giulia Super 2.2 Diesel (Automatik)

Hubraum 2.143 ccm
Leistung 132 kW / 180 PS bei 3.750 U/min
Maximales Drehmoment 380 Nm (450 Nm) bei 1.750 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 7,2 Sekunden (6,8 Sekunden)
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Norm-Verbrauch kombiniert 4,2 Liter / 100 km
Grundpreis 37.400 Euro (39.650 Euro)

 

 

 

Exklusiv – Erste Fahrt: Alfa Romeo Giulia 2.0 Turbo

Als einziges deutschsprachiges Automedium hatte mein-auto-blog die Gelegenheit, neben dem Dieselmotor auch die Benziner-Variante der Alfa Romeo Giulia Probe zu fahren. Wie passt der Turbomotor zum neuen Italiener?

Interessante Option für 300 Euro Aufpreis: gelb lackierte Bremssättel (Foto: Bernd Conrad)
Interessante Option für 300 Euro Aufpreis: gelb lackierte Bremssättel (Foto: Bernd Conrad)

Das 147 kW / 200 PS starke Turbotriebwerk wird später im Jahr 2016 die Modellpalette bereichern. Im Gegensatz zu den Dieselbrüdern ist der Benziner mit der hervorragenden Achtstufen-Automatik zwangsgekoppelt.

Giulia 2.0 Turbo. Eine ungewohnt schlichte Modellbezeichnung. Ein Hinweis auf den Charakter des Autos? Klare Antwort: Ja! Wer vor lauter klassischen Zitaten wie der Baureihenbezeichnung und dem wederbelebten Konzept des Standardantriebes ganz entzückt auf herrlich bollernden Boxersound gehofft hatte, so wie er selbst einen Basis-145er begehrlich machte, muss umdenken.

Schöne neue Welt: Die einzige Benziner-Option der Giulia, diesseits des Quadrifoglio-Monsters, serviert automobile Hausmannskost. Die Eckdaten des Motors lesen sich gar spröde. Zwei Liter Hubraum, vier Zylinder in Reihe, natürlich mit Turboaufladung.

Objektiv gibt es am Zweiliter-Motor in der Giulia wenig zu meckern. Natürlich ist ausreichend Leistung für den automobilen Alltag vorhanden. Im Gegensatz zum Diesel ist diese Giulia bauartbedingt drehfreudiger, zudem wirkt das Auto leichtfüßiger.

Der Benziner macht den Underdog: Nur ein Endrohr, der Diesel hat zwei (Foto: Bernd Conrad).
Der Benziner macht den Underdog: Nur ein Endrohr, der Diesel hat zwei (Foto: Bernd Conrad).

Jetzt kommt es, das ABER: Der Klang des Turbomotors ist dünn und dieses Alfa Romeo nicht würdig. Es liegt bestimmt an zu hohen Erwartungen auf ein bisschen mehr Spaß im Italiener. Das schlicht nicht vorhandene Sound-Design überrascht dann aber doch. Genau so sehr, wie es überrascht, dass man das Fehlen eines solchen Firlefanzes heutzutage schon bemerkt.

Auf der ersten kurzen Ausfahrt konnte ich die Giulia 2.0 Turbo auf Landstraßen und durch Ortschaften fahren. Hier legt auch dieses Modell eine schöne Performance hin. Die gelungene Fahrwerksabstimmung und die einstellbaren Parameter für Antrieb und Lenkung über den DNA-Regler auf der Mittelkonsole intensivieren auch hier die Beziehung zwischen Auto und Fahrer. Subjektiv steht der Benziner aber nicht besser im Futter als der 180 PS-Diesel. Der zieht mit seinem höheren Drehmoment (450 Nm zu 330 Nm beim Benziner) aus allen Lebenslagen besser und ist auch laut Datenblatt nicht merklich langsamer. Beide Varianten laufen 230 km/h Spitze, der Benziner hat nach 6,6 Sekunden Tempo Hundert erreicht. Dem Diesel benötigt dafür nur 0,2 Sekunden mehr.

Die Stoff-/Leder-Bezüge der Giulia Super sind wunderbar (Foto: Bernd Conrad).
Die Stoff-/Leder-Bezüge der Giulia Super sind wunderbar (Foto: Bernd Conrad).

Wie und ob sich der Benziner beim Herausbeschleunigen aus höheren Autobahngeschwindigkeiten abzusetzen vermag, konnte beim Erstkontakt im tempolimitierten Italien nicht ausprobiert werden. Aber jetzt schon ist klar, dass es dann plärrig aus dem Motorraum tönt. Ein Klangbild, dass den Alfa nicht von x-beliebigen Mitbewerbern aus Europa und Asien absetzt. Und deswegen einem Auto nicht würdig ist, in dem so viele Emotionen verarbeitet wurden.

Das gleiche lässt sich natürlich über den Dieselantrieb sagen. Dort hat man sich vor dem Ausritt aber auch keine anderen Erwartungen zusammengeschustert. Und genau das ist das Problem, dass Dir mit dem 2.0 Turbo die Laune verderben kann: Als Angebot für wenig fahrende Privatkunden muss der 95-Oktan-Alfa emotionaler klingen, weniger synthetisch am Gas hängen, mehr analoges Spaßgerät als digitales Fahrdings sein. Wäre die Giulia nicht die Reinkarnation einer Traditionsmarke, sondern schlicht ein weiteres Mittelklasseauto, es gäbe wenig zu meckern. Was den Zweiliter für Märkte wie China interessant macht. Dort, wo der Dieselmotor kaum eine Rolle spielt und Markengeschichte keine Rolle spielt, wird das Auto in genau dieser Konfiguration seinen Weg gehen.

In der alten Welt aber ist nicht etwa ein Mittelklassemodell aus Ingolstadt, München oder Stuttgart der ärgste Widersacher des 2.0 Turbo, sondern der 20 PS schwächere Diesel im gleichen Stall. Was für die Marke kein Problem darstellen sollte. Und für den Kunden erst recht nicht. Denn dass er mit dem Selbstzünder ein passables Auto kaufen kann, erfahrt Ihr hier.

DSC01050 (2)Ob zumindest das finanzielle Angebot für den Benziner spricht, kann noch nicht berechnet werden. Für dieses Modell liegen noch keine Informationen zum Preis und den Versicherungseinstufungen vor. Der Bordcomputer spuckt während der Testfahrt einen Verbrauch von 9,5 Litern auf 100 km aus, immerhin 2,8 Liter über dem Anzeigenwert im Diesel.

Fazit:

Ich hätte es nicht zu träumen gewagt, aber mein Abschlusssatz lautet: Wenn Giulia, dann Diesel! Sofern man den extra scharfen Quadrifoglio außer Acht lässt. Aber das ist eine andere Geschichte…

 

Technische Daten Alfa Romeo Giulia Super 2.0 Turbo

Hubraum 1995 ccm
Leistung 147 kW / 200 PS bei 5.000 U/min
Maximales Drehmoment 330 Nm bei 1.750 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 6,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Norm-Verbrauch kombiniert Noch nicht bekannt
Grundpreis Noch nicht bekannt

 

 

News: Toyota Hilux – die achte Generation steht bereit.

 Toyota will seine Marktführerschaft bei den Pick Ups mit dem neuen Hilux verteidigen und weiter ausbauen.

23,1 Prozent Marktanteil in Europa. Was für Toyotas PKW-Palette reine Utopie ist, seit Auris, Avensis und Co. nicht mehr an die einst hohen Absatzzahlen ihrer etablierten Vorgänger anknüpfen können, schüttelt der japanische Hersteller im Pick Up – Segment locker aus dem Ärmel.

Denn in seinem Segment ist der Toyota Hilux mit eben diesem Anteil klarer Marktführer. Ziehen wir die Mengenlehre zu Rate und übersetzen das in 34.000 verkaufte Autos im Jahr 2015. Das sollen zukünftig bis zu 40.000 im Jahr werden. Und das trotz einer wachsenden Schar an Mitbewerbern von Mercedes und Renault (beide Allianzpartner entwicklen einen Pick Up auf Basis des Nissan Navara), dem Fiat Fullback auf Basis des Mitsubishi L200 und dem modellgepflegten VW Amarok.

Auch mit feinem Chromschmuck lässt sich der Hilux schmutzig machen.
Auch mit feinem Chromschmuck lässt sich der Hilux schmutzig machen.

Letzterer kommt mit Dreiliter-Diesel als Sechszylinder. Diese Hubraumgröße, obgleich verteilt auf vier Töpfe, gab es bisher auch für einige Hilux-Versionen, daneben einen 2,5 Liter Vierzylinder. Damit ist bei der achten Generation Schluss, sämtliche Hilux-Versionen, egal ob Single Cab mit zwei Sitzplätzen, Extra Cab für vier oder Double Cab für fünf Pasagiere, egal ob eine oder zwei angetriebene Achsen. In Zukunft nagelt stets ein 2,4 Liter großer Vierzylinder-Turbodiesel mit 110 kW/150 PS unter der neuen Haube.

Die spannt sich nun über eine deutlich prägnantere Frontpartie. Der längere Überhang mit dem steilen Kühlergrill verpassen dem Hilux einen deutlich maskulineren Auftritt. Auch das Profil mit den ruhigeren Blechflächen wirkt moderner. Innen zieht ein neues Cockpit mit großen Touchscreen (als Option) ein. Leider aber auch die antiquiert wirkenden Lüftungsdüsen aus dem PKW-Bruder Auris.

Das Cockpit wirkt nun moderner als bisher.
Das Cockpit wirkt nun moderner als bisher.

Egal, ein Nutztier wie der Hilux soll keine Schönheitspreise gewinnen, sondern überall seinen Mann stehen. Nach wie vor baut der Toyota auf einem Leiterrahmen auf, der nun nochmals steifer sein soll. Eine knapp elf Zentimeter breitere Ladefläche und größere Ein- und Ausfederwege für bessere Geländefähigkeit empfehlen den Hilux weiterhin als Fahrzeug für Förster, Bauherren und Hüttenbesitzer. Für die ist auch eine maximal Anhängelast von 3,2 Tonnen eine wichtige Währung.

Aktuell kostet der Vorgänger des neuen Toyota Hilux ab 22.134 Euro für die Einzelkabine mit zwei Sitzplätzen und ebenso vielen angetriebenen Rädern. Der Nachfolger dürfte sich im annähernd gleichen Preisrahmen bewegen, wenn er im Laufe des Jahres zu den deutschen Toyota-Händlern kommt. Genaue Informationen zur Ablösesumme gibt es aktuell noch nicht.

Audi R8 V10 plus „selection 24h“

Kaum da, schon weg!

Das erste Sondermodell der aktuellen R8 Baureihe gibt es nur 24 mal

Beginnen wir mit der Berichterstattung über ein Auto, das wohl ausverkauft sein wird, bevor alle geschätzten Leser diese Zeilen studieren konnten.

Audi legt ein Sondermodell des R8 Coupé V10 plus namens „selection 24h“ auf. Mit dem Sonder-R8 möchte man den Geist von Audis Rennsporterfolgen, auch bei diversen 24-Stunden-Rennen, auf die Straße bringen. Oder in Sammlergaragen, denn es werden gerade mal 24 Exemplare gebaut.

Am Antrieb bleibt der R8 V10 plus, was er ist. Gnadenlos stark, gnadenlos schnell. 449 kW / 610 PS lässt der 5,2 Liter große Zehnzylinder-Mittelmotor auf die vier angetriebenen Räder los. Die drehen sich bei Bedarf so schnell, dass nach 3,2 Sekunden vom Start der beliebte Wert Null-bis-Hundert eingesackt ist und am Ende 330 Sachen ins Fahrer-Tagebuch gekritzelt werden können.

Der homöopathisch limitierte „selection 24h“ bringt als erweiterte Serienausstattung die Dynamiklenkung (variable Lenkübersetzung), die adaptive Dämpferregelung namens magnetic ride und die LED-Scheinwerfer mit Laserlicht (der Laser schaltet sich ab 60 km/h auf das LED-Fernlicht auf) mit.

Pokale in der Vitrine, Spiegelwand: Der R8 für Egozentriker?
Pokale in der Vitrine, Spiegelwand: Der R8 für Egozentriker?

Außen gibt es die Sideblades in Schwarz und rote Akzente an der Karosserie. Die wurde in eine der lässigsten Autofarben dieser Tage getaucht, das helle Suzuka Grau aus Audis Speziallackschatulle. Bodenkontakt geben schwarze 20-Zoll-Leichtmetallfelgen.

229.000 Euro kostet das Sondermodell. Wenn man die für den regulären R8 V10 plus auch bestellbaren Optionen zum Grundpreis addiert, kostet der spezial lackierte R8: 201.180 Euro. Bleiben also 27.820 Euro Aufpreis für ein paar weitere optische Gimmicks wie die Projektion eines R8 Logos auf die Straße, Innenraumdetails aus glänzendem CFK und den Traum schlafloser Nächte: beleuchtete Carbon-Einstiegsleisten. Zumindest tragen die die Seriennummer von 1 bis 24. Und nachdem das teure Acht- oder Neuntauto eh nur in der klimatisierten Garage parkt, kann die Türen ja dann offen lassen. Vielleicht sollte Audi über eine externe Stromzufuhr für die Einstiegsleisten nachdenken.

 

Alfa Romeo Giulia: Zahlenerotik zum Bestellstart

Alfa Romeo gibt die Preise für die lang erwartete Giulia bekannt.

Man sieht nicht nur Licht am Ende des Tunnels für alle Alfa-Fans, man kann schon fast Motorengeräusche hören. Noch bevor wir Euch mit den ersten Fahreindrücken zu Alfa Romeos neuer Giulia versorgen dürfen, gibt es jetzt tatsächlich ein Datum für den Bestellstart.

Ab 10. Mai werden Alfa-Händler eine lange nicht gewohnte Hektik erleben, wenn wieder Kunden ins Haus strömen, um ein Auto zu bestellen. Dann öffnen sich die Orderbücher für die Mittelklasselimousine.

Die Alfa Romeo Giulia wird es mit einem 2,2 Liter großen Turbodiesel geben, der in drei Leistungsstufen mit 100 kW / 136 PS, 110 kW / 150 PS und 132 kW / 180 PS zu haben sein wird. Fürs erste der einzige Benziner ist das bereits vorgestellte Übertier Quadrifoglio mit dem 375 kW / 510 PS starken 2,9 Liter V6 Bi-Turbo-Benziner.

Das Cockpit ist eine Augenweide.
Das Cockpit ist eine Augenweide.

Die Basisausstattung heißt schlicht Giulia und bringt neben einem Radio mit 6,5 Zoll-Bildschirm und Klimaautomatik mit Zweizonenregelung auch schon diverse Helferlein mit: Kollisionswarnsystem mit Notbremse, Spurhalteassistent und Geschwindigkeitsregelanlage sind ab Werk dabei. Wie jedoch die serienmäßigen 16-Zoll-Alufelgen am bulligen Alfa aussehen werden, dürfte erst ein Blick in Autovermieter-Flotten zeigen.

33.100 Euro kostet der 136 PS-Diesel. Mit 150 PS werden 34.100 Euro fällig, womit Giulia 700 Euro unter einem vergleichbaren BMW 318d liegt. Das sind die erwarteten selbstbewussten Preise, das wiedergeborene Alfa Romeo möchte sich von der Wiege an als ernsthafter Premium-Kandidat verstanden wissen.

Über dem Grundmodell rangiert die Giulia Super in der Preisliste. Interessant an diesem Modell – 1.800 Euro teurer als die Basis – sind die Stoff/Leder-Kombination der Innenausstattung und das größere Infotainment mit 7-Zoll Bildschirm. Die Leichtmetallfelgen haben mit 17 Zoll einen um 2,54 Zentimeter größeren Durchmesser, dazu gibt es Chrom-Bling-Bling an den Fensterrahmen und Parksensoren am hinten Stoßfänger. Während es das 136 PS – Basistriebwerk nur für die Giulia ohne Namenszusatz gibt, ist der 180 PS-Diesel an das Super-Modell gekoppelt.

Ein Navigationssystem kostet genauso Aufpreis wie Bi-Xenon-Leuchten. LED-Abblendlicht ist nicht im Angebot.
Wir können jetzt noch über die Sportsitz mit Leder/Alcantara, roten Statknopf, Kohelfaser-Dekor und einen aktiven Frontspoiler schwadronieren, aber beim Topmodell Quadrifoglio interessiert vor allem eines: Der 510 PS starke Benziner, der von Ferrari-Ingenieuren für Alfa Romeo entwickelt wurde.

Am Heck hat die Alfa-Designer der Mut verlassen. Wie sowas heutzutage eben aussieht.
Am Heck hat die Alfa-Designer der Mut verlassen. Wie sowas heutzutage eben aussieht.

Mehr noch als der in homöopathischen Mengen hergestellte 4C wird die Giulia Quadrifoglio als Imageträger für die ganze Marke dienen. Für den punktgenauen Stopp vor der Gelateria wird die Brembo-Bremsanlage sorgen. Während der Eisbecher noch locker aus der Hosentasche bezahlt wird, kostet die Botox-Giulia 71.800 Euro.

Eine Stange Geld, ein BMW M3 kostet mit Schaltgetriebe nur 800 Euro mehr – verliert aber zumindest am Eisdielenstammtisch mit einer Leistung von 431 PS, deren 79 weniger als beim Alfa. Rücken wir den Preis wieder ins hellere Licht (Ende des Tunnels und so): Ein ebenfalls 510 PS leistender Mercedes-AMG C63 S verlangt nach der Überweisung von 84.549,50 Euro.

Hier die Giulia-Preise im Überblick:

Giulia 2.2 Diesel mit 100 kW / 136 PS: 33.100 Euro
Giulia 2.2 Diesel mit 110 kW / 150 PS: 34.100 Euro
Giulia 2.2 Diesel mit 10 kW / 150 PS, Automatik: 36.350 Euro
Giulia Super 2.2 Diesel mit 110 kW / 150 PS, Automatik: 38.150 Euro
Giulia Super 2.2 Diesel mit 132 kW / 180 PS: 37.400 Euro
Giulia Super 2.2 Diesel mit 132 kW / 180 PS, Automatik: 39.650 Euro
Giulia Quadrifoglio 2.9 V6 mit 375 kW / 510 PS: 71.800 Euro

Erste Fahrt: Hyundai i20 1.0 T-GDI

Hyundai bietet jetzt einen Dreizylinder-Turbo im Kleinwagen i20 an. Erste Ausfahrt!

Seit Herbst 2014 ist die aktuelle Generation des Hyundai i20 auf dem Markt. Mit seinem unaufgeregten und durchaus elegantem Design oder marktschreierische Effekte zieht der Kleinwagen durchaus Blicke auf sich. Keine spontan nach oben gereckten Daumen, dafür wandern die Finger lieber in die Hosentasche in Richtung Geldbörse – wo man doch eigentlich gerade auf dem Weg war, den fünften VW Polo in Folge zu kaufen.

Bei der Probefahrt konnte es dann doch noch passieren, dass der i20 stolpert und ausrutscht – aus dem Kaufraster heraus. Denn auch wenn ein Auto dieser Größe vornehmlich als Supermarkt-, S-Bahn oder Büroshuttle benutzt wird, darf gerne auch ein wenig Fahrfreude mit dazu geliefert werden.  Die Saugbenziner waren und sind also Hyundais Achillesferse auf dem Weg von der reinen Preis-Wert-Alternative hin zum Auto mit Anspruch.

Jetzt weht ein frischer Wind durch den i20 – und zwar durch einen Turbolader geblasen. Nach dem ersten Auftritt im größeren Konzernbruder Kia cee´d schraubt nun Konzernmutter Hyundai den in Korea produzierten 1,0 Liter – Dreizylinder in ihren i20. Dieses Modell wurde übrigens in Deutschland entwickelt, das Montagewerk steht in der Türkei.

Gekonntes Design bis ins i20-Heck (Foto: Bernd Conrad)
Gekonntes Design bis ins i20-Heck (Foto: Bernd Conrad)

Mit dem neuen Aggregat löst Hyundai im i20 den 1,4 Liter großen Vierzylinder-Benziner ab, der wie der neue 1,0 T-GDI 74 kW/100 PS leistet. Zusätzlich gibt es den neuen Motor auch in einer stärkeren Version mit 88 kW/120 PS, der zusätzlich ein Sechsganggetriebes statt des Fünfgang-Handschalters besitzt und 600 Euro Aufpreis kostet.

Gar 700 Euro beträgt der Preisschritt vom 1,4 Liter-Sauger zum neuen 100 PS-Turbomotor, aktuell werden beide Antriebe parallel angeboten. Nach einer ersten Ausfahrt steht aber fest – wer nicht zwingend die Getriebeautomatik haben möchte, die es nur mit dem Vierzylinder gibt, der investiert en Aufpreis in mehr Drehmoment (172 Nm zu 134 Nm, die zudem viel früher und über ein breites Drehzahlband anliegen) und zwar nicht übertriebene, aber vorhandene Längsdynamik.

Der Neue unter der Hyundai-Haube (Foto: Bernd Conrad)
Der Neue unter der Hyundai-Haube (Foto: Bernd Conrad)

Der Motor mit den drei Brennräumen macht bei Vollast durchaus auf seine Bauart aufmerksam. Man kann das Dreizylinderrasseln herausfordernd finden, manche Menschen stört der Klang jedoch. Interessant dabei: Die im Vergleich gefahrene 120 PS-Variante des 1.0 T-GDI hat ein kernigeres und lauteres Motorgeräusch, trotz der sechs Getriebestufen.

Im Fahrbetrieb erweisen sich beide Varianten als problemlose Begleiter mit ordentlichem Durchzug. Wer im hohen Gang nach der Ortsausfahrt auf Landstraßentempo beschleunigen will, ohne dabei schwarze Striche auf dem Asphalt zu malen, sollte die gebotene Leistung als ausreichend empfinden. Auch auf der Autoahn schwimmt der i20 1.0 T-GDI sehr gut mit, erst ab Tempo 160 lässt der Vortrieb nach, 188 Sachen schafft die 100 PS-Version auf dem Papier, der 20 Prozent stärkere Bruder legt waghalsige zwei Stundenkilometer Endgeschwindigkeit oben drauf.

Da sich die bessere Beschleunigung des stärken Einliters mit einer halben Sekunde auf 100 km/h auch im Rahmen hält, können die 600 Euro Aufpreis durchaus z.B. in einen Satz Winterräder investiert werden.

Äußerlich unterscheidet sich der Turbo-i20 durch einen geänderten Kühlergrill mit horizontalen Lamellen dezent von seinen Brüdern mit kleineren Benzinern oder den Dieselmodellen (die aber natürlich auch zwangsbeatmet werden).

Die neue Active-Version macht auf Abenteurer (Foto: Bernd Conrad).
Die neue Active-Version macht auf Abenteurer (Foto: Bernd Conrad).

Für mehr optische Abwechslung sorgt die neue Active-Version des i20. Ganz trendbewusst macht der Kleinwagen mit einer um 20 Millimeter erhöhten Bodenfreiheit, rustikalen Kunststoffplanken und einer Dachreling auf City-SUV, ohne freilich Allradantrieb zu bieten. Die Abenteueroptik erkauft man sich nicht nur mit einem satten Aufpreis von bis zu 2.350 Euro, sondern auch mit einer spürbar härteren Fahrwerksabstimmung.

Die neuen Varianten und Motoren zeigen, dass Hyundai auch in der Kleinwagenklasse die Rolle des günstigen Newcomers Schritt für Schritt verlässt. Das wird von den Kunden honoriert, die Marke ist aktuell der größte asiatische Importeur in Deutschland.

So empfiehlt sich der i20 auch als ernstzunehmende Alternative zum Klassenprimus VW Polo. Sparpotenzial bietet Hyundais Kleiner aber dennoch, indem er den Verzicht auf 20 Extra-PS und die Active-Maskerade leicht macht.

Der i20 trifft seinen Opa und fragt "wie Getz?" (Foto: Bernd Conrad)
Der i20 trifft seinen Opa und fragt „wie Getz?“ (Foto: Bernd Conrad)

Der Fahrzeugschein für den Hyundai i20 1.0 T-GDI

 

Verkaufsstart:

 

Ab sofort im Handel
 

Basispreis:

 

15.650,00 Euro in der Version Classic

Testwagen: Modell Style ab 18.800,00 €

 

Motorleistung:

74 kW / 100PS, 172 Nm bei 1.500 – 4.000 U/min
 

Antrieb und Getriebe:

Frontantrieb, Fünfgang-Schaltgetriebe
 

Beschleunigung:

10,7 Sekunden 0-100 km/h
 

Höchstgeschwindigkeit:

188 km/h
 

Verbrauch kombiniert:

4,3 – 4,5 Liter Super / 100 km
 

Länge, Breite, Höhe, Radstand:

 

4.035mm, 1.734 mm, 1.474 mm, 2.570 mm

 

Das i20-Cockpit ist kein Weichmacher-Eldorado, aber gut verarbeitet (Foto: Bernd Conrad).
Das i20-Cockpit ist kein Weichmacher-Eldorado, aber gut verarbeitet (Foto: Bernd Conrad).

Smart-Premiere in Peking: Die Brabussis sind da!

Die aktuelle Smart-Generation bekommt Verstärkung. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Weltpremiere in China: Smart Brabus

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung empfiehlt pro Pferd eine Boxengröße von 12,25 Quadratmetern. Für 109 dieser Tiere wär also eine reine Stallfläche von 1.335,25 Quadratmetern nötig.

Das passt natürlich nicht zu einem urbanen Lebenskonzept moderner Zielgruppen. Deswegen bietet Smart in Zusammenarbeit mit dem Haustuner Brabus kompaktere Abhilfe: Dem neuen smart Brabus reichen als Fortwo 4,47 Quadratmeter Fläche, dem längeren Forfour deren 5,79.

Spätestens jetzt sind die ersten genervt: Da stellt Smart auf der Automesse in Peking mit dem Brabus smart-Trio aus fortwo, fortwo Cabrio und forfour das neue, natürlich hoch emotional aufgeladene Topmodell der Marke vor, und wir ergehen uns hier im Taschenrechnergetippe.

Die einzig wahre Brabus-Farbe: Schwarz!
Die einzig wahre Brabus-Farbe: Schwarz!

Aber ein paar Daten gehen noch, zumindest für den Stammtisch – denn es handelt sich ja um ein Brabus-Modell, also dicke Hose im kleinen Auto. Die aktuelle Generation aus Zwei- und Viersitzer gab es bislang mit maximal 66 kW / 90 PS, hier setzt der smart Brabus also deutlich was drauf, ohne jedoch verschwenderisch zu sein. Im Vergleich zum alten Fortwo aus Bottrop liegt der Zuwachs bei sieben Pferdestärken (oder eben 85,75 Quadratmetern, aber lassen wir das).

Der Premierenort – Chinas größte Automesse in diesem Jahr – ist nicht zufällig gewählt. Im Reich der Mitte freut sich der Hersteller aktuell über gesunde Wachstumsraten. In den verstopften Megacities steigen mehr und mehr Chinesen auf kleine Autos um. Weil aber Statusdenken weiterhin auf volle Geldbeutel stößt, versprechen sich die Strategen hier einen besonders großen Anteil der Brabus-Versionen am Smart-Verkauf. Dass die Fortwo-Variante in 9,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt, wird im Verkehrsdickicht kaum eine Rolle spielen. Die 180 km/h Höchstgeschwindigkeit sind ein weiterer netter Papierwert. Für den forfour. Der fortwo schafft 165 Stundenkilometer.

Natürlich darf der smart Brabus auch optisch das Familienoberhaupt herauskehren. Spezielle Alufelgen (fortwo: 16-Zöller vorne, 17-Zöller hinten, forfour mit 17-Zoll Alus an beiden Achsen) gibt es und doppelte Endrohre, die leider arg angepappt aussehen.  Umrahmt werden sie von einer unverzichtbaren Diffusoroptik im Heckstoßfänger, die den Smart sicherlich aerodynamisch in eine neue Liga saugt. Satire Ende.

smart BRABUS fortwo coupé

Wie bisher gibt es das Xclusive Modell oben drauf. Das kommt mit einer Lederausstattung, Kunstlederbezug auf dem Armaturenbrett und weiteren Extras.

Darf ich nochmal mit Zahlen dienen, bitte? Muss sein, denn wir wollen doch noch die Preise für den Brabus-Spaß verraten. 19.710 Euro kostet der Brabus fortwo. Für das fortwo Cabrio verlangen die Schwaben 22.970 Euro, der forfour steht mit 20.520 Euro in der Liste. Für das Xclusive-Modell sind jeweils 3.000 Euro Aufpreis fällig.  Damit sind die Tarife zumindest unter den Immobilienpreisen in den Top-Metropolen dieser Welt; aber wir wollen jetzt ja den Smart nicht wieder auf Quadratmeter umrechnen. Ab Juli stehen die Modelle bei den Händlern.

BMW: Limitierter 7er „THE NEXT 100 YEARS“

Im Jubiläumsjahr packt BMW alles in den 7er, was edel und teuer ist. Und noch etwas mehr.

Sondermodelle zitieren gerne alte Zeiten. Denken wir an den Volvo XC90 First Edition, dessen Produktionszahl von 1927 Exemplaren auf das Gründungsjahr des schwedischen Herstellers verweist. Die älteren unserer Leser werden sich an den 10-Millionen-Golf zum entsprechenden Produktionsjubiläum erinnern. Damals hatte der VW Golf der zweiten Generation schon ein paar Jahre auf dem Buckel, eine Sonderserie – damals stets „die neueste Idee von Volkswagen“, sollte den Absatz wieder ankurbeln.

Der aktuelle BMW 7er ist ganz frisch auf dem Markt, dennoch stellen die Münchner jetzt eine Sonder-Edition vor. Den Absatz vorantreiben wird das Modell aber nicht, denn die Stückzahl ist auf überschaubare 100 Exemplare begrenzt. Diese mögen gar ausverkauft sein, wenn diese Zeilen fertig getippt sind.

Mit dem 7er „THE NEXT 100 YEARS“ will BMW gar nicht zurückblicken, sondern ihre aktuelle Kampagne mit dem gleichen Titel auch in ein Produkt gießen. Ein Auto mit Haltbarkeitsdatum auf der B-Säule. Gewiss nicht ganz, wobei die edle Limousine auch nicht im Dreijahresleasing Kilometer reißen wird.

Der 7er „THE NEXT 100 YEARS“ ist mit fünf verschiedenen Antriebsoptionen zu haben. Als Plug-in Hybrid mit und ohne Allradantrieb – letzterer dann wohl das Auto mit der längsten Modellbezeichnung. Denn vor den sperrigen Editionsnamen klemmt der Kundenberater noch „740 Le xDrive iPerformance“ in das entsprechende Feld auf dem Bestellzettel.

Ebenso wahlweise mit Heck- oder Allradantrieb gibt es den 750 Li/ Li xDrive. Der unumstrittene Herr im Ring ist natürlich der V12 im M760 Li.

Weniger bunt gibt sich die Farbpalette. Alle Spezial-7er sind in der Sonderlackierung „Centennial Blue Metallic“ bepinselt. Dazu gibt’s 20-Zoll Alufelgen und eine Volllederausstattung in Rauchweiß. Eine Schattierung, die in manchen Mietwohnungen nach Jahren die Raufasertapete ziert.

Achtung mit der Tinte auf dem hellen Leder!
Achtung mit der Tinte auf dem hellen Leder!

Einen Namen macht sich BMWs Oberklasselimousine aktuell mit neustem Infotainment samt der hektisch erwarteten Gestensteuerung. Da muss doch das Sondermodell mit dem Zukunftsnamen mindestens Touchscreens in jeder Armlehne und auf den Sitzkissen haben… mitnichten! Ganz analog liegt ein Stift in jedem Auto. Kein Touch Pen, liebe Internetmillionäre, sondern einer zum Auf-Papier-Schreiben.  Zusammen mit Montblanc hat BMW einen Füllfederhalter namens Centennial Fountain Pen konzipiert. Dass da mal keine Tinte aufs helle Leder tropft.

Preise nennt BMW für den seltenen 7er (noch?) nicht. Bisher ist die Modellreihe ja eher auf der Straße in Erscheinung getreten, ob er selbst als „THE NEXT 100 YEARS“ den Weg in Sammlergaragen findet, darf ich noch mit ruhigem Gewissen bezweifeln.

Zumindest müssen sich die Garagenbesitzer nicht um ihre Lieblingsnummer zanken, denn im Gegensatz zu vielen limitierten Autos steht die genaue Zahl nirgends. Die Plakette im Innenraum weist ihn schlicht als „1 of 100“ aus.

 

 

Jaguar XF: In China auf die Streckbank

Auf dem Weg zum Global Player startet Jaguar die erste Fahrzeugmontage in China.

Seit der Übernahme durch den indischen Tata-Konzern gedeihen die britischen Marken Jaguar und Land Rover prächtig. Während die Off-Road-Marke schon immer zur Benchmark in ihrem Segment zählte, konnte Jaguar das einengende Adelskostüm abstreifen und tritt „Smart Casual“ gegen die vor allem deutschen Premiummarken an. Um mit den Großen mitzuspielen lancierte man z.B. ein kleineres Modell, den XE, dazu wird aktuell der erste Jaguar SUV namens F-Pace in den Markt eingeführt.

Und weil die erklärten Mitbewerber vom Schlage BMW, Mercedes und Audi in China sehr erfolgreiche Strategien mit auf lokale Bedürfnisse angepasste Modelle fahren, gibt es bald auch den ersten Jaguar aus einer chinesischen Fabrik.

Den Bedürfnissen chinesischen Geschäftsleute und ihrer Vorliebe für das Gefahrenwerden entsprechend hat Jaguar dafür den XF auf die Streckbank geschnallt.  Zusammen mit dem chinesischen Joint-Venture-Partner Chery betreiben die Briten eine Fabrik in Changshu. Dort sind bereits 4.500 Menschen in Lohn und Reis, da sie seit 2014 bereits die Modelle Range Rover Evoque und Land Rover Discovery Sport  zusammenbauen. Der verlängerte Jaguar XF kommt im zweite Halbjahr 2016 hinzu, Premiere feiert er Ende April auf der Automesse in Peking.

Die Chinesen bekommen also „ihren“ XF. Natürlich wissen wir, dass der deutsche Markt nur einen Bruchteil so groß ist wie der im Reich der Mitte, aber dennoch wünschen wir uns – F-Pace hin oder her – weiterhin wieder einen XF Kombi.

Chinesen bevorzugen diese Perspektive aufs Cockpit: Von hinten rechts.
Chinesen bevorzugen diese Perspektive aufs Cockpit: Von hinten rechts.

Larte Design: Der Tesla für die Tankstelle

Willkommen in einer neuen Ausgabe unserer beliebten Freizeitshow „Wortsinnverdrehen“. Heute die Ausgabe „Tuning für den Chip-Wagen“ anstatt „Chip Tuning wagen“.

Ein Tesla Model S ist wahrhaft schnell genug. Wir alle kennen die Videos, bei denen es neben Beifahrerkleidungsstücken und Telefonen auch fast den Saugnapf der Actionkamera von der Windschutzscheibe reißt, so vehement schnalzt die Elektroauto nach vorne, vor allem, wenn am Heck die Zahl 85 oder gar die 90 prangt. Chefblogger Bjoern konnte den Spaß bereits am eigenen Leib erleben.

Weil das Auto eben schon unfassbar agil ist und die komplexe Technik nicht unbedingt zum herumbasteln einlädt, versuchen sich die Tuner eben an der Optik. Und genau so, wie Tesla seine Autos regelmäßig mit einem Update versieht, gibt es jetzt von US-Tuner Larte ein Facelift seines Model S- Tuningkits. Dezente Änderungen, zum Beispiel im Bereich der Nebelscheinwerfer, und neue Möglichkeiten der Materialmischung für die Anbauteile (Verbundstoff, Basaltfasern oder Karbon – wer´s braucht!) sollen für einen Neuheitenwert sorgen. Wenn das nicht reicht, kommt auch noch ein Name mit dazu: Elizabeta nennt Larte „sein“ Model S nun, das interessanterweise auf den serienmäßigen Alufelgen steht. Im Vampirdress des Foto-Model-S (wer checkt den?) wird aber dennoch Hand an die Räder gelegt, eine schmale rote Linie sorgt für das Tüpfelchen auf dem i – zumindest so lange, bis Schmutz und Staub die Sicht verhindern. Zur Tankstelle muss man mit dem Larte-Tesla also doch noch: Und zwar für die Autowäsche. Mit Felgenprogramm.

Larte fasst nur die Optik des Model S an.
Larte fasst nur die Optik des Model S an.

Mitsubishi Pajero: Oben angekommen.

Der Mitsubishi Pajero ist einer der letzten echten Geländewagen. Und zeigt unbeindruckt, wo es lang gehen kann. Wenn man sich traut.

Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit… da gab es eine strikte Klassenaufteilung. Es gab Limousinen, Cabrios, Fließheckmodelle und Kombis. Da zogen auch noch Klein- und Kompaktwagen, Coupés und Sportler über ihre Bahnen über den Asphalt. Wer seine Wege abseits davon suchen wollte oder musste, der griff zum Geländewagen.

In einer Crossover- und SUV-schwangeren Zeit sind die wahren Geländebezwinger eine aussterbende Rasse. Land Rovers Discovery, der Range Rover und die G-Klasse vom Erfinder des Automobils halten die Fahne hoch. Und die Hand weit auf. Denn für Otto Normalverdiener wird die Auswahl dünn. Auch ein Toyota Land Cruiser ist in der Preisliste zu selbstbewusst. Den Jeep Wrangler kann man sich mal ansehen. Oder den Mitsubishi Pajero. Der kostet als Dreitürer in der höchsten Ausstattungsvariante 44.990 Euro, das puristische Basismodell ist ab 34.990 Euro zu haben.

Ja, die Kultbaureihe aus den 80ern gibt es immer noch, mittlerweile in der vierten Generation. Seit 2007 läuft der Pajero in dieser Form als klassischer Dreitürer sowie als Fünftürer mit längerem Radstand und sieben Sitzen vom Band. Im letzten Jahr wurde der beinahe Schiffsmotor große Vierzylinder-Diesel mit 3,2 Litern Hubraum auf die Euro 6 –Norm angepasst. Im Zuge der Säuberung verlor er 10 PS, was ihn nun immer noch ausreichende 190 PS leisten lässt. Dabei klingt er stets rau und tackert dir den Einspritzdruck in den Brennräumen vernehmlich ans Ohrläppchen.

200 Kilometer Autobahn, mit dem in der Top-Version (die auch so heißt) serienmäßigen Tempomaten auf 120 km/h limitiert – macht leider keinen Spaß. Zu laut wird es auf Dauer, die rückmeldungsarme Lenkung rückt jeglichen Fahrspaß noch weiter vom Piloten weg. Mit einem Dieseldurst von über zwölf Litern auf 100 Kilometer (12,4 Liter im gemischten Fahrbetrieb während des Testzeitraums) muss der alte Herr auch öfters mal raus.

Ganz oben zeigt uns nur noch der Defender, wo es lang geht. Foto: Bernd Conrad
Ganz oben zeigt uns nur noch der Defender, wo es lang geht. (Foto: Bernd Conrad)

Reichweite definiert der Pajero also keinesfalls durch stupides Kilometerfressen. Mit dem Drehmoment starken Allradler wird dieser Begriff in ein neues, vertikales Verhältnis gesetzt. Denn wenn man den Mitsubishi aus dem Käfig namens Straße befreit, beginnt es – das wahre Erlebnis. Der permanente Allradantrieb mit sperrbarem Hinterachsdifferential und Geländeuntersetzung kennt kaum Grenzen. Trotz montierter Straßenreifen macht der Pajero im Offroad-Park (wo man legal wühlen kann) vor keinem noch so steilen Hügel halt, kämpft sich unter vollem Einsatz seiner 441 Nm Drehmoment durch den Matsch auf jeden Gipfel. Auf dem Plateau stehst du dann neben einem Defender, ein paar Suzuki Jimny sowie dem erwähnten Wrangler und blickst auf die anderen Allradautos herab, die auch gut vorankommen, aber eben nicht bis hier herauf.

Trotz schick verchromter Trittbretter als Bestandteil der Top-Ausstattung (dazu gibt es auch ebenso glänzende Außenspiegelkappen und eine komplett verchromte Front) bleibt genug Bodenfreiheit, so dass der schwere Wagen nirgends aufsetzt.  70 Zentimeter Wattiefe erlauben waghalsige Wasserdurchfahrten – theoretisch, denn des Fahrers Courage schiebt dem schon bei deutlich weniger Tiefgang einen Riegel vor.

Holzdekor und Touchscreen-Navi gibt es in der Top-Version, Automatik immer. (Foto: Bernd Conrad)
Holzdekor und Touchscreen-Navi gibt es in der Top-Version, Automatik immer. (Foto: Bernd Conrad)

Etwas störend, nicht nur im Gelände, sondern auch beim Versuch, enge Kurven im Großstadtdschungel anzupeilen, erweist sich das Lenkrad mit Holzdekor. Schlicht zu rutschig ist das Material, zudem im Winter auch deutlich zu kalt. Als Gegenpol bollert die Sitzheizung in der höheren von zwei Stufen derart schnell und mit nach oben scheinbar offener Heizskala los, dass man innerhalb von 15 Minuten gar ist.

Auf dem kurzen Weg zur Kochtemperatur schafft es das komplex zu bedienende Multimediagerät mit der gut angeordneten Touchscreen leider nicht, das Smartphone zu koppeln. Zumindest Musik hören über den USB-Anschluss im Handschuhfach funktioniert. Aber solch neumodische Sperenzien überlässt der Pajero auch lieber dem ach so hippen SUV-Nachwuchs. Dort, wo er dich hinbringt, hast du weder Zeit noch ein Auge für digitalen Quatsch.

Lange nicht gesehen: Außen montiertes Reserverad. )Foto: Bernd Conrad)
Lange nicht gesehen: Außen montiertes Reserverad. (Foto: Bernd Conrad)

Für wen ist denn der Mitsubishi Pajero nun eigentlich das ideale Auto? Auf jeden Fall für Pferdebesitzer, die die drei Tonnen Anhängelast (3,5 Tonnen beim Fünftürer) zu schätzen wissen. Für Bauleiter, die auch mal in den Tiefbau müssen. Für Tierärzte, denen das verletzte Rind nicht zum Weidezaun entgegenhoppelt. Und vielleicht auch für den einen oder anderen Designfan, der in Sachen Motorlärm und Fahrverhalten hart im Nehmen ist. Denn vor allem als Fünftürer in weiß metallic macht dieser klassische Geländewagen durchaus eine gute Figur.

Schön, dass es Dich noch gibt, Pajero.

Toyota Prius: Neuauflage des Plug-in Hybrid.

Premiere des Toyota Prius Plug-in Hybrid.

Ein halbes Jahr ist es nun her, seit Toyota der Welt die neue Generation des Prius gezeigt hat. Manche Menschen sind immer noch damit beschäftigt, sich an das durchaus eigenständige Design zu gewöhnen, andere haben das bereits geschafft. Der Autor zählt sich zur zweiten Gruppe. Der Prius als Marke in der Marke, vielmehr zudem als Pionier der Hybrid-Bewegung, darf und muss anders sein. Wer nicht den Mut hat, das aerodynamisch optimierte Auto zu fahren, bekommt die Hybridtechnik ja auch im konventionellen Auris.

Dem bleibt aber die Plug-in-Version verwehrt, die nun auch in der zweiten Prius-Generation ihre Premiere feiert. Im Gegensatz zum Vorgänger unterscheidet sich der aktuelle Stecker-Prius deutlich vom Modell mit kleinerem Akku.

An der Front weichen die tropfenförmigen Lichter einem strengen Blick durch LED-Augen. Zudem wird mit einer schwarzen Maske wieder eine Art Kühlergrill stilisiert.

Auch am Heck zeigt der Plug-in Prius eigene Züge.
Auch am Heck zeigt der Plug-in Prius eigene Züge.

Auch am Heck sollt Ihr ihn erkennen, nicht nur, wenn ein Kabel ins Auto gestopft ist. Die Rückleuchten sind komplett neu gestaltet, das dünne Band umrahmt die untere der beiden Heckscheiben, während beim Prius ohne Namenszusatz vertikale Leuchten zu sehen sind.

Interessanterweise spielt der Prius Plug-in Hybrid, also die Modellvariante mit der komplexeren Technik, hier verstärkt mit traditionellen Designelementen. Gleichzeitig wird mit der Differenzierung innerhalb der Prius-Palette der Anspruch einer eigenen Modellfamilie untermauert. Einen ähnlichen Weg geht auch Hyundai mit dem Ioniq.

Unter dem Blech des Toyota steckt ein Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 8,8 kWh. Damit soll der Prius bis zu 50 Kilometer rein elektrisch vorwärts kommen und dabei maximal 135 km/h schnell sein. Zügiger geht es dann mit dem 1,8 Liter großen Vierzylinder-Benziner voran. Der soll sich laut Verbrauchsnorm mit 1,4 Litern Sprit auf 100 km zufrieden geben.

Ob schöner oder nicht – der Prius Plug-in Hybrid ist auf jeden Fall der weiter gedachte Fortschritt, der größere Schritt in Richtung Elektromobilität. Und hoffentlich mit einem fairen Aufpreis gegenüber dem Hybridmodell auch erreichbar, wenn er Ende 2016 bei uns auf den Markt kommen soll. Der Vorgänger kostete als Plug-in Hybrid ab 36.600 Euro, während der aktuelle Prius ohne Stecker ab 28.150 Euro in der Preisliste zu finden ist.

 

Mercedes CLA Facelift. Punkt.

Mercedes bringt drei Jahre nach Markteinführung das Facelift des CLA.

„Der ist schon schick“. Diesen Satz habe ich in den letzten Jahren durchaus öfter gehört über den Mercedes CLA. Von Männern wie Frauen. Und jedes Mal stand ich mit Kopfschütteln daneben. Um Fassung ringend. Was ist nur mit den Menschen los?

Blicken wir drei Jahre zurück. Auf Basis der damals neuen A-Klasse bringt Mercedes eine viertürige Kompaktlimousine auf den Markt. Ja, mit Stufenheck. Da kommen Namen wie Chamade (Renault 19), Formheck (Opel Kadett E mit Stufe) oder Jetta (VW) in einem hoch.

Der Stufenaufschlag im Kompaktsegment wird natürlich nicht mit einer spießigen Rentnerkarre versucht, man stellt die Sportlichkeit heraus und bedient sich weiter oben in der Modellpalette. Aber mal ehrlich: Beim Versuch, den CLS zwei Klassen weiter unten zu etablieren, muss im Stuttgarter Designzentrum irgendwas passiert sein. Hat man den Touchscreen mit dem finalen Strich abends angelassen, die Putzfrau hat darüber gewischt und am nächsten Morgen ist das keinem aufgefallen? Riesige Überhänge prägen die 4,63 Meter lange Limousine, weil unter dem langen Blechkleid halt die enge A-Klasse mit ihren zwosiebzig Radstand hängt. Der Kombi macht daraus zwar ein etwas besseres Gesamtbild, kann das Augenleiden aber auch nicht auskurieren.

Mercedes CLA. Drallig, nicht drollig.
Mercedes CLA. Drallig, nicht drollig.

Wie gesagt, mit dieser Meinung stehe ich vielleicht alleine da. Denn die Menschen kaufen dieses Ding. Vor allem auch in den USA und in Asien. Was den CLA zum ersten und einzigen frontgetriebenen Mercedes macht, der in Nordamerika angeboten wird.

Und dort, nämlich auf der New York Auto Show Ende März, präsentieren die Schwaben drei Jahre nach dem Marktstart auch brav das Facelift. Neue Stoßfänger verabschieden sich von der einen oder anderen Kante, damit die Plastikspangen nun noch besser zum qualligen Restdesign passen. Innen darf sich der Ballonfinanzierungs-Anschlusskunde über anders gefärbte Zierleisten und geänderte Sitzbezüge freuen. Zumindest das Smartphone lässt sich jetzt besser verbinden, ein Muss heutzutage. Das freistehende Display ist dünner geworden. Außerdem fliegen die Bi-Xenon-Lichter aus der Aufpreisliste und werden durch LED-Scheinwerfer ersetzt.

Innen übliches Faceliftchichi. Neue Zeiger, neue Stoffe. Und ein flacheres Display.
Innen übliches Faceliftchichi. Neue Zeiger, neue Stoffe. Und ein flacheres Display.

Neu hinzu kommt eine optimierte Variante des Basisdiesels als CLA 180d BlueEFFICIENCY Edition, damit der Flottenverbrauch auf dem Papier weiter sinkt. Passt übrigens prima zum sportlichen Anspruch von Mercedes´ Kompaktflotte (jetzt aber nicht an die B-Klasse denken!).

So. Das soll reichen. Während ich mich nun weiterhin frage, wie um Himmels willen man diesem Auto ein dynamisches, sportliches oder schickes Design abringen kann, werden genau das die Messebesucher in New York und später die Kunden beim Mercedes-Benz Verkäufer tun. Vielleicht ist nicht der CLA neben der Spur, sondern ich. Aber hey, es geht mir gut dabei. Punkt.

P.S.: Die Begriffe „viertüriges Coupé“ und Shooting Brake“ wurden in den oben stehenden Zeilen bewusst nicht eingesetzt.

VW Phaeton: Mach´s gut, Großer.

Die Grabrede für ein Leuchtturmprojekt, das nie hell strahlen konnte.

Lieber Phaeton, jetzt hast Du es geschafft. Hast ein anstrengendes Autoleben hinter Dir. 15 Jahre voller Häme, Durchhaltewillen und kritischer Blicke.

Denn gewollt hat Dich niemand, außer Ferdinand Piech und seinen Untergebenen. Der unbedingte Glaube an das Ziel, Volkswagen als Weltmarke mit einem edlen Spitzenmodell zu krönen, hat alle Einwände von Controllern überstanden. Viele durchgearbeitete Nächte in den Entwicklungsabteilungen mussten etwas Neues schaffen, in Dresden wurde mal eben eine neue Fabrik mitten in die Stadt gebaut. Hätte es 2001, bei der Premiere des Phaeton schon Twitter und Co gegeben, der perfekte Hashtag wäre #daswarjanochnieda gewesen.

Ein Klassiker der Zukunft? Der Phaeton aus der ersten Serie vor dem Facelift.
Ein Klassiker der Zukunft? Der Phaeton aus der ersten Serie vor dem Facelift.

Ich hatte das Vergnügen, Dich einige Monate fahren zu dürfen, sozusagen mit freundlichem Gruß meines Arbeitgebers. Und das interessante am Phaeton fahren war, dass man eigentlich automatisch auch Audi Q7 Kunde war. Und das kam so:

Volkswagen hatte Dich nicht nur als neues Auto in den Markt geworfen, sondern natürlich auch ein komplettes Servicekonzept und eine besondere Kundenbetreuung mitgebracht. Die Idee der speziellen Phaeton-Verkäufer, die ihre Kunden von A-Z bedienen, wurde zwar bald wieder aufgegeben – weil die Phaeton-Frauen und Männer eben kaum etwas zu tun hatten – aber eines blieb: Das Versprechen, im Servicefall einen „gleichwertigen Oberklasse Ersatzwagen“ zu erhalten. Zu mir kamst Du in VWs ganzem Entwicklerstolz als 5.0 TDI. Zehn Zylinder. 313 PS. Das war damals schon eine Ansage, vor allem in einer Zeit, bevor grüne Plaketten auf Windschutzscheiben geklebt wurden. Aber nicht auf die des V10, der schaffte nämlich nur Euro3.

Dieser Motor machte Dir zu schaffen. Und mir. Regelmäßig blieb Dir nämlich eine der Laderschaufeln hängen. Was sich dadurch bemerkbar machte, dass nach einem gemütlichen 130 km/h Trab auf der Autobahn irgendwann nicht mehr schneller gefahren werden konnte, Du hast einfach keine Luft mehr in Deine (zu) vielen Brennräume geblasen. Am Anfang war das noch lustig, einfach rechts ran, Motor aus, Motor an und Du hast wieder gebrüllt und Gas gegeben wie ein Wilder. Als es dann fast täglich aufkam, nervte es aber. Auch die Werkstatt, die nämlich erst immer nur den Fehlerspeicher auslesen wollte, in dem aber nichts stand. Gottseidank (?) kam dann noch die Meldung „Generatorschaden“ hinzu. Wieder Werkstatt, wieder Q7.

Dafür musste der komplette Zehnzylinder raus. Und damit der raus ging, auch beide (!) Achsen. Was zweieinhalb Wochen Q7 bedeutete. Und eine Rechnung im fünftstelligen Bereich. Nicht für uns. Ansatzlos von VW bezahlt – auf Kulanz. Gute drei Jahre nach Erstzulassung und mit 60.000 Kilometern auf der Uhr. Angeblich ein Einzelfall. Ich war immer nur schockiert, wie viele Einzelfälle von kaputten V10 TDI-Motoren in Internetforen beklagt wurden.
Verdient hat der Konzern zumindest an dem von mir benutzten Exemplar nichts. All die Werkstattaufenthalte. Und dann die Leasingabgabe. Ohne irgendein Tamtam. Auto hingestellt, Papiere unterschrieben, fertig. Trotz Kratzern. Trotz fehlender Sommerräder. Auch schon wurscht. Denn das dann genau vier Jahre alte Auto, Listenneupreis 108.000 Euro, 71.800 Kilometer stand dann für 20.800 Euro beim Volkswagen Zentrum auf dem Gebrauchtwagenplatz. Und stand. Und stand.

Das Cockpit war nie richtig modern.
Das Cockpit war nie richtig modern.

Gewollt hat nämlich auch einen gebrauchten Phaeton niemand so richtig. Wenn, dann als 3.0 TDI. Der Basis-Sechszylinder. Mit dem hatte man die Unterhaltskosten noch halbwegs im Griff. Halbwegs! Ich erinnere mich an neue Bremsen rundum: knapp 5.000 Euro. Das dürfte beim kleineren Diesel nicht viel billiger gegangen sein.

Der zweite Technik-Leuchtturm neben dem V10 TDI war natürlich der W12. 450 PS aus sechs Litern Kolbenhub. Aber leider emotionslos wie eine Herbstnacht im Nieselregen. Was irgendwie dann wieder zum ganzen Auto gepasst hat.

Das tragen die meisten Phaeton: ein blaues chinesisches Nummernschild.
Das tragen die meisten Phaeton: ein blaues chinesisches Nummernschild.

Am Ende gab es Dich, lieber Phaeton, nur noch als 4.2 V8-Benziner. Denn das war der Motor, den die Chinesen kauften. Und auf diesem Markt konntest Du zumindest so etwas wie einen Achtungserfolg verzeichnen. Die Asiaten haben die Produktion in Dresden aufrechterhalten. 20.000 Autos im Jahr sollten eigentlich pro Jahr die Gläserne Manufaktur verlassen. Im besten Jahr 2011 waren es knapp über 11.000, sonst nur vierstellige Werte.

Thema verfehlt? Ich finde: Nein. Ohne den Phaeton wäre VW die Neupositionierung von Bentley mit dem darauf aufbauenden Continental / Flying Spur nicht so leicht von der Hand gegangen. Bentley steht mittlerweile blendend da und eilt von einem Verkaufserfolg zum anderen.

Ein Volkswagen ist immer ein Wagen fürs Volk. Und das Volk besteht natürlich aus Normalverdienern, aus Familienvätern und –Müttern. Aus Kunden für Golf, Touran und Passat. Aber Teile des Volkes sind eben auch Unternehmer, Erben oder sonstige Bessergestellte (oder Menschen, die Zeuge eines für mich glücklichen Zufalls waren, so kam ich zum Phaeton). Auch die sollten vom Bauer des Volkswagens bedient werden. Da war und bin ich ganz bei den Wolfsburgern. Oder dem Herren, der seine Zeit nun eher in Braunschweig und Österreich verbringt.

VW Phaeton Produktion: Keine Eile.
VW Phaeton Produktion: Keine Eile.

In diesem Monat rollt der letzte Phaeton vom Band. Wir reihen uns ein in den Trauermarsch, erweisen diesem Prachtexemplar eines Flops die letzte Ehre.

Ja, es ist richtig, weiter an einem großen Volkswagen zu arbeiten. Dieselgate hat diese Pläne ja nun erst einmal verschoben, der neue Phaeton wird rein elektrisch fahren. Das ist ein guter Schritt. Und egal, wann der kommt – ich finde, er soll, er muss wieder Phaeton heißen. Bis dahin, großer Junge!

 

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von Bjoern Habegger

Als Chef im Ring, hier auf mein-auto-blog, muss ich mit den Meinungen der Autoren nicht übereinkommen. Und am liebsten sind mir die Querköpfe mit der festen, der starken, der überzeugenden eigenen Meinung. Im Falle des Phaetons darf ich mich jedoch einreihen in diesen Artikel und muss dennoch nicht alles anders sehen als Bernd.

Phaeton – Der Erste

Nein, er hatte es nicht leicht, der Phaeton. Aber das hatte es ein Audi V8 damals auch nicht. Beide Autos bin ich leidenschaftlich gerne gefahren. Damals, kurz nach der Lehre, einen gebrauchten Audi V8. Nur den Kleinen mit 3.6 Litern. Dennoch, bei den Unterhaltskosten war er richtig groß. Bremsen? Die UFO-Scheiben? Das Gehalt eines kleinen automobil-Kaufmannes haben sie mächtig heftig verbrannt.

Doch der Audi V8 verband Allradantrieb, V8, Automatik und das alles in einer diskreten Limousine, immer im Schatten der Bausparer-Baureihe Audi 100. Oder war es ein sportlicher 200er? Nein. Der Audi V8 war, egal was seine Basis war, immer ein Sonderling. Etwas einzigartiges. Etwas geniales. Er war immer ein festes Band zwischen mir und der Marke Audi. (Heute ist das anders, aber dafür kann der Audi V8 wirklich nichts.)

Und der Phaeton? Er war der Audi V8 von Volkswagen. Er besaß den gleichen Über-Vater. Die gleichen Intentionen. Die gleiche Macht, mit der man das Projekt durchgepeitscht hat. Und wie der Audi V8 musste auch der Phaeton erst ein Verständnis für das neue Segment erarbeiten. Wo wollte Audi denn mit dem V8 damals hin? Drei Generationen später gript sich der quattro-Antrieb genau in diesem Segment fest. Der Phaeton sollte dies wiederholen, für VW.

Ein Volkswagen zum Preis einer S-Klasse?

Die gespielte Entrüstung, mit der diese rhetorische Frage allzu oft von allzu scheinbaren Experten gestellt wurde, nervte mich persönlich schnell. Ja. Die simple Antwort. Die einen drängen in das Segment darunter, die anderen nach oben. Wer den Golf erfunden hat und eine ganze Fahrzeugklasse gleich mit, der kann auch die Luxusklasse neu erfinden.

Den V10 TDI konnte ich damals für 10 Tage fahren. 10 Tage im 313 PS Diesel-D-Zug. Dampf in allen Lebenslagen. Druck. Dazu im Hinterkopf immer der Gedanke: Hier sind es 10 Zylinder. Was genau bieten die anderen an?

Nein. Wer sich einmal mit dem Phaeton beschäftigt hatte, der war verliebt. Dass der Phaeton von Passanten mit dem Passat verwechselt wurde? Geschenkt.

Im vergangenen Jahr durfte ich noch einmal mit dem Phaeton auf Tour. Ein paar überschaubare Kilometer von Dresden, von seinem Geburtsort, nach Dänemark. Dem Geburtsort der Dynaudio-Lautsprecher. Diese wiederum sind die Premium-Lautsprecher im VW-Konzern. Somit auch im Phaeton. Der Besuch der „Gläsernen Manufaktur“ war der Startpunkt. Und er zeigte noch einmal, mit welchem Anspruch der Phaeton gefertigt wurde. Eine S-Klasse, ein Siebener und auch die A8 von Audi dürfen sich, im Anblicke der weißen Kittel, der Holzböden und der langsam laufenden Bänder, da ganz verschämt als Massenprodukt abmelden. Alleine die Scharniere für den Kofferraum des Phaeton. Die sollten in New York im MoMa ausgestellt sein. Massives Aluminium, gefräst aus dem Vollen. Ein Kunstwerk für sich.  Der Phaeton.

Ein Flop? Ganz sicher nicht. Nur der Erste. Und manchmal überholt einen die Geschichte und der Erste bleibt, wir hoffen es nicht, der Letzte.

Alfa Romeo Giulia: Alfisti feiern Weihnachten im April

Alfa Romeo zeigt endlich weitere Giulia-Varianten und nennt den Bestellstart.

Wer kleine Kinder hat, kennt das: Kurz vor Silvester kommen die ersten Fragen: „Wann ist wieder Weihnachten“? Geduld und Vorfreude sind also Tugenden, die ein Mensch schon sehr früh lernen muss.

Jetzt stellen wir uns mal vor, ein solch ungeduldiger Knirps (oder natürlich eine Knirpsin) ist im Laufe der Entwicklung Alfa Romeo – Fan und potenzieller Kunde geworden. So eine „Weihnachten ist nur einmal im Jahr“ – Konditionierung war auf einmal für die Tonne.

Einen Kombi plant Alfa Romeo leider nicht.
Einen Kombi plant Alfa Romeo leider nicht.

Jahrelang wurden Pläne angekündet, verkündet und kassiert – Alfa Romeo sollte wieder auferstehen. Irgendwann. Irgendwie. Allen Übernahmebemühungen von Volkswagen zum Trotz. Und trotz chronisch leerer Kassen bei Konzernmutter Fiat.

2015 war es endlich so weit, selbst gestandene Männer unter den ach so abgebrühten Autojournalisten hielten den Atem an, rieben sich die Augen und waren gespannt: Alfa zeigte in der Tat ein neues Auto, die Giulia. Erst im Juni in Mailand, dann auf der IAA in Frankfurt. Aber immer nur die 510 PS-Topversion Quadrofoglio.

Aktuell stehen auf dem Genfer Autosalon auch endlich die Giulias für Volk. Wir wissen also: Diesseits des Topmodells wird es zwei Ausstattungsvarianten geben: Giulia und Giulia Super.

Der Kunde der ersten Stunde hat die Wahl zwischen einem 2.0 Liter Benziner mit 147 kW / 200 PS und einem 2.2 Liter großen Diesel mit 110 kW / 150 PS oder 132 kW / 180 PS. Später im Jahr kommen noch eine 280 PS-Version des Benziners und eine Diesel-Ausbaustufe mit 210 PS in den Startlöchern.

Den Benziner liefert Alfa Romeo standardmäßig mit einer Achtgang-Automatik, die optional auch für die von Haus aus handgeschalteten Diesel zur Verfügung steht.

Und noch eine Zahl: Ob ihr es glaubt oder nicht – die Italiener verkünden in der Tat den Bestellstart für Giulia: Ab 15. April sollen die Orderbücher geöffnet werden. Ja, dieses Jahr! Nur die Preise verrät Alfa Romeo noch nicht, das wäre aber auch ein Information Overkill für die geduldigen Kunden.

Der Schalthebel verrät: Dies ist eine Diesel-Giulia
Der Schalthebel verrät: Dies ist eine Diesel-Giulia.

Audi Q2: Wie sieht denn der aus?

Audi präsentiert den kleinen Q2 – und damit das wohl meistverkaufte Modell der Marke in naher Zukunft.

Der Q2 hat zwei Schokoladenseiten: Links und Rechts. Die Blechknicke sind etwas neues, das "Blade" zitiert den R8.
Der Q2 hat zwei Schokoladenseiten: Links und Rechts. Die Blechknicke sind etwas neues, das „Blade“ zitiert den R8.

4,19 Meter ist das Auto lang, dass mittelfristig Audis größter werden könnte. Der größte Stückzahlenbringer im Privatkundensegment. Das neue Ingolstädter SUV-Modell setzt nämlich zur Punktlandung im Herzen der Käufer an.

Der typische private Neuwagenkäufer ist ja gerne aus den wilden Jahren heraus, hat sein Häuschen abbezahlt und freut sich über Brettspielnachmittage mit den Enkeln. Damit man nicht mehr ganz so tief in das Auto fallen muss (und vor allem auch wieder herauskommt). Also stehen bisher VW Tiguan oder BMW X1 auf dem Einkaufszettel. Die aber für den Zweipersonenhaushalt auf Dauer auch zu groß sind.

Und hier ist der Audi Q2 als erster Premium-Vertreter am Start. Nochmals kürzer als ein Opel Mokka und weit vor geplanten City-SUVs von BMW und Mercedes wird der Audi für volle Auftragsbücher sorgen.

Das Design des Q2 ist – wer hätte erwartet, dass man das nochmal über einen Audi sagen kann – überraschend. Anders, ungewohnt frech. Denn er bricht mit eisernen Regeln im Audi-Design. Dabei kommt ihm das Timing zugute. Der Q2 ist in einer Zeit entstanden, als bei Audi gerade der Chefdesigner ausgewechselt wurde. Der dreidimensionale Kühlergrill, der als künftiges Markenzeichen aller Q-Modelle gelten soll, fehlt am kleinsten Crossover. Der wäre beim urbanen Stop-And-Go auch zu aufdringlich im Rückspiegel des Vordermannes. Der wird von einem Scheinwerferpaar angeglotzt, das sympathischer wirkt als das aggressive Zackengesicht eines A4.

Im Profil bleibt das Auge am Blechknick unter der Fensterkante hängen. Das wird das meistangefasste Karosserieelement in den Audi-Showrooms werden. Gleichzeitig stilisiert es das hintere Seitenteil in die gewünschte Richtung: Schön breit raus, ein Zitat an den Ur-quattro. Ja, so weit sind wir gekommen: Ein Kleinwagen-SUV bedient sich an Audis 80er Jahre-Rallyehistorie.

Im Marketing heißt das "Lifestyle Shot": Der Q2 posiert mit der Zielgruppe. In der Realität gerne auch vor dem Reiheneckhaus.
Im Marketing heißt das „Lifestyle Shot“: Der Q2 posiert mit der Zielgruppe. In der Realität gerne auch vor dem Reiheneckhaus.

Auch das Heck bricht mit den Markenregeln, die streng geometrischen Rückleuchten wirken irgendwie unfertig. Interessant ist aber ein Detail weiter oben. Die D-Säule trägt ein farblich abgesetztes Kunststoffpaneel – und wieder wird ein Audi zitiert, diesmal der jüngst ausgelaufene R8 der ersten Generation.

So viel Neues außen, dagegen fällt das Interieur in gewohnte Strickmuster. Es ist halt ein Audi, wer in A1 oder im A3 saß, wird sich auch im Q2 zurechtfinden.

Mit den animierten Instrumenten und Head-Up Display darf sich der kleine Audi bei den größeren Baureihen bedienen, dazu gibt es optional natürlich auch sämtliche Assistenzsysteme aus dem Konzernbaukasten. Aus dem kommen auch die Motoren, weswegen wir hierüber weniger Worte verlieren können als über das Karosseriekleid.

Im Cockpit folgt der Q2 strenger dem Markendesign. Also keine großen Überraschungen.
Im Cockpit folgt der Q2 strenger dem Markendesign. Also keine großen Überraschungen.

Unser Beispielkunde wird sicherlich mit dem 1.0 TFSI Dreizylinder mit 115 Pferdchen glücklich. Die weiteren Benziner leisten 150 PS (1.4 TFSI) und 190 PS (2.0 TFSI). Die Dieselmotoren sind natürlich die gleichen wie bei allen MQB-Konzernbrüdern: 1.6 TDI mit 115 PS und der 2.0 TDI mit 150 PS oder 190 PS Leistung.

Die jeweils schwächsten Motoren, also den 1.0 TFSI und den 1.6 TDI, gibt es nur mit Frontantrieb, die anderen entweder gegen Aufpreis (150 PS) oder serienmäßig (190 PS) mit Allradantrieb und DSG.

Ab Sommer 2016 wird der Q2 erhältlich sein. Und wird für viele Kunden die interessantere Alternative zum angestaubten Q3 sein. Auch der A3 wird es schwer haben gegen seinen unkonventionellen Bruder, der zudem günstiger sein soll. Preise nennt Audi kurz vor der Markteinführung.

Kommentar zum Seat Ateca: Pflicht erfüllt. Mehr nicht.

Jeder kennt das aus der Kindheit. Man hat sich zu Weihnachten etwas besonderes gewünscht. Und ist beim Geschenkauspacken dann doch enttäuscht. So ähnlich geht es einigen Seat-Fans wohl heute.

Es muss irgendwann beim Streichholzziehen passiert sein. Bei der lustigen Spielrunde eines Freitags abends in der Wolfsburger Konzernzentrale hat der Vertreter aus Spanien leider den Kürzeren gezogen.

Die Konsequenz: Als erstes parkte man Designer Walter de Silva in Barcelona, damit er seine Rubensphase durchleben kann. Auf den ersten, knackigen Leon – noch heute in meinen Augen der optisch legitime Nachfolger des Alfasud – folgte ein Modelltrio, dass trotz seiner geschwungenen Formen nie richtig rund lief. Kurz nachdem man die „Auto Emocion“ ausgerufen hatte und Seat im Volkswagen-Konzern als sportliche Volumenmarke, in Augen mancher gar als Alfa Romeo – Gegner, positionierte, folgte…ein Kompaktvan! 2003 stand der Altea als Studie auf der IAA, ab 2004 wurde er verkauft. Ein paar bunte Pillen später bastelte man ihm in der Designabteilung noch eine kleine Stufe nebst Panoramascheibe ans Heck. Die gerade in Südeuropa populäre Stufenhecklimousine Toledo bekam damit einen Nachfolger, der sowohl optisch wie auch konzeptionell als Themaverfehlung gelten durfte. Der Leon wurde auch abgelöst, in dem man das Altea-Tonmodell in die Presse steckte. Der einst dynamische Kompaktwagen stand plötzlich mit der Kontur einer Qualle im Showroom. Einzig als FR- oder Cupra-Version machte der Leon dem selbstgesteckten Markenversprechen halbwegs Ehre. Weiterhin musste es der Kleinwagen Ibiza regeln, Seat vor dem Untergang zu bewahren.

Während die Schwestermarke Skoda nach dem Paukenschlag-Comeback mit dem ersten Octavia von einem Rekordjahr zum nächsten eilte, stand sich die Seat-Mannschaft in Spanien selbst auf den Füßen. Zumindest eines hatte man mit dem ausgesuchten Gegner Alfa Romeo gemeinsam: Eine an den Kundenerwartungen vorbeigezielte Modellpalette.

2012 dann endlich die Kehrtwende mit der aktuellen Leon-Baureihe. Die günstigere Alternative zum teutonisch-perfekten Audi A3 zeigt auch optisch wieder die jugendliche Dynamik, die man bei Seat gerne lebt. Endlich gibt es auch einen Kombi für die junge Familie und mit dem Cupra auch einen amtlichen Feierabend-Renner.

Auch vom Profil des Ateca gibts ein Photoshop-Bildchen.
Auch vom Profil des Ateca gibts ein Photoshop-Bildchen.

Und weil man jetzt eben auch Autos bringen kann, will oder darf, die der Markt verlangt, bekommt nun auch Seat sein SUV. Endlich ein Modell mehr im Konzerneinheitsbrei! Um den Altea-Fahrern, da haben sich auch bei und in Deutschland über elf Jahre durchaus ein paar angesammelt, den Umstieg leicht zu machen, heißt das neue Modell ähnlich: Ateca. Wie fast jeder Seat ist der Name der spanischen Geografie entliehen und bitte nicht mit dem Pontiac Aztec zu verwechseln.

Den Kürzeren zieht man jetzt bei Seat erneut: Mit 4,36 Metern Länge ist der Seat Ateca kleiner als der Technikspender VW Tiguan (4,49 Meter) und entspricht in den Abmessungen dem Skoda Yeti. Bei aller Euphorie, endlich auch ein Auto im Wachstumssegment zu haben, blieb aber bei Seat wohl die Kreativität auf der Strecke. Was wurde denn die vielen Jahre gemacht, in denen das Publikum mit Ankündigungen des SUV-Modells vertröstet wurde.

Das Design erinnert extrem an den Ford Kuga, vor allem der Bereich zwischen A- und D-Säule nebst Dachverlauf sollte nach einem Unfall auch mit Ford-Teilen instand zu setzen sein. Vorne lag der Leon unter dem Transparentpapier und das Heck ist halt das Standard-Konzernheck. Langsam kann man es nicht mehr sehen. Die kantige Kennzeichenmulde, die spätestens seit dem letzten Audi A4 sämtliche Modelle haben, die Rückleuchten, die verdammt nach Skoda Superb aussehen und die scharfe Kante im Profil, mit der sämtliche Konzernmarken seit einiger Zeit ihre ach so präzise Karosseriepresse feiern. Auch innen weder Experimente noch viel Hirnschmalz. Es gibt ein fades Cockpit im Leon-Stil, konzeptgemäß etwas höher gebaut aber mit zu vielen Gleichteilen.

Machen wir uns die Mühe, das Motorenprogramm abzuhandeln, auch auf die Gefahr hin, dass dies Sie, lieber Leser, ermüdet. Denn egal, welche MQB-Neuheit (ich ging einfach nicht anders, der Modulare Querbaukasten musste erwähnt werden!) gezeigt wird, die Auswahl ist stets die gleiche: 1.0 TSI Dreizylinder mit 115 PS und der 1.4 TSI mit 150 PS tanken Super. Den Dieselauftrag erfüllen der 1.6 TDI mit 115 PS und der Zweiliter mit 150 oder 190 Pferdchen. Natürlich darf entweder handgeschaltet oder bei den Motoren ab 150 PS doppelgekuppelt werden.

Interessant wird es bei einem Zitat von Luca De Meo, im letzten Herbst vom Audi Marketing zu Seat abgeschobener CEO der Marke: „..der Start des SUV ist wesentlicher Beitrag zur Steigerung unseres Markenimages. Und das ist unsere Kernaufgabe“.

Fällt des Designern am Heck nichts mehr ein? Immerhin: Der Schriftzug in der Mitte ist typisch Seat
Fällt des Designern am Heck nichts mehr ein? Immerhin: Der Schriftzug in der Mitte ist typisch Seat

Aha? Die Kernaufgabe ist also keine Steigerung der Absatzzahlen, Gewinn statt Umsatz? Fakt ist: Die Marke Seat passt mit der aktuellen Ausrichtung nicht so richtig in den Volkswagenkonzern. Das Kostenniveau in Spanien verbietet die Positionierung als Billigmarke, im Mainstream kämpft man mit Skoda oftmals um die gleichen Kunden. Schließen wird man das Werk nebst Marke aufgrund umfangreicher Subventionen auch nicht so einfach können. Die Fabrik in Martorell fertigt aktuell den Audi Q3 und ab 2018 den Audi A1, dient also als Werkbank im Konzerngeflecht. Viele Seat-Modelle laufen nicht mehr in Spanien vom Band: Toledo und Ateca bei Skoda in Tschechien, der Mii zusammen mit VW Up und Skoda Citigo in Bratislava und der Alhambra zusammen mit seinem Zwilling VW Sharan in Portugal.

Was kann also der Plan von VW sein? Man behält die Fertigungskapazitäten im Süden und päppelt die Marke Seat wieder auf. Ja, richtig: Die Marke. Hier kommt Herrn De Meos Aussage zum Image ins Spiel. Denn nur mit einer Fangemeinde wird Seat als Labels für einen Übernahmekandidaten interessant. Die Chinesen dürften erst einmal abwinken, hat doch dort die Markteinführung von Seat kürzlich nicht funktioniert. Also werfen wir mal die Inder in den Ring. Wie man es richtig macht, zeigt das Beispiel Jaguar Land Rover unter dem Deckmantel von Tata. Auch Mahindra ist finanzstark.

Blicken wir einfach mal in die Glaskugel. In ein paar Jahren könnte Seat also verkauft sein und ein penetranter Kopfschüttler ist abgetreten. Wenn Sergio Marchionne nicht mehr Vorstand bei Fiat Chrysler Automobiles und damit oberster Gralshüter von Alfa Romeo ist, braucht Volkswagen keinen sportlichen Gegner für die Italiener mehr. Dieselgate hin, Milliardenstrafen her – der Kauf der italienischen Marke wird sicherlich noch drin sein. Die haben ja dann auch ein SUV im Programm.

Das Ateca-Inteurieur sieht dem Leon sehr ähnlich. Zu ähnlich?
Das Ateca-Inteurieur sieht dem Leon sehr ähnlich. Zu ähnlich?

 

Ferrari GTC4Lusso: Was für ein Auto. Was für ein Name?

Ferrari zeigt auf dem Genfer Salon das Facelift des 2+2-sitzigen FF. Und nennt ihn nun GTC4Lusso. Ja, ohne Leerstellen.

3,4 Sekunden aus dem Stand auf Hundert. Spitze 335 km/h. Eine fast ausgeglichene Gewichtsverteilung von 47% auf der Vorderachse und 53% hinten – gemessen ohne Kindersitze. Ferraris Steilheck ist trotz rabiater Leistungsdaten nämlich so etwas wie der Vernunftkauf für Menschen, denen das Geld aus schierem Überfluss ständig aus der Hosentasche fällt.

Bisher gab es ihn als Ferrari FF. Vielleicht war ihnen das „Ferrari Four“ zu nah am Smart For Four, den es ja wieder gibt. Vielleicht war es auch der Drang nach einem neuen Namen, der Ferrari bei jedem Facelift heimzusuchen scheint. Zumindest heißt das Steilheck aus Maranello jetzt ungleich sperriger GTC4Lusso. Das klingt verdammt nach Opel. Dort läuft der dreitürige Astra – Entschuldigung das Astra Coupé – seit dem Modellwechsel als Opel GTC vom Band. Der Ferrari-Fan wird jetzt berechtigterweise einwerfen, dass die Bezeichnung GTC bei Ferrari schon Tradition hat, wir dürfen an den ebenfalls 2+2-sitzigen 365 GTC/4 aus den frühen 70ern erinnern. Trotzdem bleibe ich dabei: FF war griffiger. Überheblicher. Lauter.

Im Gegensatz zur Kehrtwende bei der Modellbezeichnung zeigt sich das Karosseriekleid des großen Ferrari sanft geliftet. Der Kühlergrill vorne ist breiter, zu einem größeren Markenemblem konnten sich die Designer aber immer noch nicht durchringen. Die Motorhaube ist nun glatt und hat keine Lüftungsschlitze mehr, dafür sind die Kiemen in den Kotflügeln deutlich gewachsen.

Das Heck wirkt mit vier Leuchten deutlich breiter. Foto: Ferrari
Das Heck wirkt mit vier Leuchten deutlich breiter. Foto: Ferrari

Am Heck kommen die deutlichsten Änderungen zum Vorschein. Der GTC4Lusso hat jetzt vier runde Leuchten anstatt zwei, außerdem ist der Stoßfänger neu und der darin verbaute Diffusor, der nun mächtig nach Rennwagen aussieht. Die Heckklappe ist kleiner geworden, aber eine höhere Ladekante dürfte nun wirklich kein Grund sein, den Ferrari nicht zu kaufen.

Schon eher die Angst vor Fingerabdrücken. Vor allem innen. Denn während alle Welt über zwei große Displays in der neuen Mercedes E-Klasse staunt, schraubt Ferrari kurzerhand drei in seinen Shooting Brake. Eines mit virtuellen Instrumenten vor dem Fahrer und eines als zentrale Infotainment-Zentrale in der Mittelkonsole. Neu ist das große Display vor dem Beifahrer, das Aufpreis kosten wird. Hier können sämtliche Fahr- und Motordaten abgerufen werden. Dass man zumindest weiß, warum einem der Mageninhalt von unten in die Speiseröhre gedrückt wird, wenn der 6,3 Liter große V12 mit nun 690 PS (bisher im FF 660 PS) von der Leine gelassen wird. Als erstes Auto der Welt kombiniert der Ferrari übrigens Allradantrieb mit Vierradlenkung. Der höhere Grenzbereich dürfte dem sensiblen Beifahrer aber nicht viel nützen, im Gegenteil.

Entertainment für den Beifahrer: Optionales Display mit Fahrdaten. Foto: Ferrari
Entertainment für den Beifahrer: Optionales Display mit Fahrdaten. Foto: Ferrari

Der genaue Preis des GTC4Lusso ist noch nicht bekannt, aber eines dürfte eh schon klar sein: Für die meisten von uns ist er eh zu teuer.

Neulich in Tokio: In diesem FF fuhr tatsächlich ein Baby nebst Kinderwagen mit. Foto: Bernd Conrad
Neulich in Tokio: In diesem FF fuhr tatsächlich ein Baby nebst Kinderwagen mit. Foto: Bernd Conrad

Mercedes V-Klasse Exclusive: Für den Ausflug der Chefetage

Im Wetteifern mit VW um den luxuriösten Kleinbus legt Mercedes nach.

Ein Kleinbus ist natürlich kein Premiumabonnent der linken Autobahnspur. Die Mercedes V-Klasse möchte aber unbedingt überholen. Und zwar den ewigen Widersacher VW Multivan. Nach der Vorstellung der aktuellen Generation des Schwaben, die endlich den Baustellencharme des Vorgängers Viano und der ersten V-Klasse ablegen konnten, wirkt das Facelift des VW Bus, das ihn zum „T6“ werden ließ, eher bieder und altbacken.

Das anständige Interieur ihres Shuttles werten die Stuttgarter nun weiter auf. Die V-Klasse gibt es bald auch als Modellvariante Exclusive. Mit diesem Modell zielt man, wie bei den gleichnamigen Lines der PKW-Baureihen, auf Kunden, die nicht bei jedem enthaltenen Extra den Preisvorteil ausrechnen. Ob man Dekorelemente in Aluminiumoptik (man beachte den zweiten Wortteil!), verchromte Lüftungsdüsen und Nappaleder wirklich braucht, sei jedem selbst überlassen. Das Panorama-Glasdach, übrigens laut Hersteller das größte seiner Art und vor allem das Burmester Soundsystem sind aber greifbare Luxusartikel. Das gilt natürlich auch für die 19-Zoll-Alufelgen, die aber eher der Optik als dem Fahrkomfort dienen.

Die Perspektive aus der Chefetage: Der Bus für den Gruppenausflug des Vorstands. Foto: Mercedes-Benz
Die Perspektive aus der Chefetage: Der Bus für den Gruppenausflug des Vorstands. Foto: Mercedes-Benz

Das Ende der Fahnenstange? Mitnichten. Wie auch die fußvölkerischen Varianten Trend und Avantgarde wird es den Exclusive auch als Edition-Modell mit weiter verbesserter Ausstattung geben. Und warum klein denken. In der ersten Pressemitteilung gibt Mercedes-Benz auch nur den Preis dieser Version an. Bei 74.911 Euro geht es los. Ganz schön viel für einen Baustellenbus. Ach so nein, das will die V-Klasse ja nicht mehr sein.

Meine Wette: Da wird noch was oben drauf gelegt, den VW Multivan kann man auch als fast 100.000 Euro teure Business-Version bestellen. Es wäre mal interessant, zu wissen, wer außer dem Konzernvorstand uns gesponserten Hotelketten diese Autos wirklich kauft.

Sogar der Dachhimmel darf einen Namen tragen: DINAMICA. Aha. Foto: Mercedes-Benz
Sogar der Dachhimmel darf einen Namen tragen: DINAMICA. Aha. Foto: Mercedes-Benz

Citroen SpaceTourer Hyphen: Wenn man das Ziel aus den Augen verliert

Stellen wir uns mal vor, wir sind ein Autohersteller. Im Volumensegment. Also Supermarkt statt Feinkostladen. Unsere edlen Tropfen haben wir eben ausgegliedert und DS genannt. Jetzt müssen wir also mit Hausmannskost ordentlich Wind machen.

Citroen hat in Europa noch dazu ein kleines Neuheitenloch. Während man in China fröhlich neue DS-Modelle launcht und angeblich sogar die Nullserie eines neuen C6 von den Bändern läuft, muss es hier eine neue Transporterbaureihe richten. Das Nutzfahrzeug wird wie bisher Jumpy heissen (ja, Jumpys gibt’s auch im Supermarkt – das sind Chips in Känguru-Form), neu ist die Personentransporter-Version namens SpaceTourer. PSA-Schwester Peugeot bringt ein gleiches Modell und auch Toyota ist als Kooperationspartner wieder mit an Bord.

Um aufzufallen, hat sich Citroen für den Genfer Salon im März ein ganz besonderes Konzeptauto ausgedacht. Wenn alle Welt von Kompaktwagen und Mittelklasselimousinen auf SUV umsteigt, warum also nicht noch höher denken? Auftritt Citroen SpaceTourer Hyphen.

Zur Erinnerung: Ein Hyphen ist ein Bindestrich (die Pilzzellen gleichen Namens lassen wir mal unerwähnt), auch Trennstrich genannt. Will der Hyphen also den SpaceTourer-Piloten vom Rest der Welt trennen? „Sucht Ihr nur mit Euren Qashqais und Co. Parklücken, wenn ich am Wochenende nichts vorhabe, starte ich spontan bei der Rallye Dakar!“.

Hinten offene Scharniere: Da mussten die Auspuffblenden an die Seite wandern.
Hinten offene Scharniere: Da mussten die Auspuffblenden an die Seite wandern.

Beim Wüstentrip eher hinderlich wären die am Showcar verbauten Schneekrallen an den Offroadreifen. Ansonsten kommt der trennende SpaceTourer einem Expeditionsfahrzeug optisch schon sehr nahe. Wenn man sich länger als gewohnt am Citroen-Stand die Augen reibt, könnte das auch an der grellen Zweifarbenlackierung liegen. Auch im Innenraum geht es grell-bunt weiter. Im Pressetext liest man von „belebendem Design“ und einem „erfrischenden Innenraum“ – so kann man es auch sehen. Patienten mit Herz-Rhythmus-Störungen sollten den SpaceTourer Hyphen aber nur kurz betrachten. Das gilt auch für Fans alternativer Antriebsformen. Denn auch als Konzeptstudie verpasst der SpaceTourer ein Statement in Richtung Elektromobilität. Unter der Motorhaube steckt ein herkömmlicher Diesel mit 150 PS Leistung. Der wird auch den normalen SpaceTourer antreiben, um Hotelgäste vom Flughafen ins Skiressort zu shutteln oder die Großfamilie zur Oma.

Also ein leider halbherziger Messeauftritt. Das gilt auch für den Namen. Das Geheimnis darum lüften wir jetzt: Für die Studie ging Citroen eine Kooperation mit der französischen Elektropop-Gruppe „Hyphen Hyphen“ ein. Nur warum baut man dann keine extravagante Klanganlage in den Bus ein, der doch mit seinem Volumen einen perfekten Resonanzkörper darstellt?

Einen hochgebockten Allradbus, der den Fahrer noch mehr einmauert und von der Außenwelt abkanzelt als die modernen SUV-Trümmer, brauchen wir aber nicht unbedingt. Messeauftritt hin oder her.

Innen geht es auch ohne Menschen wild zu - Pop Art im Citroen-Bus?
Innen geht es auch ohne Menschen wild zu – Pop Art im Citroen-Bus?

Opel Mokka X: Frisch aufgebrüht.

Knapp drei Jahre nach dem Marktstart brüht Opel seine kleine SUV-Baureihe frisch auf.

Vor allem an der Front wirkte der Mokka durch den hohen Grill bisher recht schmal. Mit dem neuen Design geht er jetzt in die Breite und gewinnt deutlich an Format und Präsenz. Opel folgt nicht einfach der vom Astra eingeschlagenen Linie sondern setzt weitere Akzente. Dadurch wirkt der Kühlergrill mit der Chromleiste im den Blitz stimmiger als beim Kompaktbruder. Die flacheren Scheinwerfer glubschen jetzt weniger in den Fahrtwind, optional brennen sie eine LED-Schneise auf den Asphalt. Zudem wurden, bedingt durch die neue Maske, die Motorhaube und die Kotflügel neu gestaltet; für ein Facelift ist ein derartiger Eingriff ins Blech meist untypisch.

So bleiben die Flanken auch unangetastet. Am Heck zeigen die Heckleuchten ein neues, moderneres Innenleben. Der neue Stoßfänger baut flacher und sorgt auch hier wieder für mehr optische Breite.

Wir sind im Jahr 2016 angekommen, was ist also die wichtigste Neuerung: Richtig, das Infotainment. Grob gepixelte, rote Displays, die mit einer Knöpfchenarmee um Vorherrschaft im Mokka-Cockpit streiten, sind passé. Im komplett renovierten Innenraum macht der SUV nun auf Astra, und das ist gut so. Opels IntelliLink-System mit dem großen Touchscreen bietet nun auch im Mokka das OnStar-System und eine Smartphone-Integration mit Apple Car Play wie auch mit Android Auto.

Das neue Armaturenbrett erinnert an den Astra.
Das neue Armaturenbrett erinnert an den Astra.

Wenn man es sich also auf dem optionalen Ergonomiesitz bequem gemacht und das Telefon gekoppelt hat, darf man gerne – optional schlüssellos – den Motor starten. Hier kommt eine weitere Neuheit ins Spiel, und zwar der 1,4 Liter große Turbobenziner mit 150 PS. Gekoppelt an eine Sechsstufen-Automatik und den Allradantrieb erfüllt der Mokka somit nicht nur wachsende Ansprüche, sondern dürfte auch die Kassen bei Opel lauter klingeln lassen. Mit dem erwachseneren Design und dieser reizvollen Antriebsalternative gelingt den Rüsselsheimern hier eine geschickte Höherpositionierung ihrer Erfolgsbaureihe.

Da sieht man gerne darüber hinweg, dass sie den Mokka nun als Mokka X anbieten. Opel will in Zukunft alle SUV- und Crossover-Baureihen mit dem X im Namen ausstatten. Das erinnert ein bisschen an das Fiat-Spiel mit dem Grande Punto, der dann zum Punto Evo wurde und am Ende doch wieder schlicht als Punto in Rente fährt. Aber egal, während wir bei den Italienern weiter skeptisch auf die Firmen- und Modellentwicklung blicken, ist der umfangreich aufgefrischte Mokka ein deutliches Zeichen: Opel ist wieder da.

Am Heck reichen geringe Retuschen.
Am Heck reichen geringe Retuschen.

Mercedes-Benz SL Design: Demontage einer Legende

Früher war nicht alles besser. Aber das Mercedes-Design. Meiner Meinung nach. Daher ist dies ein streng subjektiver Artikel, auf einen möglichen Shitstorm bin ich mental vorbereitet. Aber ich muss es loswerden.

Mercedes-Benz. Der Erfinder des Automobils. Und die Erschaffer automobiler Legenden. Alleine der lange Jahre typische Kühlergrill ist ein Lehrstück für Produktgestaltung. Wer damals die Idee hatte, den Stern oben auf die Motorhaube zu setzen, sollte in Stuttgart vor dem Haupteingang ein kleines Denkmal gesetzt bekommen. Kann es eine bessere und dauerhaftere Kundenbindung geben? Immer, wenn ein Mercedes-Fahrer mit seinem Auto fährt, sieht der das Emblem vor sich. Das perfekte Head Up-Display ganz analoger Art. Das mit dem Stern ist der Marke in den letzten Jahren ja leider abhandengekommen. Erst war es die C-Klasse, die als Avantgarde den Sportwagengrill mit dem Stern im Kühler haben durfte. Bei der ersten A-Klasse war dies auch so, aber hier wurde das vom Karosseriedesign diktiert. Ein Stern auf der steilen Haube wäre für den Fahrer unsichtbar gewesen.

So kam es dann, dass der Stern, der heilige Gral der Markenhüter, bei den Limousinen der C- und E-Klasse das Basismodell (und den Elegance) zierte, die teure Avantgarde  aber den Stern im Grill. Es ist nur folgerichtig, dass diese Misere bei der aktuellen C-Klasse erkannt wurde, hier kostet der dominante Stern jetzt Aufpreis – als Teil des Paketes „Exclusive Exterieur“ für mal eben 1.249,50 Euro. Zumindest bei den krummen Bruttopreisen hält Mercedes-Benz an alten Traditionen fest.

Das Paket wäre mir jeden Cent wert, denn ein Symbol wie der Mercedes-Stern hat es nicht verdient, zwischen zwei spröden Kunststoffspangen eingeklemmt zu werden.

Ein Bruch mit alten Werten ist aus meiner Sicht leider auch bei diversen Modellreihen zu sehen. Dass ein CLA mit seinen zu langen Überhängen so aussehen muss, wie er aussieht, lasse ich an mich heran – das Auto ist international sehr erfolgreich und ich selbst bin oft überrascht, wie viele Menschen im Bekanntenkreis den „schick“ oder „edel“ finden. Würden sie das auch sagen, wenn ein Opel- oder VW-Zeichen auf dem Auto wäre? Im Grill natürlich, nicht oben drauf. Dort wo eigentlich der Stern… aber lassen wir das.

Weltpremiere 012 mercedes-benz sl roadster beverly hills

Ein Mercedes trug das Emblem stets zwischen den Scheinwerfern: Es war die SL-Klasse, oder „der SL“ wie man auch heute noch sagen darf. Mit Flügeltürer 300 SL  kam die Bezeichnung damals auf dem Olymp der Autogötter auf die Erde gefahren und mit den Nachfolgebaureihen W121 und W113 („Pagode“) wurde die Legende weiter aufgebaut. Unvergessen sind die Modelle R107 (1971 – 1989) und R129 (1989 – 2001). Sinnbilder von klarem Automobildesign „made in Germany“. Und vor allem auch „made for Germany“.

Mercedes-Benz SL - Baureihe R129 - Foto: Mercedes-Benz
Mercedes-Benz SL – Baureihe R129 – Foto: Mercedes-Benz
Mercedes-Benz SL - Baureihe R129 - Foto: Mercedes-Benz
Mercedes-Benz SL – Baureihe R129 – Foto: Mercedes-Benz

2001 wurde es schlimmer, SL Nummer sechs, Modelle R230, erblickte die Welt. Und schaute durch… ja was eigentlich? Zum Vieraugengesicht wollten sie sich nicht durchringen, aber ein bisschen zitiert werden sollte es schon. Warum wurde immer nur auf den Spiegeleier-Scheinwerfern des Porsche 911 (996) herumgeritten? Auch sonst war im R230 zu viel E-Klasse zu sehen, zu viel Mainstream, zu wenig leiser Glamour, der die Vorgänger auszeichnete. 2012 dann R231.

Weltpremiere 010 mercedes-benz sl roadster beverly hills

Der SL karikierte sich selbst. Die viel zu lange Frontpartie musste asiatischen und amerikanischen Geschmacksmustern entsprechen, baut sich viel zu dominant vor dem Betrachter auf. Das kompakte Heck versucht den Brückenschlag zu klassischen SL-Linien, passt halt nur so gar nicht zum Rest des Autos.

Dieses Jahr dann das Facelift, im Jahr drei nach der Premiere. Dieser kurze Modellzyklus zeigt schon, dass ein SL heute keine fahrende Legende mehr ist. Dass sie in Stuttgart auch unter Gorden Wagener noch Autos zeichnen können, haben kürzlich Coupé und Cabrio der S-Klasse gezeigt. Auch die C-Klasse als Coupé geht als „ok“ durch, obwohl die Ähnlichkeit zum verblichenen Renault Laguna Coupé unübersehbar ist. Wobei der Franzose ranker, schlanker und zeitloser wirkte. Der monströse SLS und der Nachfolger im Geiste, der AMT GT sind auch Autos, die in die Designgeschichte eingehen werden. Hut ab für diese Leistung.

Los Angeles, November 2015 – Mercedes zaubert das SL-Facelift aus dem Ärmel. Ich halte den Atem an…und verschlucke mich fast. Modellpolitisch zwischen dem S-Klasse Cabrio und dem GT AMG eingeklemmt versuchen die SL-Planer leider nicht den erhofften Befreiungsschlag.

Ein neuer Grill, ein geänderter Stoßfänger und weitere kleine Veränderungen ändern leider nichts daran, dass der SL der aktuellen Baureihe eine überzeichnete Fratze ist, dem jegliche Eleganz fehlt. Auch die nun flacheren Scheinwerfer retten das nicht. Wenn, dann sieht das Auto nur als hochgezüchtete AMG-Version mit großen schwarzen Felgen gut aus, leicht prollig und laut brüllend. Das mag der Marge dienen, aber entspricht das dem Geist der Ikone SL?

Der Vergleich mit dem Süßwarenregal drängt sich auf. Ferrero bewarb die „Yogurette“ lange Zeit mit Joggerinnen und dem Slogan „schmeckt so himmlisch Joghurt-leicht“. Die abnehmfreudige Naschkatze lutschte also genüsslich die Schokoladenhülle von der Erdbeer-Zuckermasse bis sie einmal die Nährwerttabelle entdeckte. Das himmlisch leichte Produkt hat nämlich mehr Kalorien als andere Tafelschokoladen, egal ob „voll nussig“ oder sonst wie betitelt. Der Süßwarenkonzern hat den Claim mittlerweile in „die passt zu mir“ geändert. Was ich persönlich vom SL leider nicht behaupten kann.

Für den nächsten Sommer! Der neue SL
Für den nächsten Sommer! Der neue SL

Im Profil sieht R231 jetzt noch immer aus wie ein Schneepflug, das Heck wirkt uninspriert und die schrägen Rückleuchten passen nicht zum Rest des Autos. Der Wagen wirkt wie ein für die Show aufgepumpter Wrestler. Daneben steht der Functional-Training-Athlet GT AMG auf dem Fitnessstudio-Parkplatz.

Im Januar wird neben der neuen E-Klasse auch das SLK-Facelift gezeigt. Der kleine Roadster haut einen aktuell auch nicht vom Hocker. Ich gebe hiermit die Hoffnung auf, dass er es 2016 unter SLC-Flagge noch schaffen wird. Dem SL gebe ich aber noch eine Chance. Nach nur drei Jahren ein Facelift, in der SL-Welt ist das ein Wimpernschlag. Liebe Mercedes-Planer, bitte setzt Euch nicht unter Druck. Ihr habt jetzt die AMG-Sportwagen, also muss der SL kein Pseudoracer werden, Black Series und Co. müssen nicht mehr sein. Ihr habt jetzt das S-Klasse Cabrio. Ein schwerer Dampfer muss er also auch nicht werden. Macht einen tollen Roadster aus dem Nachfolger. Rank und schlank. Und Leicht. Vielleicht gar „Super Leicht“?