Bridgestones neue Ganzjahreswaffe: der Weather Controll A005

Ein Fahrsicherheitstraining auf dem Sachsenring, gesponsert vom Reifenexperten Bridgestone mit gleichzeitiger Vorstellung der neuen Ganzjahreswaffe? Na, das lassen wir uns doch nicht entgehen! Ende Juli rief Bridgestone zum Gewinnspiel auf. Glücklicherweise gehöre ich zu einem ausgewählten Kreis, der auch ohne Gewinnsspielteilnahme eingeladen wurde und so kam es, dass ich ein paar Wochen später neben den zehn ausgewählten Glückpilzen auf dem Fahrsicherheitsgelände des Sachsenrings stand.

Seien wir doch mal ehrlich. Das Thema Reifen spielt für den normalen Automobil-Besitzer doch eher eine ungeordnete Rolle und gehört mit ziemlicher Sicherheit nicht zu den Lieblingsthemen. Die lästige Wahl des Reifens wird meist der Werkstatt des Vertrauens überlassen. Dabei hängt die Entscheidung für die richtigen Pneus –  zwei Sätze für den Sommer –  und Wintereinsatz oder doch lieber ein Satz Ganzjahresreifen –  nicht nur von der Größe des Portemonnaies ab, sondern ebenso von den lokalen Gegebenheiten. Besonders in urbanen Regionen und generell dort, wo man erfahrungsgemäß milde Winter erwarten kann, laufen Ganzjahresreifen über die Theken der Reifenhändler wie geschnitten Brot. Genau hier knüpft Bridgestone an und geht mit dem neu entwickelten Ganzjahresreifen Weather Control A005 in die Offensive. 64 unterschiedliche Größen bieten die Japaner an. Der Fokus liegt hierbei auf 17 Zoll, da die wachsende Beliebtheit der SUV  auch im Reifensegement keinen Halt macht. Insgesamt deckt Bridgestone somit  90 Prozent des Marktes ab und bietet damit für fast Jedermann das Passende.

Mit ihrer neuen Ganzjahreswaffe wollen die Japaner nichts Geringeres als den Klassenprimus Michelin Cross Climate+ angreifen. Dass das zumindest auf dem Papier möglich ist, bewiesen die ersten Tests. Durch die Zugabe von größeren Mengen Silika und der noch stärkeren Vertiefung der wasserableitenden Profilrillen konnte man die Nasseigenschaften im Vergleich zum Vorgänger deutlich verbessern. Der Weather Controll A005 wurde im Nasshaftungstest daher mit der höchsten Auszeichnung, dem EU-Label A, prämiert.

Achtung, es wird rutschig!

Wir Teilnehmer waren ein gemischter Haufen – vom Fahranfänger bis hin zu den „alten“ Hasen, die bereits mehrfach an Fahrsicherheitstrainings teilgenommen haben und somit über ein großes Repertoire verfügten. Langeweile kam dennoch bei keinem von uns auf.

Da ich als Automobil-Blogger recht viel Zeit in vierrädrigen Gefährten verbringe und Autos quasi mein zweites Wohnzimmer darstellen, gehe ich natürlich davon aus, dass ich ein hervorragender Autofahrer bin – wie vermutlich 90% aller Männer.
Trotzdem war ich äußerst gespannt, was ich noch alles im Fachsicherheitstraining lernen kann und vor allem wie sich der neue Ganzjahres-Pneu Weather Controll A005 schlägt.

So ein Fahrsicherheitstraining ist niemals verkehrt. Unter der Leitung eines fachkundigen Trainers, bei uns war es der Holger Weber, lernt man wertvolle Tipps und Ratschläge, um auch in brenzligen Situationen Herr der Lage zu bleiben. Und dem Holger entgingen selbst die noch so kleinsten Fahrfehler nicht und prompt kamen über die Funke die richtigen Kommandos, um es beim nächsten Anlauf gleich besser zu machen.
Im Mittelpunkt der Übungen stand vor allem das simulierte Fahren auf rutschigem Untergrund – das übliche Leid eines jeden Autofahrers während der kalten Jahreszeit. Da wir über 24°C Außentemperatur und strahlenden Sonnenschein hatten, waren aber die Bedingungen nicht ganz optimal dafür. Abhilfe schaffte die gummierte Fahrbahnoberfläche, die mit Wasser benetzt für schneeähnliche Verhältnis sorgte.

Die Fahrübungen auf nassem Gummi waren kein Kinderspiel und forderten einiges an Können ab. Ob Gefahrenbremsung mit Ausweichen, Anfahren am Berg, das plötzliche Ausscheren des Hecks, Slalom fahren oder das Kreisfahren mit unterschiedlichen Lenk- und Beschleunigungsimpulsen – es waren die Klassiker eines jeden Fahrsicherheitstrainings. Höhepunkt war eine Testfahrt auf abgestecktem Parcours, bei der sich zwei Fahrer im Team abwechseln mussten. Es wurde ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen bei dem die Bridgestone-Leute alt aussahen und auf den vierten Platz verwiesen wurde. Die ersten drei Plätze trennten jeweils nur 3-Sekunden. Mein Teamkollege und ich freuten uns über den dritten Platz.

Eine runde Sache

Die Bridgestone – Pneus brillierten auf ganzer Strecke und harmonierten wunderbar mit den von Toyota gestellten Hybriden. Der Weather Controll A005 überzeugte mit toller Rückmeldung und einer gut einschätzbaren Leistungsbandbreite. Lenkbewegungen wurden direkt umgesetzt und das Fahrzeug blieb stets gut kontrollierbar. Selbst auf nassem, gummiertem Terrain lieferten die Pneus gute Leistungen ab.

Obwohl ich ein Befürworter von saisonalen Reifen bin, wurde ich vom Bridgestone Weather Controll A005 positiv überrascht. Gerade auf rutschigem Untergrund sorgte er für ein gutes Sicherheitsgefühl. Sicherlich steht ein Ganzjahres-Reifen nie in direkter Konkurrenz zu Sommer- und Winterreifen, aber gerade für Kunden in Großstädten oder im Flachland, wo keine großen Wetterextreme zu befürchten sein dürften, bietet der Bridgestone eine echte Alternative. Bedenkt man starke Regenschauer in den Sommermonaten, schlägt der Weather Controll A005 mit großer Sicherheit sogar Sommerreifen des niedrigen Preissegements, die in dieser Situation oftmals eklatante Schwächen aufweisen.

 

Bosch und Daimler geben autonom Gas!

Wenn Bosch und Daimler gemeinsame Sache machen, muss man nicht zwangsläufig den nächsten Diesel-Skandal vorahnen. Ganz im Gegenteil: Die beiden deutschen Industrie-Riesen kooperieren beim automatisierten Fahren und wollen eine Metropole im Silicon Valley unsicher machen. Wobei unsicher eigentlich der falsche Ausdruck ist. Schließlich soll das automatisierte Fahren, also Level 5, ein hohes Maß an Komfort und – ganz genau – Sicherheit bringen. Gleichzeitig spricht die Bosch-Daimler Kooperation aber eine Kampfansage an Waymo und Uber aus. 

„Alfred, zur Bat-Höhle!“

Was Bruce Wayne einst zu seinem Chauffeur sagte, soll auch bald ohne Personal möglich sein. In der zweiten Jahres 2019 forciert man zunächst eine Verknüpfung von verschiedenen Fahrdiensten, wie Car2go, moovel und anderen. Mit ihnen wird ein Testbetrieb simuliert, der zeigen soll, wie vollautomatisierte, fahrerlose Fahrzeuge in ein aktuelles Verkehrsnetz integriert werden können. Das Testgebiet? Eine Metropole in Californien. Wichtig hierbei: Verkehrszenarien, wie sie sich in typischen Stadtgebieten abspielen.

So seh´n Sensoren aus – schalalal…

Und Bruce Wayne? Nun, der steigt demnächst in ein von Bosch und Damiler konzipiertes Fahrzeug und erzählt dem Computer, dass er zu Bat-Höhle möchte. Das soll auch jeder andere Fahrgast können – dafür muss man nun wirklich nicht Batman sein. Dabei spielt Technik-Zulieferer Nvidia eine wichtige Rolle, da jener die künstliche Intelligenz, die hinter dem System steckt, entwickelt. Das Fahrzeug auf Level 5-Niveau soll per Smartphone geordert werden können. Vorstellbar sind verschiedene Szenarien: Etwa die Nutzung eines Car-Sharing-Autos oder eines Taxis. Nur eben mit dem Unterschied, dass man nicht selbst fährt, sondern wie von Geisterhand durch die Gegend kutschiert wird.

Ohne Fleiß kein Preis

Dahinter verbirgt sich natürlich ein riesiger Datenaufwand, der durch die Auswertung unzähliger Sensor-Daten entsteht. Autonome Fahrzeuge erkennen alles um sie herum – im Optimalfall, nicht wahr Tesla? Und aus diesen Daten, die die verschiedenen Sensoren aufnehmen, muss im Millisekunden-Bereich die Informationsverarbeitung stattfinden. Gleichzeitig! Dafür hat Nvidia eine Plattform entwickelt, auf der verschiedene Steuergeräte zu einem Verbund zusammengeschlossen werden. Vorsicht, jetzt wird es zahlenlastig: Die Steuergeräte können binnen Millisekunden hunderte Billionen an Daten erfassen. Die Daten stammen von Radar-, Video, Lidar- und Ultraschallsensoren und deren Zusammenspiel. Und noch mehr Zahlen: Allein die Stereo-Video-Kamera erzeugt 100 GB an Datenmaterial. PRO GEFAHRENEN KILOMETER! Da darf man sich als selbstlenkender Autofahrer anerkennend auf die Schulter klopfen und die Lippen darüber schürzen, mit welchem Daten-Aufwand das eigene Hirn bei der täglichen Fahrt zur Arbeit zurechtkommt. Gut, ok: Wenn man häufiger auf der Autobahn unterwegs ist, wird man feststellen, dass die menschlichen Systeme häufig auf niedrigem Level funktionieren. Aber da ist ein anderes Thema.

Selbst in einem abstrakten Raum soll sich ein autonomes Fahrzeug zurechtfinden.

Wobei: Eigentlich setzen Boch und Daimler genau an diesem Punkt an. Menschen verursachen Fehler. Und um diese auszumerzen, sieht man eine autonome, automobile Zukunft. Letzlich ziehen die Erkenntnisse aus dem Silicon Valley ihre Kreise bis nach Stuttgart und den Rest der Welt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Spracheingabe für das autonom angefahrene Ziel besser funktioniert, als Alexa, Google und Siri. Sonst landet man am Ende in Bordeaux anstatt in Porto…

Best Of Belron: die Weltmeisterschaft des Scheibenwechsels

Erstmalig im Jahr 2000 veranstaltete der Mutterkonzern des deutschen Autoglas-Profis Carglass ein Event speziell für die eigenen Mitarbeiter. BEST OF BELRON (BoB) heißt die Weltmeisterschaft der Monteure und fand dieses Mal in der Hauptstadt des deutschen Bankwesens statt.

Um sich für dieses besondere Event zu qualifizieren, mussten die 30 Teilnehmer diverse Vorrunden für sich entscheiden und sind somit bereits bei ihrer Ankunft in Frankfurt mehrfache Gewinner. Ob aus Neuseeland, Marokko oder Kanada, die Teilnehmer kommen aus der ganzen Welt, um gegeneinander anzutreten. Wer jetzt aber denkt, die Teilnehmer wären auf sich alleine gestellt, irrt sich. Die Athleten werden von einer ganzen Mannschaft an Leuten, inklusive jeweils zweier Trainer, vor und während des zweitägigen Wettkampfes tatkräftig unterstützt. Mit deren Hilfe wird seit Monaten auf das große Event hin gearbeitet. Jeder Handgriff wurde verinnerlicht und die einzelnen Arbeitsschritte bis zur Perfektion einstudiert. Die zwei Schiedsrichter, die jeder Wettkämpfer überzeugen muss, achten auf alles. Angefangen bei der technischen Abnahme der Werkzeuge und Ausrüstung, über das korrekte und gesundheitsschonende Heben und Halten der Glasscheiben, bis hin zur richtigen Abfolge der Arbeitsschritte.Das BELRON „Way Of Fitting“ und der Blick auf Effizienz, Sorgfalt und Genauigkeit sind hierbei aber stets oberstes Kriterium. Die Komplexität spiegelt sich in der Punktevergabe der Schiedsrichter wieder: sagenhafte 5000 Punkte sind maximal in den vier Kategorien zu vergeben!

Die Disziplinen

Als erste Herausforderung ist der Ausbau und Wiedereinbau der Heckscheibe vorgesehen. Beim Beobachten der Autoglas-Profis scheint es, als könnten diese die vielen kleinen Handbewegungen ebenso mit geschlossenen Augen vollführen. Bei allen sitzt beispielsweise die Justierung des Saugnapfes der Haltevorrichtung, die die Last der Heckscheibe trägt, bereits beim ersten Versuch perfekt.

Im Anschluss folgt das, was wohl mit einer der häufigsten Reparaturmaßnahmen bei CARGLASS ist: die Ausbesserung eines Steinschlags in der Windschutzscheibe. Nach dem die Scheibe penibel gereinigt wurde, wird mit einem Gerät über der Schadstelle die Luft abgesaugt und die Stelle anschließend mit Harz aufgefüllt. Dieser Vorgang dauert einige Minuten und der Monteur widmet sich währendessen der Reinigung des Innenraums. Auch dies ist ein Kriterium in der Punktevergabe. Die Schadstelle in der Windschutzscheibe wird im folgenden Arbeitsschritt mit dem eigens entwickeltem Spezial-Harz versiegelt. Nach der Versiegelung muss das Harz unter UV-Licht noch etwa 3 Minuten aushärten. Abschließend wird das überflüssige Harz von der Windschutzscheibe entfernt und die Scheibe so lange poliert, bis sie wieder glatt ist.  Zwar ist eine minimale Spur des Steinschlages noch immer sichtbar, aber es handelt sich hierbei um keine Schönheitsreparatur, sondern um eine Sicherheitsreparatur.

Die dritte Disziplin befasst sich ebenfalls mit einem für Werkstattmitarbeiter altbekannten Problem. Eine Seitenscheibe wurde eingeschlagen und im Innenraum funkelt ein Meer aus kleinen Glaskristallen. Auch bei diesem Szenario spielt die Sicherheit eine überaus große Rolle, denn schließlich soll sich weder der Monteur an einer Glaskante schneiden, noch einer der Juroren in die Glasscherben setzen.

Der vierte und letzte Teil des Wettkampfes beinhaltet die Königsdisziplin, den Wechsel der Windschutzscheibe und die Neukalibrierung der Fahrerassistenzsysteme (ADAS). CARGLASS hat zusammen mit HELLA Gutmann ein Prüf-System entwickelt. Mit der Hilfe der Software und der Prüftafeln lassen sich minimale Abweichungen der Kamera justieren.

Es geht los und ich bin mitten drin

Als einer der ersten Pressevertreter darf ich die Messehalle in Frankfurt betreten. Der Hauptsaal, in dem in einigen Stunden hektisches Wuseln stattfinden wird, ist noch im Dämmermodus. Die Autos, die extra für den Wettkampf von D’leteren (Mehrheitseigner von Belron und VW/Audi-Importeur für den belgischen Markt) gestellt wurden, sind noch abgedeckt und warten auf ihre große Stunde. Die letzten Probeläufe der Lichtanlage finden statt. Es sind fast ausschließlich die Athleten mit ihren jeweiligen Begutachtern auf dem Parkett. Ich kann eine gewisse Spannung spüren –  der Wettkampfgeruch liegt in der Luft. Allmählich füllt sich der Saal. Dann auf den Punkt um 10:30 Uhr ertönt Musik, die Lichtshow beginnt und untermalt die Eröffnungszeremonie. Auf den Rängen haben sich inzwischen etwa 800 Menschen eingefunden. Jeder Teilnehmer, der die Bühne betritt wird von dem Publikum mit frenetischem Applaus empfangen. Was für ein Teamspirit, was für eine Stimmung! Genau dieses Gefühl möchte BELRON erreichen und scheute bei den Vorbereitungen weder Kosten noch Mühen. Die Veranstaltung ist gespickt mit Lobeshymnen auf die 30 Autoglas-Profis, die stellvertretend für die gesamte internationale Belegschaft BELRONs stehen.

Unser Star für BoB

Für Deutschland tritt Leo Benz in den Ring. Benz arbeitet eigentlich im Umkreis von Bad Kissingen in einer der portablen Werkstätten „Mobile Branch“ –  Carglass Antwort auf Wachstumsstrategie. Aber nur eigentlich, denn Leo Benz hält sich seit Februar in einem Berliner Trainingslager auf, selbstverständlich mit der ausdrücklichen Zustimmung seines Filialleiters. Für das ganz große Ziel hat Benz selbst das Fußballtraining hinten angestellt, das Verletzungsrisiko wäre einfach zu groß.

Visionen und Takeaways

Für reichhaltigen Gesprächsstoff ist auch in den Nebensälen gesorgt. Dort tagt die „Driving Change“ Konferenz. Hier finden Vorträge von renommierten Referenten aus Industrie und Forschung statt, die Einblicke in die Zukunft der Automobil- und Versicherungsindustrie geben. Nebenan haben namenhafte Zulieferer wie Dupont, Bosch und Hella ihre Stände aufgebaut und präsentieren ihre neusten Produkte und Produktideen.

Sie sind alle Sieger

Nachdem die Athleten zwei Tage lang über viele Stunden maximale Konzentration und Ausdauer bewiesen haben, steht der Sieger endlich fest. Der US-Amerikaner Rick Beasley darf sich in die Reihe der Besten von BELRON einreihen. Unserem Star Leo Benz dürfen wir herzlichst zum Erreichen des Zweiten Platzes gratulieren! In einem extrem knappen Kopf-an-Kopf-Rennen, welches so in der zehnjährigen Geschichte des BEST OF BELRON noch nicht vorgekommen ist, musste sich der Deutsche dem Amerikaner geschlagen geben.

Gewinn des Best Of Belron 2018: Rick Beasley aus den USA

Man darf aber nicht vergessen, dass jeder einzelne Wettkämpfer, der dieses Jahr hier in Frankfurt angetreten ist bereits zu den 30 Weltbesten gehört. Die Leistung, die hier von jedem Einzelnen erbracht wurde ist unglaublich.Vor allem wenn man sich bewusst macht, dass  allein bei der Ausbesserung eines Steinschlags über 40 Arbeitsschritte anfallen.

Borgwards Angriff auf den deutschen SUV Markt

Borgward, einst luxuriöser und innovativer Automobilhersteller ist aus der Versenkung wieder emporgekommen. Dank Christian Borgward, Enkel des Firmengründers Carl F.W. Borgward und dem chinesischen Nutzfahrzeughersteller Foton, kehrt Borgward auf das deutsche Parkett zurück. In China sind Borgwards bereits seit letztem Jahr im Handel erhältlich. Wir dürfen uns aktuell mit der Topversion BX7 TS Limited Edition anfreunden. Sie besticht mit einer serienmäßigen Vollausstattung und vielen Extras. Das Modell „TS Limited Edition“ wurde extra für den europäischen Markt konzipiert und ist in Deutschland auf eine niedrige dreistellige Stückzahl begrenzt. Im Fokus von Borgward steht der stark nachgefragte SUV-Markt. Ein hochbeiniges deutsch-chinesisches Pendant anzubieten, macht also durchaus Sinn, auch wenn die etablierte Konkurrenz ala Kia Sorento, Hyundai Santa Fe, Mazda CX-5, Mercedes GLC, Audi Q5 und Co. einschüchternd erscheinen mag.

Borgward baut auf Kooperation

Die Stuttgarter gehen beim Re-Launch der Marke einen ungewöhnlichen Start: das Fahrzeug wird zunächst ausschließlich über das Internet käuflich zu erwerben sein. Hinzu kommt der Mietwagen-Riese Sixt als Vertriebspartner, der den Kunden ihr Fahrzeug bis vor die Haustür bringt. Eine weitere Partnerschaft geht Borgward mit der Werkstattkette ATU ein. Ein cleverer Schachzug, da ATU bundesweit über ein 577 Stationen starkes Netz verfügt und Borgward-Kunden von verhältnismäßigen günstigen Preisen profitieren. Desweiteren wird es acht technische Kompetenzzentren geben, in denen auch komplexere Arbeiten, wie beispielsweise der Tausch eines Getriebes, durchgeführt werden können, sowie 30 weitere, spezielle Servicestationen.

Borgward will Erinnerungen wecken

Die Borgwards sollen vor allem „remarkable“ sein. Nun ja, auffallen kann man auf verschiedene Art und Weise. Auffallend ist vor allem die Liebe zum Rhombusmuster, ob im Kühlergrill, als Formgeber der einzelnen Elemente des Tagfahrlichts oder in der Innenverkleidung der Türen – dem aufmerksamen Betrachter stechen sie immer wieder ins Auge. Generell hat man versucht viele Design-Elemente der alten Tage in dem neuen BX7 TS LE wieder aufleben zu lassen. So hat er auch die typischen hohen Seitenlinien, die Legenden wie Isabella oder Hansa 1800 ins Gedächtnis rufen dürften.

Der Innenraum wirkt wohl sortiert und gut verarbeitet. Hier schmeichelt vor allem das viele Mokkafarbene Leder dem Betrachter. Einzig die Kunststoff-Mittelkonsole und die Tasten am Multifunktionslenkrad trüben den optisch hübschen Gesamteindruck. Das Platzangebot und Raumgefühl ist sehr ansprechend. Auch größer gewachsene Mitreisende finden im Fond ausreichend Bein- und Kopffreiheit um selbst längere Reisen bequem zu überstehen. Allerdings könnte die geringe Zuladung von nur 387 kg die Reisereichweite und Anzahl der Passagiere begrenzen. Das Volumen des  Kofferaums ist mit 545 Litern auf dem Niveau der Konkurrenz. Typisch SUV – auch der Borgward hat die hohe Ladekante.
Eyecatcher im Innenraum ist der 12,3 Zoll große Touchscreen. Das Infotainmentsystem mit dem Namen Carl, in Anlehnung an den Firmengründer, lässt sich recht intuitiv bedienen, braucht aber ein wenig Zeit bis der gewünschte Befehl verarbeitet wird. Das Gleiche gilt für das eingebaute TomTom Navi, welches dank Blitzerwarner sicherlich den einen oder anderen Fahrer vor teuren Erinnerungsfotos bewahren wird. Mit an Bord sind desweiteren eine Internet-Verbindung, IOS Carplay und Android Auto. Ein 360-Grad-Kamerasystem, Panorama-Glasdach, Xenon-Scheinwerfern, 18 Zoll-Alus und ein Fahrassistenzpaket mit Totwinkel- und Müdigkeitswarner sind ebenfalls in der Vollausstattung enthalten. Einen Abstandsregeltempomat oder Notbremsassistenten sucht man dagegen vergebens.

Die limitierte Version des BX7 TS gibt es hierzulande nur als Benziner. Diesel- und Hybrid-Technik sind bei Borgward komplett raus. Um für die Zukunft gewappnet zu sein, sollen alle angebotenen Modelle mit einem Benzin-Verbrennungsmotor oder einem Elektromotor angetrieben werden. Apropos Zukunft, aktuell besitzt das Aggregat des BX7 TS die Abgasnorm 6b, aber ab Herbst soll der BX7 nachfolgen und dann 6d konform sein.

Es kommt auf die inneren Werte an

Der intelligente Torque-on-demand-Allradantrieb verteilt bei Bedarf die 224 Pferdchen und 300 NM des BX7 TS auf alle vier Räder. Der durchschnittliche Verbrauch wird ab Werk  mit 8,9 Liter auf 100km beziffert. Im Test kamen wir auf um die 12 Liter. Ob die Differenz ausschließlich am bergigen Stuttgarter Hinterland liegt, ist uns nicht so recht klar.

Der Motor macht einen soliden Eindruck, neigt allerdings zum Knurren in höheren Drehzahlen und wirkt aber ab und an etwas träge. Das mag auch der Sechsgang-Wandlerautomatik geschuldet sein, die bekanntlich bei jedem Schaltvorgang eine Gedenksekunde als Tribut fordert. Das Zweiliter Aggregat befördert die 1,8 Tonnen in 9,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Bleibt man hartnäckig weiterhin auf dem Gaspedal stehen ist das Ende des Vorschubs bei 208 km/h erreicht. Generell aber sträubt sich das gesamte Fahrzeug gegen eine sportliche Fahrweise. Die Bremsen haben einen ungewöhnlich langen Bremspedalweg. Gerade im Stuttgarter Cityverkehr sorgte dies bei unserer Testfahrt für Überraschungen. Die Lenkung besticht mit einer Leichtgängigkeit par excellence. Mit nur einem Finger lässt sich das Lenkrad drehen. Was in der Stadt und beim Einparken toll und hilfreich ist, ist auf der Landstraße allerdings hinderlich. Ähnlich wie die Lenkung ist auch das Fahrwerk sehr auf Komfort ausgelegt. Als Insasse in einem BX7 TS Limited Edition huscht man nur so über jede Bodenwelle hinweg. Ein kleines Nachwippen hier und dort ist aber inklusive. Da hätten wir uns eine etwas straffere Einstellung gewünscht, die dem Piloten mehr Rückmeldung über den aktuell befahrenen Untergrund gibt, wahlweise auch gerne via elektronischer Dämpferregelung.

Viel Geld für wenig Besonderes

Dieses Gesamtpaket gibt es bei Borgward für 44.200 Euro käuflich zu erwerben. Für diese Summe bieten die Stuttgarter ein SUV des C-Segments: designed in Germany, made in China. Ob das die durchschnittlichen SUV-Käufer überzeugen kann, bleibt abzuwarten. Gerade mit dem Anspruch ein Premiumprodukt zu verkaufen wird es Borgward schwer haben. Die Wettbewerber sind sehr stark und bieten Fahrzeuge mit heutzutage üblichen Features wie einem Spurhalteassistenten, Anhängerkupplung und beispielsweise einem schnellen Infotainmentsystem an.
Bleibt die Frage wie unverwechselbar der neue Borgward nun ist. Seine Merkmale, ob äußerlich oder innerlich, lassen nicht zwingend auf eine bestimmte Markenidentität schließen, noch besitzt er Alleinstellungsmerkmale, die ihn von der Masse abheben. Bleibt also der prestigeträchtige Name. Ob dieser für willige Kaufbereitschaft sorgt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Alle Fotos: Hersteller

Moovel – So geht Ridesharing

In einem futuristischen Berliner Loft, inklusive Spreeblick, standen die Moovel-Mitarbeiter rund um Dr. Randolf Wöhrl, Head of Strategic Partnerships, Rede und Antwort. Die Idee des flexiblen, bedarfsgerechten Verkehrs (Dynamic on-demand Ridesharing) ist nicht neu und bereits durch das VW-Projekt Moia aus Hannover bekannt. Die Konzepte sollen in den Innenstädten der Zukunft die Lücke zwischen öffentlichem Nahverkehr und Taxidiensten  schließen.

Es ist doch jedes Mal das Gleiche: Wie kommt man um diese Uhrzeit noch nach Hause?

Wer kennt es nicht? Man wollte eigentlich nur kurz auf einen Plausch zu Freunden und es wurde mal wieder etwas später. Mit zu wenig Bargeld für ein Taxi und keinem eigenen Fahrzeug in der Nähe muss somit die Heimreise via öffentlichen Personennahverkehr angetreten werden. Selbst in Städten wie Berlin, in denen das ÖPNV-Netzwerk sehr gut ausgebaut ist, gibt es dennoch hier und dort sogenannte „weiße Flächen“, in denen der Taktverkehr der öffentlichen Nahverkehrsbetriebe nur sporadisch auftritt. Genau hier kommt Moovel ins Spiel. Bewaffnet mit dem Smartphone lässt sich über die hauseigene App ein Shuttle bestellen. Shuttle bestellen?! Zugegebenermaßen klingt das nicht sehr innovativ, aber der Clou ist das Konzept des „Dynamic on-demand Ridesharing“. Um die Reise zu starten wählt man eine der zahlreichen virtuellen Haltestellen, die Moovel selber vorgibt, die aber stets in fußläufiger Entfernung liegen. Gibt es nun noch weitere Mitfahrer, die eine ähnliche Strecke fahren möchten, erkennt der Moovel-Algorithmus dies und bündelt die Mitfahrer – „Pooling“. Dadurch, dass sich mehrere Mitfahrer ein Fahrzeug teilen – „Ridesharing“, bietet dieses Konzept eine ökonomischere Alternative zum Taxi und schont gleichzeitig die Umwelt. Die künstliche Intelligenz berechnet für jeden individuell für jeden Mitfahrer die optimale Start- und Endhaltestelle, sowie die jeweilige Fahrt- und Ankunftszeit. Um schnellstmöglich von A nach B zu gelangen, werden die Routen laufend mit Echtzeitdaten aus dem Straßenverkehr und dem ÖPNV-Netz gefüttert. Als würde das nicht schon ausreichend sein, kann der Algorithmus eine Nachfrageprognose treffen. Hierfür bündelt er ähnliche Fahrtwünsche und ermöglicht somit eine effiziente und prädiktive Flottensteuerung.

Mobilität on-demand in Zusammenarbeit mit den Verkehrsbetrieben

Aktuelles Ziel von Moovel ist es, den Stuttgartern ein besseres ÖPNV-Angebot, vor allem in Gebieten oder zu Zeiten zu ermöglichen, die mit bisherigen Angeboten nicht ausreichend erschlossen sind. Die Daimler Tochter arbeitet bereits seit 2012 sehr eng mit der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) zusammen, um zusätzlich eine Tarifintegration und Intermodalität gewährleisten zu können. Einen ersten sechsmonatigen Test in der Stuttgarter City konnte man mit 20.000 Mitfahrern als Erfolg verbuchen. Gestärkt durch das Ergebnis wurde am 1.Juni das neue Angebot SSB Flex initiiert.

SSB Flex schließt die Lücke zwischen ÖPNV und Taxi. Es bietet auf der Basis einer multimodalen App zusätzliche intermodale Fahrten in Stuttgart an. Die Fahrgäste können mit dem Flex-Shuttle bequem zur nächstgelegenen ÖPNV-Haltestelle gelangen, um einen Weg direkter oder früher zurückzulegen oder um den Weg zwischen Haltestelle und Haustür bequemer zu gestalten.

Ausblick in die Zukunft

Zurück ins Berliner Loft. Dort führt Dr. Randolf Wöhrl während des eineinhalbstündigen Events in die Moovel-Welt ein. Markus Lehmann, Software Architekt und Verantwortlicher für die Künstliche Intelligenz, die hinter dem Moovel-on demand Algorithmus steht, führt auf welche Vorteile die KI gegenüber dem Menschen hat und wie Moovel dies zu seinem Vorteil nutzt. Abschließend gibt Dr. Ilja Radusch, Leiter Automotive Services und Communication Technologies des Frauenhofer Institut FOKUS, einen Einblick in die mögliche Zukunft der Mobilität in den vernetzten und automatisierten Städte von Morgen. Zurzeit wird im Berliner Stadtteil Reinickendorf auf einem digitalem Testfeld die präzise Umweltwahrnehmung und Lokalisierung im Stadtverkehr erprobt.

Wie im Endeffekt die Zukunft aussehen wird, bleibt abzuwarten. Was allerdings gewiss ist, ist der im Zuge der Urbanisierung weiter steigende Personenverkehr in den Ballungszentren. Dies bedeutet vor allem für den öffentlichen Nahverkehr eine große Herausforderung. Hier bietet Moovel mit seiner App und seinem Algorithmus eine zukunftsorientierte, mögliche Lösung – die effiziente Verbindung verschiedener Mobilitätsangebote.