Niklas Krütten: Der junge Kart-Racer im Kurz-Interview

Es gehört schon eine gehörige Portion Mut und Selbstbewusstsein dazu, um als einer der jüngsten Fahrer in einem Feld von mehr als 30 Racern Nervenstärke zu behalten. Niklas Krütten ist gerade mal 12 Jahre jung und fährt gegen international ambitionierte und erfahrene Karter, die im Durchschnitt knapp zwei Jahre älter sind als er. Niklas, der junge Wilde aus Trier, bringt die besten Voraussetzungen, um einmal ganz groß auf der Motorsport-Bühne mitzumischen. Denn er hat bereits mehrfach bewiesen, dass er neben Talent auch die Ausdauer und die Speed sowie das technische Verständnis mitbringt. Außerdem hat er sich als Rookie bereits erfolgreich auf internationalen Spitzenevents behauptet, bei denen bis zu 90 der weltweit Besten Karten antraten. Regelmäßig zieht er hier in die Finale der Top-30 ein.

Wir haben Niklas zum Kurz-Interview gebeten und auch hier zeigte sich schnell, dass er sich von anderen unterscheidet.

Welches sind Deine Lieblings Kartstrecken?
Der Schweppermannring in Ampfing und der Adria International Raceway.

Hast Du ein Ritual bevor Du ins Kart gehst?
Ich versuche immer vor dem Start zu relaxen, mit geschlossenem Visier, Händen im Schoss und Füße auf den Pedalen.

Was fasziniert Dich so am Kartsport?
Die pure Geschwindigkeit und der direkte Zweikampf.

Wer ist Dein Vorbild und warum?
Sebastian Vettel, weil er nie aufgibt und immer das Beste aus jeder Situation rausholt, weil er trotz des Erfolgs ein ganz normaler und netter Typ geblieben ist.

Welche Person möchtest Du gerne mal für einen Tag sein und warum?
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, weil ich dann den Autoführerschein ab 13 einführen könnte.

Wo siehst Du Dich in fünf Jahren?
Rennfahrer in der Formel 3 oder der GP2.

Welche Musik hörst Du gerne?
Cro, Sunrise Avenue und aktueller Hip-Hop.

Was ist Dein Lieblings-Modestück?
Sneakers aller Art und in allen Farben.

Wie oft trainierst Du pro Woche und was motiviert Dich?
Entsprechend meinem Trainingsplan von ProPerformance jeden Tag und davon dreimal die Woche intensiv mit Trainer. Körperliche Fitness und Kraft an den richtigen Stellen sind Voraussetzung für Erfolg.

Und zum Schluss…beschreibe Dich in drei Worten.
Witzig, hilfsbereit und manchmal ganz schön dickköpfig.

Vielen Dank Niklas und weiterhin viel Erfolg. Das Interview führte Jasmin Müller.

Motorsport hautnah: Ein neuer Shootingstar am Karthimmel

Die letzten beiden Wochen waren für den jungen Kart-Fahrer Niklas Krütten sehr aufregend. Die Teilnahme des 12-Jährigen an einem Lauf der CIK FIA Europameisterschaft im schwedischen Kristianstad war ein Test für das kommende Jahr und markierte einen weiteren Meilenstein in der aufstrebenden Karriere des jungen Kartfahrers. Zuletzt zeigte er beim DKM Meeting in Ampfing, dass er als einer der jüngsten Fahrer im Feld trotzdem mit den ganz Erfahrenen mithalten kann – ein Top-10 Ergebnis unterstrich dies.

Der junge Wilde bei der Europameisterschaft in Schweden

89 Top-Fahrer aus 31 Nationen waren für den Event in Schweden gemeldet und mittendrin der junge Wilde aus Trier. Doch dass er einer der jüngsten am Start war, schreckte Niklas nicht ab. In der KF-Junior-Wertung beeindruckte er gleich in der ersten Session mit Platz 14 von 30 in seiner Trainingsgruppe. Am Qualifikationstag wurde Niklas der dritten Gruppe zugeteilt und hatte somit den Nachteil als einer der letzten, erst abends, bei abkühlender Strecke seine Zeit fahren zu müssen. Doch trotzdem schaffte er es auf einen Gesamtplatz von 54 und seine Speed war gut eine Sekunde schneller als noch tags zuvor.

Nach dem morgendlichen Warm-Up und Platz 11 war Niklas am Samstag guter Dinge für die anstehenden vier Vorläufe. Diese sollten allerdings zum Lotteriespiel werden. Das Wetter wechselte viertelstündlich und es war alles andere als eine leichte Aufgabe, das richtige Set-up zu finden. Die Gesamtausbeute aus den Vorläufen war trotz der widrigen Umstände ansehnlich, mit den Plätzen 18, 20 und 13 von jeweils 30 Teilnehmern.

Trotz eines ersten Platzes im Warm-up kam es dann doch nicht zu dem Einzug ins Finale, denn gerade mal drei Plätze haben dem Trierer zu seinem Glück gefehlt. Trotz des verpassten Finaleinzugs wird Niklas diesem EM-Lauf in bester Erinnerung behalten, denn als Rookie und jüngster Starter in dem durchschnittlich 1-2 Jahre älteren Gesamtfeld konnte er auf Anhieb einige international erfahrene „Routiniers“ hinter sich lassen. „Erstes Mal EM, neue Strecke, neue Reifen, super harte Konkurrenz und das Finale knapp verpasst, da kann man eigentlich zufrieden sein.“

 

Ein verdienter 10. Platz nach Aufholjagd

Bereits drei Tage nach seiner starken Premiere bei der CIK FIA Europameisterschaft im schwedischen Kristianstad, ging es für den 12-jährigen Kartfahrer Niklas Krütten bereits an die nächste Aufgabe. Im bayerischen Ampfing fand der dritte Lauf zur Deutschen Kart Meisterschaft statt und der Rookie aus Trier überzeugte bei schwierigen Bedingungen mit einer eindrucksvollen Vorstellung.

Im Qualifying am Samstagmorgen stellte Niklas seine starke Form auch gleich mit Platz 14 unter 39 international erfahrenen Startern aus neun Nationen unter Beweis. Trotz eines vielversprechenden Auftakts, musste Niklas Krütten aufgrund der unverschuldeten Probleme in den Vorläufen am Samstag, erst einmal in den Hoffnungslauf am Sonntag, um sich für die Finalteilnahme zu qualifizieren. Trotz vorhergesagtem, sommerlichem Wetter zogen am Sonntag dann auch noch dicke Regenwolken über das bayerische Land, die für ständig wechselnde Streckenbedingungen sorgten.

Von Platz Drei ging es bei Dauerregen für Niklas in den Hoffnungslauf, den er mindestens als Sechster beenden musste, um sich für die Finalläufe zu qualifizieren. Und das sollte nicht schwer werden! Der junge Racer blieb auch auf nasser Piste cool und spielte seine fahrerischen Qualitäten aus. Nach gut durchdachten Überholmanövern lag er bereits in Runde Fünf an erster Stelle und kam am Ende souverän, mit einem Vorsprung von über fünf Sekunden, vor dem Rest des Feldes ins Ziel.

Damit war die Finalteilnahme gesichert und es ging von Platz 28 in das insgesamt 36 teilnehmerstarke Starterfeld des Pre-Finals. Bei weiterhin nassen Streckenbedingungen stellte Niklas seine fahrerischen Qualitäten im Regen erneut zur Schau. Schon unmittelbar nach dem Start hatte er Plätze gut gemacht und bewegte sich konsequent durch das Feld nach vorne. Zwei unverschuldete Kollisionen nach Blocken durch signifikant langsamere Mitstreiter, warfen Niklas am Ende wieder zurück und er kam nur als 26. über die Ziellinie.

Von Platz 26 ging es dann auch in den abschließenden Finallauf über 19 Runden. Bei abtrocknenden Streckenbedingungen ging das Team von Niklas volles Risiko und fuhr eine andere Set-up-Abstimmung als viele andere Fahrer im Feld. Niklas gewöhnte sich schnell an das neue Set-up und nutzte das Potenzial seines Karts trotz Start auf der ungünstigen Außenlinie voll aus. Runde um Runde schnappte sich der 12-jährige Rookie die vor ihm liegenden, international routinierten Kontrahenten mit einem coolen Kopf. Am Ende machte er 16 Plätze gut und beendete das Finale auf einem hervorragenden 10. Platz.

„Mit dem Pech am Vortag bin ich natürlich mehr als happy mit dem zehnten Platz. Vom reinen Speed her wären sowohl im Trockenen als auch im Nassen ein noch deutlich besseres Ergebnis möglich gewesen“, so Niklas nach dem Wochenende. „Sowohl was die Rundenzeiten als auch das taktische Verhalten im Rennen angeht, habe ich dank der fantastischen Betreuung durch mein Team, Forza Racing, weiter Fortschritte gemacht und ich freue mich schon sehr auf die nächste Runde.“

Mitfahrt: Das Safari-Ungeheuer im Dauner Urwald

Es gibt Momente im Leben, da trifft man auf etwas und ist einfach fasziniert. Und wenn dies dann auch noch eine fahrende Legende ist wie der Nissan 240RS, der im selben Jahr zusammengeschraubt wurde, in dem ich das Licht der Welt erblickte, dann stehen sich zwei Aug-in-Aug gegenüber. So passiert am vergangenen Wochenende beim Eifel Rallye Festival in Daun – einem Festival, das Generationen vereint.

Obwohl ich 1985 noch viel zu klein war, um das Aussterben der Gruppe B Rallyeweltmeisterschaft mitzuerleben, so kam ich doch sehr früh durch meine Liebe zum Motorsport an die Klassiker von damals. An die wahren Rennmaschinen, in denen einfach das Auto und der Pilot um Sieg oder Niederlage entschieden. Keine hochkomplizierten Techniken und politische Entscheidungen den Kampf ums Podest bestimmten.

Nissan fuhr die erste Safari Rallye der Gruppe-B-Zeit mit dem neuen Typ 240RS im Jahr 1983. Während die Werkswagen von Mike Kirkland (Chassis 006) und Shekhar Mehta früh durch Motorschäden ausfielen, führte der dritte von Timo Salonen die Rallye bis kurz vor dem Ziel an, ehe auch sein Motor kaputt ging. Im folgenden Jahr wurde Chassis 006 als Chase Car (schnelles Servicefahrzeug) eingesetzt, ehe er an Ashok Patel verkauft wurde. Der Kenianer war bei der Safari 1985 mit Platz neun bester Privatfahrer.

Genau dieser Nissan mit dem Chassis 006 wurde von dem jetzigen Besitzer, Achim Loth, im Jahre 2008 von Kenia nach Deutschland geholt und seither komplett über fünf Jahre restauriert. Keine leichte Aufgabe für den Schweizer, denn wie viele andere Rallyefahrzeuge von damals schien auch der 240RS wie vom Erdboden verschwunden zu sein und Ersatzteile waren kaum erhältlich. Doch zum Glück war der Wagen fast komplett, denn bei gerade mal 200 sportlichen Ablegern des Nissan Silvia bedeutete jedes fehlende Teil eine Neuanfertigung. Doch trotzdem mussten einige Blech- und Motorenteile und verschiedene Kleinsteile eigens für den 240RS angefertigt werden.

Seit 2014 ist der Nissan nun wieder einsatzbereit und nahm im letzten Jahr auch das erste Mal bei der Eifel Rallye Meisterschaft teil. Und so kam ich nun am letzten Freitag ins beschauliche und idyllische Daun, um mir das Ganze mal aus der Nähe anzusehen. Niemals hätte ich diesen Auflauf an Menschen erwartet, diesen bunten Mix an Autofans, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und keiner hatte mich vorgewarnt, welch fantastischen Autos dort einfach so mal eben auf dem „Marktplatz“ stehen. Auf meiner Runde entdecke ich den Audi Quattro, einen Opel Ascona 400 und den unverkennbaren Lancia Delta Integrale. Und dann stehe ich vor ihm: Mit einem treuen Blick schaut er mir entgegen und ich bin gefesselt. Welch schönes Rennauto! Und mit 32 Jahren noch sehr gut in Schuss!

Nach einer kurzen Einweisung in die Technik und die Besonderheiten des Fahrzeuges fahren wir im Konvoi an den Treffpunkt für die Mitfahrten. Ich bin als Zweite dran und warte geduldig am Straßenrand in einer „Haarnadelkurve“, was als nächstes passiert. Mit einem Schlag wird die Stille des Dauner Waldes gebrochen. Mit Donner und Grollen bahnt sich an, was man kurze Zeit später live sieht. Das Getriebe knarrt beim Gangwechsel, die Reifen quietschen, es raucht und qualmt, und der Nissan 240RS spurtet den Berg hinauf – Gänsehautfeeling inklusive. Wie wird dann erst die Mitfahrt?

Als ich im engen Schalensitz Platz nehme, mir wie früher die Kopfhörer aufsetze, die Gurte festzurre, wird mir schon ein bisschen flau im Magen. „Der Sitz ist das einzige nicht originale Teil, früher war hier ein Klappsitz, aber heutzutage geht Sicherheit vor“, erklärt mir Achim, bevor er auch schon den ersten Gang eingelegt hat. Der übrigens beim Rechtslenker unten links ist, um das Ganze noch zu verkomplizieren.

Während das Auto sonst über afrikanische Steppen jagte, musste sich das Safari-Ungeheuer mit einer asphaltierten Serpentinenstraße außerhalb von Daun begnügen – aber das war dennoch Spaß pur.

Auch wenn wir ab und zu abbremsen müssen, da wir auf Verkehr auflaufen, man, ist das ein Wahnsinnsgefühl ! Es ist kein Motorenlärm, nein, es ist Musik in den Ohren. Es scheint die Sonne, die Vögel zwitschern im Wald und mittendrin dieses Ungetüm, dass mit seinen 1000 kg keinerlei Probleme hat, den Anstieg in die Wälder hochzupeitschen. Komischerweise blieb ich mal ganz stumm während der Mitfahrt, was bei mir selten der Fall ist. Und als es vorbei war, hatte ich Herzklopfen und ein riesiges Strahlen im Gesicht. Was für ein Auto! Hier beherrscht noch das Talent des Fahrers das Auto, nicht umgekehrt. Hier muss der Fahrer das Auto im Griff haben, sonst liegt man in der nächsten Böschung auf dem  Dach. Hier erlebt man wahren Rennsport und fragt sich dennoch, die Typen von damals müssen doch einfach verrückt gewesen sein.

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Dass die „Typen“ von damals nicht nur verrückt, sondern auch unheimlich charismatisch und witzig waren, beweist mir kurze Zeit später Mike Kirkland, der mir in einem astreinen Oxford-Englisch Rede und Antwort zu seiner Karriere und dem Nissan steht.

„Es ist einfach fantastisch, mein Auto wieder zu sehen und vor allem die ganze Arbeit, die Achim und die Jungs da reingesteckt haben. Wenn du mich fragst, ist das haargenau das Auto, mit dem ich vor 32 Jahren bei der Rallye an den Start ging. Ich sehe einfach keinen Unterschied zu damals.“

Was macht für Sie die Faszination Rallye-Sport aus?
„Motorsport ist mein Leben, das ist das, was ich liebe! Ich nahm an 90 Safarirallyes teil und an vielen weiteren, wie etwa in Zypern, Hongkong, Beijing. Ich hatte das schönste Leben, das man sich vorstellen kann. Wenn ich den Sport in meinem Alter noch ausführen könnte, würde mich nichts davon abhalten, aber ich bin jetzt einfach nicht mehr schnell genug. Die letzte Rallye, an der ich teilnahm, war 2006 in Südamerika. Das waren 30 unheimlich spannende und tolle Tage und das beste am Motorsport ist: man trifft wirklich die besten Menschen auf der Welt.“

Wie finden Sie das Eifel Rallye Festival?

„Ich finde diese Veranstaltung einfach nur gigantisch. Ich sehe hier so viele Autos, gegen die ich früher angetreten bin. Es sind hier so viele, von denen ich die originalen Autos kenne und mit den Fahrern nach wie vor befreundet bin.“

Würden Sie gerne ein Rallye Auto aus der heutigen Zeit mal fahren?
„Nein, ich weiß, dass ich jetzt nicht mehr schnell bin. Ich bin jetzt 68 Jahre alt. Aber damals im Jahr 2006 saß ich das erste Mal seit 13 Jahren wieder in einem Rallye Auto und wir belegten den zweiten Rang. Und sogar ich war sehr überrascht darüber, wie stark wir noch waren.“

Schade, dass ich leider schon nach einem Nachmittag wieder fahren musste, aber das Team hatte eine tolle Rallye und wurde zudem mit dem Preis für das Auto mit dem besten Original-Zustand ausgezeichnet. Ich werde dieses unbeschreibliche Erlebnis so schnell nicht wieder vergessen. Danke Nissan. Danke Mike Kirkland.

 

Text und Interview: Jasmin Müller
Fotos: Bernd Schweickard, Stefan Deck