Audi S3 Limousine S tronic in Daytonagrau-Perleffekt

Fahrbericht: Audi S3 Limousine

Audi möbelt die A3-Baureihe auf und verpasst Dreitürer und Sportback sowie Limousine und Cabriolet ein dickes Technik-Update. Optisch ändert sich dagegen wenig. Aus nostalgischen Gründen habe ich mir die Audi S3 Limousine geschnappt; und weil ich auf den Hobel einfach stehe. Fahrbericht.

Audi S3 Limousine S tronic in Daytonagrau-Perleffekt

Da ich mich nicht lang mit Selbstzündern oder Dreizylindern abgeben mochte, griff ich zu einem neuen alten Bekannten: der Audi S3 Limousine. Abermals musste es das formschöne Stufenheck in Daytonagrau-Perleffekt sein.
Ich hab’ da eine ausgeprägte Schwäche für diese Ausführung.

Audi S3 Limousine S tronic in Daytonagrau-Perleffekt

Erst kürzlich habe ich meine Erinnerungen an die 2013er S3 Limousine Revue passieren lassen – quasi in Vorbereitung auf die aktualisierte Fassung. „Modellaufwertung“ nennen die Ingolstädter die landläufig Facelift genannte Auffrischung einer Modellreihe zur Mitte ihres Lebenszyklus. Wie bei Audi üblich, finden die großen Veränderungen weniger in der Optik ihren Niederschlag als vielmehr in der Technik. Und hier erbt der überarbeitete A3 eine Menge vom TT, A4 oder Q7.

Zaghafte Evolution im Design & großes Technik-Update

Audi S3 Limousine S tronic in Daytonagrau-Perleffekt

Am Exterieur tat sich wenig. Das Blechkleid blieb unangetastet, allein einige Kunststoffanbauteile erfuhren leichte Retuschen. Einerseits macht das die Modellpflege kostentechnisch überschaubar, andererseits erlaubt das Redesign der Stoßfänger unter anderem eine leichte Modifikation des Singleframe-Grills sowie neu geformte Scheinwerfer.
Die Rückleuchten erhielten eine neue Grafik.

2016 Audi A3 S3 Limousine 8VS 2.0 TFSI S tronic quattro Daytonagrau-Perleffekt Heckansicht Wald Mario von Berg

Im Interieur bleibt alles wie gehabt – zum Glück. Denn das ein- und ausfahrbare MMI-Display, das ab sofort zum Serienumfang gehört, hätte ich schwerlich vermisst. Auffälligste Neuerung ist das optionale virtual cockpit. Auch im S3 beeindruckt das volldigitale Kombiinstrument mit schöner Schärfe und knackigem Kontrast. Dabei halte ich das virtual cockpit für eine nette, jedoch vernachlässigbare Spielerei. Ein konventionelles KI tut’s auch.

Interieur der Audi S3 Limousine S tronic

Vorbildlich: Während Mercedes-Benz für A-, CLA- und GLA-Klasse und BMW für den 1er und 2er serienmäßig lediglich Halogen-Scheinwerfer verbauen, setzt Audi im Kompaktsegment auf Xenon-Brenner in der Grundausstattung. Das verstehe ich nicht nur als premium, sondern im Sinne der Sicherheit als sinnvoll und überfällig. Auf Wunsch gibt es LED- oder erstmals auch Matrix-LED-Scheinwerfer. Der Audi S3 ist immer mit LED unterwegs.

Audi S3 Limousine S tronic in Daytonagrau-Perleffekt

Lediglich einen meiner drei Hauptkritikpunkte am S3 hat Audi getilgt. Die Seitenschweller wirken nach wie vor wie ein Fremdkörper und die Schaltpaddles kommen noch immer in billig anmutendem Plastik daher. Hier wäre eine konsequentere Umsetzung des eigenen Premiumanspruchs angebracht.

Dynamikwertung auf der Piste

Mein größter Kritikpunkt dagegen ist erfolgreich ausgemerzt: das Doppelkupplungsgetriebe S tronic. Technisch stehen uns nun sieben statt sechs Gänge zur Verfügung, statt zweier Trocken-  verrichten jetzt Nasskupplungen das Sortieren der Gangstufen. Auf dem Fahrersitz kann es mir jedoch egal sein, wie viele Gänge der Doppelkuppler verwaltet oder ob die Kupplungen in Öl baden. Viel wichtiger ist, ob das neue Getriebe seiner Arbeit geflissentlicher nachgeht als das Vorgänger-DSG.
Und ja, das tut es in der Tat.

Im Automatikmodus schaltet die S tronic gewohnt flott die Schaltstufen rauf und runter, untermalt Gangwechsel mit künstlichem Geboller aus dem Sound-Synthesizer. Optimal läuft das zwar noch immer nicht, aber Verbesserungen im Schaltverhalten sind spürbar. Und der zusätzliche siebente Gang hält den Sprit-Durst im Zaum.

Wirklich nachhaltige Optimierung erfuhr das DKG im manuellen Schaltmodus. Zwar grätscht die Elektronik immerfort rein, wenn Du hochdrehst und lässt Dich nicht in den Begrenzer jagen, aber die Reaktionsschnelligkeit bei der Umsetzung von Schaltwünschen ist endlich auf landstraßentauglichem Niveau. Per Zupfer an der Schaltwippe wird unter Zug die nächste Schaltstufe rasend schnell eingeklinkt, um den Vortrieb beinahe ohne Zeitverlust fortzusetzen. Auch das Runterschalten Gang für Gang beim Anbremsen vor der Kurve haben die Ingolstädter deutlich optimiert. Endlich kommt im manuellen Modus der Fahrspaß auf, den ich beim Vorgänger mit seiner 6-Gang-S tronic noch vermisste.

Das infantile Endrohr-Geblubber dagegen ist in seiner Künstlichkeit und dünnen Plärrigkeit nicht wirklich überzeugend. Witzigerweise zeigen die Top-Diesel von Audi,  wie gut künstlich generierter Sound klingen kann. Im S3 klingt’s synthetisch, dünn, fühlt sich fremd an.
Und noch so eine Spielerei: Der neue A3 darf optional auch dynamisch blinken.

Audi S3 Limousine 2016 – Fazit

Audi S3 Limousine S tronic in Daytonagrau-Perleffekt

Die neue Audi S3 Limousine hat sich im Wesentlichen kaum verändert. Ein wenig mehr Leistung (vernachlässigbar), neues Licht-Design (Geschmackssache) und ein neues Getriebe (spürbare Verbesserung) sowie großflächige Technik-Updates kennzeichnen die Überarbeitung des Audi A3 8V.

Wie üblich, wurde an Details gefeilt. Lobenswert sind das serienmäßige Xenon-Licht sowie MMI-Display. Auf virtual cockpit, dynamische Blinker und Retorten-Sound kann ich persönlich verzichten.

2016 Audi S3 Limousine schwarz weiss

Wer sich für einen Audi S3 interessiert, sollte sich dessen bewusst sein, dass sich der S3 – ganz Gentleman – keine groben Schnitzer oder Patzer erlaubt. In gewohnter Audi-Manier wird mit der Audi S3 Limousine eine beinahe bis zur Perfektion gereifte Sport-Limousine feilgeboten.

Symptomatisch ist, dass selbst die deutlich verbesserte S tronic zwar dem Fahrspaß dienlich ist, es jedoch nicht schafft, gesteigerte Emotionalität aufkommen zu lassen. Auch nach der Modellpflege bleibt der Audi S3 der sachlich kühle, technoide wie souveräne Nadelstreifen-Sportler. Das muss man mögen.

Audi S3 Limousine S tronic in Daytonagrau-Perleffekt

Text: MvB
Fotos: MvB
SW-Foto: Tom Schwede
#BDBB Blogger Day Bilster Berg 2015

#BDBB: Blogger Day Bilster Berg – Eine Horde Blogger auf der Piste

#BDBB Blogger Day Bilster Berg 2015

Bilster Berg. Wer auch nur ein wenig aufs Auto abfährt, dem glänzen in freudiger Erwartung die Augen. Organisator Jens Stratmann hatte gerufen. Der Berg, der Bilster Berg, rief auch. Am 1. April 2015 sollten 20 Blogger und Petrolheads zusammenkommen und die Strecke des Bilster Berg Drive Resorts entern. Und das war kein April-Scherz.

Eine Schande, dass es so lang dauern musste, bis mein Geschwurbel über den #BDBB online geht. Der Blogger Day Bilster Berg mag schon einige Monate her sein, aber Faszination und Fahrspaß kennen kein Verfallsdatum.

2015 #BDBB Blogger Day Bilster Berg

Per aspera ad astra – Die Anreise

Von Berlin aus machte ich mich mit dem Suzuki Swift Sport auf den Weg nach Bad Driburg – von Ost nach West, mitten durch den damals wütenden Orkan Niklas. Da ich meine Winterreifen auf der Strecke nicht runterraspeln wollte und die Temperaturen ohnehin konstant über 0° lagen, entschloss ich mich, die Räder zu wechseln. Klar, wenn schon auf den Track, dann gefälligst mit Sommerreifen. Doch schon am Nachmittag, als ich mich am 31. März aufmachen wollte, zeigten Niklas’ Vorboten, was uns wettertechnisch erwarten sollte: Regen, Hagel, Schnee.

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Toyota RAV4 Hybrid

Im Fahrbericht: Der neue Toyota RAV4 Hybrid

Toyota hat die seit 2013 erhältliche vierte Generation des RAV4 überarbeitet und führt erstmals für den RAV4 eine Hybrid-Variante ein. Besser spät als nie.

Toyota treibt die Hybridisierung der eigenen Modellpalette voran und positioniert den RAV4 Hybrid als Top-Modell der 4. RAV4-Generation. Das ist gewagt, aber konsequent. Die Rolle des Diesels wird minimiert, der Benziner weiterhin stiefmütterlich behandelt. Der Weg ist also geebnet für den Hybriden.

Erste Fahrt mit dem neuen Toyota RAV4 Hybrid

Exterieur & Interieur

Über die Optik ließe sich streiten – oder eben nicht, wie das mit Geschmäckern so ist. Für mich ist der RAV4 mit der Modellüberarbeitung optisch gereift. Er wirkt verjüngt, moderner, im Rahmen der Möglichkeiten eines SUVs eleganter. Die Front wurde umfangreich überarbeitet und neu modelliert. Sie wurde geschärft und erscheint prägnanter. LED-Scheinwerfer gibt’s beim Hybrid serienmäßig obendrauf.

Toyota RAV4 Hybrid Frontalansicht

Am Heck fallen die Retuschen etwas sparsamer aus. Die neuen Rückleuchten in LED-Technik werten das Heck auf und erinnern mich an den jüngst aufgefrischten Lexus GS.

Auch im Interieur wurde der RAV4 aufgewertet. Es kommen neue Materialien zum Einsatz, Qualitätsanmutung sowie Haptik seien verbessert worden. Die durchgehend blaue Beleuchtung von Kombiinstrument und diversen Schaltern greifen das blaue Hybrid-Thema von Toyota auf.

Toyota RAV4 Hybrid Interieur

2AR-FXE – Der Antrieb

Wir können von Glück reden, dass der bekannte 1.8er 70-kW-Verbrenner aus Prius und Auris Hybrid nicht zum Einsatz kommt. Der wäre mit den mindestens 1.625 Kilogramm Leergewicht des RAV4 Hybrid überfordert. Stattdessen gibt es einen 2.5-Liter-Vierzylinder, der im Atkinson-Zyklus arbeitet und an einen 105-kW-Elektromotor gekoppelt ist.

Toyota RAV4 Hybrid Heckansicht

Mit dem 2AR-FXE kommt unter der Bughaube ein ähnlicher Antriebsstrang wie im Lexus IS 300h oder GS 300h (2AR-FSE) sowie der identische Strang aus dem Lexus NX 300h oder dem aktuellen Toyota Camry Hybrid zum Einsatz. Letzterer ist in Europa leider nicht erhältlich. Optional wird der RAV4 Hybrid in der Allrad-Version e-Four angeboten, der mittels eines weiteren E-Motors an der Hinterachse realisiert wird.

Toyota RAV4 Hybrid – Auf Fahrt

Fahrerisch präferiert der RAV4 Hybrid das gemütliche Cruisen und Gleiten; am liebsten in der Stadt, wo er besonders oft rein elektrisch unterwegs ist und durch häufiges Stop&Go viel rekuperieren kann. Mir scheint der RAV4 Hybrid das ideale SMV zu sein – Soccer Mum Vehicle.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Heckansicht seitlich

Wer in der Stadt unterwegs ist, das Fahrpedal streichelt und ihm maximal die Zwei-Drittel-Stellung antut, erlebt angenehm zügiges Vorankommen ohne Lärmbelästigung. Das teils anstrengende hohe Drehzahlniveau, das für zügiges Vorankommen gehalten wird, liegt nun nicht so schnell und häufig an. Insgesamt führt das zu entspannterem Fahren. Das Hybrid-Gefährt bewegt sich flott, tut dabei nicht weh und ist genügsam im Verbrauch. Für städtisches Geplänkel sieht der RAV4 Hybrid auch ganz hübsch und bullig aus.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i Kombiinstrument

Mithilfe der simulierten Gangstufen des stufenlosen CVT-Getriebes lässt sich die Motorbremse zum Rekuperieren nutzen, je nach Pedalstellung lässt sich bis zu einem Tempo von 70 km/h rein elektrisch dahingleiten. Mit ein wenig Sensibilität lassen sich sowohl in der Stadt als auch außerorts Verbräuche deutlich unter sechs Liter erzielen.

Wer es dagegen dynamischer mag, muss in vielerlei Hinsicht Abstriche machen. Der Hybrid-Antrieb mag geeignet sein, seinen Fahrer zu effizienterem Fahren zu erziehen. Das funktioniert in der Praxis auch wirklich gut. Wer den Umstand ignoriert, gerade einen Hybriden zu bewegen, der mag sich am hochdrehenden Sauger stören – auch wenn dieser akustisch zurückhaltender agiert als etwa im Auris Hybrid oder Yaris Hybrid.

Allerdings war auf kurvigem Geläuf deutlich zu spüren, dass der RAV4 von Dynamik nicht allzu viel hält. Die zu weiche Fahrwerksabstimmung und die etwas gefühllos geratene Lenkung sowie der hohe Schwerpunkt, der zu unschönen Wankbewegungen führt, schmälern das Fahrerlebnis auf der kurvigen Landstraße. Zu früh gerät der RAV in den Grenzbereich und darüber hinaus, um von der Fahrdynamikregelung zurechtgestutzt zu werden.

Symptomatisch ist dabei auch, dass bei stärkerem Anbremsen die Warnblinkanlage aktiviert wird oder das ABS bei einer Gefahrenbremsung überfordert wirkt. Insbesondere letzteres führte in einer leichten Rechtskurve zu hässlichem Schieben und Untersteuern. Vom Allradantrieb war kein Vorteil in Sachen Traktion, Sicherheit oder Kurvenstabilität zu spüren. Hier hatte ich mir deutlich mehr erwartet.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Seitenansicht

Selbstverständlich entspricht dieser etwas zackigere Fahrstil nicht der natürlichen Haltung eines zeitgenössischen SUV. Aber das Herantasten an den individuellen Grenzbereich eines Fahrzeugs kann Schwächen in der Abstimmung offenbaren – so wie hier. Insbesondere in kritischen Fahrsituationen wie einem Ausweichmanöver oder einer Vollbremsung können sich die eigenartige ABS-Abstimmung, die zu weiche Feder-Dämpfer-Kombination und der trotz der schweren Batterien hohe Schwerpunkt nachteilig auswirken.

Meines Erachtens sollte Toyota in puncto Fahrwerks- und ABS-Abstimmung dringend Hand anlegen. Natürlich ist der RAV4 in erster Linie komfortabel ausgelegt, allerdings darf dies nicht zu solchem Fahrverhalten führen.

Toyota RAV4 Hybrid – Fazit

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Vorderansicht

In der Stadt funktioniert der Toyota RAV4 Hybrid ganz wunderbar. Hier fühlt er sich zu Hause, allein im Urbanen erfüllt er seinen Zweck zur Gänze. Ich sehe ihn als Kindergarten-Schlachtross, mit dem Mami Kind und Kegel chauviert, Einkäufe erledigt und dabei möglichst effizient unterwegs sein möchte, ohne auf die Vorzüge eines SUVs verzichten zu müssen. In diesem Sinne betrachte ich den RAV4 Hybrid als Soccer Mum Vehicle.

Der Toyota RAV4 Hybrid lässt sich unaufgeregt und entspannt fahren. Ohne Hektik gleitet der Hybrid oftmals geräuschlos und damit lokal emissionslos durch urbanes Gelände dahin. Dagegen ist tatsächliche Geländegängigkeit nicht die Stärke des RAV – wie es sich für ein zeitgenössisches SUV geziemt. Erstmals kann und darf ein Hybrid von Toyota auch ziehen, bis zu 1.650 kg Anhängelast sind drin.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Logo

Der Toyota RAV4 Hybrid steht seit dem 29. Januar 2016 beim Händler und ist mit Frontantrieb ab 31.990 € erhältlich. Die Allrad-Variante kostet 3.000 € Aufpreis. Reichhaltig fällt für den Hybriden die Serienausstattung aus. Unter anderem gehören Voll-LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik, Geschwindigkeitsregelanlage, 7’’-Touchscreen mit Rückfahrkamera sowie das schlüssellose Zugangs- und Startsystem zum Standard.
Ganz zeitgemäß sind zahlreiche Assistenzsysteme gegen Aufpreis erhältlich.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Seitenansicht

Technische Daten

technische Daten
Toyota RAV4 2.5 Hybrid (2016)
Motorcode 2AR-FXE
Motor-Bauart R4-Ottomotor im Atkinson-Zyklus + Elektromotor | 16 Ventile | DOHC | variable Ventilsteuerung (Dual VVT-i)
Hubraum 2.494 cm³
Bohrung x Hub 90,0 x 98,0 mm
Verdichtungsverhältnis 12,5:1
max. Drehmoment 206 Nm bei 4.400–4.800 U/min
max. Leistung E-Motor (front // heck) 105 kW/143 PS // 50 kW/68 PS
max. Drehmoment E-Motor (front // heck) 270 Nm // 139 Nm
Systemleistung 145 kW / 197 PS bei 5.700 U/min
Hybrid-Batterie Nickel-Metallhydrid (NiMH)
Antriebsart Frontantrieb (optional Allrad)
Getriebe e-CVT (stufenloses Automatikgetriebe)
Beschleunigung 0–100 km/h 8,3 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h (abgeregelt)
Leergewicht 1.625–1.785 kg
zulässiges Gesamtgewicht 2.205–2.270 kg
Bereifung 225/65 R17 // 235/55 R18
Länge / Breite / Höhe 4.605 / 1.845 / 1.675 mm
Radstand 2.660 mm
Wendekreis 11,4–12,0 m
Anhängelast (gebremst) 1.650 kg (AWD) / 800 kg (FWD)
Bodenfreiheit 177 mm
Böschungswinkel vorn / hinten 19° / 22°
cw-Wert 0,34–0,36
Kofferraum-Volumen 501–1.633 l
Verbrauch gesamt 5,1–4,9 l Super
CO2-Emissionen 118–115 g/km
Tankinhalt 56 l
Effizienzklasse A+
Abgasnorm EURO 6
Grundpreis 31.990 €
Audi A4 B9 3.0 TDI quattro S line in Tangorot

Fahrbericht: Der neue Audi A4

Vor der Weltpremiere auf der IAA 2015 in Frankfurt/Main lud Audi zum Kennenlernen des neuen Audi A4 B9 nach Venedig ein. Diese Gelegenheit konnte und wollte ich mir nicht entgehen lassen – immerhin wurde der neueste Ingolstädter Mittelklasse-Spross bereits im Vorfeld kritisiert.

2015 Audi A4 B9 3.0 TDI quattro Tangorot

Natürlich würde Audi ein sehr gutes Auto auf die Räder stellen, keine Frage. Aber in puncto Design & Technologie verhieß das bisher veröffentliche Material auf Bildern und Papier Ernüchterung. Ist diese Kritik berechtigt? »Vorsprung durch Technik« – wird der Audi A4 neunter Generation diesem Claim gerecht? Unter anderem das galt es in Erfahrung zu bringen.

Am Flughafen Venedig angelangt, schlendere ich zunächst an den verschiedenen A4-Modellen vorbei.
Gut, Silber kommt schon mal nicht in frage.
Tangorot sieht schon interessanter aus. Einfaches Chrom-Doppelrohr? Ah, 3.0 TDI. Geht doch. Nehm’ ich.
Und den 2.0 TFSI quattro in Arablau, den nehm’ ich auch.
2.0 TDI wäre auch irgendwo zu banal – wie Silber.
Knallig muss es sein.

Heck des Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro S line in Arablau-Kristalleffekt

Leidiges Thema Design – neuer A4 oder nur ein Facelift?

Im Stand gab es mit Einstandszigarette noch genügend Zeit, mit Axel Griesinger das Design des neuen Audi A4 zu begutachten. Bereits der erste Eindruck offenbart sofort, dass die bisherigen Presse-Fotos dem B9 nicht gerecht werden. Damit hatte ich bereits gerechnet, erging es mir beim Audi A3 doch genauso. Erst, als der 8V vor mir stand, konnte ich das durchdachte und stimmige Design tatsächlich Wert schätzen. Er sieht aus wie der Vorgänger? Nein, ganz und gar nicht.

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW S line Arablau-Kristalleffekt in der Heckansicht

Audi A4 im S-line-Trim – Detailreiches Exterieur

Es sind viele kleine Details, die in der Summe ein Exterieur-Design ergeben, das dem Betrachter schnell klar macht, hier ist mehr als bloßes Kaschieren oder Lifting passiert. Als Beispiel sei hier die Motorhaube genannt. Diese liegt quasi überlappend auf, ragt an den Seiten über die Kotflügel, sodass kein Spalt sichtbar ist. Die entstehende Kante wird als Stilelement und Lichtkante hinter den Kotflügeln fortgeführt. Aus der hässlichen Notwendigkeit wird ein schniekes Stilelement.

Absolutes optisches Highlight sind die Matrix-LED-Scheinwerfer. Über das derzeitige Audi-Design mögen viele anderer Meinung sein, aber das Scheinwerfer-Design, das haben die Jungs und Mädels aus Ingolstadt einfach drauf. Die LED-Technik lässt viel Spielraum fürs Design und das lässt sich sehen. Ob das Facelift von Audi A1 und Audi A6, A7 oder eben der neue Audi A4 – die Scheinwerfer sind Design-Stücke.

2015 Audi A4 B9 S line Arablau-Kristalleffekt LED-Matrix-Scheinwerfer im Detail

Insgesamt bleibt der A4 nach wie vor auf den ersten Blick ein Audi. Was die einen Einheitsbrei schimpfen, ist für andere Marken-Identität. So etwa der Singleframe-Grill, der am B9 flacher, breiter und schärfer gezeichnet ist. Und dass sich Audi der identitätsstiftenden Eigenschaft dieses Merkmals bewusst ist, lässt sich an weiteren Details erkennen. Der Singleframe taucht etwa im Pralltopf des Lenkrads auf und umrahmt die vier Ringe. Feine Idee.

Piekfein – Das Interieur des neuen Audi A4

Interieur des 2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW S line

Die Parade-Disziplin bleibt das Interieur. Passend zum Arablau des Exterieurs sind die Kontrastnähte des beigen Leders in Dunkelblau gehalten. In Kombination mit dem offenporigen Eiche-Dekor möchte mir fast das Herz aus dem Busen springen. Kein in Klarlack gebadetes Wurzelholz, sondern eine leicht rauhe, strukturierte Holzoberfläche versprühen eine feine Noblesse. Dazu passen das im Chromrähmchen eingefasste Klimabedienteil sowie die darunter angeordneten Tasten. In der Mittelkonsole wirkt das Interieur damit angenehm reduziert.

Die Schaltkulisse mit dem Wählhebel als Armauflage, die Leder-Alcantara-Kombination – hier fühle ich mich schnell heimisch, ohne von zu viel Komplexität erschlagen zu werden. Erschlagen werde ich erst, wenn ich mich in die Tiefen des MMI und des virtual cockpit begebe. Beides benötigt Eingewöhnungszeit. So faszinierend und schön anzusehen die Technik auch ist, die Kombination aus großem MMI-Display, Audis virtual cockpit und dem Head-up-Display sorgt zuweilen für Informations-Overkill.

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro S line virtual cockpit

So schön und aufgeräumt alles erscheint und so sehr Armaturenbrettstreichler ihrer haptischen Genüssen frönen können – frei von Kritik ist das Cockpit des neuen Audi A4 nicht. Persönlich halte ich das freistehende Display für eine Unart. Es zerstört das stringente Cockpit-Design. Zwar sieht es nicht ganz so schlimm aus wie die Pattex-Lösung aus dem Hause Daimler – schön ist dennoch anders. Ich sehne mich nach dem versenkbaren Display im A3, A6 und A7.

Innenraum des 2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro S line

Auch liegt der Start-Knopf meines Erachtens ergonomisch ungünstig, das ist jedoch auch eine Frage der Gewöhnung. Mein größter Kritikpunkt gilt den Schaltwippen hinter dem Lenkrad. Dem großen Premium-Anspruch, den die Ingolstädter hegen, wird das Interieur gerecht – die Schaltpaddles tun dies nicht. Diese wirken geradezu billig. Mieses, leichtes Plastik. Und das gerade bei einem Teil, an dem ich unter Umständen häufiger zupfe. Hier bitte noch einmal Hand anlegen, Audi.

Audi A4 (B9) 2.0 TFSI quattro & 3.0 TDI quattro – Auf Fahrt

Audi A4 B9 3.0 TDI quattro S line in Tangorot

Beide Motoren schieben kräftig an, ziehen unangestrengt und souverän von dannen. Sowohl der 2.0 TFSI quattro mit 185 kW/252 PS als auch der große 3.0 TDI quattro mit seinen 200 kW/272 PS verfügen über Leistung im Überfluss. Innerorts geht’s in einen Kreisverkehr und mit nur mittlerer Gaspedalstellung schiebst du die Limousine wieder raus – kurzer Blick auf den Tacho, dicht gefolgt von einem Tritt aufs Bremspedal. Mit beiden Motorisierungen ist der Fahrer sehr schnell zu schnell unterwegs. Aber diese coole Lässigkeit, mit der beide Triebwerke aus dem Keller drücken, bringt Freude und beruhigt ungemein. Ich muss ja nicht immer – aber ich kann, wenn ich will.

Interieur des 2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro S line

Wer den A4 auf Landstraßen in Kurven wirft und wie ich mit meinem eckigen Fahrstil plumpe Lastwechsel provoziert, lässt sogar mal das Heck mitschwenken. Generell ist der A4 jedoch ausgesprochen ausgewogen abgestimmt. Die Lenkung macht ihren Job gut und unauffällig, lässt die A4 Limo in der Stadt ohne viel Kraft rangieren und wird mit zunehmendem Tempo direkter. Aber gerade im dynamic-Modus des drive select würde ich mir mehr Verbindlichkeit und Direktheit in der Mittellage wünschen.

Motorraum 2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW S line in Arablau-Kristalleffekt

Trotz adaptiver Dämpfer und Dynamiklenkung – großartige Unterschiede waren in den einzelnen Modi nicht spürbar. Auf die beiden Punkte könnte ich gut verzichten. Denn generell zeigt sich die Fahrwerksabstimmung sehr ausgewogen, sicher und mit einem für meinen Geschmack perfekten Kompromiss zwischen Komfort und Sport. Der A4 liegt satt auf dem Asphalt, dämpft und bügelt dabei aber fast alles weg, das einem in die Quere kommt und lässt dennoch beachtliche Kurventempi zu – auch dank des quattro-Antriebs.

Heckansicht des 2015 Audi A4 B9 3.0 TDI quattro V6 200 kW S line in Tangorot

Emotional berührt der 3.0 TDI mehr. Das ist für mich als alter Diesel-Verschmäher überraschend. Obwohl beide Motorisierungen überbordende Leistung offerieren, bleibt der 2.0 TFSI quattro emotional betrachtet etwas blass. Er klingt unter Last zugeschnürt und unwillig, ja schon fast bockig. Klar, er geht wirklich gut, aber dabei plärrt mir der Motor zu viel. Das macht der Dreiliter-Selbstzünder besser, selbstbewusster und energischer. Seine Stimme passt zu der abgelieferten Leistung, wuchtet sich nicht nur bärig aus jeder Kurve, nein, er klingt dabei kernig nach großvolumigen Diesel. So muss das sein.

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW S line Arablau-Kristalleffekt Frontalansicht Matrix-LED-Scheinwerfer

Zum guten motorischen Eindruck des 3.0 TDI passt auch die 8-Stufen tiptronic, dem 8-Gang-Automatikgetriebe von ZF. Im direkten Vergleich mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe S tronic im 2.0 TFSI agiert die 8-Gang souveräner, sicherer, auf den Punkt. Wer beispielsweise vom Segeln in Nulllast in Teillast geht, sodass das Getriebe runterschalten muss, spürt, dass die tiptronic sehr viel feinsinniger schaltet. Die S tronic dagegen ruppt und kloppt im Antriebsstrang, schaltet unsauberer in den niedrigeren Gang. Zugebeben, das sind kleine, feine Details – aber gerade diese geben den Ausschlag.

»Vorsprung durch Technik« – Der prädiktive Effizienzassistent

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro S line Arablau-Kristalleffekt Draufsicht Detail

Hinter diesem verklausulierten Marketing-Sprech verbirgt sich das, was tatsächlich einen Vorsprung bildet. Die Technologien dahinter mögen nicht neu sein, deren Komposition ist es schon. Hier arbeiten Navigationsdaten, Verkehrszeichenerkennung, adaptive Geschwindigkeitsregelanlage und mitlenkender Spurhalteassistent Hand in Hand und sorgen für eine effiziente Fahrweise. Der Tempomat ist auf 100 km/h eingestellt, kein Fahrzeug fährt vor uns, der A4 hält das Tempo. Anhand der Navigationsdaten erkennt das System, dass wir uns einer Kurve nähern, die mit niedrigerer Geschwindigkeit angegangen werden sollte. Statt zu bremsen, geht der Antriebsstrang in die Segelfunktion, wird langsamer und spart Sprit – noch bevor ich die Kurve sehe.

virtual cockpit im 2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro

Am Kurvenausgang beschleunigt der Audi wieder auf die eingestellten 100 km/h. Wir gleiten vor uns hin, als das Fahrzeug plötzlich abbremst. Einen Augenblick später passieren wir ein 80er-Schild – und fahren bereits 80 km/h. Abermals reagierten Auto und Technik, noch bevor das Verkehrsschild zu sehen war. Dieses von Audi so klobig prädiktiver Effizienzassistent (PEA) genannte System arbeitet genauso bei Baustellen, im Stau und – wie bereits von der ACC (adaptive cruise control) bekannt – bei vorausfahrenden Verkehrsteilnehmern. Dieses System passt die Geschwindigkeit stets den Begebenenheiten an, selbst an diejenigen, die der Fahrer noch gar nicht registrieren konnte. Das Ganze geschieht teil-autonom und arbeitete während meiner Ausfahrt sehr zuverlässig, auch wenn es gewöhnungsbedürftig ist.

Der neue Audi A4 (B9) – Fazit

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW S line Seitenansicht Arablau-Kristalleffekt

Ein Segen, dass Audi beim A4 am modularen Längsbaukasten (MLB) festhält, der hier in seiner zweiten Evolutionsstufe als MLB evo die Grundlage für die neunte Generation des A4 bildet. Ein Segen allein deshalb, da die Längsmotor-Konfiguration auch Sechs- und Achtzylinder-Motoren erlaubt – und den Platz benötigen noch S4 und RS 4. Der Audi A4 kann sich außerdem dank MLB vom MQB-Passat absetzen.

Die Audi A4 Limousine – und mit Sicherheit auch der Avant – ist das perfekte Reisefahrzeug. Leise, isoliert, völlig souverän zieht der B9 seine Bahnen.

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW Interieur Innenraum Cockpit

Es fällt schwer, am Audi A4 Kritik zu üben. Denn die Ingolstädter präsentieren hier ein verdammt ausgereiftes, sehr gutes Auto, das sich lediglich Detailschwächen erlaubt. Die Perfektion – sowohl technologisch als auch fahrerisch und gestalterisch – ist beängstigend. Audi bleibt sich in gewisser Hinsicht dennoch treu. Das Design wurde zwar behutsam, dafür an den richtigen Stellen markant verbessert. Die Vielzahl der Details macht hier den Reiz aus. Technologisch bietet Audi (beinahe) das volle Programm, ohne jedoch wirklich Neues aufzufahren. Aber die bloße Fülle sowie die Kombinationsmöglichkeiten der bereits vorhandenen Technologien sind beeindruckend. Damit ist auch der neue Audi A4 sehr, sehr technoid ausgefallen. Ein Auto, das nahezu perfekt daherkommt – und gerade deswegen an einer gewissen Emotionslosigkeit krankt.

2015 Audi A4 B9 2.0 TFSI quattro 185 kW S line Arablau-Kristalleffekt Vorderansicht

»Vorsprung durch Technik«? Wer mit diesem Claim neuartige Technologien in einem neuen Modell erwartet, der wird hier enttäuscht. Der technologische Vorsprung wird durch die Verknüpfung vorhandener System deutlich. Spürbar. Der sogenannte prädiktive Effizienzassistent zeigt sehr eindrucksvoll, wie durch die Verknüpfung vorhandener Assistenzsysteme ein schon beinahe beängstigend intelligentes Fahrzeug entsteht. Und das mit dem neuen Audi A4 Erlebte betrachte ich als »Vorsprung durch Technik«.

Der Audi A4 (B9) feiert aktuell seine Premiere auf der IAA 2015 und ist bereits bestellbar. Preislich startet der A4 bei 30.650 €, die gefahrenen 2.0 TFSI quattro sowie 3.0 TDI quattro sind ab 44.450 € bzw. 50.100 € erhältlich.

2015 Audi A4 B9 3.0 TDI quattro V6 200 kW S line Tangorot Vorderansicht Detail

Text: MvB
Fotos: MvB

#ŠKODATrip 2015 – Höher, schneller, weiter, Großglockner

Bereits letztes Jahr gab es einen kleinen feinen Škoda-Roadtrip zum Wörthersee-Treffen 2014. Damals ging es mit drei Octavias von Salzburg nach Klagenfurt. In diesem Jahr sollte auf dem Weg zum GTI-Treffen 2015 alles etwas größer sein. Die Škoda-Wörthersee-Tour 2015.

Blick auf die Alpen von der Großglockner-Hochalpenstraße

Treffpunkt Airport München. Auf dem Parkplatz erwarten uns Škoda Octavia L&K, Octavia RS Combi, Octavia RS TDI sowie Octavia Combi Scout 2.0 TDI 4×4. Für jeden Geschmack etwas. Nur ganz so bunt wie im letzten Jahr wurde es nicht.

Škoda Wörthersee Tour 2015
SKODATrip durchs Alpenmassiv

Aber wer braucht schon bunt, wenn er einen Road-Trip vor sich hat? Pures Fahren zählt. München, Chiemsee, Großglockner-Hochalpenstraße, Wörthersee, Nockalmstraße, München – und viele, viele weitere Straßen, Pässe, Denkwürdigkeiten. Der Weg war noch immer das Ziel.

Kurze Pause mit dem Škoda Octavia Combi Scout

Es gibt wenig Schöneres, als Natur, Landschaft und Panoramen über das Asphaltband und die Fahrt im Auto kennen zu lernen – insbesondere dann, wenn sich Straßen so schön durch die Gegend schlängeln wie im Alpenraum. Vorbei an bunten Blumen, rauschenden Bächen, verfallenen Ruinen. Das ist Road-Trip-Romantik und Autofahrer-Kitsch, wie es mir gefällt. Im Tal lassen wir zügig den darniederliegenden Chiemsee hinter uns und machen Höhenmeter gut.

Alpen-Berg-Bach-Romantik

Hier im Tal, zwischen den Bergkämmen, wenn du diesem kleinen unbedeutenden grauen Streifen folgst und links und rechts von dir das Bergmassiv steil emporragt, spürst du es wieder. Diese Unbedeutsamkeit, dass alles so klein ist. Mit dem Kinn auf dem Armaturenbrett kannst du gerade so die Gipfel der Berge direkt vor deiner Bugnase sehen. So oft erlebt und jedes Mal aufs Neue faszinierend.

Škoda Octavia RS Combi

Schnell ’ne Pause eingelegt, Kippe angesteckt, Kamera um den Hals und die Szenerie auf sich wirken lassen. Das Rauschen des Tauwasserbachs im Hintergrund, die gespenstische Stille der Ruine, das Alpen-Panorama … Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.

Škoda Octavia Combi Scout beim ŠKODATrip 2015

Zurück ins Cockpit, das Triebwerk gestartet und ab ins schöne Österreich. Der Weg zur österreichischen Grenze führt mir eine schöne Seite eines geeinten Europas vor Augen. Malerische Bergstraßen, umsäumt von allerlei Nadelgehölz, kleine Tunnel. Irgendwo dazwischen, vor einem unscheinbaren Tunnel, wird dem aufmerksamen Fahrer kundgetan, dass er Österreich erreicht hat. Grenze? Wo? Immerhin innereuropäisch funktioniert’s.

Licht am Ende des Tunnels: Škoda Octavia RS Combi

Mit Škoda gen Österreich

Raus aus dem bewaldeten Tal machen wir schnell Höhe gut, bis sich uns endlich das beschneite Alpenpanorama offenbart. Schroffe Felsen zur Linken, das kurvige Freudenband unter den Rädern und weiße Gipfel zur Rechten – so sieht ein gepflegter Trip durch die Alpen aus.

Blick auf die Alpen von der Großglockner-Hochalpenstraße

Wir erreichen die Großglockner-Hochalpenstraße, zahlen eine deftige Straßennutzungsgebühr und machen uns voller Vorfreude auf ins Hochgebirge. Schleife um Schleife schrauben sich die Serpentinen nach oben. Dank DSG im Octavia Combi Scout entfällt das viele Rühren im Getriebe, die Haldex-4×4 hält uns ohne Traktionsverlust in der Spur.

 Octavia-Konvoi auf dem Großglocknerpass

Keine Angst, den Gänsemarsch im Schneckentempo legen wir nur fürs Foto auf den Asphalt. Während des Foto-Stopps und der Kolonnen-Schleichfahrt setzt erster Regen ein. Allmählich wird der Asphalt feucht. Schnell sind die Fotos im Kasten und nachdem die Freigabe von Enes, dem Mann hinter der Kamera, kommt, kann es nur heißen: „Feuer frei!“

Nur für's Foto: Im Gänsemarsch über den Großglocknerpass.

Druckvoll schiebt der Zweiliter-Selbstzünder an. 380 Newtonmeter, das Gefälle und die nächste Serpentine, die auf dich zu rauscht. Ein beherzter Tritt ins Bremspedal macht dem Schub vehement ein Ende. Die einsetzende Negativbeschleunigung presst den Brustkorb in den Gurt. Lustvoll eingelenkt, geht’s am Scheitelpunkt wieder aufs Gas.

Škoda Octavia RS Combi auf dem Großglocknerpass

Wie an der Schnur gezogen, folgt der Combi Scout den Lenkimpulsen. Schieben über die Vorderachse? Niente. Freilich macht die aufgebockte Karosse dann und wann auf sich aufmerksam, aber das macht der Combi Scout dank Allrad locker wett im Vergleich zum reinen Frontkratzer-RS.

Škoda Octavia Combi Scout auf dem Weg nach oben

Ein Hoch aufs DSG im Diesel. Kraft hat der 2.0 TDI – ohne Frage. Wenn jedoch das gut nutzbare Drehmoment irgendwo zwischen 2.000 und 3.500 Umdrehungen liegt, bis du froh, dass das Doppelkupplungsgetriebe die Arbeit übernimmt.

Alpen-Panorama auf der Großglockner-Hochalpenstraße mit Škoda Octavia Combi Scout

Die Landschaft wird schroff. Verdreckter Schnee säumt die Straßenränder, das Thermometer zeigt nur noch fünf Grad. Bis auf über 2.500 Meter Höhe führt uns unser Weg. Von Frühling ist hier nichts zu spüren, der Wind schneidet einem eisig ins Gesicht. Zeit für die Abfahrt. Auf zum Wörthersee.

Mit dem Škoda Octavia Combi Scout auf der Großglockner-Hochalpenstraße

Mit dem Škoda Octavia Combi Scout waren wir gut gerüstet fürs bergige Land. Nachdem wir also Heiligenblut erreichen und den Großglocknerpass verlassen, machen wir uns auf die Suche nach geeignetem Terrain für den Combi Scout. Wir wollen sehen, was er abseits des Asphalts kann. Und das gibt’s separat zu lesen.

Text: MvB
Fotos:
Škoda Auto Deutschland (Enes Kucevic) / MvB
Skoda Fabia R5 Combi Wörthersee 2015

ŠKODA Wörthersee 2015 – Auf dem GTI-Treffen in Reifnitz

Unser diesjähriger #ŠKODATrip verhieß vor allem mehr. Mehr Zeit, mehr Autos, mehr Pässe, mehr Spaß für alle. Daher wurden aus zwei dann drei Tage – zwei zum reinen Fahren. So hatten wir dieses Mal auch einen Tag lang Zeit, das 34. GTI-Treffen, die Auto News Wörthersee 2015, in aller Ruhe auf uns wirken zu lassen.

34. GTI-Treffen Reifnitz

Aber bei all der endorphingeschwängerten Euphorie, als wir mittels Schnellboot über den Wörthersee bretterten und am GTI-Hafen ankamen, überkam mich auf dem Treffen doch die Ernüchterung.
Wie im vorherigen Jahr war und ist der Weg für mich das Ziel. Von München nach Krumpendorf nach München. Das Alpen-Panorama, die Bergpässe, der Wörthersee – ich könnte hier ewig auf und ab fahren. Aber dazu in einem separaten Artikel mehr.

Und obwohl ich persönlich mit der Tuning-Szene und dem GTI-Kult reichlich wenig anfangen kann, war ich natürlich neugierig auf die Autos, die Leute, die Szene.

GTI-Treffen 2015: Irgendwie wenig GTI

Großveranstaltungen sind ja meine Sache nicht und wenn es mich doch auf eine verschlägt, nehme ich meist die Rolle des Beobachters ein. So ließ ich meine Blicke schweifen. Meist erspähte ich jedoch eher Belangloses, Fragwürdiges und schlichtweg Hässliches. Mein persönliches Highlight erblickte ich kurz nach der Ankunft, wenige Meter von der Anlegestelle entfernt: ein unverbastelter VW Golf I GTI. Schlicht, in jugendlich angehauchter Würde gealtert und inzwischen zeitlos.

Babyblauer Porsche Panamera auf dem 34. GTI-Treffen 2015. Geschmack lässt sich nicht kaufen.Dieser Golf I GTI war es für mich, der an diesem Tag den Geist des Treffens atmete. Es ist schon auffällig, dass erschreckend wenig GTIs unterwegs waren. Klar, viele andere VWs waren präsent, ebenso Modelle von Audi, Seat oder Škoda. Und da wird auch fleißig geschraubt, gebastelt, optimiert.
Aber vorbeifahrende Bentleys, ein Mercedes-AMG GT S oder A 45 AMG wirkten dann doch leicht deplatziert wie auch der babyblaue Porsche Panamera.

Da das eigentliche Szene-Treffen am Wörthersee längst gelaufen ist, wenn der offizielle Part beginnt, sind bereits viele mit ihren Fahrzeugen abgereist. Nun ist es an den Herstellern zu zeigen, was geht und vermutlich nie in Serie gehen wird. Das GTI-Treffen ist immer wieder eine Fingerübung des VW-Konzerns in puncto Design und Performance.

Und genau das ist der Knackpunkt. Das eigentliche GTI-Treffen war atmosphärisch kaum greifbar, nicht zu spüren. Audi, Seat, Škoda und VW präsentieren sich auf ihren Ständen, bieten Rahmenprogramme und sorgen für Unterhaltung. Aber der einstige Geist des Wörthersee-Treffens ist verflogen.

Von Studien, Concept Cars & Fingerübungen

Skoda auf dem GTI-Treffen 2015

Nichtsdestotrotz ist es interessant zu sehen, was die Hersteller bieten. Für mich persönlich am spannendsten waren dabei das Audi TT clubsport turbo concept sowie der Škoda Octavia RS 230. Aber auch der Škoda Fabia R5 Combi hat einen gewissen Reiz, nicht zuletzt, da der R5-Schriftzug am Heck beinahe wie ein RS-Logo anmutet. Und überhaupt scheint inzwischen ein Fabia RS durchaus im Rahmen des Möglichen. Wo letztes Jahr noch dementiert wurde, gab es dieses Jahr nunmehr unkonkrete Aussagen.

Kurzer Schwenk nach Ingolstadt: Auf dem Audi-Stand wurde das Audi TT clubsport turbo concept vorgestellt, das einerseits in technischen Belangen den einen oder anderen Ausblick auf Folgendes gibt, andererseits darf die Studie gern als Vorgeschmack auf den neuen TT RS verstanden werden. Das Concept Car befriedigt bereits mit dem 2.5-TFSI-Fünfzylinder, der aktuell schon im Audi RS Q3 und RS3 zum Einsatz kommt.

Dem TT clubsport turbo concept wurde zusätzlich der E-Turbo (EAV) gegönnt, der bereits im Audi RS5 TDI zeigen durfte, wie viel Potential in der Technik steckt. 441 kW (600 PS) sollen bedarfsgerecht an alle vier Räder verteilt werden. Die Optik ist scharf, die Sidepipe ein feines Gimmick und der Sound, der beim Anwerfen auf dem Stand zu vernehmen war, ein Genuss.
Nur schade, dass das Ganze so wohl nicht in Serie gehen wird.

Sehr wohl in Serie kommt der Škoda Octavia RS 230. Die zehn Mehr-PS fallen kaum ins Gewicht. Wichtiger dagegen ist die Vorderachs-Differentialsperre, die für mehr Dynamik auf Kurvenfahrten sorgen dürfte. Das Paket als solches ist bereits vom Golf VII GTI Performance bekannt und soll dem Vernehmen nach gute Dienste erweisen.

Skoda Octavia RS 230 auf dem GTI-Treffen 2015 in Reifnitz

Daneben zeigen die Tschechen auf ihrem Stand den Škoda Fabia Red & Grey Plus, der mit optischen Aufwertungen punkten kann, dafür jedoch eine Leistungsspritze vermissen lässt. Im letzten Jahr stand ja hier schon der Škoda Rapid Spaceback Red & Grey, der eine angenehm anzusehende Fingerübung für den anstehenden Monte Carlo war.

Wie auch im letzten Jahr gab es ein Azubi Car zu sehen. Die Auszubildenden haben einen Fabia zum Pickup umgebaut. Der Škoda Fabia FUNstar bot neben einer glänzenden Riffelblech-Ladefläche die obligatorisch überdrehte Musikanlage. Ich könnte jetzt schreiben, ich wär’ zu alt für so’n Scheiß, aber ich fand das auch schon mit 18 doof. Aber jedem das Seine.

Was bleibt? Ernüchterung.

Skoda Fabia R5 auf dem GTI-Treffen

Im Großen und Ganzen ist der Geist des traditionellen GTI-Treffens verflogen. Nur noch wenige bunte Vögel treiben sich im Rahmen der offiziellen Veranstaltung herum. Die Hersteller des Volkswagen-Konzerns halten dagegen und zeigen, was zumindest in der Theorie denk- und machbar ist. Auf einem Treffen, das sich dem Tuning und der Individualisierung verschrieben hat, fallen auch die Studien teilweise etwas radikaler aus als auf den gängigen Messen. Immerhin.

Škoda-Stand Wörthersee GTI-Treffen 2015

Bleibt zu hoffen, dass das GTI-Treffen 2016 zum 35. Jubiläum und dem damit einhergehenden 40. Geburtstag des Golf GTI wieder verstärkt zu den eigenen Wurzeln zurück findet.

Auch bei den Kollegen von Autophorie, rad-ab.com und Trendlupe könnt ihr weitere Eindrücke vom diesjährigen GTI-Treffen auf euch wirken lassen.

Text: MvB
Fotos: Škoda Auto Deutschland (Enes Kucevic) / MvB

Erste Ausfahrt: Peugeot 508 SW

Peugeot hat den 508 eine Frischzellenkur gegönnt. Vor seiner Premiere auf dem Automobil-Salon 2014 in Paris durfte der geliftete Peugeot 508 SW auf Mallorca zeigen, was er jetzt besser kann – und was nicht.

Nach gut vier Jahren war es an der Zeit für eine Überarbeitung. Vier Jahre ist es her, dass Peugeot zwei Modelle zu einem zusammendampfte. Bereits 2010 war der 508 ein schönes und leider auch seltenes Auto. Mit dem 2014er Facelift wird der Franzose mit in den Kühlergrill gerutschtem Löwen noch ansehnlicher – zumindest in der Front. Am Heck dagegen tat sich nicht viel.

Aber diese komplett umgekrempelte Front; chic, très chic. Das neue Familiengesicht reckt die Nase steil und selbstbewusst in den mallorquinischen Wind. Dazu passend frisch konturierte Voll-LED-Scheinwerfer, die mit ihren drei LED-Modulen pro Scheinwerfer die Blicke auf sich ziehen. Ganz gleich, in welchem Winkel sich der Betrachter der Front nähert, sieht die Löwen-Schnauze wirklich gut aus.

Und obwohl ich kein großer Kombi-Freund bin, sieht der 508 SW eleganter aus als sein Limousinen-Pendant. Auffälligste Merkmale sind am kaum gelifteten Heck die modifizierten Rückleuchten der Limousine sowie die optisch gelungenen, in den Stoßfänger eingelassenen Endrohre der GT genannten Top-Motorisierung 2.2 HDi 200.

Der 508 hat als Erbe der seligen 407 und 607 entsprechend hohe Erwartungen zu erfüllen. Optisch gelingt dies am besten dem 508 SW GT, der insbesondere in Perlmutt-Weiß in strahlender Sonne zu gefallen weiß.

Und wie es sich für einen Kombi gehört, kann der Peugeot 508 SW ordentlich was laden – mindestens 550 Liter Luft steht für Gepäck zur Verfügung, in Maximal-Konfiguration schluckt der SW 1.598 Liter. Platz in der zweiten Reihe ist ebenso reichlich vorhanden. Hinter meinem Fahrersitz habe ich es mit 1,80 m Körperlänge bequem und luftig. Einzig am Scheitel wird es wegen des Panorama-Glasdachs etwas knapp.

Das Interieur gefällt. Sowohl haptisch als auch optisch kann sich der Peugeot 508 sehen und fühlen lassen. Ungewöhnlich sind der Startknopf links vom Volant à la Porsche und die daneben liegende elektronische Parkbremse. Das Drei-Speichen-Lederlenkrad mag haptisch überzeugen, ist jedoch mit reichlich Bedienelementen überfrachtet. Die Anzeigen im Kombiinstrument lassen sich anstandslos ablesen; schön ist auch die Öltemperaturanzeige, die zwar für die meisten unnötig sein wird, mich jedoch erfreut.

Für das Facelift-Modell gibt es nun ein Infotainment-System mit 7-Zoll-Touchscreen und ein Head-up-Display, das relevante Fahrdaten auf eine Plastikscheibe im Fahrersichtfeld projiziert. In puncto Assistenzsysteme enttäuscht der 508 jedoch. Erhältlich sind zwar ein Toter-Winkel-Assistent und eine Rückfahrkamera, allerdings bietet Peugeot weder eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage noch adaptives Kurvenlicht für die optisch so gelungenen LED-Scheinwerfer an. Auch Spurhalte- oder –verlassenswarner suchen potentielle Kunden vergebens. Dafür ist der Peugeot 508 auch „nur“ ein Facelift und kein neues Modell. Das ist auch der Grund, weshalb der 508 ohne das i-Cockpit im Stile des Peugeot 308 auskommen muss.

So fährt sich der Peugeot 508

Fahrwerk und Lenkung sind wie die Sitze auf Reise-Komfort getrimmt. Hektik und dynamische Eskapaden sind nicht das Metier des 508 SW. Das bekommen Fahrer etwa dann zu spüren, wenn sie allzu eilig ums Eck wollen und der Peugeot 508 gutmütig weich über die Vorderachse schiebt. Stattdessen fühlt sich der Franzose beim Cruisen und Gleiten am wohlsten.
Auf den Landstraßen und Autobahnen Mallorcas gefällt der 508 SW als unaufgeregtes, komfortables Reisegefährt, das Fahrer und Passagiere unabhängig von der Motorisierung entspannt ans Ziel bringt. Zum Gleiten und als Daily Driver ist der bereits aus dem PSA-Konzern bekannte 1.6er Turbo mit 165 PS bestens geeignet. Auf kurvigem Geläuf, lechzend nach Drehzahl und Leistung wird der Fahrer jedoch enttäuscht. Bis auf anschwellendes Geräusch-Niveau regt sich nicht viel. Freilich ist der 508 SW für Derartiges nicht gedacht – aber man kann es ja mal versuchen.

Anders der Peugeot 508 SW GT. Sein 2.2 Liter großes Dieseltriebwerk gefällt mit ordentlichem Bums (450 Nm), der für wohltuende Souveränität Sorge trägt. Auf dem Papier mag das serienmäßige 6-Gang-Automatikgetriebe antiquiert wirken – immerhin baut ZF inzwischen 9-Gang-Automaten – zeigt im Fahrbetrieb allerdings, dass auch eine Automatik mit sechs Gängen voll zufriedenstellen kann. Sie schaltet butterweich und zügig. Auch bei manuellen Schalteingriffen via Paddle erfolgt der Gangwechsel erfreulich zackig. Zudem bleibt das Drehzahlniveau auch bei Autobahntempo angenehm niedrig, sodass ich keinen 7., 8. oder gar 9. Gang vermisste.

Wirkliche Mängel leistet sich der 508 SW nicht. Auf diejenigen, die Wert auf eine Assistenzsystem-Flotte legen, mag der 508 unzeitgemäß wirken. Aber dieser Umstand kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Peugeot ein schöner Kombi gelungen ist, der mit sauberer Verarbeitung als Auto für die Langstrecke gefällt.

Empfehlenswert ist der große Diesel. Die GT-Optik setzt weitere Akzente, der Motor ist kultiviert und kraftvoll, die 6-Gang-Automatik überrascht. Und auch preislich geht’s vernünftig zu. Der Grundpreis von 42.800 € erscheint zunächst deftig, aber dafür ist all das serienmäßig an Bord, was gut und wichtig ist. Für mich persönlich kämen lediglich noch Aufpreise für die Lackierung, 19-Zoll-Felgen und Soundsystem hinzu. Der Rest – LED-Scheinwerfer, Navigationssystem, Rückfahrkamera, Toter-Winkel-Assistent, Head-up-Display, Sitzheizung etc. – ist ohnehin an Bord.

Verkaufsfreigabe

Anfang Oktober wird Peugeot den überarbeiteten 508 auf der Mondial de l’Automobile in Paris der Öffentlichkeit vorstellen. Neben Limousine und Kombi wird es wieder einen Peugeot 508 RXH geben, der als Crossover mit Gelände-Beplankung sowohl als Diesel-Hybrid 508 RXH HYbrid4 als auch erstmals als Diesel RXH 2.0 BlueHDi 180 erhältlich sein wird. Zusätzlich bietet Peugeot den Diesel-Hybrid-Antriebsstrang in der Limousine an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text & Fotos: Mario von Berg

Im Fahrbericht: Audi A3 1.4 TFSI S line

Bevor ich auch nur einen Vertreter der A3-Familie gefahren bin, hatte ich Vorbehalte, war ich skeptisch. Diese Skepsis betraf in besonderem Maße den dreitürigen Audi A3 8V. Eine Woche hatte ich Zeit, meine Bedenken zu zerstreuen. Die ersten verflüchtigten sich binnen Sekunden.

Als die dritte Generation Audi A3 auf dem Markt erschien, hatte ich über sie noch gemotzt. Während unseres Aufeinandertreffens in natura musste ich einiges zurücknehmen. Denn so sehr die aktuelle der vorherigen Generation auf dem Bildmaterial ähneln mochte – in Realität wirkt der neue A3 reifer, schärfer, attraktiver. So durfte ich mein Urteil gerade in Anbetracht der Heckpartie auf den ersten Blick relativieren.

Audi Testfahrt 08 A3 1 4 tfsi sline

Ausgerüstet in der S line kommt die Karosse mit gezielt eingestreuten Kanten und Sicken maskuliner und dynamischer daher. Die modifizierten Front- und Heckstoßfänger verleihen dem A3 somit ein eigenständigeres Gesicht. Die Seitenschweller dagegen wirken angepappt. In der direkten Frontalansicht fällt es zudem schwer, den A3 etwa von einem aktuellen Audi A4 zu unterscheiden.

Audi Testfahrt 02 A3 1 4 tfsi sline

Der Schwung der Scheinwerfer, die Einfassung der Nebelscheinwerfer, der dominante Singleframe-Grill – hier fehlt es mir persönlich an Differenzierung. Dagegen ist das Heck mit seinen Rückleuchten deutlich eigenständiger. Das dicke Doppelendrohr lässt mehr als die tatsächlich anliegenden 122 PS vermuten.

Der Innenraum des Testwagens verwöhnt Fahrer und Beifahrer mit der hochwertigen Ambition-Ausstattungslinie, die gehörig mit allerlei optionalen Extras aufgepeppt wurde. Verarbeitung und Haptik lassen keinen Raum für Kritik – wie von Audi gewohnt. Sei es der Klima-Drehregler, der angenehm schwer und satt die Temperatur Klick für Klick nach oben oder unten regelt, die feinen Alcantara-Leder-Sitze oder das umfangreiche Infotainment-System MMI Navigation plus. Mit entsprechend Kleingeld gesegnet, lässt sich der A3 innen wie außen beinahe frei gestalten, der Preis in ungeahnte Sphären für ein Fahrzeug der Kompaktklasse treiben.

Audi Testfahrt 05 A3 1 4 tfsi sline

Wer die etwa 38.000 € für den getesteten Audi A3 in die Hand nimmt, wird ein nahezu perfektes Auto erhalten, das sich mit seinen bescheiden anmutenden 122 PS überraschend flott und agil bewegen lässt. Die sich bis in den mittleren Drehzahlbereich angenehm steigernde Leistungsabgabe bringt auf kurvigen Landstraßen in Kombination mit der feinfühlig reagierenden Lenkung und dem mit kurzen Schaltwegen gesegneten 6-Gang-Schaltgetriebe jede Menge Freude.

Dabei offenbaren die serienmäßigen Sportsitze für schlanke Figuren wie mich etwas zu wenig Seitenhalt, lässt das kleine Turbo-Aggregat etwas Geräuschkulisse vermissen. Und überhaupt komme ich mir im kompakten Ingolstädter viel zu oft vom Geschehen entkoppelt vor. Gelegentlich ist es geradezu gespenstisch leise im Innenraum. Dagegen hilft die wirklich gute Bang & Olufsen-Soundanlage, die mit Druck und Klarheit überzeugt – auch wenn das letzte Quäntchen zu einer sehr guten Anlage noch fehlt.

Audi Testfahrt 04 A3 1 4 tfsi sline

Lasse ich allein den Augenblick sprechen, vernachlässige kurz den Preis und hoffe, mein Kompakter bliebe auf ewig neu und treu: Was könnte ich dem Audi A3 wirklich und objektiv vorwerfen? Was gäbe es ernstlich zu kritisieren?

Es sind oft Kleinigkeiten, Banalitäten, die ich für nicht sonderlich gelungen halte. Meist sind es persönliche Befindlichkeiten, die mir einflüstern, die elektronische Parkbremse sei doof, die Alus im 17-Zoll-Format dürften mindestens eine Nummer größer ausfallen oder die MMI-Bedienungseinheiten um die Schaltkulisse seien unergonomisch. Das sind letztlich Punkte, mit denen sich jeder individuell auseinandersetzen sollte.

Was bleibt, ist – nüchtern betrachtet – ein sehr gelungenes, an der Perfektion kratzendes Kompaktauto. Es bleibt zu hoffen, dass der A3 diese Momentaufnahme auch noch bestätigt, wenn er fünf Jahre alt. Es sind kleine Details, etwa die sich spiegelnden Chromränder der Lüftungsdüsen bei Dunkelheit oder die fehlende Kontrollleuchte für das Abblendlicht im Kombiinstrument, die noch Raum für Verbesserung lassen.

Audi Testfahrt 01 A3 1 4 tfsi sline

Sonst bietet der Audi A3 dritter Generation mit seinem kleinen 1.4-Liter-Vierzylinder fast sportive Leistungen, wenn er in 9,3 Sekunden auf Landstraßentempo beschleunigt und mit Leichtigkeit seine Endgeschwindigkeit von 203 km/h erreicht. Dazu die fein dosierbare und bei Bedarf fest zupackende Bremse – fahrerisch hat mich der Audi A3 Ambition 1.4 TFSI S line im Rahmen seiner Möglichkeiten voll überzeugt. Allein der Preis von etwa 38.000 € lässt mich zusammenzucken.

Im Fahrbericht: Citroën DS3 Racing THP 200 S. Loeb Edition

Bleibenden Eindruck hat er nach dem zweiwöchigen Test hinterlassen. Zur avantgardistischen Hülle des gewohnten DS3-Designs gesellen sich in der Racing-Variante nicht unerhebliche progressiv-aggressive Komponenten, die nur schwerlich zu übersehen ist: matt-schwarz, tief, krawallig. Passend dazu hat Citroën den bekannten 1.6er Turbo auf 207 PS aufgeblasen. Ein Fahrbericht.

Ich geb’s ja zu: er war mir ein ungewolltes Kind. Denn eigentlich hatte ich den Citroën DS3 THP 155 ins Auge gefasst. Ausreichend schnell und schön anzusehen, aber auch alltäglicher und erschwinglicher als die Racing-Variante. Mangels Verfügbarkeit wurden es statt der 156 die 207 PS des streng limitierten DS3 Racing. Und als er schließlich vor mir stand, konnte ich ihm weder böse sein noch widerstehen. Gern ließ ich mich verführen.

Citroen-DS3-Racing-THP-200-Sebastien-Loeb-Edition-Seitenansicht-Flugplatz-Werneuchen

Viel ist bereits zur DS-Reinkarnation geschrieben und gesagt. Überflüssig, darüber weitere Worte zu verlieren. Fest steht, Citroën hat gut daran getan, die DS-Linie ins Leben zu rufen. Punkt.

Dass mir die DS-Modelle zusagen, ließ sich bereits in meinen Fahrberichten zu Citroën DS4 und Citroën DS5, die ich im Rahmen des letztjährigen Blogger Road-Trips erfahren durfte, nachlesen.

Verführung – das ist das Stichwort. Der DS3 Racing verführt nicht mit graziler Kunstfertigkeit oder keuscher Zurückhaltung. In diesem Fall ist es die Verruchtheit und das Schmutzige, das den Kleinen so verführerisch macht. Kein schüchternes Lächeln, kein verlegenes Kichern hinter vorgehaltener Hand. Verführung versteht der Racing-DS nicht als Kunst, er bedient sich viel lieber der Holzhammer-Methode.

Citroen-DS3-Racing-THP-200-Sebastien-Loeb-Edition-Heckansicht-Flugplatz-Werneuchen

In der auf 200 Stück limitierten S. Loeb Edition kommt der Citroën DS3 Racing ausschließlich in Mattschwarz mit roten Akzenten und Echt-Carbon-Applikationen für gute 33.000 € angerollt. Eine infernalisch stolze Summe, die die Franzosen für die Speerspitze ihres Kleinwagens aufrufen. Dafür sichert sich der Käufer jedoch Exklusivität und Aufmerksamkeit.

Das Mattschwarz des DS3 Racing mutet wie Lack an. Nur wer genau hinsieht, wird die Folienkanten in den Innenseiten der Türen ausmachen können. Dort blitzt das Metallic-Schwarz auf. Abgesetzt wird das Schwarz durch rote Akzente, die nicht nur Sportlichkeit demonstrieren, sondern auch auf die Rolle als Verführer hindeuten.

Zum Diábolos mutiert er, je länger ich ihn betrachte. Zum Verwirrer und Verführer, der mich stets aufs Neue – mit Erfolg gewiss – verlocken kann. Wenn der Teufel immer so verführerisch angerollt käme – meine Seele wäre ihm gewiss.

Citroen-DS3-Racing-THP-200-Sebastien-Loeb-Edition-Cockpit-Innenraum-Interieur

Ob Doppelwinkel oder Dreizack, das rote Emblem steckt demjenigen schnell im Hintern, der nicht augenblicklich die Spur frei macht, eine Lücke preisgibt oder schlichtweg an den Seitenstreifen fährt. Ja, der Citroën DS3 Racing ist auf Krawall gebürstet.

Umgarnt vom schwarz-roten Alcantara-Sportsitz beschert es dem Fahrer einen Heidenspaß, dem diabolischen Spiel mit Pedalerie und Schaltknüppel zu frönen. Doch Obacht, der DS3 Racing ist wankelmütig. Schnell wird er launisch und kann einen in falscher Sicherheit wiegen – ganz so, wie es Mephistopheles mit dem Faust treibt. Beide Hände gehören ans multifunktions-freie Lenkrad. Ausschließlich zum schnellen Schalten greift die rechte Hand zum Schalthebel; und wieder rasch zurück ans Lenkrad. Denn wer den kleinen Teufel zu viel Spielraum gibt, ihn gewähren lässt, der kann erleben, dass der DS3 Racing wie ein wilder Stier austritt und Dir das Lenkrad aus der Hand reißt.

Citroen-DS3-Racing-THP-200-Sebastien-Loeb-Edition-Seitenansicht-Detail-Flugplatz-Werneuchen

Neben dem steten Drang, dem Lenker das Kommando zu entreißen, wird der DS3 Racing auf der Autobahn jenseits der 170 km/h zum hektischen Nervösling. Es dürstet ihm nach Kurven; und so fällt ihm das Geradeaus-Fahren schwer. Kleinste Lenkbewegungen werden bei Hochgeschwindigkeit in einen Kurswechsel transformiert. Damit werden Lenkkorrekturen zum täglich Brot auf der Autobahn. Also, schnell wieder runter von der Bahn und ab auf die Landstraße.

Verheißungsvoll grummelt der 1.6er-Benziner, dem Turbolader und Direkteinspritzung ordentlich die Sporen geben, im Leerlauf vor sich her. Das Spielen mit dem Gaspedal lässt ihn heiser röcheln. Nach Verführung klingt das zwar nicht, aber einen gewissen Charme hat das gewiss. Eher verführerisch ist das Sprotzen und Rotzen bei Zwischengas, wenn es nach Kurvenausgang mit kurzem Hufscharren vom zweiten in den dritten Gang geht. Hier ist er zu Hause – auf ländlichem, teils bewaldetem Asphaltband, das sich quer durch die Republik schlängelt. Leitplanken und rot-weiße Baken markieren die favorisierten Spielplätze des DS3 Racing. Eng, kurvig und dreckig hat er es am liebsten.

Citroen-DS3-Racing-THP-200-Sebastien-Loeb-Edition-Sportsitz-Innenraum-Interieur

Hier kommen ihm die Unterschiede zum zivilen DS3 zugute: 10 Millimeter tiefer, verbreiterte Spur und ein sportlicher abgestimmtes Fahrwerk. In Kombination mit dem spontan ansprechenden Motor und der homogenen Leistungsabgabe wird der kleine Frontkratzer zum Kurvenräuber. Auch wenn die Lenkkräfte mit Vorsicht zu genießen sind, im Grenzbereich bleibt der DS3 Racing meist gutmütig und beherrschbar.

Die Spaßbremse ESP kommt erfreulich selten zum Einsatz. Lediglich in sehr scharf gefahrenen Kurven, etwa beim Abbiegen, regelt es (f)rigide und kompromisslos die Leistung weg.

Citroen-DS3-Racing-THP-200-Sebastien-Loeb-Edition-Seitenansicht-Detail-Flugplatz-Werneuchen

Wie es sich für ein Fahrzeug mit sportlichem Anspruch, das dem Lenker Straße und Auto spüren lassen möchte, gehört, werden die sechs Gänge manuell sortiert. Keine Doppelkupplung, kein Wandlerautomat und keine Schaltwippen. Hier ist noch Arbeit gefragt. Für meinen Geschmack könnte der Schalthebel etwas kürzer ausfallen. Bei schnellem Schalten wirkt die Schaltbox gelegentlich etwas knorplig.

Was ich vermisste: Xenon und einen USB-Anschluss, der wegen des Navigationssystems wegfiel.

Der Citroën DS3 Racing Sébastien Loeb Edition ist ein Verführungskünstler. Nicht nur sein unmoralisches Äußeres, auch sein markiger Auftritt auf der Landstraße verführen zur Unvernunft. In puncto Sportlichkeit hält der DS3 Racing das, was die Optik verspricht – insbesondere auf der Landstraße. Auch wenn die Autobahn spürbar nicht zu seinem präferierten Lebensraum gehört, kann der kleine Teufel hier die etablierten Mittel- und Oberklasse-Fahrzeuge ärgern. Schön: er kann auch anders. Cruisen und effizient fahren lässt es sich mit Citroën auch. Aber wer will das schon?

 

Weitere Stimmen zum DS3 Racing findet ihr hier:

passion:driving | motor-inside.com | Motoreport.de | Kickaffe | autoaid |

Übersichtliche Informationen zum DS3 gibt es auch auf der Hersteller-Webseite.

 

technische Daten Citroën DS3 Racing THP 200 S. Loeb Edition
Motor-Bauart Reihen-4-Zylinder-Benzinmotor | Direkteinspritzung & Turboaufladung
Hubraum 1.598 cm³
max. Leistung 152 kW/207 PS bei 6.000 U/min
max. Drehmoment 275 Nm bei 2.000 U/min
Antriebsart Frontantrieb
Getriebe 6-Gang-Schaltgtriebe
Serien-Bereifung 215/40 R18
Beschleunigung 0–100 km/h 6,5 s
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
Länge / Breite / Höhe 3.962 mm / 1.717 mm / 1.443 mm
Radstand 2.452 mm
Leergewicht minimum 1.240 kg
max. Zuladung 432 kg
Kofferraum-Volumen ca. 285 l
Verbrauch innerorts/außerorts 8,7 l/4,9 l Super Plus
Verbrauch gesamt 6,4 l Super Plus
Test-Verbrauch gesamt 9,75 l Super Plus
Test-Kilometer 1.850 km
CO2-Emissionen 149 g/km
Tankinhalt 50 l
Grundpreis 33.099,- €
produzierte Einheiten 200

 

Angetestet: Der Opel Cascada 1.6 SIDI Turbo im Kurz-Fahrbericht

In Monaco stellte Opel das auf den Astra J basierende Mittelklasse-Cabriolet Cascada vor. Die Rüsselsheimer trotzen den Negativ-Schlagzeilen und führen ihre Modelloffensive stoisch fort. Mit dem Cascada könnte Opel nach dem ADAM ein weiteres Kunststück gelingen. Denn es wird als Premium-Cabriolet der Mittelklasse vermarktet – zum Preis eines Cabrios des Kompaktsegments.

Dieser Kunstgriff erlaubt Opel die Bedienung einer bis dato unbesetzten Nische. Denn Konkurrenzmodelle in ähnlicher Preislage sind deutlich kleiner und Mittelklasse-Cabriolets, die zumeist von sogenannten Premium-Herstellern feilgeboten werden, sind deutlich teurer.

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Freilich hofft Opel, dass der Cascada kein Nischen-Dasein fristen wird. Er ist ein weiterer Hoffnungsträger, der gute Chancen hat, erfolgreich zu sein. Konzipiert ist der Opel Cascada als vollwertiger Viersitzer und Ganzjahres-Cabrio. Er möchte nicht zum Zweitwagen degradiert werden. So verwundert auch die schiere Größe des Wagens nicht. Mit 4,70 Meter streckt er sich auf das Niveau eines Audi A5 Cabrio oder eines E-Klasse Cabrio. So musste auch ein neuer Name her. Dass die Nomenklatur in ihrer Etymologie nicht ganz glücklich ausfällt, hatte ich bereits geschrieben. Aber immerhin gibt das semantische Feld der ‚Chance‘ berechtigten Anlass zur Hoffnung.

Nicht zuletzt definiert sich ein Cabriolet über das Design. Es suggeriert Lebensfreude und Genuss, also möchte es bitte auch nach Genuss aussehen. Mir persönlich ist die Front jedoch zu nah am Astra, vermittelt damit mehr den Geschmack von Brot-und-Butter, denn Genuss.

Opel-Cascada-1.6-SIDI-Turbo-Cockpit-Tacho-Innenraum-Interieur

Die mit Bedacht gesetzten Konturierungen der Motorhaube gefallen mir – allein die mittlere Falz, die sich bis zum Opel-Emblem durchzieht, ist schließlich zu viel des Guten. Und gerade diese Kante ist es, die sich von vorn bis hinten durchzieht und auch am Heck präsent ist.

Ohne Frage aber ist das Heck das optische Highlight des Exterieurs. Die breiten Rückleuchten, die lange Chromspange mit dem in der Mitte thronenden Opel-Logo, darüber der elegant geschwungene Bürzel – tatsächlich: Opel kann auch elegant.

Stilecht verfügt das Opel-Cabrio über ein Stoffverdeck. Es verschwindet auf Wunsch bei bis zu 50 km/h im Heck; und das innerhalb von 17 Sekunden. Ist das Dach verfrachtet, offenbart sich dem Betrachter eine homogen gezeichnete Seitenlinie – lang und gestreckt, mit nach hinten leicht ansteigender Gürtellinie. Das Besondere: ist der Cascada geschlossen, sieht er beinahe noch besser aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Soft-Top-Cabrios sieht der Opel nicht verbaut oder gedrungen aus. Geschlossen wird der Cascada zum anmutigen Stoffdach-Coupé. Das macht er ungemein geschickt.

Vorn sind die Platzverhältnisse luftig. Das Sitze sind körpergerecht und langstreckentauglich ausgeformt und bestechen optisch durch eine gefällige Steppung. Sie bieten zwar nicht den optimalen Seitenhalt, aber wozu auch? Das Auto ist auf Bequemlichkeit getrimmt; so auch das Gestühl. Im Fond finden Passagiere für Cabrio-Verhältnisse ein brauchbares Platzangebot vor, bei geöffnetem Verdeck haben auch Mitfahrer jenseits der 1,80 Meter genügend Raum.

Opel verspricht mit dem Cascada Premium-Qualität. Und zumindest für die zur Verfügung gestellten Test-Fahrzeuge in umfangreicher Ausstattung trifft dies auch zu. Das Stoffverdeck ist zusätzlich gedämmt und sorgt im geschlossenen Zustand für flüsterleises Cruisen. Der belederte Armaturenträger versprüht luxuriösen Charme. Die lila-farbenen Kontrastnähte sind ungewöhnlich, passen farblich allerdings sehr gut zum hellbraunen, wärmereflektierenden Nappa-Leder. Die Sitze sind beheizt und belüftet, die Vordersitze lassen sich für die Fond-Passagiere elektrisch vor- und zurückfahren. Ob ich das brauche, sei dahingestellt; aber Opel setzt damit eine Duftmarke, unterstreicht den Anspruch, den die Rüsselsheimer mit dem Cascada verfolgen.

Opel-Cascada-1.6-SIDI-Turbo-Vorderansicht-Seite-Seelapen-Berge-Xenon-Scheinwerfer

Nach Hilfe möchte rufen, wer erstmals die Mittelkonsole erblickt. Keine gefühlten, sondern tatsächliche 50 Tasten, Schalter, Dreh-Drück-Rädchen hat Opel dort platziert. Abgesehen vom Irrwitz dieser schieren Fülle ist auch die Schalteranordnung nicht immer logisch und sinnvoll. Warum etwa die Fahrmodi „Sport“, „Tour“ und „Eco“ so weit auseinander liegen, ist mir schleierhaft. Darüber hinaus sind die Abkürzungen oftmals nicht ohne weiteres zu deuten. Auch das Multifunktionslenkrad dürfte für meinen Geschmack mit weniger Tasten auskommen.

Das neue Triebwerk – 1.6 SIDI Turbo – das im Bug des Cascada sein Werk verrichtet, sorgt neben der Turboaufladung auch mit einer Direkteinspritzung für 125 kW/170 PS Leistung und ein maximales Drehmoment von 260 Nm (280 Nm mit Overboost), das nach Angaben von Opel bereits bei 1.650 Umdrehungen anliegen soll. In der Fahrpraxis bestätigte sich diese Angabe nicht. Zwar verlautbarte Opel, mit dem Cascada 1.6 SIDI Turbo einen Cruiser auf die Straßen schicken zu vollen, allerdings darf auch ein solcher etwas nachdrücklicher zu Werke gehen, als es der 1.6er Turbo letztlich macht.

Opel-Cascada-1.6-SIDI-Turbo-Cockpit-Tacho-Innenraum-Interieur

Neben der Anfahrschwäche schiebt der Cascada erst nach Erklimmen der 2.500er Marke spürbar nach vorn. Wer den Opel jedoch drehzahllastig bewegt, wird keine große Freude haben. Jenseits der 4.000 Touren wirkt der Cascada überanstrengt und zugeschnürt, wird heiser und vermittelt dem Fahrer, dass er das nicht möchte. Gleiten und Cruisen – das ist sein Metier. Straßenkreuzer möchte er spielen; und so verfügt der Cascada auch über den Wendekreis eines Straßenkreuzers, der es mir gelegentlich schwer machte, innerstädtisch scharfe Kurven zu passieren. Mehrfach war es notwendig, zurück zu setzen.

Aber für das, wofür er gemacht ist, vermittelt der Opel Cascada, die Idealbesetzung zu sein. Ausdrücklich als Cruiser und Gleiter beworben, ist es genau das, was mit dem Rüsselsheimer am meisten Freude bereitet. Leicht kurvige Straßenverläufe, außerhalb geschlossener Ortschaften fühlt sich der Cascada mit 100 km/h auf dem Tacho spürbar am wohlsten. Der Motor werkelt völlig im Verborgenen. Er ist weder zu hören noch zu spüren. Hier kommt zur Gänze und in voller Tragweite das idealisierte Bild des Cabrio-Erlebnisses zum Tragen: das Verdeck versenkt, die Scheiben ringsum heruntergefahren und mit alpinem Wind im Haar Doppel-S-Kurven geschwind folgen; entlang steiler Felswände auf der einen und atemberaubender Meer-Panoramen auf der anderen Straßenseite. Mit geschlossenem Verdeck wird es im Innenraum noch deutlich leiser. Egal, ob 140 auf der Autobahn oder gemütliche 100 auf der Landstraße – hier kommt niemand aus der Ruhe – weder Fahrzeug noch Fahrer.

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Nur, wem der Schalk im Nacken sitzt, mehr als nötig im 6-Gang-Schaltgetriebe rührt und sich mit gen Begrenzer orgelnder Drehzahl der nächsten Kurve nähert – derjenige wird mit dem lustlosen Getöse des neuen Opel-Triebwerks beschallt. Aber wie gesagt, das ist des Cascadas Sache nicht.

Fahrdynamisch lassen sich mittels der Einstell-Möglichkeiten in der Mittelkonsole unterschiedliche Fahrmodi auswählen. Etwas nervig ist der Umstand, dass standardmäßig der Eco-Mode mit jedem neuen Motorstart aktiviert ist. Aufgrund der kurvigen Straßenverhältnisse war ich meist im Sport-Modus unterwegs. Da im Testwagen keine adaptiven Dämpfer verbaut waren, blieb der Cascada stets komfortables Reisemobil, das nichtsdestoweniger einen Hauch Sportlichkeit vermittelte. Eine Variation der Gaspedalkennlinie mag vorliegen, war jedoch subjektiv nicht spürbar. Doch eine merkliche Veränderung wurde in der Lenkung erfahrbar. War sie im Tour-Modus noch eher behäbig und weich, wurde sie mit Druck auf die Sport-Taste spürbar direkter und sprach fein auf Lenkbefehle an. Gerade auf den kurvig-bergigen Passstraßen nördlich von Nizza und Monaco zeigte die Lenkung, was sie kann. Trotz des enormen Wendekreises ließ sich der Cascada überraschend zackig durch die teils furchtbar engen Kurven zirkeln.

Opel-Cascada-1.6-SIDI-Turbo-Innenraum-Interieur-Fond

Sehr hilfreich bei dynamischer Fahrweise und den engen Kurven im Hinterland Nizzas war die feine HiPerStrut-Vorderachskonstruktion, die ursprünglich für den Opel Insignia OPC entwickelt wurde. Nicht ganz so sportlich abgestimmt, ließ die Vorderachse jedoch keinen Zweifel über ihre Daseinsberechtigung aufkommen. Der frontgetriebene Cascada ließ sich meist mühelos durch enge Kurven ziehen, blieb treu in der vom Lenkwinkel vorgegebenen Spur. Die Kontrollleuchte des ESP bekam ich nicht zu sehen, ganz gleich, wie sehr ich mich dem Grenzbereich auch nähern mochte. Wirklich sehr beachtlich für dieses große, schwere und Behäbigkeit vermittelnde Auto.

Zum Schluss bleibt also, Opel zu diesem gelungenen Mittelklasse-Cabriolet zu gratulieren. Das Design – insbesondere die Heckpartie und die offene wie geschlossene Silhouette – wirkt stimmig und empfinde ich als sehr gelungen. Als Landstraßen-Cruiser und Reiseauto ist der Cascada konzipiert; und genau dieses Gefühl vermittelt er auch. Dazu passt der neue 1.6 SIDI Turbo-Motor, der nicht durch seine Sportlichkeit oder sein Durchzugsvermögen glänzt, dafür umso mehr durch seine Laufruhe und Souveränität. Das erstklassig gedämmte Stoffverdeck sorgt für Ruhe, wenn der Fahrer sich von der Umgebung abkapseln möchte. Nicht so recht zum Cruiser-Charakter mag die im Sport-Modus sehr gut gelungene Lenkung sowie die HiPerStrut-Vorderachse passen. Missen möchte ich allerdings beides nicht. Sie machen den Cascada keineswegs zum Sportler, helfen aber den Dynamik-Fähigkeiten ungemein. Die Innenraumverarbeitung ist gut. In Topausstattung lässt der Opel tatsächlich etwas wie „Premium“ aufkommen. Die optionalen Ausstattungsmöglichkeiten sind vielfältig und vermutlich für zahlreiche Bedürfnisse angemessen.

Frei von Kritik ist aber auch der Opel Cascada nicht. Die verhunzte Mittelkonsolen-Konstruktion bedarf dringlich einer Entschlackungskur. Logisch angeordnete Schalter wären auch schön. Zudem ist der neue 1.6 SIDI Turbo für meinen Geschmack – trotz aller Cruiser-Beteuerungen – zu lethargisch und zugeknöpft. „Nachdruck“ wäre also ein weiterer Punkt auf meinem Wunschzettel. Auch fällt das Gewicht mit mindestens 1.733 kg für den 1.6 SIDI Turbo viel zu hoch aus. Inakzeptabel ist der Wendekreis.

Dem selbst verordneten Premium-Anspruch wird Opel mit dem Cascada weitgehend gerecht. Zu bedenken bleibt aber, das ‚Premium‘ nichts als ein beliebtes Marketing-Schlagwort ist, das über Qualität nichts auszusagen vermag. So hinterließ der Opel Cascada in puncto Qualität und Innenraumverarbeitung zwar einen wertigen Eindruck, aber dennoch fielen vereinzelt Details relativierend auf. So sticht etwa der Hartplastik-Rahmen der Mittelkonsole unangenehm heraus, haben die Klavierlack-Zierleisten teilweise leichtes Spiel.

Dennoch: Der Opel Cascada 1.6 SIDI Turbo ist ein gelungenes Mittelklasse-Cabriolet, das gekonnt eine bisher unbesetzte Nische bedient.

Weitere lesenswerte Artikel zum Opel Cascada 1.6 SIDI Turbo findet ihr hier:

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Auch auf der Hersteller-Webseite gibt es nähere Informationen.

 

technische Daten Opel Cascada 1.6 SIDI Turbo
Motor-Bauart Reihen-4-Zylinder-Ottomotor | Direkteinspritzung & Turboaufladung
Hubraum 1.598 cm³
max. Leistung 125 kW / 170 PS bei 6.000 U/min
max. Drehmoment 260 Nm bei 1.650–3.200 U/min (280 Nm mit Overboost)
Antriebsart Frontantrieb
Getriebe 6-Gang-Schaltgetriebe
Beschleunigung, 0–100 km/h 9,6 s
Höchstgeschwindigkeit 222 km/h
Länge / Breite / Höhe 4696 mm / 2020 mm / 1443 mm
Leergewicht 1.733 kg
max. Zuladung 407 kg
Kofferraum-Volumen 280 l offen / 380 l geschlossen
Verbrauch innerorts/außerorts 8,0 l/5,3 l Super
Verbrauch gesamt 6,3 l Super
CO2-Emissionen 148 g/km
Grundpreis Cascada 1.6 SIDI Turbo 28.245,- €
Testwagenpreis ca. 40.000,- €

 

Angetestet: Kurz-Fahrbericht zum Ford Fiesta ST – Ein Ersteindruck vom Kölner Hans Dampf

Sportversionen konventioneller Alltagsbegleiter mit verhältnismäßig viel Leistung an der oberen Spitze der Modellreihe haben bei Ford über viele Jahre hinweg eine gewisse Tradition entwickelt. Bereits 1981 kam der erste Ford Fiesta XR2 auf den Markt.

2005 erfolgte der Marktstart des ersten Ford Fiesta ST – damals noch mit einem 2.0-Liter-Sauger ausgerüstet, leistete Fords Kleinwagen 150 PS und 190 Nm Drehmoment. Damit ließ sich bereits der erste ST verhältnismäßig sportlich bewegen.Doch nach nur drei Jahren verschwand er. 2008 startete Ford die siebente Generation des Fiesta – bot jedoch keinen Nachfolger des ST an.

Weiterer fünf Jahre zogen ins Land, der Fiesta MkVII erfährt ein Facelift, wird mit den modernen Dreizylinder-EcoBoost-Motoren bestückt. Und dann, endlich, stellen die Kölner ihren neuen Ford Fiesta ST vor. Der schnellste Fiesta aller Zeiten ist er geworden; und das nicht zu knapp. Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist der neue Ford Fiesta ST zum Dampfhammer mutiert.

Kamen die damaligen Fiesta XR2 bzw. XR2i mit Anlehnungen an den Rallye-Sport zu uns, bedient der Fiesta ST voll und ganz die Ansprüche an einen modernen Straßensportler, der in der Großstadt ebenso gut wie auf der Landstraße bewegt werden kann. Aber auch nur kann – denn sein eigentliches Terrain ist und bleibt die Landstraße.

Ford-Fiesta-ST-Race-Rot-EcoBoost-Vorderansicht-Schnee

Im neuen Fiesta ST wurde der Hubraum von 2.0 auf 1.6 Liter eingedampft, statt unverdichtet wird die Luft mittels Turbolader vorverdichtet, eine Benzindirekteinspritzung injiziert und zerstäubt den Super-Plus-Kraftstoff direkt in die vier Brennkammern. Mit Hilfe dieses technologischen Quantensprungs gehört ein gewaltiges Mehr an Leistung zur Ausbeute. 182 PS stemmt der Antrieb auf die Vorderachse, großzügige 240 Nm Drehmoment stehen dem Fahrer ab 1.600 Umdrehungen zur freien Verfügung.

Der Fiesta ST hat damit in jeder Lebenslage ausreichend Kraft, um zügig von dannen zu ziehen. Mit unnachgiebigem, aber stets gut beherrschbaren Nachdruck schiebt der ST nach vorn, lässt sich bis auf über 6.500 Umdrehungen hochjubeln. Der „Sound Composer“, der den Motorensound für den Innenraum technisch aufarbeitet und aufwertet, sorgt für einen nie gehörten Ohrenschmaus aus der Retorte. Es stimmt, ich bin kein Freund technisch aufpolierter Motorengeräusche, aber was die Sound-Designer hier gezaubert haben, ist ein wahrer Genuss. In Ortschaften spiele ich permanent mit dem Gaspedal, um wieder und wieder dieser Orgel im Innenraum lauschen zu können.

Ford-Fiesta-ST-EcoBoost-Cockpit-Tacho-Kombiinstrument

Mit dem Blick auf das Ortsausgangsschild ist aber Schluss mit dieser Harmonie: den zweiten Gang eingelegt und dem Fiesta ST sowie seiner Bestimmung freien Lauf gelassen. Vor dem Kurvenscheitelpunkt kräftig angebremst und zackig ums Eck gelenkt. Das kann der Fiesta ST, das ist seine Welt. Die Bremsen beißen spürbar kräftiger in die Scheiben und das ESP lässt mir mehr Freiraum als dies die vernünftigeren Fiestas tun könnten. Die Lenkung ist angenehm zielgenau und die optionalen Recaro-Sportsitze passen wie angegossen. Hier wackelt nichts, und Luft bleibt auch keine. Selbst im Schulterbereich bieten die Sitze optimalen Seitenhalt.

Ford-Fiesta-ST-EcoBoost-Sportsitze-Recaro

Kurzum, dieses Kölner Wiesel, dieser Hans Dampf in allen Gassen – er macht unerhört viel Spaß. Wer hätte das von einem Kleinwagen à la Fiesta gedacht? Hinzu kommt der verhältnismäßig günstige Preis. Für 20.990 € inkl. des Leder-Sport-Pakets mit den unbedingt empfehlenswerten Recaros gibt es den Ford Fiesta ST seit März 2013 beim hiesigen Ford-Händler. Mit einigen kleineren Extras wie dem Performance-Paket I (17“-LM-Räder, rote Bremssättel, Einstiegsleiste mit beleuchtetem ST-Logo) und weiterem Schnickschnack, der den Fiesta ST eine Spur sportlicher aussehen lässt, komme ich persönlich auf einen Listenpreis von 21.800 €. Für einen Kleinwagen mag das durchaus nicht wenig sein, aber angesichts des Gebotenen und im Vergleich mit der Konkurrenz geht der Fiesta ST glatt als Schnäppchen durch.

Bei all den schönen Worten: was war weniger gut am Ford Fiesta ST?

Das Navigationssystem beispielsweise kann man sich getrost schenken; denn einerseits ist mit dem Fiesta ST der Weg über die Landstraße das Ziel und andererseits wirkt das angebotene Sony-System technisch und optisch angestaubt und unzeitgemäß. Hinzu kommt die Mittelkonsole, die sehr unübersichtlich geraten ist. Viele kleine Knöpfe, unlogische Anordnung – hier tut eine Entschlackung not.

Ford-Fiesta-ST-EcoBoost-Cockpit-Interieur-Innenraum

Xenon-Scheinwerfer sind nicht erhältlich – für mich ein echtes Manko. Die 1.000 € für gutes und sicheres Licht würde ich anlegen – wenn es denn ginge. Wünschen würde ich mir zudem eine Öltemperatur-Anzeige. Im Focus ST ist diese zusammen mit den Ladedruck- und Öldruck-Anzeigen serienmäßig. In einen sportlichen Turbo wie dem Fiesta ST gehören diese Anzeigen jedoch ebenso. Die Geräuschkulisse bei Leistungsabgabe ist atemberaubend, aber künstlich generiert. Das ist insofern kein Problem, als dass es nicht artifiziell klingt – bis man die Seitenscheibe hinuntergleiten lässt und hört, das sowohl Motor als auch Abgasanlage undankbar unspektakulär klingen. Also, die Scheiben wieder hoch und den Innenraumklang genießen.

Ford-Fiesta-ST-Race-Rot-EcoBoost-Heckansicht-schräg-Schnee

Ein großer Kritikpunkt ist die Innenraumverarbeitung. Performance und Antrieb sind grandios im kleinen Kölner, aber eben auch nicht alles. Klar ist: im Fiesta gibt es viel Hartplastik. Stört mich nicht – gut und optisch ansprechend verarbeitet, bin ich der letzte, der sich darüber echauffiert. Jedoch, es ist die Verarbeitung, die für hochgezogene Augenbrauen sorgt. Ein Griff an die Mittelarmlehne lässt die gesamte Mitteltunnelverkleidung unschön vor und zurück bewegen. Die Türinnenverkleidungen sind zu weich und flexibel. Die Schutzgitter der Lautsprecher und die Verkleidung selbst lassen sich erschreckend tief eindrücken. Ernüchternd fiel auch ein Blick in den Fahrerfußraum aus: das Lenkgestänge liegt frei. Ich wiederhole: In einem Kleinwagen anno 2013 liegt das Lenkgestänge frei. Ich dachte zunächst, hier würde eine Abdeckung fehlen; aber nein. Auch die anderen Fiesta haben ein frei liegendes Lenkgestänge.

Klar, der Preis kommt nicht von ungefähr. Mit dem aufgerufenen Tarif ist der Ford Fiesta ST günstig, überzeugt mit seinen fahrerischen Leistungen – auch wenn ich aufgrund der Witterungsverhältnisse nicht so viel Nachdruck an den Tag legen konnte, wie ich wollte. Aber absehbar und spürbar waren die Freude, der Spaß und das kindliche Vergnügen an tief bollernden Motorensound im Innenraum, die fest zupackenden Bremsen, das saubere Herausbeschleunigen aus den Kurven bis jenseits der 6.000er Marke und die wirklich guten Sportsitze. All das kann eine Menge rausreißen. Jeder muss letztlich für sich wissen, worauf er Wert legt, wenn es um die Anschaffung eines sportlichen Kleinwagens geht. Der Fiesta ST jedenfalls ist günstig, potent sowie im sportlichen Sinne gut bestückt mit einem passenden Fahrwerk, den richtigen Sitzen und einer Klangkulisse zum Nackenhaare-Aufstellen. Wer also über Landstraßen hetzen möchte, der hat eh keine Zeit, um nach mäßiger Interieur-Verarbeitung zu suchen – derjenige hat einfach nur Spaß.

Im Fahrbericht: Škoda Yeti 2.0 TDI 4×4 – Der Pragmatiker unter den SUV

Ein typisches SUV ist der Škoda Yeti nicht; jedenfalls nicht im zeitgenössischen Sinne. Škoda unterlässt den Versuch, auf Krampf eine attraktive, auf Sportlichkeit getrimmte Karosse aufzubocken und als Offroader anzupreisen. Zwar verfügt der Yeti über einen Allrad-Antrieb, zum Geländewagen wird er dadurch aber nicht. So gesehen, ist der Škoda Yeti eigentlich ein UV – ein Utility Vehicle.

Anfangs war ich fast entsetzt. Neugierig und gespannt auf den Yeti erwartete ich seine Ankunft. Ich machte mich frei von etwaigen Vorurteilen und wollte ausgeglichen und nüchtern, sachlich und rational dem Testwagen begegnen. Und dann das: er war weiß. Uni-Weiß mit schwarzen Kunststoff-Seitenleisten und unlackierten Stoßfängern. Denkbar unattraktiv.

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Es half nichts, da musste ich durch. Da ich einen Großteil meiner Zeit ohnehin im Inneren verbringen würde, war dieser Umstand nicht weiter tragisch. Und dennoch versuchte ich, dem Äußeren hier und da etwas abzugewinnen.

Bullig kommt die Front daher. Die Xenon-Scheinwerfer werden jeweils durch die schräg darunter liegenden Nebelscheinwerfer komplettiert und bilden einen Bezug zum Rallye-Sport. Einmal habe ich die Nebler eingeschaltet, danach nie wieder. Dieses unsägliche Straßenlaternen-Gelb macht die Lichtstimmung der Xenon-Brenner zunichte. Dass Škoda das anders kann, zeigt sich am neuen Octavia III, der sich mit seinen Nebelscheinwerfern in blau-weißem Farbton sehr der Xenon-Farbe angenähert hat.

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Ein nettes Detail des Yeti, das sich Superb und Octavia II ebenfalls teilen, ist der Modellname im Scheinwerfer. Eine schöne Idee, die jedoch aufgrund ihres edlen Anstrichs besser zum Superb als zum Yeti passt.

Abgesehen von der Rallye-Front fällt die Karosserie des Škoda Yeti unspektakulär aus. Kastig wirkt das Heck, als sei der Yeti eine hochgelegte Variante des Roomster mit verkürzten Rückleuchten. Ob einem dieses Design nun zusagt oder nicht – unbestritten dürfte sein, dass sich eine solch kubische Ausformung des Gepäckabteils positiv auf die Praktikabilität des Yeti auswirkt.

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In seiner Gesamtheit scheint sein Äußeres zu sagen „Mir doch egal!“. Er schert sich nicht um Design-Schnickschnack. Er ist Pragmatiker – das zeigen nicht zuletzt das schnöde Uni-Weiß, der unlackierte Kunststoff und das eckige Heck. Und dieses über-den-Trends-stehen macht den Yeti unwahrscheinlich charmant.

Im krassen Gegensatz zum Nutzfahrzeug-Charme des Exterieurs steht das Innenleben des Yeti. Klar, praktisch bleibt er auch innen, aber das Raubeinige der äußeren Hülle ist verflogen. Leder-Alcantara-Sitze umfangen meinen Hintern und das lederummantelte Multifunktionslenkrad mit den dezenten Daumenwulsten schmeichelt meinen Händen. Cockpit und Instrumente werfen keine Fragen auf, die Bedienung gelingt beinahe wie im Schlaf.

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Punkten kann der Škoda Yeti obendrein mit vielen praktischen Detaillösungen. So versteckt sich unter der Sonnenblende eine weitere, die ich hinunterklappen kann, wenn die obere Blende zur Seite geschwenkt wurde. Blendungen von schräg vorn lassen sich so effektiver ausschließen. Kleinigkeiten wie der bereits bekannte Tickethalter in der Windschutzscheibe oder das Gummiband in der Türablage, das den Papierkram fixiert, verdeutlichen die pragmatischen Seiten des Škoda, der im Alltag geerdet zu sein scheint.

Praktisch geht es ebenso im Fond zu, besonders die hintere Sitzreihe glänzt durch ihre Variabilität. Die drei Einzelsitze sind verschiebbar, in der Lehnenneigung verstellbar und zudem komplett ausbaubar. Der Mittelsitz kann per Umklappen als Tisch mit weiteren Getränkehaltern fungieren. Ist dieser ausgebaut, können die Außensitze etwas näher zusammenrücken, sodass sich die beiden Fondpassagiere über gewachsene Ellenbogen-Freiheit freuen dürfen. Zudem sind die Lehnen umlegbar sowie die kompletten Sitze hochklappbar. Je nach Bedarf lässt sich so ein Maximal-Volumen von bis zu 1.760 Liter generieren. In einen VW Passat Variant geht in puncto Maximum weniger ins Heck (1.731 Liter) – dieser kann sich jedoch nicht seiner hinteren Sitzreihe entledigen. Dennoch bleibt das gebotene Raumangebot des Škoda Yeti beachtlich; schließlich baut er auf eine Kompaktklasse-Basis.

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Bei aller Alltagstauglichkeit dieses Pragmatikers – was liegt da näher, als einen kräftigen, arbeitswilligen Selbstzünder als Antrieb zu verwenden? Das Konzernregal bietet eine Vielzahl an Aggregaten. Im Testwagen verbaut ist der bekannte 2.0 TDI-Motor, der mit einer Leistung von 125 kW/170 PS souveräne Leistung verspricht.

Und doch, es ist gerade der Motor, der für mich all die schönen Vorzüge des Yeti in Wohlgefallen auflösen lässt. Im Innenraum zeigt sich der Diesel stets präsent – auch bei ausreichend warm gefahrenen Motor macht dieser keinen Hehl aus seiner Arbeitsweise. Die Geräuschdämmung ist nicht optimal, wirkliche Ruhe kehrt nicht ein. Die Laufunruhe des Common-Rail-Diesels sorgt für spürbare Vibrationen am Lenkrad. Besonders unruhig läuft der Diesel, wenn der Yeti im Stadtverkehr niedertourig bewegt wird. Davon betroffen ist etwa die Mittelkonsole, die bereits nach einer Laufleistung von 3.000 Kilometern aufgrund der immer anhaltenden Vibrationen knisternd und knirschend ihrem Unmut Luft macht. Die etwas mittelalterlich anmutende Handy-Halterung gibt ebenfalls brummende Frequenzen von sich.

Auch im bloßen Fahrbetrieb kann mich der 2.0 TDI nicht überzeugen. Motor und Getriebe scheinen in Hassliebe verbunden – das 6-Gang-Schaltgetriebe lässt sich problemlos durch seine sieben Fahrstufen führen, obgleich teils knorpelig. Gerade bei dynamischer Fahrweise wird das Schaltvergnügen getrübt; ein Umstand, der mir leider auch im Octavia III auffiel. Die im Bordcomputer ausgegebene Schaltempfehlung erwies sich dabei als außerordentlich optimistisch. Liegt dem Triebwerk untertouriges Fahren ohnehin schon nicht, gibt die Schaltempfehlung viel zu früh den höchsten Gang vor.

Auf dem Papier können die Leistungsdaten des Škoda Yeti 2.0 TDI beeindrucken. 350 Nm drücken auf den Antriebsstrang, lägen bereits bei 1.750 Umdrehungen an – und verpuffen oberhalb von 2.500 Umdrehungen. Der Standardsprint sei in 8,4 Sekunden vollführt und obenrum stoppe der Vortrieb bei 201 km/h.

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In der Praxis fühlt sich das ein wenig anders an. Subjektiv schiebt der Yeti erst ab 2.000 Umdrehungen richtig vorwärts. Das dann jedoch so plötzlich und unvermittelt, dass ich das Gefühl hatte, in einem Transporter zu sitzen. So unverhofft wie die Leistung einsetzt, so wenig passiert am unteren und oberen Ende der Drehzahlskala – sowohl unterhalb der 2.000er Marke als auch oberhalb von 3.000 Umdrehungen wirkt der Konzern-Diesel lethargisch und zugeschnürt. Das volle Drehzahlband zu nutzen macht so keinen Sinn – etwa auf dem Beschleunigungsstreifen der Autobahn. Fahrspaß möchte da ebenso wenig aufkommen. Die Drehzahl steigt kontinuierlich bis auf 4.200 an, der Motor wird lauter und quält sich – aber von einer druckvollen Leistungsabgabe spüre ich zwischen 3.000–4.200 Umdrehungen nicht viel.

 

Das alles ist sehr schade, denn der Yeti kann die Sympathien auf seiner Seite wissen. Er ist aufgrund seines Nonkonformismus ein charmantes und gleichermaßen praktisches Fahrzeug für nahezu alle Lebenslagen. Clevere Detaillösungen erleichtern das Auto-Fahrerleben, bringen mich gelegentlich zum Schmunzeln ob einer simplen, aber klugen Idee, der Yeti ist variabel und schluckfreudig im Innenraum. Zudem bewältigt der Škoda mithilfe seines Allrad-Antriebs problemlos Passagen durch Sand, Schnee und Dreck jenseits befestigter Fahrbahnen – spätestens seit der Wüstentour durch Namibia sollte das jedem klar sein.

Aber dann kommt der Motor. Dieser verhagelt dem Yeti fast alles. Er ringt der Mittelkonsole ihr leidiges Stöhnen und Ächzen unter steten Vibrationen ab. Zudem geht das Aggregat geräuschvoll zu Werke und überzeugt nicht in der Leistungsabgabe. Immerhin: im Durst hält sich das Diesel-Triebwerk angenehm zurück. Trotz der vielen Stadtfahrten im Stop&Go-Verkehr Berlins und der nicht minder belastenden Autobahnetappen standen nach zwei Wochen 7,4 Liter auf 100 Kilometer auf dem Display. Angesichts der Anforderungen und abgerufenen Leistung ein Wert, der völlig in Ordnung geht. Im Normalbetrieb lässt sich der Yeti durchaus mit einer sechs vor dem Komma bewegen.

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So bleibt mir im Fazit nur zu sagen: Der Škoda Yeti ist ein gutes Auto, das durch seine praktischen Talente zu überzeugen weiß und für all jene in Betracht kommt, die die Vorzüge von SUV und Hochdachkombi im Einklang erleben möchten. Motorseitig würde ich persönlich zu einem Benziner tendieren – Ökonomie hin oder her. Der Yeti 1.8 TSI mit 160 PS weist vergleichbare Fahrleistungen auf, könnte aber womöglich mit einer harmonischeren Leistungsabgabe und höherer Laufruhe überzeugen. Beim anstehenden Facelift wiederum würden womöglich überarbeitete Diesel-Motoren zum Einsatz kommen, die eher überzeugen könnten.

Weitere Blog-Artikel zum Škoda Yeti gibt es hier:

 

technische Daten 2.0 TDI (125 kW) 4×4
Motor-Bauart Reihen-4-Zylinder-Dieselmotor | Direkteinspritzung & Turboaufladung
Hubraum 1.968 cm³
max. Leistung 125 kW / 170 PS bei 4.200 U/min
max. Drehmoment 350 Nm bei 1.750–2.500 U/min
Antriebsart Allradantrieb mit Lamellen-Haldexkupplung
Getriebe 6-Gang-Schaltgetriebe
Beschleunigung, 0–100 km/h 8,4 s
Höchstgeschwindigkeit 201 km/h
Leergewicht 1.535 kg
max. Zuladung 545 kg
Kofferraum-Volumen 405–510 l
Verbrauch innerorts/außerorts 6,9 l/5,3 l Diesel
Verbrauch gesamt 5,9 l Diesel
Testverbrauch 7,4 l Diesel
Grundpreis Yeti 2.0 TDI (125 kW) 4×4 30.890,- €

 

Im Fahrbericht: Audi A1 1.4 TFSI – kleiner Perfektionist mit leichten Schwächen

Erstmals seit dem Audi 50, der 1978 zugunsten des VW Polo I eingestellt wurde, stellen die Ingolstädter wieder einen echten Kleinwagen auf die Räder. Dieses Mal basiert der Audi A1 auf den Polo V – allerdings sind im Gegensatz zur über 40 Jahre zurückliegenden Automobil-Vergangenheit größere Unterschiede vorhanden. Und das ist gut so.

Der Testwagen ist eine besondere Erscheinung. Er strahlt, aus voller Kraft strahlt er mich im tristen Herbstgrau mit seiner knalligen wie auffälligen Lackierung an. „Misanorot“ nennt Audi diesen Perleffekt-Lack. Mir mag die Farbe anfangs nicht zusagen, aber mit fortschreitender Dauer des Testbetriebs freunde ich mich mehr und mehr mit dem kleinen Feuerwehr-Wagen an. Die in Eissilber-Metallic lackierten Dachbögen und Spiegelkappen versprühen einen Hauch Sportlichkeit, die ebenso vom Dachkanten-Spoiler suggeriert werden möchte.

Die Front im Audi-Einheitsdesign macht mir ein Gefallen nicht leicht, sehen sich die unterschiedlichen Audi-Modelle inzwischen zu ähnlich. Lasse ich jedoch von meinen Vorbehalten ab, kann ich sehr wohl das klare und sachliche, aber dennoch dynamische Design in Front und Seitenlinie anerkennend nickend zur Kenntnis nehmen.

Mit dem Heck kann ich mich jedoch auch am letzten Tag nicht anfreunden. Es fällt überproportioniert aus und lässt den A1 nach hinten unförmig wirken.

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Interieur, Verarbeitung & Ergonomie

In puncto Verarbeitung und verwandter Materialien zeigt Audi deutlich, wo die Ansprüche der Ingolstädter liegen. Der Materialmix im Innenraum weiß auf Anhieb zu gefallen, aufgeschäumte Kunststoffe schmeicheln den Händen und das lederummantelte Sportlenkrad sagt nicht nur „Sport“, es haucht auch „Zärtlichkeit“. Tatsächlich erweisen sich zudem alle metallisch aussehenden Schalter, Knöpfe und Hebel aus Metall. Besonderes Highlight sind dabei die Drehräder der Klimaautomatik: geriffeltes Metall mit klar definierten Klickpunkten – so gehört sich das, so gefällt mir das.

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Wer es darauf anlegt, wird erst unterhalb der Knie Hartplastik ausmachen können. Weit früher lassen sich dagegen Schwächen in der Ergonomie feststellen, wie ich bereits in einem früheren Artikel festhielt. Das unbeleuchtete Zündschloss lässt gerade bei Dunkelheit den Wunsch nach einem schlüssellosen Zugangssystem aufkommen. Das Kombiinstrument kommt klar gegliedert und sehr gut ablesbar daher, allerdings vermisse ich Anzeigen für das Abblendlicht. Ohne Verrenkungen erkenne ich nicht, ob und welches Licht eingeschaltet ist. Auch liegen die Schalter unterhalb der Klimaautomatik sehr ungünstig – zumal diese noch etwas tiefer in der Mittelkonsole liegen. Da wird die Heckscheibenheizung schon mal etwas länger gesucht. Noch schlimmer sieht es mit dem Zigarettenanzünder aus: dieser liegt derart tief und ungünstig, sodass sehr filigrane Hände vonnöten sind, um hier etwas anschließen zu können. Ebenfalls störend fallen die silbernen Ausströmer-Manschetten auf. Diese spiegeln bei Dunkelheit teils so stark, dass ein Blick in den Seitenspiegel unmöglich wird.

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Das Platzangebot lässt kaum Klagen zu. Vorn herrscht Platz wie in der Mittelklasse und selbst im Fond bleibt mir überraschend viel Raum zwischen Fahrersitz und Knie. Allerdings stoße ich hinten mit dem Kopf an die hintere Dachkante und obendrein lassen sich die hinteren Kopfstützen nicht hoch genug einstellen bzw. rasten nicht ein. Platz im Fond ist bestenfalls für Passagiere bis 1,70 Meter Größe vorhanden.

 

Dynamik, Motor & Getriebe

Dynamisch hat der Audi A1 auch mit seinen 122 PS einiges zu bieten. Die angenehm direkte Lenkung vermittelt dem Fahrer sowohl zum Fahrzeug als auch zur Fahrbahn adäquaten Kontakt, sodass ich mich als Fahrer am Lenkrad als Schnittstelle zwischen Auto und Straße fühle. Die serienmäßigen Sportsitze der Ambition-Ausstattung bieten mit ihrer straffen Polsterung und gutem Seitenhalt, die Stütze, die ich in zügigen Kurven benötige.

Der kleine 1.4 TFSI bietet erstaunlich agile Fahrleistungen. Bereits im mittleren Drehzahlbereich liegt das volle Drehmoment an, das ein ordentliches Maß an Schub gewährleistet. Das Doppelkupplungsgetriebe S tronic hat gerade im Stadtverkehr immer die passende Fahrstufe parat und kann mich im Großstadt-Dschungel noch am meisten überzeugen. Denn trotz der Möglichkeit, über die Schaltwippen Gangwechsel vornehmen zu können, fühle ich mich des öfteren von der Technik bevormundet, da ein Automatik-Getriebe meinen Fahrstil nicht wiedergeben kann. Möchte ich an einer Ampel zügig beschleunigen, reagiert das S tronic unangebracht – als würde ich ein Viertelmeilen-Rennen absolvieren.

Hinzu kommen etliche Gedenksekunden. Wenn ich auf der Landstraße am Ortsausgang zügig auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit beschleunigen möchte, genehmigt sich das Getriebe eine kurze Pause, bis es den passenden Gang gefunden zu haben scheint. Bei manuellen Gangwechseln über die Schaltwippen erfolgen diese lediglich verzögert. Punktgenaues, drehzahl-orientiertes Schalten wird so unmöglich.

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Ansonsten kann das Doppelkupplungsgetriebe seine Stärken voll ausspielen: nahezu ruckfreies Beschleunigen fast ohne Zugkraftunterbrechungen. Dabei zeigt der A1 mit nur 1.390 cm³ gutes Durchzugsverhalten in jeder Lebenslage. Weniger begeistern kann da der Motorsound. Er fällt keineswegs nervig oder anderweitig auffällig aus und nur bei geöffnetem Fenster lässt sich der Turbo erahnen. Leicht brummig wird er im Drehzahlkeller, wenn plötzlich Leistung gefordert wird.

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Fazit

Per se lässt sich nichts Schlechtes über den Audi A1 Ambition sagen. Sein 1.4 TFSI-Triebwerk überzeugt als alltagstaugliche Motorisierung mit Leistungsreserven auf Abruf. Das S tronic-Getriebe macht das was es soll: nahezu ruckfrei durch seine sieben Gänge schalten. Überzeugen konnte diese mich dennoch nicht; das liegt weniger an der Technik, als an meinem individuellen Fahrstil. Was die Verarbeitung im Interieur betrifft, wird Audi seinen eigenen Ansprüchen gerecht – auch wenn es überaus erstaunlich bleibt, was hier ein Kleinwagen bietet. Dabei stellen die optionalen Xenon-Scheinwerfer eine echte Empfehlung dar.

Allerdings leistet sich der kleinste Ingolstädter auch Schwächen. Gerade die Innenraum-Ergonomie fällt nicht optimal aus. Jedoch bleibt das Meckern auf sehr hohem Niveau.

Was ich Audi jedoch ankreiden muss, ist die Preispolitik. So kosten bspw. beheizbare Außenspiegel Aufpreis, obwohl diese ohnehin elektrisch verstellbar sind. Nachvollziehbar ist das nicht.

Mit 29.000,- € Testwagen-Preis ist der A1 Ambition 1.4 TFSI kein Schnäppchen, jedoch muss jeder für sich entscheiden, ob ihm ein ungewöhnlich gut verarbeiteter Kleinwagen so viel Geld wert ist.

 

 technische Daten  1.4 TFSI S tronic 
 Motor-Bauart  Reihen-4-Zylinder-Ottomotor | Direkteinspritzung & Turboaufladung
 Hubraum  1.390 cm³
 max. Leistung  90 kW / 122 PS bei 5.000 U/min
 max. Drehmoment  200 Nm bei 1.500–4.000 U/min
 Antriebsart  Frontantrieb
 Getriebe  7-Gang S tronic (Doppelkupplungsgetriebe)
 Beschleunigung, 0–100 km/h  8,9 s
 Höchstgeschwindigkeit  203 km/h
 Leergewicht  1.200 kg
 max. Zuladung  375 kg
 Kofferraum-Volumen  270 l
 Verbrauch innerorts/außerorts  6,5 l/4,6 l Super
 Verbrauch gesamt  5,3 l Super
 Test-Verbrauch  ca. 7,2 l Super
 Grundpreis A1 Ambition 1.4 TFSI  20.250,- €
 Testwagenpreis  29.000,- €

 

Im Fahrbericht: Nissan Juke 1.6 DIG-T 4×4 – Ein Juke kommt selten allein

Der Nissan Juke polarisiert – und das ist ihm Segen und Fluch zugleich. Während die einen ihn für einen übermäßig aufgepumpten Kleinwagen halten und im Design für misslungen erachten, finden ihn andere Betrachter gerade wegen der unkonventionellen Form interessant und ansprechend.

Ich gehöre zu denen, dem der Nissan Juke gefällt. Sein Herausstechen aus dem alltäglichen automobilen Allerlei, Nissans mutiges Crossover-Design sagt mir sehr zu. Die Front mit den großen Glupschaugen gilt als Reminiszenz auf den Rallye-Sport, sein Rückleuchten-Design erinnert an den Nissan 370Z.

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Ist der Juke damit ein Querfeldein-Sportler im Kleinwagenformat? Womöglich war das die Intention der Japaner – und mit gewissen Kompromissen mag das auch stimmen.

Insbesondere in der größten Motorisierung, dem 1.6 DIG-T, kommen dem Juke sportliche Attribute zu. 190 PS entwickelt der kleine VierzylinderTurbo macht’s möglich. In Kombination mit dem anfangs gewöhnungsbedürftigen stufenlosen Automatikgetriebe (CVT) ist der kleine Bruder des Nissan Qashqai für sportliche Etappen auf der Landstraße durchaus zu gebrauchen. Besonders hilfreich, wenn es um eine solch sportive Gangart geht, ist NissansTorque Vectoring“, welches den kleinen Allradler hilft, stets genügend Drehmoment an den kurvenäußeren Rädern geliefert zu bekommen.

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Unter Volllast überrascht das CVT-Getriebe während erster Ausfahrten. Auf dem Beschleunigungsstreifen der Autobahn mutiert der Juke bei Vollgas in seiner Klangkulisse zum durchstartenden Düsenjet. Die Nadel des Drehzahlmessers steht dabei still; permanent liegen 6.000 Umdrehungen an. Keine Schaltvorgänge oder Drehzahlabsacker unterbrechen den Durchzug. Ungewöhnlich, aber durchaus spaßig.

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Seinen Tribut muss der Juke-Fahrer dann an der Zapfsäule entrichten. Auf einer Autobahnetappe, die sowohl Vollgasanteile als auch gemütliche 130er-Abschnitte zu bieten hatte, stieg der Durchschnittsverbrauch auf über 14,5 Liter. Autsch. Insgesamt pendelte sich mein Durchschnittsverbrauch auf 11,9 Liter ein. Das ist deutlich zu viel.

Der Innenraum weiß mir durchaus zu gefallen – wenn auch mit Abstrichen. Auf dem Fahrersitz Platz genommen, fällt auf, dass der Raum völlig ausreichend, aber doch kleiner als erwartet ausfällt. Hier macht sich die B-Plattform von Renault-Nissan bemerkbar, auf welcher z. B. der Nissan Note und Micra sowie Renault Clio und Modus basieren.

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Mit japanischen Innenräumen vertraut, wirft auch der Juke keine Fragen auf. Das Lenkrad gefällt mir dabei besonders, gerade wegen der beiden unterschiedlichen Lederarten. Die Anzeigen im Kombiinstrument lassen sich ohne Einschränkungen ablesen. Allerdings ist die Bedienung des Bordcomputers eine Katastrophe, da der Fahrer durch das Lenkrad greifen muss, um an das kleine Knöpfchen heran zu kommen.

Klima- und Heizungsregler gehen von der Lage in Ordnung, sitzen noch nicht zu tief. Besonderes Merkmal des Juke ist die variable Bedieneinheit. Eben noch für die Lüftung in Verwendung, werden mit Druck auf den D-Mode-Schalter die Fahrzeug-Konfigurationen sichtbar. Hier kann ich u. a. die Fahr-Modi („Normal“, „Sport“ oder „Eco“) auswählen.

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Das verbaute und in der Ausstattungslinie Tekna serienmäßige Navigationsgerät tut seinen Dienst zuverlässig und in der Berechnung ausreichend zügig. Diese guten praktischen Eigenschaften trösten darüber hinweg, dass das Display für heutige Verhältnisse etwas klein und die Darstellungsgrafik ein wenig antiquiert daherkommen.

Ein weiterer Wermutstropfen ist die Innenraumverarbeitung. Ich habe nichts gegen Hartplastik-Armaturen, das stört mich nicht – zumal der Juke bereits über „weicheres“ Hartplastik verfügt als die Japaner in den 90ern. Problematisch ist leider die Verarbeitungsqualität – und das ist wirklich ärgerlich. Einbauteile haben teils Spiel, die Türinnenverkleidungen sind unsauber entgratet und damit scharfkantig. Das muss wirklich nicht sein und trübt das Bild vom sonst überaus sympathischen Japaner. Ein weiteres Ärgernis im Testwagen war das permanent quietschende Bremspedal.

Ein nicht weniger ärgerliches Manko ist das Licht. Abgesehen davon, dass keine Xenon-Scheinwerfer verfügbar sind, erweisen sich die Halogen-Leuchten als sehr schlecht, da die ab Werk montierten Birnen ein nur sehr unzureichendes Licht ausstrahlen. Zwar mag H4 nicht mehr besonders zeitgemäß sein, aber mit der richtigen Birne lässt sich durchaus eine brauchbare Ausleuchtung erzielen.

In seiner Summe verhagelt es sich der Nissan Juke 1.6 DIG-T 4×4 leider selbst. Mit seinem kräftigen Motor, dem lässigen Torque Vectoring und seinem CVT-Getriebe macht der Juke mächtig Boden gut und überzeugt mich obendrein mit seinem frechen Design. Für kinderlose Paare ist das Auto völlig ausreichend dimensioniert, selbst für Urlaube bietet sich genügend Raum. Zudem zeigt sich der Juke wider Erwarten weit weniger unübersichtlich als gedacht. Die ausgestellten Blechmuskeln sind im Spiegel gut zu sehen, nachvorn ist stets die Motorhaube im Blickfür alles weitere sorgt die Rückfahrkamera.

Auf der anderen Seite steht der unverhältnismäßige Verbrauch, die mäßige Innenraumverarbeitung und das schlechte Licht der Hauptscheinwerfer. Das scheinen mir für ein Facelift ideale Möglichkeiten, aus dem Nissan Juke ein noch besseres Auto zu machen.