Vorschau Autosalon Genf 2017 – Der Frühling kommt

Autosalon Genf 2017: Frühling auf Rädern

Und es geht los. Am 9. März öffnet der Auto Salon in Genf seine Türen.

Ja, es geht wieder los. Nach der eher müden Saison-Eröffnung in Detroit lockt nun wieder das Wohnzimmer der Autoindustrie. Die netteste, stilvollste, schönste, gemütlichste und edelste aller Automessen öffnet am 9. März die Tore. In diesem Jahr kann sich der Besuch lohnen. Wenn man auf Exoten und Über-Exoten steht.

Wir machen´s per Alphabet und wir werden uns nicht für die mangelnde Ausführlichkeit rechtfertigen. Einige Hersteller halten sich mit Infos zurück. Andere hauen schon vorher auf die Pauke. Hier also ein paar Fotos plus ein paar Infos. Gerade genug, damit man ein Ticket online kauft und nach Genf pilgert.

Aston Martin
Der DB 11 ist bereits bekannt. Bis der Volante kommt, dauert´s noch. Dafür hat man in Gaydon den allseits beliebten Q an die Maschinen gestellt. Q steht bei Aston für Individualisierung und genau die wird in Genf gezeigt.

Audi
Neben den Varianten des A5, also Coupé und Cabriolet, zeigen die Ingolstädter eine noch wildere Studie zum Thema Q8. Audi meint, dass es sich dabei um eine elegante Alternative zur robusten Präsenz eines klassischen Sport Utility Vehicle handelt. Wir meinen: Wenn Bentley, Maserati und bald auch Rolls-Royce und Lamborghini einen Über-SUV verkaufen können, dann spielt Audi halt auch mit.

Bentley
Aus Crewe kommt in diesem Jahr der Continental Supersports nach Genf. Der Brite kommt mit satten 710 PS und einem Heckflügel zwecks Bodenständigkeit in die Schweiz.

BMW
Derzeit wird der neue 5er Touring vorgestellt und genau den stellen die Bayern auch in Genf vor. Dazu kommen noch ein paar Highlights: Ganz vorn der i8 in der exklusiven Protonic Frozen Black Edition. Zudem bringt BMW noch den neuen 4er mit.

Rolls-Royce
Natürlich warten wir alle auf den neuen Phantom, aber der kommt erst zur IAA. Und das „All Terrain Vehicle“ aus Goodwood wird erst 2018 gezeigt. Deshalb erwarten wir für Genf die ein oder andere Variante des Dawn, Wraith oder Ghost. Beim Thema Individualisierung sind die Entwickler aus Goodwood ja immer besonders fleißig. Lassen wir uns also überraschen.

Ferrari
Lucca ist weg. Aber the show must go on. Nach dem F12berlinetta und dem F12 tdF kommt nun der 812 Superfast. 800 Pferde unter der Fronthaube. Superfast kennen wir. In den 6oer Jahren gab´s mal einen 500 Superfast.

Porsche
Aus Stuttgart erwartet man den Panamera mit dem Heck eines Shooting Brake oder Kombi oder wie auch immer der Viertürer heissen soll. Jedenfalls halten sich die Schwaben mit Ankündigungen zurück. Sicher ist, dass man den Panamera Hybrid und die gesamte GTS-Flotte des 911 sehen wird. Und vielleicht erfahren wir in Genf ein wenig mehr über das Projekt „Mission E“.

Pagani
Ja, der offene Huayra wird die Massen anlocken. Jeder will sich mal auf den feinen Sitzen niederlassen und das Dach der Messerhallen in aller Ruhe ansehen und dabei von ilalienischen Landstraßen und edr Sonne darüber träumen.

Mercedes-Benz
Aus Stuttgart kommt die neue E-Klasse als Cabriolet und eine Bergziege im Hermelin-Mantel für schlappe 600.000,00 Euro. Der G-Maybach 650 Landaulet. Das gute Stück ist bereits ausverkauft und genau deshalb lohnt sich ein Besuch am Mercedes-Stand.

Jaguar/Land Rover
Von der britische Insel kommen ein paar spannende Autos. Der Jaguar iPace, also die elektrisierte Variante des Jaguar SUV. 400 km Reichweite und eine relativ kurze Ladezeit. Zudem sieht er auch ganz gut aus. Von Land Rover kommt der nagelneue Discovery, eine sehr exklusive Variante des großen Range Rover und einen neuen Wagen namens „Velar“, der als Bindeglied zwischen Land Rover und Range Rover dienen soll.

McLaren
Die Leute in Woking haben sich den V8, also jene Maschine, die in allen Straßen-McLaren arbeitet, zur Brust genommen und an deren Performance gearbeitet. Das Triebwerk ist nun mit 4 Liter Hubraum ein wenig stärker. In Genf zeigen die Briten nun die zweite Generation ihrer „Super Series“, also den Nachfolger des 650S. Bilder haben wir noch keine, dafür haben wir ein Video hier eingestellt.

Fakten zum Autosalon in Genf:
Öffnungszeiten: 09. bis 19. März
Montag bis Freitag: 10.00 bis 20.00 Uhr
Samstag und Sonntag: 09.00 bis 19.00 Uhr
Eintritt: 16 Schweizer Franken, Kinder bis 16 Jahre: 9 Schweizer Franken
Ab 16.00 Uhr 50 Prozent Rabatt auf alle Karten vor Ort.

 

Online-Ticket-Verkauf  Salon-Website mit Live-Cam

Mercedes-Benz S63: Fortsetzung in schnell

Mit Björn habe ich den S 500 in Toronto erlebt. Meist auf dem Rücksitz, häufig fast flach auf dem Rücken. Ich wurde massiert, mit einem heissen Stein gewärmt und lauschte den zarten Klängen einer R&B-Sängerin, die in den Lautsprecher-Boxen der Marke Burmester ein Konzert gab. Ich habe aus der Loge meinen Chauffeur beobachtet, er hob die Hände als wäre er ein Dirigent. Der Mercedes fuhr ohne Eingriffe des Herrn Habegger und der hatte seine Freude daran.

Mercedes-Benz S63 AMG im Fahrbericht

Die Fortsetzung der S-Story, in schnell

mercedes-benz S63 AMG 04 S-Klasse 2014

Nun sitze ich im S 63 und zwar vorn links. Das Steuer in der Hand und anstelle eines R&B-Sounds lausche ich den Tönen eines sehr kräftigen V8-Motors, der mir das Lied von 585-PS singt. Im Geiste sitzt Björn schräg hinter mir, er platziert seine vier Buchstaben auf exklusivem Leder, er schaut zu, wie die Landschaft rund um Salzburg an den Seitenscheiben vorbei fliegt, er bemerkt den sportlichen Antritt des AMG und er würde gern vorn sitzen. Aber das geht jetzt nicht. Ich sitze vorn.

Natürlich wird eine Frage gestellt und später auch beantwortet. Weshalb S 63 und nicht S 500? In Kanada fuhren wir den S 500. Mit allen Feinheiten, mit allen Annehmlichkeiten und natürlich auch mit reichlich Kraft. 455 PS, ein V8 Biturbo sorgt für reichlich Dampf. Und nun 130 PS mehr, 200 Newtometer mehr Drehmoment. Der Preis für diese Unterscheide liegt bei mehr als 40.000,00 Euro. Die Antwort klingt einfach und folgt doch einem klaren Schema: Image.

mercedes-benz S63 AMG 01 S-Klasse 2014

In 4.4 Sekunden auf 100 km/h

Dass der S 63 um eine halbe Sekunde eher die Marke 100 km/h schafft ist spürbar aber nicht immer relevant. Auf der Autobahn, der S 63 auf der linken Spur, dahinter der S 500. Der Schnellere kann in den Rückspiegel lächeln. Umgekehrte Situation. Der Blinker blinkt rechts. Meist sind es Gedankenspiele. „Mein neuer Dienstwagen ist der S 500. Und Deiner? Der S 63. Whow.“ Die Antwort auf die Frage nach dem Unterschied kann aus einer Silbe bestehen: Whow.

Auf Österreichs Autobahnen werden AMGs eingebremst. Vielleicht will man den Passagieren des S 63 die Ruhe und Unaufgeregtheit der Landschaft schmackhaft machen, vielleicht will man auch die Talente der S-Klasse von AMG in entspannter Atmosphäre präsentieren. Das gefällt mir nur in kleinen Dosen. Zu gerne hätte ich den V8 beim Wort genommen. Ihm bei seinem Antritt zugehört, die Newtonmeter bei fast 4.000 Touren gespürt und hätte dabei zugesehen, wie die Berge links und rechts mit 250 km/h an mir vorbei fliegen. Ich hätte das Seitenfenster geöffnet und mir angehört, was der Motor da vorn zu sagen hat. Aber leider geht das nicht, zu teuer, zu nervig, zu unprofessionell. Journalisten halten sich an Regeln, sind Vorbilder, haben immer eine Hand voll Hirn am Gasfuß.

mercedes-benz S63 AMG 07 S-Klasse 2014

Volle Kraft voraus

Nach dem kurzen Intermezzo auf dem Alpen-Highway nun die einspurige Tour. Landstrasse, Dorfstrasse und so viele wunderbare LKW vor der Nase. Ich habe keinen Schimmer ob das Bodenwellen-Radar den 40-Tonner als Mutation einer Unebenheit betrachtet, Fakt ist, hier kann der S 63 gleich mal zur Sache gehen oder besser fahren. Man spricht jetzt von Durchzug, von Elastizität oder von der Beschleunigung aus dem laufenden Betrieb, zum Beispiel wenn ein LKW mit 70 km/h die Sicht versperrt und weiter vorn die Straße so lang und gerade läuft wie ein Band ohne jede Falte. Dann schlägt der Moment des S63. Man nimmt Maß, hält ein wenig Abstand, damit man am Hindernis vorbei schauen kann, wenn nichts außer Mücken und Luft auf der Gegenseite zu sehen ist, werden Gasfuß und Pedal in einer Sekunde eins. Der V8 nimmt das Kommando, „volle Kraft voraus“ entgegen und arbeitet mit Hochdruck. Das Ergebnis mündet mit sehr vielen Umdrehungen, einer sehr eindringlichen Geräuschkulisse und dem immer kleiner werdenden LKW im Rückspiegel. Dass dabei die Insassen des S 63 zunächst hoch konzentriert der Leistungsentfaltung zusehen, dann schnell merken, dass da gerade Physik in konzentrierter Form verabreicht wird und zudem die Sicht da vorn wieder frei ist, macht die S-Klasse von AMG zu einem Auto, das man mit einer Silbe beschreiben kann: Whow.

mercedes-benz S63 AMG 09 S-Klasse 2014

Eine ganz andere Geschichte. Allradantrieb im S 63. Das ist neu und muss getestet werden. Jetzt wissen wir alle, dass es  schon seit Jahren Allrad und AMG als Gemeinschaft gibt. Der G zum Beispiel kann das. Nun also das S. Der schwarze Allradler muss von der Straße, auf weniger festen Boden, aber nicht zu doll mit dem Gelände treiben. Bei der S-Klasse sollte man grundsätzlich nicht über Wattiefe, Böschungswinkel und Rampen sprechen. Wenn AMG die Finger im Spiel hatte, werden schon hohe Bordsteine zum Thema. Allrad und AMG sind eher als Optimierung zur Straßenlage gedacht, mehr Haltung in schnellen Kurven. Trotzdem haben wir den Ernstfall geprobt. Ab in den Wald, rauf auf´s Unterholz. Mit Standardantrieb wäre hier schon Schluss, der S müsste ohne fremde Hilfe Überwintern. Auf allen Vieren jedoch befreit sich der 2-Tonner recht locker und lässig. Ein wenig schütteln, ein wenig lenken und der Viertürer strahlt wieder. Auf der Landstraße haben wir später ein paar Kurven mit Schmackes durchfahren. Der 4Matic gab sich auch keine Blöse. Er lief satt, sauber und sehr stabil über den Asphalt.

Unser Kommentar: „Whow.“

mercedes-benz S63 AMG 08 S-Klasse 2014

Technische Daten:

Hersteller: Mercedes-Benz
Modellname: S63 AMG
Karosserievariante: Limousine Viertürig
Motor: v8 Biturbo-Direkteinspritzer
Getriebe: Siebengang-Speedshift-Wandlerautomatik
Antrieb: 4matic Allradantrieb
Hubraum: 5.461 ccm
Leistung: 585 PS bei 5.500 U/min
Drehmoment: 900Nm von 2.250 bis 3.750 U/min
Von 0 auf 100 km/h: 4.4 Sekunden
Höchstgeschw.: 250 km/h / geg. Aufpreis: 300 km/h
Verbrauch nach Norm: 10.1 Liter / 100 km
CO2-Ausstoß nach Norm: 237 g/km
Testverbrauch:
Räder: VA: 255/45-19  HA: 285/40-19
Leergewicht: 1.970 kg
Länge, Breite, Höhe: 5.157 / 1915 / 1.501 mm
Lustfaktor / max 10 Punkte:  9 von 10
Preis: ab 149.880,50 EUR

Audi A5 3.0 TDI: Der Vielkönner

Audi A5 Sportback 3.0 TDI quattro s tronic – Der Vielkönner

Hübsch sieht er aus, mit seinem fließenden Heck, der großen Klappe und dem kleinen Bürzel am Hintern. Der Sportback aus Ingolstadt vereint Sportlichkeit und Eleganz recht eindrücklich. Auch bei den Fahrleistungen ist der Bayer ein Musterknabe. Dass Audi seine Produkte mit hohem Qualitätsanspruch fertigt, ist bekannt und unbestritten. Di…

Bentley Flying Spur: Leichter gleiten

Ralf Bernert war mit dem frischen Bentley Flying Spur unterwegs. In Peking und an der Großen Mauer.

Zurück aus Peking – den Smog aus dem Anzug gepustet, der Gasfuß hat die Ruhe genossen und die Chinesen sind wieder unter sich. Vorerst jedenfalls.

  Der Blick aus dem 18. Stock des Pangu 7-Stars Hotels direkt neben dem Olympia-Stadion ist wenig erfreulich. Peking, die…

Bentley Mulsanne: Mit dem Big Bentley auf der Zielgeraden

Die Sitze sind beheizt, ein eingebauter Masseur lässt die Finger laufen und hier irgendwo hat jemand das Londoner Symphonie-Orchester versteckt. Man könnte jetzt entspannen, ein Klavierkonzert hören und aus dem Fenster schauen. Leider geht das im Moment nicht. Ich sitze am Steuer des großen Bentley und bin auf der Suche nach der Bestzeit auf dem Anglesey Circiut in Wales.

Nach der ersten Runde wird’s heftig. Der imaginäre Passagier hinter mir wird langsam unruhig. Sein Kopf verschwindet ganz plötzlich aus dem Rückspiegel, dann ist er wieder da, dann ist er wieder weg. Vollgas, anbremsen, einlenken und mit Schmackes und Schwung wieder raus. Mehr als 2,6 Tonnen Bentley bemühen sich um ihre innere Ruhe. Von Ettikette keine Spur, der Brite zeigt, dass tief in ihm drin das Gen aller Briten steckt: Motorsport.

Auf dem Weg zur Rennstrecke macht die Limousine das, was sie am besten kann. Laufen, rollen und beeindrucken. Im Inneren mit Leder, Holz und einer Kombination aus angelsächsischer Kultur. Auch ohne Kamin und Zigarren-Aschenbecher wird man vom Geist des Herrn Walter Owen Bentley eingefangen. Weiter vorn laufen acht Zylinder im Takt. Der bewährte 6.75-Liter-Motor ist die wohl beste Schnittstelle zur Tradition des Hauses Bentley. In aller Ruhe werden Kräfte an die Kurbelwelle gereicht, das Getriebe schaltet sanft und direkt. Man spürt, dass im Maschinenraum der großen Limousine mehr als fünzig Jahre Erfahrung arbeiten. Außerdem werden mechanische Unruhen fein und säuberlich vom Salon ferngehalten, man ruht auch akustisch und nähert sich dem Ziel der Reise. Neben mir sitzt Chris, ein Profi der Rennfahrergilde. Er wird mir später erklären, weshalb ich bei der Drei deutlich bremsen soll.

Bentley-Mulsanne-Titelfoto1

Links ab. Anglesey Circiut, ein kleiner Privatkurs. Direkt am Meer. Zandvoort lässt grüßen. Ein Brite hat den Kurs gekauft, früher hoben hier Militär-Jets ab. Jetzt hetzen Motorräder und Sportwagen am Meer entlang. In Sichtweite liegt Irland, man könnte nach Dublin springen. Der Bentley parkt und ruht. Wenn der wüsste.

Chris reicht einen Helm und erklärt die Strecke. „Ein paar lange Kurven, halb so wild. Aber die 3 ist tricky. Stark anbremsen, rüber und die 90-Grad-Links mit Bedacht. Dann in die Rechts mit mehr Power am Scheitelpunkt, Gas und weiter.“ Die ersten beiden Runden fährt Chris, der Bentley zieht seine Bahn, die Lastwechsel sind wie erwartet deutlich spürbar. Die Keramikbremsen müssen hart arbeiten, die Masse von 2,6 Tonnen fordert ihren Tribut.

Fahrerwechsel. Helm auf zum Gefecht. Beim Einsteigen Kopf einziehen, das ist bei einem Kaliber wie dem Mulsanne erst mal ungewohnt. Reifen, Bremsen und Fahrwerk sind vorbereitet, Fahrwerksregler steht auf „Sport“. Chris ruft „Go!“ und der Mulsanne erhöht die Drehzahl. Ab 1.750 U/min liegen mehr als 1.000 Nm an. 1020 um genau zu sein. Das ist eine gewaltige Zahl, die allerdings in Relation zum Gewicht und der Ausrichtung des Fahrzeuges deutlich an Wirkung verliert. Nicht das Drehmoment ist auf den ersten Metern, den ersten Kurven relevant, sondern das Fahrwerk, das Getriebe und die Elektronik, also das ESP. Ganz ausschalten lässt sich die Fangleine nicht, was auch von Vorteil sein kann. Wer den Wagen mit zuviel Mut und Entschlossenheit in die Kurve wirft oder zu optimistisch aus der Kurve heraus beschleuningt, könnte sich recht schnell außerhalb der aspahltierten Strecke wiederfinden. Das Heck strebt mit Macht nach Außen, der schwere 6,75-Liter-Motor drückt die Nase des Wagens nach unten. All dies wirkt nachhaltig und zeigt, dass sportliche Naturen der Physik besser nicht den Rücken kehren sollten.

Bentley-Mulsanne-Fahrbericht-Rennstrecke

Eine lange Rechtskurve. Offen und leicht nach innen geneigt. Jetzt wirken Drehmoment und Fahrwerk. Der Brite sitzt auf dem Asphalt, gewinnt beeindruckend schnell an Fahrt und gewöhnt sich sehr schnell an seine Umgebung. Die 3 kommt in Sicht, ein kleiner Hügel und dort oben auf der Kuppe lauert die 90-Grad-Links. Keramik wird erwärmt, der Wagen neigt das Haupt deutlich, das Heck hebt sich. Die Elektronik arbeitet merklich, ohne die Eingriffe des Rechners auf die Leistungsverteilung wäre der Wagen schon mehrfach neben der Spur gelandet. Was nicht nur der Masse und Konfiguration der Limousine geschuldet ist, sondern auch meiner Fahrweise. Ein leichter Sportwagen mit Schwerpunkt in Mitte wäre an dieser Stelle deutlich schneller unterwegs. Trotzdem muss man den Entwicklern bei Bentley ein Lob aussprechen. Der Brite hält sauber die Spur, entfaltet seine Kraft deutlich, und wenn er zu Ausbrüchen neigt, wird der Fahrer entsprechend gewarnt. Der Mulsanne ist auch auf der Rennstrecke ein Gentleman und keine Diva. Das mag für „echte Männer“ nicht sehr aufregend sein; an Drift, also Rutschen, ist nicht zu denken. Was auf einer Rennbahn auch nicht sinnvoll ist, wir wissen: Rutschen kostet Zeit und Reifen.

Nach fünf Runden rollt der Wagen in die Boxengasse. Die Bremsen atmen aus, es riecht und qualmt ein wenig. Bis zur Rückfahrt zum Flughafen Manchester ist noch Zeit. Gedankenaustausch mit Chris. Was sagt der Profi? Der Mulsanne ist kein Rennwagen, kein Supersportler. Er schafft 296 km/h, er braucht 5,3 Sekunden bis Tempo 100 und er bringt seine 513 PS deutlich spürbar auf die Straße. Dass man 2,6 Tonnen nicht wegzaubern kann, ist bekannt. Aber wie der Bentley auch im Sinne von W. O. Bentley seine Kräfte entfaltet, ist beeindruckend und auch verlockend. Serpentinen und ähnliche Gebilde wird man im Mulsanne sicher nicht in allzu großer Hektik befahren, auch weil man an Passagiere im Fond denken sollte. Aber sportliche Talente soll man fördern und der Big Bentley ist sichtlich talentiert.

Text: Ralf Bernert
Fotos: Peter Robain im Auftrag von Bentley Motors

 

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