BMW ActiveE Fahrbericht

Den deutschen Herstellern wirft man gerne vor, sie hätten den Trend zum Elektromobil verschlafen und würden sich von den Chinesen und Japanern vorführen lassen.
Dass dem nicht so ist – beweist jetzt BMW mit dem:

BMW ActiveE

Den ActiveE zeigte man bereits im Frühjahr auf dem Genfer Automobil-Salon. Zur Präsentation im März 2011 gab es noch keinen festen Zeitpunkt für Praxis-Tests – heute steht fest:
Am 5. Oktober 2011 hat in München die Elektromobilität mit einem überzeugenden Premium-Elektromobil begonnen.

Die Ansprüche an einen BMW sind gehoben und so war die Spannung der geladenen Presse-Vertreter auf diese erste Ausfahrt rund um das herbstliche München, vermutlich auf dem Level der Energiespeicher die im Fahrzeug verbaut sind.

Von außen unterscheidet sich der BMW ActiveE von seinem Karosserie-Spender dem 1er Copué nur marginal. Auf den 2.ten Blick fällt eine Motorhaubenhutze im Stil der M-Modelle auf. Und auf den 2.ten oder dritten Blick bemerkt man, auch ohne Auspuff am Heck leidet die sportliche Eleganz des 2-Türers nicht. Wäre der ActiveE nicht mit einer auffälligen Lackierung, die an Leiterbahnen erinnern soll, beklebt – es wäre ein 1er BMW so wie er tagtäglich in großen Stückzahlen vom Band läuft.

Von Großserie kann jedoch keine Rede sein, das erste Voll-Elektromobil mit dem weiß blauen Propeller als Emblem  geht in einer Stückzahl von um die 1.100 Fahrzeugen für die nächsten 2 Jahre an Kunden in den USA, Europa und Asien. Denn – auch wenn man den Eindruck bekommt  dieser ActiveE besitzt bereits Verkaufsraum-Niveau, er ist dennoch eine Art Versuchsträger.
Ähnlich dem MiniE will man in München auch mit dem ActiveE zuerst noch mehr Erfahrungen im Bau von Elektrofahrzeugen sammeln. Nur als Versuchsträger oder Prototypen will man den ActiveE aber nicht verstanden haben.

Nein – der ActiveE ist der Vorbote des BMW i3 – des völlig neuen urbanen Elektrofahrzeugs von BMW. (Nebenbei: Der Entwicklungscode des i3 ist MCV “Megacityvehicle” – leider habe ich beim Besuch im Interieur-Versuchslabor von BMW zu spät registriert, das vor mir ein Versuchsträger für die Ergonomieforschung stand, der bereits die Cockpitgröße des MCV simuliert hat.)

Wenn man den ActiveE fährt ist es wichtig im Hinterkopf zu behalten, das man in einem Auto sitzt, das nicht als Elektroauto konstruiert wurde – sondern in einem Fahrzeug, das von einem Benzinmotor auf E-Antrieb umgerüstet wurde. Ganz egal wie perfekt dies den Ingenieuren bei BMW gelang, dieser Weg setzt immer eine Vielzahl an Kompromissen voraus. Und so ist es interessant zu wissen, dass der gefahrene ActiveE zwar 1815kg wiegt, der i3 jedoch mit etwa 1250kg auf die Straße kommen soll. Das bedeutet: Die Performance die man bereits heute im ActiveE erleben kann, wird alleine dadurch massiv gesteigert, dass das Fahrzeuggewicht um fast 600kg gesenkt wird. Also ohne eine Steigerung von Motorleistung, was ansonsten zur Folge hätte: Die Batteriekapazität müsste ebenso erhöht werden und damit wieder das Gesamtgewicht.

Was heute bereits ambitioniert und zügig vonstatten geht, wird in der Zukunft dem Slogan “Freude am fahren” gerecht werden.

Hatte man beim MiniE noch auf zugekaufte Technik vertraut, so will BMW auch in der Zukunft bei den Elektromotoren seinem Namen treu bleiben und auch die E-Motoren seiner Elektroautos selbst fertigen. Daher ist im ActiveE und später im Urbanen-Stadtflitzer i3 bis auf die Batterien kaum noch etwas, was man fremd einkauft. Der an der Hinterachse platzierte Hybridsynchronmotor ist eine Entwicklung von BMW. Bayerische Motoren Werke bauen nun also auch Elektromotoren – daran muss sich der eingefleischte Reihen-Sechszylinderfan erst einmal gewöhnen.

Das Ergebnis?
Der BMW ActiveE in der Form eines 1er BMW Coupé überzeugt auf der ganzen Linie – nie zuvor habe ich ein Elektroauto gefahren, das derart überzeugend in seiner Gesamtdarstellung war.

Hier passt einfach alles. Die Verarbeitung ist nicht nachlässig und schon gar nicht auf Prototypen-Niveau. Alles an diesem BMW riecht nach BMW, fühlt sich an wie BMW und – besonders wichtig: Er fährt sich wie ein BMW.

Satt und souverän liegt der kleine Einser mit seinem Hüftspeck auf der Straße. Dank der Kraft von 250Nm des Elektromotors, die von 0 bis 12.000 Umdrehungen zur Verfügung stehen, gelingt der Start von der Ampel weg völlig ohne Verzug – spontan und wie am Gummiband gezogen beschleunigt der Elektro-BMW, in Ermangelung eines Getriebes, absolut frei von Schaltvorgängen bis zu einem Tempo von derzeit 145 km/h.

Nun mag man einwerfen: 145km/h?  Ein BMW mit Höchstgeschwindigkeit 145 km/h?
Elektrofahrzeuge sind noch nicht soweit, um lange Strecken mit hoher Geschwindigkeit zurückzulegen, es ist daher auch nicht Sinn und Einsatzgebiet des BMW i3 – dessen Technik der ActiveE zur endgültigen Reife transportiert. Der i3 wird sportliche Elektromobilität in unsere Städtische Umgebung transportieren und gerne auch darüber hinaus.
Damit an der Stadtgrenze nicht Schluß ist, beträgt die Reichweite des ActiveE in der aktuellen Konfiguration 160 bis 240km – je nach Verwendungszweck und Meßzyklus.

Der durchschnittliche Pendler fährt 46km am Tag – der ActiveE und später der i3 werden also genug Reserven bieten, um den Radius der täglichen Mobilität auch im Elektrobetrieb nicht einschränken zu müssen.

2013 soll es soweit sein … ich bin zuversichtlich das der i3 das erste echte Elektroauto im Premium-Segment sein wird.

 

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

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