BMW i3 Dauertest – Soll es das gewesen sein?

Suuuuuuuuu – und weg ist er! Surrend und nahezu lautlos hat sich der BMW i3S aus dem Staub gemacht. Ab ins Ende des Dauertests, ab in die graue Jahreszeit. Bayern versinkt im Schnee, der Rest der Republik im Matsch und überall nur grau in grau. Da fehlt der BMW i3S irgendwie mit seinem knalligen und auffälligen Exterieur-Design. Fehlt er wirklich? Oder war der Stromer mit seinem Antrieb nur ein witziges Experiment? Gehen wir der Frage auf den Grund.

Die Abrechnung

Rekapitulieren wir einmal die letzten – sagen wir – vier Monate, in denen der BMW i3S in der Autohub-Redaktion als Dauertester verfügbar war. Was die Bayern, die traditionell eher für ihre Reihensechszylinder und Dynamik bekannt sind, an Aufwand betrieben haben, um ein E-Mobil auf die Beine zu stellen, ist aller Ehren wert. Und der Aufwand scheint gerechtfertigt: Unter keinem anderen Video habt ihr mehr Kommentare gepostet und mehr diskutiert. Technisch gesehen ist der BMW i3S eines der konsequentesten Konzepte, nicht unbedingt eines der günstigsten. Die Bayern von der Isar haben nicht einfach einen 1er BMW genommen und ihn mit cleverer Elektronik, einer Batterie und einem E-Motor versehen. Nein, man packte das Thema anders an und griff zur jeweils besten Lösung für einen Stromer: Da wäre etwa das Carbon-Chassis, das man bereits beim Einsteigen erkennt. Das sieht nicht nur chic aus, sondern macht den i3 auch besonders verwindungssteif. Und spart Gewicht, nicht zu vergessen. Dazu kommt der clevere Sandwichboden, der den Innenraum geräumig macht und Platz für z.B. die Batterie bietet. Und er bietet Platz für noch etwas: den Motor. Der sitzt, was man nicht unbedingt vermutet, auf der Hinterachse. Das bietet in Anbetracht des nicht zu verachtenden Spurt-Talents des i3 Vorteile bei der Fahrdynamik. Glaubt ihr nicht? Alte VW Käfer-Märchen im Kopf, die das Fahrdynamik-Potential verhageln? Ich sage nur: Dynamische Achslastverschiebung. Wer diesen Begriff kennt, wird nicken, alle anderen sollten mal einen Blick ins Auto-Hub-Video werfen. Und wie viel Fahrspaß der BMW i3S machen kann, zeigt Teil 2 des Dauertests, den ihr auch auf YouTube findet. Aber, wie gesagt: Günstig ist der Spaß nicht: Rund 54.000 Euro kostet der Dauertester – schluck!

Muss E-Mobilität denn teuer sein?

Ziehen wir zum Vergleich doch mal den Volkswagen E-Golf heran. Nun, er sieht nicht unbedingt aus wie ein abgespacter Stromer. Die Erkennungszeichen sind recht subtil – außer einem blauen Streifen im „Grill“ und anderem Tagfahrlicht muss man schon genau hinsehen – und das kann man an ihm mögen. Und während Volkswagen die typische Golfstruktur nutzt, die schließlich auch nicht zu umgehen ist, spart man konstruktiven Aufwand. Unter der „Motor“haube ist es recht aufgeräumt und leer, es bleibt beim Frontantrieb und bei der gewohnten Karosserie etc. So kann der E-Golf am selben Band zusammengebaut werden, wie jeder andere Golf auch. Entsprechend kommt ein Preis von 35.900 Euro in der Basis zusammen. Der BMW i3 kommt auf 37.550 Euro – ebenfalls in der Basis. Kein allzu großer Unterschied. Gut, der i3S kommt mindestens auf 41.150 Euro, in der gefahrenen Ausstattung sogar auf 54.160 Euro – das ist dann schon eine ganz andere Hausnummer.

Da wir gerade bei den Kosten sind, sei die Frage gestattet: Ist E-Mobilität überhaupt sinnvoll? Preislich sinnvoll? Stellen wir den Vergleich an: Eine Bremsscheibe für einen vergleichbaren BMW 120i kommt auf 98 Euro, für den i3 berechnen die Münchner 78 Euro. Wirklich ausufernd wird es, wenn man auf die Getriebe blickt: Beim BMW i3 werden für das Ein-Gang-Ritzel 458 Euro fällig. Und der 120i? Sollte die 8-Gang-Automatik einmal getauscht werden müssen, sollte man ein gutes Polster aufweisen können. 11.000 happige Euro werden fällig. E-Mobilität soll also teuer sein? Mehr Gegenüberstellungen findet ihr natürlich im Video.

Leben und leben lassen

Stellt sich nur noch die Frage der Praktikabilität. Der aktuelle BMW i3S bietet eine Reichweite von etwa 200 bis 220 km. Doch neuerdings bieten die Bayern auch eine Variante mit 120 Ah und mehr als 40 kWh an. Dann sollen mehr als 300 km machbar sein. Gar nicht so schlecht, oder? Auch, wenn ihr vielleicht kein Fan der Optik des BMW i3 sein mögt, der Technologie sollte man eine Chance geben. Oder sie zumindest als Alternative akzeptieren. Denn wenn ich eines aus J.P. Krämers Anti-Markenhass gelernt habe, dann dass man generell nicht hassen – neudeutsch: haten – sollte. Weder Marken, noch Antriebe und erst recht nicht deren Fahrer. Fahren und fahren lassen. Oder so.

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