Der BMW 540i Oder „Die unendliche Geschichte einer Hassliebe“

Eine Massenkarambolage auf der Autobahn im Frühjahr 1994 beendete abrupt meine damalige Autoliebe mit einem Honda Accord 2,0i, Baujahr 1991 durch einen Totalschaden. Bei einem typoffenen Autohändler erstand ich damals meinen ersten BMW 520i der Baureihe e34, zwar gebraucht und Baujahr 1989, aber immerhin ein BMW. Mit einer Laufleistung von 120Tkm hatte er zwar schon ein paar Kilometer auf dem Buckel, aber rückblickend muss ich heute immer wieder eingestehen, der 520i war der treuste und beste Weggefährte, der mich begleitet hat. Von 1995 bis 1998 führte ich infolge einer Berufsausbildung meiner Frau eine Wochenendehe und pendelte jedes Wochenende und manchmal auch in der Woche zwischen Berlin und dem schönen Heide in Schleswig-Holstein hin und her. Das summierte sich sehr schnell auf 80Tkm und ich hatte nie eine Panne oder ernsthaftere teure Reparaturen am Fahrzeug in dieser Zeit, einzig eine Glühlampe des Rücklichtes segnete das Zeitliche. Schweren Herzens trennte ich mich 1999 von meinem 520er und erwarb einen zwei Jahre alten BMW 528i vom Typ e39. Auch der leistete mir treue Dienste und außer den Routinewerkstattbesuchen gemäß BMW-Wartungsheft fuhr er stets ohne jeden Tadel. 2004 oder 80Tkm später, das Familienglück war uns inzwischen zweimal hold und das Urlaubsgepäck vergrößerte sich um einen Kinderwagen und einen Buggy, stand ich vor der Wahl, mir einen Pampersbomber zu zulegen. Ich suchte verzweifelt einen Kompromiss zwischen Dynamik und Familienkutsche und ich fand ihn, während eines BMW-Werkstattbesuches.

Da stand er, ein tiefergelegter BMW 540i Touring der Baureihe E 39, mit breiten 235er Schlappen auf wuchtigen 17-Zoll-Felgen im Kreuzspeichendesign, Vollausstattung, mit M-Lenkrad und 63Tkm auf dem Tacho in elegantem cosmosschwarz metallic. Aus Erstbesitz, als Halterin war eine Frau angegeben, die als Pharmavertreterin meist auf langen Strecken unterwegs war, so versicherte es die Verkäuferin bei BMW. 29 850 Euro standen auf dem Preisschild und so schlug ich zu. Es war ein phantastisches Fahren, zu jeder Zeit und in jeder Situation entwickelte der 210 kW (286 PS)starke Achtzylinder aus seinen 4,4 Litern Hubraum genügend Power. An der Ampelkreuzung meist der Erste, auf der Autobahn meist auf der Überholspur, entspanntes und bequemes Fahren, selbst nach langen Autobahnfahrten konnte man noch ohne Schwierigkeiten eine aufrechte Haltung einnehmen und Platz war auch genug vorhanden. Also ignorierte ich zuerst auch den regelmäßigen Ölverlust, zumal mir die Werkstatt auch versicherte, bei so einem Auto sei ein Liter Motoröl auf 1000 Kilometer durchaus normal. Unsere erste Urlaubsreise mit Kind und Kegel 2004 nach Bayern endete dann bereits bei Weißenfels in Sachsen/Anhalt mit geplatztem Kühlwasserschlauch und einer Übernachtung in Weißenfels, weil die neuen BMW Ersatzteile erst einmal beschafft werden mussten.

Zwei Monate später befand ich mich, Gott sei Dank, allein auf der Rückfahrt von einer Dienstreise aus Stuttgart nach Berlin. An der Landesgrenze zwischen Bayern und Thüringen nahm der Wagen plötzlich kein Gas mehr an, ich hatte das Gefühl mindestens zwei Zylinder hätten ihre Arbeit aufgegeben. Ich kam noch bis zur Autobahnabfahrt Dittersdorf, dann gab es ein kreischendes metallenes Geräusch aus Richtung Motor und dann ging gar nichts mehr. Glücklicherweise gab es eine BMW-Werkstatt im Ort, die behielten das Auto dort, organisierten mir einen Mietwagen und so konnte ich dann doch die Heimreise, wenn auch fünf Stunden später antreten. Nach einer Woche durfte ich meinen 540er wieder abholen, der Motor war auf Grund der noch vorhandenen Gewährleistung ohne Mehrkosten für mich, natürlich mit Ausnahme der Verbrauchsmittel wie Öl, etc., gewechselt worden. Ich fuhr nach Berlin und wunderte mich über ein feines klirrendes Geräusch aus Richtung des neuen Motors, was regelmäßig beim Beschleunigen über alle Drehzahlbereiche auftrat. Also wieder in die Werkstatt und eine Woche aufs Auto verzichten.

Nochmals wurde ein neuer Motor eingebaut. Danach war erst einmal Ruhe und bis 2006 war ich eigentlich ganz zufrieden, sieht man von Kleinigkeiten wie einem Riss im Kühlmittelausgleichsbehälter oder „spinnenden“ Parksensoren und einem ständig abstürzendem Navigationssystem ab.

Ab 2007 leuchtet dann zunächst sporadisch die gelbe Motorkontrollleuchte, später dann dauernd auf. Alle Vierteljahre wieder besuchten wir die BMW-Werkstatt, meist mit wechselndem Erfolg und um einige „Euronen“ erleichtert. Nach und nach wurden so ziemlich alle Bauteile, vom Drosselklappenstutzen, über den Ansaugschlauch, den Luftmassenmesser bis hin zu den Lambda-Regelsonden ausgetauscht. Schließlich war 2010 dann die Kontrollleuchte aus. Ich will niemanden langweilen mit den weiteren „Kleinigkeiten“, mit denen unser 5er noch aufwartete, wie einer defekten Gelenkwelle, einer ständig kaputten Endstufe der Klimaautomatik und…und….

Zum Ende unserer Zweisamkeit hin, bescherte uns unser 5er, vermutlich durch das ständige Verändern des Motormanagements per Computer bei den Werkstattbesuchen, eine Verbrauchserhöhung auf 20 Liter auf 100 Kilometer im Stadtverkehr. Alles in allem bin ich hin und hergerissen, denn der Fahrdynamik, der Bequemlichkeit und den Fahrleistungen steht eine jahrelange Odyssee durch BMW-Werkstätten gegenüber. Schließlich und letztendlich habe ich mich von meinem 5er im Februar 2012 getrennt, er brachte noch knapp 3000 Euro, schließlich war er ja nun werkstattgepflegt fast neu und -wie eingangs gesagt- mit Vollausstattung.

 

Leser-Fahrbericht

Previous ArticleNext Article
Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger