DTM 2012

Ob die DTM-Serie nun endgültig Lizenzgebühren an die früh verstorbene „V8-Star-Serie“ bezahlen muss? 

DTM.

Das war einmal die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft.  In den besten Jahren lieferte die DTM die faszinierendsten Rennwochenenden die man sich als Motorsport-Freak vorstellen kann. Die DTM war die Heimat von Renn-Legenden wie Cecotto, Stuck und Ludwig. Immer wieder Sonntags übertrug 3sat in einer heute noch vorbildlichen Kompetenz von den spannenden Rennen auf grandiosen und geschichtsträchtigen Rennstrecken.
Zolder, Hockenheim, Nürburgring und die AVUS.  Egal wo die DTM mit Ihrem unglaublichen Starterfeld auftrat. Mercedes-Benz, BMW und Audi begeisterten die Massen. Gewürzt wurde das Starterfeld mit Privatiers die, wie z.Bsp. die Ruch-Brüder, einen Feuer spuckenden V8 Mustang einsetzten.

Auch nachdem AUDI damals im Streit die Serie verließ, war die DTM nicht zum scheitern verurteilt. Längst hatte man sich eine Fan-Gemeinde zugelegt die Marken wie OPEL und ALFA ROMEO zum Einstieg in die anspruchsvollste Motorsport-Serie der ’80 und ’90 überzeugte.

Wie so oft, war der steile Anstieg in einen Höhenflug nicht besonders verträglich für die Macher der Serie. Man verfiel in einen „Höhenrausch“ und wollte aus einer gesunden Deutschen Motorsport-Serie einen Welt-Hit machen. Eine Kostenexplosion und mangelnde Fan-Bindung waren das Ergebnis unter dem eine Fortführung des ursprünglichen Konzeptes nicht mehr möglich erschien.

1996 bis 2000 geht als DTM-lose Zeit in die Geschichte des  Deutschen Motorsports ein.

Nach anfänglicher Euphorie über die Wiederauferstehung der DTM als Deutsche Tourenwagen Masters mit 2 Werken (Mercedes & Opel) und einem Semi-Privaten Team in Form von ABT (Audi) – trat relativ schnell Ernüchterung ob des Wettkampfes und der Qualität der Rennen ein.

Die DTM war zu einer Silhouetten-Rennserie im Einheitstrim geworden. Faszinierte die DTM in den großartigen Jahren 1989/90/91 von unterschiedlichen Antriebskonzepten und Motorkonzepten – hatte man als einzige Lösung der Kostenexplosion ein Gleichteile-Politik gefunden. Audi trat somit nicht mehr als „quattro“ an, sondern mit dem gleichen Antriebskonzept wie Mercedes. Und obwohl man bei Opel kein Heckantriebs-Modell mit Sport-Anspruch im Verkaufsraum hatte – wurde auch dort ein „look-a-like“ Astra mit V8 und Heckantrieb an den Start geschickt.

Motorsport-Fans sind Markentreue Fans.

Einen Audi V8 quattro DTM,  einen Audi 80 quattro, einen IMSA 90 GTO, einen A4 STW quattro durch einen Silhouetten Renner mit Einheits-V8 und Heckantrieb zu ersetzen. Welcher Controller ist auf diese dumme Idee gekommen? Und welcher Vorstand hat dem Controller nicht sofort die Verantwortung entzogen?

Mercedes-Benz und BMW hatten Fahrzeuge im Programm, die Marken-Ideologisch auf das Konzept der neuen Einheits-DTM passten.  Nur konnte man BMW nicht zum Einstieg überzeugen.

Und als Opel Ende 2005 ausstieg – fuhren 2 Hersteller mit vielen gleichen Teilen die nur noch durch die Kriegsbemalung der Rennfahrzeuge zu unterscheiden war, um den goldenen Blumentopf. Einer davon hat bis heute kein Auto mit Heckantrieb im Programm.

Wie soll man mit dieser Strategie dem alten Sprichwort von „Win on sunday – sell on monday“ treu bleiben?

Die Fans sahen das wohl ähnlich.

Was ich schon immer geahnt habe, hat der Nürburgring-Skandal jetzt bestätigt. Die Zuschauerzahlen der DTM Rennen waren geschönt. Zumindest für die DTM-Rennen am Nürburgring kann dies als „Tatsache“ gelten. Warum es bei anderen Rennen nicht so gewesen sein soll?

Doch jetzt – kurz bevor die DTM zum Unterhaltungsevent zwischen der „goldenen Stimmgabel für Nachwuchsbands“ und „Senioren-Treff“ wird, können die Macher der alten Garde die gute Nachricht von „2012 wird alles besser“  verkünden.

Werfen wir einen kurzen Blick auf  die DTM 2012.

Das Stuttgarter Kampfblatt Automagazin für deutsche Premium-Hersteller  „Auto, Motor und Sport“ hat in der aktuellen Ausgabe eine Werbebeilage unabhängige Berichterstattung gedruckt:

Wie nicht anders zu erwarten ist mit der „neuen DTM 2012“ wieder einmal alles besser, alles wird noch spannender und natürlich sind die Autos echte Rennwagen.

Dem letzten Punkt stimme ich zu. Vermutlich sind die 2012er DTM-Boliden die sichersten Renntourenwagen die es jemals auf der Rennstrecke zu sehen gab. Unter der mit viel Phantasie einem Produkt aus dem jeweiligen Markenhaus nachempfunden Hülle steckt eine große Kohlefaser-Wanne mit integriertem Überrollkäfig. Für die Sicherheit des Fahrers wurde mit dieser, einer doppelten Formel 1 Zelle entsprechenden Grundgestaltung für das „Cockpit“ alles getan, was man mit Stand heute für die Sicherheit des Fahrers tun kann.

An dieser Stelle muss die Begeisterung eines Motorsport-Fans dann aber bereits auf harten Tobak vorbereitet sein. Denn was unter der jeweiligen Hülle zum Vorschein kommt, ist universelle Technik, die mit der Kultur einer Marke nichts zu tun hat.

Das man bei Audi mal 5 Zylinder und Quattro-Antrieb als Markenbotschafter hatte? Abgehakt. Das bei BMW der Reihensechser mit Heckantrieb kombiniert wurde, um zum BMW-Markenmerkmal zu verschmelzen. Geschenkt.

Die neue DTM ist eine Silhouetten-Tourenwagenmeisterschaft nach dem Vorbild der bereits vor vielen Jahren untergegangenen V8-STAR Serie.

Es liest sich nach feinster Ironie wenn man im ams-Bericht lesen muss: Zitat: „Trotz der fortschreitenden Gleichmacherei unter der Karosserie braucht kein DTM-Fan Angst haben, Einheitskost serviert zu bekommen. Den Technikern von AUDI, BMW und MERCEDES-BENZ bleiben immer noch große Reservate für Geistesblitze… / …Motor, Aerodynamik und Kinematik der Radaufhängungen.“

Na –  da läuft dem Motorsport Fan doch das Wasser im Mund zusammen. „Kinematik der Radaufhängung“ wird zum neuen Stammtisch-Argument. Mit wenigen Grad Änderungen an Spur und Sturz wird in der Zukunft die Markenphilosophie ausgelebt. Viel Platz bleibt da nicht.

Tschüss Motorsport. Hallo Marketing.

 

 

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger