Fahrbericht: „Der neue Dreier“ G20

2019. Das wird ein fantastisches Jahr! Vor allem für Fans und Freunde vom 3er BMW, denn das neue Modell rollt endlich in die Showrooms und zum Händler und somit auch bald zum Kunden.

Wobei, gibt es eigentlich den typischen 3er-BMW Kunden? 

Er muss gut situiert sein, denn auch wenn der günstigste Basis-Preis mit 37.850 Euro lockt wird vermutlich für den Preis kein Neuwagen vom Band laufen. 


Die 7. Generation vom 3er BMW. Der Nachfolger vom F30 heißt intern G20. Das ist nicht gerade logisch, soll uns aber vollkommen egal sein. 
An der Front dominieren die schmalen LED-Scheinwerfer, die über eine auffällige Schnittkante verfügen. Optional zieht das Laser-Fernlicht ein. Das Wort optional darf man sich übrigens schon mal merken, denn optional und gegen Aufpreis geht auch beim neuen 3er BMW eine ganze Menge. 


Die neuen Scheinwerfer sind sicherlich das Highlight an der Front. Dominiert wird die Frontoptik allerdings durch die großen BMW Nieren. Die Lüftungsöffnungen lassen sich von der Technik öffnen und schließen, dennoch ist das ein sehr großer Kühlergrill. Gleichzeitig ist er auch Geräteträger, denn mittig angebracht ist die Kamera für die 360° Ansicht. 
Der neue 3er BMW (G20) ist 1,43 Meter flach und verfügt über einen Radstand von 2,85 Meter. An der 4,70 Meter langen Seite erkennt man sofort die typische Linienführung, auch wenn das Greenhouse etwas nach hinten gesetzt wurde. 


Die Karosserie setzt sich auf die bis zu 20″ großen Räder und BMW typisch wird hier vor allem die Hinterachse betont. 
Inklusive Außenspiegel ist der 2019 3er BMW 2,07 Meter breit. Am Heck gibt es schmale LED-Rückleuchten, in rot-schwarz gehalten – nun macht BMW schon ab Werk die Tuner arbeitslos. Am Heck gibt es aber auch ein Relikt, was andere Hersteller scheinbar komplett vergessen haben: Sichtbare Endrohre! Die muss man ja schon fast huldigen und BMW dafür lobpreisen. Sichtbare Endrohre! Selbst beim Diesel! Halleluja! Die trauen sich was! Dafür kommen die Münchener bestimmt in die DUH-Hölle, aber uns gefällt es ausgesprochen gut. 


Beim Blick unter die Haube dürften richtige 3er BMW Fans zunächst einen Schreck bekommen. 4-Zylinder! Der 320i und der 330i sind 2.0 Liter 4-Zylinder! Klingt komisch, ist aber so. Die Leistungsrange bei den derzeitigen Einstiegsbenzinern liegt zwischen 184 und 258 PS, das maximale Drehmoment zwischen 300 und 400 Nm und die Kraft geht vom Motor zunächst über eine 8-Stufenautomatik von ZF – auf die Hinterräder. So ein Hinterradantrieb ist etwas magisches und ich mag euch versichern, bei der Probefahrt haben wir  zwischendurch zwar an die Laufruhe von einem 6-Zylinder gedacht, aber in Sachen Sportlichkeit ihn nicht wirklich vermisst. Nur der Klang, der ist anders. 


Auf der Rennstrecke in Portimio ging es über sechs geführte Runden (Pace-Car mit Rennfahrer vorweg, wir direkt dahinter, keine weiteren Störfaktoren auf der Rennstrecke) mit einem noch leicht getarnten Erlkönig … 3,0 Liter Hubraum! 6-Zylinder! 374 PS! 500 Nm! Allradantrieb! Von 0 auf 100 in 4,4 Sekunden und auch wenn man auf der Strecke etwas über 220 km/h erreichen konnte, war man immer noch 30 km/h von der Höchstgeschwindigkeit entfernt. Die Fahrt mit dem BMW M340i hat gezeigt, dass bei BMW doch noch richtige Petrol Heads arbeiten und der 6-Zylinder Benziner doch noch nicht zum alten Eisen gehört. Der Allradantrieb lässt sogar kleine Tänze mit dem Heck zu. Das sorgt für ein temporäres Gesichtslifting. Schade, dass man so einen Fahrspaß nicht jeden Tag haben kann.  


Klar, angeblich hat aktuell keiner Lust auf einen Diesel. Nichts desto trotz, macht genau diese Antriebsform für die meisten Langstrecken-Fahrer und Pendler immer noch viel Sinn. Das weiß man auch bei BMW und bringt daher gleich drei Diesel-Modelle auf den Markt. 318d, 320d und 330d. Die beiden kleineren verfügen über 2.0 Liter und 4-Zylinder, der größere über 3.0 Liter und 6-Zylinder. Im besten Fall geht es mit Diesel-Power innerhalb von 5,5 Sekunden auf Tempo 100. 


…und in der Zukunft werden noch ganz andere Motoren folgen, so z.B. auch ein BMW 330e. Der Buchstabe am Ende verrät es bereits, der BMW 330e ist ein Hybrid-Modell. Ein 2.0 Liter Benziner bekommt elektrische Unterstützung und verfügt über eine Systemleistung von 252 PS. Dank Overboost-Funktion gibt es bei Bedarf noch mal eine Schippe obendrauf. 
Auf dem Fahrersitz sitzend, spürt man gleich: „Hier sitzt der Fahrer im Mittelpunkt!“. Das Armaturenbrett, nun natürlich alles digital, bleibt dem Fahrer zugewandt. Ansonsten ist alles genau dort wo es hingehört, alles lässt sich intuitiv oder sogar per Sprachbedienung bedienen. Neben der induktiven Lademöglichkeit für das Smartphone gibt es z.B. die Möglichkeit Apple CarPlay über Bluetooth zu verbinden. Mit einem NFC Chip oder einem Handy was über einen NFC Chip verfügt kann man das Fahrzeug auch öffnen und dann via den Start-Knopf starten. Der Schlüssel hat also in der Zukunft auch ausgedient. 


Die Zukunft ist digital. 12,2″ großes Display im Cockpit, ein 8,8″ bzw. 10,2″ großer Touchscreen in der Mitte und optional gibt es ein Head-Up Display, welches die wichtigsten Informationen – und sogar noch ein paar weitere – in das Sichtfeld projiziert. 


Fun-Fact: Aus dem 3er BMW kann man machen was man möchte, zumindest was den Sprachassistenten betrifft. Denn entweder man nutzt „Hey BMW“ zur Aktivierung, oder gibt dem Fahrzeug ein eigenes „Aktivierungswort“. So wird dann aus „Hey BMW…“ schnell „Hey Schatzi…“ und manch Spaßvogel soll auch schon „Hey Mercedes…“ im neuen 3er gesagt haben. 


Wer hätte zu E30 oder E36er Zeiten daran gedacht, dass wir im Jahre 2019 mit dem Auto sprechen, die Lautstärke per Handbewegung steuern und uns dann auch noch teilautonom fahren lassen? Das was Knight Rider und K.I.T.T. damals auf die Mattscheibe brachte, ist heute doch Serie. Nur fliegen, das kann der neue 3er BMW noch nicht. 


Kommen wir zum Fahreindruck. Gefahren sind wir den 320d, den 330i und sechs Runden den M340i. Die Lenkung ist leichtgängig, präzise und direkt. Das einzige was die Lenkung nicht hat ist Feedback! Es gibt keine Rückmeldung zum Fahrer, geht technisch noch nicht, wird in der Zukunft bestimmt – optional – wieder kommen. Das axial und vertikal verstellbare Lenkrad selbst liegt gut in der Hand.

Die Bremsanlage verfügt über einen guten Druckpunkt, sie lässt sich feinfühlig dosieren. Das Fahrwerk ist sportlich, straff, aber verfügt immer noch über ausreichend Restkomfort. Nun muss man nicht extra erwähnen, dass die Landstraßen Rund um Faro nicht gerade die besten sind, oder? Die 8-Gang Automatik von ZF ist über jeden Zweifel erhaben.

Wer mag kann in die Gangauswahl manuell Eingriff nehmen über die beiden Schaltpaddle am Lenkrad. Vorne sowie hinten sehen wir jeweils Platz für zwei Erwachsene, auf dem mittleren Sitz hinten kann man „zur Not“ mal jemanden mitnehmen. Zwei ISO-Fix-Halterungen sind hinten vermutlich genauso wichtig wie die beiden USB-C Ladebuchsen oder die optionale Sitzheizung. Kleine Kinder werden schließlich ganz schnell größer, somit steigen auch die Ansprüche.


Das Kofferraumvolumen liegt bei unveränderten 480 Liter, allerdings ist nun das Staufach unter dem Kofferraumboden entfallen. Das ist übrigens eine Werksangabe, genauso wie die Längen- und Leistungsangaben. Unser mobiler Teststand konnte leider nicht nach Faro transportiert werden und zum auslitern des Kofferraumvolumens hatten wir einfach keine Zeit. Der Plugin-Hybrid, also der BMW 330e, wird weniger Volumen bieten, soviel ist schon mal klar. 

Wir hatten es schon erwähnt: Optional ist das Zauberwort. Los geht es ab 37.850 Euro, doch den Preis kann man im Optionalitäten-Fundus demnächst schneller nach oben trieben als man „Freude am Fahren“ aussprechen kann. Genau das bringt er aber mit sich, der neue 3er. Freude am Fahren, der Fahrer sitzt im Mittelpunkt und egal ob nun auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, zur Rennstrecke oder in den Urlaub – der 3er BMW ist ein guter Begleiter.

Uns fällt es bei der stetig steigenden Qualität immer schwerer Kritik zu üben, daher hier zum Schluss noch die gesammelten Werke: Die Rückwärtskamera sitzt nicht mittig, dafür aber gegen Wind und Wetter ungeschützt im Heck. Das geht besser!

Aber nun wird es noch schlimmer:  Der Sprachassistent spielt mit der Belüftungseinrichtung, der Temperatur und der Musik wenn der Fahrer sagt „Hey BMW, ich bin müde!“ anstatt ihm den Tipp zu geben mal eine Pause einzulegen. Darauf hätte man doch auch kommen können, oder? Je nach Umgebungsgeräuschen, muss man den Sprachassistenten auch zwei oder gar drei mal ansprechen, nicht alles funktioniert immer beim ersten Versuch, man muss sich da vermutlich wie in einer richtigen Beziehung erst einspielen. Nur sollte man in seiner richtigen Beziehung die Höflichkeitsfloskeln nicht vergessen, denn bedanken wird sich wohl kaum einer bei „Hey BMW…“

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