Google stellte in der vergangenen Woche ein Auto vor. Ein eigenes Auto. Ein Auto das viel näher am Begriff des ursprünglichen „Auto“ parkt, als es die seit über 100 Jahre bekannten Droschken unserer noch aktuellen Epoche des „Selbstfahrers“ tun.

Der US-Konzern hat nicht vor unter die Automobilbauer, so wie man es heute kennt, zu gehen. Wenn man in Mountain View über Lösungen nachdenkt, dann tut man dies oftmals unter völlig neuen Gesichtspunkten, mit neuen Aspekten und so verwundert nicht, das – was die Googlianer nun vorgestellt haben – einen klassischen Motor-Journalisten mit Fragezeichen hinterlässt.

100 Selbstfahrende Autos – made by google

Wir nutzen Google jeden Tag. 3.5 Milliarden Suchanfragen verarbeitet Google, täglich. Google hat längst die eigenen Sphären als „Betreiber einer Suchmaschine“ verlassen und wurde zum wichtigsten Technologie-Unternehmen der Welt. Wir suchen nicht im Internet, wir googeln. Das eigene Smartphone stammt entweder von Appel, oder es läuft mit einem Betriebssystem von google. Andere Anbieter? Längst zu Nischen dekradiert. Wer erinnert sich noch an Nokia? Einst die Helden der mobilen Telekommunikation. Wer erinnert sich an Motorola? Die Telekommunikationssparte von Motorola gehört heute zu google. Zwei Konzerne die mit Telefonen nichts am Hut hatten, haben die Welt der Telekommunikation verändert.

Droht dieser Umbruch nun der Automobil-Industrie?

Auf einer Podiumsdiskussion am Rande der AMI in Leipzig wurden Vertreter der Automobil-Industrie gefragt, ob die Entwicklung des „Google self driving vehicle“ eine Bedrohung für die etablierten Automobil-Hersteller darstellt. Blauäugig in meinen Augen die Antwort: Nein. Denn was man dort zeigen würde, wäre ja nur eine Ergänzung zu dem was man selbst anbietet. Ein Teil des Spektrums der Mobilität.

Wenn man sich da mal nicht irrt. Und dieser Irrtum könnte so schmerzlich sein, wie der Irrtum bei Motorola oder Nokia. Erst einmal wird google „nur 100 Fahrzeuge“ für einen Feldversuch fertigen. Das tut keinem Automobil-Hersteller weh, richtig. Aber es ist auch nur die erste Phase einer neuen Idee.

Autofahren ohne Lenkrad und Gaspedal – so die Überschrift des Artikels über das Google-Auto bei Motor-Talk.

Sicher. Das was Google im ersten Schritt vorstellt, sieht aus wie eine chinesische Kopie des SMART. Ein Auto ohne Lenkrad und Pedale zudem. Ein Fahrzeug soweit weg von den Vorstellungen der aktuellen Generation von Autofahrern, dass man es zunächst auch gar nicht dieser Gruppe von Menschen vorgestellt hat. Senioren, Kinder und Menschen mit einer Behinderung werden beim ersten Kontakt mit dem „Google-Car“ gezeigt. Die Reaktionen? Enorm.

Und nie zuvor war ein Auto, mehr Auto – als dieses „Google-Automobil“. Schlagen wir im Lexika nach -alternativ googeln wir – Auto kommt von autonom und steht demnach für Eigenständigkeit, für Unabhängigkeit, für die Möglichkeit Freiheiten zu besitzen. Und das Google Auto? Ist es nicht das wirklich erste „autonome“ Auto? Es fährt völlig ohne die direkte Beeinflussung durch den Fahrer. Es kann feste Routen nach Fahrplan abfahren, es könnte per Smartphone gesteuert die Wünsche des Insassen befolgen, ohne das dieser sich weiter mit der Aufgabe des „fahrens“ beschäftigen müsste. Der Mensch wäre frei in seiner Zeit – gleichwohl er sich gerade frei gemacht hat von der Beschränkung auf einen Ort. Seitdem wir uns als Menschen bewegen, wir uns von A nach B bewegen, müssen wir hierfür eine Aktion durchführen oder uns an mehr oder minder fixe Rahmenbedingungen halten. Reiten? Nicht ohne Pferd und ohne diesem zu sagen was es tun soll. Während der gesamten Strecke. Fahrrad fahren? Nicht ohne in die Pedale zu treten, die Umwelt zu beobachten und zu reagieren. Fortbewegung, das überbrücken von Entfernungen war immer eine Arbeit. Es bedarf der steten Überwachung von Technik, von Systemen und Netzen. Der Straßenverkehr ist mitunter die komplexeste Kombination von Autonomie, die sich der Mensch hat ersinnen können.

Das alles kann das erste „selbstfahrende“ Automobil ohne uns. Und genau deswegen kann sich das Google „self-driving vehicle“ zu einer Killer-Applikation entwickeln. Es erfüllt unsere Wünsche nach Mobilität, nach autarker Unabhängigkeit – ohne die negativen Eigenheiten des Alltagsverkehrs mit sich zu bringen. Von A nach B, jeden Tag wiederkehrend? Das kann das google-car erledigen. Die Zeit im Fahrzeug? Es schenkt uns diese zurück.

Sicher – sich fahren lassen, funktioniert schon heute. Bus, Bahn, Taxi und Chauffeurs-Dienste erfüllen uns diesen Wunsch auch. Doch zu welchem Preis? Mit der Hilfe von unfassbar gewaltigen Infrastruktur-Lösungen. Das erste selbstfahrende Auto bietet völlig neue Lösungen, bequeme Unabhängigkeiten. Es befreit uns vom Streß des Alltags im Stau. Der Verkehr darum herum? Car-to-X Funktionen werden die Mobilität der Zukunft neu definieren. Und das google-auto mag nicht in der Konkurrenz zu einem aktuellen Automobil stehen – richtig – aber es steht in der Konkurrenz zur Lösung von Fragen der Mobilität.

Mobilität neu definiert

Auch wenn Automobil-Hersteller im Augenblick gerne über die Fragen von selbstfahrenden Autos und umfassender Assistenzsysteme diskutieren. Wer denkt – google wäre keine Gefahr für das eigene Geschäftsmodell – hat aus der Vergangenheit nichts gelernt. Technologiekonzerne wie Google bringen neue Lösungen für altbekannte Probleme und sie tun es mit dem Pragmatismus eines Unternehmens, dasdie Freiheit besitzt, außerhalb bekannter Lösungs-Szenarien zu denken.

Und wer sich den Videoclip zum Google-Automobil anschaut, der sollte verstehen – wie groß die Chancen zum Erfolg von „autonomen“ Fahrzeugen ist. Denn der Mensch sucht genau diese Form der Mobilität. Eine Form die ihm geschenkt wird, minimiert im Aufwand der Umsetzung. Um von A nach B zu kommen langt in der Zukunft das eintippen eines Ziels. Der Rest wird vom autonomen Automobil erledigt.

Und das soll keine Gefahr, kein Wettbewerb, für aktuelle Automobil-Hersteller sein? Ihr täuscht Euch gewaltig! 

Ausgerechnet mit Google, einem Anbieter von „Dienstleistungen“ wird es den ersten Wettbewerber für die Automobil-Industrie geben, den diese fürchten sollte. Denn dort bietet man eine Lösung an, die man so bislang nicht umsetzen konnte. Statt dessen sprechen wir über Fahrfreude. Über das emotionalisieren des Fahr-Erlebnis. Sicher. Das gibt es. Aber nicht im Alltag, im Stau – jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit. Da haben wir andere Wünsche und ausgerechnet ein Unternehmen aus einer anderen Branche zeigt den Platzhirschen wie das funktioniert – mich erinnert das sehr an die Ereignisse rund um das Mobiltelefon.

… wake up call..

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