E-Autoquote in China kommt früher — Kann Tesla so die deutschen Autobauer überholen?

E-Autoquote in China kommt früher — Kann Tesla so die deutschen Autobauer überholen?

Die Elektroautoquote in China kommt wohl doch schon 2018. Das wollten die deutsche Autoindustrie und sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel unbedingt vermeiden. Als wären das nicht schon schlechte Nachrichten genug für deutsche Autobauer, baut Tesla wohl bald jede Menge Elektroautos – in China.

Tesla plant nämlich laut Medienberichten eine Fertigung in China. Tesla verhandelt mit der Stadt Shanghai über eine Produktion in der Lingang-Wirtschaftszone, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg und beruft sich dabei auf Insiderinformationen. Die Verhandlungen sollen kurz vor dem Abschluss stehen, ein Ergebnis diese Woche verkündet werden. Wer der lokale Partner sein wird, ist noch unklar; ausländische Hersteller müssen für eine Fertigung in China ein Joint-Venture eingehen. Eine lokale Fertigung ist dennoch attraktiv, weil auf importierte Autos 25 Prozent Steuer fällig werden. Dies führt dazu, dass Model S und Model X in China teurer seien, als in den USA, berichtet das Handelsblatt. Für den Elektroauto-Hersteller wäre Shanghai die erste Fabrik außerhalb der USA. Ob das mit Spannung erwartete bezahlbare Mittelklassemodell Model 3 in China gebaut werden könnte, dazu hat sich Tesla noch nicht geäußert.

China größter Markt für lokal emissionslose Fahrzeuge

Zufall oder nicht: Die Meldung fällt mit der Nachricht zusammen, dass China doch nicht von seinen ursprünglichen Plänen zur Einführung einer Elektroautoquote abrückt – nicht nur die deutsche Autoindustrie ist jetzt unter Druck. Für die chinesische Regierung haben Elektroautos eine strategische Bedeutung als Wachstumsmarkt. Förderungen und Quotenregelungen sollen den Anteil an elektrisch angetriebenen Fahrzeugen steigern. Im Jahr 2015 wurde China der größte Markt für lokal emissionslose Fahrzeuge.

China macht bei der Einführung von Elektroautos und Plug-ich-Hybriden Druck: Wie das Handelsblatt vermeldet, müssen die Hersteller in China bereits ab 2018 acht Prozent ihrer Pkw als Elektroautos verkaufen. 2019 steigt die Quote auf zehn und 2020 auf zwölf Prozent. Deutsche und chinesische Autobauer, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Sigmar Gabriel versuchten die chinesische Regierung von ihrem Vorhaben abzubringen und eine spätere Einführung der Quote zu erreichen, so das Handelsblatt. Nachdem es anfangs so aussah, als wenn China sich auf die Vorschläge der Deutschen einlassen würde, ist davon jetzt keine Rede mehr. Zwar handelt es sich bei den Bestimmungen zur Einführung einer Elektroauto-Absatzquote bisher nur um einen Entwurf – aber erfahrungsgemäß ist an so einem Entwurf aus dem Gesetzgebungsbüro von Premierminister Li Keqiang nicht mehr viel zu rütteln.

Deutsche Hersteller in China unter enormem Druck

Für die deutschen Hersteller dürfte es damit auf dem bisher recht gewinnträchtigen chinesischen Markt schwieriger werden – das Geld wird dort mit großen Verbrennungsmotor-Wagen verdient. Die Elektroauto-Modellpalette deutscher Produzenten ist durchweg noch überschaubar und ob viele Hersteller mit dem Verkauf von E-Autos überhaupt Geld verdienen, ist unklar. Nur von VW ist zu hören, dass der E-Golf profitabel ist. Was vor allem darin begründet ist, dass er dem herkömmlichen Golf sehr ähnlich ist und außer dem Antriebstrang weite Teile der Technik mit dem Volumenmodell gemeinsam hat. Gleichzeitig hat VW für 2020 das erste Modell einer ganzen Palette von Elektroautos angekündigt, die auf einer eigenen neuen Plattform stehen (Modularer Elektrobaukasten MEB). Entsprechende Concept Cars (I.D. Crozz) zeigte VW folgerichtig zuletzt in Shanghai, wo auch das Elektroauto Vision E der Tochter Skoda debütierte. Für Volkswagen ist China stärkster Ländermarkt. Der Konzern verkaufte in den ersten 5 Monaten dieses Jahres allein 1,51 Millionen Autos in China, in ganz Europa 1,86 Millionen.

Gebremster Schaum bei den deutschen E-Auto-Modellen

Manch anderer Autohersteller scheint der Elektromobilität nach wie vor nicht richtig über den Weg trauen. BMW war zwar mit dem i3 ganz vorn dabei, bringt aber das erste rein elektrische Modell einer herkömmlichen Baureihe (X3) erst 2020.

Und Daimler hat mit EQ eigens eine Submarke gegründet, unter der Elektrofahrzeuge produziert werden – eine Submarke, die sich in die Hauptmarke prima integrieren lassen, wenn es gut läuft, die aber auch relativ schmerzfrei dichtgemacht werden könnte, sollten sich die in die Elektromobilität gesetzten wirtschaftlichen Hoffnungen zerschlagen.

Die Entwicklung in China könnte jetzt allerdings die deutschen Hersteller zwingen, bei der Entwicklung und Produktion von Elektrofahrzeugen trotz aller Vorbehalte, heftig „Gas“ zu geben.

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Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/elektroautoquote-china-tesla-fabrik-12185074.html

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