EuroNCAP-Crashtest 2017 — Alle Ergebnisse auf einen Blick

Im aktuellen EuroNCAP-Crashtest stellten sich Alfa Romeo Stelvio, Honda Civic, Hyundai i30 sowie Opel Insignia, Seat Ibiza und der VW Arteon. Der Ford Mustang erschien zum Nachtest und schafft auch dieses Mal keine fünf Sterne.

Blicken wir zurück: Anfang des Jahres erhielt der Ford Mustang beim Crashtest nur zwei Sterne. Unter anderem, weil beim Frontcrash der Airbag den Fahrerkopf nicht abfangen konnte und auch Fondpassagiere unter dem Gurt durchrutschen konnten. Neben Schwächen bei der Kindersicherheit konstatierten die Tester von EuroNCAP auch, dass die Sicherheitsausstattung lediglich aus einer Sitzbelegungserkennung bestand.

Nun hat sich der seit Mai 2017 überarbeitete Ford Mustang erneut den Testern gestellt. Das sich strukturell am Fahrzeug nichts geändert hat, bleibt es beim Crashtest-Ergebnis. Allerdings wurde das Rückhaltesystem so verändert, dass Fahrer und Beifahrer nicht mehr durch die Airbags durchschlagen können. Des Weiteren wurde der Ford Mustang nun serienmäßig mit dem Ford Pre Collision Assist (Fußgänger-Erkennung, Kollisionswarnung und Notbremsassistent) sowie dem Spurhalteassistenten ausgerüstet. Entsprechend kommt der Mustang nun dank der verbesserten Sicherheitsausstattung auf drei Sterne.

Honda Civic mit Mängeln beim Frontcrash und der Kindersicherheit

Auch der Honda Civic konnte die Höchstwertung von fünf Sternen nicht erreichen. Der Japaner erhielt vier Sterne. Insbesondere beim Frontcrash mit der kompletten Fahrzeugbreite wirkten hohe Kräfte auf den Oberkörper der hinteren Passagiere. Auch beim Heckaufprall waren die Belastungen für die Wirbelsäule der hinteren Mitfahrer sehr hoch.

In Sachen Kindersicherheit wurde der Kopf des 10 Jahre alten Dummys vom Vorhangairbag nicht komplett aufgefangen und schlug gegen die Karosserie. Insgesamt erreicht der Honda Civic beim Insassenschutz 92 Prozent der erforderlichen Punkte, beim Kinderschutz 67 Prozent, der Fußgängerschutz wurde mit 75 Prozent bewertet und die Sicherheitsassistenten mit 88 Prozent.

Alle anderen Modelle im aktuellen Crashtest erhielten fünf Sterne. Die Bewertungen im Detail:

  • Alfa Romeo Stelvio: Insassenschutz: 97 Prozent; Kindersicherheit: 84 Prozent; Fußgängerschutz: 71 Prozent; Sicherheitsausstattung: 60 Prozent
  • Hyundai i30: Insassenschutz: 88 Prozent; Kindersicherheit: 84 Prozent; Fußgängerschutz: 64 Prozent; Sicherheitsausstattung: 68 Prozent
  • Opel Insignia: Insassenschutz: 93 Prozent; Kindersicherheit: 85 Prozent; Fußgängerschutz: 78 Prozent; Sicherheitsausstattung: 69 Prozent
  • Seat Ibiza: Insassenschutz: 95 Prozent; Kindersicherheit: 77 Prozent; Fußgängerschutz: 76 Prozent; Sicherheitsausstattung: 60 Prozent
  • VW Arteon: Insassenschutz: 96 Prozent; Kindersicherheit: 85 Prozent; Fußgängerschutz: 85 Prozent; Sicherheitsausstattung: 82 Prozent

Die weiteren Detailergebnisse des EuroNCAP-Crashtests aus dem Jahr 2017

Der Skoda Kodiaq schnitt beim aktuellen EuroNCAP-Crashtest mit der Top-Note von 5 Sternen ab. In der Kategorie für den Insassenschutz erreichte der SUV 92 Prozent der erforderlichen Punkte. Die Fahrgaszelle blieb beim Frontcrash stabil. Lediglich der Oberkörper des Fahrers war höheren Belastungen ausgesetzt.

Bei Seitenaufpralltest kam der große Tscheche auf die volle Punktzahl, auch beim Pfahltest schnitt der Kodiaq gut ab. Die Gefahren für ein Schleudertrauma bei einem Heckaufprall waren gering, die Assistenzsysteme arbeiteten einwandfrei. Bei der Kindersicherheit erreichte der Skoda 72 Prozent der möglichen Punkte. Hier kritisierten die Tester, dass die beim Frontcrash die Belastungen des Nackens bei den Dummy (10 Jahre alt) zu hoch war. Bei Fußgängerschutz gab es bedingt durch den hohen Aufbau 71 Prozent der möglichen Punkte, bei den Sicherheitsausstattungen 54 Prozent, es fehlte der Spurhalteassistent.

Mini Countryman mit voller Punktzahl

Als zweites Modell mit fünf Sternen konnte der Mini Countryman überzeugen. 90 Prozent der möglichen Punkte gab es im Bereich des Insassenschutzes. Die Fahrgastzelle blieb stabil, lediglich bei Frontcrash wirkten höhere Kräfte auf den Oberkörper des Fahrers. Beim Seitenaufprallcrash und bei Pfahltest erzielte der Mini die höchste Punktzahl, auch der Schutz gegen das Schleudertrauma ist gut.

80 Prozent der möglichen Punkte erreichte der Mini beim Kinderschutz, auch hier gab es eine erhöhte Belastung für den Nacken des Kinder-Dummys (10 Jahre) beim Frontaufprall. Die Seitencrash-Tests absolvierte das Modell erneut mit der maximalen Punktzahl. Die Punkte für den Fußgängerschutz betragen 64 Prozent, bei den Sicherheitsausstattungen sind es 51 Prozent – beim letzteren fehlte der Spurhalteassistent.

Nissan Micra mit optionalem Sicherheitspaket auch mit 5 Sternen

Der Nissan Micra kam mit der Standardsicherheitsausstattung auf vier Sterne (Insassenschutz: 91 Prozent, Kinderschutz: 79 Prozent, Fußgängerschutz: 68 Prozent, Kinderschutz: 49 Prozent.

Mit einem erweitertem Sicherheitspaket (autonomer Notbremsassistenten und Spurhalteassistent) sind es 5 Sterne (Fußgängerschutz: 79 Prozent und Sicherheitsausstattung: 72 Prozent), die anderen Werte blieben unverändert. Entsprechend stabil zeigte sich die Fahrgastzelle. Beim Frontaufprall rutschte ein Dummy auf dem Rücksitz unter dem Gurt durch. Maximale Punkte gab es beim Seitenaufprall, eine gute Wertung beim Pfahltest. Gegen Auffahrunfälle sind die Nackenbereiche der Insassen gut geschützt.

Suzuki Swift trotz Safety-Pack mit vier Sternen

Der Suzuki Swift schnitt bei aktuellen Crashtest mit nur drei Sternen ab. Für den Insassenschutz kam er auf 83 Prozent der möglichen Punkte, beim Kinderschutz auf 75 Prozent und beim Fußgängerschutz auf 69 Prozent.

Für die Sicherheitsausstattung reichte es nur für 25 Prozent. Mit einem optionalen Sicherheitspaket mit einem Notbremsassistenten konnte der Suzuki Swift noch eine Vier-Sterne-Wertung erhalten und beim Insassenschutz auf 88 Prozent, und der Sicherheitsunterstützung auf 44 Prozent der erreichbaren Punkte zulegen. Ansonsten sind die Ergebnisse beim Insassenschutz gleich. Die Fahrgaszelle blieb stabil, der Schutz für die Beine wurde als gut eingestuft. Beim Frontcrash war der Schutz für den Oberkörper des Fahrers und des hinteren Passagiers nur durchschnittlich. Den Seitencrash absolvierte er mit voller Punktzahl, den Pfahltest mit gutem Schutz für die kritischen Körperstellen. Während auf den Frontsitzen die Belastungen für den Nacken bei einem Heckaufprall gering waren, so gab es für die Heckpassagiere die schlechteste Wertung.

Der neue BMW 5er holte sich im EuroNCAP-Crashtest eine 5-Sterne-Wertung. Er überzeugte in allen Crashszenarien. Lediglich bei Frontalcrash öffnete sich der Knieairbag des Fahrers nicht wie vorgesehen. BMW will den Vorfall untersuchen. Die Crashergebnisse waren dennoch überzeugend. Keine echten Schwächen leistete sich der Bayer auch bei der Kindersicherheit und der Sicherheitsausstattung. Beim Fußgängerschutz wurden die zu harte Motorhaubenkante und die unnachgiebigen A-Säulen kritisiert.

Drei Sterne für Fiat Doblo

Nur 3 Sterne gab es im Crashtest für den überarbeiteten Fiat Doblo. Beim Frontalcrash schlug der Kopf des Fahrers durch den Airbag auf das Lenkrad durch. Hoch fallen auch die Belastungen im Oberkörperbereich des Beifahrers aus. Auch die Fondpassagiere sehen sich bei einem Frontalaufprall mit einem hohen Verletzungsrisiko im Oberkörperbereich konfrontiert.

Zudem kritisieren die Tester das Verletzungsrisiko im Halswirbelbereich beim Heckanprall. Kritik gab es auch bei der Kindersicherheit. Hier tragen 6 bis Zehnjährige ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Auch ist der Beifahrer-Airbagstatus nicht klar genug gekennzeichnet. Beim Fußgängerschutz wurde die zu harte untere Windschutzscheibenkante bemängelt. In der Sicherheitsausstattung fehlen ein Notbremssystem, ein Speedlimiter und ein Spurhalteassistent.

Der neue Audi Q5 konnte im EuroNCAP-Crashtest eine 5-Sterne-Wertung erringen. Der SUV überzeugte mit guten Ergebnissen in allen Crashszenarien und für alle Insassen. Keine Schwächen leistete sich der Q5 auch beim Thema Kindersicherheit. Beim Fußgängerschutz profitiert der Q5 von einer aktiven Motorhaube sowie einem Notbremsassistenten. Kritik gibt es nur für zu harte Ecken der Motorhaube. Bei der Sicherheitsausstattung bietet der Q5 serienmäßig eine ordentliche Bestückung.

Ebenfalls auf 5 Sterne kam der neue Land Rover Discovery im EuroNCAP-Crashtest. Beim frontalen Offset-Crash konnte der Airbag aber ein Durchschlagen des Fahrerkopfes auf das Lenkrad nicht verhindern. Beim Anprall über die gesamte Breite maßen die Tester ein leicht erhöhtes Verletzungsrisiko im Brustbereich für die Fondpassagiere. Beim Seitenanprall öffnete sich die Fahrertüre. Ein erhöhtes Verletzungsrisiko notierten die Tester beim Heckanprall für die Fondpassagiere. Keine Schwächen leistete sich der Discovery auch beim Thema Kindersicherheit. Beim Fußgängerschutz profitiert der Land Rover von seinem Notbremsassistenten. Zu hart sind aber die A-Säulen und die Motorhaubenecken. Im Punkt Sicherheitsunterstützung punktet der Brite mit einer umfangreichen Serienausstattung.

Keine echten Schwächen beim Insassenschutz leistet sich auch der neue Toyota-Kompakt-Crossover CH-R, der ebenfalls auf eine 5-Sterne Wertung kommt. Gleiches gilt für die Kriterien Kindersicherheit und Fußgängerschutz. Einzig die zu harten A-Säulen und die zu harte Motorhaubenkante wurden kritisiert. Mit seinem serienmäßigen Pre-Collision System punktet der Japaner auch bei der Sicherheitsausstattung.

Der Kleinwagen Citroën C3 kommt im Crashtest nur auf 4 Sterne. Dabei zeigt der Franzose keine Schwächen bei der Insassensicherheit, keine Schwächen bei der Kindersicherheit und beim Fußgängerschutz wurden nur die zu harten A-Säulen bemängelt. Den fünften Stern kostete dem C3 der fehlende Notbremsassistent.

Kleinwagen fehlt es nicht nur an Sicherheitsausstattung

Nur 3 Sterne konnte der Fiat 500 erzielen. Beim Offsetcrash konnte der Italiener noch überzeugen, beim Frontalcrash über die gesamte Breite wurden null Punkte notiert. Der Kopf des Fahrers schlägt hart auf das Lenkrad, den Fondpassagieren droht ein hohes Verletzungsrisiko im Kopf- und Oberkörperbereich sowie ein Durchrutschen unter dem Gurt. Abzüge gab es auch bei der Kindersicherheit. Für große Kinder besteht auf den hinteren Plätzen ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Der Status des Beifahrerairbags wird nicht klar genug angezeigt und auch lassen sich nicht alle Kindersitze sicher installieren. Kräftige Abzüge gab es auch bei der Sicherheitsausstattung. Es fehlen ein Spurhalte- und ein Notbremsassistent.

Ebenfalls nur auf 3 Sterne kam der neue Ford-Kleinwagen Ka+. Beim Offsetcrash drohen auf beiden vorderen Plätzen Verletzungen durch eindringende Armaturenbrettstrukturen, beim Crash über die ganze Breite besteht für die Fondpassagiere ein hohes Verletzungsrisiko im Kopf- und Oberkörperbereich. Keinen echten Ausrutscher gab es beim Kriterium Kindersicherheit. Die übliche Kritik beim Fußgängerschutz: zu harte A-Säulen und eine zu harte Motorhaubenkante. Kräftige Abzüge gab es bei der Sicherheitsausstattung. Wie beim Fiat fehlen ein Spurhalte- und ein Notbremsassistent.

Ford Mustang mit Airbag-Problemen

Der Ford Mustang erhielt im Crashtest nur zwei Sterne. Beim Frontalcrash konnte der Airbag den Fahrerkopf nicht abfangen, ein Lenkradkontakt war die Folge. Auch der Beifahrer hatte trotz Airbag mit dem Kopf Kontakt mit der Armaturentafel. Auch wurde der zu lasche Gurtstraffer bemängelt. Kritisiert wurde auch, dass der Fondpassagier unter dem Gurt durchrutschen und sich so schwer verletzen kann. Für verbesserungswürdig halten die Tester auch den Schutz beim Heckanprall. Hier drohen auf allen Plätzen Halswirbelverletzungen. Das Testfahrzeug war zudem nicht mit einem Notbremsassistenten ausgerüstet, was weitere Abzüge einbrachte.

Auch bei der Kindersicherheit zeigt der Ford Mustang Schwächen. Größere Kinder tragen beim Seitenanprall ein erhöhtes Verletzungssrisiko, auch hier bietet der Airbag keinen ausreichenden Schutz. Beim Fußgängerschutz bleibt der Mustang hingegen unauffällig. Im Kriterium Sicherheitsausstattung kann der Mustang lediglich mit einer Sitzbelegungserkennung auf den Vordersitzen punkten.

Ab Mai wird der Mustang besser, aber vielleicht nicht viel sicherer

Beim Facelift des Mustang (bei uns ab Mai) wird sich an der Karosseriestruktur nichts ändern. Sind die Crashtestergebnisse also weitestgehend übertragbar? Die Ergebnisse größtenteils schon, die Bewertung dürfte sich allerdings stark verbessern. Wie kommt’s? Das liegt trotz der wenig tiefgreifenden Änderungen an der Modellpflege. Das Testfahrzeug nämlich nicht mit einem Notbremsassistenten ausgerüstet, der ab dem Facelift serienmäßig an Bord sein soll. EuroNCAP „bestraft“ fehlende Assistenzsysteme extrem.

Ford äußert sich wie folgt zum Ergebnis:

„Die EuroNCAP-Einstufung eines Fahrzeuges orientiert sich an vier Hauptsäulen (Insassenschutz/Erwachsene, Kindersicherheit, Fußgängerschutz und Assistenzsysteme), wobei das schwächste Ergebnis der Kategorien das kommunizierte Gesamtergebnis diktiert. Im Falle des aktuell getesteten Ford Mustang sehen die Kategorie-Ergebnisse folgendermaßen aus:

Insassenschutz/Erwachsene: 4*
Kindersicherheit: 3*
Fußgängerschutz: 5*
Assistenzsysteme: 2*

Im Rahmen der bevorstehenden Produktüberarbeitung des neuen Ford Mustang wird für Europa unter anderem das Pre-Collision-Assistsystem inkl. Distanzanzeige, Distanzwarner, Auffahrwarnsystem mit Fußgängererkennung und Aktivem Notbremsassistenten sowie ein Fahrspurhalte-Assistent standardisiert werden“.

Außerdem weist der Hersteller darauf hin, dass „der Ford Mustang ein sicheres Auto ist, das alle aktuell geforderten Sicherheitsrichtlinien erfüllt oder übertrifft. In den USA erhielt der Ford Mustang beim NCAP-Test der NHTSA eine 5*-Bewertung“.

Und die weichen Airbags sowie die trägen Gurtstraffer? Dürften wohl auch nach dem Facelift bleiben. Andererseits muss man zugeben, dass der Mustang beim Insassenschutz der aktuellen Testreihe dennoch vier Sterne schaffte. Weniger gut ist er für Kinder und im Fond und das wird womöglich auch nach dem Facelift so bleiben. Wer im Mustang vorne sitzen will, hat also künftig gute Argumente.

Volvo S/V90 holt 5 Sterne

Ein völlig anderes Bild liefert der neue Volvo S/V90 ab. Die Schweden bleiben ihrem Ruf als Sicherheitsmarke treu und liefern ein 5-Sterne-Ergebnis ab.Bei der Insassensicherheit überzeugte der Volvo in allen Punkten. Gleiches gilt für das Kriterium Kindersicherheit. Leichte Abzüge gibt es beim Fußgängerschutz. Hier bemängeln die Tester eine zu harte untere Windschutzscheibenkante. Gelobt wurde dagegen der Notbremsassistent mit Fußgängererkennung, was bei der Sicherheitsausstattung satte 93 % der Punkte einbrachte.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/euroncap-crashtest-2017-ergebnisse-unfall-sicherheit-11656949.html

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