Opel macht es potenziellen Kunden im Augenblick nicht ganz leicht. Mit dem Wechsel unter das Dach des französischen PSA-Konzerns wandelt sich auch das eine oder andere vertraute Modell. Der Zafira mutierte vor Kurzem mit der Zusatzbezeichnung „Life“ vom Kompakt- zum Großraumvan und spielt nun mit dem VW T6 und dem Ford Tourneo Custom in einer Liga. Parallel dazu ist der bekannte Zafira derzeit aber noch weiter im Programm.

Mit dem Wechsel auf die PSA-Plattform gibt es den Zafira, pardon, Zafira Life, jetzt in drei Karosserielängen. Analog zu Peugeot Traveller, Citroen Space Tourer und Toyota Proace Verso wird die Großraumlimousine auch als kurze Variante mit kompakten 4,60 Metern Länge angeboten. Das ist Pkw-Format und erleichtert den Umgang mit dem Familienbus im Stadtverkehr ungemein, wobei selbst der Zafira Life S auf Wunsch mit dritter Sitzreihe vorrollt. Unser Testwagen beließ es bei fünf Sitzen, die im Fall der höchsten Ausstattungsstufe Innovation beledert sind und vorne sogar über eine Massagefunktion verfügen.

Auch technisch verwöhnt der Zafira Life. Der 2,0-Liter-Diesel liefert ordentliche 177 PS (130 kW), die an eine Acht-Stufen-Automatik gekoppelt sind. Damit ist die kompakte Großraumlimousine mehr als ausreichend motorisiert. Dazu will die vor allem im Mittelbereich auf der Landtsraße diffuse sowie recht lang übersetzte Lenkung leider nicht so recht passen. Sie wird erst bei höherem Tempo stabiler. Zudem fordern die Fahrzeughöhe in Kombination mit dem relativ kurzen Radstand in flotteren Kurven ihren Tribut: Der kurze Van neigt sich spürbar – gefördert vom ansonsten überraschend komfortabel gefederten Fahrwerk.

Das Getriebe wechselt die Stufen sanft. Der Wählhebel mit den vier Einstellungen P, R, N und D in Form eines ganz gewöhnlichen Drehknopfs ist ebenso simpel wie ausreichend. Im manuellen Schaltwippen-Betrieb lässt sich vor allem im letzten Gang noch etwas drehzahlschonender fahren, wenn der Automat im Bereich von 100 bis 110 km/h gerne noch in Stufe sieben bleiben würde. Beim zügigen Beschleunigen dreht der Selbstzünder gerne schon einmal über 4000 Touren. Bei Autobahnrichtgeschwindigkeit liegen aber angenehm leise 2000 Umdrehungen in der Minute an. Laut Bordcomputer verbrauchte unser Testwagen im Mittel zwischen 7,6 und 8,5 Liter auf 100 Kilometer. Wir lagen am Ende genau in der Mitte und damit nur einen halben Liter über der WLTP-Angabe.

Die Heckklappe lädt zum Picknick ein

Aller Kürze zum Trotz, an der Breite des Zafira Life ändert das nichts, und die erfordert beim Einparken dann doch etwas mehr Achtsamkeit als bei einem gewöhnlichen Kombi. Da erweisen sich beim Einkauf die beiden hinteren elektrischen Schiebetüren ebenso als Segen wie die Parkpiepser und die Kamera. Warum allerdings die mächtige Heckklappe – unter der man in geöffnetem Zustand bequem ein Picknick abhalten kann – über ein separat zu öffnendes Fenster verfügt, erschließt sich uns nicht. Das mag für den schnellen Einkauf mit einem SUV oder Mittelklasse-Kombi praktisch sein, beim Großraumvan liegt die Luke aber hoch und fällt die Einkaufstüte entsprechend tief.

Vorne gibt es auf beiden Plätzen innenseitig klappbare Armlehnen sowie freien Durchstieg nach hinten. Freuen dürfen sich Fahrer und Beifahrer ebenso über die vielen und großen Ablagemöglichkeiten. Hinten sieht es nicht nur wegen der fernbedienbaren elektrischen Schiebetüren damit naturgemäß schlechter aus. Immerhin gibt es eine 12-Volt-Steckdose, Gepäcknetze in den Rückenlehnen der Vordersitze und Klapptische. Schwerwiegend zu Buche schlägt allerdings, dass die an sich luxuriöse Innovation auf separate Lüftungsöffnungen im Fond verzichtet – die sind erst ab der mittleren Länge Standard. Mitfahrer in Reihe zwei müssen sich mit zwei halb zu öffnenden Schiebefenstern zufrieden geben, bekommen aber ein mittig geteiltes Panoramadach.

Die hinteren Sitze sind um stolze 25 Zentimeter verschiebbar. Ihre Verankerung lässt sich zwar leicht lösen, das Gestühl an sich ist aber recht schwer. Ohne Hilfe ist die Zweier-Sitzbank auf der Fahrerseite nicht aus dem Auto zu bekommen. Dafür gibt es dann aber bei kompakten 4,61 Metern Fahrzeuglänge eine 2,05 Meter lange Ladefläche. Der Heckklappenausschnitt misst 1,22 Meter in der Breite und 1,16 Meter in der Höhe.

Seine Transporterherkunft kann der Zafira Life nicht nur wegen der großen Türfächer nicht verleugnen, sondern auch wegen des Cockpits. Es besteht aus – zugegeben gut kaschierten – Hartplastik. Und die eigenwillig nahezu fünfeckig gestalteten „Rundinstrumente“ verraten die französische Abstammung des Zafira der Neuzeit. Der Sieben-Zoll-Touchscreen wirkt ein wenig zu klein für das große Auto, erlaubt aber angenehm einfach das Zu- bzw. Abschalten der Assistenzsysteme. Gerade auf engeren Landstraßen kann der ständig piepende Spurverlassenswarner schon einmal nerven. Linke Schaltwippe, Blinkerhebel und Tempomat dürften gerne ein Stückchen weiter auseinander liegen. Hingegen ist die Bestückung des Lenkrads mit sechs Tasten und zwei Drehschaltern angenehm übersichtlich.

Die hinter der Lenkradspeiche liegende Bedieneinheit für die Geschwindigkeitsregelanlage fordert Neulingen zunächst etwas Gewöhnung ab, erweist sich jedoch schnell als sehr praxisgerecht. Vorsicht ist dennoch geboten: Pkw-Fahrer müssen sich umstellen, denn der Regelbereich des adaptiven Abstandshalters ist eingeschränkt. Die automatische Gefahrenbremsung erfolgt bis maximal 85 km/h, so dass bei höheren Geschwindigkeiten zwar der Tempomat (bis 160 km/h) noch funktioniert, das automatische Abbremsen aber bei zu kräftig verzögerndem Vordermann nicht mehr ausreichend stark erfolgt. Die ACC wechselt dann in den Pausenmodus und fordert den Fahrer auf, das Ruder vorübergehend selbst wieder in die Hand zu nehmen.

Fazit: Mit dem Wechsel auf die Transporterplattform von PSA hat der Zafira nicht nur an Größe und Flexibilität, sondern auch an Auswahlmöglichkeiten (drei verschiedene Längen und bis zu neun Sitze) gewonnen. Dafür bietet er nicht mehr ganz so viel Komfort wie der deutlich kompaktere Vorgänger auf Pkw-Basis. (ampnet/jri)



Daten Opel Zafira Life S Innovation

Länge x Breite x Höhe (m): 4,61 x 2,20 (m. Sp.) x 1,91
Radstand (m): 2,93
Motor: 4-Zyl.-Diesel, 1997 ccm, Turbo
Leistung: 130 kW / 177 PS bei 3750 U/min
Max. Drehmoment: 400 Nm bei 2000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 10,4 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 7,3 Liter
CO2-Emissionen: 191 g/km (Euro 6d-Temp)
Leergewicht / Zuladung: min. 1709 kg / max. 1015 kg
Kofferraumvolumen: max. 3600 Liter
Max. Anhängelast: 2300 kg
Wendekreis: ca. 11,5 m
Bereifung: 175/65 R 14
Luftwiderstandsbeiwert: 0,27
Wartungsintervall: 20 000 km
Basispreis: 51 220 Euro
Testwagenpreis: 55 040 Euro

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