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Einmal das beste aus beiden Welten?

Im kurvigen Terrain bei Barcelona, auf Schotterpisten abseits fester Straßen, aber auch in engen Biegungen wusste der Toyota zu überzeugen

Toyota bringt sein bekanntestes Modell in die Welt der SUV.  Der neue Corolla Cross füllt die Lücke zwischen dem stylischen C-HR und dem recht großen RAV 4. Als Antrieb dient ein Hybrid mit bis zu drei Motoren.

Toyota gilt als Pionier der Hybrid-Technik, die sich mit einer Kombination aus klassischem Verbrenner und modernen Elektromotoren dem ausufernden Benzindurst unserer Autos entgegenstellt. Gleichzeitig zählen die Asiaten zu den Ersten, die die Lust der Kunden auf hochbeinige SUV erkannten und bedienten. Jetzt kommt ein neues Modell, das beiden Kompetenzen bündelt. Der neue Corolla Cross im typischen Gewand solcher Art von Autos tritt in der SUV-Kompaktklasse an, trifft dort aber auf heftige Konkurrenz.

Der Toyota Corolla Cross fällt auf

Gewaltige Frontpartie mit einem steilen Kühler, eingerahmt von angeschrägten LED-Augen. Dazu deutlich ausgestellte Kotflügel, ein gerades Heck mit großer Klappe. Während andere Hersteller inzwischen die optische Aufrüstung gerne durch geschmeidige Eleganz ersetzen, bleibt Toyota mit dem Corolla Cross seinem „Hier komm ich“-Image treu. Gleichzeitig pflegen die Japaner ihren Ruf, dank Hybrid-Technik die Kunden mit recht genügsamem Verbrauch zu locken. Der Corolla Cross hat einen E-Motor an Bord, beim Allradmodell sind es zwei. Die werden von einer kleinen Lithium-Ionen-Batterie mit gerade mal etwas 1,5 kWh versorgt. Im Gegensatz zu früheren Hybrid-Modellen haben die Stromer an Kraft zugelegt. Sie erhöhen die Leistung des Zwei-Liter Vierzylinders von 112 kW/157 PS auf beachtliche 146 kW/197 PS..

Während andere Hersteller inzwischen die optische Aufrüstung gerne durch geschmeidige Eleganz ersetzen, bleibt Toyota mit dem Corolla Cross seinem „Hier komm ich“-Image treu

Beim Test-Corolla mit Allradantrieb, gleichzeitig die Nobelversion, ist für die Power an der Hinterachse ein eigener E-Motor zuständig ist. Während die vorderen Räder stets von Verbrenner und Elektroherz versorgt werden, kümmern sich die 30 kW/41 PS des Hecktriebwerks ausschließlich um ihren Bereich. Der daraus entstehende Allradantrieb wird von einer aufwendigen Elektronik stets so gesteuert, dass der Cross immer die optimale Haftung bietet. Eine Technik, die auch bei vielen reinen E-Autos wie dem VW ID.5 genutzt wird. Im kurvigen Terrain bei Barcelona, auf Schotterpisten abseits fester Straßen, aber auch in engen Biegungen wusste der Toyota zu überzeugen. Ob sich die Mehrkosten für den Allradantrieb in Höhe von 2.000 Euro wirklich lohnen, hängt sicher von den geographischen Umständen eines neuen Kunden ab.

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Allrad oder Frontantrieb, beide verwöhnen durch eine präzise Lenkung mit feinfühliger Unterstützung des Bordrechners. Das gleiche gilt für die gut dosierbaren Bremsen, mit denen sich die Cross-Fahrer schnell anfreunden dürften. Wie üblich, bekommen die dann vom hektischen Hin und Her des stetigen Wechselspiels der beiden Antriebe nichts mit. Das System ist so konfiguriert, dass der Benziner immer in einem Fenster agiert, in dem der wenigste Sprit im Verhältnis zum Tempo, der Streckenbeschaffenheit und anderer Bedingungen verbraucht wird. Für die Besatzung eines Corolla Cross hat das eine etwas unerwartete Wirkung. Schon beim Beschleunigen von 40 auf 80 km/h bei leicht ansteigender Landstraße müht sich der Verbrenner schnell auf die nötige Drehzahl zu kommen. Dabei dreht er so geräuschvoll nach oben, dass nur echte Fans eines kernigen Motorklangs alter Schule auf ihre Kosten kommen.

Der Toyota Corolla Cross ist 4,46 Meter lang

Fraglich, ob sich empfindlichere Kunden an das akustische Schauspiel aus dem Motorraum gewöhnen können. Aber immerhin bietet ihr Toyota bei alledem ordentliche Durchzugskraft in allen Lebenslagen. Und vor allem einen wirklich niedrigen Verbrauch. 6,3 Liter auf 100 km meldet der im Bordcomputer angesiedelte Buchhalter bei normaler bis zügiger Fahrt, bei der es auch mal recht steil bergauf ging. Der Normwert ist einen Liter günstiger. Zugegeben fühlt sich der Corolla Cross aber in den Händen gelassenen-entspannter Menschen hinterm Steuer am wohlsten, lässt sie das zwar weitgehend nüchterne, aber solide Ambiente im Innenraum genießen. Hinzu kommen die Segnungen der Vernetzung und der Nutzen der über 30 Assistenzsysteme, von denen einige bislang nur eine Klasse höher zu haben waren.

Zugegeben fühlt sich der Corolla Cross aber in den Händen gelassenen-entspannter Menschen hinterm Steuer am wohlsten, lässt sie das zwar weitgehend nüchterne, aber solide Ambiente im Innenraum genießen

Natürlich hat Toyota mit seinem kompakten SUV die Kunden im Blick, die ein reines E-Auto aus Preisgründen oder aus Reichweitenangst nicht ins Kalkül ziehen. Oder auch Menschen, die schlicht nicht auf ihren Verbrennungsmotor verzichten wollen oder können. Toyota spricht vom „selbstladenden Hybrid“, bei dem man sich um Ladesäulen nicht kümmern muss. Die andere Seite der japanischen Medaille: Wenn bald abgasfreie Zonen in den Innenstädten eingerichtet werden, bleibt der Toyota Corolla ausgesperrt.

Peter Maahn/SP-X

Technische Daten: Toyota Corolla Cross 2,0 Hybrid Allrad
Fünftüriges SUV der Kompaktklasse mit fünf Türen; Länge: 4,46 Meter, Breite: 1,83 Meter (mit Außenspiegeln: 2,12 m.), Höhe: 1,60 Meter, Radstand: 2,64 Meter, Kofferraumvolumen: 433 –1.337 Liter
2,0-Liter-Benziner mit vier Zylindern, 112 kW/157 PS, maximales Drehmoment 190 Nm bei 4.400 – 5.200 U/min, kombiniert mit zwei Elektromotoren: vorne 83 kW/113 PS, max. Drehmoment 206 Nm, E-Motor hinten: 30 kW/41 PS, max. Drehmoment 84 Nm, Systemleistung: 146 kW/197 PS, Batteriekapazität: ca. 1,5 kWh, Aufladung durch Verbrennungsmotor und Rekuperation, stufenloses Automatikgetriebe, Allradantrieb, Vmax: 180 km/h, 0-100 km/h: 7,5 s, Normverbrauch (WLTP): 5,3- 5,4 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 114 – 116 g/km, Abgasnorm: Euro 6 APl, Effizienzklasse: k.A.
Preis: ab 40.600 Euro (mit Frontantrieb 38.600 Euro)

Weitere Motorisierung:
Toyota Corolla Cross 1,8 Liter-Hybrid (ab 2. Quartal 2023)
1,8 Liter-Benziner mit vier Zylindern, 72 kW/98 PS, max. Drehmoment 142 Nm bei 3.600 U/min, kombiniert mit Elektromotor, 70 kW/95 PS, max. Drehmoment 185 Nm, Systemleistung 103 kW/140 PS, Frontantrieb, stufenloses Automatikgetriebe, Vmax: 170 km/h, 0-100 km/h: 9,9 s, Normverbrauch (WLTP): 4,9 – 5,3 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 112 – 121 g/km, Abgasnorm: Euro 6 AP, Effizienzklasse: k.A.
Preis: k.A.

Kurzcharakteristik:
Warum: geht sparsam mit dem Kraftstoff um, jede Menge an pfiffigen Assistenzsystemen und Online-Diensten
Warum nicht: Weil die Elektrifizierung nur halbherzig ist. Dann schon lieber ein echtes E-Auto
Was sonst: Mit ähnlicher Vollhybrid-Technik sind auch der Renault Austral, der Hyundai Tucson oder der Kia Sportage unterwegs
Wann kommt er? Dezember 2022 (Full Hybrid)

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