Fahrbericht: Citroën C1 PureTech 82

Der triste Alltag eines Auto-Bloggers: Kleinwagen fahren und dann muss man etwas Kluges über das Auto schreiben. Wenn der Kleinwagen am Ende auch noch aus Frankreich kommt, stellt man sich das erst einmal schwer vor. Nichts, was den Puls in Wallung bringt, für feuchte Hände sorgt oder den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Langeweile macht sich breit bei diesem Programm. Eigentlich.

Französische Wochen
Teil 1

Im Fahrbericht:

Citroën C1 PureTech 82

Einer von Dreien. Vor bald 10 Jahren haben sich PSA ( Citroën, Peugeot und Toyota ) zum ersten Mal an einen Tisch gesetzt und die Kooperation bei den Kleinstwagen beschlossen. Solche Kleinwagen sind ein verdammt undankbares Tagesgeschäft, nicht nur für Auto-Blogger, auch für Automobil-Hersteller. Kleinwagen sind unsexy. Und sie müssen billig sein. Billig aber lässt keinen Spielraum für „Coolness“, billig lässt die Marge schrumpfen. Also – einfach ein undankbares Feld. Und dass sich am Ende „die Franzosen“ und „der Japaner“ zur Zusammenarbeit gefunden haben, mag überrascht haben. Sind die beiden Kulturen doch nicht wirklich verwandt. Umso überraschender das Ergebnis. Toyota Aygo, Citron C1 und Peugeot 108 sind „Drillinge“, deren optische Verwandtschaft sich auf die überschaubare Gesamtlänge (3,46 m) beschränkt. Was schmeckt man nun heraus aus dem C1? Sushi an Jakobsmuschel? Froschschenkel in Sake?

Fahrbericht citroen c1 15 airscape 82 ps feel

Schiele mir in die Augen, Kleiner

Diese Vergleiche mit dem Essen funktionieren nicht. Nicht bei japanischen Autos, nicht bei italienischen und auch nicht bei den Franzosen. Und schon gar nicht bei Kombinationen. Also zurück auf Start. Trotz der Zusammenarbeit von Toyota, Peugeot und Citroën hat jeder der Drillinge ein völlig eigenständiges Gesicht bekommen. Der C1 trägt Ellipsoid-Scheinwerfer, eine Blinker-Augenbraue und ein adrettes Tagfahrlicht zur Schau. Die vier Türen kosten 450 € Aufpreis und das große Faltschiebedach gehört zu den Airscape-Modellen. Und wie bereits in der Einleitung angedeutet, so ein Stoffverdeck von der Größe napoleonischer Feldmäntel gehört einfach zum C1. Das macht aus der „billigen 4-Rad-Verzichtserklärung“ einen trendigen und hippen Kleinwagen – 1.000 € teurer als „ohne“ übergroße Frischluftluke, aber hey – bei 8.890 € Grundpreis wird man doch darüber reden dürfen – oder?

196 Liter Rotwein-Volumen

Im Test-C1 gab es vier Türen, eine große Heckklappe und ein noch größeres Stoff-Faltdach. Das alles bedeutet aber nicht, der C1 würde sich für die große Urlaubsfahrt zu viert anbieten. Kids mögen sich in Reihe zwei mit den nicht versenkbaren Scheiben in den Türen anfreunden können, ich persönlich würde die Reihe zwei als Notfall-Plätzchen zur Taxifahrt nach zu viel Sake-Genuss akzeptieren, für mehr jedoch nicht. Der Platz ist überschaubar, will ich damit sagen. Leicht überschaubar.

Im Kofferraum, hinter der adretten in schwarz ausgeführten Glasklappe, geht es kaum opulenter zu. Eine Tüte Croissants, drei Baguettes und eine Flasche von diesem Rotwein – der am nächsten Morgen wie der Pelz einer toten Katze über meiner Zunge lag – dafür ist Platz. Oder für eine Packung Schuhe von Dior. Oder Deichmann. In Litern? 196 und damit in einer Liga mit Volkswagen Up! und Konsorten.

Oder einfach zu zweit in die Bretagne? Geniale Idee. Die Sitze in Reihe eins sind überraschend bequem, trotz dünner Lehnen und kurzer Sitzfläche. Die Kopfstützen sind leider – eine schreckliche, aber derzeit moderne Unart – fest in die Lehne integriert. Dafür bunt. Das Farbbild-TV Testmuster passt perfekt zur roten Kontrastfarbe von Schiebedach und Spiegelkappen. Zusammen mit dem unschuldigen Weiß des kleinen Franzosen wirkt die Mischung lebendig, modern und trendy, aber nicht so jugendlich, dass man sich Anfang 40 nicht mehr bei Tageslicht in die Innenstadt trauen würde.

Fahrbericht citroen c1 31 airscape 82 ps feel

Drei Töpfe für ein „Oui!“

Passend zu dem Gesicht nach Kindchen-Schema gibt es den Citroën C1 mit einem Dreizylinder-Benziner mit 69 PS. Weniger Kleinstwagen ist die zweite Motorisierung und der Antrieb des Testwagens. Nachdem das Kindchen-Motörchen mit nicht einmal dem Hubraum einer Milchflasche auskommen muss,  pumpt der 82 PS-Motor seine Lebensfreude noch immer aus drei Töpfen, aber aus wenigstens 1.199 ccm³.

Mehr Auswahl gibt es nicht. Diesel, Gas, Elektro oder Hybrid? Nicht bei den Drillingen von PSA und Toyota. Der Verlust hält sich in Grenzen, denn der 82 PS-Benziner stellt sich im Testzeitraum als tipptopp-Motörchen heraus. Drehfreudig, quicklebendig, relativ sparsam auch auf der letzten Rille und mit anregender Klangkulisse.

82 PS reichen für ein Fahrgefühl ähnlich dem von Fahrspass. Natürlich ist ein Kleinwagen mit französischen Wurzeln und japanischer DNA nicht für die Hatz über Landstraßen und Autobahnen gedacht. Theoretisch nicht. Praktisch hat gerade der Citroën C1 bei uns im Testzeitraum ordentlich (2.250) Kilometer geschrubbt. Die Tests zum Thema Verbrauch waren da nur der Anfang.

Der rauhe Sound des Dreizylinders verwandelt sich mit wachsenden Drehzahlen in ein energisches Brummen. Federung und Dämpfung lassen den City-Floh auch bei Maximal-Tempo auf der Autobahn fröhlich dahinfedern. Der ganz kleine Franzose wirkt unverschämt erwachsen. Nahe der 5.750 Umdrehungen brüllt der Dreizylinder mit sarkastischem Unterton nach dem Mehrwert von größeren Autos. 170 km/h sind doch flott genug. Oder?

Wille zum Sparen

Während das Dreispeichen-Lenkrad mit den Tasten für Lautstärke und Handy-Benutzung noch wertig wirkt, verdeutlicht das Cockpit den Zwang zum Sparen. Alles simpel. Alles einfach. Alles Plastik. Das ist nicht überraschend, wissen wir doch um die Kostenproblematik. Dass man den Drehzahlmesser als simple LED-Lichterkette inszeniert, das hat der famose kleine Dreizylinder-Benziner jedoch nicht verdient. Und dass dieses Ding dann noch 50 € Aufpreis kostet, macht es auch nicht besser.

Ein extremer Spagat zeichnet den C1 aus. Vermutlich auch seine Brüder. Denn auf der einen Seite erkennt man die notwendigen Kürzungen zum Thema Materialwahl, auf der anderen Seite ist der Airscape PureTech 82 gut ausgestattet. Tempobegrenzer und das Radio mit Bluetooth sind da gute Beispiele. Der Testwagen (auf den Fotos) trägt zudem die 15-Zoll Leichtmetallfelgen. Damit wirkt auch der Kleinstwagen C1 ganz schön erwachsen.

Testverbrauch

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[tab title=“Alltagsfahrer“]Im Normverbrauch gibt Citroën einen Mittelwert von 4.3 Litern je 100 Kilometern an. Im Zyklus für den Alltagsfahrer sind wir auf 5.4 Liter gekommen.[/tab]
[tab title=“Öko-Experte“]Im Öko-Programm haben wir den Verbrauch des 82 PS Citroën C1 auf 3.2 Liter gedrückt.[/tab]
[tab title=“Ohne Rücksicht“]7.6 Liter, mehr geht nicht. Dann rotiert der Dreizylinder aber auch fleißig über die Autobahn..[/tab]
[/tabgroup]

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Zahlen, bitte.

Los geht es bei 8.890 € – allerdings ohne Faltschiebedach und ohne Lust und Laune. Nein, wie bei allen modernen Autos ist der Basispreis nun einmal nur der Basispreis. Der Start für das, was da kommen wird. Im Falle des C1 sind 5 Türen sinnvoll, auch wenn man nicht mit vier Erwachsenen unterwegs ist. Einfach, weil man Kinder in Reihe 2 leichter unterbringt, wenn man nicht zwischen geklappter Sitzlehne und B-Holm durchklettern muss. Und der 82 PS Motor ist auch Pflicht. Damit ist man bereits bei 11.400 €. Mit „Airscape“ und als „Feel“ werden 13.000 € aus dem Basispreis. Dann sollte man die 15-Zoll Felgen noch auf die Liste setzen und geht mit 13.520 € in die Preisverhandlungen.

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Kritikpunkte:

Man könnte vieles kritisieren. Plastik. Lackiertes Blech im Innenraum oder eben der lieblose Drehzahlmesser. Fakt ist aber: Der C1 ist ein preiswertes Stadtmobil. Mit 82 PS scheut er sich auch nicht vor Autobahn-Touren und das alles macht er dann extrem erwachsen.

Als echter Kritikpunkt bleibt eigentlich nur das Fehlen einer Start-Stopp-Automatik für den 82 PS-Motor übrig.

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Fazit:

Den Puls mag der kleine C1 im ersten Augenblick nicht in Wallung bringen, aber trist ist der Citroën C1 ganz sicher nicht. Vor allem nicht in dieser Kombination. Der 82 PS-Motor ist ein kleiner Lebemann und mit dem großen Stoffdach ist auch im Herbst noch einmal Frühlingslaune angesagt.

Mit der Angelegenheit „Kluges“ zu schreiben, tue ich mir noch immer schwer, aber zum Citroën C1 habe ich eine Meinung gefunden:

Wenn Kleinwagen aus Frankreich, dann so! Mit Faltschiebedach fast so locker wie die 2CV aus dem letzten Jahrtausend, dank 82 PS Dreitopf-Motörchen aber wesentlich lebendiger. Daumen hoch! 

Vollständige Testwagen-Galerie? Hier!

 

Hier geht es zum Citroën-Konfigurator

Fahrzeugschein: Citroën C1 82 PS

Hersteller: Citroën
Typ: C1
Klasse: A-Segment
Motor: R3
Getriebe: 5G manuell
Antrieb: Frontantrieb
Hubraum: 1.199 ccm
Leistung / Leistung (E-Motor): 82 PS b. 5.700 U/min | –
Drehmoment: / Drehmoment (E-Motor): 118 Nm b. 2.750 U/min | –
Gewicht Fahrfertig: 965 kg (EWG m. Fahrer)
Von 0 auf 100: 11 s
Höchstgeschw.: 170 km/h
Verbrauch Benzin (NEFZ): 4.3 Liter
CO2-Ausstoß (NEFZ): 99 g/km
Emissionsklasse: EU 5
Effizienzklasse: B
cW-Wert:
Kommentar:
Fotos im Artikel: Bjoern Habegger  Titelbild: Bjoern Habegger
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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

4 Comments

  1. Hey, sehr schöner Bericht! 4 Türen sind auch dann überaus praktisch wenn das Auto mit umgeklappten Rücksitzen be-/entladen wird, man kommt dann viel einfacher ans Gepäck.
    Übrigens passt der Link unter „Hier zu den Testwagen-Detailfotos“ nicht, der führt zu den Detailsfotos des Astras.

    1. Hallo Jürgen,

      ja stimmt, der Link war noch falsch gesetzt. Der Artikel wurde leider zu früh veröffentlicht. Das war ein Systemfehler, denn eigentlich waren noch nicht alle Daten final. Daher auch der falsche Link. Danke für Deinen Hinweis.

      MfG
      Bjoern Habegger