Mitsubishi Pajero 3.2 DI – Fahrbericht

Eigentlich feiert der Pajero in diesem Jahr seinen 30.sten Geburtstag. Denn auch wenn er erst 1983 weltweit verfügbar war, produziert wird der erfolgreiche Geländegänger aus Japan bereits seit 1982.  Mit 3 Jahrzehnten und 4 Modell-Generationen kann der Pajero bereits auf eine beeindruckende Historie in seinem Stammbaum zurück blicken.

Rallye-Weltmeister und Wüsten-Könige haben erfolgreich auf den urigen Geländegänger aus Japan gesetzt. Seine offensichtliche Abneigung sich anzupassen, resultiert im täglichen Straßenverkehr schon das eine oder andere Mal in einem Kopfschütteln, der Fahrer aus dem Hybriden-Kleinstwagen auf der Paralell-Spur, an der Ampel.

Nein – besonders clever ist es nicht, mit einem fast 2.2 Tonnen schweren und vor allem ernsthaften Offroader die Asphalt-Dschungel der Großstadt bezwingen zu wollen. Da sind die weichgespülten Modelle der Crossover- und SUV-Modeklasse deutlich besser geeignet.  Nicht das der Pajero vor der Parkplatz-Suche und dem Stop & Go Verkehr kapitulieren würde – sicher nicht – es ist eher das Gefühl des Fahrers, sich am falschen Ort zu befinden.

Raus aus der Stadt

„Wo Männer zu Buben werden“

Schotterbelegte Feldwege? Die überlässt der Pajero seinen SUV-Brüdern der Baureihen ASX und Outlander.

Es lockt der ernsthafte Offroadritt. Für Mittel-Europäer stellt sich da die Frage nach dem „Wo“?

Einen Ausritt durch das Gelände wagen? Nicht überall möglich. Quer durch den Wald? Nur wenn der Förster gerade in der Baumschule sitzt.  Es ist in unseren Breitengraden nicht wirklich leicht, dem Pajero eine Aufgabe zu stellen, die er nur dank seines Untersetzungsgetriebes, der gesperrten Verteilung im Mittel-Differential und der Hinterachs-Sperre lösen kann.

Auf einem abgesperrten Waldstück, auf dem gerade mit schwerem Gerät die Abforstung durchgeführt wird, konnten wir dem Pajero, mit Erlaubnis der Behörden, ein paar Aufgaben stellen die man als normaler Autofahrer im Leben nicht bekommen wird. Eine steile und durch grobstollig bereifte Baufahrzeuge geformte Hangauffahrt brachte den normalen Allradantrieb des Pajero an seine Regelgrenzen. Im Modus 4H verteilt der Pajero seine Kraft per Verteilergetriebe an alle Räder und bremst durchdrehende Räder per Bremseneingriff.  Die Verbindung von groben Fahrspuren, weichem Waldboden, steiler Strecke Bergauf und über 2 Tonnen Fahreuggewicht waren für das System nicht zu meistern. Langsam zurück rollen. Den zusätzlichen Schalthebel von 4H auf 4LLC gestellt und den Modus 4HLC übersprungen. Mit der nun aktivierten Getriebeuntersetzung und dem manuell per Taster zusätzlich aktiviertem Hinterachs-Differential (100% Sperrwirkung) lässt man das Männer-Spielzeug mit wenig Gas-Einsatz den gesamten Trail nach oben krabbeln. Die zuschauenden Wald-Arbeiter kommentierten die Berg-Tour mit ausgestreckten Daumen.

 

Mitsubishi Pajero 3.3 DI-D Fahrbericht
Mitsubishi Pajero 3.3 DI-D Fahrbericht

4HLC & Co: Im Pajero kommt der von Mitsubishi entwickelte Allradantrieb mit dem Namen: „Super-Select-4WD“ zum Einsatz. 2H steht hierbei für reinen Heckantrieb. 4H für einen Allradantrieb der die Kraft an beide Achsen variabel verteilt und für die täglichen Aufgaben ausreicht. Die Variante 4LC sperrt das Mittendifferential und empfiehlt sich für weiche Untergründe wie Sand. Und 4LLC aktiviert eine zusätzliche Getriebeuntersetzung und ermöglicht per Tastendruck die 100% Sperre an der Hinterachse.

Kurz oder Lang: Wie lang möchten Sie ihn denn? Der Pajero ist einer der letzten Vertreter der Offroad-Klasse, der sich den Luxus erlaubt in zwei Längen angeboten zu werden. Der kurze Radstand mit 3 Türen ist hierbei, dank der sehr kurzen Überhänge ein talentierter Kraxler. Der lange 5-türige Pajero wiederum bietet den Platz im Innenraum, den man sich aufgrund der Größe gewünscht hat und darf statt der 3 Tonnen für den Kurzen, 3,5 Tonnen an den Haken nehmen.  

 

Mitsubishi Pajero

..ein Auto für den Buben im Manne.

Dem Innenraum merkt man die langen Modellzyklen an – abgesehen vom dem ordentlichen Navigations-System und dem damit einhergehenden Multimedia-System, versprüht der Pajero den Charme der gediegenen 90.ziger Jahre im Innenraum. Schwarzes Plastik und lieblos als Holz verkleidetes Kunststoff prägenden das Cockpit des großen Pajero.

In der von uns gefahrenen 3-Türigen Variante hat man einen begabten Offroader, aber einen eher ungeigneten Reisebegleiter für die gesamte Familie. Wer mit mehr als 2 Personen und einem Hund auf die große Reise gehen will, der sollte den 5-Türigen Pajero mit dem langen Radstand wählen. Wobei man auch beim „kurzen“ Pajero nicht übersehen kann, wie viel Mühe man sich bei Mitsubishi gemacht hat, um dem Fahrer die Reise möglichst bequem zu gestalten.

Die gefahrene Instyle-Variante kann zu Recht als „volle Hütte“ bezeichnet werden. Xenon-Scheinwerfer an der Front, Leder-Innenausstattung, ein Riesengroßes Glas-Schiebedach, Tempomat, Regen- und Lichtsensor und ein umfangreiches Multimedia-System mit Festplatte und Navigations-Lösung.

Der Preisunterschied zwischen dem gefahrenen 3.2 DI-D Automatik mit Instyle-Ausstattung und der günstigeren Intense-Version beträgt ganz knapp, noch immer stolze, 5.000€. Neben dem Navigations-System mit integrierter Bluetooth-Freisprecheinrichtung erhält man mit dem großen Glasdach und der Dachreling, die angesprochene Voll-Lederausstattung (teilweise Leder-Nachbildung) als Gegenwert.

Fahrbericht Mitsubishi Pajero Titelbild

Einfache Wahl beim Antrieb!

Den großen Mitsubishi bekommt man in Deutschland nur noch in einer Motorisierungs-Variante: Dem 3.2 Liter Turbo-Dieselmotor. Trotz des enormen Hubraums ist der 3.2 DI-D auch nur ein Vierzylinder-Motor. Ein ausgeprägter Langhuber-Diesel der nicht nur 200PS Leistung liefert, sondern auch mit 441Nm Kraft aufwarten kann.

Der brummelige Commonrail-Diesel passt gut zum Charakter des Pajero, vor allem in der Version mit dem 5-Gang Automatik-Getriebe. Wer weder die Weiten der Taiga durchqueren, noch eine Wüsten-Rallye mehrfach gewinnen will, der verwendet seinen Pajero vermutlich als Zugfahrzeug. die Version mit dem kurzen Radstand zieht bereits 3 Tonnen, der 5-Türer mit langem Radstand sogar 3.5 Tonnen.

In seinem natürlichen Umfeld, den weiten Wiesen, Wäldern und Wüsten oder mit einem Mähdrescher an der Anhänger-Kupplung, bietet der Pajero ein stimmiges Bild.  Im Alltag zwischen Stadt-Verkehr und Parkplatz-Suche wirkt er indes wie ein Relikt aus vergangenen Tagen. Einer Zeit, in der ein Typ wie der Pajero die Wüsten-Rallyes mehrfach gewann und die Spritpreise noch nicht in schmerzlichen Regionen zu Hause waren.

Es ist die Kraft eines Tibetanischen Berg-Ochsen, die man im Pajero erleben kann, leider auch die Manieren derselbigen auf asphaltierten Straßen.  Selbst für einen Geländewagen wirkt der große Offroader ein wenig unterdämpft und könnte noch ein wenig Feinabstimmung für den Alltag auf unseren Straßen vertragen.

 

Rauhbein oder Charakterkopf? 

Es dauert durchaus ein paar Kilometer bis man die rauhbeinige Art des Pajero lieb gewinnt. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, ist auch das Fahrverhalten auf Landstraßen akzeptiert. Er fährt sich ein wenig wie ein Wüstenschiff im höchsten Trab. Oder wie man geneigt zu sagen ist: Wie ein echter Offroader eben.

Etwas mehr Liebe zum Detail? 

Mit ein wenig Anlauf entert der große Geländegänger von Mitsubishi die 50.000€ Preisklasse. Müde Ernüchterung übermannt da den ein oder anderen, ob der Qualität im Innenraum. Wobei in diesem Fall nicht die Dauerhaltbarkeit kritisiert wird, sondern schlicht der erste und zweite Eindruck. Doch – setzt man die Fähigkeiten des Pajero mit den Mitbewerbern in Relation, so stellt man schnell fest, um ein Talent im Gelände mit diesen Fähigkeiten zu finden, muss man schon nach Stuttgart zur G-Klasse schielen, oder nach England in das ehrwürdige Haus der Land-Rover. Und dann relativieren sich die 40 bis 50 Tausend Euro für den großen Diamanten-Träger doch recht schnell.

Gelände-Talent und Zuverlässigkeit gehen bei Mitsubishi doch, trotz der E-Auto Ambitionen, noch immer vor Effekthascherei und große Worte.

Mitsubishi Pajero 03 30 jahre Edition

Echte Kritik am Mitsubishi Pajero?

Weder kann man dem Pajero vorhalten, das er ist, was er ist – ein echter Offroader, noch wird man sich in Anbetracht der Leistungsfähigkeit abseits der Straße, über das ein oder andere Hartplastik-Element im Innenraum aufregen können.

Es ist die Summe der Dinge und da darf man, dem 30-Jährigen Mitsubishi noch ein mal sanft über die Kotflügel streicheln, sich an die großen Rallye-Abenteuer und Erfolge bei der Paris-Dakar erinnern und einfach darüber freuen, das es noch derartige Originale gibt.

Der Pajero will kein rund gelutschter und angepasster SUV sein. Wo andere prahlen wollen, da lächelt der Pajero nur und wartet indessen mit Spannung auf den Nachfolger und ob dieser noch ebenso viel „Mann-Mobil“ sein wird, wie er.

Vorteile: Ein ehrlicher Offroader, mit Charakter und Schwächen.

Nachteile: Das altbacken wirkende Interieur

 Verbrauch:

  • Verbrauch Norm Gesamt: 8,2l auf 100km
  • Testverbrauch min:  7,8l auf 100km
  • Testverbrauch max: 13,9l auf 100km
  • Testverbrauch Schnitt: 10,2l auf 100km
  • Alle Werte 200PS Diesel mit 5-Gang Automatik
  • Anmerkung: Der Testverbrauch wurde während der gesamten Testdistanz ermittelt.

Serie:

  • 18  Zoll Leichtmetall Felgen
  • Xenon-Scheinwerfer
  • Ledersitze
  • Alle Angaben für die Instyle-Version

Vermisst:

  • Einen 6-Zylinder-Diesel und eine 6-Stufen-Automatik.
  • Mehr haptischen Feinschliff im Innenraum.

Gegen Aufpreis:

  • Metallic-Perleffekt Lackierung (740,00€)

 

Nicht verpassen: Der Vergleich zwischen Nissan Pathfinder, Toyota Landcruiser und Mitsubishi Pajero – demnächst – hier … !

Fazit:

Mann, nicht Memme!

Aufgestiegen wie ein Cowboy auf sein Fahrt, im Alltag ähnlich deplatziert wie ein Cowboy auf der Hühnerfarm und doch, einige Kilometer später versteht man den Reiz des großen „Dicken“. Mit lässigen Drehmoment-Wallungen aus dem Drehzahl-Keller erledigt er auch gröbste Geländeaufgaben oder zieht schwere Lasten auf lange Strecken.

Es ist ein Auto für eine besondere Art von Menschen:

Für Männer.

[toggle title=“Daten im Überblick:“]

Mitsubishi Pajero 3.2 DI-D Instyle 4WD
Erstzulassung: 2012
Motortyp: Vierzylinder-Reihenmotor, 16 Ventile DOHC, commonrail – Partikelfilter
Hubraum in ccm³: 3200
max. Leistung bei min-1: 147 kW / 200 PS – 3.800
max. Drehmoment bei min-1: 441 Nm – 2.000
Elektro-Motor kW
Elektro-Motor Nm
Antriebsart, serienmäßig: Allradantrieb
Antriebsart, optional:
Getriebeart, serienmäßig: 5-Gang Manuell
Getriebeart, optional: 5-Gang Automatik
Leergewicht: 2.180 kg
maximale Zuladung: 485 kg
Beschleunigung 0–100 km/h: 10,4 Sek
Höchstgeschwindigkeit Hersteller: 180 km/h
Höchstgeschwindigkeit GPS Messung: 182 km/h
Kraftstoffverbrauch auf 100 km (kombiniert): 8,2l / 100km Diesel
CO2-Emission, kombiniert: 216
Abgasnorm EU 5
Effizienzklasse: D
cW-Wert:
Stirnfläche:
Testverbrauch: min 7,8l / 100km
Testverbrauch: max 13,9l / 100km
Testverbrauch: Schnitt 10,2l / 100km
km-Stand Testbeginn: 13.731
km-Stand Testende: 16.096
Unterhaltskosten im Monat in Euro 361 €
Versicherung: 89 €
Verbrauch: 184 €
KFZ-Steuer: 41 €
Wartung 48 €
Basispreis: 31.990 €
Testwagenpreis: 48.130 €
Internet-Preise: 22 % Rabatt!

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Bjoern Habegger | Mai 2012 | Fotos: Auto-Bloggerei.de

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

2 Comments

  1. Gut zu wissen, dass der Pajero ein echtes Männerauto ist – so oft, wie das im Text erwähnt wurde, müsste ich als Frau jetzt heulend beim Händler stehen und meinen (JA, den Großen! Und JA, die Superpremiumausstattung mit alles und Sahne!) gegen einen hübschen Twingo eintauschen. Schön, dass der Blogger und Tester behördliche Genehmigung einholen muss, um ihn mal in einem adäquaten Gelände fahren zu können. Bei mir wird er täglich in seiner „natürlichen Umgebung“ ausgeführt bin ich jetzt deshalb ein echter Kerl?!

    Ich habe mich noch niemals im Hinblick auf die Darstellung von Geschlechterrollen aufgeregt und finde Emanzen eigentlich nur peinlich. Bei diesem Blogeintrag platzt mir aber ehrlich gesagt als Frau (die im landwirtschaftlichen Bereich tätig ist, by the way) einfach nur die Hutschnur!

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