Test: Alfa Romeo Giulia

Fahrzeuge aus dem Hause Alfa Romeo haben auch im 21. Jahrhundert immer etwas mit Tradition zu tun. So bietet der Autobauer aus Turin seit mehr als fünf Jahrzehnten die Giulia als Repräsentantin der Kompaktklasse an. Mit der 2016er Limousine erweiterte FCA Alfa Romeo das Portfolio der Kompakten über die Karosserievarianten Viertürer, Coupé, Cabriolet und zahlreicher Sondermodelle hinaus. Mit der neuen Giulia verbindet FCA filigrane italienische Autobauerkunst und Technologie, die im Trend liegt. Gemäß dem Firmenslogan „La Meccanica delle Emozioni“ will sich die Baureihe als Platzhirsch im Segment präsentieren, denn schon die digitalen Helferlein im Innenraum setzen neue Standards. Mit zahlreichen Fahrerassistenzsystemen soll die Giulia das Autofahrerleben leichter und angenehmer gestalten. Die Ambitionen aus Norditalien sind selbstbewußt und mutig, läuft man bei Alfa Romeo doch mit einer übersichtlichen Palette an Motoren und Antrieben auf. Die von uns getestete Giulia Limousine 2.2 Diesel Super startet in den Autohäusern mit einem Preis von 37.600 Euro.

Testbericht: Alfa Romeo Giulia 2.2 Diesel Super

Italienerin mit starkem Auftritt
Elegant sportliches Außenkleid.

Bei Anlieferung unseres Testwagens betrachten wir die italienische Dame mal etwas genauer und stellen uns gleich die Frage, ob die Alfa Romeo Giulia jetzt ins C-Segment geschoben werden soll. Rein nach ihren Abmessungen (knappe 4.70 Meter) könnte sie auch schon in der Mittelklasse mitspielen. In punkto Ausstattung, Komfort und Fahrspaß zumindest ist sie dort schon längst angekommen. Die für eine Neuauflage erforderlichen, aber behutsamen kosmetischen Korrekturen sollen die Kompakte eindeutig aus dem Einheitsbrei ihrer Mitbewerber abheben. Lufteinlässe und Kühlergrill wurden zwar größer, blieben aber im Look der Alfa Familie und lassen den Wagen breit und betont kräftig auf der Straße stehen. Die schmalen Scheinwerfer, die das LED-Tagfahrlicht beheimaten, enden in einer Sicke, die sich über das gesamte Fahrzeug hinwegzieht. Die optimale Gewichtsverteilung gewährleisten die italienischen Ingenieure mit der Anordnung von Motor und mechanischen Komponenten zwischen den Achsen. So wirken die Karosserieüberhänge vorn und hinten kurz und die Motorhaube sowie alle Kotflügel lang gezogen. Die Karosserie trägt mehr Aluminium, Gewichtsersparnissen geschuldet, was sich ganz klar auf die Verbrauchswerte auswirken soll.

Immer auf Angriff mit den schmalen Scheinwerfern.

Powerdiesel mit viel Drehmoment

Der turboaufgeladene 2.2 Liter Diesel mit seinen 132 kW (180 PS) und dem knackigen Sechs-Gang-Schaltgetriebe sowie Start-Stopp-Automatik verbraucht im Normtest genügsame 4,0 Liter Kraftstoff. Das entspricht einer Kohlendioxidemission von 105 Gramm pro Kilometer mit optimierter Windschlüpfrigkeit bei einem Luftwiderstandsbeiwert von: 0,25 Cw. Dabei wirkt das Aggregat in unserem Testzeitraum immer auffordernd agil und bringt bei 1.500 Touren gut proportionierte 400 Newtonmeter auf die Kurbelwelle, was ihm eine überzeugende Laufruhe einträgt. Den Sprint von 0 auf 100 km/h legt die sportliche Turinerin locker in 7,2 Sekunden hin, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Während unserer Fahrten geht die Giulia souverän mit Schlaglöchern und Unebenheiten um, wirkt insgesamt sehr stabil und bietet ein komfortables Fahrverhalten. Auf der imaginären und ganz persönlichen Liste der effizientesten Testfahrzeuge steht dieser ungemein sportlich ausgelegte Alfa sicherlich unter den ersten zehn. Im alltäglichen Verkehrsfluss lassen sich die vom Hersteller angegebenen Verbrauchswerte zwar nicht ganz halten. Immerhin will man ja auch mal etwas engagierter unterwegs sein. Wir benötigen im gesamten vierzehntägigen Testverlauf ( Stadt-, Land- und Autobahnverkehr) ordentliche 5,7 Liter.

2.2 Liter Diesel mit 400 Newtonmeter.

Alfa typische filigrane Verarbeitung

Trotz ihrer bereits angesprochenen großzügigen Abmessungen und ihrem Radstand von 2,82 Metern lässt sich die Giulia auch durch dichten Stadtverkehr leicht lenken und ohne großartige Anstrengung manövrieren. Bei der Innenraumgestaltung fällt die filigrane italienische Verarbeitung der Stoff/Kunstledersitze auf, die festen Seitenhalt bieten. Darüber hinaus wirkt der Rest des Interieurs, wie eigentlich doch immer bei Alfa Romeo, hochwertig verarbeitet. Weichgeschäumte Kunststoff- und Lederoberflächen mit feinen Nähten bestehen jede haptische Überprüfung. Das Cockpit ist übersichtlich gestaltet und intuitiv zu bedienen. Die optional erhältliche Gemeinschaftsentwicklung von Alfa und Magneti Marelli, das Entertainment- und Navigationssystem „Connect 3D Nav“, dient mit seinem 8,8-Zoll-Bildschirm (22,4 Zentimeter) als Schaltzentrale. Es zeigt außer der Navigationskarte und das Bild der Rückfahrkamera nach Bedarf auch Informationen zum Bereich des Telefon (inklusive Mirrorlink für Applikationen), Radio und Audio an. Das System wird gesteuert mittels eines Drehschalters, der in der Mittelkonsole integriert ist, dem so genannten Rotary Pad. Gleich daneben sitzt der Rundschalter der Fahrdynamikregelung AlfaTM D.N.A. Pro. Das System stellt die gewohnten Stufen „Dynamic“, „Natural“ und „Advanced Efficiency“ zur Wahl. Das Setup des Fahrzeuges kann wunschgemäß angepasst werden. Eine ordentliche Rundumsicht wird bei genauer Einstellung der Bestuhlung immer gewährleistet. Der Ein- und Ausstieg ist bequem dank recht großer Türausschnitte. Durch die breiter Heckklappenöffnung  lassen sich mühelos zwei Koffer in den 480 Liter großen Kofferraum der Giulia schieben.

Assistenzsysteme im Komfort- und Sicherheitsbereich

Die Alfa Romeo Giulia Limousine besitzt bereits ab Werk eine reichhaltige Ausstattung. Die erste Variante,  „Basis“ genannt, verfügt über 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Fahrdynamikregelung AlfaTM D.N.A. Pro, Startknopf im Lenkrad, Geschwindigkeitsregelanlage, Regen-Sensor, Regen-Bremsassistent (RBA), Antriebsschlupfregelung (ASR), Automatisches Einschalten der Warnblinkanlage bei Notbremsung (AHW), Aktive Gierregelung (AYC), Kurvenbremskontrolle (ESBS), Berganfahrhilfe (HSA), Anhänger-Stabilitätskontrolle (TSA), Kollisionswarnsystem (FCW) mit autonomer Notbremsfunktion (AEB) bis zu 65 km/h, Spurhalteassistent (LDW), Fahrer- und Beifahrersitz 6-fach manuell verstellbar (Länge, Neigung, Höhe) sowie LED-Heckleuchten. Der Grundpreis der Diesel Limousine beträgt stolze 33.8100 Euro. Der Aufpreis von 4500 Euro zu der von uns getesteten Ausstattung „Super“ beinhaltet Sitzbezüge aus Kunstleder, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Fahrzeuginformations-Center mit individuell konfigurierbarem 7Zoll-TFT-Farbbildschirm und Parksensoren hinten. Sein Paket mit Totwinkel-Assistent (BSM) mit Bewegungserkennung hinten (RCPD), Fernlichtassistent (AHB), Innen- und Außenspiegel automatisch abblendend, Rückfahrkamera mit dynamischen Führungslinien bietet der Turiner Autobauer nur über das dementsprechende Sonderpaket an, das in unserem Fall mit 1.000 Euro zu Buche schlägt.

Die Giulia als alltagstaugliches Business Fahrzeug mit viel Emotion.

Fazit: Die Giulia Limousine in Verbindung mit dem 2.2 Diesel (180 PS) bietet traditionell nicht nur ausgeprägten Fahrspaß, sie kann auch die Alltagsnöte einer Familie im vollem Umfang bedienen und setzt Maßstäbe in punkto Emotionen.

[toggle title=“Motor und Getriebe“]

Alfa Romeo

Giulia 2.2 Diesel Super

Motor Diesel
Hubraum 2.143 ccm³
Leistung 180 PS @ 3.750 U/min
Kraft 400 Nm @ 1.500 U/min
Getriebe 6-Gang-Schaltgetriebe
Antriebsachse Vorderradantrieb

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[toggle title=“Abmessungen und Fahrleistungen“]

Länge, Breite, Höhe 4.643, 2.024, 1.436   mm
Radstand 2.820 mm
Leergewicht 1.475 kg
Wendekreis 10,8 m
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 7,2 sec
Normverbrauch 4.0 l/100 km

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[toggle title=“Verbrauch im Test“]

Alltagsfahrer 5.2 l / 100 km
Öko-Experte 4.5 l / 100 km
Außendienst-Modus 5.7 l / 100km

[notification type=“notification_info“ ]Text: Stefan Beckmann, Bild: Stefan Beckmann – Beitragsbild: Hersteller (FCA Germany AG)[/notification]

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Stefan Beckmann
Als Quereinsteiger kam ich in die Szene der Mobilität und bin nun seit nunmehr 16 Jahren total infiziert, was das bewerten von Autos und alles was von einem Motor angetrieben wird. Im Laufe diesen Jahres habe ich nun die Möglichkeit bekommen, dies neutral und nicht für einen Hersteller zu tun. Was soll ich sagen ? „Ein tolles Gefühl!“