Test: Ford Focus 1.0 Ecoboost (92 kW/125 PS)

Gut vernetzt und abgesichert

Beim Focus hat Ford einen Neuanfang gewagt. Im Vergleich zum Vorgänger hat das Kompaktmodell damit einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Im Autoalltag sorgt das für viel Freude.

Wer schön sein will, muss leiden. Sagt der Volksmund. Doch der neue Ford Focus zeigt, wie sich ein attraktives Äußeres und ein ausgewogenes Wohlfühl-Innenleben in Harmonie vereinen.

Erstaunlich großzügig ist das Platzangebot des Focus

Optisch steht die Neuauflage des Focus gut da. Die Silhouette des im Herbst gestarteten Steilheck-Fünftürers ist gestreckter und flacher als die des Vorgängers. Schick wirken sein neuartiges und raffiniertes Sickenspiel in den Flanken oder die markanten LED-Leuchten vorne und hinten. Zusammen mit Alurädern und Metallic-Lack dürfte der Kölner die neidischen Blicke der Nachbarn ziemlich sicher auf sich ziehen. 

Gelungen ist auch der aufgeräumte und im Vergleich zum Vorgänger deutlich klarer strukturierte Innenraum

Gelungen ist auch der aufgeräumte und im Vergleich zum Vorgänger deutlich klarer strukturierte Innenraum. Trotz der gewachsenen Funktionsvielfalt hat Ford im Vergleich zum Vorgänger die Zahl der Knöpfe halbiert. Für wohnliches Flair sorgen ein großer Touchscreen, Chromzierrat, Softtouch-Oberflächen und Leder an den haptisch entscheidenden Stellen. Lediglich stellenweise findet sich auch etwas spröde wirkendes Hartplastik, welches den positiven Eindruck aber kaum trübt. Das Angebot an Ablageflächen ist gut. Das große Fach der Mittelkonsole bietet ein USB-Port und eine Induktionsladefläche für Smartphones. Ein großer Gewinn im Winter sind neben beheizbaren Vordersitzen zusätzliche Heizfunktionen für Windschutzscheibe und Lenkrad. 

Neben den analogen Rundinstrumenten und einem Display im Kombiinstrument kann sich der Focus-Pilot zusätzlich über ein optionales Head-up-Display fahrrelevante Informationen anzeigen lassen. Für das vielseitig talentierte Infotainment-System Sync 3 gibt als weitere Anzeige- und Bedieneinheit einen freistehenden Touchscreen zentral im Armaturenbrett. Unter anderem erlaubt das Sync 3 ein schnelles und einfaches Koppeln mit dem Smartphone und damit auch eine unkomplizierte Nutzung der Freisprecheinrichtung. Zudem versteht es Sprachbefehle, was zum Beispiel mündliche Eingaben von Zieladressen fürs Navi erlaubt. Die Routenführung verwertet selbstredend Echtzeit-Verkehrsinformationen. Dank WLAN-Hotspot kann der Beifahrer diese über sein Tablet auch mit Google Maps online abgleichen. Kleiner Kritikpunkt: Die Hometaste auf dem Touchscreen könnte ruhig eine Nummer größer ausfallen. 

Hinter der Rückbank gibt es außerdem ordentlich Platz für Gepäck

Der Focus glänzt außerdem mit etlichen Assistenzsystemen. So gibt es einen Kollisionswarner, der bei drohendem Crash mit anderen Autos, Fußgängern oder Radfahrern automatisch bremst. Ebenfalls bremsen und damit den Wunschabstand wahren kann der über Lenkradtasten leicht justierbare Abstandstempomat, der den Fahrer vor allem auf Autobahnen entlastet. Der Fahrspurpilot hält auch unaufmerksame Fahrer Kurs, während die Verkehrszeichenerkennung über das aktuell geltende Tempolimit aufklärt. Und intelligente LED-Scheinwerfer sorgen für gute Sicht, indem sie ihre Leuchtkegel dank Fernlichtautomatik und kamerabasiertem Kurvenlicht der Fahrsituation automatisch anpassen.

Die Silhouette des im Herbst gestarteten Steilheck-Fünftürers ist gestreckter und flacher als die des Vorgängers

Erstaunlich großzügig ist das Platzangebot des Focus. Neben der fast 4,40 Meter langen und 1,83 Meter breiten Karosserie ist dafür vor allem der um fünf Zentimeter auf 2,70 Meter gewachsener Radstand verantwortlich. Damit hat der Kompakte das Niveau der zweiten Mondeo-Generation erreicht. Vorne freuen sich Gäste über den großen seitlichen Entfaltungsspielraum und den guten Sitzkomfort des optionalen Ergonomie-Gestühls. Hinten protzt der Ford mit großzügiger Beinfreiheit; die Polsterung der Rückbank wirkt indes etwas weich und windig. Da der Kardantunnel sehr flach baut, bietet die Rückbank auch einer dritten Person eine angemessene Sitzposition. Wer mit kleinen Gästen unterwegs ist, wird sich über eine Besonderheit freuen: Beim Öffnen der Seitentüren umschmiegt ein beweglicher Gummischutz automatisch die am stärksten exponierte Türblechkante, um so Lackschäden bei sich und Parkplatznachbarn zu verhindern.

Hinter der Rückbank gibt es außerdem ordentlich Platz für Gepäck: Der dank zweigeteilter Rücklichter über eine breite Öffnung beladbare Kofferraum kann 375 Liter aufnehmen. Die Rückbanklehne lässt sich zweiteilig nach vorne klappen, wodurch der Laderaum auf 1.354 Liter wächst. Clever-Lösungen wie Taschenhaken, Ösen für Spanngurte und eine kleine Durchladeöffnung mittig in der Rückbanklehne sind willkommene Alltagshilfen. Ebenfalls smart: Das Warndreieck befindet sich unterhalb der Gepäckraumabdeckung und bleibt somit selbst bei vollem Kofferraum stets griffbereit.

Erstaunlich großzügig ist das Platzangebot des Focus

Auf recht wenig Raum, genauer gesagt wenig Hubraum, setzt Ford beim Antrieb. Zumindest bei den kleinen Aggregaten der Ecoboost-Familie müssen sich drei Zylinder einen Liter teilen. Als Kompensation gibt es Turbounterstützung auf den drei Leistungsniveaus 63 kW/85 PS, 74 kW/100 PS oder den von uns getesteten 92 kW/125 PS. Während der laufruhige Motor beim Anfahren und niedrigem Tempo noch etwas knurrig klingt, bleibt er ansonsten akustisch zurückhaltend. Durchzugs- oder Spritspar-Wunder darf man allerdings nicht erwarten: Der Sprint endet nach 10 Sekunden, maximal sind 200 km/h drin. Laut Ford liegt der Treibstoffkonsum in Kombination mit dem angenehm flutschenden Sechsganggetriebe um fünf Liter, praktisch muss man mit 1,5 bis 2 Liter mehr rechnen. 

Einen positiven Eindruck hinterlässt das Fahrwerk, welches – typisch Focus – den Spagat aus Alltagstauglichkeit und Agilität erfreulich gut meistert. Lustvoll flott und geschmeidig lassen sich Kurven durchpfeilen. Unnötige Härten bleiben den Insassen dennoch erspart, denn auch beim Komfort gibt sich der kompakte Ford ausgewogen. 

Leichtes Unbehagen könnte bei potenziellen Focus-Käufer hinsichtlich der Preisfrage aufkommen. Mit der noch ausbaufähigen Ausstattung Trend verlangt Ford die 125-PS-Version bereits um 22.000 Euro. Doch eigentlich sollte es mindestens die empfehlenswerte und dann 24.000 Euro teure Ausstattung Cool & Connect. Angesichts der vielen attraktiven Extras lässt sich der Preis aber problemlos auf über 30.000 Euro treiben. Ein vergleichbarer Golf kostet noch einige Tausender mehr.

Ford Focus Fünftürer – Technische Daten:

Fünftürige, fünfsitzige Kompaktlimousine mit Frontantrieb, Länge: 4,38 Meter, Breite: 1,83 Meter, Höhe: 1,45 Meter, Radstand: 2,70 Meter, Kofferraumvolumen: 375 bis 1.354 Liter.

1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner, 92 kW/125 PS bei 6.000 U/min, maximales Drehmoment: 170 Nm bei 1.400-4.500 U/min, 0-100 km/h: 10,0 s, Vmax: 200 km/h, Durchschnittsverbrauch: 4,8 – 5,0 l/100 km, Testverbrauch: 6,5 l/100 km, CO2-Ausstoß: 10 – 114 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-temp, Effizienzklasse A-B, Preis: ab 21.700 Euro

Kurzcharakteristik:
Warum: Weil der neue Focus in fast allen Aspekten ein wirklich gelungenes Auto ist.
Warum nicht: Weil der Fortschritt auch ins Geld geht.
Was sonst: VW Golf, Kia Ceed, Hyundai i30, Opel Astra, Renault Mégane, Peugeot 308, Toyota Corolla, Fiat Tipo, Honda Civic

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SP-X Redaktion | Mario Hommen
Mario Hommen, Automobil-Journalist. Dieser Artikel stammt aus dem Redaktions-Netzwerk von SPS Spot Press Services GmbH. Änderungen, Adaptionen und Korrekturen durch die Redaktion von AUTOHUB möglich.