Erste Fahrt: Der neue Fiat 500X

Was uns Autokäufern früher der Golf war, ist uns heute der kompakte SUV. Crossover, die so ein wenig nach Geländewagen ausschauen, am Ende aber nur über Bordsteine rumpeln müssen. Solche modischen Crossover dürfen bei keinem Hersteller mehr fehlen. Und selbst ein anerkannter Spezialist für Kleinwagen wie der italienische Konzern Fiat muss sich nach oben strecken. Oder wenigstens die beliebten Modelle ein wenig dehnen. Der jetzt vorgestellte neue Fiat 500X ist – so sagt man es in Turin selbst – der vermutlich wichtigste Fiat aller Zeiten.

Aber ist er auch der beste Fiat aller Zeiten?

Erste Fahrt im neuen Fiat 500X

Fiat Panda und Fiat 500. In der Zukunft will man bei Fiat nur diese beiden Modellreihen verkaufen. Wobei das aktuelle Angebot an Fiat 500-Varianten auch nur optisch miteinander verwandt ist. Der kultige Retro-Charmeur 500 hat dem größeren Fiat 500L als Living oder Trekking zwar den Namen und auch die Nase geliehen, aber unter dem Blech ist die Verwandschaft eher rudimentär.

Macht nix. Der neue Fiat 500X hat auch viel mehr von einem Amerikaner mit auf den Weg bekommen als von Luigis Cinquecento. Der erst jüngst vorgestellte Jeep Renegade und der neue 500x teilen sich viele Gemeinsamkeiten. Was aber auch nix macht. Basierte der Jeep Renegade wiederum in Fragmenten auf dem 500 L. Für den US-Ableger wurden jedoch Varianten mit großer Kletterfreudigkeit entwickelt, eine neue Hinterachse, ein neues 9-Gang Automatikgetriebe und viele Details dem Sinnen nach Traktion unterworfen. Die Familie der 500 bleibt sich optisch dennoch treu und dass man nun einen Schwipp-Schwager in den USA hat, stört auch niemanden. Also zurück zum Fiat 500x – mit seinen 4.25 Metern soll er nun im Revier der begehrten Crossover und Kompakt-SUV wildern. Früher war das mal eine klassische Golf-Größe. Heute sind Renault Captur, Opel Mokka und der Juke von Nissan die Platzhirsche in diesem Größen-Segment. Und in diesem Segment muss der neue Fiat 500x nun seine knuffige Nase in den Wind schieben. Und zwar nicht in den Windschatten. Denn nicht viel weniger als „zu den Erfolgreichsten“ will man in Turin gehören, sobald der 500x mal ein ganzes Jahr auf dem Markt war.

Fiat 500x 117 Erste testfahrt

Zwischen Pizza, Pasta und Plastik

Von vorne ist die Ähnlichkeit mit seinen Brüdern deutlich zu erkennen. Wenngleich die Nase ein wenig derber, die Augen ein wenig gedrungener und der Mund ein wenig gekniffener wirkt. In der Seitenlinie fällt die früh abfallende C-Säule auf, der Po wirkt von hinten geliftet wie der Hintern von Kim Kardashian.  Fiat bietet den 500x in zwei Optiken an. Auch das ist eine mittlerweile gerne praktizierte Lösung. Die gefahrene Version (der rote auf den Fotos) ist der 500x in der „Cross+“ Variante. Neben der martialischen Optik ist diese zugleich die höchste Ausstattungslinie. Während der eine also mit tiefer gezogener Stoßstange den City-SUV mimen soll, ist der Cross Plus der neue Freund für die Schotterpfade und den Ausflug in den Wald.

Mit 4.25 Metern bleibt die Länge gerade noch überschaubar, der Kofferraum jedoch leidet unter der früh eingezogenen Heckklappe und wird zudem von einem Einlegeboden in zwei Etagen geteilt. Das ist gut für die Höhe der Ladekante innen. So lassen sich schwere Gegenstände leichter ausladen und zudem hilft es, die Ordnung im Kofferraum zu halten, minimiert aber den täglich zur Verfügung stehenden Laderaum.

Kein Fahrbericht zu einem italienischen Auto ohne Analogien zu Pizza und Pasta. 

In diesem Fall schon, denn die Qualitäten des neuen Fiat 500x erstrecken sich weit über die bislang gewohnten Feinheiten des Dolce Vita hinaus. Nett und schön, aufregend, geschmacklich besonders, aber immer auch ein wenig südländisch nachlässig. So stellte man sich die Fiat-Modelle vor und nur allzu oft wurde man bestätigt.

Der neue Fiat 500X soll da anders sein. Und bei der ersten Ausfahrt bringt er auch ein ganz neues Talent mit. Völlig abseits der üblichen Wein und Nudeln-Analogien. Ach, und trübes oder gar billiges Plastik gehört zum Glück nicht dazu!

Und weil es die Italiener mit dem neuen 500x ernst meinen und mal eben damit an die Spitze der Crossover-Bewegung fahren wollen, haben sie auch eine enorme Spannweite gestrickt. Vom Basispreis bei 16.900 € bis hinauf über 30.000 € für die CrossPlus-Topmodelle. Und ein solches musste dann auch gleich die erste Testfahrt über sich ergehen lassen.

Fiat 500x Cross+  mit dem 140 PS Diesel & 9-Gang Automatik

140 PS Diesel, zwei Liter Hubraum, neun Gänge aus einer Automatikbox – und Allradantrieb. Der getestete Fiat 500x hatte sich die volle Packung gegönnt und landete als Cross+ (martialische Optik, größere Böschungswinkel) bei 30.000 € in der Preisliste. Viel Geld für einen „irgendwie“ noch kompakten Crossover. Dafür bekommt man aber ein fein und verschliffen schaltendes 9-Gang Getriebe, einen Dieselmotor mit ordentlich Kraft und – das ist jetzt wirklich wichtig – einen gut abgestimmten Crossover. Der Fiat 500x macht auf kurvigen Landstraßen richtig Spaß. Er lenkt willig ein, folgt der Linienwahl seines Fahrers und erfreut das Herz des Piloten mit einer erfreulichen Agilität.

Der Agilität verpflichtend, wurde der Fiat 500x ein wenig straffer abgestimmt, als es vermutlich nötig war. Und wenn man ihm nach der ersten Ausfahrt etwas vorwerfen kann, dann eventuell ein wenig zuviel Ehrgeiz beim Vorhaben, dynamisch zu wirken. Das Ergebnis der Abstimmung ist eben die positiv wahrgenommene Agilität, aber eben auch eine gewisse Unlust, bei kleinen Unebenheiten bereits die Federung arbeiten zu lassen. Die Federn könnten meiner Meinung nach ein wenig progressiver ausgelegt werden. Allerdings muss man beim Komfort-Eindruck nach der ersten Fahrt noch berücksichtigen: der Testwagen hatte die großen 18″ Räder mit Michelin Pilot Sport3 Bereifung aufgezogen. Keine Reifengröße, die für Fahrkomfort berüchtigt ist!

Weil sich der Fiat 500x ansonsten nichts vorwerfen lassen kann, verzeiht man die harte Herzlichkeit des Fahrwerks. Aus den Tiefen des Fahrwerks verspürt man bei derben Pisten auch ein leichtes Poltern. Dass fällt umso mehr auf, weil der Rest des Fiat 500x extrem stabil, leise und vibrationsarm wirkt. Windgeräusche auf der Autobahn sind eher nebensächlich, das weich geschäumte Armaturenbrett wirkt solide und viele der Plastik-Elemente im Innenraum machen einen echt angenehmen Eindruck.

Die Kombination des 140 PS Diesel mit dem 9-Gang Automaten wirkt im neuen Fiat 500x noch einmal besser als vor einem halben Jahr im Jeep Cherokee. Im Gegensatz zu seinen US-Offroad-Brüdern beschränkt sich der Cross+ auf nur drei Fahrprogramme für das Zusammenspiel aus Motorsteuerung, Traktionskontrolle und Allrad-Verteilung.

Fiat 500x

Fiat wird den 500x mit 8 unterschiedlichen Motoren anbieten. Nicht alle gleich von Anfang an, aber über das kommende Jahr hinweg. Neben diesen acht Motoren gibt es vier Getriebe-Versionen:  Das manuelle Getriebe mit 5- und 6-Gängen, das 6-Gang Doppelkupplungsgetriebe und ein 9-Gang Automatikgetriebe. Zu diesen bereits inflationär wirkenden Wahlmöglichkeiten gesellen sich ein 4×4-System mit variablem  Allradantrieb, eine Version mit Frontantrieb und elektronischer Differentialsperre und der normale Frontantrieb.

Für Auswahl ist demnach gesorgt. Das Angebot übersteigt damit die Kombinationsmöglichkeiten anderer Mitbewerber zum Teil deutlich!

Über Stock und Stein und im Internet

Wem der 4×4-Antrieb des 500x für den steten Kontakt nach überall nicht ausreicht, der ordert das Fiat Uconnect System gleich mit. Das im besten Fall 6.5″ große Touchscreen-System agiert als Multimedia-Zentrale und natürlich auch als Navigationsgerät.  Per App lässt sich das eigene Smartphone an das Uconnect System koppeln und dann auch Twitter und Facebook darüber nutzen. Wichtiger im Alltag dürfte die TomTom-Funktion „Live“ sein, die Verkehrssituationen in Echtzeit übermittelt. So lässt sich dann der nächste Stau hoffentlich umgehen und für den Fall der Fälle hat man ja die Cross+ Version mit 4×4-Antrieb geordert…

Bleibt das Fazit:

Fiat-Famosi

Da werden sich der Opel Mokka und Konsorten tüchtig strecken müssen. Der italienische Espresso-Doppio dürfte dem Markt der mehr oder minder kompakten SUV einen italienischen Stempel aufdrücken.  Der Fiat 500x hat mit dem eigentlichen Fiat 500 soviel gemein wie Mama Miracoli mit der echten italienischen Küche – macht aber nix. Denn so hat der „x“ Talente, die eigentlich einem Jeep würdig wären, mit der knuffigen Optik des 500 vereint. Dank guter Verarbeitung, würdiger Materialien und einer beträchtlichen Preis-Spanne dürfte sich der 500x im Feld der erfolgreichen Crossover seinen Platz sichern! Ob er der beste Fiat aller Zeiten ist, vor dieser Antwort drücke ich mich. Ich denke, jede Zeit hatte ihre Helden.

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[tab title=“Technische Daten:„]

Fiat 500x Cross+ 2.0 Multijet 9-Gang Automatik

Verkaufsstart:  sofort – ab Februar 2015 beim Händler
Basispreis:  16.950 €
Motorleistung:  1.956 ccm³
Antrieb und Getriebe:  9-Gang Automatikgetriebe (ZF)
Beschleunigung:  9,8 Sekunden von 0-100 km/h
Normverbrauch:  5,5 Liter auf 100 km
Höchstgeschwindigkeit:  190 km/h
Länge, Breite, Höhe, Radstand  4.273, 1.796, 1.608, 2.570 mm

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[tab title=“WWTBO?„]

What would the Blogger order??

Obwohl ich oft und gerne zur Basis-Version eines Autos tendiere, hier würde ich den gefahrenen 500x vorziehen. Der 140 PS Diesel macht Laune, die 9-Gang Automatik ist überzeugend und ohne Allrad finde ich Crossover langweilig.

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[tab title=“Gut zu wissen„]

Dreizylinder mit und ohne Turbo

Gebaut wird der neue Fiat 500X in dem Werk SATA im süditalienischen Melfi. Von dort wird er in weltweit über 100 Länder exportiert, darunter auch die USA. Der neue Fiat 500X wird in zwei verschiedenen Modellversionen präsentiert: eine ist vor allem in der Stadt zu Hause, die zweite ist der ideale Begleiter für Outdoor-Aktivitäten (Cross+). Beide sind mit effizienten Diesel- oder Benzinmotoren ausgerüstet. Zur Verfügung stehen zunächst drei Getriebevarianten: ein manuelles Schaltgetriebe mit sechs Gängen, das Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen und die Neungang-Automatik. Je nach Einsatzzweck haben Kunden die Wahl zwischen Vorderradantrieb, Vierradantrieb oder Vorderradantrieb mit elektronisch geregeltem Sperrdifferenzial TRACTION+.

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[tab title=“Link-Tipps:„]

Wie die anderen den neuen Fiat 500x erlebten:

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Galerien:

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Alle Fotos: Bjoern Habegger
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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

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