Fiat Panda als e-Glühwürmchen

Wenn Glühwürmchen durch die Straßen segeln – Fiat entdeckt für den 500er und den Panda den Strom für den Antrieb

Den Valentinstag auszuwählen, um die Liebe aufzufrischen, das hat was. Fiat hat in Sachen Marketing ein ausgezeichnetes Händchen. So auch jetzt beim Einstieg in die Elektrifizierung, wofür die Einführungsmodelle des Mildhybrid-Antriebs nicht nur in einer an Meerwasser erinnernden Farbe aufgelegt werden, sondern auch aus dem Meer gefischtes Plastik in den Sitzen recycelt wird. Viele grüne Botschaften von Fiat, wo es bis dato in dieser Hinsicht eher still war.

Im sogenannten A-Segment  der kleinen Kleinwagen behaupten sich die Italiener konstant als die Nummer eins in Europa. Der Panda und der Fiat 500 sind feste Größen in allen europäischen Märkten. Und das bei wachsender Konkurrenz, wobei an diesem Erfolg besonders beachtlich ist, dass er mit inzwischen technisch ziemlich betagten Modellen erreicht wird.

Erfolgsstory mit betagten Modellen

So war das Verkaufsjahr 2019 das beste für den 500 überhaupt. Altersschwäche kennt  dieses Auto offensichtlich nur vom Hörensagen, dafür gibt es den kugeligen Kleinwagen in einer Vielfalt von Sonder- und Editionsmodellen wie wohl kaum ein anderes Modell. Von Riva bis Tussardi hat Fiat fast alle italienischen Markenikonen zu einer Kooperation verführt.

Von den 2,2 Millionen Modellen des 500er seit dem Erscheinen im Jahr 2007 hat Fiat 80 Prozent abseits des Heimatmarktes an den Mann – und noch häufiger an die Frau – gebracht. Beim Panda klingt die Erfolgsstory noch imposanter: In 40 Jahren hat der mit dem genialen Slogan „Die tolle Kiste“ auf den Markt gebrachte Italo-Mini 8 Millionen Exemplare nach sich gezogen. Und das mit Technik, die mit Fug und Recht schlicht genannt werden darf.

Mildhybrid als Einstieg in umfassende Elektrifizierung

 Jetzt, zum Beginn des Jahres, in dem Deutschland automobil elektrisiert werden soll, verstromt auch Fiat seine ersten Autos zumindest ein wenig. Der 500er und der Panda kommen als Mildhybride ab 14. Februar in den Handel. Drei Wochen später zeigt Fiat dann beim Genfer Autosalon das erste rein elektrische Auto der Marke, den neuen 500er, der auf einer rundum neuen Basis ab dem Herbst ein wirkliches neues Kapitel für die Marke aufschlagen wird. Diesen neuen Fiat 500 werden die Kunden zunächst ausschließlich als E-Auto erwerben können. Wer das nicht mitmachen mag, kann sich weiter auf den „alten“ 500er verlassen. Auf dem  Weg durch das Modelljahr 2020 sollen noch weitere Modelle dann als Plug-in-Hybride die Marke unter Spannung halten.

Einfache Lösung für kleines Geld

 Für den Mildhybrid-Antrieb im 500er und Panda habe man eine „einfache Lösung gesucht und gefunden“, erläutert Carlo De Marino, Chef der Motorenentwicklung. Basis ist ein komplett neuer Dreizylinder, Firefly (Glühwürmchen) genannt. Auch das ein geschickter Marketing-Kniff, schon die Motoren zu  sympathisieren. An diesen modular konstruierten und damit leicht zu modifizierenden Motor, der als Zweiventil-Sauger lediglich 77 Kilogramm an Gewicht mitbringt, ist ein Riemen-Starter-Generator angekoppelt, der im 12-Volt-Bordnetz arbeitet und seinen Strom in eine Lithium-Ionen-Batterie mit 11 Amperestunden Kapazität unter der Rücksitzbank einspeist. Das ist eine sehr milde Mildhybrid-Unterstützung, aber Ziel sei es gewesen, mit minimalem Aufwand maximalen Kundennutzen zu generieren, erläuterte der Motorenentwickler. Und die Abgasnorm Euro 6d schaffen beide Fahrzeuge mit diesen Antriebsstrang.

Verbrauchseinsparung soll bis 30 Prozent erreichen

Unter dem Strich zahlt der Kunde für die Anschubhilfe des Dreizylinder-Saugmotors lediglich 500 Euro mehr als für den 500er mit dem 1,2 Liter Vierzylinder und 69 PS Leistung.  Die CO2-Emissionen und damit der Verbrauch sollen mit dem Mildhybrid zwischen 19 und 30 Prozent unter den bisherigen Werten liegen. Für den 500er mit dem 70 PS Mildhybrid-Antrieb (92 Newtonmeter maximales Drehmoment) nennt Fiat einen kombinierten Verbrauchswert von 3,9 Litern, was einer CO2-Emission von 88 Gramm je Kilometer entspricht. Mit dem Riemen-Starter-Generator (RSG) werden neben dem komfortabel weichen Starter auch alle anderen Nebenaggregate betrieben. Beim Bremsen und im Schubbetrieb kann das System dann Energie rekuperieren und wandeln. Da Fiat keine Automatik, sondern lediglich eine neue manuelle Sechsgangschaltung für den Mildhybrid anbietet, muss der Fahrer zur vollen Nutzung der Rekuperation im Schubbetrieb den Motor auskuppeln und  „segeln“. Wann das geraten ist, zeigt das Auto an. Beim Einkuppeln ist der Motor umgehend wieder da.

Segeln im Leerlauf für Sparen unerlässlich

 Man muss das lernen, oder sich erinnern: Dieses Segeln im Leerlauf, allerdings ohne Abschaltung des Motors, zählte vor 40 Jahren – nach der ersten Ölkrise – in  der Fahrschule zur Unterrichtseinheit „sparsames Fahren”. Mithin kommt es sehr auf den Fahrer an, wie weit der Fiat-Hybridantrieb sein Sparpotenzial entwickeln kann. Bei der Probefahrt durch Bologna blieben wir noch ein gehöriges Stück von den Papierwerten weg. Als Sauger muss der Glühwürmchen-Motor nämlich immer auf Drehzahl gehalten werden, um flott voran zu kommen. Der Elektroanschub ist offenkundig sehr auf das Anfahrmoment ausgelegt, wenn bis zu 5 PS von RSG zugeschossen werden.  Ob sich mit der Hybrid-  als der Topmotorisierung für den 500er  auch Top-Verbrauchswerte erzielen lassen, kann nur ein längerer Alltagstest über mehr als die zunächst gefahrenen 80 Kilometer in der Stadt ergeben.

Zweites Leben für Plastikflaschen als Sitzbezug

 Gut fürs Image ist das Hybrid-Etikett am Auto (bei Fiat auf der B-Säule) allemal. Noch besser wird es,  wenn man dazu die Geschichte vom Seaqual Garn erzählen kann. Die für  einen Kleinwagen im A-Segment sehr erfreulich konturierten, festen Sitze des 500 in der Launch Edition – das Panda-Gestühl versinkt dagegen im schwammigen Nirgendwo – sind  mit einem Textilmaterial bezogen, das aus Recyclingmaterial von Plastikflaschen gewonnen wird. Und um das grüne Image gleich Meergrün werden zu lassen, wird auch noch Seaqual eingespannt, eine Umwelt-Organisation, die Plastik aus dem Meer fischt und dieses Material für die Wiederverwertung zu Garn  aufbereitet. Selbst wenn es nur wie bei Fiat zehn Prozent sind, die in die Sitze  eingewoben sind, sollen Flipper und seine Freund sich über die Fiat-Hybride freuen, wenn diese grüne Botschaft auch unter Wasser ankommt.

Für den 500er Hybrid verlangt Fiat in Deutschland mindestens 13.990 Euro, bei der Launch Edition springt dieser Preis auf 17.990 Euro. Beim Panda City Cross heißen die entsprechenden Hausnummern 13.490 Euro und 15.190 Euro.

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