Ford Transit als Ersatz für den Ducato

Ford Transit als Ersatz für den Ducato
Kompensieren möchte der CEO der Erwin-Hymer-Gruppe die Ducato-Probleme zumindest teilweise mit einem Wechsel zu anderen Basis-Fabrikaten und setzt dabei vor allem auf den Ford Transit

Drohende Kurzarbeit trotz voller Auftragsbücher, große Probleme mit den Lieferketten – das sind die negativen Seiten des in Corona-Zeiten nochmals beschleunigten Reisemobil-Booms. Die Erwin-Hymer-Gruppe versucht mit neuen Basisfahrzeugen wie dem Ford Transit gegenzusteuern.

Es klingt paradox. Da fährt die Erwin-Hymer-Gruppe (EHG) mit ihren zehn Reisemobil- und Caravan-Marken in Corona-Zeiten mit 65.000 Einheiten im Finanzjahr 2020/2021 ein Rekordergebnis mit einem Plus von 10.000 Exemplaren oder 18 Prozent ein und setzt auch mit einem Umsatz von 2,7 Milliarden Euro die Messlatte auf ein neues Niveau, doch EHG-Chef Martin Brandt blickt sorgenvoll in die nahe Zukunft. „Wir haben volle Auftragsbücher, zum Teil schon bis ins Geschäftsjahr 2022/2023 hinein, und dennoch droht uns Kurzarbeit“, prognostiziert der Geschäftsführer aus dem oberschwäbischen Bad Waldsee.

Fahrgestelle kommen nicht rechtzeitig

Die Pandemie hat zwar einerseits den anhaltenden Wachstumskurs der Branche weiter beschleunigt, allerdings auch für große Probleme bei den Lieferketten gesorgt. „Es gibt massive Lieferengpässe bei den Halbleitern“, schildert Martin Brandt. Das wiederum führe bei der Lieferung von Fahrgestellen zu Verzögerungen, die mit Sicherheit bis weit ins Jahr 2022 hinein reichen würden. Besonders bitter sei die Situation beim Fiat Ducato, dem Bestseller unter den Basis-Fahrzeugen, der über 70 Prozent aller Reisemobil-Chassis stellt. Brandt rechnet damit, dass im italienischen Stellantis-Werk in Sevel demnächst wieder für einige Zeit zwangsweise die Bänder stillstehen werden. „Und das wird auch für uns wahrscheinlich noch in diesem Jahr Kurzarbeit bedeuten.“

Kompensieren möchte der CEO der Erwin-Hymer-Gruppe die Ducato-Probleme zumindest teilweise mit einem Wechsel zu anderen Basis-Fabrikaten und setzt dabei vor allem auf den Ford Transit. Von heute auf morgen ginge das allerdings nicht. „Das erfordert konstruktionsbedingte Veränderungen, und das umzusetzen dauert ein bis eineinhalb Jahre“, erklärt Martin Brandt. „Nach unseren zuletzt schon intensivierten Kooperationen mit Mercedes und Citroën haben wir aber schon im vergangenen Jahr mit Ford gesprochen.“ Der Transit steht dabei vor allem als Basis für Camper-Vans im Fokus, die in der Hymer-Gruppe mit einem Plus von 60 Prozent auf rund 21.000 Einheiten der Haupttreiber des Zulassungsrekords waren. 

Ford Transit kaum vertreten

Im Gegensatz zu ihrem größten Konkurrenten, der französischen Trigano-Gruppe mit den deutschen Marken Eura Mobil, Karmann und Forster, hat die EHG bisher allerdings wenig Erfahrungen mit dem Ford Transit gesammelt. Lediglich Bürstner hat mit dem Campingbus Copa gerade sein Portfolio um ein Transit-Modell erweitert, und bei Dethleffs steht ein Plug-in-Hybrid-Camper auf Ford-Basis in den Startlöchern. Aber weder bei den höher positionierten Marken Hymer, Laika, Niesmann und LMC noch bei den Einstiegsmarken Carado, Sunlight und Etrusco sowie beim Campingbus-Label Crosscamp findet sich ein Ford Transit im Portfolio.

Ford Transit als Ersatz für den Ducato
Bei Dethleffs steht ein Plug-in-Hybrid-Camper auf Ford-Basis in den Startlöchern

Unabhängig von den Halbleiterproblemen beeinträchtigt allerdings auch der Mangel an Zulieferteilen für den Wohnbereich die Lieferfähigkeit von Reisemobilen. Materialengpässe gibt es etwa bei Einrichtungsgegenständen vom Kühlschrank bis zu den Kassettentoiletten oder bei Rahmenfenstern. Kunden müssten unter Umständen bis zu eineinhalb Jahren auf ein Neufahrzeug warten, gibt Martin Brandt zu und packt gleich noch eine weitere schlechte Nachricht obendrauf: „Wir werden nicht umhinkommen, die Preiserhöhungen, die wir über unsere Lieferanten bekommen, an die Kunden weitergeben zu müssen.“

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