Mustang Mach-E: Zugpferd der Elektro-Offensive

Beim Thema Elektrifizierung drückt Ford mächtig aufs Tempo. In fast jeder Baureihe sitzt mittlerweile ein Hybridantrieb unter der Haube. Eine Ausnahme bildet nur der vollelektrische Mustang Mach-E. Das SUV kommt – mit leichter Verspätung – Anfang 2021 nach Deutschland.

Bei „Mustang“ denkt wohl jeder Auto-Enthusiast sofort an die amerikanischen Muscle Cars der 60er-Jahre oder an die grandiose Verfolgungsjagd mit Steve McQueen im Kinohit „Bullitt“. Zwar gibt es Fords Sportwagen-Ikone weiterhin mit brüllendem V8-Motor, doch das galoppierende Pferd trägt neuerdings auch ein ganz leises Modell im Grill, der Mustang Mach-E. Es ist das erste Elektroauto von Ford, das von Beginn an als solches konzipiert wurde. Anfang des nächsten Jahres soll der Mach-E – Corona-bedingt um einige Monate verspätet – nun nach Deutschland kommen. Reservierungen nimmt Ford ab sofort entgegen. Ab Dezember soll der US-Stromer dann konfigurier- und bestellbar sein. Der Preis startet bei 47.000 Euro. Abzuziehen ist hiervon noch die Innovationsprämie von 9.480 Euro.

 

Technische Daten und Kurzcharakteristik

Wer beim Mustang Mach-E ein elektrisches Fastback-Coupé im Retro-Look erwartet, wird enttäuscht. Die Designer setzen auf die Gattung SUV, weil diese Fahrzeugart weltweit die besten Verkaufserfolge garantiert. Zudem kann im Boden mehr Batteriekapazität untergebracht werden als in einem flachen Coupé. Mit einer Länge von 4,71 Meter entspricht der Mach-E in der Größe etwa einem VW ID.4 oder Jaguar I-Pace.

Die Basisversion des US-Stromers verfügt über eine Leistung von 190 Kilowatt (258 PS) und eine Akku-Kapazität von 68 kWh. Damit soll eine Reichweite von 450 Kilometern (Allradversion: 400 km) und eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 6,1 Sekunden möglich sein. Auf stolze 610 Kilometer kann sich der zukünftige Mach-E-Fahrer einstellen, wählt er den derzeit größten Akku mit 88 kWh Energieinhalt. Hier leistet der Elektromotor 258 kW (346 PS) und schafft den Sprint in 5,1 Sekunden. Letzteres entspricht laut Ford dem Wert eines Focus RS.

Preis des neuen Mustang Mach-E noch nicht bekannt

Das ganz große Rad aber drehen die Amis dann in gut einem Jahr. Ende 2021 hat der Mach-E mit dem legendären Kürzel GT seine Händlereinführung. Die High-Performance-Version kommt auf eine Spitzenleistung von 342 kW (465 PS) und schickt bis zu 830 Newtonmeter in den Allradantrieb (Zum Vergleich: Der Mustang Bullitt V8 liefert „nur“ 540 Nm Drehmoment). Man braucht also keinen Nobelpreis in Physik, um zu erahnen, was dies heißt: unbändiger Vortrieb auf dem Niveau von Supersportwagen. Nur 3,7 Sekunden vergehen etwa von null auf 100 km/h. Um die Exklusivität des Mach-E GT auch optisch hervorzuheben, stattet Ford sein Paradepferd mit 20-Zoll-Felgen, roten Bremssätteln und zwei besonderen Farben aus: Cyber-Orange und Grabber Blue. Einen Preis verrät Ford noch nicht. Wir gehen von mehr als 60.000 Euro aus.

Mit welcher Geschmeidigkeit sich schon der „normale“ Mustang Mach-E bewegt, konnten wir in der City von Hamburg erfahren – allerdings nur vom Beifahrersitz aus. Einen großen Unterschied macht dies jedoch nicht. Wie alle Elektroautos beschleunigt der Mach-E linear, druckvoll und leise. Die Fahrwerksabstimmung ist ein guter Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort. Auf dem riesigen, senkrecht stehenden Zentral-Display lassen sich zudem drei Fahrprogramme aktivieren. Sie heißen: „Aktiv“, „Zahm“ und „Temperamentvoll“. Bei letztem Modus sind alle Sinne des Autos geschärft, die Gasannahme reagiert besonders spontan. „Zahm“ funktioniert bestens für die entspannte Überlandfahrt, zumal dann die Verzögerung des Elektromotors auf null schaltet und man sehr effizient unterwegs sein kann („Segeln“). Wer es liebt, dass beim Lupfen des Fahrpedals die E-Maschine stärker verzögert, wählt sinnvollerweise den „1-Pedal-Modus“. Bei vorausschauender Fahrweise kann der Mach-E dann nur mit dem rechten Fuß beschleunigt und abgebremst werden. Das funktioniert bis zum Stillstand.

Das Design hat Ähnlichkeit mit Tesla

Im Interieur zeigt der Mach E unmissverständlich, wo die Designer aus Dearborn ein bisschen stibitzt haben: bei Tesla. Auch im elektrischen Mustang wirkt alles sehr reduziert, die Qualität allerdings übertrifft den Konkurrenten aus Kalifornien deutlich. Wer mit einem Smartphone zurechtkommt, für den stellt auch die Menüführung im Mach-E kein Problem dar.

Trotz totaler Digitalisierung, Touch-Bedienung und kabelloser Koppelung mit dem
Smartphone (Android Auto, Apple CarPlay) gibt es als kleines Gimmick ein Rändelrad zur Lautstärkenregelung (hier wollte man wohl die konservative Klientel nicht verschrecken). Es sitzt unten direkt auf der Glasoberfläche des großen Displays. Wie dieses einzigartige Feature funktioniert, bleibt das Geheimnis seiner Entwickler.

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