Voll elektrifiziert im futuristischen Retro-Design – Der Honda e

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Design und Digitalisierung, das sind die Stellschrauben, mit denen Honda Kunden für sein erstes rein elektrisches Automobil, den Honda e, gewinnen will. Die Konzeption ist dabei so klar und puristisch wie das Design des Kleinwagens, der mit 3,85 Metern deutlich (10 Zentimeter) kürzer als der Jazz ausfällt, mit einem Startpreis von 33.850 Euro aber ein ziemlicher Brocken ist. Auch dann noch, wenn sich die Politik irgendwann dazu durchringen wird, diesen Listenpreis mit der angekündigten Förderung um 6000 Euro zu  drücken. Die Auslieferung soll “im Frühjahr” erfolgen. Angesichts der in der Luft hängenden Förderbedingungen hat es auch Honda nicht sonderlich eilig, ein E-Auto in die Verkaufsräume zu stellen.

Honda e – Gelungene Designsprache

Für einen sehr ambitionierten Preis erhält der Kunde dann “ein Fahrzeug des Jahres 2030, realisiert mit den technischen Möglichkeiten von heute”, wie Honda etwas vollmundig bei der Fahrvorstellung verkündet. Ganz so futuristisch kommt der Honda e dann doch nicht daher, wenngleich er sich recht gelungen in einer neuen Designsprache vorstellt, die durchaus stilbildend für Kleinwagen und E-Autos werden kann. Wie es das iPhone für die Mobiltelefone vorexerziert hat.

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Honda e – Kameras ersetzen die Seitenspiegel

Glatte Flächen, klare Formen – alles wirkt auf das Wesentliche reduziert. Runde Scheinwerfer, in denen alle Lichtfunktionen von Tagfahr-, über Blink- bis Fernlicht vereint sind, keine Seitenspiegel – statt dessen hochauflösende Kameras mit wasserabweisender Linsenoberfläche – versenkte Türgriffe, Linien und Fugen wie mit dem Lineal gezogen. Alles ziemlich cool, was heute ja nichts anderes als das aus der Mode gekommene “modern” bedeutet.

Ein Auto, das auffällt und ein Auto, das vieles anders macht, als es gemeinhin üblich für diese Klasse und Größe ist.

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Honda e – Gut zugängliche Strombuchse

Beispielsweise den Antrieb über die Hinterachse zu bewerkstelligen. Fahrdynamisch die perfekte Lösung. Die 35,5 kWh Batterie verpackt Honda in die Bodengruppe, die Lade- und Leistungselektronik unter die Motorhaube. Ein Gimmick: Wo andere ihre Ladestelle zu verstecken bemüht sind, macht Honda in der Haube eine gut sichtbare Luke im Stil eines Dachfensters auf.

Der Antriebsmotor ist kaum größer als früher eine Lichtmaschine und in die Hinterachse integriert.

Honda e – Zwei Leistungsstufen mit 315 Newtonmeter Drehmoment

Mit einer Leistung von 100 kW/136 PS (alternativ gibt es auch eine 113 kW/154 PS Version, die allerdings nur eine bessere Beschleunigung, ansonsten aber identische Leistung und Reichweite liefert) und einem Drehmoment von satten 315 Newtonmetern bringt er den Honda e in 9 oder 8,3 Sekunden auf 100 km/h und in der Spitze bis 145 km/h. Honda perfektioniert das sogenannte “One-Pedal-Driving”. Wer diesen Modus in der Mittelkonsole aktiviert, kann das Bremspedal fast vergessen. Jedes noch so kleine Nachlassen des Pedaldrucks rechts lässt den Honda in maximale Rekuperation übergehen und bis zum Stand abbremsen. In der Tat kommt man nach kurzer Eingewöhnung dahin, den Fluss des Autos wirklich nur über das Gaspedal zu steuern und maximal Strom zu regenerieren.

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Honda e – Sportwagenabstimmung, aber übersichtliche Reichweite     

Die Lasten im Auto verteilen sich in diesem Heckantriebslayout 50 zu 50 auf die Vorder- und Hinterachse. Der Honda e ist damit perfekt ausbalanciert und fahrdynamisch ein echter Ausreißer. Garniert wird diese Sportwagen-Abstimmung mit einer lastfreien Lenkung und einem Wendekreis von lediglich 8,60 Metern. Handlicher geht es wohl kaum. Das passt zu einem Auto, dessen primären Verwendungszweck Honda in der Stadt und deren engerem Umfeld festmacht. Woraus dann auch für die Reichweite ein recht übersichtlicher Rahmen abgeleitet wird.

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Honda e – Schnelle Aufladung während der Mittagspause

Nach Herstellerangaben reichen die 33,5 kWh Batteriestrom für 222 Kilometer nach Messung im WLTP-Zyklus. Nach unseren ersten Erfahrungen ist das eine sehr optimistische Aussage. Wir bestiegen bei der Präsentation ein Vorserienfahrzeug, das einen Ladegrad von 97 Prozent anzeigte und daraus eine Reichweite von 130 Kilometern errechnete. Nach 110 Testkilometern auf Stadt-, Land- und Schnellstraßen meldete das Auto noch 26 Prozent Restladung und eine damit machbare Reichweite von 42 Kilometern. Nach Wiederaufladung auf 99 Prozent während des Mittagessens rechnet der elektrische Honda für sich eine Reichweite von 160 Kilometern.

Honda e – Aufladung auf 80 Prozent binnen 30 Minuten   

Wer wirklich nur in der Stadt unterwegs ist und abends an der Wallbox oder an eine öffentliche Ladesäule andocken kann, kommt damit sehr wahrscheinlich aus und kann in gut vier Stunden eine Ladestation mit 7,4 kW Wechselstrom wieder voll geladen verlassen. An der klassischen Haushaltssteckdose mit dem Standardkabel zieht sich ein solcher Ladevorgang über mehr als 18 Stunden hin. An den sogenannten Schnellladestationen mit 50 oder 100 kW Gleichstrom lässt sich die Batterie binnen 30 Minuten zu 80 Prozent nachladen.

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Honda e – Lounge-Atmosphäre und flächendeckende Digitalisierung

Wie das Äußere verströmt auch das Interieur eine Linie von Moderne und Retro. Lounge-Atmosphäre und flächendeckende Digitalisierung erwartet die maximal vier Insassen. Mokkabraune Sicherheitsgurte, Stoffe im klassischem Pfeffer-und-Salz-Muster treffen auf eine Holz-Kunststoff-Leiste, die sich quer über das streng linear ausgelegte Armaturenbrett zieht, das hier dem zweiten Wortbestandteil alle Ehre macht. Wir fühlten uns stark an die Anfänge japanischer Autoexporte und die damals üblichen Veredelungsversuche erinnert. Den Mut zu Echtholz, wie ihn BMW beim i3 hatte, traut oder gönnt sich Honda dann doch nicht. Oder wäre das schon als Ressourcen-Verschwendung oder Baumfrevel einzustufen?

Honda e – Der persönliche Assistent kennt die Antwort auf alle Fragen

Über diese etwas befremdlichen Holzoptik eröffnet sich dann ein Breitbandkino, das in der Tat der Ankündigung “Auto von 2030” gerecht wird.

Bis auf die Klimatisierung läuft alles mit Touch- und Wischgesten. Oder per Sprache. Der persönliche Assistent ist ständig über die Cloud im Google-Universum angedockt und liefert die Antwort auf alle Fragen. Dass sämtliche Fahr- und Sicherheitssysteme in diesem Honda eingebaut sind, das Auto Parklücken aller Art selbstständig anfahren kann und per App oder Code auch aus der Ferne geöffnet, vorklimatisiert, geortet, überwacht oder auch zum Fahren freigegeben werden kann, versteht sich da eigentlich von selbst.

Honda e – Volldigitale Displays liefern Informationen auf fast einem Meter Breite

Drei hochauflösende Bildschirme (zweimal 12,3 Zoll, einer 8,8 Zoll) liefern alles an Informationen und Unterhaltung, was der moderne Mensch im Auto angeblich benötigt, um sich hinter dem Steuer so zu fühlen, wie entweder auf der Couch daheim oder vor dem PC im Büro. Dieser optisch wie ein Monitor wirkende Infostreifen, dessen Inhalte sich tauschen oder teilen, verschieben oder auch verschwinden lassen, wird flankiert von zwei Sechszöllern, auf denen die seitlichen Kameras das Bild liefern, das klassischerweise im Außenspiegel zu sehen ist. Sicher cool, aber zumindest auf der linken Seite nicht ungetrübt, denn der Spiegelmonitor wird von der Lenkradhand zu einem Teil verdeckt.

Honda e – Bei 171 Litern wenig Spielraum im Kofferraum

Der Rückspiegel bietet alternativ ein Breitwandkamera-Bild oder den klassischen Spiegelblick, der das Geschehen auf der Rückbank mit einschließt. Dort können zwei Personen auch jenseits des Schulalters ganz passabel unterkommen. Wo der e-Honda patzt, ist noch weiter hinten, beim Gepäck. Unter der Heckklappe kauert ein Kofferraum von 171 Litern Volumen, der durch seine fehlende Höhe schon mit zwei im Flugzeug zugelassenen Handkoffern überfordert ist. Wer dort dann auch noch das sperrige Ladekabel für die öffentlichen Saftpunkte mitführt, ist ziemlich eingeschränkt. Die Rückbanklehne lässt sich zwar in Gänze umklappen und schafft dann eine glatte Fläche, auf der bis zu 861 Liter Ladung unterkommen können, aber als praktischer Cityflitzer muss der Honda e den Konkurrenten mit Frontantrieb den Vortritt lassen. Auch mit Ablagemöglichkeiten für den üblichen Kleinkram haben sich die Honda Designer nicht sonderlich viel Mühe geben. Tolle Fahrdynamik und Heckmotor-Antrieb verlangen bei der Zuladung nun mal eben den Kompromiss. 911er-Besitzer leben schon ewig in diesem Zwiespalt.

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