Impressionen vom Woodward Dream Cruise 2017 — 40.000 Fahrzeuge feiern das weltgrößte Autotreffen

Impressionen vom Woodward Dream Cruise 2017 — 40.000 Fahrzeuge feiern das weltgrößte Autotreffen

Einmal im Jahr rollen für einen Tag 40.000 Schlitten über einen 16-Meilen-Laufsteg und zelebrieren in Detroit das weltgrößte Autotreffen. Das kann sich nicht mal Elvis entgehen lassen …

Wie das olympische Feuer lodern die Flammen aus den beiden dicken Auspuffrohren, die hinter der Doppelkabine eines weinroten Pickups in den Himmel ragen. Dabei brüllt dessen V8 ja gar nicht, sondern schiebt den modernen 2,5-Tonner ganz sanft über eine mehrspurige Straße. Inmitten einer Autokarawane, die kein Ende zu nehmen scheint. Sein Fahrer? Bestens gelaunt – wie sein kleiner Sohn, der den Unterarm locker über die hintere Türkante raushängen lässt und sich diebisch darüber freut, dass der PT Cruiser auf der Nebenspur endlich auf gleicher Höhe ist.

Die extreme Mischung macht’s

Ob es sich dabei tatsächlich um den kompakten Chrysler handelt, wäre eigentlich schon eine Frage für Günther Jauch. Denn was die Augen da erblicken, sind vor allem Hunderte verchromter Schädel, mit denen der Besitzer seinen Wagen geschmückt hat. Und zwar so, dass er ihn garantiert nicht mehr durch die Waschstraße bekommt. Dem Typ im gelben Opel GT dahinter gefällt’s: „Das ist doch mal was“, ruft er aus dem geöffneten Seitenfenster seines Sportcoupés, das sich in tadellosem Originalzustand befindet, ein seltenes Ersthand-Schmuckstück.

Neben dem 1970er-Jahre-Blitz rollt eine schneeweiße Corvette der dritten Modellgeneration, Zustand 2+. Zwei ältere Herren sitzen darin und winken dem Opel-Fahrer begeistert zu – offensichtlich kennen sie den Verwandtschaftsgrad ihrer Autos. Auf der ähnlich vollen Gegenspur unterhält derweil der Fahrer eines California T seine Mitmenschen und stimmt mit dem Ferrari-Motor ein kleines Konzert an. Es dauert keine zehn Sekunden, da klinken sich zwei Muscle-Cars zu seiner Seite mit ein. Nach ein paar längeren Gasstößen wird allen Beteiligten klar, dass auch Italiener klangvolle V8-Motoren bauen können.

Womit wir beim kleinsten Nenner dieser Ausfahrt wären: Hier wird die Liebe zum Automobil gefeiert. Dabei spielt es keine Rolle, wer mit welchem Modell auftaucht. Alle Marken aus allen Epochen sind auf dem Woodward Dream Cruise willkommen – so heißt das große Fest, zu dem jedes Jahr über 40.000 Automobile und rund eine Million Zuschauer kommen und es zum größten Eintages-Autotreffen der Welt machen. Bei den Ausmaßen ist es fast schon logisch, dass es in den USA stattfindet – mitten im Herzen von Detroit auf der Woodward Avenue und stets am dritten August-Wochenende.

Die zweite Besonderheit? All die alten und neuen Muscle-Cars, die Hot Rods und Buggys, die normalen und verrückten Sammlerstücke, die Exoten, die Alltagskisten, die hohen Pickups und flachen Supersportler – sie cruisen an diesem Tag zusammen über die historische Woodward Avenue, eine wichtige Verkehrsader von Detroit – 16 Meilen lang, teilweise sechs Spuren breit. Auf ihrem Weg ins Zentrum der Motor City verbindet sie neun Stadtgebiete, von denen nicht wenige eine große automobile Bedeutung haben.

Wie alles begann

Typisch amerikanisch: Der Dream Cruise startete 1995 als kleinere Spendenaktion für ein Fußballstadion in Ferndale, einer kleinen Stadt, die zur Metropolregion Detroit gehört. Autoliebhaber versammelten sich damals auf der großen Woodward Avenue, legten Geld zusammen und fuhren anschließend gemeinsam durch die Gegend. Nach nur wenigen Jahren wurde daraus das weltgrößte Autotreffen, das inzwischen eine feste Institution ist – und die Teilnehmer nichts kostet.

Die amerikanischen Autohersteller sind längst auch dabei, stellen alte und neue Schmuckstücke aus, feiern die Geburtstage wichtiger Modelle. Außerdem bauen freie Händler Stände auf, bieten Teile und Gimmicks an. Die Stimmung gleicht einem Volksfest, das die Menschen rundum glücklich macht. Vor allem die ältere Generation, die sich an diesem Tag wieder jung fühlt – indem sie die Schätze ihrer Jugend spazieren fährt und dafür reichlich bejubelt wird.

So wie Jack, der mit seinem 1966er Mustang die 700 Meilen aus Minneapolis angereist ist. Dass sein alter Ford etwas Besonderes ist, zeigt die Menschenmasse drum herum. „Das ist ein originaler Hertz-Mustang, gebaut von Carroll Shelby.“ Eine Sonderserie, die damals an den Autovermieter Hertz ging – meist schwarz lackiert und mit goldenen Streifen geschmückt. „Diese Modelle für ein Wochenende zu mieten war damals schwer in Mode“, erklärt Jack. „Heute sind die Hertz-Mustangs sehr begehrt und werden oft kopiert.“

Keine zehn Meter entfernt rollt ein interessantes Trio vorbei: vorneweg ein altersschwacher VW-Porsche 914, gefolgt von einem gepflegten Rolls-Royce Corniche und einem Gokart-ähnlichen Gefährt, aus dem eine kleine Familie winkt.

Eine große Zuschauergruppe sitzt am Straßenrand und schaut den Autos begeistert zu. „Ich finde den Rolls scharf“, ruft einer der Väter. Seine Frau erinnert sich, dass ihr Vater früher so einen VW-Porsche hatte. Und ihre beiden Töchter strecken dem Gokart zwei kleine Tafeln entgegen, die jeweils die Nummer 9 zeigen. Beide quietschen: „Daddy, Daddy, so was brauchen wir auch.“

Und was lernen wir daraus?

Als die Sonne an diesem Tag untergeht, flanieren all die Autos noch immer über die Woodward Avenue. Bands spielen, Menschen feiern. Sie zelebrieren die Freude am Automobil – wohl wissend, welche Freiheit es ihnen beschert.

Dabei ist die Zukunft auch hier längst angekommen. Das zeigen Prius, Tesla und Co., die selbstverständlich mitfahren. Womit die Botschaft des Dream Cruise klar wird: Egal wie sich die Autos auch verändern – die Liebe zu ihnen wird bleiben.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/woodward-dream-cruise-2017-das-weltgroesste-autotreffen-12035080.html

Related Posts