Jeep Wrangler JL – Für das Gelände geboren

Der Willys gilt als Urahn aller Jeeps, von denen der Wrangler am authentischsten ist.

Jede neue Herausforderung beginnt mit dem Glauben. Motivierende Worte, mit denen Adidas, neben Fiat-Chrysler einer der Hauptsponsoren von Juventus Turin, vor kurzem den Rekordtorschützen Christiano Ronaldo gebührend als Neuzugang begrüßte. Die Konzernmarke Jeep feierte sich selbst auf dem Event gleich mit sieben Fahrzeugen aus den aktuellen SUV Baureihen. Das Kronjuwel im Fiat Chrysler Konzern braucht sich um die Zukunft weniger Gedanken zu machen als Juve. Gerade die von Mike Manley – dem Nachfolger des so plötzlich verstorbenen Fiat Chefs Marchionne – geleitete Marke Jeep trug wesentlich dazu bei, dass Chrysler die Trennung von Daimler und die spätere Krise im Jahr 2009 meisterte. Seit Jahren ist die Geländewagensparte die mit Abstand profitabelste Marke des weltweit siebtgrößten Automobilherstellers. Doch nicht jedes Auto, auf dem Jeep steht, ist noch ein echter Offroader.

Klar ein Jeep: Der Wrangler mit senkrechtem Kühler, sieben Lüftungsschlitzen und runden Scheinwerfern.

Der wohl noch authentischste Vertreter der italo-amerikanischen Marke ist der Wrangler. Wie der Toyota Land Cruiser, der nicht mehr erhältliche Land Rover Defender und die G-Klasse von Mercedes ist er längst Ikone. Von allen Jeeps trägt er die meisten Gene des legendären Willys in sich. 1941 hatte man das puristische Raubein für das Militär entwickelt. Fast 80 Jahre später präsentiert Jeep in der Steiermark die neue Generation des Wrangler im „Jeep-Camp 2018“. Ein alljährlich stattfindender Event, zu dem Hunderte von Jeep-Enthusiasten der Marke aus ganz Europa zusammen kommen, um sich drei Tage lang voller Lust und Freude mit ihren Autos durch Matsch und Geröll zu quälen, um dann die dickste Schicht der Patina zu feiern. Nicht ohne dabei neugierige Blicke auf die funkelnagelneuen Vertreter des Wrangler zu werfen.

Mühelos schiebt sich der neue Wrangler Rubicon mit dem 2,2 Liter Diesel durch den Wald.
Die Jeep-Fangemeinde im „Jeep-Camp“ liebt Schlammschlachten.

Optisch bleibt beim Wrangler JL fast alles, wie es war

Neben dem Sahara gibt es den Wrangler noch in den Modelllinien Rubicon und Sport.

Auch in seiner vierten Generation mit der neuen Typenbezeichnung JL baut der Wrangler auf einem Leiterrahmen auf. Auch an den runden Hauptscheinwerfern und dem Kühlergrill mit seinen sieben Lüftungsöffnungen hält Jeep fest. Die Radhäuser bleiben trapezförmig, die Scharniere für Türen und Hauben sichtbar. Nur wer sehr genau hinschaut, erkennt, dass die Frontmaske jetzt leicht nach unten zuläuft und die Kühlermaske etwas nach hinten geneigt ist. Das verleiht der Karosserie einen Hauch Dynamik und bessere Aerodynamik. Wer den Wind nicht nur vorbeistreifen lassen will, sondern ihn auch im Inneren spüren will, für den bietet der Wrangler neben dem herausnehmbaren Hard Top und dem Soft Top ein komplett neu entwickeltes elektrisches „Sky One Touch“ Faltdach, das per Knopfdruck fast die gesamte Länge des Innenraums oben herum frei legt und den Jeep in wenigen Minuten zum Open-Air-Fahrzeug verwandelt.

Ins Gesicht geschrieben: Der Rubicon liebt das Gelände.

 

Unter der Haube des neuen Wrangler arbeitet entweder ein Diesel (200 PS) oder ein Benziner (270 PS).

8000 qm Offroad-Spielplatz fordern „Rubicon“ und „Sahara“ heraus

Mit Allrad und Untersetzungsgetriebe kommt der Kraxler überall durch.

Wie von seinen Fans erwartet, verspricht der kantige und hochbeinige Wrangler im Doppelpack der klassischen und der um 55 Zentimeter längeren viertürigen Variante maximale Geländegängigkeit. Auf dem weitgehend naturbelassenen und rund 8000 qm großen Spielplatz für Offroad-Fans in der Nähe des Red-Bull-Rings im österreichischen Spielberg warten mehr als genug Herausforderungen. Die Hinweisschilder an den beiden Trails, die von den insgesamt vier als Teststrecken auserkoren sind, verraten sofort, wofür die beiden mitgebrachten Versionen des Jeep Wrangler stehen. Hardcore für den „Rubicon“, benannt nach einer der anspruchsvollsten Offroad-Strecken der Welt zwischen Kalifornien und Nevada. Leichtere Anforderungen für den „Sahara“, den die Amerikaner für den urbanen Dschungel konzipiert haben. Auf den Asphalthelden Wrangler „Sport“ hat man hier und heute verzichtet.

Die vierte Wrangler-Generation seit dem Erscheinen des „YJ“ im Jahr 1987 mit leicht abgesenkter Gürtellinie und einer vier Zentimeter längeren Windschutzscheibe.

In Deutschland ist der Wrangler nur noch mit vier Zylindern unterwegs

Fett schmatzt der Schlamm, als sich der Wrangler Rubicon mit dem neuen 2,2 Liter Diesel den schmalen Waldweg bergauf schiebt. Für Jeep-Enthusiasten dürfte zwar alles unter dem 3,6 Liter Benziner von einst unangemessen sein. Doch auch mit dem Selbstzünder mit 200 PS und einem Drehmoment von 450 Nm ist der Rubicon in Kombination mit der neuen – in allen Wrangler-Modellen serienmäßigen – Achtgang Wandlerautomatik souverän unterwegs. Im Gegensatz zu dem abgelösten 2,8 Liter Diesel erfüllt der neue Motor mit SCR-Kat und Abgasreinigung nicht nur die ab September geltende Euro 6 d-temp, sondern er soll damit auch die Hürde der erst 2021 geltende Euro-6-Norm nehmen. Für das vierte Quartal 2018 kündigt Jeep einen ebenfalls neuen 2,0 Liter Benzinmotor mit Turboaufladung und Direkteinspritzung (270 PS und 450 Nm) an. Sechszylinder werden in Europa gar nicht mehr angeboten.

Mit dieser Plakette darf der Wrangler auch auf dem legendären „Rubicon-Trail“ unterwegs sein.

Die „Trail Rated“ – Plakette bürgt für ganz besondere Geländegängigkeit

Der Weg scheint jetzt kaum breiter als das Fahrzeug. Bloß nicht nach links in den Abgrund schauen. Doch die von Adrenalinschüben begleitete Sorge, dass die mehr als zwei Tonnen ausgleiten und den Hang hinunter rutschen könnten, bleibt unbegründet. Stoisch folgt der Rubicon mit eingelegter Geländeuntersetzung der Spur des voranfahrenden Fahrzeuges, tastet sich dann vorsichtig Geröllstrecken hinab und lässt auch tiefe Pfützen nicht links liegen. Immerhin bürgt die von Jeep aufgepappte „Trail Rated“ Plakette für bestandene Disziplinen wie Traktion, Wasserdurchfahrt, Manövrierbarkeit, Achsverschränkung und Bodenfreiheit und damit für die Fähigkeit, auch mal den „echten“ Rubicon-Trail zu fahren.

Auch im Jeep Wrangler ist Konnektivität jetzt angesagt. (Foto: Jeep)

Auch ein Jeep Wrangler braucht Konnektivität

Damit der Wrangler dann den Weg zum nächsten Italiener oder zu einer der amerikanischen Fast-Food-Ketten findet, kann man im sauber aufgeräumten Cockpit über Apple CarPlay oder Android Auto den Inhalt des eigenen Smartphones auf das  8,4 Zoll große Zentraldisplay spiegeln. Funktionen wie Navigation, Sprachführung, Musik, Siri, Telefonanrufe und das Senden von Textnachrichten lassen sich ansteuern, ohne das Telefon in die Hand nehmen zu müssen. Das Thema Assistenzsysteme weckt zwar bei den meisten Jeep-Fans eher ein müdes Lächeln, ebenso wie der Austausch des Zündschlosses gegen einen modernen Startknopf.

Mit der optionalen Einparkhilfe vorne und hinten, dem Totwinkel-Assistenten und der hintere Querbewegungserkennung verliert man nicht den Überblick.Ackern im Gelände liegt dem Wrangler mehr als kurvige Landstraßen  

Das Fahrwerk des Rubicon ist für den Asphalt-Cowboy, der auf Wunsch auf bequemen Ledersitzen mit markanten Nähten, eine Lehne mit justierbarer Polsterhärte und einer Lendenwirbelstütze Platz nehmen darf, etwas weniger ruppig und in Richtung Komfort ausgelegt. Auf kurvigen Landstraßen machte er mit seiner etwas schwammigen Lenkung und der Neigung zum Schwanken allerdings keinen Hehl daraus, dass ihm das Ackern im Gelände mehr liegt.

Der neue Jeep Wrangler kommt im September auf den Markt und kostet zwischen 46.500 Euro für den Zweitürer „Sport“ und 56.000 Euro für den Viertürer „Rubicon“.

Text und Fotos : Solveig Grewe

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