Erste Fahrt im neuen Mazda 2

Kleiner ist besser. Größer ist noch besser. Schöner ist besser. Eleganter ist noch besser. Aber weniger teuer, dafür mehr Premium – das ist am allerbesten. Als Hersteller eines Kleinwagens – wir reden hier über die Klasse, in der sich auch VW Polo und Opel Corsa tummeln – ist es nicht ganz einfach, einen Hit zu landen. Dieser neue Mazda 2 könnte einer werden – wenn da nicht dieser eine Haken wäre.

Mazda 2 much

Erste Fahrt im neuen Mazda 2

Kleinwagen geht auch in schön. Einfach das Greenhouse, also diesen sichtbaren Bereich der Karosserie, oberhalb der Türlinie ab Fensterkante weiter nach hinten schieben. Die A-Säule konsequent flach in das Fahrerblickfeld kippen und dafür die Motorhaube ein wenig länger pfeilen lassen. Fertig ist ein schnittiger Kleinwagen. Die Proportionen? Gänzlich gelungen. Und die Sache mit der A-Säule? Nun, daran wird sich der Fahrer gewöhnen müssen.

erste testfahrt 05 mazda 2

Jinba Ittai

Da klemmt sich jede PR-Abteilung fest. Was wir in der deutschen Sprache in schnöde Worthülsen packen müssen, womit Presse-Abteilungen die Nächte verbringen: uns – dem Schreiberling und dem Autokäufer-  die Werte, die Vorteile, die Weltbilder eines neuen Autos zu erklären, da knallt uns der Japaner zwei Wörter hin: Jinba Ittai.

Wenn Ross und Reiter eins sind

Jinbai Ittai beschwört die Einheit aus Ross und Reiter. Was für ein grandioses Bild für den durchschnittlichen Kleinwagenfahrer. Eins sein mit den Pferdeherden unter der Motorhaube. Im neuen Mazda 2 bekommt man dann, Kleinwagen hin oder her, ein gutes Gefühl von dem, was Jinba Ittai bedeutet. Man fühlt sich integriert. Der Fahrer fühlt sich wohl. Mit Ausnahme der Oberschenkelauflage passt alles. Das Lenkrad ist ordentlich verstellbar. Der Fahrersitz lässt sich weit genug nach unten verstellen. Die Instrumente passen und was für den Fahrer wichtig ist, liegt in seinem Blick.

Der Beifahrer könnte sich eventuell über den Mangel einer Sitzhöhenverstellung beschweren, ansonsten passt auch bei ihm der Sitz im Sattel seines Pferdes.

Aufgesessen und los geritten

Mazda bietet den neuen „2“ mit vier Motoren, zwei Getriebevarianten und in vier Ausstattungslinien an. Leider hapert es da bereits ein wenig am guten Gesamteindruck. Dass der neue 105 PS Diesel erst später im Jahr lieferbar sein wird, ist gar nicht das Problem. Auch die Idee, Hubraum anstelle von Ladedruck zu nutzen, kann man positiv diskutieren. Aber die Aufpreispolitik ist noch schlimmer als in Wolfsburg. Und das ist mal eine Bemerkung wert.

Safety First

Wir sind uns alle einig: Sicherheit ist ein wichtiges Kapitel. Und City-Notbrems-Assistenten sind nun wirklich nicht die unwichtigste Erfindung, seitdem es das Motor-Mobil gibt. Mazda bietet für den neuen „2“ eine sinnvolle Auswahl an Assistenzsystemen. Darunter eine Ausparkhilfe, Spurwechselassistenten, Spurhalteassistenten, Fernlichtassistenten, Einparkhilfen hinten und eben auch einen City-Notbrems-Assistenten. Den aber leider nur für die teure Sports-Line Ausstattung. Oder die feinen LED-Scheinwerfer – auch solch nützliche Technik bringt der Mazda 2 in das Segment der Kleinwagen – aber auch die gibt es nur gegen Aufpreis, aber nur, wenn man bereits die zweithöchste Ausstattungslinie (Exclusiv-Line) geordert hat.

Das lässt die Einheit von Ross und Reiter ganz schön teuer werden …

erste testfahrt 28 mazda 2

So fährt sich der neue Mazda 2

Skyactiv nennt Mazda die Technik, mit der man ganz ohne Downsizing auskommen will. Wo andere Hersteller Dreizylinder und Vierzylinder-Motoren mit wenig Hubraum, dafür mit Ladedruck dank Turbo unterbringen, steckt Mazda einen Benziner mit extrem hoher Verdichtung und 1.5 Liter Hubraum rein. Die Voll-Aluminium-Motoren sind unauffällige Vertreter ihrer Zunft. Beflissentlich gehen sie an ihr Tagwerk. Alleine den Reiter könnte es irritieren, dass der Antritt des eigenen Pferdes eher übersichtlich ausfällt. Ich selbst bin bei der Presse-Präsentation des neuen Mazda 2 den Skyactiv-G 75 gefahren, also die Basis-Motorisierung und den Skyactiv-G 115, den „großen“ Motor für den kleinen Mazda 2. Der 75 PS Basis-Benziner ist eine Enttäuschung. Klar, er bleibt laufruhig, wo andere Dreizylinder rumpelnd die Leistung abliefern. Aber er bleibt auch extrem farblos. Durchzug? Fehlanzeige. Für die Stadt, von Parkplatz zu Parkplatz – ja. Aber bitte nicht mehr.

Dabei legt Mazda Wert darauf, dass der neue Mazda 2 nicht nur Stadtmobil ist. Er taugt für die große Reise. Das sagen die Premium-Extras, das bestätigt die Verarbeitung und auch das Raumverhältnis für 2+2 Passagiere ist völlig ausreichend. Nein. Vorne ist es richtig gut. Zudem ist der Mazda 2 leise und wirkt beim Überfahren von Bodenwellen erwachsen und solide. So wie der Volkswagen Polo es vorgemacht hat, so hat auch der Mazda 2 mit dieser Version nun eine neue – eigene – Klasse erreicht.

Doch um vorwärts zu kommen, braucht es entweder den Diesel – so meine Vermutung – oder den 115 PS starken Benziner der Top-Motorisierung. Wobei auch dieser Motor nur so viel Drehmoment bereit hält wie der 90 PS Benziner. Dafür haben sie dem 115 PS Benziner ein Sechsgangschaltgetriebe an die Seite gepackt. Da sind die Gänge kürzer gestuft und der Mazda 2 bleibt ordentlich in Schwung.

Sidekick: Der 1.2 Liter TSI im VW Polo glänzt mit 160 Nm zwischen 1.400 und 3.500 Umdrehungen. Da sind die beiden Skyactiv-Benziner im Mazda noch nicht an deren 148 Nm angekommen.

Mazda 2 Skyactiv-G 115 i-ELOOP Sports-Line

Der Mazda 2 gefällt in der Variante als 115 PS starker „sportlicher“ Kleinwagen mit überraschender Größe und Souveränität. Einmal in Schwung, galoppiert er fröhlich und mit einem fairen Verbrauch über die Autobahn. In der Tat, so lange man in Reihe 1 sitzt, ist es überhaupt nicht abwegig, mit dem Mazda 2 auch die Langstrecke in Angriff zu nehmen. Eher Kür denn Pflicht für ein Fahrzeug im B-Segment.

Dem guten Raumgefühl des Mazda 2 hilft natürlich das enorme Größenwachstum. In der Länge sind es 14 Zentimeter mehr, beim Radstand 8 Zentimeter. Das merkt man im Innenraum und man sieht es beim Design.

Bei der Lenkung bleibt noch ein wenig Platz für die Feinabstimmung. Leichtgängig, ja, gefühlvoll, ja, aber mit zuwenig Rückstellmoment während der Fahrt. Irgendwie bleibt man immer ein wenig am Pendeln. Das jedoch ist nichts, was einem das Vergnügen am Mazda 2 trüben könnte.

Eher schon der Preis.

erste testfahrt 08 mazda 2

Mazda 2 – Die Preise

Der Basis-Mazda 2 mit dem 75 PS Motörle in der Center-Line kostet 14.690 €. Der ebenso gefahrene 115 PS Benziner in der sehr attraktiven Sports-Line jedoch bereits 18.790 €. Dazu kommen dann Licht- und Technikpaket- wegen dem LED-Licht. Alleine der Scheinwerfer in seiner Optik rechtfertigt die Anschaffung und schwupps – schwupps ist man bei über 20.000 €. Ganz egal, wie flott der Mazda 2 aussieht, das nenne ich selbstbewusst.

Mazda 2 much

Guter Kleinwagen und mehr.

Der Mazda 2 spielt mit dem Modellwechsel und der Befreiung aus den Zwängen einer Kooperation plötzlich in einer neuen Liga. Die SKYACTIV-Technik klingt prima, der Verbrauch scheint auch in Ordnung – aber das Bessere ist des Guten Feind und wer einmal vom Drehmoment-Schwall der modernen Turbotriebwerke überrummst wurde, der will das nicht missen.

Cockpit-Gestaltung und Verarbeitung sind top und für einen japanischen Kleinwagen mehr als solide im Gesamtvergleich. Dem Mazda 2 geht das ganze Lifestyle-Chichi ein wenig ab. Was in meinen Augen nur ein weiterer Pluspunkt ist. Premium ist, was der Kunde als „Plus“ empfindet. Beim neuen Mazda 2 könnten es die solide Technik oder das Längenwachstum sein. Am Ende haken nur der Preise …

[notification type=“notification_info“ ]Der neue  Mazda 2 steht ab dem 27. Februar 2015 bei den Händlern. Der Basispreis beträgt: 12.790 € [/notification]

[notification type=“notification_mark“ ] Lob verdient Der Mut zu anderen Lösungen. Wie zum Beispiel: Skyactiv. [/notification]

[notification type=“notification_error“ ] Kritik verdient:  Die Aufpreis-Politik und das Verknüpfen von Sicherheits-Features mit teuren Ausstattungs-Paketen.  [/notification]

 

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[tab title=“Technische Daten:„]

Mazda 2 – Skyactiv-G 115 PS i-ELOOP

Motortyp und Leistung Vierzylinder-Reihenmotor, Benziner, Sauger, 115 PS @ 6.000 U/min
Drehmoment  148 Nm @ 4.000 Umdrehungen
Leergewicht  1.055 kg
Antrieb und Getriebe:  Frontantrieb, manuelles Getriebe, sechs Stufen
Beschleunigung:  8.7 Sekunden von 0-100 km/h
Normverbrauch:  4.9 Liter auf 100 km
Höchstgeschwindigkeit:  200 km/h
Länge, Breite, Höhe, Radstand  4.060, 1.695, 1.495. 2.570 mm

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[tab title=“WWTBO?„]

What would the Blogger order??

Als Technik-Freund muss es die Sports-Line sein. Nur dort gibt es die LED-Scheinwerfer und das volle Technikpaket. Die Saugmotoren konnten mich nicht völlig überzeugen, ich würde auf den Dieselmotor warten.

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[tab title=“Gut zu wissen„]

1.7 % Marktanteil

Während einige japanische Marken auf dem dt. Markt im Rückwärtsgang sind, gibt Mazda richtig Gas. Die Kombination aus „Kodo-Design“ und „Jinba Itta-Feeling“ für den Fahrer scheint aufzugehen. Mit 52.500 Neuzulassungen auf dem dt. Markt hat Mazda ein Plus von fast 17% hingelegt.  Besonders erfolgreich ist Mazda hier im Segment der Privatkunden unterwegs. Gut 30% aller verkauften Mazda (Neuwagen) gehen in Privatbesitz. Für das Neuwagen-Geschäft ist dies eine extrem gute Zahl! Es zeigt die Akzeptanz der Marke auf dem dt. Markt.

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[tab title=“Link-Tipps:„]

Mazda 2 – Vorstellung – Link-Empfehlungen:

  • folgen …

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Alle Fotos: Bjoern Habegger
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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

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