Mercedes-AMG GT C Roadster

Video; Jan Gleitsmann für ausfahrt.tv; Text: Bjoern Habegger für mein-auto-blog; Fotos: Dirk Weyhenmeyer für Mercedes-Benz.

Erster Test- und Fahrbericht: Mercedes-AMG GT C Roadster

Einmal mit alles, bitte!

Natürlich, ja, man könnte so einen Fahrbericht über den neuen Mercedes-AMG GT C Roadster nach Schema F abarbeiten. Die Pressemappe neben das Macbook legen, von sinnlicher Klarheit beim Design schreiben, famose Beschleunigungswerte feiern, fabulöse Superlative aus den Finger saugen um auch nur annähernd zu vermitteln wie er sich fährt. Und dennoch, man würde schlicht versagen. Ein Jedermann-Artikel wäre es. Einfach zu schade für die Zeit die ich mit dem neuen Mercedes-AMG GT C Roadster verbringen konnte. Es sollte doch einen Sinn haben, wenn man seine Lebenszeit in Flugzeugen, Flughäfen und Shuttle-Fahrzeugen verplempert, nur damit man sich unter der Sonne Arizonas den Kopf vom 557 PS Roadster verdrehen lässt. Ein paar Stunden Endorphine-Training per Tastendruck in dröge Worte in das Endlosarchiv des Webs tippen? Das wäre wie, den Mad Max Hauptdarsteller in kurzen Hosen und Turnschuhen zum nächsten In’N’Out Burgerladen zu schicken. Verschenkt.

Damit man versteht, welche Meinung ich vom Mercedes-AMG GT habe, muss man zwei Jahre zurückgehen. Damals feierte der Mercedes-AMG GT als Coupé seine Weltpremiere. Die erste Testfahrt führte dann auch noch, als wäre ein echter Sportwagen mit Mercedes-Stern nicht Partyanlass genug, gleich einmal nach Laguna Seca. Eine Rennstrecke mit Charme. Mit Geschichte und dieser einen legendären Kurve. Als Instruktor hatte man, damit man beim “einmal mit alles” nur nichts verpasst, auch gleich noch den Mr. DTM, Bernd Schneider, eingeflogen. Insgesamt wurden es 14 Runden mit dem AMG GT auf der Rennstrecke von Laguna Seca. Bis zu einem Level auf dem dann der DTM-Instruktor sein Funkgerät aus der Hand legte und anfing die Grenzen der Haftreibung zu eruieren. Fabelhaft. Für einen Petrolhead, wie mich, war das damals der Höhepunkt. Der Climax einer ewigen Faszination für alles was “brumm” macht. Was danach kam, musste sich ewig an diesen Runden im neuen GT messen lassen.

Zwei Jahre später wartet nun die Wiedergeburt des Sportwagens, plötzlich ohne Dach, auf eine Testfahrt unter der Sonne Arizonas. Und obwohl Mercedes-AMG nicht nur den “einmal mit alles” nun auch noch mit Sahnhäubchen und Kirsche darüber anbietet. Ebenen einen High-Performance-Sportwagen im Roadster-Kleid, zudem bei der Leistung noch einmal aufsattelt – liegt der Fokus nun dieses Mal nicht auf dem ausloten der physikalischen Grenzen. Es geht um Stil. Um Style. Um das erleben der Elemente. Scherzkekse müssen da in Affalterbach sitzen. Bringen dich über den Teich, setzen dir die maximale Vollfettstufe der Automobil-Lust vor die Nase und sagen dann, vor dem ersten Ritt:

Beachtet bitte die Speedlimits in Arizona. Die Cops sind nicht Kompromissfähig.

Danke auch.

Einmal “alles”, ohne Dach!

Da steht er nun, in Mitten einer unwirklichen Szenerie. Nicht lange zuvor wurde auf genau diesem Schrottplatz “DESERT VALLEY AUTO PARTS” noch Transformers gedreht. Nun steht der in matten Magnograu metallic lackierte Mercedes-AMG GT C Roadster vor dir. Eine Szene aus MAD Max würde nicht weniger realistisch wirken. 557 PS, Allradlenkung, 680 Nm, V8, Front-Mittelmotor und Transaxle-Getriebe. Binnen eines Augen blinzeln bringt er dich hier hinter die Stahlstreben des örtlichen Sheriff-Büros. Also dann eben doch nur die 11 Sekunden nachgezählt, die er braucht um das Stoffverdeck zu öffnen. Knapp geschnitten wie der Bikini von Penelope Cruz spannt sich dieses vom knackigen Arsch zur weit nach hinten gesetzten Frontscheibe. Ein Alibi-Funktion für die schlechten Tage. Eigentlich. Aber ernsthaft. Nur Touristen fahren in Arizona ein Cabriolet im geöffneten Zustand. Das Dach dämmt dank drei Lagen excellent, die Z-Faltung lässt ein wenig Kofferraum übrig und dank einer Magnesium-, Stahl-, Aluminium-Konstruktion ist das ganze Gerippe auch ordentlich leicht – und es schützt dich vor der Sonne.

Konzentration auf das wesentliche: Klimaanlage an, man könnte sich alternativ bei Tempo 316 einen feinen Sonnenbrand holen, bevor man wegen “reckless driving” seine Driver License verliert.  Dann doch lieber der Spielverderber sein, der einen nagelneuen Roadster nur auf dem Parkplatz mit offenen Verdeck fährt und an der ersten Ampel dann die umstehenden Pick-Up Driver, durch 11-Sekunden Reverse-Striptease, davon abhält, das Innere der jüngsten Bestätigung für gesundes Selbstbewusstsein made in Affalterbach, zu verwehren. Das hilft bei der Konzentration auf die völlig unhumoristischen Speed-Limits. Das man jetzt vermutlich genauso schnell in Laguna Seca die 305er Michelin-Sportsocken in den Asphalt massieren könnte, wie damals im geschlossenen Sportler, man glaubt es dem GT C Roadster. Auch bei aktiver Distronic und 65 Meilen Cruising-Tempo. Denn er hat, neben Sonnebrand-Garantie auch den “Leistungs-Dürfschein” erhalten. Und breitere Backen. Das Heck, ja, alleine dieses Heck.

Wer sich nicht in Arizona wähnt, der wird sich über Airscarf und Windschott freuen. Ein Ausflug in die herbstlichen See-Alpen? Dürfte dem Roadster und seiner kompromisslosen Fahrwerksauslegung inklusive Sperrdifferential ebenso gut gefallen.

Zurück zum bloggen:

Für das erfahren eines Benchmark-Automobils bleibt einem im ersten Rundumschlag kaum mehr Zeit, als man sonst auch hat um den jüngsten japanischen Kleinwagen zu “testen”. Willkommen in der “professionellen Welt” der Auto-Journalisten und Livestyle-Welt-Trendsetter. Mit zu viel Benzin im Blut kann das auch zu Frustration führen. Es ist wie Ringelpiez mit einer Auswahl von Victoria-Secret-Modells, aber ohne anfassen. Es ist der Koitus Interruptus wenn du ein offenes 557 PS Hardcore-Performance-Spielzeug nur dafür nutzen sollst, bei Tempo 65 einen Sonnenbrand zu kassieren. Ich glaube dem Affalterbacher-Baby seine Talente. Er wird Beverly-Hills, Santa Monica und das Schwabenland genauso schnell für sich gewinnen, wie sein geschlossener Bruder damals mein Herz in Laguna Seca gewann.

Extra-Danke:

Mein Dank geht deswegen vor allen an Mercedes-Benz. Dort hat man früh das Thema der digitalen Medien ernst genommen, nur deswegen kann ich heute überhaupt über solche Autos schreiben. Und ich habe die Professionalität schätzen gelernt mit der man dort, und auch im Umfeld, arbeitet. Ein explizites Dankeschön geht dieses Mal daher an die Menschen hinter den Kulissen. Dirk Weyhenmeyer ist einer der Fotografen die Mercedes-Benz engagiert um den Journalisten individuelle Erinnerungen und hoch-professionelle Fotos zu ermöglichen. Anstatt auf die Sonnenbrand-Roadtrip-Tour zu gehen, hatte ich mich daher dafür entschieden, die Fahrt mit dem Kollegen und dem “Knipser” zu unternehmen. Entstanden sind diese außerordentlich famosen Fotos auf einem die Endzeit-Phantasie stimulierenden “Schrottplatz”. Mitten zwischen den verendeten Helden der Historie, sticht der  dunkelrot bedachte Roadster heraus, wie Terminator im Seniorenwohnheim.

Mercedes-AMG GT C Roaster, oder der Terminator im Seniorenwohnheim

Die Verschmelzung klassischer “ich will aber nicht bescheiden sein” Ansprüche mit einem der schärfsten Werkzeuge der Sportwagen-Szene hat eine “einmal mit alles, aber doppelt bitte” Variante erschaffen. Nach wenigen Stunden mit dem neuen Mercedes-AMG GT C Roadster ist klar, sollte eines Tagen das jüngste Gericht hereinbrechen, sollte Mad Max einen neuen Dienstwagen benötigen oder sich alle Träume erfüllen, ist dieser magnomettalic mattgraue AMG GT C Roadster mein “Weapon of Choice“.

Alternativ bleibt ja noch die “Nicht C-Version” mit dem Basismotor und “nur” 477 PS. Dann auch ohne die Performance-Hardcore-Zutaten erhältlich. So eine Art, Selbstkasteiung auf dem höchsten denkbaren Level. Da spart man sich dann auch den RACE-Modus und vermutlich wäre man in Arizona nicht langsamer unterwegs zum nächsten Sonnenbrand.

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