Fahrbericht: Mercedes-AMG A 35 4Matic

Mercedes schickt die AMG-Version der neuen A-Klasse ins Rennen. Der AMG 35 4Matic gibt sich mit 225 kW/306 PS deutlich bescheidener als das Vorgängermodell, das mit zuletzt 280 kW/381 PS der Rekordhalter bei den Vierzylinder-Motoren war.

Auf den ersten Blick sieht es nach Abrüstung aus: Das vorläufige Spitzenmodell der A-Klasse kommt natürlich von der Mercedes-Sportabteilung und leistet zu Preisen ab 47.530 Euro als AMG A 35 doch tatsächlich 75 PS weniger als der Vorgänger A 45. Doch gemacht, die leistungshungrigsten unter den Fans des Baby-Benz müssen sich nicht grämen. Der nächste 45er kommt bestimmt und wird dann – warum auch immer – die 400-PS-Marke knacken.

Auf der Querspange des Kühlergrills kündet ein kleiner AMG-Schriftzug vom gehobenem Leistungsniveau

Doch noch ist es nicht soweit, jetzt gehört die Bühne dem „Kleinen“, der sich auf Mallorca für die ersten Testrunden aufhübschte. Durchaus erfreulich dabei, dass das neue Einsteiger-Modell in die AMG-Welt bei einer Tour entlang des „Ballermanns“ nicht durch eine ebensolche Attitüde auf sich aufmerksam machen. Das Blechkleid ist erfreulich glatt, von den Normalos der A-Klasse unterscheidet es sich lediglich durch verkleidete Seitenschweller. Vorne das typische AMG-Gesicht mit den Doppellamellen in der Kühlerverkleidung. Hinten grüßt ein schmaler Heckspoiler an der Dachkante die Überholten. Wer diese Anpresshilfe als zu schmächtig empfindet, kann ein größeres, freistehendes „Bügelbrett“ im Aerodynamik-Paket mitbestellen und ist mal eben um weitere 1.845 Euro ärmer.

Ein kurzer Blick in den Innenraum: Die Sitzbezüge sehen aus wie Leder, doch kein Rind musste dafür sein Leben lassen. „Artico“ nennt sich die täuschend echte Nachbildung aus Mikrofaser. Rote Farbtupfer (z.B. Sitznähte, Gurte oder Umrahmung der Luftdüsen) sorgen im ansonsten dunklen Ambiente für Frische. Natürlich hat auch der AMG das neuartige Anzeigesystem mit den beiden unter einem gemeinsamen Deckglas verknüpften Monitoren übernommen. Neben den vertrauten Anzeigen können auch spezielle AMG-Funktionen abgerufen werden, die dann je nach gewähltem Modus („klassisch“, „sportlich“ oder „Supersport“) verschiedene Stile auf dem Bildschirm erscheinen lassen. Im wildesten Modus ist ein großer Drehzahlmesser das beherrschende Element.

Sportlich, edel und hochmodern: Der Arbeitsplatz im Mercedes-AMG A 35 4Matic

Das macht hungrig auf die Betätigung des Startknopfes rechts neben der Lenksäule. Die auf zwei Liter Hubraum verteilten vier Zylinder beginnen wohlig-flüsternd ihr Werk. Eine automatisch geregelte Klappe im Abgassystem lässt den AMG immer im leisesten Modus anspringen. Die Nachbarn werden es danken. Wenn dann auf freier Strecke eine der sportlichen Variationen gewählt wird, verändert sich die Tonlage. Kein Brüllen wie bei größeren AMG-Boliden, aber trotzdem kraftvoll und erwünscht bollerig, was vor allem in Tunneldurchfahrten zu einer klassischen automobilen Musik mutiert.

Natürlich verlockt all dies, auf den engen Serpentinen, den kurzen Geraden oder den  immer noch und immer mal wieder buckeligen Landstraßen den klammheimlichen Hamilton-Geist aus dem Innersten hervorzulocken. Man mag es in der heutigen Zeit kaum noch zugeben: Der AMG 35 ist ein Spaßmobil, auch dank direkter Lenkung, dem festen Grip dank perfekt geregeltem Allradantrieb und der fein dosierbaren Bremsen, die auf Wunsch auch richtig zupacken. Da vor der weihnachtlichen Touri-Invasion kaum jemand hoch oben in den Bergen unterwegs ist, bleibt auch das schlechte Gewissen im Rahmen.

Ein Allradantrieb verteilt die über 300 Pferdestärken auf alle vier Räder

Doch auch ein AMG wird wieder zur braven A-Klasse, wenn es gemächlicher vorwärts geht. Dank üppiger Durchzugskraft reichen zur gelassenen Inselerkundung die höheren Stufen der 7-Gang-Doppelkupplung. Dann ist auch Zeit, den vielen Assistenzsystemen stressfrei auf den Grund zu gehen. Das automatische Hinterherfahren im Stau, das selbstständige Zurücklenken, wenn die Mittellinie zu nah an das linke Räderpaar gerät oder auch mal das automatische Einparken, das auf dem großen rechten Monitor wie ein YouTube-Video bestaunt werden kann. Bei Dunkelheit macht das „Multibeam-LED“-Licht mit 16 einzeln angesteuerten Segmenten pro Scheinwerfer die Nacht zum Tag, blendet automatisch auf und ab, leuchtet den Straßenrand aus und stellt das Licht selbststätig auf Autobahn, Landstraße oder Stadtverkehr ein, weil es mit dem Navi in Kontakt steht. Kostet allerdings gut 1.500 Euro extra.

Hinten grüßt ein schmaler Heckspoiler an der Dachkante die Überholten

Die vielen Nettigkeiten in der Preisliste lassen den Grundpreis von 47.530 Euro schnell anwachsen, wenn den Überredungskünsten des Verkäufers nicht widerstanden werden kann. Das relativiert sicher die Ansage von Mercedes, mit dem AMG 35 4Matic auch jüngere Zielgruppen anzusprechen, da der „Kleine“ schließlich der günstigste AMG ist. Ein Playmobil mit Alltagstauglichkeit für weit über 50.000 Euro bei etwas gehobener Ausstattung bleibt aber wohl für die große Mehrheit der 30-Jährigen ein kaum erreichbarer Traum.

Mercedes-AMG A 35 – Technische Daten:

Fünftürige, fünfsitzige Limousine, Länge: 4,44 Metern, Breite: 1,80 Meter, Höhe: 1,40 Meter, Radstand: 2,73 Meter, Kofferraumvolumen: 370 – 1.210 Liter

2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, 225 kW/306 PS, maximales Drehmoment: 400 Nm bei 3.000 – 4.000 U/min, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Allradantrieb, Vmax: 250 km/h, 0-100 km/h: 4,7 s, Normverbrauch: 7,4 l/100 km, CO2-Ausstoß: 168 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-temp, Effizienzklasse D

Preis: ab 47.529 Euro

Mercedes-AMG A 35 – Kurzcharakteristik:

  • Warum: Sport, Spaß und ein bisschen Spiel in der Kompaktklasse
  • Warum nicht: dann doch lieber ein Elektroauto fürs bessere Gewissen
  • Was sonst: Audi RS 3 Sportback, BMW M140i oder ein VW Golf GTI Performance

Fetter Luxus – Fahrbericht: Mercedes GLE

Modellwechsel bei dem meistverkauften Mercedes-SUV: Der 2015 von der M-Klasse zum GLE umgetaufte Luxus-Offroader mit Stern startet wieder mit einigen Innovationen in die vierte Generation. Und die haben vor allem das Ziel, den Fahr- und Bedienkomfort weiter zu verbessern.

Mercedes-Benz reklamiert für sich, 1997 mit der Einführung der M-Klasse einen Trend gesetzt zu haben. Den Trend zum Luxus-SUV. Tatsächlich war der Hochbeiner mit Stern, der damals als erstes Modell im neuen US-Werk in Tuscaloosa/Alabama vom Band lief, der Vorreiter für ein Wachstums-Segment, dem viele Nachahmer vom Porsche Cayenne und VW Touareg bis zum Volvo XC90 folgten. Über 20 Jahre und rund zwei Millionen verkaufter Exemplare später – aus der M-Klasse ist 2015 der GLE geworden – soll die vierte Generation des Geländegängers den Ruf als Trendsetter untermauern. Und so erwartet die Kundschaft ab Ende Januar, wenn die Auslieferung des noblen Hochbeiners mit einem Einstiegstarif von 65.807 Euro beginnt, wieder einige Innovationen, die in keinem anderen aktuellen SUV am Markt, egal ob groß oder klein, zu finden sind.

Die Rückleuchten und eine doppelzackige Leuchtgrafik sind ebenfalls neu

Das Outfit wirkt, von einigen Sicken und Kanten befreit, etwas rundlicher. Die Frontpartie trägt das neue Markengesicht. Die Rückleuchten und eine doppelzackige Leuchtgrafik sind ebenfalls neu, aber das Gesamtbild bleibt allein schon wegen der markanten, breiten C-Säule erhalten: Unverkennbar ein Mercedes GLE.

Der Innenraum präsentiert sich dagegen komplett neu. Das aus der A-Klasse bekannte Multimedia-System MBUX (Mercedes-Benz User eXperience) hält im GLE Einzug und erfordert mit seinen beiden hochauflösenden 12,3-Zoll-Displays, die in Breitband-Optik zu einem durchgängigen Bildschirm verbunden sind, ein neues Cockpit-Layout. Das wirkt dennoch irgendwie vertraut und dürfte sich Mercedes-Kunden intuitiv erschließen. Wobei die stilvolle, scheinbar schwebende Instrumententafel mit einer wuchtigen Mittelkonsole kontrastiert, deren Robustheit durch zwei dominante Haltegriffe unterstrichen wird.

Spürbar verbessert haben sich die Platzverhältnisse, besonders für die Passagiere in der zweiten Reihe. Denn der Längenzuwachs der Karosserie um 10,5 Zentimeter auf 4,92 Meter und der um acht Zentimeter vergrößerte Radstand (3,00 Meter) kommen hauptsächlich den Hinterbänklern zugute. Die können sich nun auf einen Meter Beinfreiheit freuen, und selbst groß gewachsenen Zeitgenossen fällt nicht der Himmel auf den Kopf. Als Besonderheit kann eine sechsfach vollelektrisch verstellbare zweite Sitzreihe mit einer Längsverstellung um bis zu 10 Zentimeter geordert werden. Und neben ausreichenden USB-Anschlüssen steht dort sogar eine 230-Volt-Steckdose für Laptops oder ähnliche Gerätschaften optional zur Verfügung.

Die neue Generation ist größer geworden

Das Gepäckvolumen hinter den Rücklehnen ist allerdings auf 630 Liter geschrumpft – ohne verstellbare Rücksitze. Mit dieser Option fasst der verlängerte Laderaum schon mal 825 Liter, und bei umgelegten Rücklehnen, was ebenfalls vollelektrisch vom Kofferraum aus funktioniert, sind es so oder so stattliche 2055 Liter. Alternativ verwandeln zwei auf Wunsch bestellbare, zusätzliche Sitze in der dritten Reihe den GLE auch in einen Siebensitzer. Die Anhängelast liegt bei 2.700 Kilogramm, kann mit Luftfederung aber auf 3,5 Tonnen wie bisher erhöht werden.

So, nun aber hinters Steuer gesetzt und auf Entdeckungstour gehen. Das beginnt bei einer völlig neuen Motoren-Palette mit Acht- und Sechszylinder-Benzinern sowie Vier- und Sechszylinder-Dieseln, von denen zum Marktstart zunächst aber nur zwei Varianten angeboten werden: der Selbstzünder GLE 300d 4Matic mit 180 kW/245 PS, der für 65.807 Euro aktuell das Einstiegsmodell darstellt, und als vorläufig einzige-Variante mit Ottomotor der Reihensechszylinder GLE 450 4Matic mit 270 kW/367 PS zu Preisen ab 72.650 Euro.

Beide Triebwerke beeindrucken mit bester Laufruhe und geringer Geräuschentwicklung, wobei der Vierzylinder-Diesel gar nicht so weit von dem seidenweich laufenden Benziner-Sixpack entfernt ist, wie man das vielleicht erwarten würde. Das 2,0-Liter-Aggregat spurtet in 7,2 Sekunden auf Tempo 100, schafft maximal 225 km/h und besitzt mit 500 Nm schon bei 1600 Touren ausreichend Durchzug, so dass es für ein flottes Vorankommen an nichts mangelt. Natürlich glänzt der die Euro-6d-temp-Norm erfüllende Motor vor allem beim Verbrauch. Dem kaum erreichbaren Normwert (nach NEFZ) von 6,1 l/100 km Diesel stand bei ersten Testrunden rund um San Antonio/Texas immerhin ein Wert deutlich unter acht Litern gegenüber.

Der Innenraum präsentiert sich komplett neu

Technisch interessanter ist zweifellos der GLE 450 4Matic, dessen Sechszylinder-Triebwerk mit einem 48-Volt-Bordnetz elektrifiziert ist. Der Mercedes-Offroader wird damit zum „Mild-Hybrid“, bei dem ein Integrierter Starter-Generator Hybridfunktionen wie Boosten oder Rekuperieren übernimmt. Im ersten Fall bedeutet dies, dass das mit 270 kW/367 PS und 500 Nm Drehmoment bereits ordentlich bestückte Power-Sixpack noch einmal zusätzliche 16 kW/22 PS und weitere 250 Nm Drehmoment abrufen kann, im anderen Fall reduziert dies den Verbrauch. Die Normwerte liegen zwischen 8,3 und 9,4 Liter Super, unser Bordcomputer zeigte einen Wert knapp über 10 Liter an.

Auf der 48-Bord-Technologie baut auch eine der beiden Weltneuheiten im GLE auf: das elektrohydraulische Fahrwerk E-Active Body Control (E-ABC), das 7.735 Euro Aufpreis kostet und zwingend mit der ebenfalls optionalen Luftfederung (Airmatic) kombiniert werden muss. Als einziges System am Markt vermag es mittels einer elektrischen Hydraulikpumpe die Feder- und Dämpferkräfte an jedem einzelnen Rad individuell zu regeln. In Verbindung mit einem Oberflächenscanner (Road Surface Scan) und der Kurvenneigefunktion „Curve“ wird der ohnehin schon hohe Fahrkomfort damit ein weiteres Quäntchen verbessert. Seitenneigung in Kurven ist kaum mehr wahrnehmbar, und Nick- und Hubbewegungen versucht das Fahrwerk mit Hilfe des Scanners weitgehend auszubügeln. Auf langen Bodenwellen Funktioniert das besser als bei kurzen Fahrbahnstößen.

Doch das E-ABC sorgt nicht nur verbesserten Onroad-Komfort, sondern auch für ausgezeichnete Gelände-Qualitäten. Besonders spektakulär dabei – in Verbindung mit dem Offroad-Paket Plus – der sogenannte Freifahrmodus, mit dem sich der GLE selbst aus schwierigsten Situationen befreien kann. Wer etwa mit allen vier Rädern tief im Sand steckt, wird durch ein „hüpfendes“ Fahrwerk Stück für Stück wieder in die Freiheit befördert.

Zwei Motoren stehen zum Start zur Wahl

Das Multimedia-System MBUX wird im GLE um den „Interieur Assist“ erweitert. Eine Kamera in der Dachbedieneinheit dient als Annäherungssensor, der bei Handbewegungen die Absicht des Fahrers oder Beifahrers erkennt, Anzeigen im Media-Display ändert, Menüpunkte auf dem Touchscreen hervorhebt oder automatisch die Leseleuchte anschaltet, wenn der Fahrer nach einem Gegenstand rechts auf dem unbesetzten Beifahrerplatz greift. Angeboten wird der Assistent aber ausschließlich im MBUX-Gesamtpaket für 1.722 Euro extra.

Der Stau-Assistent erkennt bei dank Echtzeit-Verkehrsinformationen schon vor dem Fahrer, wo der Verkehr stockt, und reduziert schon mal vorsorglich die Geschwindigkeit, um auf ein Abbremsen vorbereitet zu sein. Und der aktive Lenk-Assistent weiß, wo sich das Fahrzeug auf mehrspurigen Autobahnen befindet und orientiert sich beim Stau rettungsgassengemäß an den vorhandenen Spurmarkierungen. Der Anhängerrangier-Assistent erleichtert bei Bedarf ungeübten Gespannfahrern das Rückwärtsmanovrieren.

Über Sinn und Unsinn eines „Energizing Coaches“, der auf den Fahrer zugeschnittene, persönliche Wohlfühlprogramme bis hin zu speziellen Einstellungen der Massagesitze empfiehlt, mag man ja zu Recht streiten. Das noch höher auflösende Head-Up-Display, das ein auf 45×15 Zentimeter vergrößertes, vollfarbiges Bild in die Frontscheibe einblendet, ist ein echter Gewinn.

Zauberhand im hüpfenden Offroader

Das große Mercedes-SUV GLE fährt zum Verkaufsstart Ende Januar mit technischen Neuheiten vor: einem Fahrwerk, das sich in die Kurve legt, und einem Multimedia-System, das sich auf künstliche Intelligenz stützt.

Mehr als 30 Assistenzsysteme stehen dem Mercedes-Kunden mittlerweile zur Auswahl, mit jedem Modellwechsel kommen weitere hinzu. So auch mit der vierten Generation des Mercedes GLE, die Ende Januar an den Start geht. Die beiden Weltneuheiten, das elektronisch geregelte Fahrwerk „E-Active Body Control“ und der Innenraum-Assistent als Ergänzung zum Multimedia-System MBUX, sind allerdings im Grundpreis ab 65.807 Euro nicht enthalten.

Mit einem Obolus von 7.735 Euro ist die neue Body Control einer der teuersten Einzelposten in der Aufpreisliste des SUV der oberen Mittelklasse. Sie ist zweifellos aber auch ein technisches Highlight. Versorgt von einem 48-Volt-Bordnetz – deshalb „E-Active“ – vermag das Fahrwerk mittels einer elektrischen Hydraulikpumpe die Feder- und Dämpferkräfte an jedem einzelnen Rad individuell zu regeln. Das demonstrierten die Daimler-Entwickler durchaus eindrucksvoll und verspielt mit einem zu rhythmischen Klängen „tanzenden“ Offroader. In der Praxis beschert die Neuheit der Kundschaft ein höheres Komfortniveau.

So gleicht das elektronische, stets mit Luftfederung kombinierte Fahrwerk dank eines Oberflächenscanners wie schon das Vorgänger-System weiterhin Bodenwellen aus, legt sich im Fahrprogramm Curve aber zudem wie ein Motorradfahrer in die Kurve (bis zu drei Grad) und sorgt damit für einen besseren Niveauausgleich. Noch effektvoller ist der sogenannte Freifahrmodus, mit dem sich der GLE aus schwierigen Offroad-Situationen befreien kann. Wer mit allen vier Rädern tief im Sand steckt, wird durch ein „hüpfendes“ Fahrwerk Stück für Stück wieder in die Freiheit befördert. Zumindest bei gelegentlichen Fahrten in die Wüste ist das sehr hilfreich.

Das Multimedia-System MBUX (Mercedes-Benz User eXperience), das die Stuttgarter zuerst in der A-Klasse eingeführt und für das sie viel Lob eingeheimst haben, kommt jetzt auch beim M-Klasse-Nachfolger GLE zum Einsatz – erweitert um den neuen „Interieur Assist“. Er soll „mit seiner Lernfähigkeit dank künstlicher Intelligenz“ (O-Ton Daimler) den Bedienkomfort weiter erhöhen. Eine Kamera in der Dachbedieneinheit erkennt, wenn sich eine Hand dem 12,3-Zoll-Touchscreen oder dem Touchpad auf der Mittelkonsole nähert, und ändert die Anzeige im Media-Display, hebt die gewünschten Menüpunkte hervor.

Das funktioniert so präzise, das sogar die Hand des Fahrers von der des Beifahrers unterschieden wird, und so etwa erkannt wird, für welchen Sitz beispielsweise die Massagefunktion aktiviert werden soll. Außerdem lassen sich die Leseleuchten an der Unterseite des Innenspiegels durch Annähern der Hand ein- und ausschalten. Und wenn der Fahrer nach einem Gegenstand rechts auf dem unbesetzten Beifahrerplatz greift, leuchtet die Innenbeleuchtung automatisch dorthin. Fahrer und Beifahrer können jeweils auch eine persönliche Favoritenfunktion – zum Beispiel die Navigation nach Hause – einstellen, die mit einer Handgeste (Victory-Zeichen) sofort gestartet wird.

Der Aufpreis für den Innenraum-Assistenten soll rund 300 Euro betragen. Allerdings wird diese Neuheit in Deutschland ausschließlich im MBUX-Gesamtpaket für 1.722 Euro angeboten. Im Gegensatz zur E-Active Body Control, die optional zunächst nur für den GLE-Benziner 450 4Matic (ab 72.650 Euro) zu haben ist, kann das erweiterte Multimedia-System auch im GLE 300d 4Matic geordert werden.

Erste Fahrt: Mercedes-AMG GT 63s 4matic+ 4-Türer Coupé

Früher waren die Dinge mal ganz einfach. Porsche baute Sportwagen, Mercedes-Benz baute Limousinen und Luxus-Limousinen. Aber irgendwann brach das klassische Weltbild zusammen. Wer daran Schuld trägt? Keine Ahnung, aber das Ergebnis ist eindeutig. Bei Porsche verkaufen sich heute die SUV besser als die klassischen Sportwagen, zumindest tragen diese weniger zum Gesamt-Ergebnis bei. Und bei Mercedes-Benz? Da hat man AMG zu Mercedes-AMG geadelt und baut seit einiger Zeit veritable PS-Granaten, die nicht mehr nur geradeaus schnell sind. Und das jetzt auch noch für die ganze Familie. GT kultiviert.

Eine schrecklich schnelle Familie

Erste Fahrt im neuen Mercedes-AMG GT Viertürer

Sportwagen für die ganze Familie – braucht niemand, wird sich aber verkaufen

Einst war der Porsche Panamera ein Außenseiter. Ein ungewünschtes Kind in der Porsche-Familie. Und doch, er verkaufte sich prima. Nicht unbedingt in Wanne-Eickel und Stuttgart-Feuerbach, aber rund um die Welt. Das Prestige der Sportwagen-Marke, die Power eines Sportwagens, die Fahrfreude eines Sportwagens und der Platz einer Limousine – so müssen moderne GTs gestrickt werden. Das hat auch Mercedes-AMG verstanden und präsentiert den Mercedes-AMG GT 4-Türer. Ja, so wenig attraktiv ist der Name wirklich. Aber es bleibt nur bei diesem Makel, über den man als Panamera-Fahrer lächeln könnte. Ansonsten dürfte Noch-Porsche Kunden das Lachen im Gesicht einfrieren. Denn das „GT 4-Door Coupé“ präsentiert sich als AMG GT auf Basis einer rezeptpflichtigen Anabolika-Kur. Doch auch wenn der Name es nahe legt und die Optik eines gedopten russischen Zehnkämpfers unter dem matten Lack steckt, der AMG GT 4-Door hat mit dem „Originalen GT“ nicht viel mehr gemein als den Panamericana-Grill und den Willen zur absoluten PS-Protzerei.

GT sind doch nur zwei Buchstaben

Sehr cool, sowohl im Vergleich zum Mercedes-AMG GT – dem Zweitürer – als auch im Vergleich zum Zuffenhausener Gegner, den neuen Mercedes-AMG GT 4-Türer wird es von Anfang mit einer spannenden Bandbreite an Motoren geben. Und keiner davon, nicht einmal die Einstiegsmotorisierung, ist ein langweiliger V6. Nagelneue Reihensechszylinder, mit Turboaufladung und Hybrid-Boost, sind die Basis und ganz oben steht ein V8-Bi-turbo, der noch mehr Bumms hat als der GT R – der schärfste GT, den Mercedes-AMG bislang zu bieten hat. Da will man glatt vergessen, wie weit Viertürer und Zweitürer voneinander entfernt sind, betrachtet man deren technische Basis.

Während der Zweitürer als Transaxle-Hardcore-Sportler die Gene einer Kleinserie in sich trägt, hat der Viertürer die Allerwelts-DNA von Mercedes C-, E-, und S-Klasse. Man nennt es MRA (Mercedes Modular Rear Architectur) und muss deswegen dennoch nicht den Geist des GT verneinen. Doch ist der GT Viertürer damit nur ein CLS von AMG? Nein. Denn Mercedes-AMG griff für den Viertürer tiefer in die Trickkiste als dies üblich ist.

Die Karosserie wurde nicht nur an den „üblichen Stellen“ versteift, wie zwischen den Domen, sie wurde gänzlich neu berechnet. Drei Verstrebungen unterhalt des Kardantunnels versteifen die Bodenstruktur, neuartige Dome aus dicken Aluminiumbauteilen versteifen nicht nur deren Platz, sondern senken auch strukturell die Verteilung der Gewichtsbalance. Eine neuartige Unterbodenverkleidung aus massiven Materialien lässt den Motorträger steifer werden. Streben zwischen Fahrschemel, Achsen und Schwellern bilden auch hier steife Verbindungen, eine Reserveradmulde und eine optionale Rückbankverstrebung aus Carbon senken das Gewicht und steigern die Stabilität der gesamten Struktur im Heck. Dazu gibt es neue Achsschemel, eine breitere Spur, beim 63s in Serie eine aktive Hinterachslenkung und auch einen 4matic+ Antrieb, der betont die Hinterachse überfallen will. Damit lässt sich der Stammbaum des GT 4-Türers nicht verleugnen, aber doch an dessen Talenten weiter feilen.

So geht Turbo

Es muss nicht unbedingt ein GT 63s sein. Sicher. Dessen Vierliter-Hot V V8 ist die aktuelle Endstufe auf der Skala der motorischen Geilheiten, aber – rein preislich liegt der eben auch schon fast bei 170.000 € – dem Gegenwert eines kleinen Eigenheims. Gut, dass man mit dem GT 43 auch deutlich tiefer – ab 95.000 € – einsteigen kann. Nein, von Schnäppchen hat niemand gesprochen.

Die Sechszylinder-Varianten GT 43 und GT 53 sind mit 367 PS (+22 PS) und 435 PS (+22 PS) ganz sicher keine Kastrations-Lösungen. Gerade für den Alltag als Autobahn-Schnellverkehrslösung sind diese modernen 3.0 Liter Triebwerke mit 48 Volt-Bordnetz und den 22 PS starken integrierten E-Motoren eine echte Alternative. Zumal alle Triebwerke in Serie mit einem 9-Gang Getriebe kommen und nur die „kleinen“ R6 einen Wandler bekommen – dem Komfort dürfte das gut tun. Die fetten Endstufen 63 und 63s sind mit 585 und 639 PS derart gut im Futter, dass deren Triebwerke per nasser Anfahrkupplung an das 9-Gang Getriebe gekoppelt werden. Die bis zu 900 Nm des 63s lassen jeden Zweifel an der Machtstellung des Triebwerks vergessen.

Kino-Kirmes-Kinkerlitzchen

Natürlich kann man es, gerade mit dem AMG GT 63s 4-Türer, ganz hervorragend auf einer Rennstrecke krachen lassen. Muss man aber gar nicht. Dank Widescreen-Cockpit und den beiden riesigen 12,3″ TFT-Screens im Cockpit (Serie beim 63er), wirkt der AMG GT 4-Türer im Inneren erst einmal wie seine Brüder aus der E-, S-, und CLS-Baureihe und ebenso wie in diesen lässt es sich wunderbar genüßlich gondeln, unterstützt durch das derzeit modernste Paket an Assistenzsystemen. Unterhalten von der famosen Burmester-Soundanlage, die jeden Zweifel über die Frage nach dem Sinn davon bläst.

Im Innenraum versprüht der Viertürer GT deutlich mehr Eleganz und Sportlichkeit als der ach so ähnliche CLS. Doch den GT 4-Türer gibt es nicht nur mit mehr Kopffreiheit, sondern auch mit der Option auf drei unterschiedliche Rücksitzbank-Layouts. Als 2+2+1 Sitzer, nein, ein Fünfsitzer wird auch mit durchgehender Rücksitzbank nicht aus dem GT 4-Türer, als 2+2 Sitzer mit Cupholdern oder als 2+2 Sitzer mit High-End Mittelkonsole auch in der Reihe zwei.

Überhaupt. Diese Mittelkonsole. Massiv zwängt sie sich zwischen Fahrer und Beifahrer, will lauthals die Idee des AMG GT in den Viertürer tragen und wird doch nur für ein halbes Dutzend Taster mit klitzekleinen TFT-Monitörchen benötigt.

Zeit, in Stuttgart-Zuffenhausen die Uhren neu zu stellen …

Die 435 Liter Kofferraumvolumen sind sicherlich nicht das größte Argument, auch die Idee mit der Fließheckklappe anstelle des Kofferraumdeckels ist zwar praktisch, aber kein Killerargument. Und dennoch, die Mischung macht es einfach. Der AMG GT 4-Türer ist auf Anhieb eine ganze Nummer spannender als der Porsche Panamera. Optisch mag man diskutieren, aber das ging uns beim Panamera damals auch nicht anders. Technisch ist Mercedes-AMG jedoch auf Anhieb das überzeugendere Paket gelungen.

Mercedes-AMG GT 63s 4matic+ 4-Türer

Verkaufsstart:  sofort
Basispreis:  167.017,00 €
Motorleistung:  3.982 ccm³
Antrieb und Getriebe:  9-Gangautomatik nasse Anfahrkupplung
Beschleunigung:  3.2 Sekunden von 0-100 km/h
Normverbrauch:  11,3 Liter auf 100 km
Höchstgeschwindigkeit:  315 km/h
Länge, Breite, Höhe, Radstand 5,05m, 1,87m, 1,44m, 2,95m

Galerie

Alle Fotos: Mercedes-Benz

Eine schrecklich schnelle Familie -Mercedes-AMG GT 63s Viertürer

Erste Kurve, Turn 1, oben auf dem höchsten Punkt der Rennstrecke – hartes Anbremsen den Berg hinauf, zusammen stauchen aus Tempo 220 – die Michelin Pilot Sport 4S krallen sich in den Asphalt, die Luftfeder tut ihr bestes, den Wagen nicht völlig in den Asphalt verschwinden zu lassen – Umsetzen am Lenkrad, erst einmal blind, die Strecke fällt atemberaubend ab, sofort früh vom rechten Rand zurück nach links für den folgenden Turn 2 – eine schnelle, leicht hängende Rechtskurve. Sensibel, aber nachdrücklich am Gas, vor mir enteilt der AMG GT R des Instruktors mit Meilenschritten –  bellt dabei aggressiv seinen zornigen V8-Evergreen in den bedeckten texanischen Himmel. Dran bleiben, lautete die Tages-Parole. Wieder einmal. Wie damals bei der Premiere des AMG GT – sitzt da vorne am Steuer einer, der fünf Mal die DTM-Meisterschaft  und einmal die GT-Weltmeisterschaft gewonnen hat. Bernd Schneider, Mister DTM himself. Wie vor 4 Jahren. Damals war es der Zweisitzer GT von Mercedes-AMG, nun hockt der Autor pressgepasst im vierten von AMG selbst entwickelten Modell – dem Viertürer – oder wie wir hier bei AUTOHUB sagen, dem Panamera-Killer.

War es damals ein Traum, erstmalig in Laguna Seca fahren zu können, passt die Rennstrecke, auf der wir uns mit dem Mercedes-AMG GT 63s 4-Türer Coupé wiederfinden, viel besser zum Charakter des stärksten Serien-AMG aller Zeiten. Der Circuit of the Americas ist die aktuelle Formel 1 Rennstrecke der USA und bietet weitläufige Auslaufzonen. Der Gedanke daran hilft – während der AMG GT R des Instruktors die Pace anzieht. Es bleibt Raum für Fehler. Für Fehler des Fahrers.

Eine schrecklich schnelle Familie

Mercedes-AMG GT63s 4-Türer Coupé im Fahrbericht

Während wir damals in Laguna Seca Waffengleichheit hatten – Bernd Schneider saß im gleichen Modell wie die unerfahrenen Journalisten – beißt sich dieses Mal die schärfste Ausbaustufe der Mercedes-AMG GT Familie, der R – vor der Journalisten-Horde in die Teerdecke der fulminanten Rennstrecke. Dahinter, der „fette Bruder“ – ein Bruder im Geiste – oder auch ein Bruder mit neuen Genen. Anderen Genen. Nicht schlechter, aber anders. Die Anforderung, einen – mindestens – ebenbürtigen Gegner zum Porsche Panamera formen zu wollen, forderte einen Griff in die „Trickkisten des Konzerns“. Natürlich hat der neue GT 4-Türer eine enge Verwandtschaft zum Mercedes CLS – aber, um im Familien-Bild zu bleiben, es ist doch eher eine Patchwork-Familie und er damit weniger ein Zwilling des CLS.

Die (modulare) „Mercedes Rear Architecture“ bildet die Basis, auf der sich die Techniker von AMG austoben durften. Massive Versteifungen, Verstrebungen, an die zuvor niemand gedacht hatte und Leichtbau-Ideen,die man üblicherweise nicht für die Großserie verwenden würde. Es ist eben kein CLS 63 AMG, den man auf die Räder gestellt hat. Wenngleich der 4-Türer natürlich nicht das Tansaxle-Getriebe des AMG GT bekam, so teilen sich beide doch wenigstens den sportlichen Geist hinter der Idee eines Rennstrecken tauglichen Racers. Dieses Mal eben mit dem Platz für Vier.

Circuit of the Americas

COTA ist derzeit die einzige Rennstrecke, auf der man in den USA die Formel 1 erleben kann. Seit 2012 findet hier der  USA GP statt. Der Kurs ist 5,5 km lang und umfasst 20 Kurven und einen Höhenunterschied von 40 Metern.

Während der Ausfahrt aus der Boxengasse erklimmt man den höchsten Punkt der Strecke und Turn 1. Die Kurven hier sind alle nummeriert. Mangels einer Historie, muss man sich hier nicht vor einer Cork-Screw fürchten, sondern primär vor den Kurven 3, 4, 5 und 6. Ähnlich den Asses in Suzuku sind Turn 3 bis 6 schnelle Wechselkurven, die jedoch, ausgehend vom schnellen Rechtsknick in Turn 2, einen behutsamen Umgang mit Gas und Bremse fordern. Dass der neue GT 4-Türer schwerer und unhandlicher als der GT R ist, hier spürt man es zum ersten Mal. Doch spätestens aus Turn 9 heraus, unter Volllast des 639 PS starken V8 schnaubend, schnupft man sich gefühlvoll an den GT R heran. Turn 10 ist ein ultraschneller Links-Knick, den man voll fährt. Bis zur Anbremszone der Haarnadelkurve Turn 11, die ein wenig an die Kehre in Hockenheim erinnert, hat man den zuvor eingefangenen Rückstand aufgeholt.

Die blinkenden Rücklichter am GT R des Instruktors zeigen, hier wird nicht herum gespielt, der große Bruder des GT R meint es ernst. Später Scheitelpunkt, früh am Gas. Kurz wischt das Heck im ESP-OFF Mode, sofort verteilt der voll variable Allradantrieb Leistung nach vorne – das elektronisch geregelte Sperrdifferential, Serie im GT 63s 4-Door, erfüllt seinen Zweck, vergeudet keine Antriebsmomente in blauen Rauch am überforderten inneren Rad, leicht die Lenkung geöffnet und der Viertürer katapultiert sich unter dem Druck seiner 900 Nm nach vorne.

Das von Mercedes-AMG mit einer nassen Anfahrkupplung versehene 9-Gang Getriebe ballert, einem Maschinengewehr nicht unähnlich, die Gänge durch. Im RACE-Mode versteckt sich der 4-Türer hinter keiner Komfort-Fassade mehr, er nimmt dich gefangen und du wirst zum Spielball der G-Kräfte. Am Ende der fast 1.5 km langen Geraden zwischen Turn 11 und 12 stehen mehr als 250 km/h auf dem Tacho, ohne Gnade beißt die 6-Kolben Keramikbremsanlage wieder zu. Ohne Gnade zieht es dir unter dem Helm die Backen lang.

315 km/h – nicht auf der Rennstrecke

Dass der Viertürer GT sich auf der Rennstrecke nicht so wohl fühlt wie sein leichterer Bruder GT R liegt nicht an ihm, sondern einzig am Maßstab. Wer versucht, einem „Mr. DTM“ in einem 585 PS starken Transaxle-Sportler mit Semi-Slicks zu folgen, dem reichen auch der Leistungsvorsprung von mehr als 50 PS und 200 Nm nicht. Dass der GT Viertürer mit der Allradlenkung des GT R in Serie kommt, lässt ihn handlicher wirken, als es seine Größe vermuten lassen würde. Die rund 400 Kilogramm Übergewicht im Vergleich mit dem Hardcore-Sportler der Affalterbacher rücken die Verhältnisse aber wieder gerade. Der Viertürer ist ein GT, aber eben kein GT R.

Vier Runden müssen reichen für das persönliche Erfolgserlebnis

Von der AMG-Ridecontrol +, aktiven Motorlagern, Zylinderabschaltung und der standesgemäßen Folklore des Stammes der AMG, der GT Viertürer bietet vieles und erfüllt höchste Ansprüche. Doch eines kann man auch in Affalterbach nicht aushebeln, die Physik. Wer über 2 Tonnen über die Rennstrecke wirft, der muss seinen Reifen zuhören. Für den Autor waren die Lockrufe des vorauseilenden Bernd Schneider zu laut – das Wimmern der Vorderreifen nicht laut genug. Die ausgewogene Balance des GT Viertürers lässt unsachliche Kurven-Geschwindigkeiten zu. Doch wer zu schnell in die Kurve geht, der tut dies auf Lasten der Vorderachse – langsamer rein, in einem kontrollierten Drift über alle vier Räder raus. Das wäre dann für alle Reifen gleich wenigstens gleich übel gewesen. So gewinnt, wieder einmal, Bernd Schneider. Und der AMG GT Viertürer.

Alle Fotos: Mercedes-Benz

Weltpremiere Mercedes-EQC – Ja, so kompliziert ist es!

Abseits der Headlines vom „Tesla-Jäger„, dem „ersten BEV-SUV aus Stuttgart“ und vielem anderen Blödsinn, lohnt sich ein Blick auf den neuen Mercedes-EQ EQC, denn er ist, mit viel Tamtam enthüllt, doch nur eine Blendgranate.

Wie verunsichert man in Stuttgart ist, zeigt nicht nur die Namenswahl des vermeintlichen Heilsbringers. Am 4. September will der Daimler-Konzern mit seiner neu geschaffenen Elektro-Marke „Mercedes-EQ“ den Kick-Off in eine nicht weniger als „revolutionäre“ neue E-Mobilität eingeleitet haben. Doch liebe Mercedes-PR, nach dem Fiasko um die Abgas-Manipulationen bei hunderttausenden Motoren ist die Premiere des eiligst auf die Räder gestellten EQC dennoch nur eine Blendgranate.

Weltpremiere des neuen Mercedes-Benz EQC in Stockholm: Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars, präsentiert den neuen Mercedes-Benz EQC 400 4MATIC.

Tesla agiert, der Rest reagiert

Dieter Zetsche dürfte der charismatischste Auto-Boss der aktuellen Neuzeit sein, kein anderer hat in dieser Branche so viel Erfolg zu verantworten, wie der in Turnschuhen auftretende Konzern-Boss. Charismatisch, wie gewohnt, auch seine Ankündigungen zum neuen Mercedes-EQ EQC (ernsthaft! Edit: „nur EQC“) – und dennoch, dieses Mal war zu bemerken, es ist das Charisma, das überzeugender wirkt als die Fakten, die man nun endlich geschaffen haben will. Dabei ist das Fiasko, auf das man reagiert, Haus gemacht. Noch bevor die ganze Tiefe und Härte des Abgas-Skandals aufgedeckt wurde und Zetsche ausdrücklich davon sprach, kein Teil des Volkswagen-Dieselskandals zu sein, hatte man sich vom E-Auto Pionier Tesla getrennt. Nicht ohne, ganz der charismatische Profi zu sein, einige Komplimente nach Kalifornien zu schicken.

Der neue Mercedes-Benz ECQ

Der Erfinder des Automobils agiert halbherzig und langsam

Laut und mit viel Getöse verkündet Mercedes-Benz von einer Zeitenwende. Der Schalter wird „nun“ umgelegt, und mit dem EQC wird „nun endlich“ das elektrische Zeitalter der E-Mobilität eingeläutet. Und in der Tat, was da in Stockholm, in einer ehemaligen Automobil-Fabrik, vor mehr als 500 geladenen Presse-Vertretern enthüllt wurde, mag auf den ersten Blick gefallen und beeindrucken. Weltpremiere des ersten BEV-SUV aus Stuttgart. Gebaut auf den gleichen Bändern, auf denen der Organ-Spender Mercedes-Benz GLC gefertigt wird.

Ein SUV des gehobenen Premium-Segmentes. Keine ausufernden Design-Experimente, nur viel Kosmetik nach aktueller Art des Hauses. Ein Zentralstern im bündig abschließenden Kühlergrill, große verschlossene Flächen, eine neue Leuchten-Signatur, die Handschrift der Automobil-Designer der langweiligen Neuzeit. Und natürlich lässt sich Mercedes-Benz, wenn man schon nicht als erstes einen „Serien-Tesla-Fighter“ präsentiert – schließlich war nicht nur die Premium-Tochter der Dieselskandal-Verantwortlichen Volkswagen schneller, sondern auch eine Tochter des indischen TATA-Konzerns – bei den technischen Daten und Details nicht lumpen!

408 PS – 765 Nm – 80 kWh Batterie – 450 km Reichweite

Und 180 km/h schnell. Man kann die Besitzer eines GLC 250d förmlich verächtlich schnaufen hören. 180 km/h sind im „Land der Autobahn“ ein Armutszeugnis. Es kommt einem rasierten Dieter Zetsche gleich. Stellen Sie sich den charismatischen Daimler-Boss ohne seinen Oberlippenbart vor.

Der EQC wird die aktuelle Technik des Konzerns zusammenfassen und eine Benchmark im Bereich User-Experience darstellen, dafür alleine werden MBUX und das Layout im Cockpit sorgen, ansonsten sind nicht nur die „bis zu 110 kW Ladefähigkeit (CCS)“ ein Armutszeugnis, sondern auch die mangelnden Onboard-Schnelllader nach Vorbild anderer Hersteller. Ernsthaft, geht es nach dem Erfinder des Automobils, sollen zuhause 7,4 kW/h ausreichen.

Der GLC ED, pardon, der EQC ist – rein technologisch –  eine Bastelbude, für die man andere Hersteller verhöhnen würde. Die Tatsache,  dass die gesamte E-Technik des Fahrzeuges auf dem gleichen Montageband eingebaut wird, auf dem auch konventionelle GLC-Verbrenner montiert werden, spricht nicht für Erfindergeist bei der Fertigung, sondern für einen Schnellschuss der Modellpolitik.

Mercedes-EQ – vom mangelnden Mut

Bereits BMW hatte vor mehr als 5 Jahren den Fehler begangen, die eigenen Innovationen in einem anderen Garten zu verstecken. Wenn der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, dann ist das „Parken“ von Innovationsgeist und unternehmerischen Mutes unter einem „Sub-Brand“ so etwas wie das eilig neu eingezäunte Kleingärtner-Reich vor der Apfel-Ernte. Dass sich Mercedes-Benz keinen Gefallen mit der Schaffenskraft ganzer „new-speak innovater“ tut, mag bereits beim „Magic Vision Control“ negativ aufgefallen sein. Aber irgendwo muss das zuvor in der Entwicklung eingesparte Budget hingehen. So geht es in das Marketing. Und heraus kommt ein Mercedes-EQ EQC.

Manchmal möchte man einfach nur den eigenen Kopf mit Anlauf auf die Tischplatte knallen.

Die vertane Chance – Zusammengefasst

Smart ED, Mercedes-Benz B-Klasse ED und auch Mercedes-AMG SLS ED. Mercedes-Benz war bereits elektrisch. Oft genug. Und der nun vorgestellte GLC ED – sorry EQC – ist eine unverständliche Augenwischerei und ein unerfreuliches Zeichen für eine mangelnde Courage beim Erfinder des Automobils. Natürlich arbeitet man auch in Stuttgart an einer „Plattform-Technik“ für die Elektromobilität, aber auch diese wird nicht mehr in 2019 in Großserie gehen.

Der Mercedes-Benz unter den Elektrofahrzeugen?

Es werden viele Worte bemüht, um vom eigentlichen Kern des Problems abzulenken. Der Mercedes- EQ EQC mag innovativ erscheinen. Das gestern in Stockholm präsentierte Fahrzeug verkörpert, gestaltet als „benutzte Seife“, den aktuellen Stand der Verwirrung und Unsicherheit in der Automobil-Industrie. Innovationsgeist wird in neu gegründete Marken ausgegliedert und technische Innovationen basieren auf kostenpolitischen Kompromisslösungen. Ob das reicht?

Edit / Nachtrag: Mercedes-Benz hat sich gemeldet und etwas richtig gestellt. Es ist nicht Mercedes-EQ EQC, sondern einfach nur Mercedes-Benz EQC. Denn EQ ist eine Technologie- und Produktmarke und keine Sub-Marke! Mea culpa. Mein Fehler. Desweiteren liegt es Mercedes am Herzen, darauf hinzuweisen, dass 85% des EQC neu sind, verglichen mit dem GLC und es sich eben nicht um einen GLC ED handelt.

 

Wem dieser Text zur Weltpremiere des Mercedes-EQC zu kritisch ist, der kann sich unter nachfolgenden Links  klassische Weltpremiere-Artikel durchlesen:

Bosch und Daimler geben autonom Gas!

Wenn Bosch und Daimler gemeinsame Sache machen, muss man nicht zwangsläufig den nächsten Diesel-Skandal vorahnen. Ganz im Gegenteil: Die beiden deutschen Industrie-Riesen kooperieren beim automatisierten Fahren und wollen eine Metropole im Silicon Valley unsicher machen. Wobei unsicher eigentlich der falsche Ausdruck ist. Schließlich soll das automatisierte Fahren, also Level 5, ein hohes Maß an Komfort und – ganz genau – Sicherheit bringen. Gleichzeitig spricht die Bosch-Daimler Kooperation aber eine Kampfansage an Waymo und Uber aus. 

„Alfred, zur Bat-Höhle!“

Was Bruce Wayne einst zu seinem Chauffeur sagte, soll auch bald ohne Personal möglich sein. In der zweiten Jahres 2019 forciert man zunächst eine Verknüpfung von verschiedenen Fahrdiensten, wie Car2go, moovel und anderen. Mit ihnen wird ein Testbetrieb simuliert, der zeigen soll, wie vollautomatisierte, fahrerlose Fahrzeuge in ein aktuelles Verkehrsnetz integriert werden können. Das Testgebiet? Eine Metropole in Californien. Wichtig hierbei: Verkehrszenarien, wie sie sich in typischen Stadtgebieten abspielen.

So seh´n Sensoren aus – schalalal…

Und Bruce Wayne? Nun, der steigt demnächst in ein von Bosch und Damiler konzipiertes Fahrzeug und erzählt dem Computer, dass er zu Bat-Höhle möchte. Das soll auch jeder andere Fahrgast können – dafür muss man nun wirklich nicht Batman sein. Dabei spielt Technik-Zulieferer Nvidia eine wichtige Rolle, da jener die künstliche Intelligenz, die hinter dem System steckt, entwickelt. Das Fahrzeug auf Level 5-Niveau soll per Smartphone geordert werden können. Vorstellbar sind verschiedene Szenarien: Etwa die Nutzung eines Car-Sharing-Autos oder eines Taxis. Nur eben mit dem Unterschied, dass man nicht selbst fährt, sondern wie von Geisterhand durch die Gegend kutschiert wird.

Ohne Fleiß kein Preis

Dahinter verbirgt sich natürlich ein riesiger Datenaufwand, der durch die Auswertung unzähliger Sensor-Daten entsteht. Autonome Fahrzeuge erkennen alles um sie herum – im Optimalfall, nicht wahr Tesla? Und aus diesen Daten, die die verschiedenen Sensoren aufnehmen, muss im Millisekunden-Bereich die Informationsverarbeitung stattfinden. Gleichzeitig! Dafür hat Nvidia eine Plattform entwickelt, auf der verschiedene Steuergeräte zu einem Verbund zusammengeschlossen werden. Vorsicht, jetzt wird es zahlenlastig: Die Steuergeräte können binnen Millisekunden hunderte Billionen an Daten erfassen. Die Daten stammen von Radar-, Video, Lidar- und Ultraschallsensoren und deren Zusammenspiel. Und noch mehr Zahlen: Allein die Stereo-Video-Kamera erzeugt 100 GB an Datenmaterial. PRO GEFAHRENEN KILOMETER! Da darf man sich als selbstlenkender Autofahrer anerkennend auf die Schulter klopfen und die Lippen darüber schürzen, mit welchem Daten-Aufwand das eigene Hirn bei der täglichen Fahrt zur Arbeit zurechtkommt. Gut, ok: Wenn man häufiger auf der Autobahn unterwegs ist, wird man feststellen, dass die menschlichen Systeme häufig auf niedrigem Level funktionieren. Aber da ist ein anderes Thema.

Selbst in einem abstrakten Raum soll sich ein autonomes Fahrzeug zurechtfinden.

Wobei: Eigentlich setzen Boch und Daimler genau an diesem Punkt an. Menschen verursachen Fehler. Und um diese auszumerzen, sieht man eine autonome, automobile Zukunft. Letzlich ziehen die Erkenntnisse aus dem Silicon Valley ihre Kreise bis nach Stuttgart und den Rest der Welt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Spracheingabe für das autonom angefahrene Ziel besser funktioniert, als Alexa, Google und Siri. Sonst landet man am Ende in Bordeaux anstatt in Porto…

Herzlich unvernünftig: Der Mercedes C43 4matic im Test

Herzlich unvernünftig

Mercedes-Benz C43 4matic im Test mit Habby

Schnell mal die richtige C-Klasse finden? Gar nicht so einfach. Limousine, Kombi, Cabriolet und Coupé buhlen ebenso um die Gunst wie zahlreiche moderne Triebwerke und Antriebsformen. Mit dem „Mopf“ sind diese dann auch endgültig zertifiziert für die Zukunft! Partikelfilter nun auch bei den Benzinern und damit frei von Bedenken. Doch was wählen? Vernunft? Herz? Sinnhaftigkeit oder launenhaften Triebtäter? Die Wahl ist nicht einfach. Nach einer ersten Fahrt im C43 klärt sich das Problem dann aber schnell auf eine angenehme Art und Weise auf.

Habby hat sich entschieden. Es ist Zeit, noch einmal unvernünftig zu bleiben.

Dass hier ein neues Modell vor dem Hotel auf die Testfahrt wartet, ist kaum zu erkennen. Wer sich nicht ständig bei Mercedes-Benz im Showroom die Beine platt steht, wird die sanften Veränderungen nicht erkennen. Spricht für ein gutes Design, bereits ab dem Start der W205 Baureihe. Augenfällig ist beim C43 vor allem das Heck. Hier protzen plötzlich vier runde Auspuffrohre im schwarzen Lackkleid um die Wette. Von den Details rund um die Stoßfänger oder die neuen Multibeam-LED Leuchten bleibt kaum was übrig in der Wahrnehmung.

Eventuell grübelt man eine Sekunde über den neuen Twin-Blade Kühlergrill in der Front, den hat man doch schon einmal irgendwo gesehen. Hat man doch, oder? Nun – AMG-Design ist AMG-Design und es bleibt auffällig!

Lass es rocken – V6 Bi-Turbo

Auffällig ist auch, wie ungezogen der drei Liter V6 im Kaltstart die ersten Umdrehungen in Geräusche wandelt. Seine Klappenauspuffanlage lässt die ersten Sekunden niemanden darüber im Unklaren, wofür man sich entschieden hat. Sollen doch die anderen vernünftig sein.

Mit 390 PS ist der V6 nun, dank größerer Turbolader und 1.1 bar Ladedruck, 23 PS stärker als die Vor-Mopf Variante und bringt zwischen 2.500 und 5.000 Umdrehungen 520 Newtonmeter Kraft mit. Dass der C43 aber bereits seit 2015 den ehemals eisernen Grundsatz „one man, one engine“ bricht, mag für die Käufer kein Hindernis sein, für Petrol-Nerds aber ein Detail, über das man wenigstens eine Sekunde nachdenken sollte. Der Faszination tut dies jedoch keinen Abbruch, das ist 4.8 Sekunden später klar. So lange braucht der Bi-turbo V6, um den praktischen Kombi unter Einsatz des 9-Gang Automaten und des heckbetonten Allradantriebes auf Tempo 100 zu katapultieren. Glückwunsch – so einfach kann es sein, sich als „Held der Geschwindigkeit“ zu fühlen.  Der „kleine AMG“ spielt dabei nicht ganz die Raffinessen der V8-Modelle aus. So vertraut der C43 auf einen Wandlerautomaten, während die „großen AMGs“ den 9-Gang Automaten und eine Anfahrkuppplung besitzen.

Während man sich an den Temporausch gewöhnt, ist die Verwandlung des Wesens auf Knopfdruck doch immer wieder überraschend. AMG DYNAMIC SELECT nennt sich die Möglichkeit, per Tastendruck den Charakter zu ändern. Von Komfort zu Sport, Sport+ und Individuell lässt sich der Basis-AMG umschalten und jedes Mal erntet man, dank angepasster Dämpfung, Lenkrad- und Antriebskennlinien, ein neues Fahrgefühl. Der Spagat zwischen „Comfort“ und „Sport+“ ist immens groß. Auf der einen Seite der Langstrecken-Pampersbomber, auf der anderen Seite der verkappte Nordschleifen-Held.

Um den eigenen Helden-Status auch per Zahlen zu manifestieren, bekommt der C43 den AMG-RACE Timer, der per GPS-Hilfe die Startlinie am Nürburgring erkennt und auf Knopfdruck die BTG-Zeit stoppt.

BTG im C-Klasse Kombi? AMG meint es ernst. AMG-Track Pace und Engine-Livedata an Board des neuen C43

Damit sich der C43 trotz der Sicherheit seines 4matic Allradantriebes nicht langweilig fährt, hat AMG die Kraftverteilung betont hecklastig ausgelegt. 69 Prozent wandern in Richtung Heck. Während die „normalen“ Kollegen der Baureihe, das ist einzigartig im Segment, auch per Luftfederung erhältlich sind, vertrauen die Affalterbacher auf die Kombination elektronisch geregelter Dämpfer mit Stahlfedern. Die Vierlenker-Vorderachse und die Raumlenkerhinterachse wurden von AMG mit einer eigenen Kinematik versehen, mehr Sturz lässt die Kurvenfahrt dynamisch stabiler werden.

Dominant dynamisch – Kollegial kommunikativ

Im Innenraum erwarten den Fahrer das neue Lenkrad, bekannt aus E-Klasse und S-Klasse MOPF, dank „Wisch-drück-Tasten“ auf beiden Seiten wird man dem Anzeigen und Informations-Overkill im Cockpit Herr. Das zentrale Media-Display wurde, optional, noch größer und klebt als 16:9 Widescreen ein wenig tiefer über dem Rand des Armaturenträgers – damit fügt es sich angenehmer in die Umgebung. Mittlerweile wirkt die Tablet-Integration stimmig. Hinter dem Lenkrad wird aus dem Armaturenträger, ebenso optional, ein Monitorgehäuse in Breitbauform. Das neue Kombiinstrument ist 12.3 Zoll groß und lässt sich in drei unterschiedlichen Grafik-Stilen benutzen. Klassisch, sportlich oder im Supersport-Design.

Von Apples-CarPlay und AndroidAuto geht es nun auch zur Microsofts Office-Suite, wenn man nur genug Häkchen im Aufpreis-Katalog bei der Neuwagen-Konfiguration macht. Dass die C-Klasse neben den Assistenz-Systemen auf S-Klasse Niveau nun auch ein „billiges“ „High-Tech LED-Licht“ besitzt, optional auch mit 84 LED Multibeam-Scheinwerfern erhältlich ist und wie gewohnt, den Fahrer im Alltag durch Spur- und Abstandhalter aktiv unterstützt, wäre glatt einen eigenen Artikel wert.

Dabei fehlt die Antwort auf die Frage, wofür man sich entscheiden soll, beim Angebot der C-Klasse. Soll es vernünftig sein? Oder herzlich? Oder beides? Als T-Modell sind 390 PS doch irgendwie auch vernünftig, oder?

Fazit: Sportlicher Heldenmut, digitales Zeitalter und Kraft aus dem Keller – der C43 spielt die Rolle der AMG-Einstiegsdroge in überzeugender Form!

(Keine Fotos vom gefahrenen Fahrzeug? Ja. Leider hat Mercedes-Benz alle Fahrzeuge fotografiert, aber nicht den Testwagen, mit dem AUTOHUB unterwegs war.)  🙁

Technische Daten

Typ

Mittelklasse-Kombi

Motor 1

V6 Bi-turbo

Leistung

390 PS bei 6.100 Umdrehungen

520 Nm bei 2.500 bis 5.000 Umdrehungen

Antrieb

9-Gang Wandlerautomat

Allradantrieb, Heckbentont zu 69%

Normverbrauch EU-Zyklus

9,3 – 9,6 l/100km

Emissionen EU-Zyklus

219 – 214 g/km

0 – 100 km/h

4,8 Sekunden

Bereifung / Serie

VA: 225/45-18    HA: 245/40-18

Höchstgeschwindigkeit

250 km/h

Abmessungen

L/B/H: 4717, 1810, 1440 – Radstand: 2840

Leergewicht

1735 kg (EG)

1660 kg (DIN)

Testwagenpreis

Offen

Wasser statt Diesel? Erste Fahrt im Brennstoffzellen-SUV

Es soll da mal jemanden gegeben haben, der machte aus Wasser Wein und alle flippten aus. Sein Geschäftsmodell hielt sich dann auch über eine längere Zeit. Heute ist die Anforderung eine andere, irgendjemand müsste aus dem „pöhsen“ Diesel mal Wein machen – oder wenigstens Wasser?

Mercedes-Benz EQ GLC F-Cell – Mitfahrt

Wenn Wasser den Diesel ersetzt

Der Traum vom Automobil, bei dem nur Wasser aus dem Auspuff tropft, ist schon älter. Und fast alle Hersteller haben ihn bereits geträumt. Toyota, Honda und auch Mercedes-Benz. Bei den Stuttgartern reichte es sogar mal für eine „Welt-Tournee“ mit B-Klassen. Rein vom PR-Effekt eine große Nummer und auch heute zehrt man noch davon. Doch in Serie ging die Brennstoffzelle dann doch nie. Bis jetzt. Jetzt soll alles anders werden.

Skepsis ist angeraten

Der gesamte Prozess der Wasserstoff-Herstellung ist relativ simpel. Aber Energie Intensiv und auch nicht gerade billig, wenn es um die Hardware geht. Der im Herbst in einer kleinen Serie auf den Markt kommende Mercedes-Benz GLC F-Cell soll dann erstmal eine Kombination aus den zwei Welten der Zukunftsmobilität bieten. Batterie-Technik per Plug-in geladen und als Energiebündel zur Nachversorgung, eine Brennstoffzelle von überschaubarer Größe an Bord.

Die Kombination von Plug-in Hybrid Technik und Brennstoffzelle mutet im ersten Moment wie die scheinbar dümmste und vor allem teuerste Lösung an. Kein Wunder, dass man die Kleinserie in einen hippen SUV packt, da geht naturgemäß mehr als bei schnöden Limousinen.

TecDay F-CELL Stuttgart 2018

Das Produkt an sich kann überzeugen

Mit dem Mercedes-EQ GLC F-Cell, so sein komplexer Name, erhält der zukünftige, solvente Mieter einen SUV, der bereits bei Fahrten im Vor-Serienfahrzeug überzeugen kann. Hier kommt keine Bastel-Lösung auf die Straße, alles mutet an, wie man es erwartet, wenn ein Fahrzeug aus einem Mercedes-Werk rollt. Der GLC wird in Bremen gefertigt, sein Antriebsstrang kommt aus Untertürkheim. Und weil man in der Brennstoffzellen-Technik – dank Diesel-Hysterie – mittlerweile eine echte Alternative sieht, hat man die Technik so konstruiert, dass der Antrieb des GLC nicht aufwendig in einer speziellen Fertigung zusammengelötet werden muss. Nein, die modulare Technik der Brennstoffzellen-Technik wurde genau so geplant, dass sie zur ebenso modularen Architektur der MRA-Plattform bei Mercedes-Benz (Hinterachs-Antrieb) passt. Der GLC hätte also auch eine C-Klasse, eine E-Klasse oder eine S-Klasse sein können. Nur der SUV-Charakter erlaubt für den Start eine möglicherweise größere Akzeptanz. Dabei stört im Detail nur die Frage nach dem Allrad-Antrieb. Denn in der aktuellen Konstruktion ist dies nicht möglich.

Die Technik ist genial

Der Brennstoffzellen-Stack wird an der gleichen Stelle untergebracht, an der ansonsten der Motor in Längseinbau steckt. Die bis zu 4,4 Kilogramm fassenden Wasserstoff-Tanks sind solide verpackt im Unterboden und nutzen zum einen den Platz im Tunnel, der durch die fehlende Kardanwelle und das fehlende Getriebe frei wird – und auch der Auspuff entfällt. Zum anderen sitzt ein Tank unter der Rücksitzbank und teilt sich dort den Platz mit dem nun als klassisch zu bezeichnenden Plug-In Antrieb. Die Batterie des EQ F-Cell GLC umfasst 13.6 kWh brutto, 9.3 kWh sind davon effektiv nutzbar. Im WLTP-Zyklus soll so eine realistische Reichweite von bis zu 50 Kilometern möglich sein, rein per Steckdosen-Ladung.

Die Brennstoffzelle unter der vorderen Haube wandelt derweil auf Knopfdruck oder von der Steuerungs-Logik angehalten, aus Wasserstoff in einem chemischen Prozess Energie. Was davon übrig bleibt ist, anders als bei allen anderen Antriebstechniken, ein wenig Wasserdampf.

Im EQ GLC F-Cell leisten Batterie und Brennstoffzelle zusammen bis zu 147 kW, also 200 PS. Aufgrund des Aufbaus wird die Leistung einzig an der Hinterachse in Vortrieb gewandelt. Und der ist, dank des Drehmoments aus dem Stand heraus, durchaus beeindruckend. Wenngleich man Einschränkungen hinnehmen muss. Maximal Tempo 160 wird angekündigt und ein SUV mit Heckantrieb könnte im Winter für amüsierte Gesichter sorgen.

Mercedes-Benz GLC F-CELL: Die Entwicklung und Erprobung des GLC F-CELL: Der Weg in die Serie führt über intensive Funktions- und Dauerbelastungstests einzelner Komponenten und später auch der kompletten Versuchsfahrzeuge.

Wird Wasserstoff zum Diesel-Ersatz

Bislang hat Mercedes-Benz in Nabern, einem Standort des Werkes Untertürkheim, auf einem Test-Produktionsband rund 200 Brennstoffzellen-Antriebe in Handarbeit hergestellt. Made in Germany und nach AMG-Manufaktur-Charakter, one-man-one-engine. Das ist sicherlich nicht die Zukunft, denn auch ohne wertvolle Handarbeit ist die Technik im ersten Schritt einfach nur unsachlich teuer. Aber bei Mercedes-Benz scheint der Groschen gefallen zu sein. Was Wasserstoff-Lobbyisten seit Jahrzehnten beschreien und Physiker als sinnvollste Lösung bezeichnen, könnte gleich zwei Probleme der Zukunft mit einer Technik lösen.

Die Brennstoffzelle bietet die Möglichkeit einer schnellen Betankung, so nimmt man den Menschen die Reichweitenangst. Aktuell stehen 1 Kilogramm Wasserstoff für rund 100 Kilometer. Der Nachtankprozess ist kinderleicht und erledigt sich schnell. Die große Plug-in Hybrid Batterie gesellt sich hinzu als Partner für ausgiebige Rekuperationserfolge auf der Langstrecke und für den Kurz-Streckenbetrieb. Wird die Brennstoffzelle damit zum Ersatz des Dieselmotors?

Der – unnötig und unsinnig – in Verruf geratene Dieselmotor stellt sich aktuell als schwer kommunizierbar und immer schwerer zu verkaufend dar. Gleichzeitig muss die Frage erlaubt sein, wie groß darf eine Batterie sein, wie schwer, wie komplex, wie teuer in der Herstellung, um den Menschen die Reichweiten-Angst zu nehmen und das rein elektrische Auto nach vorne zubringen? Und natürlich wäre es für Mercedes-Benz eine überschaubare Aufgabe, die bislang eher als Experiment aufgebaute Fertigungslinie in die Serienfertigung zu übernehmen. Überhaupt, plötzlich sieht man bei Mercedes eine ungeahnte Energie, die Veränderungen voranzutreiben. Wer sagt denn, dass ein Motorenbauer immer vier, sechs, oder acht Kolben in Zylinderblöcke schrauben muss? Es könnten auch knapp 500 Membranzellen in einem Alugehäuse sein.

TecDay F-CELL Stuttgart 2018

Wir haben doch gar keinen Strom für alle und überhaupt

Ein gern genommenes Argument von Menschen, die sich vor der Veränderung fürchten : die Frage nach dem „Wo soll der ganze Strom denn herkommen?“. Und bei Wasserstoff schreien E-Autos (Batterie-elektrisch) gerne nach well-2-wheel Effizienz. Und irgendwie haben alle Seiten ein wenig Recht, oder?

2016 wurden mehr als 50 TWh-Strom aus Deutschland in das EU-Ausland exportiert, dafür wurden 3.7 cent je kWh von den ausländischen Käufern bezahlt. (Was zahlen Sie für die kWh?). Hätte man diesen Strom-Überschuss, der großteilig aus den schwer kontrollierbaren Quellen für erneuerbare Energie stammte, in Wasserstoff gewandelt, man hätte genug Wasserstoff gehabt, um 7 Millionen Brennstoffzellen-Fahrzeuge damit für ein Jahr zu betreiben! Fragen? Auch hier würde man zwei Fliegen mit einer Klatsche erledigen, man würde Strom aus Sonnen- und Windenergie speichern und dann abrufen, wenn man diesen benötigt und man wäre CO2-neutral. Trotz des schlechteren Wirkungsgrades der Brennstoffzelle gegenüber der Batterie ergeben sich also weitere Vorteile. Ganz abseits der Frage nach der Batterie-Produktion und deren Rohstoffen.

So geht es nun weiter

Ob nun gleich alle ausflippen? Wie damals? Vermutlich nicht – denn die neue Technik ist teuer und Mercedes-Benz wird erst einmal nur eine kleine Serie an Brennstoffzellen-SUV auf die Straße bringen (können). Keines der Fahrzeuge kann man kaufen, alle werden vermietet. Zu den Preisen ist noch nichts bekannt. Doch mittlerweile ist absehbar, Mercedes-Benz will die Brennstoffzellen-Technik zu einer Kernkompetenz im eigenen Haus machen.  Und da auch der Brennstoffzellen-Stack modular aufgebaut ist, sind 100 kW -Leistung nur ein Zwischenschritt. 200 kW? 6 kg Speicher für 600 Kilometer Reichweite und das ganze in der kommenden S-Klasse? Ja, warum denn eigentlich nicht? Und noch ein Tipp für die Skeptiker am Schluss: Deutschland ist nicht der Nabel der Welt. Wer wissen will, wie die Zukunft aussieht, der sollte einen Blick nach China, Kalifornien oder Norwegen werfen …

 

 

 

What A Car – Die neue A-Klasse – Ein Kommentar von Habby

Was hat man sich nicht schon über den kleinen Mercedes amüsiert? Hat sich gewundert, hat gelacht, sich geärgert. Hat Mercedes-Fans vertrieben, weil mit Frontantrieb alles anders wurde. Sie war in ihrer ersten Generation das Sinnbild einer seniorengerechten Gehhilfe. Hat sich vom Elch umwerfen lassen und schämte sich später mit einem früh regelnden ESP jeder Fahrfreude und mangels Federweg auch dem Fahrkomfort. Generation zwei musste dann alles anders machen. Alles. Auch das brachte die Fans wieder auf die Barrikaden. Dieses Mal, die von Generation 1. Anstatt seniorengerecht musste es nun hip, jugendlich und cool sein. Sportlich natürlich. Und so wechselte der Charakter der A-Klasse.

Weltpremiere Mercedes-Benz A-Klasse in Amsterdam

Ein Kommentar von Habby

„Nichts mehr gesucht, sich selbst gefunden.“

Dass Dieter sich in Hugo Boss Sneakers, Sport-Sakko und krawattenfrei zeigt, selbst bei der Weltpremiere von einem der wichtigsten Mercedes-Modelle, man hat sich daran gewöhnt. Dass Weltpremieren in der Automobil-Industrie mit immer mehr PR-Tamtam gefeiert werden, auch daran gewöhnt man sich. Zumindest gab es eine Grenze, aus Amsterdam wurde nicht „A-msterdam“ – zugetraut hätte man es der Marketing-Truppe aus Schwaben. Wenn es um Werbung geht, sind die nämlich gar nicht mehr so schwäbisch. Aber der Erfolg gibt ihnen recht. Und eines muss man den Schwaben mit dem Stern im Kühlergrill und Herzen auch lassen: Sie können sich selbst reflektieren und neu erfinden. Ohne deswegen die Historie über Bord zu werfen. Nur bei der A-Klasse, da haben sie alles, was die erste Generation ausmachte, nun endgültig abgeschüttelt. Und schaut man in das Fahrzeug, dann überholen sie mit dem Kleinsten sogar den Größten.

Die S-Klasse von Renault

Respekt muss man den Schwaben auch zollen für den Gang auf der Rasierklinge. Während Automobil-Journalisten am Verstand zweifeln, wenn Motoren und Getriebe für „Made in Germany“ aus der Kooperation mit den Franzosen kommen, erzählen Umsatz und steigende Absatzzahlen eine gänzlich andere Geschichte. Den Kunden interessiert es scheinbar nicht. Und bei Mercedes-Benz fährt man fort mit der Kooperationsstrategie. Die neue A-Klasse wird nur noch bei den Top-Motoren mit Triebwerken aus eigener Produktion ausgerüstet. Das Basis-Modell musste nicht nur die aufwendige Hinterachse gegen eine billige Verbundlenkerachse tauschen, auch beim Hubraum hat man sich geziert. Den WLTP-Ansprüchen zum Trotze muss ein 1.33 Liter Vierzylinder-Turbobenziner die Basis in Schwung bringen. Mercedes bezeichnet ihn als 1.4 Liter, auch das wird am Ende wohl niemanden interessieren. Und auch das 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe kommt von den Franzosen. Und dennoch ist alles Mercedes. Klingt nach einem Widerspruch und müsste zu einer Rebellion unter den Mercedes-Käufern führen. Eigentlich. Von Rebellion indes keine Spur. Mit der A-Klasse ist Mercedes erfolgreicher beim Wildern in fremden Gefilden als mit allen anderen Modellen. Die A-Klasse ist für viele Autokäufer der erste Mercedes im eigenen Leben. Und die A-Klasse kommt bei Frauen gut an. Also, alles richtig gemacht? Obwohl so viel Kooperationsgeist unter der Hülle steckt?

Der klingt schwäbisch

Doch die Mercedes-Ingenieure versprechen, ohne die Hände hinter dem Rücken zu verstecken, hoch und heilig, auch die neue A-Klasse ist ein Mercedes. Die Ausführungen dazu klingen logisch. Stellen sie sich folgendes vor: Ein Atom-Physiker und ein Schimpanse bekommen einen Taschenrechner und eine komplexe Gleichung mit X-Unbekannten. Beide haben die gleiche Wurzeln, die DNA gleicht sich zu 99,4%, beide nutzen das gleiche Werkzeug und beide werden – nach dem Theorem der endlos tippenden Affen zu einem Ergebnis kommen. Nur der eine früher. Okay. Das ist eventuell zu harsch. Aber es soll zeigen, was den Unterschied ausmacht. Wobei es bei der Entwicklung von Automobilen nicht auf das Wissen an sich ankommt, sondern auf die Ziele, die man sich setzt. Und so sollen, trotz gleicher Hardware, die Gene des Mercedes herauskommen. Techniker sprechen von der Adaption. Vom Schubsen von Bits und Bytes in den Steuergeräten. Von unzähligen Kilometern, die man fährt, bevor man zufrieden ist. Aber eventuell ist der Kunde auch so abgelenkt von den technischen Neuheiten, dass ihm die Strategie der gemeinsamen Hardware gar nicht erst auffällt.

Ablenkung ist garantiert

Die neue A-Klasse lenkt mehr als andere neue Modelle auf dem Markt den Blick von den „hard skills“ zu den „soft skills“. Gar ein Smartphone auf Rädern will die A-Klasse sein. Nicht einfach mehr ein Auto. Nein, ein Habitat für den jungen, urbanen, vernetzten Menschen. Um das auch jedem zu zeigen, darf sich die A-Klasse mit einem reduzierten, aufgeräumten Cockpit präsentieren. Im Mittelpunkt zwei riesige Display (natürlich gegen Aufpreis, doch auch die Basis kennt keine analogen Zeiger mehr) und eine Armada an neuen Funktionen. Die neue A-Klasse bekommt als erster Mercedes überhaupt auch einen Touchscreen – doch der wird zur Nebensächlichkeit, denn bei Mercedes will man verstanden haben. Und so soll auch die A-Klasse verstehen. Verstehen, was der Fahrer sagt. Mit MBUX zieht eine Benutzerschnittstelle in den kleinsten Mercedes, die vollends Schluss macht mit der analogen Welt. Knöpfchen suchen, um die Sitzheizung einzustellen. Unnötig, einfach nur „Hey Mercedes, schalte die Sitzheizung ein“ sagen und der Hintern wird gewärmt. Das ist nur eines von vielen Kommandos, die von Beginn an integriert wurden. Und „Hey Mercedes“ lernt. Vom Fahrer. Vom Nutzer.

What „A Class“

Man mag im Design der neuen A-Klasse vieles wiederfinden, davon wenig „klassische Mercedes-Elemente“. Doch das schreckt nur die ab, die ewig im gestern verharren wollen. Für alle anderen hat die Truppe um Gordon Wagener das Design progressiv weiter entwickelt. Veränderungen sind wichtig, ob es alberne Auspuff-Fake-Endrohre auch sind? Egal. Beeindruckend sind die inneren Werte der neuen A-Klasse und da darf man dann auch nicht auf die Hardware schauen, sondern auf die Software. Mercedes-Benz geht damit, konsequenter als alle anderen Hersteller, den Weg der Digitalisierung. Hardware ist austauschbar, es ist der Geist der Software, der den Charakter formt. Nicht erst in 20 Jahren. Bereits im Mai 2018, wenn die A-Klasse auf den Markt kommt.

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Zurück zu neuer Stärke: Die neue Mercedes-Benz A-Klasse

Ja, man kann auf den ersten Blick sagen, dass auch das neue Modell eine Mercedes-Benz A-Klasse ist. Das gänzlich neue Kompaktmodell der Stuttgarter gibt sich auch weiterhin jung und dynamisch – genau wie die Vorgänger-Generation. Doch etwas ist anders: Der jüngste Spross der Mercedes-Familie wirkt im Gegensatz zu seinem Vorgänger erwachsener und weniger pummelig. Hinzu kommt, dass die Schwaben zu ihrer alten Stärke gefunden haben wollen und die A-Klasse so „komfortabel, wie noch nie zuvor“ gemacht haben, hallt es aus Stuttgart. Ein Augenmerk wurde auch auf den grundlegend neuen Innenraum sowie MBUX gelegt – neudeutsch für Mercedes-Benz User Experience. Was sich unter anderem hinter diesem Feature verbirgt, sollen die folgenden Zeilen klären.

Design – Etwas Botox gefällig?

Grimmig wie eh und je. Dabei wirkt die neue Mercedes-Benz A-Klasse aber angenehm frisch und klar

Gorden Wagener, seines Zeichens Chief Design Officer der Daimler AG, sieht die Gestaltung der neuen Mercedes-Ben A-Klasse als nächsten Schritt der Design-Philosophie „Sinnliche Klarheit“. Das passt: Klare Formen, treffen auf „sinnliche“ Flächen und nehmen fast schon den technoiden Charme der Fahrzeugschmiede aus Ingolstadt auf. Dennoch schafft es der Stuttgarter dabei emotional zu wirken – und das, obwohl Sicken und Linien stark reduziert wurden.

Prägnant ist darüber hinaus, dass der Neuling sofort als A-Klasse auszumachen ist, nur irgendwie anders. Aber was ist es, das ihn vom Vorgänger differenziert? Es wirkt fast so, als wäre eben jener mit reichlich Botox beglückt worden und zeigt sich damit glattflächig, wie nie. Anders als bei den allermeisten Menschen schadet das dem Design aber nicht – ganz im Gegenteil. Hier kommen auch die leicht optimierten Abmessungen und Proportionen ins Spiel, wie etwa der um 30 mm gewachsene Radstand. Das streckt natürlich und gibt der Formensprache eine gewisse Sportlichkeit bereits im Stand. Die tiefgezogene Motorhaube und die flachen Multibeam LED-Scheinwerfer verschärfen diesen Charakter. Neu ist außerdem der Sternengrill, der eine Neuinterpretation des bisher bekannten Markengrills, der sich nach unten hin öffnet, darbietet.

Für eine sattere Optik des Profils sorgen neben der gestreckten Konturlinie vor allem die größeren Räder von 16 bis 19 Zoll. Zudem ist die Seitenlinie entscheidend für das optisch breit wirkende Heck: Ein starker Einzug des Greenhouses und die daraus entstehende Schulterpartie machen die neue Mercedes-Benz A-Klasse muskulös. Frisch wirkt darüber hinaus die Gestaltung der nun zweigeteilten, schmalen Rückleuchten.

Interieur – Die A-Klasse will nach ganz oben aufschließen

Bei „Zoll“ hat man früher an Felgen gedacht. Heute bieten zwei (optionale) 10,25-Zoll-Displays maximales Innenraum-Vergnügen

Als Vorbild soll die Mercedes-Benz S-Klasse gegolten haben – das zumindest möchte man mit dem modernen Luxus ausdrücken, den das Einstiegsmodell optional bietet. Luxus beginnt natürlich bereits bei den Platzverhältnissen, die bislang nicht gerade ein Steckenpferd des kleinen Schwaben waren. Doch das neue Modell soll ein deutliches Plus an Schulter-, Ellenbogen- und Kopffreiheit sowie einen leichteren Einstieg in den Fond bieten. Hinzu kommt ein auf 370 Liter gewachsener Kofferraum mit einer breiteren Laderaumöffnung. Außerdem gibt es ein paar Tricks und Kniffe, um das Ladevolumen besser nutzbar zu machen. Aber machen wir uns nichts vor: Die A-Klasse ist auch in dieser Generation kein Speditionsfahrzeug. Dafür gefällt das neue Modell mit einer Vielzahl an neuen, größeren Ablagen und einer verbesserten Rundumsicht, da die Säulenverkleidungen um rund 10 Prozent verkleinert wurden.

Und der Luxus der S-Klasse? Den möchte das Kompaktmodell mit seinen optionalen Features, wie der Sitzheizung und -klimatisierung sowie dem Multikontursitz mit Massagefunktion bieten. Überhaupt besteht bei diesem Thema die Qual der Wahl, da drei verschiedene Sitzarten bereitstehen: Neben den Basissitzen kann man sich für das Komfortgestühl oder die sportlichen Integralsitze entscheiden.

Gestreckte Proportionen und reduzierte Linien: Die neue A-Klasse gibt sich schnörkellos

Luxus zeigt sich aber nicht nur in den Optionen – hier sind längst noch nicht alle erwähnt – sondern in der Gestaltung des Interieurs. Jenes wirkt avantgardistisch, indem es ohne Hutze über den Anzeigen vorfährt und ein glattflächiges, vollkommen freistehendes Widescreen-Display bietet. Zumindest dann, wenn man ein paar Euro in die Hand nimmt, da die Mercedes-Benz A-Klasse ab Werk mit zwei 7-Zoll-Displays vorfährt. Netter wirkt da schon die Mischung aus einem 7- und 10,25-Zoll-Display, wobei erst die Wahl von zwei 10,25-Zoll-Displays das Cockpit zum echten Highlight werden lässt. Dazu zählen auch die Lüftungsdüsen in Turbinenoptik, die von der Ambiente-Beleuchtung eingefasst werden. Ansonsten schafft es jene einen schwebenden Eindruck des Armaturenbretts zu bieten. Wählen kann man übrigens aus 64 Farben, die in zehn Farbwelten inszeniert werden und stimmungsvolle Farbwechsel bieten sollen. Wann wohl die Lichtorgel-App für die neue A-Klasse kommt?

MBUX – Der Zungenbrecher gibt sein Stelldichein

Besondere Bedeutung findet bei Mercedes der Begriff MBUX. Das ist nicht etwa ein neuer norddeutscher Begriff für ein stoffgewordenes Beinkleid. Nein, hier geht es um ein neues Multimedia-System, das den Menschen im Mittelpunkt der Betrachtung sieht und sein Leben einfacher machen möchte. Es kombiniert eine intuitive und natürliche Bedienung mit einer lernenden Software, die zudem über eine künstliche Intelligenz verfügt. Sie ist an jeden Fahrer anpassbar und stellt sich auf jenen ein. So soll eine emotionale Bindung zwischen Fahrzeug und Passagieren entstehen. Mehr zu all dem zeigt der detaillierte Blick auf das Cockpit.

Motoren – Wenn nur das halbe Team antritt…

Das Profil der neuen Mercedes-Benz A-Klasse zeigt sich geprägt von der „Sinnlichen Klarheit“

…auch dann ist immer noch ordentlich Musik im Zelt. Um die Formulierung aufzudröseln: Es geht um den neuen A 200 mit 120 kW/163 PS und 250 Nm maximalem Drehmoment. Das Aggregat holt seine Leistung aus 1.4 Litern Hubraum und verfügt über eine kraftstoffsparende Zylinderabschaltung – jedoch nur in Verbindung mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Dann soll sich ein kombinierter Verbrauch von 5,1 Litern einstellen, während es mit dem Sechsgangschaltgetriebe rund ein halber Liter mehr sein soll. Bei den Fahrleistungen braucht sich das geschrumpfte Aggregat ebenfalls nicht zu verstecken: Mit Doppelkupplungsgetriebe vergehen exakt 8,0 Sekunden bis 100 km/h, der Handschalter benötigt zwei Zehntel mehr. Einigkeit herrscht bei der Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h.

Als nächststärkerer Antrieb steht der A 250 auf dem Programm, der ausschließlich als Doppelkuppler erhältlich ist. Er bietet mit 165 kW/224 PS ein Leistungsniveau, das vor nicht allzu langer Zeit noch großen Sechszylinder-Dieseln vorbehalten war. Der A250 braucht jedoch nur 2,0 Liter Hubraum und generiert hieraus – Turboaufladung sei Dank – nachdrückliche 350 Nm Drehmoment. Damit ist man – lässt man den rechten Fuß baumstammartig gen Bodenblech fallen – binnen 6,2 Sekunden auf 100 km/h und maximal 250 km/h schnell. Den kombinierten Normverbrauch von exakt sechs Litern erreicht man so jedoch nicht.

Als aktuell einzigen Diesel stellen die Stuttgarter die neue Merdes-Benz A-Klasse als A 180d vor. Der Hubraum beschränkt sich auf 1.5 Liter – Renault lässt grüßen – und lässt eine Leistung von 85 kW/116 PS und 260 Nm zu. Wer nun Böses hinsichtlich der Fahrleistungen befürchtet, gerade in Anbetracht dessen, dass dieser Antrieb ebenfalls nur mit Doppelkupplungsgetriebe erhältlich ist, wird sich über die kräftige Papierform freuen. 10,5 Sekunden vergehen bis 100 km/h und das maximale Tempo ist mit 202 km/h angegeben – nicht schlecht für diese Basis. Das lässt sich ebenfalls vom Verbrauch sagen, den die Schwaben mit 4,1 Liter im Durchschnitt ermittelt haben wollen. Und damit die Abgase auch schön sauber sind, verfügt der A 180d über eine AdBlue-Reinigung.

Zwei-Fahrwerks-Gesellschaft

Federn und federn lassen: Im Heck stecken – je nach Antrieb – zwei verschiedene Achsen

Beim Fahrwerk gehen die Stuttgarter nun einen Weg, den wir bereits vom Golf oder den aktuellen Opel Astra kennen. So verfügen der A 250 sowie die 4Matic-Varianten über eine Multilenker-Hinterachse, die weniger Vibrationen und Geräusche an die Passagiere übertragen soll. Die Einstiegsmodelle werden hingegen mit einer Verbundlenker-Hinterachse ausgeliefert. Selbst bestimmen – unabhängig von der Motorisierung – kann man bei der Wahl des Komfortfahrwerks mit Stahlfederung oder der aktiven Dämpferverstellung, die ein frei wählbares Dämpferverhalten zulässt. Dynamik Select ist hingegen serienmäßig und ermöglicht ein individuelles Fahrerlebnis per Knopfdruck.

Assistenten – Auch in der A-Klasse gilt „Safety first“

Eines der Kernthemen bei Mercedes-Benz ist seit jeher die Sicherheit. Im Fall der neuen A-Klasse sollen Funktionsumfänge der Oberklasse, wie eben das teilautomatisierte Fahren, auch im Kompaktmodell erhältlich sein. So überwachen Kamera- und Radarsysteme das Umfeld und können bis zu 500 m vorausschauen. Genutzt werden dafür auch die Karten- und Navi-Daten, sodass die Distronic in einer Vielzahl von Situationen streckenbasierend unterstützt wird und die Geschwindigkeit anpasst. Darüber hinaus stehen ein aktiver Nothalt- und Spurwechsel-Assistent parat – natürlich alles optional. Serienmäßig gibt es einen aktiven Bremsassistenten, während das Pre-Safe Plus, das selbst eine drohende Heckkollision erkennen können soll, auf der Optionsliste zu finden ist. Aber in diesem Fall gilt wohl die alte Weisheit: „Haben ist besser als brauchen“.

Die flachen Rückleuchten nehmen die Form der Frontscheinwerfer auf

Mercedes-Benz CLS nach WLTP zertifiziert

Die Einführung des WLTP ist für die kundenrelevanten CO2- und Verbrauchswerte mit einer Währungsreform vergleichbar: Die Fahrzeuge ändern sich technisch ja nicht, sie werden lediglich nach neuen Anforderungen vermessen. Källenius: „Und schon bisher hatten wir nicht nur den Zyklus-Verbrauch im Blick, sondern auch den realen Verbrauch im Kundenbetrieb.“ Ein Beispiel: Quer durch das Modellprogramm stehen die Fahrzeuge von Mercedes-Benz mit an der Spitze bei der Aerodynamik. Das wirkt sich im Realbetrieb aus, beim bisherigen NEFZ aber nur minimal.

Als erster Mercedes-Benz ist der neue CLS nach WLTP in der Emissionsstufe Euro 6d-TEMP zertifiziert. Dazu musste auch die Einhaltung der Grenzwerte im so genannten RDE-Straßentest (Real Driving Emissions) nachgewiesen werden. Der Aufwand für eine Zertifizierung nach WLTP ist etwa doppelt so hoch wie nach NEFZ. Die sehr umfangreiche Verordnung dazu (über 700 Seiten) enthält viele verschiedene Einzeltests und ganz neue Vorgehensweisen. Die Anforderungen an die Testdurchführung, die Ergebnisauswertung und ihre Dokumentation sind deutlich höher. Ebenso ist der Aufwand für jede einzelne Prüfung stark gestiegen.

Im Gegensatz zum NEFZ dauert der WLTP-Fahrzyklus zehn Minuten länger und kommt nur noch auf 13 Prozent Standzeit (NEFZ: 23,7 %). Die gesamte Zykluslänge beträgt ca. 23 Kilometer – ist also mehr als doppelt so lang wie der NEFZ mit 11 Kilometern. WLTP beinhaltet höhere Geschwindigkeiten bis 131 km/h (NEFZ: 120 km/h), das Durchschnittstempo steigt auf 46 km/h (NEFZ: 34 km/h), und er setzt die Fahrzeuge stärkeren Temposchwankungen aus.

Die Prüfvorgaben sind also deutlich strenger. Darüber hinaus wird nicht mehr wie bislang nur die Basisvariante eines Modells getestet, sondern es werden Sonderausstattungen berücksichtigt. Zusätzlich wird im Rahmen eines Straßentests, dem so genannten RDE (Real-Driving-Emissions-Test), geprüft, dass die Euro‑6-Grenzwerte für Stickoxide und Partikelanzahl unter Berücksichtigung von Konformitätsfaktoren nicht überschritten werden.

Voraussichtlich ab September 2018 werden in Deutschland die neuen WLTP-Werte in Prospekten und allen weiteren Publikationen angegeben. Die wichtigsten Fragen rund um den WLTP beantwortet Mercedes-Benz auf https://www.mercedes-benz.com/ de/mercedes-benz/fahrzeuge/ wltp/.

 

Erstkontakt mit der neuen G-Klasse

Mit einem vorzeitigen Leak* präsentierte sich die neue G-Klasse deutlich vor der geplanten Weltpremiere auf dem Automobil-Salon in Detroit. doch wer „stronger than time“ ist, der kann, der muss damit umgehen können. Die grandiose Premieren-Feier lies sich Mercedes-Benz im winterlichen Detroit dennoch nicht entgehen und mit dem Terminator himself auf der Bühne (ja, Arnold Schwarzenegger) standen gleich zwei Legenden an diesem Abend im Mittelpunkt. Das der neuzeitliche Öko-Fan Arnie dann dem Daimler-Boss Zetsche gleich noch das Versprechen abrang, die neue G-Klasse auch bald elektrisch, oder wenigstens „ein wenig elektrisch“ anzubieten, mag bei dem ein oder anderen anwesenden MoTown-Gästen als Hollywood-Scherz verstanden worden sein, sollte aber fett in den Notizbüchern der Journalisten vermerkt sein.

Erstkontakt mit einer Legende – Teil II

Weltpremiere der Mercedes-Benz G-Klasse in Detroit 2018

Arnold Schwarzenegger wird immer mit der Rolle als Terminator verbunden sein. Ein Blockbuster in mehreren Fortsetzungen. Der andere Grazer Star an diesem Abend, denn sowohl die G-Klasse als auch Arnold Schwarzenegger haben ihre Wurzeln in der Steiermark, kann selbst nach fast 40 Produktionsjahren erst auf einen Fortsetzung Teil 2 verweisen. Sicherlich, die G-Klasse wurde über die letzten Jahre ständig und stetig verfeinert. Aus dem Ex-Militär-Fahrzeug wurde ein Statement mit bollerndem V8, massiven Leistungsdaten und einem Preis der mehr als Statement denn als Kaufgrund zu verstehen war. Wer in Arnies zweiter Heimat rund um Hollywood unterwegs ist, der wird nicht glauben das es jemals eine andere G-Klasse gab, als schwarze G63 Varianten von AMG. Was in Stuttgart der W124 einst war, ist in Hollywood ein G63. Eben ein ganz normales Auto, für ganz normale Menschen. Oder so.

Während man sich in Hollywood Botox spritzen lässt (für alle Abmahnanwälte; Nein ich habe keine Namen genannt und behaupte nicht, Arnold Schwarzenegger wäre jemals einer Botox-Kur unterzogen worden) war es für die Entwickler der neuen G-Klasse, Generation II nach 40 Jahren, ein leichtes, gerade das äußere des Geländewagens nicht anzufassen. Es scheint gar verboten gewesen zu sein.

Handwerkliche Qualitäten und Feinschliff im Design

 

Im Gespräch mit dem Entwicklungs-Chef Oliver Metzger

Das schwierigste war, den Charakter des Fahrzeuges beizubehalten und dennoch an allen Punkten der Konstruktion für eine Verbesserung zu sorgen. Für uns war schnell klar, wir wollen vor allem die „Onroad-Performance“ verbessern, denn Offroad waren wir schon immer die Benchmark – deswegen auch die neue Vorderachse.

Alles wie früher – nur besser

Optisch ist der Unterschied zum Vorgänger für ungeübte Augen nicht feststellbar. Selbst bei einem direkten Auftritt auf der Messe, sind es nur die Details die den Nachfolger verraten. Das dennoch nur drei Bausteine vom Vorgänger übrig blieben. Es wundert, ist aber ein Fakt. Reserverad-Abdeckung, Wischwassser-Düsen in den Scheinwerfern und die Türgriffe. Ansonsten ist jedes Blech und jede Schraube neu. Das dies auch für die sichtbaren Scherenscharniere an Türen und Motorhaube gilt, mag man als merkwürdigen Anachronismus abtun, ist aber Teil einer Brauchtumspflege die dem Erhalt eines Kulturgutes gut tut. Das Schließgeräusch der Türen, es ist so herzhaft metallisch und robust wie eh und ja. Das sich Designer und Entwickler dennoch nicht ausgeruht haben, sieht man in den Details. Wo zuvor lieblos die Dichtgummis mit einem Montagemesser gekürzt wurden und Kanten und Abschlüsse über die Zeit gewachsen und verändert wurden, ohne auf eine optische Ordnung zu achten, liegt nun Liebe im Detail. Da sitzen Zierleisten nun auf sorgfältig gebügelten Kanten und alle Blechabschlüsse passen zueinander, vorne wie auch hinten.

Das sich der weiterhin runde Hauptscheinwerfer nun einer Linse mit LED-Technik bedient und damit optional eine möglichst variable Lichtverteilung ermöglicht, oder die Rücklichter aussehen wie beim Vorgänger und dennoch völlig neu konstruiert wurden und nun leicht in die Seite übergehen – es sind alles Details die einem erst auffallen, wenn man mehrere Minuten lang, den Vorgänger mit der jüngsten Generation vergleichen kann.

Optimierte Achs-Konstruktion minimiert die Kräfte die in die Karosse eingeleitet werden. Die Doppel-Querlenkerachse vorne ermöglicht deutlich mehr Komfort auf der Straße. Zitat: Oliver Metzger

Natürlich werden die Hardcore-Offroad-Fans heulen. Der Abschied von der Starrachse mag für sie ein Verrat an den Werten „echter Geländewagen“ sein, doch Mercedes-Benz „G GmbH“ Entwicklungs-Chef Oliver Metzger verspricht, auch weiterhin die Benchmark im Offroad-Parcours zu bleiben. Doch in der Zukunft soll auch die Fahrt hin zum Offroad-Gelände erträglich sein. Mit einer neuen Zahnstangen-Lenkung und der für viele Assistenzsysteme notwendigen elektrischen Unterstützung, soll das Feeling Onroad nun deutlich wertiger und komfortabler sein. Die neue Vorderachse mit den massiven unteren Querlenkern aus Stahl und einem hohen Anteil an Leichtmetall in der restlichen Konstruktion wurde dennoch bewusst auf den harten Umgang „Off-the-road“ vorbereitet. Nicht abgerückt ist man von den drei manuell schaltbaren Differential-Sperren. Eines der Kulturgüter der G-Klasse, die vermutlich 90% der Käufer einer G-Klasse noch nie wirklich benötigt hat.

Bescheidene Basis

Und auch wenn die „Basis-Motorisierung“ der neuen G-Klasse nur vier Liter Hubraum besitzt, zwei Turbolader und die nahe Verwandtschaft zum Supersportler Mercedes AMG-GT macht deutlich in welchem Preislichen Umfeld sich die „neue G-Klasse“ zuhause fühlt. Das G-Modell ist längst kein Nutzfahrzeug mehr und dank der deutlich gewachsenen Abmessungen muss man die kultige kantige Form auch nicht mehr mit Abstrichen beim Platzverhältnis bezahlen. Bis zu 10 cm mehr Breite und 5 cm mehr Länge. Die G-Klasse bleibt sich dennoch, nicht nur optisch, treu.

Die Power-Versionen von AMG mit derben Achtzylinder-Sound halten diese Baureihe seit einigen Jahren am Leben, es scheint daher nur richtig, auch den Anfang der neuen Generation mit einem 422 PS starken „Einstiegsmotor“ zu feiern. Nun kombiniert mit 9-Stufenautomatik und Untersetzungsgetriebe, verwöhnt vor allem der Innenraum dann endlich mit der erwarteten Zeitenwende. Mögen die Lautsprecher-Hörnchen auf dem Armaturenträger mit ihrer „Anlehnung“ an die Blinkerform auf den vorderen Kotflügel auch fast in die Kategorie „Kitsch“ fallen, so gefällt das restliche Cockpit mit der Finesse die man dieser Preisklasse anheim trägt und dank dem Baukastensystem für Multimedia- und Entertainment-Systeme, darf auch dieser Bereich als „state of the art“ abgehakt werden.

I’ll be back

Der Terminator, alias Arnold Schwarzenegger, die G-Klasse und Dieter Zetsche, zusammen in Detroit. Das alle könnte ein unterhaltsamer Film-Plot sein. Die neue G-Klasse ist mit dem Heritage-Design 2.0 ein Eye-Catcher geworden. So kultig und genial wie immer und dennoch, völlig neu. Das muss man erst einmal nachmachen. Das sich die G-Klasse in der Zukunft auch mit einem Reihen-Sechszylinder-Dieselmotor ordern lassen wird, wollen wir nicht ausschließen. Und auch die von Arnold gewünschte G 500e Variante als Plug-in Hybrid erscheint wahrscheinlich. Das ist dann zwar alles nicht mehr ganz so Terminator-Like wie ein ebenso bald anstehender G63 – aber manchmal muss man sich eben neu erfinden, um überhaupt zurück kommen zu dürfen. Welcome back, G-Wagon! 

 

*Leak = Eine ungewollte Vorab-Veröffentlichung des Fahrzeuge - das auch wir auf unserem Facebook-Kanal übernommen hatten.

Weltpremiere der neuen G-Klasse in Detroit

Ja. Ja. Wirklich. Es ist eine neue G-Klasse. Wirklich. Sieht nicht so aus? Und doch, es wurden nur 3 Bauteile vom Vorgänger übernommen und um das zu verdeutlichen, hatte Dieter Zetsche sogar eines dieser Bauteile in seiner Jacken-Tasche, als er in Detroit die neue G-Klasse der Welt-Öffentlichkeit präsentierte. Ein Fahrzeug, so grob geschnitzt, dass es als Kulturgut, Werkzeug und Lifestyle-Vehikel gleichermaßen durchgeht. Kein anderes Auto besitzt mittlerweile diese Aura. Ihrer militärischen Notwendigkeit ist sie längst entwachsen, heute fährt die G-Klasse, gerne als AMG, auf den Promi-Meilen der Schönen und der Reichen.

Manchmal kommen sie wieder – I’ll be back

Weltpremiere der Mercedes-Benz G-Klasse in Detroit 2018

Geboren in Graz, geprüft am „Schöckl“, lieb gewonnen über Jahrzehnte. Die G-Klasse ist nicht der einzige Exportschlager mit Wurzeln in Österreich. Ein anderer kantiger Typ kommt ebenso aus Graz, ist aber, anders als die G-Klasse von Mercedes, selbst in Hollywood ein Unikat: Arnold Schwarzenegger. Der Ex- Mister Universum, der  Filmstar, der Terminator, der Ex-Gouverneur von Kalifornien – eine Legende zu Lebzeiten wie die G-Klasse. Ein passender Star, um zusammen mit dem Chef der Daimler AG, Dieter Zetsche, die G-Klasse der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.

Die G-Klasse hat weder die charakteristischen Blinker auf den Kotflügeln verloren noch das grobe Design und auch die Türscharniere sind massiv und außen liegend wie seit 39 Jahren bekannt. Und dennoch, bis auf drei Bauteile wurde alles neu konstruiert. So ist die Karosserie um bis zu 190 Kilogramm leichter, ein intelligenter Materialmix ermöglicht diesen großen Schritt. Und dennoch ist die G-Klasse noch steifer als je zuvor. Um 55% nahm die Torsionssteifigkeit zu.

Das gesamte Fahrwerk wurde überarbeitet, immer mit dem Blick auf maximale Geländefähigkeit, und dennoch einem gesteigerten Fahrkomfort auf der Straße. Auch wenn die Karosse weiterhin auf einem Leiterrahmen aufgesetzt wird, die Gene des klassischen Geländewagens wurden erweitert um Kultur und Komfort moderner Personenwagen. Die G-Klasse soll mehr denn je die Quadratur des Kreises ermöglichen.

Zum Start wird es erst einmal nur einen Motor geben. Den neuen 4.0 Liter V8 mit 422 PS und 610 Nm, angebunden an das 9-Gang Automatikgetriebe mit Geländeuntersetzung und drei manuell schaltbaren 100% Differentialsperren an den Achsen und dazwischen.

In den Innenraum der G-Klasse hatte uns Mercedes-Benz bereits einen Blick ermöglicht, jetzt nach der Enthüllung einer Form, die eigentlich bekannt war, bleibt das erste Urteil:

Es hat sich vieles geändert, aber man sieht es nicht. Selten war das eine bessere Nachricht als bei diesem Kulturgut! 

Hey Mercedes!

Wissen Sie auf Anhieb, wo ihr Köpfchen für die Sitzheizung im Auto ist? Oder welche Befehle ihr Navigationssystem, in welcher Reihenfolge erwartet, um eine Adresse per Sprache einzugeben?

Genau das ist das Problem. Eigentlich ist Sprachsteuerung nützlich. Es ist die natürlichste Form der Verständigung unter Menschen. Wäre es nicht toll, wenn das eigene Auto so viel Sprache verstehen würde und dann auch noch deren Sinn, wie ein Mensch? Bislang hält sich das Vermögen der nutzbaren Szenerien bei vielen Herstellern in Grenzen. Bis jetzt.

„Hey Mercedes“

Mit diesem Befehl hört die jüngste Generation von Mercedes Comandsystem auf den Fahrer. MBUX feiert auf der CES in Las Vegas gerade Weltpremiere, wir konnten es bereits beim „Wintertest der A-Klasse in Schweden“ testen.

Mit der Premiere der neuen A-Klasse im Frühjahr, wird Mercedes-Benz auch das derzeit fortschrittlichste Sprachbedienungssystem auf den Markt bringen. Die Liste der möglichen Befehle ist zu lange, um sie einzeln abzuarbeiten und zudem würde das nichts helfen, da die Logik des System ständig weiter entwickelt wird. Man kann es sich vorstellen wie ein kleines Kind. Am Anfang ist der Wortschatz beschränkt, mit der Zeit lernt es mehr und mehr hinzu. Wenn man mit ihm redet.

Mit der neuen „MBUX“ (Mercedes-Benz User Experience) wird das Auto in der Lage sein, logische Aussagen wie „Hey Mercedes, mir ist kalt“, „Hey Mercedes fahre mich zum nächsten Italiener“ und ähnliches direkt in Handlungen umzusetzen. Sei es um die Heizung zu erhöhen oder das nächste italienische Restaurant anzufahren. Die Möglichkeiten für die Zukunft sind immens. MBUX steht dabei auch für ein neues digital aufbereitetes Erlebnis beim Thema „Displays“, Nutzung von Daten und der deren Visualisierung im Cockpit. Der grundsätzliche Ansatz, das Auto lernt vom Fahrer und nicht der Fahrer lernt die Bedienung des Autos wird damit über alle Schnittstellen zwischen „Mensch und Auto“ ausgedehnt.

Mit dem neuen Betriebssystem zieht auch ein neues Ökosystem an Apps in die A-Klasse sein. Kannten Sie zum Beispiel schon „What3Words“?

Mit drei Worten zum Ziel

What3Words ist eine GPS basierte App, die jeden Punkt der Erde, eingegrenzt auf 3×3 Meter, in drei Wörter verpackt. „Seine.Büchse.Wundervoll“ – ist zum Beispiel der Eingang zum Büro von mein-auto-blog. Sicher, wir haben eine Straße mit Namen, eine Hausnummer und wenig Potential für Verwechslungen. Was aber wenn Sie „mitten im Nirgendwo“ sind? Oder in einer fremden Großstadt. An einem von 12 Ein- und Ausgängen einer riesigen Shopping-Mall und wollen jemanden sagen, wo sie abgeholt werden sollen. Genau hier spielt „what3words“ die Brücke. Man könnte einen Link von Endgerät zu Endgerät schicken. Mit der Integration von what3words reicht aber auch die Weitergabe von „drei Wörtern“ per Telefon, die man in das Navi der A-Klasse eingibt und fertig ist die Routenkonfiguration. Zugegeben, das ist schon alles sehr nerdig. Aber genau deswegen so wichtig.

Vom Rentner-Auto zur Heimat der Nerds?

Mercedes-Benz ist bei Rentnern besonders beliebt, eine aktuelle Studie sprach von 17.8% der Käufer eines Mercedes sind Rentner. Mit dem neuen voll digitalen Cockpit und dem fortschrittlichsten Sprachbedienungsprogramm am Markt könnte sich das ein Schritt weit ändern. Ideen die aus dem Silicon Valley kommen, nahtlos integriert in das jüngste Modell der Stuttgarter. Beim voll digitalen Cockpit zeigt Mercedes-Benz auf den ersten Blick in den Innenraum, wie ernst man das Thema „Digitalisierung“ spielen will. Die Nutzung von MBUX ist etwas, auf das man sich einlassen muss und natürlich ist das System, erst einmal, nur über die Aufpreisliste erhältlich .

Die neue A-Klasse – Der letzte Test in Schnee und Eis

A-Klasse Erprobungsfahrt

Vergessen Sie für einen Moment alles, was Sie glauben, über die Mercedes-Benz A-Klasse zu wissen. Vergessen Sie den Elch. Vergessen Sie das Thema Baby-Benz. Vergessen Sie einfach mal den Frontantrieb und die beengten Platzverhältnisse der aktuellen Generation. Vergessen. Sie. Es.

Habby ist für mein-auto-blog nach Schweden gereist, um dort die letzten Test-Kilometer der kommenden A-Klasse Generation mitzuerleben. Und nie war das Wort „Generation“ in einer Beschreibung eines neuen Fahrzeugs wichtiger als bei dieser A-Klasse.

W177 im Wintertest nahe des Polarkreises

Wie Entwickler den Elchtest meistern und dem Auto eine Seele geben

Was die neue A-Klasse (Weltpremiere Q1/2018) ausmacht, ist aber nicht das überschaubare Wachstum bei Länge (+120 mm) oder Radstand (+30 mm). Es ist auch nicht das neue Cockpit, mit dem uns Mercedes-Benz bereits vor Wochen vertraut gemacht hat. Wobei – so ein wenig ist dieser Umschwung auf rein digitale Anzeigen auch ein Synonym für den Umfang der Veränderungen im Charakter der A-Klasse. Das A steht für Altherren-Auto? Bitte nicht mehr. Das soll klar sein.

Mercedes-Benz betreibt an mehreren Orten nahe des Polarkreises Test-Center. Für die letzten eisigen Kilometer waren wir in der Nähe von Arvidsjaur im schwedischen Lappland unterwegs. Eine Gegend, in der es deutlich mehr Elche als Menschen gibt. Überhaupt, der Elch. Damals hat dieser, die größte aller Hirschrassen, für einen Eklat „beim Daimler“ gesorgt. Ausgerechnet die um Fahrsicherheit bedachten Schwaben ließen sich von einem Elch bei einem Ausweichtest (damals noch kein Standard-Test-Prozedere) auf die Seitenspiegel kippen. Dumm. Aber auch eine große Chance für die gesamte Automobil-Industrie. Und während Generationen von A-Klasse-Fahrern den „Elch-Test“ fortan auf die leichte Schulter nehmen konnten und per Aufkleber am Fahrzeug-Heck immer wieder ins Gespräch brachten, sorgte der von Fahrzeug-Experten initiierte Elch-Test zur flächendeckenden Einführung des ESP.

Kurz vor Weihnachten 2017 sitze ich auf dem Beifahrersitz in einer getarnten A-Klasse, rausche mit Tempo 85 auf einem schmalen Feldweg durch Schweden. Eine teilweise vereiste Straße mit hohen Schnee-Wällen als Begrenzung. Und dann steht er vor uns. Gleich doppelt. Elche, ein mächtiges Muttertier zusammen mit einem Jungtier. Jochen Eck (Leiter Fahrzeug-Gesamterprobung) bremst die A-Klasse mit der auffälligen Tarnfolie hart ab. Anders als die Autos der Einheimischen haben die Testfahrzeuge hier oben keine Spikes, einfache Winterreifen müssen die Aufgabe meistern. Denn auch das gehört zur Arbeit dazu. Welche Reifen funktionieren? Wie arbeiten die ABS-, ESP-Regelsysteme an der ständigen Grenze der Reibwerte? Spiegelglatt kann es auch auf der schwäbischen Alb werden und mit Spikes fährt dort keiner. Es muss also der Alltag simuliert werden. Vor 20 Jahren mag der Elch für einen Schrecken gesorgt haben, hier und jetzt stehen wir bereits viele Meter vor den beiden Tieren. Kinderspiel.

Es ist das Ende der zweiten Entwicklungsschleife der A-Klasse im kalten Schweden. Über 100 Mitarbeiter waren über die Winterzeit mit ihrer Erprobung beschäftigt. Von banalen Fragen wie der „Funktion von Fensterhebern“ bei heftigen Minus-Temperaturen und richtig viel Schnee bis hin zu der Frage nach dem Mercedes-Feeling. Die Aufgabe der Entwickler ist nicht leicht. Und doch muss auf alles eine Antwort gefunden werden.

„Der Entwickler gibt dem Auto die Seele“

Wer ein Auto verstehen will, muss die Menschen hinter den Autos kennen lernen. In Schweden traf ich auf „Betty“. Betty ist eigentlich Bettina, 31 Jahre alt, und wer sich von Oberflächlichkeiten ablenken lässt, der sieht vor allem eine junge Frau mit „Dreadlocks“. Doch sie hat nicht nur ihr Team an Entwicklern im Griff, sie ist es auch, die die wichtigste Aussage des gesamten Termins in Schweden formuliert:

„Es kann nur gut werden, wenn du mit Leidenschaft und Herz dabei bist.“

Und das öffnet einem die Augen. Denn die Frage, die sich mir immer wieder stellt ist, wann ist ein Mercedes ein Mercedes? Was macht das Mercedes-Gefühl aus?

Betty (31) – Ingenieur und Fahrtenleiterin für die A-Klasse W177 bei den finalen Wintertests in Schweden.

„Das Mercedes-Gefühl“

Die kommende A-Klasse wird mehr Mercedes denn je sein. Nicht nur, weil man mit völlig neuen Motoren an den Start rollt, von denen auch alle Benziner mit einem Partikelfilter ausgerüstet werden und alle Diesel einen SCR-Kat besitzen, auch, und das ist die gute Nachricht: Ein Dreizylinder wird nicht dabei sein. Die kommende A-Klasse wird mehr Mercedes denn je sein, nicht, weil man zum Start alle Modelle erst einmal mit einem 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe ausstattet – das im übrigen in absehbarer Zukunft eine Version mit 9-Gängen erhält. Auch nicht, weil man das Thema „Sportlichkeit“ mehr denn je den AMG-Modelle überlassen wird und man bei der Abstimmung der neuen Generation ein viel größeres Augenmerk auf Komfort gelegt hat. Auch das Plus an Raumgefühl für die zweite Reihe, der massiv vergrößerte Türausschnitt und das völlig neue Cockpit. Es sind nur einzelne Details in einem viel größeren, viel komplexeren Gesamtbild. Es wird sich vieles ändern – nur beim Thema „Gefühlte Qualität“ bleibt alles noch ein wenig schwäbischer als bisher.

Das Mercedes-Gefühl. Denn nur darum geht es. Und dafür gibt es Checklisten, Check-Prozedere, viele Zahlen in Lastenheften, die wir Journalisten nie gezeigt bekommen und es ist etwas, was man nur schwer begreifen und in Worte fassen kann. Es ist ein Gefühl. Es ist das subtile Zusammenspiel von vielen kleinen Faktoren.

Bei der neuen A-Klasse spürt man es zum Beispiel, wenn man mit Tempo 80-90 über eine geschlossene Schneedecke fährt, darunter blankes Eis. Bei geschlossenen Augen konzentriert man sich auf die Wahrnehmung von „NVH-Faktoren“. Also Vibrationen und Geräuschen. Und da ist dann der Abstand zu einer C- oder gar E-Klasse schwer zu finden. Die neue A-Klasse wird in der Wahrnehmung von Fahrkomfort, von Geräuschkomfort und Bedienung ein neues Level erreichen. Die neue A-Klasse wird erwachsener denn je sein. Dazu gehört dann auch, dass 2018 die Abstimmung von ESP und ASR so ausgefuchst ist, dass selbst einfache Winterreifen auf frischem Schnee für ein sicheres Fahrgefühl ausreichen, wo andere gerne zu Spikes greifen. Und der Elch? Der trabt staunend von der Fahrbahn herunter in den tiefen Schnee.

Egal, ob grobe Bodenwellen auf Schneestraßen mit flink genommenen Kurven oder Berganstiege mit dem Reibwert eines Schneemanns, die Assistenzsysteme arbeiten versteckt und kaum spürbar. Einzig die Wirkung zählt: Souveränität und ein oder zwei Fahrzeugklassen erwachsener als bisher. Dass die Abstimmung der A-Klasse dabei mehr in Richtung Komfort gewandert ist und man auf einem völlig neu entwickelten Gestühl sitzt, vermittelt einem eben auch einen Teil des so subtilen „Mercedes-Gefühls“.

Dabei hat Mercedes bei der Entwicklung der neuen Generation auch den Rotstift ansetzen müssen. An der Hinterachse muss den kleinen Motoren in der Zukunft eine Verbundlenker-Achse reichen und beim Hubraum werden sich die Basismotoren viel Spott anhören müssen. Dennoch – am Ende zählt das Ergebnis und dafür sind Menschen wie Betty und Jochen verantwortlich. Und die Tage, Stunden und viele Tausende von Kilometern, die sie einer Fahrzeuggeneration vor der Weltpremiere auf den Zahn fühlen. Ich glaube, beim W177 waren diese zwei sehr erfolgreich!

Heute nur noch Sightseeing: der Elch. Seinen Schrecken hatte er bereits nach der ersten Generation verloren.
Die optisch ansehnlichen Spielereien im Schnee haben einen fachlichen Hintergrund!
Bjoern (Habby) Habegger und die „Neue A-Klasse W177“ – Habby ist Gründer von autohub.de.

 

Mercedes-Benz G-Klasse: Ein erster Blick in das Interieur.

Eigentlich ist er ja ein Werkzeug. Wie ein Hammer. Ein Schraubenzieher oder ein Messer. Eine Mercedes-Benz G-Klasse war nicht zum Flanieren gedacht, nicht einmal für „Nicht-Militärische“ Zwecke. Aber so ist das eben. Ein Schweizer Offiziersmesser gehört heute ja auch eher unter den Weihnachtsbaum als zur Grundausrüstung des Schweizer Heeres. Die Mercedes-Benz G-Klasse hat ein ganze Fahrzeuggattung inspiriert. Und sich selbst dabei adaptiert, ohne sich wirklich zu verändern.

Über die Jahre kam Komfort in die kantige Hütte. Es kam mal mehr oder viel mehr Leistung hinzu, spätestens seit die G-Klasse bei den Performance-Kollegen aus Affalterbach auf der Preisliste steht, wurde aus dem Werkzeug ein Arbeitsgerät, mit dem man eher die Arbeiterabstammung kokettierte, als das man noch an einen Dienst nach Vorschrift dachte. Die G-Klasse, eine Legende zu Lebzeiten. Eine Legende, die die eigene Lebzeit verlängert hat. So kann es gehen.

2018 – Das Jahr, in dem wir mit dem neuen G Kontakt aufnehmen

Die Erfinder von Coca-Cola würden eher den Geschmack der Zuckerbrause ändern, als die Farbgestaltung oder die legendäre Form der Coca-Cola-Flaschen. Ähnlich muss auch Mercedes 2018 vorgehen, wenn man die, im Prinzip erst zweite Generation der seit 1979 bestehenden G-Klasse, der Welt-Öffentlichkeit vorstellt. Darum wird es optisch auch eher um Details gehen, als denn um das „Große und Ganze“. Während das Exterieur noch nicht verraten wird, aber optisch kaum Überraschendes bieten wird, ist im Innenraum des ehemaligen Nutztieres mehr Veränderung möglich. Ist der G schon lange kein Werkzeug mehr. Die meistverkaufte G-Klasse? Es sind mittlerweile die AMG-Varianten mit Bi-Turbo-Achtzylinder. Daher muss im Innenraum nun auch der „Komfortanspruch“ größer geschrieben werden.

Mercedes-Benz hat uns einen ersten Blick in den Innenraum des neuen Modells genehmigt. Und ja, es wird sich einiges verändern.

Digital first & Heritage second

Dem großen Digital-Cockpit aus zwei TFTs kann man sich in der Zukunft auch im kantigen G nicht mehr entziehen. Und das ist gut so. Doch neben effekthaschenden Digital-Displays und futuristischen Lüftungsdüsen ist es vor allem ein Tastenfeld, das sofort „Heimatgefühle“ für ganze Generationen von G-Klasse Freunden weckt: Die drei manuell zu bedienenden Differentialsperren bleiben auch weiterhin direkt im Blick des Fahrers und ebenso prominent platziert. Da muss sogar das aus der S-Klasse bekannte Klimabedienteil tiefer rutschen. Überhaupt, die G-Klasse wird im Cockpit so viel Mercedes-Benz verströmen, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Touchfeld, Bedienung, Konsolen und Schalter – es sind eigentlich nicht kleine Baugruppen, aber die Veränderung im Cockpit ist dadurch überwältigend.

Dass man bei all der Optik auch an das Blech gehen durfte, kommt den Insassen zu Gute. War das Nutzfahrzeug zu Beginn seiner Karriere nicht darauf getrimmt, Fahrkomfort und Raumluxus zu bieten, ändert sich das nach 39 Produktionsjahren endgültig. Mehr Ellbogenfreiheit, mehr Raum für die Schultern und dabei weiterhin der Luxus von fast senkrechten Scheiben und auch die Windschutzscheibe bietet weiterhin genau den steilen Stand, auf den man in cW-Wert optimierten Limousinen verzichten muss. Ja, es bleibt ein G-Modell. Ja, es ist die G-Klasse von Mercedes-Benz. Auch wenn man sich um den Luxus von verspielten Details kümmert. So interpretieren die Lautsprecher des Soundsystems zum Beispiel die auf den Kotflügel stehenden Blinker.

Weltpremiere der neuen G-Klasse? Im Januar 2018 in Detroit auf der NAIAS.

Die inneren Werte zählen! Der neue CLS.

Everbodys Darling, ist immer auch Everybodys idiot. Oder so ähnlich. 

Als Mercedes-Benz vor 14 Jahren ein viertüriges Coupé auf die Straße stellte, ihm den Namen CLS verpasste und fortan die Erfolge für den Design-Mut einheimste – konnte ja keiner Ahnen, welche Wellen das Thema „Viertüriges Coupé“ jemals schlagen würde. Heute sind ja selbst SUVs nicht mehr geschützt davor, zum viertürigen SUV-Coupé zu werden. Mercedes-Benz und der CLS. Eine Erfolgsgeschichte.

2018 – der neue Mercedes-Benz CLS – die dritte Generation

Doch mit erscheinen der Weltpremiere in Los Angeles hat die nun dritte Generation massiv Gegenwind zu spüren bekommen. Das Netz ist voll mit hämischen, spöttischen bis hin zu schlicht ablehnenden Kommentaren. Es scheint, als wäre der Design-Mut von Gordon Wagener zu groß gewesen. Eine Fahrzeug-Skulptur, fast ohne Sicken und Kanten hat das Mercedes-Design Team unter Gordon und Robert Lesnik geschaffen. Ein wenig zu viel Fortschritt?

Der neue CLS besticht durch klare Formen. Ein flaches Greenhouse, eine gespannte Linie die sich von der langen Motorhaube über das niedrige Dach bis in das kurze Heck spannt. Auffällige Sichtkanten hat man abgeschafft. Stattdessen den Kühlergrill neu interpretiert. Im Stile der AMG GT-Modelle und des 1955er Panamericana inklusive einer leichten Neigung nach vorne. Damit entwickelt der CLS vor allem von schräg vorne eine ganz eigene Dynamik. Große Räder, spitze Scheinwerfer und ein neuer Air-Curtain vor dem Vorderrad sind die Details des CLS.

Gerade am Heck, hier wollte man die Coupés und Cabriolets der Marke noch einmal ins Spiel bringen, entzündet sich derzeit viel Kritik im Netz.

Kontroverses Design – Modernste Technik

Während Gordon Wagener vor Ort – im Video nach zuhören – das Design der dritten CLS Generation erklären kann, sind sich nicht alle Mercedes-Fans einig. Doch ich würde an dieser Stelle mal einen Moment abwarten und auf die Eindrücke warten, die man erhält, wenn man das Auto zum ersten Mal im Straßenverkehr sieht. Das ist immer noch einmal eine ganz andere Welt.

Über ein anderes Thema muss man derweil überhaupt nicht diskutieren. Bei den Motoren und der Technik im Innenraum, demonstriert Mercedes-Benz, mit wie viel Know-how man ans Werk gehen kann. Erst einmal kommen nur die neuen Sechszylinder-Reihenmotoren an den Start. Dabei spielen zwei Dieselmotoren und ein Benziner die Hauptrolle und diese werden nur mit dem 9-Gang Automaten kombiniert. Standesgemäß möchte man sagen. Die Leistung wird sich dabei von 286 PS bis 376 PS spannen. Gerade als 400d dürfte der CLS damit zu einer wundervollen Wahl für Vielfahrer mit dem Geschmack für das Besondere werden. Der ebenso vorgestellte 450er (Benziner) kommt mit einem 48-Volt Startergenerator, der als E-Boost arbeiten kann. Läuft, will man da sofort sagen. 😉

Shooting Brake und AMG

Die Gerüchte sagen; der Shooting Brake ist entwickelt, aber noch nicht freigegeben vom Vorstand. Und auch bei der AMG-Version muss man sich ein wenig umgewöhnen. Denn die Affalterbacher werden eine eigene Variante des CLS entwickeln und sich damit auch den V8 für das eigene Modelle aufsparen. Ob es nun ein CLS 50, 55 oder 53 im viertürigen Mercedes-Benz CLS geben wird – lassen wir jetzt mal an dieser Stelle offen – es wird auf jeden Fall keinen CLS 63 AMG geben.

Der neue CLS kommt im März 2018 auf den Markt. Zum Anfang gibt es eine Edition 1, die auch im AUTOHUB-Video gezeigt wird.

Der neue Mercedes-Benz CLS – Der Vorreiter

2003 rollte er zum ersten Mal auf unsere Straßen und verband die Eleganz und Dynamik eines Coupés mit der Funktionalität einer Limousine. Die Rede kann nur von einem Fahrzeug sein, dem Mercedes-Benz CLS! Nun kommt das neue Modell, also die dritte Generation, und will als Vorreiter gelten. Alles neu macht also nicht der Mai, sondern Mercedes mit dem CLS, da der hübsche Stuttgarter eine komplett neue Design-Sprache implizieren möchte. Geprägt ist sie von klaren Formen und reduzierten Linien – sinnliche Klarheit at it´s best also. Hinzu kommen eine nach unten öffnende Grillkontur, die nach vorn ansteigende Front sowie breite, niedrige Scheinwerfer. Vorhang auf für das neue Modell!

Design – Der Mercedes CLS ist nicht nur sinnlich…

… sondern auch klar, womit man von einem Design sprechen kann, das dem Stuttgarter eine zeitlose Ausstrahlung verpasst. Das war bereits beim Ur-Modell, dem Mercedes-Benz CLS der ersten Generation so. Das viertürige Coupé war einst der Begründer eines neuen Segments. Und obwohl andere Hersteller bis heute längst nachgezogen haben ist die echte Design-Ikone dennoch allein der CLS.

Der neue Mercedes-Benz CLS erinnert mit seiner Linienführung an die erste Generation

Wirkte die zweite Generation limousinenhafter als das Ur-Modell, knüpft der neue Mercedes-Benz CLS an die Anfänge an und offeriert einen adretten Coupé-Charme. Das unterstützen die flache Seitenscheiben, das geduckte Greenhouse sowie die gestreckten Proportionen. Sieht man sich die Gestaltung genau an, wird man eine Reduzierung der Sicken und Kanten feststellen, worin sich die gekonnte Weiterentwicklung der sinnlichen Klarheit widerspiegelt. Hinzu kommen markante Details an der Front, wie der Diamantgrill mit einer Lamelle oder die Grill-Silhouette selbst, die sich nach unten hin öffnet und den Panamericana-Grill des Mercedes-AMG GT erinnert. Doch nicht nur das Design per se gewann, sondern auch die Aerodynamik: Der neue Mercedes-Benz CLS bietet einen Cw-Wert von gerade einmal 0,26

Interieur – Vom Exterieur abgeleitet

Im Inneren des Beaus erwartet die Passagiere natürlich Luxus pur. Dieser spiegelt sich nicht in überbordenden Schnörkeln wider, sondern in seiner klaren Grundform, die vom Exterieur abgeleitet wurde und sich sinnlich-fließend darbietet. Dabei fanden natürlich nur hochwertige Materialien Verwendung und wurden penibel verarbeitet.

Fließende Linien: Innen wie außen. Die Ambiente-Beleuchtung kennt 64 Farbtöne

Um ein großzügiges Raumgefühl zu erzeugen spendierte man dem Mercedes-Benz CLS ein bereitenbetontes Cockpit. Eine Extra Portion an Charme bringt darüber hinaus die Ambiente-Beleuchtung, die in 64 Farben Club-Atmosphäre schafft. Sie erstreckt sich bis in die illuminierten, an Flugzeugturbinen angelehnten Luftausströmer, die wir bereits im neuen A-Klasse Cockpit gesehen haben. Je nach Einstellung der Temperatur wechselt die Lichtfarbe der Ambiente-Beleuchtung zu einem warmen oder kalten Farbton.

Natürlich kommt kein modernes Automobil heutzutage ohne hochauflösendes Displays aus. Entsprechend bietet der Mercedes-Benz CLS ein Widescreen-Cockpit mit zwei 12,3 Zoll großen Bildschirmen, die ein gemeinsames, durchgängiges Deckglas verbindet. Dabei ist das volldigitale Cockpit frei konfigurierbar – je nach persönlichen Gusto.

Der Kreis zur ersten Generation schließt sich auch bei der Wahl des Holzes: Man kann eine hochglänzende oder eine offenporige Mittelkonsolenverkleidung wählen – sehr edel. Neben dem gesteigerten Nutzwert – der Mercedes-Benz CLS ist erstmals als Fünftürer konzipiert und lässt seien Lehnen im Verhältnis 20/40/20 fallen – will das viertürige Coupé vor allem den Komfort steigern. Dazu steht die ENERGIZING Komfortsteuerung bereit. Sie vernetzt verschiedene Komfortsysteme miteinander, wie etwa die Klimaanlage inklusive der Beduftung, die Sitze mit ihrer Heizung, Belüftung und Massage, sowie die Flächen- und Lenkradheizung mit der Licht- und Musikstimmung. Je nach Bedürfnis der Passagiere lässt sich in verschiedenen Programmen ein echtes Wellness-Setup für den Mercedes-Benz CLS kreieren.

Motoren – In Reih und Glied!

Im neuen Mercedes-Benz CLS bieten die Schwaben eine komplett neue Motorenpalette an, die zum Marktstart drei Sechszylinder bereithält. Los geht es mit dem CLS 350 d 4MATIC, der bereits sehr dynamische 286 PS und stämmige 600 Nm generiert. Mit ihm soll es binnen 5,7 Sekunden auf 100 km/h gehen, während der Verbrauch mit 5,6 Litern der schwäbischen Tradition des Sparens mehr als gerecht wird. Darüber rangiert der CLS 400 d 4MATIC, der ebenfalls mit Allradantrieb und gleichem Spatzendrust vorfährt. Sein Output sind aber nochmals kräftigere 340 PS und äußerst nachdrückliche 700 Nm an maximalem Drehmoment. Die 100 km/h-Marke lässt dieser Mercedes-Benz CLS in 5,0 Sekunden hinter sich.

Der Stuttgarter ist nicht nur elegant, sondern bei Bedarf auch richtig sportlich

Der neue Reihensechszylinder ist der Mercedes-Benz CLS 450 4MATIC. Das Aggregat erfährt seine Unterstützung durch einen EQ Boost – also einen integrierten E-Motor – woraus bärenstarke Leistungsdaten entstehen. Auf dem Papier bedeutet dies 367 PS aus dem Ottomotor, die von 22 Zusatz-PS des EQ Boost ergänzt werden. Auf der Straße spürt man dies anhand einer Beschleunigung auf 100 km/h in 4,8 Sekunden. Dass der EQ Boost aber nicht nur das sportliche Potential, sondern auch das Sparen fördert, zeigt der Verbrauch von 7,5 Litern im Mix.

Fahren – Sicher, komfortabel, assistiert

Sicherheit wird beim Mercedes-Benz CLS großgeschrieben. Das zeigt sich bereits darin, dass die jüngste Fahrassistenzsystem-Generation teilweise serienmäßig an Bord ist. Auf einen aktiven Bremsassistenten, einen Spurhalte- und Aufmerksamkeitsassistenten sowie auf den Speedlimit-Assistenten muss man ebenso wenig verzichten, wie auf das Insassenschutzsystem PRE-SAFE. Optional steht das Fahrassistenz-Paket bereit, das einen aktiven Abstandsassistenten, einen Bremsassistenten mit Kreuzungsfunktion und einen Ausweich-Lenkassistenten mitbringt. Jener passt die Geschwindigkeit vor Kurven an, sodass man wie auf Schienen fährt. Zudem bietet das System einen aktiven Totwinkel-Warner, einen aktiven Spurhalte-Assistenten und PRE-SAFE Plus. Erhältlich ist auch ein neuer Stau-Assistent für Autobahnen und ähnlichen Straßen, der Stopps bis zu 30 Sekunden erlaubt. Da Sicherheit – besonders in der dunkeln Jahreszeit – auch mit Sicht zu tun hat, kann man den Mercedes-Benz CLS mit einem Ultrarange-Fernlicht für die Multibeam LED-Scheinwerfer aufrüsten, die eine maximal zulässige Lichtstärke bieten.

Die neuen Multibeam LED-Scheinwerfer erhöhen die Sicherheit bei Dunkelheit enorm

Der CLS ist grundsätzlich ein Komfort-orientiertes Fahrzeug. Dennoch lässt er dem Fahrer die Wahl zwischen drei Fahrwerken. Grundsätzlich baut das viertürige Coupé auf einer Vierlenker-Vorderachse und Fünflenker-Hinterachse auf und verbindet im Serien-Trimm eine Stahlfederung mit diesen Komponenten. Optional kann man die Dynamik Body Control wählen, die eine sportliche Abstimmung darstellt und auf eine kontinuierliche Verstelldämpfung vertraut. Es stehen die Fahrprogramme Sport und Sport+ sowie Comfort bereit. Daneben kann man in der Aufpreisliste noch ein Kreuz beim Luftfahrwerk, der Air Body Control, setzen, das besonders fein regelbare und adaptive Dämpfer mitbringt.

Da man in der heutigen Zeit „always on“ ist und ständig und überall arbeitet, lässt sich aus dem Mercedes-Benz CLS sogar ein In-Car-Office – also ein mobiles Büro – machen. Das ermöglich der Mercedes me Dienst, der die Ortsangabe von Kalendereinträgen in das Navigationssystem übernimmt und eine lästige Eingabe überflüssig macht. Auch in Telefonkonferenzen kann man sich über einen entsprechenden Kalendereintrag automatisch einwählen lassen – sogar mit der eventuell notwendigen PIN, die automatisch erkannt wird.

Für „Early Adopters“ – Die Edition 1

Das AMG-Paket trägt am CLS etwas dick auf

Rund ein Jahr lang steht ab Marktstart der Mercedes-Benz CLS als Edition 1 bereit. Entscheidet man sich für diese Version, steht ein spezielles Interieurkonzept mit „Leder Nappa“ und kupferfarbene Akzenten bereit. Eine Analoguhr im ICW-Design steigert den Luxus-Touch des Stuttgarters. Von außen erkennt man das limitierte Modell am einzigartigen Diamantgrill, sowie an der AMG Line und den Multibeam LED-Scheinwerfern. Als Räderwerk dienen 20-Zoll-AMG-Felgen. Damit wäre sicherlich auch Hollywood-Raubein Ray Donovan gern bei seinen anspruchsvollen Klienten vorgefahren.

LIVESTREAM: Weltpremiere Mercedes-Benz CLS

Der Livestream startet um 18:30

Mit dem CLS hat Mercedes-Benz 2003 ein neues Fahrzeugsegment geschaffen, das erstmals die Eleganz und Dynamik eines Coupés mit dem Komfort und der Funktionalität einer Limousine verband. Jetzt knüpft Mercedes-Benz mit der dritten Generation des CLS stärker denn je an die Ausstrahlung und den einzigartigen Charakter des Trendsetters an: Mit der überspannten Bordkante, der flachen Seitenscheibenlinie und dem geduckten Greenhouse besitzt das neue Modell pure CLS-Gene. Zugleich ist es ein weiteres Beispiel für die konsequente Weiterentwicklung der Designsprache der sinnlichen Klarheit: Sicken sowie Linien sind deutlich reduziert.

Das luxuriöse Interieur des CLS Coupés beeindruckt durch seine klare Grundform, die wie das Exterieur sinnlich fließend gestaltet ist. Hinzu kommen eine hochwertige Materialauswahl und -verarbeitung. Der neue CLS kommt mit einer komplett neuen Motorenpalette.

A-KLASSE: Kunst der Gestaltung

Jüngst hat Mercedes zwar noch nicht die komplette A-Klasse gezeigt, immerhin doch ihren Innenraum. Normal würde uns das eher weniger interessieren, aber irgendwie haben die Bilder doch fasziniert.

Es geht da jetzt weniger um die „tollen“ Begrifflichkeiten, die sich Gordon und die Marketingabteilung ausgedacht haben, sondern mehr um: Wandel, Anspruch und Plattformen. Nun der Reihe nach. Sie sehen hier das Interieur der kommenden Generation des kleinsten Mercedes – scheinbar in einer neongelben Edition.

Spannend, sicher. Ein fröhliches Farbenspiel, nicht zuletzt dank der türkisblauen Beleuchtung des Ambientes. Man erkennt auch: zwei Mal 10,25 Zoll Bildschirme aus der S-Klasse, Lenkrad aus der S-Klasse (Tipp nach Stuttgart: vielleicht können sie demnächst auch noch ein zweites Lenkrad montieren, dann würden sie noch mehr Knöpfe unterbringen!). Nicht zu vergessen: Lüftungsdüsen aus E-Klasse Coupé und Cabriolet. Allerdings hat ob der Breite der neuen A-Klasse in der Mitte ein Ausströmer weniger Platz.

Diese Bilder zeigen es eindrucksvoll. Unten ein neuer S560e und darüber ein Cabriolet der aktuellen E-Klasse. Was wir daran interessant finden: es geht bei der Vorstellung des neuen Cockpits um eine A-Klasse. Und beim ersten Blick muss man dann auch noch ein, zweites, drittes, vielleicht sogar viertes Mal schauen, ob man nicht in einem S- oder E-Modell sitzt. Das war früher anders.

Früher, also 1998 und damit keine zwanzig Jahre her, konnte man die Rangordnung in Stuttgart deutlich erkennen. Solider Luxus mit reichlich Holz und edlem Leder in der S-Klasse, kombiniert mit dem neuesten Stand der Technik was Instrumentierung und elitäre Dinge wie GPS-Navigation anging. Belüftete Massagesitze waren ebenfalls Dinge, die man nur im Automobilen Oberhaus um deutlich sechsstellige Geldbeträge erhielt.

In starkem Kontrast dagegen: die A-Klasse. Eine wunderbare Playmobil-Landschaft aus hartem Plastik und bunten Farben. Die Sitzbezüge kamen direkt aus der Omnibus-Abteilung und taten auch in den lokalen Schulbuslinien ihren Dienst. Praktisch, günstig, abwaschbar – so lässt sich das Interieur der ersten A-Klasse ehrlich beschreiben. Leider können wir uns nicht mehr an die Ausführungen der Design-Abteilung im Rahmen der Pressevorstellung vor zwanzig Jahren erinnern. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die A-Klasse zum Marktstart andere Probleme hatte, als Designkritiken.

Die Abstammung und die natürliche Einsortierung in der Mercedes-Nahrungskette war auf den ersten Blick erkennbar. Was so schlecht nicht ist, wenn es darum geht den Kunden vom nächst größeren Modell und entsprechend größerer Marge zu überzeugen. Natürlich sieht eine neue A-Klasse auch nur nach erheblicher Turnerei durch die Optionsliste so aus wie auf dem ersten Foto – was die Marge dann wieder in die richtige Richtung drückt, aber sie werden verstehen um welche Idee es uns hier geht.

Deshalb stellen wir hier die Frage: „Wann ist Plattform, zuviel Plattform?

Sollten Plattformen nur innerhalb einer Baureihe geteilt werden?

Ist es in Ordnung, wenn die Einstiegsbaureihe sich die wichtigsten Bedien- und Anzeigenelemente (also das, was man bei der Nutzung des Wagens als Fahrer sieht, dreht und drückt) mit der teuerste Baureihe teilt?

Anbei noch eine kleine Gestaltungsevolution, die uns daran erinnert, dass ein guter Entwurf nicht altert. Was, wenn man die groben Sprünge in der Stilistik der Stuttgarter bewertet, nicht als Auszeichnung für das Design von Mercedes-Benz gelten kann.

Hallo i bims, die A-Klasse

Hallo i bims, die A-Klasse, so vong Interieur her. 

Oder die Stuttgarter-Version von „50 shades of grey“

Wer bei dieser Überschrift nur Bahnhof versteht, der hat die Jugendsprache 2017 verpasst. Und wer eine andere Farbe als „Leasing-Grau“ für seine in 2018 zu bestellende A-Klasse wünscht, der wird überrascht sein. So, oder ähnlich lässt sich der erste Kommunikations-Aufschlag von Mercedes-Benz für die 2018 erscheinende vierte Generation des „Baby-Benz“ zusammenfassen.

Habby war für mein-auto-blog in Stuttgart und hat sich schon einmal umgeschaut. 

Mit dem kleinsten Mercedes-Benz haben die Stuttgarter in den letzten 20 Jahren bereits mehr erlebt, als andere Automobilhersteller in 100 Jahren. Von einem konzeptionellen Überflieger, einem mehr als praktischen Micro-Van, zum Elch-Test mit Umkipper bis hin zur 180°-Wende vor 5 Jahren. Mercedes-Benz hat nicht nur das Segment der Kompaktwagen zweimal auf den Kopf gestellt, sondern auch selbst viel über die eigene Marke gelernt und mit der in 2018 kommenden vierten Generation will man wieder einmal vieles anders machen. Dabei findet die Revolution dieses Mal nicht im sofort sichtbaren Bereich statt. Wer die neue Mercedes-Welt verstehen will, der muss einsteigen. Einsteigen in den vermutlich radikalsten Mercedes der letzten Jahre. Willkommen im Interieur der vierten A-Klassen Generation.

„Hallo, i bims, die A-Klasse, so vong Interieur her“.

Für alle die beim Anblick der Fotos die gleichen Empfindungen haben, wie der Autor des Textes: In echt sieht alles viel besser und weit weniger radikal aus. Während die ersten Fotos vom neuen Cockpit eine klitzekleine Reizüberflutung auslösen, ist der erste Kontakt mit einer lebensechten A-Klasse eine ganz andere Erfahrung. Mercedes-Benz verabschiedet sich in der kommenden A-Klasse vom klassischen Cockpit-Design. Das ist ähnlich radikal, wie die Sache mit dem Sandwich-Boden damals. Nicht einmal für die Basis-Version wird es analoge Rundinstrumente geben. Die kleine A-Klasse macht den größten Schritt im Interieur, den sich ein deutscher Automobilhersteller bisher wagte.

Im realen Fahrzeug wirkt diese Konzentration auf digitale Gestaltungsmerkmale, die Reduktion der Knöpfchen und der Wegfall einer Cockpit-Hutze weit weniger irritierend, als man beim ersten Blick auf die Bilder vermutet. Das die Lüftungsdüsen nun auch in der A-Klasse zu Turbinen werden, zudem beleuchtet werden können und schon fast das dominierende Merkmal des Innenraums sind, gönnen wir den Stuttgartern, nachdem klar wird – wer erst einmal hinter dem Lenkrad Platz genommen hat, der freut sich vor allem über mehr Schulterfreiheit, eine bessere Rundumsicht und auch, über den gewonnenen Platz, aufgrund des horizontal angeordneten Riesen-Displays. Das Armaturenbrett ist flacher, das Raumgefühl so viel besser und selbst bei den ganz kleinen Details, wie den USB-Buchsen im Innenraum, springt Mercedes-Benz in eine neue Liga. Nein – man protzt nicht mit einer neuen zweistelligen Anzahl an Ladebuchsen, aber man bietet USB-C anstelle der bekannten USB-A Varianten. Das dürfte für noch mehr fragende Gesichter  bei den bisherigen Käufern der Top-10 Farben sorgen, als die beleuchteten Lüftungsdüsen.

Doch diese Radikalität im Innenraum, sie schadet nicht. Sie formt einen Charakter.

War die erste A-Klasse ein Raumwunder und primär für Senioren konstruiert, hat die 180-Wende bei der dritten Generation den Anspruch „sportlich kompakt“ auf die Spitze getrieben – so stellt die vierte Generation den Punkt; Eine neue Zeit im Innenraum, in den Mittelpunkt.

Oberklassen-Features und mehr Platz

Bei den Sitzen kehrt Mercedes-Benz von den sportlichen Integralsitzen mit der integrierten Kopfstütze zum Glück zurück zur Normalität. Der Kunde wird zwischen simplen Basis-Stoffsitz, Komfortsitz und einem sportlichen Gestühl wählen können. Drei der vier Varianten besitzen in der Zukunft wieder eine variable Kopfstütze. Zudem ziehen mit optionaler Sitzklimatisierung, Massage und Multikontursitzen beliebte Ausstattungsoptionen aus der Oberklasse in die A-Klasse sein. Noch ein wenig mehr Mercedes, für den Baby-Benz.

Mehr Platz im Innenraum. Die A-Klasse will bei kaum wachsenden Außenabmessungen, vor allem im Innenraum mehr bieten.

Und außen? „50 shades of grey“

Während man im Interieur dank RGB-LED-Technik die ganze Farbwelt abbilden will, stehen beim Außenlack für den Start der neuen Generation nur die bisherigen „Top 10 Farben“ zur Verfügung. Das sind Farben, von denen 8 alles, aber keine echte Farben sind. Neben einem Rot- und Gelb-Ton, kann der Käufer vor allem aus dutzenden Grau-Schattierungen wählen. Das sagt viel über die bisherige Käuferschicht der A-Klasse aus. Oder?

Auf der anderen Seite, nicht jede Revolution benötigt einen Elch. Manchmal reicht die richtige Dosierung Digitalisierung.

Ein unmoralisches Angebot: GLC 63 AMG

Stuttgart

Wer „low fat“ und „Kalorienreduzierte Kost“ für verschenkte Lebensfreude hält, selten einen Gin Tonic Abend ohne Absturz überlebt und im Casino die Bank sprengen will, und dann alles verspielt – der wird sich auch für die jüngste Kreation der „Affalterbacher-All inklusive-Freunde“ interessieren. Ein „fast“ kompaktes SUV mit unsittlichen Leistungswerten. Bescheidenheit? Das ist etwas für die anderen.

Ein unmoralisches Angebot – NSFW

Erste Testfahrt im neuen Mercedes-AMG GLC 63 4MATIC+

315er Winterreifen – mehr so eine Absichtserklärung

Wer hätte gedacht, das diese schwäbische Alb so viel zu bieten hat? Vom Fahrersitz eines GLC 63 aus betrachtet, sind die Straßen eng, winklig und höchst unterhaltsam. Das man sich mit 510 PS durch die Alb in Richtung Stuttgart bewegt, hört sich erst einmal unspektakulär an. Bis zu dem Moment an dem man zum ersten Mal, im sport+ Modus, die Relativität der Haftung von 315er Winterreifen bei 7° und Regen erfährt. Jetzt nur diesen einen Fehler nicht machen: Vom Gas gehen. Unter Last zieht sich das jüngste Angebot der Sünde, mit gehörigen Querlaufwinkeln aus der Kurve. Das war ja einfach.

Einfach beeindruckend. Bei AMG hat man sich überlegt, eine Nische ohne AMG, ist eine verlorene Nische. Und so hat man sich das Mid-Size SUV Segment als genau den Ort ausgesucht, in dem noch ein V8 Bi-Turbo-Monster fehlt. 510 PS in der S-Version – 476 PS in der nur scheinbar bescheideneren GLC 63 „Basis“.

Eine expressive Front – sagt die Pressemappe

Damit man vor der den Outlet-Stores dieser Welt richtig eingeordnet wird, hier hat schließlich jemand den Gegenwert von Opas alten Ländereien in der Alb eingesetzt, oder einen sündig teuren Leasingvertrag mit dem Blut von seltenen schwäbischen Öko-Einhörnern unterschrieben – trägt der GLC63 den Panamericana-Grill den AMG zuerst den reinrassigen GT-Brüdern auf den Leib formte. Eine Hommage an die Historie. GT-Sportwagen die leicht, klein und wieselflink die Feuerland-Strecke entlang rasten – oder waren es doch eher Güterzüge im Australischen Outback? Massiv, massig, überragend kraftvoll?

Das man sich vom Gelände nun endlich auch ernsthaft verabschiedet, dokumentieren die Anstrengungen die AMG-Ingenieure vollbrachten um das SUV auf die Straße zu kleben. Luftfeder-Dämpfung, Hinterachs-Sperrdifferenzial, sichtbarer Negativer Sturz und eine Bremsanlage die mit riesige Räder von Nöten macht.

Das man mit den 21-Zoll Reifen zudem eine  Mischbereifung im Supersportwagen-Format mitbekommt, macht optisch Eindruck. Unter der Last von 700 Nm lässt sich, im Sport Plus Modus dennoch die Haftgrenze schnell egalisieren. Gut 2 Tonnen hängen am 9-Gang Automatikgetriebe und wollen von der schieren Gewalt des 4-Liter V8 beeindruckt sein. Gerade die Kombination aus V8-Schub und 9-Stufen Automatik lässt Raum für viele Phantasien. Man könnte es auch ganz gediegen angehen lassen. Man könnte mit Leerlaufdrehzahl blubbernd Richtgeschwindigkeit in den Tempomaten einstellen. Man könnte. Man muss nicht.

Weil Regen auch nur eine nasse Form von Fahrspaß ist

ESP off ist bei den Testfahrten angesagt, man will ja wissen und spüren, wie der ganze Apparat arbeitet. Bei Sturzbächen über die Straße eine wenig kluge Entscheidung. Dennoch, Aquaplaning im dynamischen Ritt lässt den ganzen Spaß nur kurz ins Stocken geraten. Die Dynamiklenkung des AMG wirkt im S+ Modus ordentlich direkt und vermittelt eine Restportion an Feedback aus den Radhäusern.

Natürlich wählt man das „S-Modell“

Wie üblich bietet Mercedes-AMG eine „nicht S-Variante“ an, die wohl Menschen adressiert, die mehr Image denn Leistungswerte interessiert und eine „S-Variante“ die mit groben Zahlen hantiert und das auch in Vortrieb umsetzt. Während der Einstieg also mit 476 PS und 650 Nm zufrieden sein muss, spüren 99% der Menschheit den Sprung zu den 700 Nm und 510 PS vermutlich eh nicht. Es ist mehr so eine Synapsen-Befriedigung im eigenen Ego.

In die gleiche Rolle fällt die Coupé-Version des GLC. Noch immer viertürig, aber eben noch eine Nummer abgedrehter. Sind V8, Bi-Turbo und Sportwagen-Fahrwerk im SUV schon eine krude Welt, toppt der um Kopffreiheit in Reihe zwei beraubte 5-Türer-Coupé diese Maßstäbe der Sinnlosigkeit erneut.

Fazit

Weil es geil ist, nicht bescheiden zu sein

Beeindruckender als diese Mischung, dürfte auch ein rosa Elefant der sich gerade eine Line Koks vor der Baustelle von Stuttgart21 zieht, nicht sein. Wer wie Hannibal über die Alpen reiten will, der ist bei dieser absurden Spielart genau richtig.

Dabei darf man eines aber nicht vergessen: Mercedes-AMG stellt in der Tat ein „kompaktes SUV“ auf die Straße, dass sich weder bei den Stammtischwerten, (3.8 Sekunden 0-100, 250 km/h) noch bei der Einlösbarkeit der sportlichen Versprechen, lumpen lässt. Was fahrdynamisch mit dem Zweitonner möglich ist, sollte auf öffentlichen Straßen nur ausprobieren, wer einen russischen Zweitführerschein oder Diplomatische Immunität besitzt.

 

Eine neue Welt – Mercedes-Benz X-Klasse

Entdecker leben mit der Überraschung

Mit dem ersten Pick-Up, der einen Stern am Kühlergrill trägt, betreten die Stuttgarter endgültig ein völlig neues Segment. Nachdem man dem Coupé vier Türen gab, den SUVs die Coupé-Form und das auch alles durch alle Fahrzeugklassen durchmischte, ist nun das Pick-Up Segment an der Reihe. Willkommen bei der X-Klasse.

Mercedes-Benz ist stolz auf den ersten Pick-Up mit Stern. Sehr stolz. Und weil der deutsche Autojournalist mit dem Segment an sich nicht ganz soviel anfangen kann, hat man mit uns eine Reise unternommen. Dorthin, wo die Pick-Ups zu Hause sind. Weltpremiere in Süd-Afrika, die ersten Testfahrten nun in Süd-Amerika. Das klingt nach einem Abenteuer, nicht nur für Mercedes, auch für uns.

Dabei ist der erste Aufschlag, ja, es ist der erste Pick-Up der Stuttgarter, auch wenn man bei jedem passenden X-Klasse Termin gerne einen Mercedes Strich-Acht der Siebziger zeigt. Der wiederum nur in kleiner Dosis und nur in Argentinien produziert wurde. Es ist also „de facto“ der erste Pick-Up mit Stern und dennoch wirkt er so vertraut. Das ist ein Verdienst der Designer bei Mercedes-Benz, die eben auch einem Pick-Up ein Blechkleid überstülpen, das keine Zweifel an der Familienzugehörigkeit zulässt.

Hat hier jemand Nissan gesagt?
Als die Strategen von Mercedes-Benz erkannten, die Welt lebt nicht nur von Shooting-Brakes und SUVs, suchte man auch beim Kooperationspartner Nissan/Renault nach einer möglichen Plattform. Will man das Segment des Pick-Ups ernsthaft mit einem frischen Angebot beglücken und dabei ebenso ernst genommen werden, muss ein Leiterrahmen her. Ein simpler Schnitt durch das Karosseriekleid eines GLE oder GLS schied demnach aus. Sollten doch auch 1.1 Tonnen Nutzlast ermöglicht werden. Und noch bevor man bei Nissan den Navara fertig gestellt hatte, klinkten sich die Stuttgarter in das Projekt ein. Von einem puren Badge-Engineering musste man sich distanzieren, wie sonst sollte man dem Kunden gegenüber die Positionierung und das schwäbische Selbstverständnis in Euro darstellen? War der CITAN noch ein Schnellschuss, so sollte die X-Klasse mehr Daimler als Nissan werden. Schwierig, wenn man bedenkt, was man für den Start der X-Klasse nun alles vom Kooperationspartner übernimmt.

Mercedes-Benz hat und das darf man anerkennen, der X-Klasse ein eindeutiges Mercedes-Familiengesicht verpasst und auch bei den Seitenblechen nur wenig übernommen. Natürlich bleibt, gerade in der Seitenlinie, ein Navara sichtbar – was vor allem daran liegt, dass dieser deutlich früher am Markt war. So ist die Nummer zwei immer dem Eindruck unterlegen, eine Kopie zu sein. Während man zum Start nun zwei Diesel-Varianten, ein manuelles (6-Gänge) und ein automatisches Getriebe (7-Gänge) anbietet, die vollständig vom Kooperationspartner kommen – so wird die Ende 2018 kommende Top-Variante einen V6-Diesel aus Stuttgart unter der Haube tragen und den Antriebsstrang mit einem 7-Gang Automaten von Daimler vervollständigen. Dabei bleiben Lenkung und Achsgetriebe Teile vom Kooperationspartner, ebenso wie die Hinterachse und das  optional erhältliche, sperrbare Differential. Einzig das Verteiler-Differential mit einer 40 zu 60-Verteilung wird der 350d aus eigenem Hause erhalten.

Während der Auto-Journalist, geprägt vom täglichen Umgang mit unterschiedlichen Automobil-Marken, beim Einstieg in die X-Klasse sofort Schalter, Taster und andere Baugruppen als „Nicht-Daimler’isch“ identifiziert, stellt sich wieder einmal die Frage; „Welche Rolle spielt dies für den Autokäufer?“ Ist ein Renault-Diesel aus einem Nissan-Pick-Up Truck, kombiniert mit der japanischen Aisin-Automatik, gleich so übel, dass man dies kritisieren muss? Ist es gar ein eindeutiges „No-Go“? Oder ist das eh nur ein Detail, das nur dem ewig meckernden und selbst ernannten Automobil-Experten auffällt? Es pochen für diese Antwort zwei Herzen in der Brust des Autors. Und es gibt vermutlich mehr als nur eine Antwort auf diese Frage.

Zeit für ein wenig Klarheit – das sollte sich doch alles klären, wenn man dafür einmal um die halbe Welt jettet, oder?

Der Mercedes unter den Pick-Up Trucks?

Es ist ein vollmundiges Versprechen und allen Eindrücken voraus geeilt sei der folgende Hinweis: Den Nissan Navara hat der Autor zuletzt vor mehr als 12 Monaten bewegt und der war damals schon eine echt positive Überraschung. Satt, solide, mit genug Druck für die Autobahn. (Immer mit Bezug zum 190 PS Diesel.) Was macht nun den Mercedes unter den Pick-Ups aus?
Zuerst einmal die mächtige Präsenz auf der Straße. Mercedes-Benz hat zwar bewusst das Light Truck Segment gewählt und einen US-Markteintritt erst einmal nicht geplant – und dennoch steht die X-Klasse mit eindrucksvoller Gestalt auf der Straße. Allerdings sind zufällig im Stadtverkehr von Santiago de Chile vorbeifahrende Ford F-150 dann doch einfach noch einmal eine Nummer größer. Um den Mercedes-Look zu bekommen, also die Wahrnehmung so zu gestalten, dass man nicht im Allerlei der 1-Tonnen Trucks untergeht, hat das Design-Team vom Mercedes-Benz die Nissan-Grenzen sprengen dürfen. Eine bis zu 6 Zentimeter breitere Spur ist nicht nur auf der Straße und im Fahrverhalten nützlich, sie lässt auch im Erscheinungsbild einfach ein Plus an Wahrnehmung zu. Und auch wenn man es schlicht nicht erkennen kann, so sind doch viele Baugruppen im Bereich der Achsen neu konstruiert. Die breitere Hinterachse sieht in der Kinematik aus wie die von Nissan und ist dennoch anders. Einmal neu berechnet, verbreitert, neu abgestimmt und damit für mehr Dynamik ausgelegt worden. (Spurbreite ist wie Hubraum, irgendwann macht es zwar keinen Sinn mehr, aber es hilft ;))

Mit dem (ich spare mir an dieser Stelle den erneuten Hinweis auf die Herkunft) 2.3 Liter Dieselmotor hält sich die Fahrdynamik noch in Grenzen. Mehr als ausreichend. Druckvoll. Überzeugend. Alltagsgerecht. Doch die erste „Mitfahrt“ im 258 PS starken V6-Diesel demonstriert dann verständlicher, worauf es den Mercedes-Mannen ankam. Die beiden 2.3 Liter Dieselmotoren sind vom Kooperationspartner (Mist, jetzt habe ich es doch wieder geschrieben) und leisten als X220d 163 PS oder als X250d mit Bi-Turbo-Aufladung 190 PS. Nein, beide Triebwerke sind nicht übel – aber eben keine Mercedes-Triebwerke! Das muss festgehalten sein. Immer und immer wieder.

Power, die Mercedes-Sprache
Es sollte die Power-Ausstattung sein. Denn nicht nur beim kommenden Top-Diesel steht dann am ehesten Mercedes in deutlichen Lettern auf der X-Klasse, auch bei den Ausstattungslinien wählt der erwartungshungrige Sternkunde am sinnvollsten direkt die höchste Ausstattungslinie. Während die ebenso angebotenen Pure und Progressive-Varianten den geneigten PKW-Automobil-Journalisten aufgrund ihrer simplen Materialanmutung ein wenig ratlos wirken lassen, darf die Power-Version mit beledertem Armaturenträger die Kastanien der hohen Erwartung aus dem Feuer der kritischen Journalisten-Sicht holen. Die PURE-Variante spielt die Rolle des Arbeitspferdes. Dann allerdings ist der Preisunterschied zum Marktbegleiter und Kooperationspartner – so als Arbeitswerkzeug – eben nicht mehr unerheblich im Kaufprozess. Aber, wer schon CITAN und Sprinter beim örtlichen Mercedes-Händler wählt, der kann nun eben auch einen Pick-Up ordern und diesen als klassischen Arbeiter begreifen und dem Finanzamt gegenüber argumentieren.

Es ist ein sehr anstrengender Spagat, den man mit der X-Klasse leisten will. Denn natürlich wirft das Marketing sofort auch den Begriff des „Lifestyle-Pick Up’s“ in das große Rennen um die Käufergunst. Also – Pure für den ernsthaften Arbeitseinsatz, Progressive, wenn man sich nicht entscheiden kann und Power für den, der den Mercedes-Benz unter den Midsize-Pick-Ups sucht und am Ende doch mehr den privaten Spaß bei den Pick-Ups sucht.

LED-Scheinwerfer, Rückfahrkamera oder auch gleich eine 360°-Kamera – alles ist möglich und damit auf dem Niveau von modernen PKWs.

Wichtig ist eine deutliche Einordnung des Fahrverhaltens: Mercedes hat eine mehr als überzeugende Abstimmung auf die Straße gestellt. Alles, was man verändert hat, darunter auch die Schall-Isolierung zwischen Fahrgastzelle und Motorraum, gezielte Verstärkungen in der Blech-Struktur, ein neu gedämmter Kardantunnel, spezielle Dichtungselemente und auch die Wahl des richtigen Reifens führen zu einem überzeugenden Fahrkomfort auf einem beeindruckenden geringen Geräuschniveau. Bei der hydraulischen Lenkung des Kooperationspartners bleiben kaum Parameter zur Optimierung, aber wenn eine breitere Spur, eine neue Kinematik und angepasste Feder-Dämpferelemente für eine Veränderung sorgen sollten, so ist es primär der spürbare Fahrkomfort. Den spürt der Beifahrer sogar noch einmal deutlich. Bei geschlossenen Augen ist die X-Klasse in allen Komfortbelangen den großen SUVs aus eigenem Hause fast ebenbürtig. Vor allem beim Abrollkomfort. Dass die X-Klasse zudem bei der Geräuschdämmung und der Verarbeitung keine Fehler macht, führt im Ergebnis zu einem extrem komfortablen Reisebegleiter. Und das ganz ohne 1.1 Tonnen Nutzlast auf die Pritsche zu packen. Da sind andere Pick-Ups tatsächlich deutlich hemdsärmeliger zu fahren. Allerdings sind die für den deutschen Markt ausgerichteten Pick-Ups auch mit einer anderen Feder-Dämpferabstimmung ausgerüstet und besitzen 20.2 Zentimeter Bodenfreiheit, wohingegen in Märkten, in denen die X-Klasse viel mehr in Richtung Arbeitstier tendieren wird (nicht Europa), 2 Zentimeter mehr Bodenfreiheit und eine geänderte Abstimmung verbaut werden.

Vernetzt dich
Dass man einen Pick-Up durchaus auch in modern bekommt, demonstriert Mercedes-Benz dann bei den erhältlichen Features. Das gesamte Cockpit-Layout lehnt sich stark an der V-Klasse an und die hatte sich ja bereits deutlich an den Limousinen orientiert. Die Brücke zum PKW haben die Stuttgarter damit erfolgreich geschlagen. Zumindest im Innenraum fühlt sich nichts mehr nach „Workhorse“ an. Vom 8-Zoll Multimedia Display bis zum Touch-Controller und den PKW-typischen Instrumenten, die X-Klasse macht einen auf „alten Bekannten“. Dass sich die Form der Kopfstützen dabei am Kooperationspartner orientiert und auch die Sitzheizung an einem für Stuttgarter Verhältnisse ungewöhnlichen Ort sitzt? Wieder so ein Ding, das vor allem den geneigten Automobil-Journalisten auffällt. Die X-Klasse ist zugleich der erste „Light-Truck“, der die digitale Karte voll ausspielen will. Mit einer wie immer optional erhältlichen SIM-Karte steht die X-Klasse dann auch via Internet immer in Kontakt mit ihrem Fahrer. Dank Mercedes.me App lässt sich auch von der Couch aus der Kontakt zum Pick-Up halten und auch der nächste Service-Intervall ablesen.

Und Chile?
Wenig gesehen hat der Autor viel. Aus irgendeinem Grund hat man die geneigten Journalisten in die Kernmärkte der X-Klasse bringen wollen, doch eine Tour in das raue Leben in den Anden wollte man entweder uns oder der frischen X-Klasse nicht zumuten. So bleiben die Fahreindrücke von kurzen Schotter-Strecken, ein wenig Offroad-Parcours und vielen Landstraßen-Kilometern. Chile, das Land der Kondore, des Weins und der Gauchos. Hat man gelesen, im Reise-Führer. Aber es ging ja auch um die X-Klasse und am Ende nur um die Frage: Ist es ein Mercedes? Es ist vermutlich der Pick-Up, der dem Gedanken eines Mercedes, der Marken-Idee, dem Kern der Stuttgarter am nächsten kommt. Und er wird sich verkaufen. Einfach, weil es einen Markt dafür gibt. Eventuell nicht zwischen Stuttgart-Hauptbahnhof und Breuniger-Land, aber eben in all den Märkten, die wir als schlicht und simpel fokussierte Auto-Journalisten aus Deutschland gerne verdrängen.

Ja aber, wie fährt er sich denn nun?

Es mag frustrierend klingen, aber der 190 PS Diesel von Renault, die Nissan Siebenstufenautomatik und das von Mercedes-Benz überarbeitete Fahrwerks-Setup der X-Klasse arbeiten gnadenlos gut zusammen. Es fühlt sich so richtig an. Die Aisin-Automatik hält üblicherweise unaufgeregt die Gänge, schaltet ansonsten weich und zum richtigen Zeitpunkt und profitiert vom satten Drehmoment des 190 PS Turbodiesels. Dazu passend die Dämpfer-Abstimmung der X-Klasse. Nein, das X schaukelt nicht, und dennoch rumpelt auch nichts. Es ist ein funktionierendes Zusammenspiel zwischen Reifenflanken und der Starrachse mit der Multilenker-Aufhängung. Für die Gauchos, unterwegs in Chile, Architekten auf dem Weg zur nächsten Baustelle in der Stadtmitte von Sydney, Weinbauern in Südafrika und einfach für alle, die ein Zugfahrzeug (bis 3.5t) für ihre schweren Freizeit-Spielsachen brauchen – überall dort erfüllt die X-Klasse das Versprechen eines neuen Fahrzeug-Segments.

Und genau dort wird die X-Klasse punkten. Sie wird funktionieren.

Einfach, weil der Stern im Doppel-Lamellenkühlergrill genau diese Art von Prestige bringt, die man in diesem Segment bislang nicht fand. Zwischen Süd-Amerika, Süd-Afrika und Australien wird man mit dem schnellen Markteintritt, den eben diese Form der Kooperation ermöglicht, mehr punkten, als der Öl-Büffel beim Kriechen zwischen den Lieferanten-Baugruppen als Minuspunkte definiert. Dass man sich auf der Technik-Seite für den Start des Pick-Ups auf den Partner Renault-Nissan verlässt, spart nicht nur reichlich Pesetos, sondern, nach internen Aussagen der Mercedes-Experten, locker Entwicklungszeiten von gut 2 Jahren. Und damit will man genau das Momentum mitnehmen, das Markt-Experten für diese Fahrzeug-Gruppe identifiziert haben. Frei übersetzt: Wenn du das Segment schon nicht erfindest, dann verliere wenigstens keine Zeit, bis du am Markt bist. Für die Produktion der neuen X-Klasse nutzt man die Kapazitäten der Werke des Kooperationspartners. Die X-Klasse wird im Nissan-Werk in Barcelona gefertigt und ab 2019 auch in Argentinien.

Die X-Klasse startet in Deutschland ab 37.294 Euro (inkl. MwSt.). Die Markteinführung beginnt im November 2017 in Europa. Folgt neben dem Mercedes-V6 noch ein originärer Mercedes-Vierzylindermotor? Man sollte nie nie sagen und auch eine AMG-Line wird man vorbereiten. Und spätestens dann wird man sich fragen: Warum hat es eigentlich so lange gedauert, bis der erste Pick-Up mit Stern auf dem Markt kam?

 

 

Das Kind von Kermit und Batman im Rennstrecken-Test

Gute Geschichten fangen ja oft mit einem: „Es war einmal … “ an. So könnte ich auch mein Rendezvous mit dem Mercedes-AMG GT R anfangen. Es war einmal, in Laguna Seca, da hatte Habby, den damals noch nicht alle „Habby“ nannten, eine Eingebung. Es war wie eine Art Erleuchtung. Es war dieses „once in a lifetime feeling“ , das ich erfahren durfte. Und es war damals noch kein AMG GT R, sondern der kaum harmlosere AMG GT S, der mich beeindruckte. Der mir erklärte, sehr nachhaltig, wie sportlich ein AMG wirklich sein kann. Alle Vorurteile wurden binnen Minuten in den bewölkten Himmel Kaliforniens geblasen. Bernd Schneider, der AMG GT S, ein Satz Michelin Cup2 und ich. Es war so beeindruckend, ich kann nicht anders als heute, fast drei Jahre danach, noch immer davon zu schwärmen. 

The beast from the green hell

Mercedes-AMG GT R auf dem BILSTER BERG

Die Weltpremiere des Mercedes-AMG GT R wiederum erlebte ich im vergangenen Jahr live. Bei der Presse-Fahrveranstaltung war dann leider für Habby kein Platz. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. 50 Jahre AMG und eine mittlerweile beeindruckende GT-Familie boten den richtigen Rahmen, noch einmal das Erlebnis AMG GT R zu ermöglichen. Kurz bevor der Herbst über das Land zieht, das Wetter ungemütlich wird, lud AMG ein, nicht nur das 50 Jahre- Sondermodell des AMG GT C zu erleben, sondern auch, das „Biest aus der grünen Hölle“ auf der vermutlich schönsten „Nicht-Rennstrecke“ zu erleben. Der BILSTER BERG ist eine Teststrecke, keine Rennstrecke. Aber was für eine „Nicht-Rennstrecke“. Es gibt Stellen, die erfordern ein mächtiges Gemächt beim Fahrer. Die Mausefalle zum Beispiel. Doch anstatt Peak-G-Kräfte zu erleben, stand Nassgrip-Erfahrungen sammeln ganz oben auf der Agenda. Denn der Wettergott hatte nur wenig gute Laune zum Event mitgebracht.

Vom Michelin Cup zum Pirelli P Zero „Nassgrip-Reifen“

Wenn 585 PS und 700 Nm zum Dienst antreten, dann zählt die Verzahnung zwischen schwarzem Gold, dem Reifenrund und dem Asphalt doppelt. Dumm nur, wenn ein feiner – oder auch mal derber – Wasserfilm diesem Vorhaben einen Abschluss für Freischwimmer mit goldenem Seepferdchen voraus stellt.

Der speziell von Michelin in Zusammenarbeit mit den Rennprofis von AMG für den GT „ohne Bindestrich“ R entwickelte Cup 2 wird ein wenig zickig, wenn das Wasser daumentief auf der Strecke steht und das Thermometer zudem bereits den Winter ankündigen will. Doch bei AMG ist man auch darauf vorbereitet und so darf ich meine ersten AMG GT R Runden auf dem Bilster Berg mit einem P Zero bereiften „Beast“ drehen. Warum ich das erwähne? Nun – der P Zero ist bereits ein super grippiger Sportreifen. Aber – stellt man den speziell entwickelten Cup 2 daneben – dann verblasst sein Glanz wohl deutlich. Deutlich weicher.

Hinterachslenkung, breitere Spur, massive Reifengrößen, adaptives Fahrwerk und selbst eine Uniball gelagerte Hinterachse – dies alles verblasst, wenn eine feuchte Strecke primär ESP und Traktionskontrolle auf die Prüfung stellen. Für AUTOHUB haben wir die ersten Runden im Video festgehalten – (hier auf Youtube) – später am Tag wurde die Strecke trocken. Und bei AMG packte man die Michelin Cup 2 auf die Fahrzeuge. Völlig befreit vom Zwang einer Moderation durfte ich dann noch einmal ran.

Der Laguna Seca Moment am Bilster Berg

Eigentlich ist es völlig egal, wie viel PS ein Sportwagen hat. Wie viel Nm sich auftürmen. Wenn die Strecke nass oder feucht ist, dann kann dir jeder Sportwagen den Stift gehen lassen. Primär dann, wenn du das Auto auf einer Rennstrecke zum ersten Mal fährst und die Rennstrecke kaum besser kennst, als die Zufahrt zur Hauptverwaltung der DUH. Gut. Ich durfte schon ein paar Runden auf dem 4.2 km langen Bilster Berg fahren, aber mit 585 PS? Noch nie. Und auch wenn die P Zero weniger zickig im feuchten waren als (vermutlich) die Michelin Cup 2- wenn dir bei Tempo 180 auf der „Pömbser Höhe“ in einer der Kuppen der massiv beflügelte Hintern des GT R weggehen will – dann bist du eben doch ein wenig eingeschüchtert.

Da hilft es dem Ego auch nicht, wenn vor dir Jan Seyffarth die gleiche Stelle schneller und ohne Querbewegung durcheilt hat. Überhaupt. Diese Rennfahrer.

In Kalifornien war es Bernd Schneider. Auf dem Bilster Berg war es nun Jan Seyffarth. Rennfahrer haben einen völlig anders geschulten Hintern. Die spüren den Gripabriss, bevor er beim Durchschnitt im Cortex ankommt. Und wo der grobmotorische Journalistenfuß das Gaspedal stumpf in die Fußmatte drückt, da spielt der Profi mit den Zehen die Klaviatur des sensiblen Motorsteuergerätes. Heiland. Es ist am Ende nur das Auto fahren. Und dennoch, gleiches Werkzeug, gleicher Ort, gleiche Zeit und dennoch trennen einen einfach Welten.

Gefühlt ist der Abstand im Regen Lichtjahre groß – im trockenen kaschiert das brutale Gripniveau des GT R diese Differenzen auf die Distanz, die man einen Kirschkern spucken kann. Und das ist das Verdienst des GT R. War der AMG GT S bereits eine Offenbarung, schreibt der GT R das Kapitel „Fahrbarkeit und Vertrauen“ in der heiligen Schrift der Supersportwagen völlig neu.

Es muss immens viel Feinarbeit gewesen sein, die man in die Weiterentwicklung des AMG GT gesteckt hat. War der GT S noch ein wenig Spitz beim Einlenken, vermittelt der GT R bei den letzten Runden des Tages, auf trockener Strecke, genau die Form von Feedback und Präzision, die es eben benötigt, will man den 700 Nm V8-Bi-Turbo-Brummer in seiner grellen „Green Hell Magno-Lackierung“ korrekt in den Scheitelpunkt einer Kurve setzen. Überhaupt ist der donnernde Tiefflug über die von Hermann Thilke gezeichnete Teststrecke auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionslagers von derart viel Vertrauen gekennzeichnet, dass man prompt nach einem Nachschlag bei der Leistungsstufe verlangen will. 585 PS sind sicher nicht das Ende der Fahnenstange – vor allem, wenn man die hängende Berg-ab Links, die Mutkurve, durcheilt und dabei das Gefühl bekommt: Aerodynamik und mechanischer Grip des GT R würden hier noch mehr erlauben.

Mechanischer Grip und Aerodynamik werden von der donnernden Rampensau, dem V8 mit dem Hot-V, permanent in den Hintergrund gedrängt. Dabei sind beide am beeindruckenden Erlebnis ebenso beteiligt wie der scheinbar nach Belieben aufblasbare 3.982 ccm(hoch3) große Bi-Turbomotor. Wer sich nicht zum ersten Mal hinter das Steuer eines Sportwagens setzt, der fasst so schnell Vertrauen zum GT R, wie dieser benötigt, um aus dem Stand auf Tempo 100 zu spurten. Der GT R mag, gerade in „green hell magno“ aussehen, als würde Kermit ein Batman-Kostüm tragen, aber all sein Flügelwerk ist nicht der Show verpflichtet, sondern der Balance und dem Abtrieb. Und dass man mit einer Allradlenkung und Uniball-Gelenklagern eine adaptive Dämpfungseinstellung noch einmal eine fahrdynamische Krone aufsetzen kann – auch das beweist der Kermit aus Gotham-City Affalterbach.

Mercedes-AMG GT R, man bekommt ihn auch ohne Make-Up und grellen Farben

Wer Trackdays liebt, aber im Alltag nicht ständig angestarrt werden möchte und sich dennoch mit einem AMG GT anfreunden könnte – was immer auch eine Frage der finanziellen Möglichkeiten ist, kostet der AMG GT R immerhin über 165.000 € – der fragt sich vermutlich, ob es nicht auch eine weniger dramatische Lösung gibt. Gibt es. Der Mercedes AMG GT C kann fast alles so gut wie der R, nur weniger dramatisch in seiner Optik. Er sitzt leistungsmäßig oberhalb des S und unterhalb des R, besitzt aber die Achskinematik und die Hinterachslenkung des R und natürlich kann man ihn auch in gänzlich unauffälligen Farben bestellen – wie zum Beispiel in einem „graphite grey magno“. Okay, das war ein Scherz. Unauffällig ist ein AMG GT halt nie …

Natürlich ist auch der GT C nicht wirklich unauffällig 😉
Der Bilster Berg – eine extrem anspruchsvolle Strecke!

IAA 2017: Mercedes-Benz kombiniert im Vorserienmodell des GLC F-Cell Brennstoffzelle und Batterie

Mercedes-Benz zeigt auf der IAA 2017 zum ersten Mal sein Brennstoffzellen-Fahrzeug GLC F-CELL. Es kombiniert Brennstoffzellen- und Batterietechnik zu einem Plug-in-Hybrid. Neben Wasserstoff wird die rein elektrische Variante des SUV auch Strom „tanken“.

In einem intelligenten Zusammenspiel treiben die beiden Energiequellen den Elektromotor mit einer Leistung von 147 kW (200 PS) bei einem maximalem Drehmoment von 359 Nm bis auf eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern an. Die beiden karbonfaserummantelte Tanks im Fahrzeugboden fassen circa 4,4 kg Wasserstoff. Dank der weltweit standardisierten 700-barTanktechnologie ist der Wasserstoffvorrat innerhalb von nur drei Minuten aufgefüllt. Damit unterscheidet sich der Tankvorgang zeitlich nicht von dem eines Autos mit Verbrennungsmotor.

Danach produziert das Vorserienmodell genügend Energie für eine Reichweite von bis zu 437 km im NEFZ. Rein elektrisch gefahren, ergibt sich eine Reichweite von bis zu 49 km. Über die 7,2 kW Onboard-Lader kann sie an einer haushaltsüblichen Steckdose, einer Wallbox oder einer öffentlichen Ladestation aufgeladen werden. Die Ladezeit beträgt bei Ausnutzung der gesamten Leistung ca. 1,5 Stunden.

Für die Weltneuheit hat Mercedes-Benz in Zusammenarbeit mit dem Daimler Kompetenznetzwerks ein komplett neues Brennstoffzellensystem entwickelt. Gegenüber der seit 2010 auf dem Markt befindlichen B-Klasse F-CELL (Kraftstoffverbrauch: 0,97 kg H₂/100 km, CO₂-Emissionen kombiniert: 0 g/km) bietet das gesamte Antriebssystem rund 40 Prozent mehr Leistung. Das Brennstoffzellensystem ist rund 30 Prozent kompakter als bisher, kann erstmals vollständig im Motorraum untergebracht werden und wird wie ein konventioneller Motor an den bekannten Aufhängungspunkten montiert. Zudem wurde der Einsatz von Platin in der Brennstoffzelle um 90 Prozent reduziert. So werden Ressourcen geschont und Systemkosten verringert. Wie der Plug-in-Hybrid des GLC verfügt auch die Brennstoffzellenvariante über verschiedene Betriebsarten und Fahrprogramme.

Zu den Fahrprogrammen des GLC F-CELL werden ECO, COMFORT und SPORT gehören. ECO bedeutet ein auf geringen Verbrauch optimiertes Fahrzeugverhalten. COMFORT bietet nicht nur eine komfortable Abstimmung, sondern sorgt auch für ideale Klimatisierung. Im Modus SPORT wird der Hybrid-Antriebsstrang sportlich ausgelegt. Während die Fahrprogramme das Verhalten des Autos und somit das Fahrerlebnis verändern, beeinflussen die Betriebsarten das Zusammenspiel zwischen Brennstoffzelle und Hochvoltbatterie. Im Betriebsmodus HYBRID zieht das Fahrzeug Leistung aus beiden Energiequellen. Leistungsspitzen deckt dabei die Batterie ab, die Brennstoffzelle wird im optimalen Wirkungsgradbereich betrieben. Im Modus F-CELL wird der Ladezustand der Hochvoltbatterie durch die Energie der Brennstoffzelle konstant gehalten.

Die Fahrt fast ausschließlich mit Wasserstoff ist der ideale Modus, wenn die elektrische Reichweite für bestimmte Fahrsituationen aufgespart werden soll. Im Modus BATTERY fährt der GLC F-CELL rein batterie-elektrisch, gespeist aus der Hochvoltbatterie. Das Brennstoffzellensystem ist nicht aktiv. Dies ist der ideale Modus für kurze Strecken. Im Modus CHARGE hat das Laden der Hochvoltbatterie Priorität, beispielsweise um die Batterie vor einem Wasserstofftankvorgang für die maximale Gesamtreichweite nachzuladen. Der Modus schafft zudem Leistungsreserven für Bergfahrten oder sehr dynamisches Fahren. In allen Betriebsmodi verfügt das System über eine Rekuperationsfunktion, die es ermöglicht, Energie beim Bremsen und beim Ausrollen zurückzugewinnen und im Akku zu speichern.

Für die Batterie und für alle Bauteile, die Wasserstoff enthalten, gelten besonders strenge Sicherheitsvorgaben. Neben der Absicherung im Fahrzeugcrash werden zusätzliche Komponententests auf Systemebene durchgeführt, die weit über die üblichen Tests hinausgehen. Serienmäßig sind Aktiver Abstands-Assistent DISTRONIC, Spurpaket mit Totwinkel-Assistent und Aktivem Spurhalte-Assistent, Einpark-Paket mit 360°-Kamera oder COMAND Online mit Verkehrszeichenerkennung an Bord.

Optisch geben blaue Akzente in Kühlergrill und den Leichtmetallrädern, der Schwellerverkleidung und dem Heckstoßfänger und eine Folierung mit der Aufschrift F-CELL einen deutlich sichtbaren Hinweis auf den Brennstoffzellenantrieb. Im Inneren differenziert ein neuer Designstyle das Brennstoffzellenfahrzeug deutlich vom konventionellen GLC. Neu im GLC F-CELL ist das Multifunktions-Touchpad mit Handschriftenerkennung, das in den präsentierten Vorserienfahrzeugen auf der IAA seine Weltpremiere feiert. Mit dem neu entwickelten Feature können TelematikFunktionen über Ein- und Mehrfingergesten, dem sogenannten Multitouch, gesteuert werden. Das Touchpad bietet damit eine zusätzliche Eingabemöglichkeit zur LINGUATRONIC in Verbindung mit COMAND Online. Darüber können über das Touchpad Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen mittels Handschrift eingegeben werden.

Voraussetzung für den Erfolg der Elektromobilität ist eine flächendeckende Infrastruktur. Bis Ende nächsten Jahres soll das H2-Tankstellennetz auf 100 Stationen anwachsen. Bis 2023 wird ein Netz von bis zu 400 Wasserstofftankstellen entstehen. Ähnliche Infrastrukturprojekte werden in Europa, den USA und Japan vorangetrieben.

IAA 2017 – Mercedes-Benz elektrisiert jetzt auch die Kompaktklasse

Bis 2022 will Mercedes-Benz Cars mehr als zehn vollelektrische Fahrzeuge auf dem Markt haben. Das erste im Kompaktsegment wird EQA heißen und als Concept Car auf der IAA 2017 zu sehen sein.

EQ steht für intelligente Elektromobilität. Unter dieser Marke wird Mercedes-Benz ein umfassendes elektromobiles System aus Elektrofahrzeugen, Wallboxes und Ladeservices bis hin zum Home Energiespeicher anbieten. Das erste Serienmodell der neuen Produktmarke EQ, der EQC, wird ab 2019 im Mercedes-Benz Werk Bremen produziert. Es basiert auf dem letzten Jahr in Paris gezeigten Concept EQ. Das Concept EQA zeigt die konsequente Weiterentwicklung der neuen Designsprache: Sicken sowie Linien sind deutlich reduziert. Die spiralförmigen Leuchteinheiten sollen an die Kupferwicklungen eines Elektromotors erinnern und in der Animation elektrische Impulse visualisiert.

Je ein Elektromotor an der Vorder – und Hinterachse erbringen eine Systemleistung von über 200 kW (270 PS). Über eine front- oder hecklastige Momentenverteilung des permanenten Allradantriebs lässt sich die Fahrcharakteristik verändern. Welches Fahrprogramm gewählt wurde, zeigt das Concept EQA der Außenwelt als Gimmick über einen virtuellen Grill. Im Fahrprogramm „Sport“ bildet er einen glimmenden Flügel im Horizontalformat ab, bei „Sport Plus“ erscheinen vertikale Streben im Stil eines Panamericana-Grills. Je nach installierter Batteriekapazität soll der EQA eine Reichweite von bis zu 400 Kilometer realisieren.

Die Lithium-Ionen Batterien liefert die Daimler-Tochter Deutsche Accumotive. Sie lassen sich via Induktion oder Wallbox aufladen und sind auch für das Schnellladen vorbereitet. Vision beim Aufladen an öffentlichen Ladesäulen ist „seamless charging“: Dieser Mercedes me-basierte Service ermöglicht es dem Kunden, unkompliziert an den unterschiedlichsten Ladestationen Strom zu laden und zu bezahlen.

 

Are you ready for the Stecker?

Mercedes-Benz präsentiert eine geniale Smartphone-App

Die Elektromobilität provoziert immer wieder mit den gleichen Ängsten. Hört man Interessierten aber skeptischen Autofahrern zu, dann kommen immer wieder die gleichen Argumente: So ein E-Auto ist ja ganz interessant, aber. Und bei Plug-in Hybriden kommt dann nach dem Reichweiten-Argument die nächste Keule: Nein, es rentiere sich ja für den eigenen Fahrstil gar nicht. Wenn man dann mal fragt, wie genau der eigene Stil und das eigene Profil aussehen, erntet man oft ein lautes Schweigen.

Mit der geradezu explodierenden Diversifizierung der Antriebstechniken wird zudem die Beratung im Autohaus immer wichtiger und immer öfter versagen leider auch die selbst ernannten Experten. Welche Technik passt denn nun zum eigenen Fahrprofil?

Ein reines E-Auto bei 99% meiner Fahrten? Oder ein Plug-in Hybrid, der besonders häufig rein elektrisch fahren kann? Nicht zuletzt die hysterische Diesel-Diskussion forciert die Ängste von Neuwagenkäufern und zukünftigen Elektroauto-Fans.

Zeit, den Menschen eine Hilfestellung zu geben, dachte man sich bei Mercedes-Benz und die mittlerweile obligatorische Frage: „Gibt es da keine App für..?“

EQ-Ready

Mit der nun kurz vor der IAA Premiere feiernden App „EQ-Ready“ präsentiert der Stuttgarter Automobil-Hersteller ein ziemlich geniales Hilfsmittel. Eine App, die einem nicht nur Orientierung dienen kann, sondern eine wirkliche, eine nützliche Hilfe bietet und die Antwort auf die Frage: „Are you ready for the Stecker?“ liefert.

Die seit dem 6. September im Android und Apple App-Store ladbare App „EQ-Ready“ App zeichnet, nach dem man ihr die entsprechenden Rechte eingeräumt hat, das persönliche Fahrprofil auf. Sie erkennt automatisch, wann man mit dem Auto unterwegs ist, von wo nach wo, analysiert Fahrtdauer und -Strecke und fragt nach möglichen Ladepunkten an den Start- und Endpunkten einer Reise. In meinem eigenen Fall konnte ich der App einen verfügbaren Ladepunkt zuhause angeben. Was bei den folgenden Fahrten dazu führt, dass man im Ideal-Fenster für die E-Mobilität startet. Gerade die vielen Kurz-Strecken unter der Woche, die selten mehr als 100 Kilometer langen Etappen, führen zu einem klaren Ergebnis.

Um aus dem Fahrprofil ein Empfehlung ableiten zu können, muss die APP natürlich noch einen anderen Parameter kennen: Welches Auto plant man zu nutzen. Die EQ-Ready App verfügt derzeit über acht hinterlegte Fahrzeuge. Die App startet, unterlässt man eine erste Konfiguration mit dem 2018 kommenden Elektro-SUV EQC, der noch als Concept-SUV hinterlegt ist. Mit der zu erwartenden elektrischen Reichweite von 500 Kilometern ist dieser natürlich eine Art Trumpf im E-Auto Quartett der App. Spannender wird es, wenn man die bereits verfügbaren smart fortwo Electric drive oder auch einen der verfügbaren Plug-in Hybriden wie den GLC 350e auswählt.

In meinem eigenen Fall war nach einer kurzen Woche der Nutzung klar: „Glückwunsch, alle Deine Fahrten sind elektrisch möglich“. Bezogen auf den kommenden Elektro-SUV der Stuttgarter. Nun gut, wenig verwunderlich, nach 2.5 Jahren Dauertest mit einem Plugin-Hybriden war mir schon vor Nutzung der App klar: Ja – ich kann auch mit Stecker!

Dennoch, für Menschen, die den Umstieg planen, ist diese App perfekt geeignet. Schade eigentlich nur, dass man nur Mercedes-Benz (und smart) Modelle auswählen kann 😉