20 Jahre Mini unter BMW-Regie: Mit Sunny ging die Sonne auf

Sunny trägt den Spitznamen wegen des sonnengelben Lacks

Klein, charmant und irgendwie auch ein bisschen schrullig – wer an einen alten Mini denkt, der hat immer gleich die Dienstwagen von Mr. Bean im Sinn. Doch die Marke hat sich unter der Regie von BMW soweit entwickelt, dass selbst die ersten Briten mit bayerischen Wurzeln beinahe Youngtimer sind. Zeit also, noch einmal auf Spurensuche zugehen.

Von wegen nachts sind alle Katzen grau. Das mag für konventionelle Kleinwagen gelten und für gewöhnliche Gegenden. Doch wenn es Nacht wird in Frankfurt, dann können die Autos gar nicht bunt genug sein. Erst recht die Kleinwagen, und vor allem rund um den Bahnhof. Denn da, wo sonst zumeist AMG & Co auffahren, muss man schon Farbe bekennen, wenn man überhaupt auffallen will.

„Sunny“ hat Geschichte der Kleinwägen geschrieben

Für „Sunny“ ist das kein Problem. Schließlich trägt er diesen Spitznamen wegen des sonnengelben Lacks, der seine niedlichen Formen ziert. Und Auffallen ist eine der Kerntugenden, die ihm seinerzeit ins Stammbuch geschrieben wurden. Denn „Sunny“ ist einer der ersten Minis, die unter BMW-Regie entwickelt wurden, und so den Lifestyle in die Liga der Kleinwagen gebracht haben.

Das ist jetzt ziemlich genau 20 Jahre her und auch wenn die Rolle des Classic Mini noch immer jenem Elefanten-Rollschuh gebührt, den Sir Alec Issigonis im Jahr 1957 angeblich auf einer Serviette skizziert und 1959 zur Weltpremiere gebracht hat, zählt Sunny zumindest bereits zu den Youngtimern und ist deshalb allemal eine Ausfahrt zum runden Geburtstag wert. Dass die ausgerechnet durch Frankfurt führt und nicht durch Oxford, wo er gebaut wurde, durch München, wo Entwickler und Designer sitzen, oder durch London, wo der Mini zum Kult wurde, passt ganz gut: Denn genau wie Frankfurt gerne was Besseres sein möchte und sich deshalb als globale Metropole präsentiert und nicht als gewöhnliche Großstadt, wird Mini nicht müde, das Adjektiv „premium“ zu strapazieren – selbst wenn das über viele Jahre nur ein Synonym war für überzogen hohe Preise und viel zu lange Listen an Ausstattung.

Der offizielle Geburtstag fällt in den Oktober 2000, als BMW auf dem Pariser Salon das Tuch vom neuen Mini gezogen und wenige Tage später die Produktion des Originals nach 41 Jahren eingestellt hat. Doch dem Premierentag gingen lange Planungen voraus: Schon im Juli 1994 fiel das Startsignal für die Entwicklung. Schließlich musste der Kleine wieder ein großer Wurf werden, musste Designdetails wie die kurzen Überhänge, die runden Scheinwerfer und den hexagonalen Kühlergrill genauso in die Neuzeit übertragen wie die grundlegende Idee aus den Anfangsjahren des classic Mini: Maximalen Platz auf minimaler Fläche und jede Menge Spaß beim Fahren. Nur diesmal nicht für die breite Masse, wie es Sir Issigonis gedacht hatte, sondern für die bessere Gesellschaft. „Der Mini war das erste Premium-Fahrzeug seiner Klasse“, sagt Markenchef Bernd Körber in der Rückschau.

Das kleine Auto ist ein richtiger Fahrspaß

Premium oder nicht – darüber kann man angesichts des kunterbunten Kaugummi-Automaten-Charmes im Cockpit 20 Jahre später trefflich streiten. Doch zumindest die Frage nach dem Fahrspaß beantwortet „Sunny“ in dieser Nacht in Frankfurt unzweifelhaft: Wenn er gierig mit den Vorderrädern scharrt, jeden Ampelstopp mit einem Kavalierstart beendet, sich mit einem kehligen Knurren auch durch das Bollern der Rotlicht-Boliden Gehör verschafft und im flotten Zickzack durch die bunten Neonwelten des Bahnhofsviertels kurvt, fühlt man sich tatsächlich wie auf dem Autoscooter und die Stadt wird zum Rummelplatz. Und wer kurz nach Feierabend noch einen Schlenker durch den Taunus dreht, fühlt sich fast ein bisschen wie Rauno Aaltonen auf der Siegerstraße bei der Rallye Monte Carlo. Selbst wenn der Cooper von einst nur 115 PS entwickelt und gerade mal 149 Nm mobilisiert und damit meilenweit entfernt ist von jenen 306 PS und 450 Nm, die aktuell das Maximum im Mini markieren, fühlt er sich damit an wie ein Go-Kart für Große und fliegt hinauf zum Feldberg, als gäbe es kein Morgen mehr. Dass er tatsächlich 9,2 Sekunden bis Tempo 100 braucht und dass bei 200 km/h schon wieder Schluss ist, will man da kaum glauben.

Genauso wenig mag man glauben, dass damals ernsthaft jemand über das Format geschimpft hat: Ja, 3,63 Meter in der Länge und 1,69 Meter in der Breite haben vor 20 Jahren die Vorstellung von Mini maximal gedehnt. Doch gemessen an dem, was danach noch alles kam, war der erste neue Mini fast noch ein Kleinwagen.

Denn vom Erfolg des Dreitürers beflügelt und von der Not um höhere Stückzahlen getrieben, hat BMW die Modellpalette weiter ausgebaut als je zuvor. Zwar fehlen Umbauten wie der luftige Moke, die kleine Limousine und ein Wohnmobil. Doch haben die Bayern dafür neben dem Clubman und dem Cabrio ein paar ganz neue Varianten entwickelt: Roadster und Coupe sind ohne Vorbild, genau wie der Fünftürer und vor allem der Countryman, der schon früh auf der SUV-Welle geritten ist. So ist Mini in zwei Jahrzehnten von der kunterbunten Monokultur zu einer breit, bisweilen sogar zu breiten Marke mit bis zu zehn verschiedenen Modellen geworden.

Der Mini wird modern gemacht

Genau wie im richtigen Leben machen Bayern und Briten jetzt an der Schwelle vom Teenager zum Twen eine Standortbestimmung und stecken den Kurs neu ab: 20 Jahre nach der Neuerfindung von Modell und Marke drehen sie das Rad deshalb jetzt weiter und machen Mini fit für die Moderne: Wenn in drei Jahren die nächsten Neuheiten anrollen, soll die Modellpalette kleiner werden und die Autos dafür größer – so lässt sich der Plan von Markenchef Körber zusammenfassen. Neben dem dreitürigen Hatch soll es zwei Crossover geben. Das eine so groß wie der Countryman, das andere eher im Format des BMW X1 und damit rund 40 Zentimeter länger. Und wo es den Countryman-Nachfolger nur noch elektrisch geben wird, will Mini bei den Kunden bei den beiden anderen Baureihen noch eine zeitlang die Wahl lassen zwischen Batterie oder Benzin und so flexibel auf die Mobilitätswende reagieren.

Anders als vor 20 Jahren schauen sie dabei von München aus aber nicht mehr nach England, zumindest nicht ausschließlich. Denn auch wenn sie dem Werk in Oxford vorerst noch Bestandsschutz gewähren und auch einige der neuen Modelle auf der Insel bauen wollen, liegt der Fokus jetzt auf China. Genau wie Smart sein Heil in einem Joint-Venture mit den Chinesen sucht, hat sich auch BMW für Mini mit einem Partner in Fernost zusammen getan und entwickelt die neuen Minis gemeinsam mit Great Wall und will zumindest die elektrischen Varianten genau wie beim BMW iX3 von China aus in die Welt verschiffen.

Nach der Jubiläumsfahrt in Frankfurt steht deshalb wohl bald eine Jungfernfahrt in China an. Die mag zwar etwas stiller werden, weil unter dem Blech dann nur ein E-Motor surrt. Doch ein wenig Farbe kann auch im fernen Osten nicht schaden. Graue Katzen gibt es dort nächstens schließlich schon genug.

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