Autos, die 2020 ihren Abschied nehmen

Von groß bis klein: 2020 wurden die unterschiedlichsten Fahrzeugtypen in den Ruhestand verabschiedet. Und es traf nicht nur konventionell angetriebene.

Das Auto-Jahr 2020 war spannend. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sorgten für Schwierigkeiten und ließen so manche Markteinführung verspätet erfolgen. Für das Aus vieler Modelle in diesem Jahr ist das Virus aber nicht verantwortlich.

Der Verkauf von E-Autos boomt dank der Innovationsprämie. Ihr Marktanteil ist in diesem Jahr auf 12 Prozent gestiegen. Das Angebot wächst stetig, als Folge werden aber auch alte Möhrchen aussortiert. Nachdem Mitsubishi seinen i-MiEV bereits vor zwei Jahren ausgemustert hat, ziehen Citroen und Peugeot nach und schicken C-Zero und Ion in Rente. Ihr Debüt hatten die baugleichen Drillinge bereits vor 10 Jahren, die nun doch in die Jahre gekommene Fahrzeuge konnten weder aufgrund ihrer Leistung (49 kW/67 PS) oder Reichweite (150 Kilometer) mit den aktuellen Offerten mithalten. Außerdem muss man Platz für neuere Modelle wie den Peugeot 208e und auch kommende wie den Citroen Ami schaffen.

Doch nicht nur kleine E-Mobile verschwinden, auch ein Luxusgefährt hat teilausgestromert. Der Hybridsportler BMW i8 ist seit April Geschichte. Mit seinem ungewöhnlichen Design sowie einem 262 kW/356 PS starkem Plug-in-Hybridantrieb sorgte der seit 2014 angebotene 2+2-Sitzer für Aufsehen. Er sollte das Flaggschiff der 2010 gegründeten Submarke BMW i werden. Trotz seines hohen Preises (Coupé ab 138.000 Euro, Roadster ab 155.000 Euro) sind rund 20.000 i8 in den vergangenen sechs Jahren in Leipzig handgemacht vom Band gerollt. Ob E-Flitzer irgendwann zum Kultmobil aufsteigt und sich neben 507, M1 und Z8 einreiht, wird sich zeigen.

Eine Ikone der Hybridtechnologie hat es ebenfalls erwischt. Nach rund zwei Jahrzehnten hat Toyota den Hybrid-Pionier Prius in Deutschland im Sommer vom Markt genommen. Lediglich die optisch eigenständige PHEV-Variante mit extern aufladbarer Batterie bleibt im Programm. In Punkto Sparsamkeit konnte dem Prius so schnell kein Fahrzeug das Wasser reichen, allerdings war sein Design eher gewöhnungsbedürftig. Mit zunehmender ansehnlicher Hybrid-Konkurrenz auch im eigenen Haus wie etwa mit RAV4, Corolla oder Yaris sank seine Popularität bis zur Bedeutungslosigkeit.

Ebenfalls nach 20 Jahren muss der Lexus IS seinen Hut nehmen. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa wird die neue, vierte Generation des Mittelklassemodels nicht mehr auf den Markt kommen. Vom bärenstarken Konkurrenten zu BMW 3er und Audi A4 mutierte der Japaner über die Jahre zur braven Limousine, die nur mit Hybridantrieb zu haben war. Immerhin: Bislang hält Toyota an seiner Edelmarke Lexus in Europa fest.

Anders ist es in diesem Jahr Infiniti ergangenen. „Infiniti – wer oder was?“, werden wohl einige fragen: Die Fragestellung ist Teil des Problems des Luxusableger von Nissan. Zwar konnte sich die Marke, die 2008 in Europa gegen die Premiumkonkurrenz um Audi, BMW, Mercedes und Porsche startete, zu Beginn mit schwungvollem Design, VIP-Service und Formel-1-Engagement bei Sebastian Vettels Rennstall einen gewissen Bekanntheitsgrad erringen, aber viel mehr auch nicht. Auch die Verwendung von herausgeputzten Ablegern von Mercedes A-Klasse und GLA gab wohl nicht den erhofften Verkaufs- und Prestigeschub. Somit haben sich die Japaner nun aus Europa zurückgezogen und konzentrieren sich auf die USA und China.

Auch den nächsten Abschied werden nur die wenigsten bemerken. Nach 10 Jahren Bauzeit hat der Bentley Mulsanne ausgedient. Das Flaggschiff der zum VW-Konzern gehörenden Luxus-Marke erhält zudem keinen Nachfolger; diese Position soll der Flying Spur übernehmen.

Ganz ohne Nachfolger bleibt auch die Mercedes X-Klasse. Das Aus für den Pick-up kam nach nur drei Jahren. Die Verkaufszahlen stimmten nicht. Das Konzept, ein Arbeitstier – die Plattform stammt vom Kooperationspartner Nissan – optisch und technisch aufzuhübschen, ist nicht aufgehangen. Im Vergleich zum Nissan Navara oder dem ebenfalls baugleichen Renault Alaskan tritt die X-Klasse außen und innen deutlich edler auf. Als einziges Modell in dem Trio verfügt der Mercedes zudem über einen optionalen Sechszylindermotor sowie einen permanenten, nicht nur zuschaltbaren Allradantrieb. Handwerker und Gewerbetreibenden goutierten dies aber nicht, dafür war der Pick-up mit Stern einfach zu teuer.

Gar nicht teuer war hingegen der Fiat Fullback, ein fast waschechter Klon des Mitsubishi L200. Der italienische Ableger des japanischen Urgesteins hielt immerhin vier Jahre durch, bis er ausgemustert wurde. Er wurde als Double-Cab (Fünfsitzer), Extended Cab (2+2-Sitzer) und Fahrgestell angeboten. Zur Wahl standen Heck- sowie Allradantrieb.

Kein Ableger oder Klon war bislang der VW Amarok, sondern eine VW-Eigenentwicklung. Der seit 2010 erhältliche Pick-up war recht erfolgreich unterwegs; trotzdem wurde seine Produktion im Frühjahr eingestellt. Ihm drohte von zweifacher Seite Ungemach. Die ab September strengeren Abgasvorschriften hätten eine Umrüstung der Motoren nicht als wirtschaftlich sinnvoll erscheinen lassen. Schließlich steht auch bei einem Pick-up ab rund 10 Jahren Bauzeit ein Modellwechsel an. Statt aber einen Nachfolger auf die vier Räder zu stellen, hat sich VW entschieden im Rahmen der mit Ford geschlossenen Kooperation bei Nutzfahrzeugen einen Nachfolger anzubieten. Der dürfte dann mehr Ford Ranger als VW Amarok sein. Das Produktionsende am Standort in Hannover hat auch strategische Gründe. Hier sollen unter anderem batterieelektrische Nützlinge wie der ID. Buzz vom Band laufen.

Nicht besonders nützlich, dafür spaßig gestaltete sich das Fahren mit den Schwesternmodellen Toyota GT 86 und Subaru BRZ. Der 147 kW/200 PS starke Zweiliter-Vierzylinder-Boxermotor reicht für sportives Fahrvergnügen. Der 2+2-Sitzer überzeugt mit klassischen Proportionen wie lange Motorhaube, knackiges Heck und tiefen Schwerpunkt. Nach neun Jahren ist jetzt aber Schluss. Wer einen sportlichen Toyota will, muss entweder zum kleinen Yaris GR (192 kW/261 PS) oder zum GR Supra (250 kW/340 PS) greifen. Der Wegfall des BRZ hinterlässt dagegen bei Subaru eine Lücke im Angebot. Aber wer weiß, vielleicht kommt er ja zurück. Die zweite Generation ist Ende 2020 in den USA gestartet.

 

 

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