Das Maß der Dinge in der Kompaktklasse

Das Maß der Dinge in der Kompaktklasse – Die achte Generation des VW Golf

“Life happens with a Golf” ist nur eine von den vielsagenden Botschaften anlässlich der Präsentation des neuen Golf im portugiesischen Duorotal. Doch auch das Leben mit einem Golf der achten Generation bietet nicht immer eitel Sonnenschein. Immerhin gelang es dem laut VW-Chef Diess „richtigen Auto zum richtigen Zeitpunkt“ in der neuen Karosseriefarbe Limonengelb im Dauerregen einen netten Akzent ins Trübe zu setzen. Die neueste Ausgabe des bislang weltweit 35 Millionen mal verkauften Bestsellers aus Wolfsburg soll jetzt alle aktuellen Mobilitätsfragen an Volkswagen beantworten. Neben konventionellen und saubereren Benzinern und Selbstzündern sowie einer Erdgasvariante gehören drei Mild-Hybride und zwei Plug-in-Hybride mit einer Bandbreite von 90 bis 300 PS zum Angebot des Dauerrenners. Nur einen elektrischen neuen Golf wird es mit Rücksicht auf den VW ID.3 nicht geben.

Der neue Golf 8: Windschnittigeres Blechkleid

Von der ersten Generation aus dem Jahr 1974 trennen den Golf 8 schon optisch natürlich längst Welten. Doch man sieht es deutlich, bei jedem Modellwechsel haben die Wolfsburger, die stolz jeweils ein Exemplar aller acht Generationen des Golf mit nach Portugal gebracht haben, nur behutsam Hand angelegt. Frei nach der Devise „Never change a winnig team“. Mit 4,28 Metern Länge, einer Breite von 1,88 Metern und einer Höhe von 1,45 Metern bleibt der Golf 8, der nur noch als Fünftürer angeboten wird, seiner Klasse treu. Zumindest, was die Dimensionen betriftt. Trotzdem wirkt er flacher und gestreckter. Das Blechkleid wurde mit Blick auf die  Aerodynamik schnittiger modelliert, die Stirnfläche auf 2,21 m² abgesenkt, selbst die Außenspiegel wurden im Windkanal optimiert. Das Ergebnis : Ein cW-Wert von 0,275 anstelle von 0,3 bei Golf 7. Zum Vergleich: Die  Luftwiderstandsweltmeister Mercedes bietet mit der Limousine der A-Klasse 0,22. Stets serienmäßig sind LED-Scheinwerfer und  – Rückleuchten, optional sind Matrix-Leuchten mit an Bord. Nahezu unverändert bei gleich gebliebenem Radstand: Das Platzangebot für die Passagiere und das Kofferraumvolumen von 380 Litern bis 1.237 Liter.

Der neue Golf 8: Digitale Revolution im Cockpit

Der Einstieg ins Innere, die Feinjustierung des Sitzes, das Anschnallen und das Anlassen des 1,5 Liter TSI dauert keine Minute. Das ist etwa genauso lang, wie die Zeit, die zwischen zwei  Käufen eines VW Golf irgendwo auf dieser Welt auf einem der fünf Kontinente verstreicht. VW weiß es offensichtlich genau: Alle vierzig Sekunden kauft jemand irgendwo auf der Welt einen Golf – allem SUV-Hype zum Trotze. Etwas länger wiederum dauert es allerdings, sich in dem neuen schicken Cockpit des Golf 8 zurecht zu finden. Im „Tablet auf Rädern“ mit einem 10-Zoll-Display hinter dem Lenkrad und einem 8,25 Zoll oder auf Wunsch ebenfalls 10 Zoll großen Touchscreen gibt es keine analogen Instrumente und keine Schalter und Knöpfe mehr. Statt dessen wird getoucht oder es werden auf „Bedieninseln“ links neben dem Lenkrad oder unter dem Bildschirm auf – etwas schwer abzulesende Tasten – gedrückt, um das Navi, die Klimaanlage, das Radio und vieles mehr zu bedienen.Außerdem darf nach Herzenswunsch über einen „Touchslider“ gewischt und die Temperatur im Auto und die Lautstärke das Radiosenders verändert oder per Gestensteuerung Innenlicht und Schiebedach dirigiert werden.

Der neue Golf 8: Car2X-Kommunikation warnt frühzeitig vor Gefahren

Wem das trotz der klar aufgebauten und hübsch bunt bebilderten Menuführung zu mühsam ist, der kann nach einem auffordernden „Hallo, Volkswagen“ – zumindest vorerst – zum Thema Klima, Navi und Telefon auch mit Worten Wünsche äußern, die sogar dem einzelnen Passagier zugeordnet werden können.Sagt der Fahrer „Mir ist kalt“, bläst es nach einer kurzen Bestätigung tatsächlich warm aus der linken Belüftungsdüse. Die unumgängliche Frage nach der nächsten Toilette beantwortet die – übrigens lernfähige Assistentin – nach der Konktretisierung „Ich muss Pipi“ umgehend mit dem Hinweis auf einen Rastplatz ganz in der Nähe. Erstmals werden im Golf jetzt über ein echtes (aufpreispflichtiges) Head-up-Display Botschaften wie Geschwindigkeit, Tempolimit oder Navigationshinweise direkt in die Windschutzscheibe projiziert. Als erster Volkswagen überhaupt besitzt der Golf 8 mit Car2X die Fähigkeit, sich mit anderen Fahrzeugen und der Verkehrsinfrastruktur zu vernetzen und sich rechtzeitig vor Gefahrensituationen wie einem Stauende, Baustellen oder einem nahenden Einsatzfahrzeug warnen zu lassen. Ein Meilenstein auf dem Weg zum unfallfreien Fahren, zumindest der Auftakt von Zukunftsmusik.

Der neue Golf 8: Debüt der 48-Volt-Technologie bei VW

Der 150 PS eTSI mit dem 48-Volt-Mildhybridsystem in Kombination mit dem Siebengang-DSG treibt den neuen Golf flott voran auf dem regennassen Asphalt entlang des Douro und dreht bei Bedarf auch munter hoch. Das Fahrwerk bietet die Wahl zwischen agil und komfortabel, die Lenkung ist sportlich direkt. Sobald man den Fuß vom Gas nimmt – im „Freilauf“ – schaltet sich der Motor ab. Dann rollt das Auto ohne Kraftstoffverbrauch. Drückt man bei der nächsten Steigung wieder das Gaspedal, pariert und erwacht der Verbrenner stehenden Fußes. Da das ganze komfortabler geschieht als beim normalen Anlasser, merkt man von dem Wechselspiel nichts. Auswirkungen zeigen sich dann schon eher an der Tankstelle. Den kurzen Mix zwischen Autobahn und Landstrasse quittierte der Bordcomputer mit 5,8 Liter, was Vielfahrer über den Diesel nachdenken lassen wird.

AUTOHUB-Autorin: Solveig Grewe

Der Verkauf des Golf 8 beginnt am Nikolaus-Tag 2019, konfigurierbar sind die Motoren in der Startphase mit der neuen Ausstattungslinie „Life“ . Der Grundpreis des Golf Life 1,5 TSI mit 96 kW/130 PS beträgt 27.510 Euro. Die Basis in der Version „Golf“ startet 2020 zum Preis von unter 20.000 Euro.

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