Die Camper gehen auf die Straße

Es muss ja nicht gleich Kampanien oder Kanada sein, viele Reiselustigen gäben sich in den Zeiten des Lockdowns ja schon mit einer kleinen Ausfahrt ins Naherholungsgebiet zufrieden, um ihr Fernweh zu stillen. Das gilt besonders für die Camper, denen in ihren mobilen Appartements ja jedwede Hygieneregel einzuhalten leicht fällt. Daher hat im vergangenen Monat eine Gruppe von Branchenexperten in einem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder geschrieben, in dem um eine Öffnung der Camping- und Stellplätze gebeten wird. Bis heute gab es darauf weder eine Antwort, noch wurde das Anliegen bei den vorgezogenen Beratungen um mögliche Lockerungen in der vergangenen Woche berücksichtigt. Jetzt geht es auf die Straße. Am 13. März wollen sich 110 Reisemobile und Wohnwagengespanne in Düsseldorf mit einem von den Behörden genehmigten Autokorso Gehör verschaffen.

„Wenn es um Tourismus geht, fehlt Camping in der aktuellen Debatte. Das verwundert, denn der Sommer 2020 hat gezeigt, wie erfolgreich sich Campingurlaub coronaschutzkonform gestalten lässt. Deshalb unterstützen wir rückhaltlos das Wiedereröffnungskonzept inklusive seiner klaren ,Ampel‘-Eskalationsstufen, das der BVCD am 17. Februar vorgelegt hat.“ Unter anderem mit diesen Sätzen haben die Unterzeichner des Offenen Briefes ihr Anliegen begründet. Zu ihnen zählen Campingplatzbetreiber, Tourismusmanager und Sachverständige, deren Geschäftsmodelle teilweise zum Erliegen gekommen sind.

Auch Kindern würde eine Öffnung der Plätze helfen. Im Februar hatten sich Kinderärzte in Essen mit einem Notruf an den Oberbürgermeister der Stadt an der Ruhr gewandt. Sie warnten, wie sich Auffälligkeiten bei ihren jungen Patienten manifestieren und drängen darauf, die Kollateralschäden des Lockdowns stärker zu fokussieren. Ähnliche Appelle wurden von Psychotherapeuten und Psychiatern in Bezug auf Erwachsene und von Trägern der Frauenhäuser in Bezug auf eskalierende häusliche Gewalt angemahnt.

Der Auto-, oder besser Caravaning-Corso soll um 14 Uhr auf dem Parkplatz 1 der Düsseldorfer Messe starten und sich Richtung Innenstadt bewegen. Der Ort der Handlung ist mit Bedacht ausgewählt. Schließlich ist die Messe Düsseldorf der Austragungsort der weltweit größten Caravaning-Messe, dem Caravan-Salon. Im vorigen Jahr konnte die Ausstellung im September mit reduzierter Besucher- und Ausstellerzahl stattfinden. Andere Fachmessen wie die CMT in Stuttgart und die Reise + Camping in Essen sind dagegen dem Lockdown zum Opfer gefallen.

Die Aktion soll dem Anliegen der Organisatoren, die sich vor allem über die Nichtbeachtung ihres Schreibens grämen, eine höhere und breitere Aufmerksamkeit bescheren. Dabei sind nicht wenige Bürger betroffenen. Zur Zeit sind in Deutschland knapp 600.000 Reisemobile und mindestens ebenso viele Wohnwagen im Bestand. Die Caravans lassen sich dabei nur ungenau erfassen, da viele von ihnen ein stationäres Dasein auf Dauercampingplätzen in Naherholungsgebieten fristen und nicht angemeldet sind. Sie werden meist von Familien bewohnt, hier liegt der Faktor der Nutzer bei vier. Bei Reisemobilen schwankt die Zahl der Camper zwischen zwei und drei. Vorsichtig gerechnet geht es demnach um mehr als 3,6 Millionen Menschen, denen das Nutzen ihrer Freizeitfahrzeuge aktuell nicht gestattet ist.

Stell- und Campingplätze sind geschlossen, da touristische Übernachtungen zurzeit nicht gestattet sind. Wer allerdings nachweisen kann, dass er beruflich auf Reisen ist, und dies sogar mit einem Schreiben des Arbeitgebers belegen kann, wird auf Campingplätzen gerne empfangen, sofern diese geöffnet sind. Strafbar macht sich trotz eines solchen Schreibens jeder, der die aufgestellten Parkverbotsschilder auf den Stellplätze oder Absperrungen mit Flatterband missachtet.

Allerdings bleibt ein Grundrecht in der Straßenverkehrsordnung davon unberührt. Wer im Wohnmobil übernachtet und dies aus dem Grund der „Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“ tut, hat das Recht auf seiner Seite. Campingmöbel und Grill bleiben dabei aber unbedingt im Kofferraum, denn Campen ist in diesem Fall nicht erlaubt.

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