Erst Auto-, dann Menschengesicht

Es gibt sie: Menschen, die ein Auto sofort wie aus der Pistole geschossen genau mit Marke und Modell bestimmen können. Woran liegt es? Es hat nicht unbedingt etwas mit dem Sehvermögen zu tun. 

Marke? Modell? Kein Problem. Manche Menschen sehen ein Fahrzeug nur kurz, vielleicht sogar nur von der Seite, und können trotzdem das Fahrzeug präzise bestimmen. Woran liegt das? Können Autokenner besser sehen? Haben Sie ein Blick für Fahrzeuge? Oder haben sie einfach ein spezielles Talent?

Auszuschließen ist nach derzeitigem Wissenstand demnach, dass es eine Hirnregion gibt, die für alle Arten von Spezialwissen zuständig ist. Wie der TÜV Nord berichtet, spielen dagegen Hirnbereiche, die für Sinneseindrücke zuständig sind, eine große Rolle bei der Fähigkeit, Autos voneinander unterscheiden zu können.

So haben Wissenschaftler bei Versuchen mit Probanden bemerkt, dass nicht die Sehareale des Gehirns beim Erkennen von Autos aktiv sind, sondern jene Teile des Stirnhirns vergrößert sind, die Sinneseindrücke interpretieren. Bei Autokenner kommt zudem eine Besonderheit zum Tragen: Der Bereich im Hirn, der normalerweise aktiviert wird, wenn man ein Gesicht sieht, wird bei Autoexperten beim Betrachten von Autos angeregt – selbst dann, wenn das Auto nur von der Seite angeschaut wird. Dieses Gesichtsareal ist also nicht nur allein für die Erkennung von menschlichen Gesichtern verantwortlich, sondern ist auch in der Lage, grundsätzlich zwischen ähnlichen Objekten einer Kategorie zu unterscheiden – gleichgültig, ob es sich um verschiedene Gesichter oder verschiedene Fahrzeuge handelt.

Wissenschaftlern ist in diesem Zusammenhang eine weitere Eigenheit aufgefallen: Im Umfeld von Autos brauchen Autospezialisten lange, um menschliche Gesichter zu entdecken. Die Fahrzeuge beanspruchen bei ihnen offenbar dieselben Ressourcen im Gehirn, die gewöhnlich für Gesichter reserviert sind.

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1 Kommentar
  1. Ein spannendes Thema. Über so etwas ähnliches habe ich damals in meiner Diplomarbeit geschrieben. Vermutlich weil ich zu denen gehöre, die Benzin im Blut haben, sich für Autos interessieren und ein Auto ziemlich schnell nach ihrem Design zuordnen können. Andere würde sagen, es ist unnützes Spezialwissen – mich freut’s.

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