Fahrbericht: Land Rover Discovery

Nach vier Jahren Marktpräsenz wird es Zeit für ein Update. Genau das hat Land Rover seinem Discovery nun spendiert. Wir waren mit dem jeweils stärksten Benziner und dem kräftigsten Diesel unterwegs.

Man muss schon genau hinsehen, um den neuen Jahrgang des Land Rover Discovery von außen zu identifizieren: Minimal angefasste Scheinwerfer und Rückleuchten dienen als Hinweise, sichergehen aber kann man mit der Identifikation des Modellschriftzuges am Heckdeckel, der jetzt auf glänzend-schwarzem Untergrund prangt. Ein Blick in den Innenraum verrät den Jahrgang 2021 ebenfalls – der jetzt auf 11,4 Zoll angewachsene und damit in der Tat stattlich wirkende Touchscreen sieht nicht nur schicker aus, sondern lässt sich dank modifizierten Systems auch noch besser bedienen. Das Kombiinstrument bleibt analog in der Grafik und soll offenbar den rustikalen Charakter des Disco, wie er von seinen Fans liebevoll genannt wird, betonen – aber aus elektronischer Displayfläche besteht es dennoch und ist damit maximal flexibel in der Informationsausgabe. 

Gar nicht rustikal hingegen sind die Preise, mindestens 62.045 Euro müssen die Kunden für das Einsteigermodell berappen. Das ist jetzt ein 183 kW/249 PS starker und drei Liter großer Sechszylinder-Diesel (statt wie früher mit zwei Litern und vier Zylindern). Der hubraumgleiche stärkere Selbstzünder mit 221 kW/300 PS kostet ab 67.022 Euro, die Benziner – Zweiliter-Vierzylinder mit 221 kW/300 PS respektive Dreiliter-Sechszylinder mit 265 kW/360 PS – starten ab 61.044 Euro beziehungsweise 67.052 Euro.

Analog zum Jaguar F-Pace erhält auch der Discovery jetzt den neuen Dreiliter-Reihensechszylinder-Diesel mit leichter Hybridisierung mittels Startgenerator. Wer beim Drücken auf den Startknopf genau horcht, erlebt die schwere Maschine lediglich „anploppen“ – es also kein typisches Anlassergeräusch mehr. Und der so geräuscharme E-Motor boostet beim Anfahren auf die Kurbelwelle, was das kleine Turboloch eliminiert. Tatsächlich legt der große Geländewagen nahezu verzögerungsfrei los, und das auch mit Schmackes, denn 650 Newtonmeter Drehmoment ab 1.500 Touren sind schon eine Ansage. Das macht vor allem Spaß, wenn man bedenkt, dass Land Rover für den Selbstzünder 7,3 Liter/100 Kilometer als kombinierten NEFZ-Verbrauch ausweist. In der Praxis werden es zwei Liter mehr, aber angesichts Leistung und Gewicht geht das in Ordnung.

Da braucht der aus den Range Rover-Modellen bereits bekannte, aber für den Discovery um 40 Pferdchen reduzierte Dreiliter-Sechszylinder-Benziner trotz Elektrifizierung inklusive E-Verdichter gut und gerne zwei Liter mehr – und das auch noch von dem teureren Superbenzin. Aber wer das Budget hat, wird angesichts des seidigen Laufs der Maschine darüber hinwegsehen. So sämig und leise wie dieser Motor geht kaum moderner ein Direkteinspritzer zur Sache. Das Zugkraft-Plateau ebbt erst jenseits der 5.000 Touren-Grenze ab.  Und obwohl mit 500 Newtonmeter in der Spitze weniger Zugkraft anliegt, ist der Otto mehr Genussmotor – denn er dreht freudig bis in den Begrenzer und schiebt den mit Besatzung gerne über 2,5 Tonnen wiegenden Offroader mit Wucht nach vorn und lässt wohlklingende Maschinentöne in den Fahrgastraum. 

Der ist geräumig, offeriert auf Wunsch Platz für bis zu sieben Personen oder wahlweise 2.485 Liter Gepäck. Üppig gepolsterte Sessel prädestinieren den Disco auch für lange Fahrten, die geschmeidige Luftfederung (serienmäßig) leistet ihren Beitrag zum komfortablen Fahrgefühl. Und damit keine Langeweile aufkommt, gibt es einen WLAN-Hotspot, mit dem sich bis zu acht Endgeräte kombinieren lassen. Und zwei Smartphones gleichzeitig können mit dem PIVI-System verbunden werden. Zusätzliche Anzeigefläche generiert ein gegen 1.384 Euro Aufpreis erhältliches Head-up-Display. Für Sicherheit sorgen frei Haus Features wie autonomes Bremssystem, Spurhalte-Warner und Verkehrszeichen-Erkennung.

Zum Schluss noch der Hinweis, dass der Discovery trotz aller Infotainment-, Komfort- und Nutzwert-Benefits so ganz nebenbei auch ein maximal leistungsfähiger Kraxler ist. Allerdings muss man in Fundus der Optionen greifen, will man sämtliche Offroad-Kapazitäten ausschöpfen. So kostet die Geländeuntersetzung 427 Euro Aufpreis, und ein aktives Hinterachs-Sperrdifferenzial sogar 1.275 Euro zusätzlich.

Technische Daten:
Luxus-Geländewagen, Länge: 4,96 Meter, Breite: 2,07 Meter (2,22 Meter mit Außenspiegeln), Höhe: 1,89 Meter, Radstand: 2,92 Meter, Kofferraumvolumen: 986 bis 2.485 Liter
D300 AWD: 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Diesel mit Turboaufladung und milder Hybridisierung, 221 kW/300 PS, maximales Drehmoment: 650 Nm bei 1.500 bis 2.500 U/Min, Achtgang-Automatik (Drehmomentwandler), Allradantrieb, 0-100 km/h: 6,8 s, Vmax: 209 km/h, Durchschnittsverbrauch: 7,4 l, CO2-Ausstoß: 196 g/km, Effizienzklasse: B, Abgasnorm: Euro 6d, Preise: ab 67.022 Euro
P360 AWD: 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Benziner mit Turboaufladung, Direkteinspritzung, milder Hybridisierung und elektrischem Verdichter, 265 kW/360 PS, maximales Drehmoment: 500 Nm bei 1.750 bis 5.000 U/Min, Achtgang-Automatik (Drehmomentwandler), Allradantrieb, 0-100 km/h: 6,5 s, Vmax: 209 km/h, Durchschnittsverbrauch: 9,3 l, CO2-Ausstoß: 212 g/km, Effizienzklasse: C, Abgasnorm: Euro 6d, Preise: ab 67.052 Euro

Kurzcharakteristik:
Warum: Weil der Kultwagen Luxus und Nutzwert bietet
Warum nicht: Weil es auch eine Nummer kleiner geht 
Was sonst: in der Form fast einzigartig in Europa, Alternativen wären der Defender aus dem eigenen Haus oder die Mercedes G-Klasse
Wann: Sofort

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