Fahrbericht Mercedes-Benz CLS 350d 4matic

Nicht erst im Zeichen von #metoo verbietet sich ein Griff ans Gesäß. Oder an die Hüfte. Es sein denn, man heißt Mercedes-Benz CLS und ist ein Komfortsitz. Die fürsorglichen festen Zugriffe der Seitenwange bei Kurven sind keineswegs unangenehm. Überhaupt gehört der Mercedes-Benz CLS eher in die Kategorie sanfter Kavalier als aufdringlicher Kerl …

Ganz der Kavalier aus Schwaben   

Nicht erst im Zeichen von #metoo verbietet sich ein Griff ans Gesäß. Oder an die Hüfte. Es sein denn, man heißt Mercedes-Benz CLS und ist ein Komfortsitz. Die fürsorglichen festen Zugriffe der Seitenwange bei Kurven sind keineswegs unangenehm. Überhaupt gehört der Mercedes-Benz CLS eher in die Kategorie sanfter Kavalier als aufdringlicher Kerl, wie sich nach den zwei Wochen ausgiebiger Testfahrten mit einem CLS 350 D 4matic herausstellt. Im weißen Anzug setzt sich das fast fünf Meter lange viertürige Coupe gekonnt in Szene. Helle Farben stehen ihm gut, sie unterstreichen die wie aus einem Guss geformte athletische Figur. Ein Beau, der Aufmerksamkeit erregt. Überall. Immer noch. Obwohl er bereits seit fünfzehn Jahren im Straßenbild zu sehen ist.  

 

Von der Plattform der E-Klasse erbt der CLS alles, was gut ist.

 

Edles Holz und feines Leder sorgen für ein geschmackvolles Ambiente  

Die schräg geschlitzten Bi-Xenon Scheinwerfern mit LED-Leuchtband blicken etwas streng, dafür funkeln die „Diamanten“ im nach vorne geneigten Kühlergrill umso mehr. Den Stern trägt er dort und auf der Motorhaube gleich noch einmal. Unter dem auffallend schönen Heck verbirgt sich mit 505 Litern nicht allzu viel Platz für das Gepäck bei voller Besetzung. Feines braunes Leder in den geschmackvoll aufeinander abgestimmten Tönen Marsala und Espresso und viel edles Holz locken unwiderstehlich zum Einsteigen. Dabei gilt es vorne wie hinten den Kopf einzuziehen, weil die Designer auch in der dritten Generation des CLS an der flachen und schier endlos nach hinten auslaufenden Dachlinie festgehalten haben. Sitzt man schlussendlich, verwöhnt einen der schöne Schwabe nach besten Kräften. Materialauswahl und – verarbeitung sind vom Feinsten. Die serienmäßige Ambientebeleuchtung mit 64 Farben und zehn Farbwelten lässt sich der Stimmungslage anpassen, die illuminierten Lüftungsdüsen reagieren auf geänderte Temperatureinstellungen mit rot oder blau. Durch den Innenraum schwebt ein angenehmer Duft, fern ab von einem aufdringlichen After Shave. Einzig eine Massagefunktion fehlte in unseren beheiz-  und belüftbaren Komfortsitzen.   

 

Der schöne Schwabe schmeichelt mit feinem Leder.

 

Den Spurt von 0 auf 100 km/h legt der Beau in 5,8 s auf das Parkett  

 

Unter der Haube des Testwagens arbeitete der CLS 350 d mit 286 PS in Kombination mit einer neunstufigen Automatik. Das maximale Drehmoment von 600 Newtonmeter liegt bei 1200 Umdrehungen an und treibt das fast zwei Tonnen schwere Coupé mit geschmeidigem Schub nach vorne. Der Spurt von 0 auf 100 km/h wird in flotten 5,8 Sekunden erledigt. Als Diesel genießt der 350 d zwar nicht die den Benzinern vorbehaltene und kraftstoffsparende Soft-Hybridisierung. Trotzdem sind die zum Ende unserer Testfahrten ausgewiesenen 7,6 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer für diese Fahrzeugklasse ein guter Wert. Mit dem optionalen Tank mit 66 Liter Volumen kommt man  mühelos 868 Kilometer weit.

 

 

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Statische und dynamische Linien zeigen Lenkwinkel und Entfernung zu Hindernissen an.

 

Man fährt nicht, man schwebt über Kopfsteinpflaster 

 

In sehr guter Erinnerung blieb angesichts des täglichen überwiegend über Kopfsteinpflaster führenden Nachhausewegs der Fahrkomfort des CLS.  Auch bei groben Straßenunebenheiten bleibt das Coupé mit dem optionalen adaptiv gedämpften Luftfeder-Fahrwerk völlig unbeeindruckt und schwebt wie auf Wolken. Nur gedämpft dringen Geräusche Innere, als wolle der schöne Schwabe einen vor der Außenwelt beschützen. Und ja, auch emanzipierte Fahrerinnen werden die Hilfestellung seiner zahlreichen Assistenten, allesamt aus der S-Klasse übernommen, nicht als chauvinistische Bevormundung empfinden. Der CLS erkennt Tempolimits besser als man selber, bremst selbständig ab, wenn ihm eine Kurve als zu kritisch eng erscheint und fährt kurze Sequenzen ganz alleine, bevor er dann mit der nötigen Diskretion darauf hinweist, dass das Steuer doch wieder zu übernehmen ist.

 

Der CLS betört, verwöhnt und beschützt während der komfortablen Fahrt.

 

Wenn mann ein Auto kaufen will, das mit ordentlich Drehmoment  gut auf der Straße liegt, legt mann für den CLS 350 d  57 250,00 Euro auf den Tisch. Allrad ist dann immer an Bord. Will frau aber partout mit diesem Beau und all seinen formidablen Extras eine Affäre riskieren, sollte sie 114, 239,55 Euro parat haben. Auf den Cent genau.   

 

Datenblatt Mercedes-Benz 350 d 4 Matic 

  • Motor: Reihen-Sechszylinder Diesel
  • Hubraum: 2.925 ccm
  • Leistung : 286 PS (210 kW) bei 4600 U7min
  • Max. Drehmoment :  600 Nm bei 1200 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
  • 0 auf 100 km/h :  5,8 Sekunden 
  • Verbrauch: 5,7 l/100 km kombiniert
  • Länge/Breite/Höhe : 4988/1890/1435
  • Leergewicht: 1935 kg
  • Abgasnorm: Euro 6d-TEMP
  • Preis: ab 57 250 Euro   

Text und Fotos : Solveig Grewe

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