Fahrbericht: SsangYong Korando

Der neue SsangYong Korando muss sich keineswegs vor dem Wettbewerb verstecken – Innovationsschub und adrettes Design hieven ihn auf Augenhöhe.

SsangYong? Wie bitte? So wird die Antwort auf die Frage, ob man diese Automarke kenne, wohl meistens ausfallen. Der Schwachpunkt der Marke, an der sogar Mercedes mal Anteile hielt und Motoren lieferte und die zu einer anderen Zeit phasenweise zu Daewoo gehörte, dürfte die fehlende Bekanntheit sein. An den Produkten jedenfalls – auch der kleine Crossover Tivoli und der schwere Offroader Rexton sind längst feine Alternativen – dürfte es schon lange nicht mehr liegen, dass der koreanische Konzern, der inzwischen zur indischen Mahindra & Mahindra gehört, in Deutschland unterrepräsentiert ist. Allerdings müssen sich die Interessenten auf asiatisches Design einstellen, was man bei Kia und Hyundai nicht mehr vorfindet. Der mindestens 22.990 Euro teure Korando anno 2019 ist adrett. Die Gestalter haben alles darangesetzt, dass er mittels gekonnten Einsatzes von Blechsicken ein athletisches Bild abgibt. Die Heckpartie mit der sanft gebogenen Chromspange verleiht dem kompakten SUV etwas Exotisches, das dem Mitteleuropäer am Ende Gewöhnung abverlangt – daran ändern auch die hübsch gepfeilten LED-Rückleuchten nichts.

Ssangyong hat den Korando neu aufgelegt

Diesen Eindruck vermittelt auch die Innenarchitektur – aber warum sollte der Korando auch seine kontinentale Herkunft verleugnen? An Bord sind jedenfalls all die Features, die man heute braucht – Kombiinstrument als volle Displayfläche, Smartphone-Integration und ein 9,2 Zoll großer Touchscreen in der. Auch mit Sicherheitsassistenten geizt der Allrounder keineswegs. Autonome Notbremsung, Querverkehrswarnung, Spurhalte-Alarm, adaptiver Tempomat – alles da. Sogar, wenn der Verkehr nach einem Stau wieder anrollt, meldet das Kollege Computer.

Auf der Komfortseite stehen elektrische Kofferraumklappe, schlüsselloses Schließsystem und sogar Sitzbelüftung – das können auch die deutschen Wettbewerber nicht besser. Für den Kofferraum haben die Produktentwickler je nach Ausstattungslinie einen flexiblen Ladeboden vorgesehen und Verzurrösen installiert, um bei der Praxistauglichkeit zu punkten. Allerdings dürften es ruhig 200 Liter mehr Laderaumvolumen sein.

Mit 120 kW/163 PS ist das kleine Triebwerk unter der Haube kein Athlet, aber er verhilft dem 1,5-Tonner zu munteren Fahrleistungen

Bleibt die Frage, wie der Newcomer fährt. Nachdem die Ausgaben mit 100 kW/136 PS starkem 1,6-Liter-Diesel eingeführt wurden, ist nun der Benziner dran. Auch hier ist wieder alles State of the Art – Downsizing-Otto mit 1,5 Litern und Turboaufladung klingt nach inzwischen vertrauter Technik. Mit 120 kW/163 PS ist das kleine Triebwerk unter der Haube kein Athlet, aber er verhilft dem 1,5-Tonner zu munteren Fahrleistungen. Schön beim Turbomotor ist immer, dass man ihn nicht drehen muss, dabei kann man den Benziner ruhig hochjubeln, ohne angestrengte Klänge zu vernehmen. Auch das Geräuschlevel geht absolut in Ordnung.

Satte 280 Newtonmeter zerren schon ab 1.500 Touren an der Vorderachse, für Antriebseinflüsse in der leichtgängigen Lenkung reicht das aber nicht. Wer öfter auf rutschigem Terrain unterwegs ist, greift zum optionalen Allradantrieb. Für die Kraftübertragung stehen wahlweise ein Sechsgang-Schaltgetriebe mit recht leichtgängig rastenden Übersetzungen sowie ein geschmeidig agierender Wandlerautomat aus dem Hause Aisin mit ebenfalls sechs Fahrstufen zur Verfügung. Die Automatik gefällt uns besser. Sie wird allerdings mittelfristig durch ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe ersetzt werden.

Die Serienausstattung ist umfangreich

Schon nach wenigen Kilometern wird klar, dass die Ingenieure beim neuen Korando insbesondere den Fahrkomfort im Blick hatten. Ein entsprechend weiches Fahrwerk-Setup verhindert dynamische Anflüge in Kurven – ein Kurs, den auch die mit hoher Unterstützung arbeitende Servolenkung unterstützt.

Zum Schluss noch ein Blick darauf, was der Kunde für den Einstiegspreis von knapp 23.000 Euro alles bekommt. Immerhin einen großen Teil der Sicherheitsausstattung mit geballter Assistenz plus Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Digitalradio und Tempomat – kein Wunder, dass die fünf Sterne im Euro NCAP Crashtest gesichert sind. Wer bei den Ausstattungen so richtig in die Vollen greift, kann den Preis deutlich über die 30.000 Euro-Grenze treiben. Dafür muss sich SsangYong indes nicht schämen, bietet der Korando doch ein solides Stück Automobil. Nur an der Bekanntheit müssen die Koreaner noch feilen. Das Händlernetz kann allerdings keine Ausrede sein, auf ein Produkt der Marke verzichten zu wollen, denn mit 180 Standorten in Deutschland sind kurze Service-Wege garantiert.

Rund 23.000 Euro werden fällig

Fans alternativer Antriebe sollen in gut einem Jahr übrigens einen vollelektrischen Korando kaufen können mit rund 62 kW/h großer Batterie, die für über 400 Kilometer Reichweite langt. Man darf also gespannt bleiben.

SsangYong Korando 1,5 T-GDI – Technische Daten:
SUV der Kompaktklasse, Länge: 4,45 Meter, Breite: 1,87 Meter, Höhe: 1,62 Meter, Radstand: 2,68 Meter, Kofferraumvolumen: 551 bis 1.248 Liter
1,5-Liter-Vierzylinder-Otto mit Turboaufladung und Direkteinspritzung, 120 kW/163 PS, maximales Drehmoment: 260 bis 280 Nm bei 1.500 bis 4.000 U/Min, Sechsgang-Schaltgetriebe (oder Sechsgang-Wandlerautomat), Vorderradantrieb, 0-100 km/h: k.A., Vmax: 193 km/h, Durchschnittsverbrauch: 6,8 bis 7,1 l, CO2-Ausstoß: 158 bis 162 g/km, Effizienzklasse: D, Abgasnorm: Euro 6d-temp, Preise: ab 22.990 Euro

SsangYong Korando 1,5 T-GDI – Kurzcharakteristik:
Warum: Weil der Korando viel Auto für moderates Geld bietet
Warum nicht: Weil er mit seinem asiatischen Design haarscharf am europäischen Geschmack vorbeifährt
Was sonst: Volkswagen Tiguan, Peugeot 3008, Seat Ateca, Nissan Qashqai oder Kia Sportage

Wann: ab sofort bestellbar

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