Pferdchen, lauf Galopp

Pferdchen, lauf Galopp – Fahrbericht Ford Mustang GT

Fühlt sich so richtig, doch ist so falsch. Autos, denen die schiere Leistung aus jedem Falz ihres Blechkleides schreit, haben es nicht leicht. Mit Abscheu schicken Umweltaktivisten die Fangemeinde von Sportwagen umgehend auf das Armesünderbänkchen. Der Ford fällt da voll ins Visier, er ist alles andere als ein Vernunftauto. Doch die Zahl derer, die einfach Spaß daran haben, wenn die Strecke von A nach B möglichst kurvenreich ist und sich gerne dem Rausch der Rasanz ergeben, trotzt aller Kritik.

Ford Mustang: Im letzten Jahr das meistverkaufte Sportcoupé der Welt

Seit 1964 läuft der Ford Mustang in den USA vom Band. 2019 war er zum fünften Mal in Folge das meistverkaufte Sportcoupé der Welt. Im gleichen Zeitraum stieg der Mustang-Absatz in Deutschland um 33 Prozent. Europaweit verkaufte Ford im vergangenen Jahr rund 9.900 Mustang-Exemplare. Dann kann doch Liebe keine Sünde sein. Und wenn doch, kann man ja Abbitte leisten. Mit dem „kleinen“ Mustang, der mit dem gutmütigen Vierzylinder als 2,3 Liter EcoBoost das Feigenblatt gibt. Doch heute geht der krawalligere Bruder im expressiven Twister Orange mit dem Achtzylinder unter der Haube an den Start. Wenn schon, denn schon.

Ford Mustang: Hubraumangabe und GT-Logo sind Indizien für den Achtzylinder

Optisch zieht der Mustang nicht nur in dieser Farbe die Blicke auf sich. Die Front, die an ein aufgerissenes Haifischmaul erinnert, der mächtige Kühlergrill, die lange Motorhaube und der wuchtige Diffusor sorgen für einen starken Auftritt, ohne gleich prollig zu wirken. Kennern erkennen den Achtzylinder unter der Haube an der Hubraumangabe auf dem Kotflügel und das GT-Logo am Heck. Doch genug mit der Theorie und den Startknopf gedrückt. Wer es bis jetzt noch nicht erahnt hatte, der erkennt am satten Sound aus der Vierrohranlage, woher der Wind weht.

Ford Mustang: Bissig bei 7.500 Umdrehungen

Wer Mustang fährt, fällt nun mal auf. Auch akustisch. 450 PS lassen sich aus dem bulligen Aggregat heraushämmern, das sein Drehmoment von 529 Newtonmetern ab 4.600 Umdrehungen/min frei lässt und locker bis auf 7.500 Touren hochdreht. Hier oben bekommt der V8 richtig Biss und wirkt fast giftig. Den Spurt von 0 auf 100 km/h erledigt der Mustang in gerade einmal 4,6 Sekunden, die Spitze liegt bei elektronisch begrenzten 250 km/h.

Ford Mustang: Regulierbare Auspuffklappen zügeln den akustischen Auftritt

Die Kühe beiderseits des Asphaltbands im bergischen Land schert der tief grollende Klang, der bei den Fans des Muscle Cars für Gänsehaut sorgt, zum Glück herzlich wenig. Doch auf dem Weg durch das Dorf entlang der friedlichen geduckten Fachwerkhäuser wird der Mustang mit Hilfe der Elektronik und der Steuerung der Auspuffklappen doch besser zum rücksichtsvollen Flüsterer herunterreguliert.

Ford Mustang: Brembo-Bremsen packen bei Bedarf fest zu

Wenn man will, sorgt das optionale Adaptivfahrwerk in dem satt auf der Straße liegenden Mustang für Komfort, die Lenkung zeigt sich direkt. Die Schaltarbeit bei dem Ami-V8 übernimmt – sehr amerikanisch – eine Zehngangautomatik, die die Power schnell und fein den Hinterrädern zu Gute kommen lässt. Wie gemacht für das sanfte Cruisen im „normalen“ der sechs Fahrprogramm, bei der die Automatik die Drehzahlen sparsam im Keller hält. Die beiden bösesten Fahrmodi heißen Rennstrecke und Drag Strip, in denen man den Mustang bis in den roten Bereich krachen lassen kann. Fährt man das Pony-Car manierlich, ohne es mit dem Gasfuß allzu sehr zu provozieren, bleibt der Durst nach Super-Benzin mit unter 12 Litern auf 100 km/h im Rahmen. Bei satter Kurvenhatz, bei der Brebaro-Bremsen bei Bedarf fest zupacken, überspringt die Automatik beim Hoch- und Runterschalten Gänge, was den Verbrauch auch schnell mal auf über 15 Liter auf 100 km/h schnellen lassen kann.

Auch im Mustang hat es nun ein Digital-Cockpit

In Sachen Platzangebot bietet der 4,79 Meter lange Mustang vorne gute, hinten jenseits von Kindergrößen nur beengte Möglichkeiten. Koffer passen im begrenzten Umfang in den bis zu 408 Litern großen Kofferraum, für den schnellem Einkauf bei einer Spritztour reicht der Platz in jedem Fall. Die mit Echt/Kunstleder bezogenen heiz-und kühlbaren Recaro-Vordersitze mit Lendenwirbelstütze passen sich sechsfach elektrisch so gut wie jeder Figur an. Zeitgemäß auch in einem Ponycar: Das 12-Zoll-Digital Cockpit.

Ford Mustang: Die Rückwärtskamera lernt man schnell zu schätzen

Zum mobilen Hotspot mit bis zu zehn Endgeräten wird der Mustang über das FordPassConnect-Modem. State of the Art sind inzwischen auch im Mustang die Assistenten an Bord: Kollisionswarner samt Fußgängererkennung, Abstandswarner und Spurhalteassistent sichern die meist unter Power stehende Fahrt ab. Wenn es im Parkhaus dann mal zum Stillstand kommen soll, hilft eine Rückwärtskamera beim Einparken des von Geburt an reichlich unübersichtlichen und mit einem Wendekreis von über 12 Metern gesegneten US-Sportcoupes. Das Infotainmentsystem mit seinem 8-Zoll-Monitor steuert Radio, Navi und die Klimaanlage und ist kompatibel mit Apple CarPlay und Android Auto.

Ford Mustang: Im Vergleich ein echtes Schnäppchen

Für den Mustang GT als Achtzylinder ruft man in Köln mindestens knapp 47. 000 Euro auf, das Cabrio schlägt mit mindestens knapp 51 Euro zu Buche. Wer den Vierzylinder vorzieht, aus welchen Gründen auch immer, kommt bei dem Coupé mit einem Budget von etwas über 40.000 Euro ans Steuer. Damit ist der Mustang im Vergleich zu anderen Sportwagen ein Schnäppchen. Noch in diesem Jahr debütiert die Hybrid Version des Ford Mustang, die zunächst in Nordamerika angeboten wird. Der Achtzylinder des Sportwagens liefert dank des zusätzlichen Elektroantriebs noch mehr Leistung bei niedrigen Drehzahlen. Der Mustang bleibt dem Zeitgeist also auf den Fersen.

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