Pista&Piloti lässt die Tradition der Flugplatzrennen aufleben

Wie in der guten alten Zeit

Der Flugplatz Michelstadt im Herzen des Odenwalds ist nicht nur mit dem Start und Landung von Flugzeugen verbunden, sondern lässt seit dem letzten Jahr auch die Tradition der Flugplatzrennen wieder auferstehen. Unter dem Motto „Pista&Piloti“ bot das hoch über dem Odenwaldstädtchen liegende Flugfeld bei freiem Eintritt auch in diesem Jahr mit diesmal mehr als 110 historischen Rennfahrzeugen eine Zeitreise zurück. Auf dem 1200 Meter langen Rundkurs mit fünf Rechts – und vier Linkskurven und Streckenbreiten zwischen sechs und fünfzehn Metern bestimmte jeder das Tempo selbst, es gibt keine Zeitabnahme. Leider grollte Petrus. Nur kurze Regenpausen waren den sechs Startgruppen bei den beiden jeweils fünfzehnminütigen Läufen vormittags und nachmittags gegönnt. Da war Vorsicht für alle Fahrer oberstes Gebot. 

Die Veranstaltung “Pista&Piloti” lässt die Tradition der historischen Flugplatzrennen wieder auferstehen.

Gastgeber des Rennens sind Alfa Romeo und Abarth. Zur Feier des 70. Geburtstags der Marke mit dem Skorpion-Wappen gingen so seltene Exemplare wie der Abarth 1000 Bipisto Millino Spider oder der Formula Abarth an den Start. Ergänzt wurden die Startgruppen überwiegend durch italienische Klassiker wie den Fiat 131 Abarth Rally, den Lancia Delta intergrale, den Fiat 508 Ballila Coppa d’Oro oder den Lancia Stratos. Aber auch über Raritäten deutscher, britischer und französischer Marken konnten sich die Besucher freuen. Alfa Romeo und Abarth unterstützen die „Pista&Piloti“ mit aktuellen Modellen als Führungsfahrzeuge wie den jeweils 510 PS leistenden Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio und Giulia Quadrifoglio, den Alfa Romeo Giulia B-Tech, das Roadster Sondermodell Alfa Romeo 4c Spider Italia, den 180 PS leistenden Abarth esseesse sowie den Abarth Rally Tribute, ein Sondermodell zu Ehren der großen Erfolge von Abarth im Rallyesport.   

Ein Renault zum Verlieben: Alpine A 110 .
Jan Hendrik Elsner tritt mit seiner Alfa Romeo Giulia aus dem Jahr 1977 im Cup Veloce an.

Die heckgetriebene Alfa Romeo Giulia hat auf nasser Strecke zu kämpfen

„Diesen Lauf schaffen wir mal aus der Pole-Position“, freut sich Jan Hendrik Elsner mit seiner Alfa Romeo Giulia Super 1300 aus dem Jahr 1977 und streift ihr fast zärtlich über das betagte, einst von Alfa Romeo selbst gezeichnete Blechkleid. Der etwas hohen und kantigen Form sieht man nicht an, dass sie für damalige Verhältnisse einen fast sensationellen cw-Wert für ein Serienauto von 0,34 besaß. Jetzt positioniert sie sich früh und als erste vor der Einfahrt zum Rundkurs. Ihr ganz persönlicher Rivale, ein Alfa Romeo GTV 3.0 Sechszylinder reiht sich direkt hinter ihr ein. So wird es auch bleiben, obwohl die heckgetriebene Giulia auf der nassen Strecke mehr zu kämpfen hat als der Fronttriebler hinter ihr. Dafür rumoren unter der Haube der italienischen Schönheit dank eines Tunings von PS-Schulze, dem Alfa Romeo Spezialisten für Motoren und Getriebe. Anstelle der werksmäßigen 88 PS stolze 161 PS, erwähnt Elsner grinsend.    

Auch unter Regenschirmen lässt sich so herrlich fachsimpeln

Es dröhnt ohrenbetäubend, wenn die Fahrer vor dem Start die Motoren hochjagen. Nicht nur die kleinsten Zuschauer halten sich die Ohren zu. Wer seinen Hund dabei hat, erntet jetzt flehende Blicke zum Gehen: Es qualmt und stinkt, doch die meisten Renngäste wollen so dicht wie möglich an die Objekte – oft wohl auch Träume aus früher Jugend heraus. Qualmende Reifen, brabbelnde Motoren, Begeisterung, wohin man schaut. Und auch unter Regenschirmen lässt sich bei heißem Kaffee und Pizza so herrlich fachsimpeln. Viele Zuschauer haben die „echten“ Flugplatzrennen der 60ziger und 70iger Jahre noch live miterlebt. Wie damals geht es auch hier und heute nicht um Zeitabnahmen, Siegerehrung und Preisverleihung. Es geht nur um Fahrspaß wie jetzt, wenn der wohl betagteste Teilnehmer, ein Protos-Rennwagen aus dem Jahr 1920, mit dem dumpfen Geballere eines brachialen Benzin-Luft-Gemisches auf die Strecke geht, die nostalgisch anmutend mit Strohballen mehr verziert als gesichert wirkt. 

Text und Fotos : Solveig Grewe

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