Porsche 911 Timmelsjoch und Stilfser Joch

Es gibt diese Dinge, die passen einfach zusammen wie Topf und Deckel:  Super Plus und Motorsound, Motorjournalisten und Flugmeilen, oder einfach nur der Porsche 911 Carrera S und die Hochalpenstraßen rund um das Timmelsjoch und den Passo del Stelvio.

911er – Pass’t gut!

Wer abseits der Mautpflichtigen Autobahnen durch Österreich und Italien fährt, der tut dies vermutlich nicht nur aus Geiz. Gibt einem die ausgedehnte Tour über die Hochalpen-Straßen, auf dem Weg zwischen Österreich und Italien, doch die wahrhaft schönsten Blicke auf die Bergwelt frei. Neben weitem Blick, tiefen Tälern und hohen Paßstraßen ist es gerade auf 2 Etappen schlicht eine wunderbare Welt des aktiven Autofahrens, die begleitet durch ein Atemraubendes Panorama, zu einem echten Urlaub für Automobilisten werden kann.

Den idealen Wegbegleiter für diese Tour konnte ich im Stall der Zuffenhausener Sportwagenschmiede finden. Sein Name:

Porsche 911 Carrera S – Modellreihe 991

Die technischen Daten sind nebensächlich – 400PS aus einem 3.8 Liter Boxermotor und dem 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe bleiben jedoch im Hinterkopf. Kein Sportwagen zuvor war so erfolgreich im Spagat zwischen entspanntem Langstrecken-Touring mit Tempomat auf 120 km/h und aggressiver Bergstrecken-Attacke.  Ich bin 2 Autos. Mindestens. Die Anreise in die Welt der Bergstraßen zu den Nachfahren von Ötzi wird durch komfortable Sitze und dem Wellness-Feeling einer perfekt verarbeiteten  Lederhaut-Orgie im Innenraum versüßt. In Österreich fährt man Tempo 90 auf Bundesstraßen. Eventuell nicht vom Gesetzgeber vorgesehent, doch die von bemüht wirkenden Dieselkombis gezogenen Wohnwagen mit gelben Nummernschildern wirken als Bremspuffer in der Überbrückung von Zeit und Raum.  Wir haben Zeit. Wir haben Urlaub. Ich auch. Der 911er nimmt es gelassen und schaltet bei 1.600 Touren in den 7.ten Gang. Er bummelt vor sich hin. Die 20 Zoll Felgen mit den Pirelli P-Zero walken ausgeruht und gelangweilt über die Serpentinen in Richtung Alpen.

Pirelli P Zero auf dem 911 Carrera S in 20"
Pirelli P Zero auf dem 911 Carrera S in 20″

Wer am Vorabend anreist, der könnte zum Beispiel in einer Ortschaft mit dem Namen “Imst” übernachten. Für Porsche-Fahrer gibt es hierzu sogar einen guten Grund. Der Wirt des 3-Sterne Hotels “Hirschen” ist ein echter Porsche-Fan. Er ist mit Herz und Bauch dem Zuffenhausener Kultmodell Porsche 911 verfallen. Nur einzig, einen zu kaufen, hatte er sich bis lang nicht getraut.  Sein Name: Hannes Staggl. Unser Zimmer war flink bereit gemacht und von guter Qualität. Wer automobilen Urlaub macht, der braucht eigentlich nur ein Bett zum ausstrecken und schlafen – im Hotel Hirschen wäre jedoch auch das Angebot an Wellness vorhanden gewesen. Einzig der selbst gesteckte Zeitplan brachte uns um diese Erfahrung.  Für eine Runde Porsche 911 Carrera S mit dem Wirt musste ich mir aber einfach die Zeit nehmen ;).

Das Timmelsjoch

Als Orientierungspunkt eignet sich die Gemeinde “Sölden”. Dort fix einen Cappuccino getrunken und als erstes Zwischenziel die Mautstation auf 2.171m anvisiert.  Der Anstieg vom Ort Sölden, der noch auf 1.365m liegt, dient an einem sonnigen Dienstag-Vormittag als Übung zum aufwärmen.  An der Mautstation zahlt man als PKW-Fahrer 14€ für die einmalige Überquerung um danach die restlichen 320m Höhenmeter bis zum Timmelsjoch zu befahren. Oben angekommen erwartet die Porsche-Besatzung ein famoser Weitblick in die Stubaier Alpen, die Öztaler Alpen und in den Naturpark Ötztal.

Aufgrund des regen Verkehrs auf der Passstraße bleibt die Mehrzahl der 400PS unbenutzt. Das es auch mit deutlich weniger PS den Berg hinauf geht, beweisen die beiden Porsche Traktoren, die während des Aufstiegs auf das Timmelsjoch überholt wurden und nur wenige Minuten später neben dem Carrera S zum Gruppebild posieren.

3 Porsche - Treffen am Timmelsjoch.
3 Porsche – Treffen am Timmelsjoch.

Mit maximal 50PS sind die beiden Porsche-Diesel Piloten auf Ihren Traktoren den Pass empor geklommen. Eine warme Jacke und ein Windschutz für den Kopf empfehlen sich auf über 2.500m allerdings auch an einem wunderbaren Sommertag.  Nicht nur die Porsche Traktoren, auch mein 911er S freut sich auf die zweite Hälfte der Paßfahrt. Bergab. Umgeben von schmalen Pfosten und steilen Hängen, kurvt man in Richtung St. Leonhard den Hang hinab.

Dem Beifahrer wird mulmig zumute, einen Fahrfehler würden die schmalen Auslaufzonen nicht verzeihen. Für den 911er ist die gewählte Geschwindigkeit jedoch keine Herausforderung. Die Faszination Paßfahrt wird für den Piloten primär aus der direkten Lenkung und der ausgeführten Präzision bei der Umsetzung der Lenkbefehle genährt. Kurze Sprints werden durch das Echo der 6-Zylinder Fanfaren Klänge, hallend von den steinigen Berghängen, belohnt.

Es ist die unverfälschte Lust der Lenkradarbeit – vollführt in einer Meisterklasse der Fahrpräzision.  

Als das Tal breiter wird, das Gefälle geringer und die Straßen breiter – schnaufe ich tiefer durch als der Porsche. Die Bremse ist unbeeindruckt, mein Rücken hingegen nass von der Lenkradarbeit. Arbeit? Vergnügen!

Über Meran und Schlanders führt mich die Tour weiter nach Prad.  Prad am Stilfser Joch. Der Startpunkt für den:

Passo di Stelvio

Die Paßstrecke von Prad im Vinschgau in Richtung Bormio in Italien ist laut dem britischen TV-Programm “TopGear” eine der Besten Straßen der Welt.  Es sind massive Mauern auf der Österreicher Seite als Begrenzung der Fahrbahn und doch – sicher fühlt man sich selten. Zu stark ist der Verkehr auf dem Paß. Die engen Kehren verlangen eine gehörige Portion Weitsicht.  Eingeengt zwischen Hangwand und entgegen kommenden Geländewagen, fühlt sich der Porsche deplatziert. Die steilen 180° Kehren wollen den Schwellern und Schürzen an den Lack,  Motor und Getriebe einigen sich auf den zweiten Gang als Allzweckmittel von Scheitelpunkt zu Scheitelpunkt.

Bergauf schlängelt sich der 400PS leistende Heckmotor-Sportler durch schnaufende Radfahrer-Meuten. Immer mit einem Blick in die nächste Kurve gerichtet – Bergab werden die Radfahr-Terroristen zu unkalkulierbaren Geschossen aus 70kg Weichmasse und 6kg Metall.

Oben angekommen – auf über 2.700m empfängt uns ein Volksfest aus Touristen, Radfahrer-Helden in geklonter Version und Motorrad-Fahrern die teilweise russische Nummernschilder tragen. Sowas hatte ich – nicht erwartet.

Doch:

Das Stilfser Joch und ich – der Porsche und ich. Wir haben uns beschnuppert. Wir haben geprüft wie weit der andere bereit ist zu gehen. Und wir kommen wieder zusammen. Das ist sicher.

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