Alle Fahrzeuge mit dem VR6 von VW — Was Golf, Cayenne und ein Stapler gemeinsam haben

VW baut den VR6 seit fast 30 Jahren. Seit 1991 hat der Motor an Leistung und Hubraum zugelegt und viele Fahrzeuge angetrieben: vom Golf über den Cayenne bis zum Stapler.

Es war im Grunde wie immer: VW war nicht der Erfinder einer neuen Technik und nicht der erste Anbieter auf dem Markt. Dafür waren die Wolfsburger Ingenieure sehr gründlich und am Ende auch erfolgreich. Denn theoretisch schafft ein VR-Motor zunächst Probleme: die Ansaugwege kompliziert, die Wärmeabfuhr knifflig und der enge Winkel ungünstig für die Laufruhe.

Lancia hat das VR-Prinzip erfunden

Doch von Anfang an: Vincenzo Lancia meldet 1918 zwei Motoren zum Patent an: einen V8 mit 45 Grad Bankwinkel und einen V12 mit 30 Grad Bankwinkel – das ist jeweils die Hälfte des theoretisch optimalen Zylinderbankwinkels. Mit versetzten Kurbelzapfen – einem Lancia-Patent von 1915 – bleibt der Zündabstand erhalten. In Serie gehen die beiden Motoren jedoch nicht. Auch ein V12 mit 13,6 Grad Zylinderwinkel, den Lancia 1919 zeigt, wird nicht in Serienautos eingebaut. Dafür kommt 1922 der Lancia Lambda mit einem V4-Motor auf den Markt. Der Zylinderwinkel: 14 Grad. Bis in die 70er-Jahre baut Lancia engwinklige V4-Motoren – zum Beispiel in die Fulvia. Dann ist erst einmal Ruhe.

VW bringt 1991 den VR6 in Serie

Bis sich VW an das Prinzip erinnert und so die Möglichkeit nutzt, auch in den Golf und Passat einen Sechszylinder quer einzubauen. Die kompakte Bauform – größter Vorteil der VR-Bauweise – verschafft dem Motor immer dort einen Vorteil, wo es eng wird. Wo sich die Frage stellt: Dieser Sechszylinder oder keiner? Für den Quereinbau entwickelt VW einen VR-Sechszylinder, der 1991 zunächst im Passat erscheint. Im neuen Topmodell werkelt das zweite Motorenkuriosum neben dem G60, dessen Reihen-Vierzylinder ein spiralförmiger G-Lader auf 160 PS bringt. Mit etwas größerer Bohrung (82,0 statt 81,0 mm) kommt der Motor auf 2,9 Liter Hubraum und 190 PS – erster Einsatz im Corrado im Juli 1991, später dann in den Syncro-Versionen von Golf und Passat.

Golf mit Sechszylinder

Zunächst bekommt der Golf im September 1991 den 2,8-Liter-VR6. Ein teures Topmodell, das vor allem in der Versicherung hoch eingestuft ist – und ein Auto für Kenner, das sich optisch kaum vom GTI unterscheidet. Bis zum 130i von BMW bleibt der Golf zumindest unter europäischen Herstellern der Kompakte mit dem hubraumgrößten Saugmotor. Bemerkenswert übrigens, dass VW zwei Golf-Generationen später einen Turbo-Kompressor-Vierzylinder auf den Markt bringt, der mit 170 PS praktisch die gleiche Leistung aus dem halben Hubraum holt. Den VR6 gibt es im Golf V übrigens immer noch: Im R32 macht er sich mit 3,2 Litern Hubraum und vier Ventilen stark: 250 PS hat der engwinklige Sechszylinder nun.

Quer zum Erfolg

Und es ist nicht das Ende. Denn bis heute baut VW eine 3,6-Liter-Version mit 300 PS in das US-SUV Atlas ein. Quer, denn der Atlas basiert auf dem Technikbaukasten MQB. Auf dem Weg dorthin ist der Motoren-Exot weit rumgekommen: hat Cayenne, Q7, Touareg und Phaeton längs eingebaut basismotorisiert. Der VR6 motorisierte Vans von Ford, Mercedes, Seat und VW, gab in Wohnmobilen von Winnebago und Dehler den komfortablen Säusler und schuftet bis heute in einer gedrosselten Industrieversion und mit Gas betrieben in Flurförderfahrzeugen von Still, Jungheinrich und Linde.

Verwandte Motoren

Durch Weglassen eines Zylinders wurde der VR6 zum V5, der in Golf, Bora und Beetle eingesetzt wurde. Zwei VR6 ergaben in der VW-Studie Nardo einen W12, der später serienmäßig in Phaeton und Touareg eingebaut wurde. Auch der W18 des Passat und der W16 des Bugatti Veyron basieren auf dem Konstruktionsprinzip des VR6.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/oldtimer/vw-vr6-motor/

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