Asia-Pacific-Chefin verlässt BMW — Hildegard Wortmann geht wohl zur Konkurrenz

Hildegard Wortmann, derzeit Asia-Pacific-Chefin von BMW, wechselt wohl Mitte 2019 zu einem direkten Konkurrenten. Damit verliert der bayerische Autohersteller eine weitere hochrangige Führungskraft.

Die Meldung vom Weggang Wortmanns wurde anscheinend entgegen interner Absprachen an die Medien durchgestoßen. So berichtet unter anderem die Online-Ausgabe der Tageszeitung „Die Welt“ von dem Vorgang. Der Abgang von Wortmann bei BMW ist zumindest bemerkenswert – die Top-Managerin steht in einer ganzen Reihe von Spitzenkräften, die den Bayern in den letzten Jahren den Rücken gekehrt haben. Pikant: Ganz offensichtlich geht Wortmann zur direkten Konkurrenz.

Viele Abgänge

So wie schon Herbert Diess, der immerhin nicht zu einem Premium-Mitbewerber wechselte. Anfang 2015 kündigte der damalige BMW-Entwicklungs-Chef Herbert Diess, um schon Mitte 2015 zu Volkswagen zu gehen, wo er seit April 2018 Vorstandsvorsitzender ist. Ebenfalls 2015 ging mit Albert Biermann der Entwicklungs-Chef der BMW M GmbH nach über 30 Jahren im Unternehmen, um bei Hyundai das Sportlabel „N“ aufzubauen. Seit Dezember 2018 leitet Biermann Forschung und Entwicklung bei Kias Mutter Hyundai. Biermann hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er die Arbeitsatmosphäre bei BMW zum Schluss, vorsichtig ausgedrückt, nicht optimal fand. 2015 verließen der i8-Projektleiter Carsten Breitfeld sowie der i8-Designer Benoit Jacob BMW Richtung chinesische Future Mobility Corporation (FMC), inzwischen ist Breitfeld Mitgründer und Chef der FCM-Automarke Byton, Jacob ist dort Chefdesigner. Mit Carsten Breitfeld sprach auto motor und sport ausführlich bei Moove, dem New Mobility Podcast.

Auch der Elektro-Antriebsstrang-Entwickler Dirk Abendroth und der i-Produktmanager Henrik Wenders wechselten in der Zeit zu FCM. Im Juli 2016 nahm dann Mini-Designchef Anders Warming nach fast 20 Jahren seinen Hut, um beim chinesischen Hersteller Borgward anzuheuern. Anfang 2017 hörte der Designchef der Marke BMW Karim Habib auf und ging zur Nissan-Tochter Infiniti. Im Juli 2018 dann der nächste heftige Schlag: BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann wechselt zu VW und wird seitdem als möglicher Audi-Chef gehandelt. Eine Wettbewerbsklausel bindet Duesmann noch für einige Zeit an BMW, wie lange diese Zeit am Ende ausfällt, scheint Verhandlungssache zu sein.

Bleibt wohl der Branche treu

Mit Hildegard Wortmann geht eine der wenigen Frauen in der BMW-Führungsriege. Als Marketing-Chefin von Calvin Klein kommend, trat sie ihren Job 1998 in München an. Von 2010 bis 2018 leitete sie das Produktmanagement Automobile und Aftersales, Mitte 2016 übernahm sie zusätzlich die weltweite Verantwortung für die Marke BMW, seit Anfang 2018 ist sie Senior Vice President Asia Pacific – ein Karriere-Sprungbrett, wie sich jetzt zeigt. Gerüchteweise wurde die von ihren Mitarbeitern überaus geschätzte Managerin von einem direkten Konkurrenten abgeworben – möglicherweise auf einen Vorstandsposten. Auf Anfrage der Welt sagte ein Audisprecher, dass man solche Personalien nicht kommentiere und dass die Mitarbeiter solche Entscheidungen nicht aus der Presse erfahren sollen – was alles andere als ein Dementi ist. Sollte Wortmann tatsächlich nach Ingolstadt gehen, wird sich Audi ob des Wechsels die Hände reiben. Wortmann selbst steht aktuell für Anfragen nicht zur Verfügung.

Unklar ist, warum BMW mit Wortmann eine der ranghöchsten weiblichen Managerinnen nach 20 Jahren erfolgreicher Arbeit nicht halten konnte. Die jetzt durchgesickerten Informationen könnten ein Hinweis darauf sein, dass nach den vielen Abgängen in den letzten drei Jahren das Stühlerücken in der BMW-Führungsetage noch nicht beendet ist. Vermutlich ist die Atmosphäre entsprechend angespannt. Mancher wird sich die Frage stellen: Wer geht als Nächster?

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/hildegard-wortmann-ex-bmw-markenchefin-wechselt-zur-konkurrenz/

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