Auf die Zukunft ist einfach kein Verlass

Es gibt Menschen die glauben, früher war alles viel besser. Betreiber von Automessen gehören sicher dazu. Womit wir elegant zum Highlight der kommenden Woche übergeleitet hätten. Herzlich Willkommen in Stau-City.

Im Rheinland tobt derzeit der Karneval und in Genf toben nächste Woche trotz Dauerstaus noch nicht mal die Autofahrer. Ach ja, Sie merken schon: Es ist wieder Salon-Zeit. In der Schweiz gibt sich einmal mehr die gesamte Branche ein Stelldichein und präsentiert sich in der Amplitude zwischen sparsamen Kleinwagen und Großkotz-Supersportler. Moment, die gesamte Branche? Nein, einige durchaus renommierte Hersteller kehren dem Genfer See zumindest in diesem Jahr den Rücken. In den Hallen des Palexpo finden wir keine Hyundai-Modelle (wohl aber solche von Kia) und keinen neuen Volvo (wohl aber deren E-Marke Polestar). Aufhorchen lässt deutschen Autofans, das Fehlen von Ford und Opel, auch wenn es sich im engeren Sinne kaum (noch) um deutsche Marken handelt.

Ja, das langsame Sterben der Messen scheint in vollem Gang zu sein. Opel ist nicht in Genf, darf aber immerhin im September nach Frankfurt auf die IAA. Die wird dafür von den französischen und japanischen Marken geschwänzt und zwar wie es aussieht von allen! Der Grund ist natürlich immer ähnlicher Natur und lautet stets ungefähr so: Wir wollen die vorhandenen Mittel zielgenauer für individuelle Maßnahmen einsetzen. Aus dem verquasten Marketing-Deutsch dynamischer Jungmanager rückübersetzt in verständliche Sprache heißt das wohl: Die Knete sparen wir uns einfach. Loyalitäten und ein Gespür für Historie darf man von kühlen Kalkulierern nun wirklich nicht erwarten.

Auch industrielle Hochzeiten finden heute nicht mehr im Himmel statt, Treffpunkt ist vielmehr das Hinterzimmer der Buchhaltung. Dort haben diese Woche die beiden strahlendsten Marken der vormals stolzen deutschen Autoindustrie verabredet, dass man wohl besser mit- als gegeneinander gegen die Konkurrenz aus Asien und den USA antreten sollte. Im ersten Schritt legten Daimler und BMW noch ganz harmlos ihre Car-Sharing-Aktivitäten von Car2Go und DriveNow zusammen, und schon ein paar Tage später kam die wesentlich spektakuläre Ankündigung, gemeinsam an Roboterautos zum autonomen Fahren arbeiten zu wollen. Nach allem, was man aus der Industrie unter der Hand hört, ist dies wohl auch bitter notwendig. Sind die Herausforderungen doch viel größer und mannigfaltiger, als es noch vor einigen Jahren kommuniziert wurde. Und teurer sowieso.

Apropos teuer. Wir haben diese Woche gelesen, dass künftige Flugtaxis wohl pro Minute so um die 10 Euro kosten werden. Also den Passagieren. Ein Flug von Stuttgarter Flughafen etwa ins benachbarte Bietigheim würde dann so etwa sechs Minuten dauern und 57 Euro kosten. Keine Ahnung, wie diese Zahl zustande kommt, aber man könnte wetten, dass es am Ende – wie immer – viel teurer wird. Vor allem aber soll es bis 2050 weltweit schon 100.000 Flugtaxen geben. Vorausgesetzt, wir sind dann noch selbst im Besitz eines Führerscheins, freuen wir uns schon auf die Zeit, in der wir locker über leere Landstraßen, freie Autobahnen und die Genfer Innenstadt fahren. Im Pkw natürlich und immer mit einem Blick nach oben, wo sich am Himmel gerade ein Flugtaxen-Stau bildet.

Man sollte sich auf die Zukunft besser nicht verlassen. Und auf die Gegenwart sowieso nicht. Leicht schockiert lernten wir dieser Tage, dass die Dekra ihren Gebrauchtwagenreport mit der Begründung einstellt, Werkstätten würden die Fahrzeuge in so unterschiedlicher Qualität auf die HU vorbereiten, dass man daraus keine Schlüsse mehr auf die eigentliche Fahrzeugqualität ziehen könne. Aber vielleicht ist das ja auch wieder nur eine Ausrede, einfach um Geld zu sparen.

In Sachen Gebrauchtwagenkauf sind wir künftig also auf die anderen Reports der großen Prüfgesellschaften angewiesen. Wir Deutschen gelten ja als kritische Käufer, nicht nur beim Neuwagenkauf. Vorsicht ist bei uns immer die Mutter rostfreien Porzellankiste. Da wundert es uns auch nicht, dass laut einer Umfrage zwei Drittel der Deutschen den Strom ihrer künftigen E-Autos am liebsten Zuhause „tanken“ würden. Der Verbraucher ist halt doch nicht ganz so dumm, wie Politiker und Manager manchmal zu glauben scheinen. Er hat schon ganz genau registriert, dass Ladesäulen, so es welche gibt, in der Praxis häufig besetzt, zugeparkt oder Out-of-Order sind und das einige Unternehmen den Strom dort zu Preisen abgeben, dass einen – entschuldigen Sie das Wortspiel – geradezu der Schlag trifft. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

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