Bentley Flying Spur: Leichter gleiten

Ralf Bernert war mit dem frischen Bentley Flying Spur unterwegs. In Peking und an der Großen Mauer.

Zurück aus Peking – den Smog aus dem Anzug gepustet, der Gasfuß hat die Ruhe genossen und die Chinesen sind wieder unter sich. Vorerst jedenfalls.

 

Der Blick aus dem 18. Stock des Pangu 7-Stars Hotels direkt neben dem Olympia-Stadion ist wenig erfreulich. Peking, die Hauptstadt im Land des Lächelns, hat einen Vorhang vor die Sonne geschoben. Wir erinnern uns: Smog – also eine Mischung aus Staub, Schwefeldioxid, Ruß und Nebel – hatte Mitte der 80er Jahre für Fahrverbote in Deutschland gesorgt. Nichts fuhr mehr und die Autofahrer mussten laufen. In Peking ist das anders. Man denkt noch über Maßnahmen nach und dreht den Zündschlüssel weiterhin herum.

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Der 9. Mai 2013. Die Sonne scheint, aber man sieht sie nicht. Peking hat schlechte Laune und die Menschen auf den Straßen verstecken sich entweder in ihren Autos hinter dunklen Folien oder sie tragen als Fußgänger einen Mundschutz. Ich sitze im Fond des neuen Bentley Flying Spur und lasse den Kollegen Roland Löwisch ans Steuer. Soll er doch die 625 PS bis zum ersten Halt außerhalb von Peking chauffieren. Ich werde in der Zwischenzeit kontrollieren, ob die bei der gestrigen Präsentation geäußerten Infos über die neue Luxuslimousine aus Crewe auch stimmen.

Ken Scott, Leiter des Projektes Flying Spur, versprach, dass die Limousine erheblich leiser sei, als der Vorgänger. Die Ohren gespitzt und zugehört. Volle Bestätigung. Dank einer neuen Auspuffanlage, besserer Dämmplatten am Unterboden und doppelter Fensterdichtungen werden Außengeräusche kaum noch nach innen geführt. Auch die Reifen laufen so leise vor sich hin, als habe man ihnen Samtschuhe angelegt.

An der hinteren Mittelkonsole steckt ein Handschmeichler mit multiplen Talenten. Der Controler steuert das Klima, die Sitzheizung, das Navi und zeigt dabei noch das Tempo und die Außentemperatur an. Wenn der Chauffeur mal wieder zu schnell unterwegs ist, reicht ein kurzer Zwischenruf nach vorn oder man aktiviert die Sitzheizung, das wärmt und sorgt für Entspannung im Gasfuß.

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Kevin Rose, Vertriebsvorstand bei Bentley stellt ein paar Zahlen vor: Seit 2005 wurden fast 20.000 Flying Spur verkauft. Weltweit sorgten 173 Händler für einen Umsatz von fast 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2012. In diesem Jahr sollen weitere 40 Händler hinzukommen. Im Wachstumsmarkt China wurden im letzten Jahr mehr als die Hälfte aller Continental Flying Spur verkauft. Der Wachstumsmarkt China ist auch deshalb interessant, weil man hier besonders viele junge Vermögende findet, die sich für Luxus-Automobile interessieren.

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Der Flying Spur wird mit 625 PS und 800 Newtonmeter Drehmoment ausgeliefert. Das langt für Tempo 322 und katapultiert die Sportlimousine in 4,6 Sekunden auf Tempo 100. Damit ist dieser Bentley der Schnellste seiner Art. Wer ihn auf der Autobahn überholen will, muss schon einen sehr flachen Zweisitzer aus der Garage holen. Unter den Limousinen ist er der Schnellste. Eine genaue Betrachtung der Fahreigenschaften ließ sich in China nicht bewerkstelligen. Tempolimits werden hier sehr ernst genommen, die Strafen sind hart und das allgemeine Gewusel auf der Autobahn taugt höchstens als Test für die Lenkung und die Bremsen. Ständig wacht das Auge auf plötzlich auftretende, extrem langsam fahrende LKW, deren technischer Zustand als mehr als nur beunruhigend gelten darf. Diese Hindernisse tuckern dann mit Tempo 20 von einer Spur zur nächsten. Genau dann greift die Lenkung, das Fahrwerk und die Bremsen. Alles gut, Blutdruck auf normal, auf Landstraßen kann der Brite hier und da zeigen, wie er mit Kurven – ob offen oder geschlossen – umgeht.

Die Masse von 2,5 Tonnen lässt sich nicht so leicht ins Wanken bringen, die Landschaft da draußen wird wie an einer Schnur vorbei gezogen, kurze Tritte aufs Gaspedal lassen die Sportlimousine nach vorn springen. Dies alles ist nicht spektakulär, aber man kann erahnen, was man in Crewe konstruiert hat. Ein Viertürer mit reichlich Kraft und sportlichen Talenten, dazu eine Ausstattung auf dem Level eines modernen Grand Hotels.

Bingo, jetzt fehlen nur noch schöne Kurven und ein paar lange Geraden ohne Limit und Fotografen im Gebüsch.

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Der Lauf des Lebens: Ausbildung: Studium: Betriebswirtschaftslehre Schwerpunkt Marketing Hochschule f. Wirtschaft u. Politik, Hamburg Abschluss: Diplom Betriebswirt Berufliche Stationen: seit 09.2001 freier Journalist Rolls-Royce Enthusiasts Club Magazin (print) (Chefredakteur) www.exclusive-life.de (Herausgeber/Chefredakteur) 10/1997 – 02/1998 freier Autor „New World“ Verlag Hoffmann & Campe, Hamburg 03/1998 – 04/1999 Volontariat Online-Redakteur Entwicklungsredakteur PopNet AG, Hamburg angestellt 05/1999 – 02/2000 leitender Redakteur Projektmanager Contor Interaktiv GmbH, Hamburg angestellt 03/2000 – 08/2001 Chefredakteur Classic Driver, Hamburg Automagazin / angestellt 05/2003 – 01/2010 freier Autor (Reise) Heinrich Bauer Verlag Hamburg