Schuld, sind immer die anderen

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Anja Wassertheurer – die Quotenfrau der sport auto wirft hin.

Und die Schuld daran tragen Blogger, das „pöhße Internetz“ und der Seat Mii – oder so ähnlich.  Ganz ehrlich – ich habe Anja Wassertheurer immer geschätzt. Ich mag ihren Schreibstil und ihren Fahrstil. Ein schwerer rechter Fuß, gepaart mit weiblichem Charme, Fachwissen und der Leidenschaft für den Motorsport.

Doch mit dem aktuellen Editorial in der „sport auto“ ist das nun Geschichte. Frau Wassertheurer wirft hin, weil:

Die Medienwelt hat der digitale Trend längt erfasst. Schon geht in Insiderkreisen das Gespenst vom journalistischen Prekariat um. Wo jeder Blogger publizistisch tätig werden kann und Informationen eine Halbwertszeit von wenigen Stunden oder Tagen haben, sinkt die Qualität und damit letztlich auch das Ansehen gut ausgebildeter Schreiber.

Zitat aus dem Editorial der aktuellen sport auto.

Bämm. Da wirft jemand seinen Job hin, weil er mit dem Zeitenwandel – der im übrigen keine Erfindung der Neuzeit ist – nicht zurecht kommt. Arm und verloren stehen sie also da, die Print-Kollegen – die gut ausgebildeten „Journalisten“, die am Ende des Tages nichts anderes gemacht haben, als wir auch:  Eine Leidenschaft ausgelebt und eine Meinung veröffentlicht.   Aber schuld sind die anderen:  Das Internet, die Playstation und natürlich mal wieder, die Blogger.  Eine Frechheit – da darf doch tatsächlich jeder Blogger publizistisch tätig sein.

Sorry liebe Frau Wassertheurer – ein derart schwaches Editorial habe ich noch nicht gelesen gehabt. Die bösen Blogger also. Und wie üblich in der Totholz-Presse: Einfach mal pauschal auf das Internet gedroschen. Dieses Internet ist  also schuld, dass man ihre Arbeit nicht mehr schätzt? Das Sie das Damokles-Schwert der brotlosen Kunst über sich hängen sehen?

Pardon – wie dämlich ist das denn? Zufälligerweise blogge ich und zufälligerweise habe ich bislang mit meinem „sport auto“ Abonnement dafür gesorgt, dass Ihr Blatt Anzeigen verkaufen konnte.  Eine echte Frechheit, oder?  Und guter Beweis für Ihre wirklich dämliche Sichtweise auf den Zeitenwandel in der Motorpresse.

 

Nun – zum glück muss ich mir keine Sorgen um Fr. Wassertheurer machen, sie scheint kein Fall für das Sozialamt oder die Künster-Sozialkasse zu werden, viel mehr liest sich der Rest des Editorials nach einem Abschied in Richtung Industrie. Nicht wirklich ungewöhnlich für Ex-Presse-Mitarbeiter oder Journalisten.  Ungewöhnlich der schlechte Stil mit den Schuldzuweisungen an die „anderen“ und einem derben Foul in Richtung „Online-Medien“.

Ich bin ja mal gespannt wo Fr. Wassertheurer wieder auftaucht … vermutlich schon bald auf einer meiner Liste mit den Ansprechpartnern in der Automobil-Industrie. Soll ich eine Wette abschliesen wo genau? Ich habe 2 Hersteller im Hinterkopf, bei denen ich mir Frau Wassertheurer gut vorstellen kann.  Ich hoffe nur, Sie darf dort die alten Spesen-Ritter betreuen und nicht die neue Garde der Online-Medien.  Das könnte sonst zu leichten Irritationen führen …

 

P.S.: Das man auch bei den Qualitätsmedien in gedruckter Form nicht immer „fehlerfrei“ ist, zeigt der Tippfehler in der vorletzten Zeile des gedruckten Editorials. Eventuell hilft da ja Tipp-Ex?  Aber gut, ich bin ja nur ein „Blogger“.

Edit:  Sebastian hat auch etwas „gebloggt“  http://passiondriving.de/2012/08/19/wenn-anerkannte-motor-journalisten-hinwerfen-wegen-bloggern/

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

18 Comments

  1. Den Vergleich zu Seat und der Strategie, Autos ausschließlich über das Web zu verkaufen, fand ich gelungen.Ich sehe das so: Printjournalisten und Autoblogger haben natürlich dieselben Leidenschaften für das Schreiben und für Autos. Die einen haben jedoch eine Ausbildung absolviert und das journalistische Handwerk erlernt und die anderen haben sich wohlmöglich ohne Vorkenntnisse etwas aufgebaut. Das soll nicht bedeuten, dass Journalisten besser und Blogger schlechter schreiben, es ist sicherlich auch oft genug das Gegenteil der Fall, aber Journalismus ist ein Handwerk, das eine Gewisse Qualität den Lesern gewährleisten sollte. Egal ob im Print oder Online 🙂

    Gruß Christoph

    1. Vollkommene Zustimmung bei der Frage, was sich durchsetzen wird. Aber ob Print Journalisten immer mit einem Journalistik-Studium glänzen können und Onliner nicht, stell ich in Frage. Und um bei Frau Wassertheurer zu bleiben, gerade ihre Vita ist exemplarisch für den Automobilbereich 🙂

      Einfach mal recherchieren… 🙂

  2. Dass ausgerechnet Sie auf einen Tippfehler hinweisen erstaunt mich bei der Rechtschreibung in Ihrem zugegebenermaßen stilistisch schön geschriebenen Blog schon etwas.

    Das nächste Mal bitte etwas mehr auf korrekte Schreibweise achten… Danke.

    1. Lieber Anonym,

      danke für das Kompliment zum Stil des Blogs. Was die Rechtschreibung betrifft, so bin ich ganz bei Ihnen. Hier bleibt sicher Platz für Verbesserungen. Allerdings kann ich mir die Schadenfreude nicht verkneifen, wenn ausgerechnet Redakteure aus dem Printbereich und deren Liebe zum Qualitätsjournalismus, dem Lektorat und dem Leistungsschutzrecht, derartige Tippfehler durch die Druckpresse laufen lassen.
      Da haben Rechtschreibprüfung und Lektorat versagt :-)e

  3. Was ist der Unterschied zwischen Amateuren und Professionellen? – Die Profis bekommen Geld für ihre Arbeit.

    Egal ob Autoblog oder Hochglanzmagazin: Schlecht geschriebene Artikel mag keiner lesen. Daher ist die Frage nicht „Print oder Blog?“, sondern „interessant oder nicht interessant?“. IMHO wird es auch unter den Autobloggern noch zu größerem Zähneklappern kommen wenn sie in naher Zukunft im Wettbewerb der Besucherzahlen stehen werden.