Blogger und die Automobil-Industrie

bjoern-mein-auto-blog

Mein Kollege Don Dahlmann hat eine Serie zum Thema „Auto-Branche & Social-Media“ gestartet. Nun wäre das alleine noch keine Meldung wert, denn wenn es um die Automobil-Branche geht, dann wollen alle einen Teil vom großen Kuchen ab und geht es um „Social Media“ dann gibt es mittlerweile vermutlich mehr Social-Media-Experten als Online-Rezipienten.

Don gehört jedoch zum arrivierten Teil der Automobil-Freaks, die nicht nur einfach online tätig sind, sondern sich schon lange mit tieferen Gedanken zur Frage „social media – Nutzen und Chancen“ beschäftigt.

Sein Blogbeitrag „PR: Neue Chancen“ liest sich grundsätzlich interessant, einzig die Differenzierung der „Blogger“ nach deren Intention lässt zu wünschen übrig. Denn bevor ich mich auf die Frage nach der Chance für die Unternehmens-Kommunikation mache, muss ich mir überlegen – wie soll die Zusammenarbeit aussehen?

Und für die Antwort auf diese Frage, muss man klären – ob der „Blogger“ ein Freizeit-Blogger oder ein Vollzeit-Berufs-Blogger ist. Und danach  muss man unterscheiden zwischen PR-Aktionen die eher im Bereich Marketing angesiedelt sind, oder ob es um PR-Aktionen aus dem Bereich der Presse-Arbeit geht.  Je nach Konstellation ergeben sich unterschiedliche Lösungen und Ansätze.

Bsp.:

  • Blogger ist Hobby/Freizeit-Blogger: X     Blogger ist Vollzeit-Blogger: Y
  • Unternehmen-PR im Bereich Marketing: A  Unternehmens-PR im Bereich Presse-Arbeit: B
Mögliche Auswirkungen und Unterschiede in den Konstellationen:
  • XA / XB
  • YA / YB
– müssen berücksichtigt werden, bevor eine Aktion durchgeführt wird. 

Bislang reden viele Unternehmen von einer Konstellation „XB“ – sprich der Blogger ist ein Freizeit-Blogger und die PR-Aktion ist aus dem Bereich der Presse-Arbeit.  Und an dieser Stelle gebe ich Don dann wieder Recht. Was hier derzeit gemacht wird, ist der simple Austausch von Namen/Medien – ohne Rücksicht auf die wirklichen Chancen, die sich aus der Veränderung der Medien-Landschaft ergeben.
Zitat Don:

Und heute? PR-Firmen und Hersteller sind wach geworden und laden ausgewählte Blogger auf ihre Pressereisen ein und verteilen auch mal Testwagen. Im Grunde haben die Hersteller aber nur zwei Dinge gemacht. 1. Statt einiger Printkollegen werden jetzt Blogger zu den Events geflogen. 2. Einige Herstellern haben sich einen Monitoringdienst zugelegt, um den Online-Buzz zu messen. Man macht genau das, was man seit 40 Jahren macht, man hat nur ein paar Mitspieler ausgetauscht.

 

Was bleibt? Was wird?

Ich selbst würde für mich 2 Möglichkeiten als „Teilnehmer Y“ sehen. Sowohl das klassische Modell „YB„, adaptiert an die Medienmöglichkeiten:  Sprich WLAN an den Veranstaltungsorten und mehr Zeit für eine  „in time“ Berichterstattung mit Bildern und kurzen Texten auf den eigenen Medienkanälen. (Distributionswege des „Bloggers“!) Hierbei bedarf es einer simplen Anpassung der Strukturen vor Ort, ähnlich der Presse-Arbeitsplätze auf großen Messen und leicht geänderter Time-Schedules.

Als auch – ohne Compliance-Widersprüche – die Variante „YA„.  Hier kommt es nur auf die offene und authentische Kommunikation des Bloggers an. Klare Kennzeichnung für die Tätigkeit – klare Stellung zum Projekt. Blogger sind Einzelpersonen mit professioneller Vernetzung.  Niemand wird einen Jubel-Perser vermuten, wenn man klar kommuniziert – was man gerade, für wen und aus welchem Grund tut. Live-Berichterstattung mit dem Anspruch, den Blickwinkel eines Unternehmens zu reflektieren ist eine Dienstleistung – kein Fähnchen-Schwenk.

Und gerade weil man als „freier Blogger“ nur sich selbst gegenüber Verantwortung trägt und diese Arbeit offen kommuniziert, gibt es keine Glaubwürdigkeits-Falle.  Der Gedanke des „gekauften Journalist“ ist eine Geburt aus dem Zeitalter der Des-Informationen. Einer Zeit in der es nicht möglich war, schnell und einfach über jede gewünschte Information zu verfügen. Blogger bleiben auch bei einer „YA“ Konstellation authentisch – denn – und davon gehe ich einfach aus – Blogger führen einen intensiven Dialog mit der eigenen Leserschaft!

 

Previous ArticleNext Article
Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

13 Comments

  1. Bjoern, wenn Du als Berufsblogger unterwegs bist, dann bis Du letztendlich nichts weiter als die verlängerte Werkbank der Marketingabteilung Deines Auftraggebers. Da kannst Du Deine Postings noch so oft kennzeichnen, wozu sollte Deine eigene Meinung denn wirklich noch jemanden interessieren? Heute jubelst Du für ABC, morgen mäkelst Du an DEF und übermorgen bezahlt Dich GHI dafür, seine Ideale zu vertreten. Dafür gehts dann nach Namibia und Slowenien und wer weiß wohin, Business Class, tolle Hotels und feines Buffet inklusive. Wollen wir doch mal ganz ehrlich sein: Eingeladen hat die Marketing/PR-Abteilung und die erwartet keine negativen Schlagzeilen. Insofern ntscheiden sich Berufsblogg nicht einen Deut von Journalisten. Wer hinter die Pressekulisse schauen kann, lacht doch nur laut über deren angebliches Berufsethos á la Trennung von Redaktion und Anzeigenbusiness. Und wo bitteschön ist der Berufsblogger da anders? Ich lerne gern dazu.

    1. Hallo Derek,

      der erste Punkt ist der: „Wir stehen zu unserem Geschwätz“ und wir beantworten derartige Fragen. Für mich ist Kommunikation das Werkzeug. Versuche doch mal mit einem „Journalisten“ über dessen Medium zu kommunizieren. Viel Erfolg.

      Punkt 2: Ich habe als „Berufs-Blogger“ zwei Methoden für meine Arbeit. Zum einen Advertorials und Marketing, dann ist die Arbeit gekennzeichnet und der Auftraggeber klar benannt. Keine Versteck-Spielchen. Und dann gibt es etwas, dass bezeichne ich derzeit als „Motor-Bloggen“ und das war früher der „Motor-Journalismus“. Das sind Veranstaltungen und Termine auf denen ich Produkte kennen lernen kann, diese testen kann und danach schreibe ich etwas darüber. Oder nicht. Das ist meine Entscheidung. Aber üblicherweise schreibe ich etwas – denn ich bin ja kein studierter Journalist und arbeite aus dem Umstand der Arbeitsanstellung heraus an meinen Themen, sondern aus Leidenschaft und Interesse für das Automobil.

      Ob ich danach etwas zu kritisieren oder zu mäkeln habe – das hängt davon ab, wie gut ich in meiner Arbeit bin. Das ich selbst „kostenfreie“ Testwagen nicht zum Anlass nehme, das Produkt in den Himmel zu loben, dass kannst Du schnell fest stellen, wenn Du auch meine Fahrberichte liest. Der SLK250cdi zum Beispiel hat durchaus an einigen Stellen Kritik einstecken müssen. Aber auch der Land Cruiser zuletzt, kam nicht ohne Schelte davon.

      Das es die Automobil-Hersteller (und nicht nur diese= durchaus verstehen, eine Atmosphäre zu schaffen, die für angenehmes Arbeiten sorgt – will ich nicht abstreiten. Aber mit bald 40 Lenzen erkenne ich doch den Unterschied zwischen gekauft und professionell in der Arbeitsmethodik. Und je mehr mich jemand kaufen will, desto genauer schaue ich hin. 😉

      Ich hoffe Du konntest etwas „lernen“ 😉 ?

      1. Hallo Björn, danke für Deine Antwort. Was mich etwas stört, ist diese ideologisch angehauchte Diskussion zwischen Journalisten und Bloggern. Und zwar beidseitig. Letzten Endes geht es ums Geschäft, nicht mehr und nicht weniger. Aber Eitelkeiten spielen offenbar auf beiden Seiten eine große Rolle. Ist eigentlich schade.

        Viele Grüße,
        Derek

        1. Ich versuche aus meiner Überzeugung keine Ideologie werden zu lassen – aber sicherlich sind Blogger deutlich egozentrischer als „Journalisten“. Beide Seiten scheinen damit ein Problem zu haben 😉

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen