BMW M6 Gran Coupé: Spitzensport in Nadelstreifen

Es gibt sie auch heute noch: Autos, die Blicke magisch anziehen und auf die Eltern von ihren kleinen Kindern hingewiesen werden. „Guck mal, Mama!“ – Das BMW M6 Gran Coupé ist so ein Auto. Während die BMW M5-Limousine eine imposante, aber für Laien doch eher unauffällige Erscheinung ist, macht das M6 Gran Coupé alles noch einen Tick besser. Der viertürige M6 ist nicht nur zehn Zentimeter länger als ein M5, er kauert auch sechs Zentimeter flacher über dem Asphalt.

Diese Kombination beschert dem Gran Coupé eine einzigartige, flach-gestreckte Silhouette und hebt es aus der Masse hervor – ohne auf Show-Elemente setzen zu müssen, die spätestens nach ein paar Jahren eher gewollt, als gekonnt aussehen. Als dezente Verfeinerungen der Formensprache trägt der M6 ein konturiertes Carbon-Dach und charakteristische Nieren mit M6-Logo auf den Doppelstreben, was anderen Fahrern gemeinsam mit den drei riesigen Lufteinlässen und den vier Endrohren am Heck den nötigen Respekt einflößen soll.

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Dass der BMW M6 die Lufteinlässe auch benötigt, wird spätestens beim Blick auf die technischen Daten deutlich: 4,4 Liter Hubraum verteilen sich auf acht Brennräume, wobei zwei Turbolader für zusätzlichen Druck sorgen. Die Lader sind im V der Zylinderbänke untergebracht und können Dank der kurzen Wege mit besonders spontanem Ansprechen punkten. Schon ab 1.500 Umdrehungen steht das maximale Drehmoment von 680 Newtonmeter bereit, was den M6 zu einem extrem souveränen Begleiter macht – egal in welchem Gang das Sieben-Gang-DKG gerade steckt: genug Leistung ist eigentlich immer vorhanden. Maximal sorgen 560 PS für Vortrieb und machen selbst bei 305 km/h (mit optionalem M Driver’s Package) einen Elektronik-Eingriff notwendig, um den Vortrieb zu begrenzen.

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Wer angesichts dieser Zahlen einen ungehobelten Kraftprotz im feinen Zwirn vermutet, liegt allerdings daneben. Mit seinen zahlreichen Optionen und Setups – unabhängig voneinander können die Gaspedalkennlinie, die Lenkung, das Fahrwerk und die Schaltgeschwindigkeit des Doppelkupplungsgetriebes in mehreren Stufen verstellt werden – lässt sich das BMW M6 Gran Coupé sehr exakt an die Wünsche des Fahrers anpassen, wobei zum Motorstart stets ein zahmes Alltagsprogramm aufgerufen wird. Zwei frei programmierbare Tasten am Lenkrad erlauben es dem Besitzer, seine beiden Traum-Setups in Reichweite des linken Daumens abzulegen und sein Fahrzeug mit einem einzigen Knopfdruck in den gewünschten Modus zu versetzen.

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Zum unkultivierten Brutalo wird der M6 allerdings in keinem der möglichen Setups: Kontrollierbarkeit, Sound und Komfort bleiben stets auf einem angenehmen Level, auch wenn es mit den sportlichsten Einstellungen spürbar direkter zugeht. Insbesondere bei ausgeschaltetem DSC (ESP) oder im mehr Freiheiten bietenden M Dynamic Mode (MDM) sollte der Fahrer allerdings wissen, was er tut – schließlich sprechen wir von 560 PS, die allein an der Hinterachse wirken. Wer das Spiel mit Lenkrad und Gaspedal beherrscht, findet im BMW M6 Gran Coupé einen wahren Drift-Künstler, der seine feine Erziehung in den Hallen der BMW M GmbH auch unter diesen Umständen beweist.

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Selbst auf kurvigen Straßen liegt der knapp zwei Tonnen schwere Luxus-Gleiter satt und lässt durchaus Fahrspaß aufkommen, auch wenn die im Head-up-Display eingeblendete Höchstgeschwindigkeit zum sanften Umgang mit den Kraftreserven mahnt. Das wahre Revier des großen Coupés ist dann auch eher die Autobahn, denn hier dürfen die 560 PS endlich ungezügelt auftrumpfen. Wenn der Verbrauch keine Rolle spielt und der nächste Termin oder das Essen mit der Familie immer näher rückt, werden selbst Geschwindigkeiten oberhalb von 250 km/h schnell als Normalität wahrgenommen – weil der V8 selbst in diesem Bereich noch deutlich in den Sitz drückt.

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Sollte sich dabei unerwartet die Notwendigkeit nach einem scharfen Bremsmanöver ergeben, hilft die in unserem Testwagen verbaute und akustisch erfreulich unaufällige Carbon-Keramik-Bremsanlage. Mit ihrem Aufpreis von 8.800 Euro gelingt es der Bremsanlage sogar, den nicht unbedingt zurückhaltenden Grundpreis von 128.800 relevant in die Höhe zu treiben – gemeinsam mit den zahlreichen sonstigen Optionen bis hin zur Bang & Olufsen Sound-Anlage knackte unser Testfahrzeug dann auch die Marke von 150.000 Euro. Ohne Zweifel eine stattliche Summe, für die der Besitzer aber auch ein durch und durch faszinierendes Fahrzeug erhält. Es vereint Luxus und Sport auf überzeugende Art und Weise und löst so das Versprechen der Entwickler ein, die das bisher luxuriöseste Fahrzeug der M GmbH auf die Räder stellen wollten.

 

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