Britischer Geländewagen-Neuling — BMW-Motoren für das Projekt Grenadier

Der britische Chemie-Milliardär Jim Ratcliffe plante einst eine Neuauflage des Land Rover Defender. Jetzt nimmt sein „Projekt Grenadier“ allmählich Gestalt an. Allerdings nicht mehr als Landy-Kopie, sondern nur noch als kerniger Geländewagen mit BMW-Motoren.

Es wird allmählich konkreter in Bezug auf das „Projekt Grenadier“ des britischen Milliardärs Jim Ratcliffe. Wie seine Firma Ineos Automotive bekanntgab, wurde nun eine Partnerschaft mit BMW vereinbart. Die Münchner sollen die Turbodiesel und -benziner zur Verfügung stellen, die den kompromisslosen Geländewagen im Stile des ersten Land Rovers, Willys Jeep oder Toyota Land Cruiser J40 antreiben werden. „Diese Technologie-Partnerschaft ist ein signifikanter Meilenstein für das Projekt Grenadier, und wir sind erfreut, dass die BMW Group Motoren für unseren neuen Offroader liefern wird“, sagt Dirk Heilmann, der deutsche Geschäftsführer von Ineos Automotive.

Dessen Geldgeber Jim Ratcliffe ist nicht irgendwer, obwohl in Deutschland wohl kaum einer den öffentlichtkeitsscheuen Industrieboss aus Großbritannien kennt. Der 64-jährige James Arthur Ratcliffe gründete 1998 das Unternehmen Ineos, aus dem ein Chemie-Gigant mit mehr als 50 Milliarden Euro Jahresumsatz erwuchs. Ratcliffe, der einen steuersparenden Wohnsitz in der Schweiz hat, wird dort auf ein Privatvermögen von mehr als fünf Milliarden Euro geschätzt.

Milliardär und Landy-Fan

Das muss vorausgeschickt werden, um das Gerücht zu untermalen, welches erstmals im Sommer 2016 von der Insel nach Festland-Europa schwappte. Damals plante Ratcliffe noch die Neuaufnahme der Defender-Produktion. Land Rover hatte Anfang 2016 die Produktion des Defender eingestellt, seitdem gehen die Preise für gebrauchte Modelle des Geländewagens durch die Decke.

Ratcliffe ist nicht nur ausgesprochen reich, er ist auch ein erklärter Land Rover-Enthusiast. Und er ließ damals prüfen, wie eine Neuproduktion des Urgesteins realisiert werden könnte. Rund 300 Millionen Euro wollte er damals in die Hand nehmen, um ein neues Werk zu gründen und dort einen neuen Defender zu bauen. Inzwischen hat er 600 Millionen Pfund (aktuell gut 700 Millionen Euro) in die Gründung von Ineos Automotive gesteckt.

Land Rover dementiert

Nach seinen ersten Ankündigungen musste sich Ratcliffe allerdings der Realität beugen: Jaguar Land Rover hatte danach umgehend erklärt, dass es undenkbar sei, eine Drittfirma ein Auto unter diesem Namen bauen zu lassen. Eine Geschäftsvereinbarung hierzu mit Ineos wird kategorisch verneint. Auch sei die von Ratcliffe aufgrund des Alters der Baureihe zunächst vermutete Rechtsfreiheit zum Bau eines Defender-lookalike-Geländewagen in Wahrheit keine. Alleine durch das Land Rover „Reborn“-Programm, bei dem ältere Modelle im ehemaligen Defender-Werk in Sollihull wieder in Neuzustand versetzt und vermarktet werden, bestehe ein aktueller Business Case und damit auch entsprechende Designrechte, ganz abgesehen von den Namensrechten.

Nachbau wäre kein Problem

Dass sich ein einfach aufgebautes Auto wie der Defender auch ohne die originalen Produktionsanlagen problemlos fertigen lässt, steht dabei außer Frage. Motoren, Getriebe, Achsen und die Peripherie sind als Zuliefererteile auf dem Markt, es müsste lediglich eine Karosserie designt und das Konglomerat zusammengefügt werden. Ob hierfür und für die notwendigen zulassungsrechtlichen Genehmigungen selbst bei einer Kleinserienproduktion im Stil des Morgan Threewheeler die bisherigen Investitionen ausreichen, wäre die nächste Frage.

Zuletzt hatte Iveco versucht, mit dem Massif am Erfolg des Defender zu partizipieren, dabei hatte man damals sogar noch alte Rechte aus einer Zusammenarbeit von Land Rover und dem von Iveco übernommenen spanischen Hersteller Santana. Der Iveco Massif wurde allerdings wegen anhaltender Erfolglosigkeit wieder eingestellt. Ob Käufer ein Auto akzeptieren würden, das zwar wie ein Land Rover Defender aussieht, aber weder so heißt noch dessen Technik besitzt?

Ein Land-Rover-Sprecher hat jedenfalls auf unsere Anfrage unterstrichen, dass der Konzern in jedem Fall rechtlich gegen einen Hersteller vorgehen würde, der eine Defender-Kopie herstellt und vermarktet.

Update Februar 2017: Die Planungen werden konkret

Jim Ratcliffe bleibt am Ball! Mit der Gründung einer eigenen Automotive-Division des Chemie-Giganten Ineos geht er nun in die Planungsphase. Britischen Zeitungsberichten zufolge haben Ineos-Machbarkeitsstudien ergeben, dass die wirtschaftliche Fertigung eines robusten Geländewagens möglich sei. Angepeilt werden 15.000 Einheiten pro Jahr. Mit einem neu berufenen Geschäftsführer werden nun nach Aussagen der Firma Experten aus der Automobilindustrie angeheuert, die bei der auf drei Jahre veranschlagten Entwicklung des neuen Geländewagens mit anpacken.

Ratcliffe selbst hat sich inzwischen von einer allzu nahen optischen Kopie des Land Rover Defender verabschiedet, stellt jedoch klar, dass die Spezifikationen im Hinblick auf robuste Bauweise und Geleändetauglichkeit dem Original mindestens ebenbürtig sein sollen. Das Fahrzeug wird in jedem Fall über einen Leiterrahmen verfügen. Derzeit werden Zulieferer für Komponenten gesucht und ein möglicher Standort für die Produktion erforscht. Dabei will sich Ineos Automotive nicht nur auf den britischen Raum beschränken, in ganz Europa würden Areale überprüft, um dort eine neue Fabrik aufzubauen.

Ratcliffe hat außerdem klargestellt, dass er in Sachen Fertigungsqualität und Zuverlässigkeit eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem inzwischen eingestellten Defender anstrebt, jedoch dessen letzte Basispreise ermöglichen möchte. „Wir wollen den ursprünglichsten Geländewagen der Welt bauen, der Fernreisende, Farmer und Offroad-Fans rund um den Globus ansprechen wird“, sagte Ratcliffe dem Magazin autocar. An den Kosten sollte das Projekt nicht scheitern: Alleine die Privatyacht „Hampshire II“ von Jim Ratcliffe wird auf einen Wert von über 100 Millionen Dollar taxiert.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/neuheiten/land-rover-defender-revival-projekt-grenadier-bmw-motoren/

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